Uwe Schummer – Weisheiten des Talmud

Im Talmud, dem Buch, das den jüdischen Glauben mit dem konkreten Leben verbindet, ist es wunderbar formuliert:

“Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein und unser Schicksal“

Zitat: Uwe Schummer in Anlehnung an einen Text aus dem Talmud

Texte aus der chassidischen Weisheitslehre:

Nähe:

Ein Schüler fragte den Baalschem: „Wie geht das zu, daß einer, der an Gott hangt und sich ihm nah weiß, zuweilen eine Unterbrechung und Entfernung erfährt?“ Der Baalschem erklärte: „Wenn ein Vater seinen kleinen Sohn will gehen lernen, stellt er ihn erst vor sich hin und hält die eignen Hände zu beiden Seiten ihm nah, daß er nicht falle, und so geht der Knabe zwischen den Vaterhänden auf den Vater zu. Sowie er aber zum Vater herankommt, rückt der um ein weniges ab und hält die Hände weiter auseinander, und so fort, daß das Kind gehen lerne.“

Wahrheit:

Was bedeutet das, was die Leute sagen: „Die Wahrheit geht über die ganze Welt“ Es bedeutet, daß sie von Ort zu Ort verstoßen wird und weiterwandern muß. (Rabbi Baruch)

Leib und Seele:

Als Rabbi Schmelke von seiner ersten Reise zum Maggid heimkehrte und man ihn fragte, was er erfahren habe, antwortete er: „Bis nun hatte ich meinen Leib kasteit, daß er die Seele ertragen könne. Jetzt aber habe ich gesehen und gelernt, daß die Seele den Leib ertragen kann und sich von ihm nicht abzuscheiden braucht. Das ist es, was uns in der heiligen Thora zugesprochen ist: ‚Ich will meine Wohnung in eurer Mitte geben, und meine Seele wird euch nicht verschmähen.‘ Denn nicht soll die Seele ihren Leib verschmähen.“

Die Lehre der Seele:

Rabbi Pinchas führte oftmals das Wort an: „Die Seele des Menschen wird ihn belehren“, und bekräftigte es: „Es gibt keinen Menschen, den die Seele nicht unablässig belehrte.“ Einst fragten die Schüler: „Wenn dem so ist, warum hört der Mensch nicht auf sie?“ „Unablässig lehrt die Seele,“ beschied sie Rabbi Pinchas, aber sie wiederholt nicht.“

Etwas Großes tun:

Wenn ein Mensch etwas Großes in Wahrheit zu tun beginnt, braucht er nicht zu fürchten, daß ein anderer es ihm nachtun könnte. Wenn er es aber nicht in Wahrheit tut, sondern darauf sinnt, es so zu tun, daß keiner es ihm nachtun könnte, dann bringt er das Große auf die niederste Stufe herab, und alle können dasselbe tun. (Rabbi Pinchas)

Der Eilige:

Der Berditschewer sah einen auf der Straße eilen, ohne rechts und links zu schauen. „Warum rennst du so?“ fragte er ihn. „Ich gehe meinem Erwerb nach,“ antwortete der Mann. „Und woher weißt du,“ fuhr der Rabbi fort zu fragen, „dein Erwerb laufe vor dir her, daß du ihm nachjagen mußt? Vielleicht ist er dir im Rücken, und du brauchst nur innezuhalten, um ihm zu begegnen, du aber fliehst vor Ihm

Triebe „brechen“:

Ein junger Mann gab dem Riziner einen Bittzettel, darauf stand, Gott möge ihm beistehn, damit es ihm gelinge, die bösen Triebe zu brechen. Der Rabbi sah ihn lachend an: „Triebe willst du brechen? Rücken und Lenden wirst du brechen, und einen Trieb wirst du nicht brechen. Aber bete, lerne, arbeite im Ernst, dann wird das Böse an deinen Trieben von selber verschwinden.“

In der Hölle:

Der Apter sprach zu Gott: „Herr der Welt, mir ist bewußt, daß ich keinerlei Tugend und Verdienst habe, um derentwillen du mich nach meinem Tode ins Paradies unter die Gerechten versetzen könntest. Aber willst du mich etwa in die Hölle in die Mitte der Bösewichter setzen, so weißt du doch, daß ich mich mit ihnen nicht vertragen kann. Darum bitte ich dich, führe alle Bösen aus der Hölle, dann kannst du mich hineinbringen.“

Gib und nimm:

Die Losung des Lebens ist: „Gib und nimm.“ Jeder Mensch soll ein Spender und Empfänger sein.Wer nicht beides in einem ist, der ist ein unfruchtbarer Baum. (Rabbi Jizchak Eisik)

Götzenopfer:

Man fragte Rabbi Bunam: „Was ist mit Götzenopfer gemeint? Es ist doch ganz undenkbar, daß ein Mensch einem Götzen Opfer darbringt!“ Er sagte: „So will ich euch ein Beispiel geben. Wenn ein frommer und gerechter Mann mit andern bei Tisch sitzt und würde gern noch etwas mehr essen, aber seines Ansehns bei den Leuten wegen verzichtet er darauf, das ist Götzenopfer.“

Die große Schuld:

Die große Schuld des Menschen sind nicht die Sünden, die er begeht – die Versuchung ist mächtig und seine Kraft gering! Die große Schuld des Menschen ist, daß er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und nicht tut.

Die kommende Welt:

Einmal war der Sinn des Baalschem so gesunken, daß ihm schien, er könne keinen Anteil an der kommenden Welt haben. Da sprach er zu sich: „Wenn ich Gott liebe, was brauche ich da eine kommende Welt?“

Wo wohnt Gott:

Mit dieser Frage überraschte der Kosker einige gelehrte Männer, die bei ihm zu Gast waren. Sie lachten über ihn: „Wie redet ihr! Ist doch die Welt seiner Herrlichkeit voll!“ Er aber beantwortete die eigene Frage: „Gott wohnt, wo man ihn einläßt“

Die Ideenwelt des Chassidismus

Im Chassidismus lässt sich der Gedanke der Demokratie in geistiger und ökonomischer Hinsicht feststellen.

Es entstehen hier nicht übersteigerter Intellekt und Wertung eines Juden nach seiner Gelehrsamkeit im Vordergrund wie im Rabbinismus, sondern man setzt hier prinzipiell auf das jedem zugängliche religiöse Gefühl und die Intention (Kawwana).
Der radikale gesellschaftliche Demokratismus zeigte sich bei den ersten Führern, den Zaddikim. Rabbi Israel Baal-schem tov (ca. 1700 -1760) war der Schöpfer der Bewegung und widmete sich mit Vorliebe Ungebildeten und Armen aus dem Volk. Damit schuf er sich den Weg zum Herzen des Volkes. Er passte seine Sprache und sein Lebensgefühl ihren Neigungen an. Die Nächstenliebe zum Volk stand im Vordergrund.

Der Zaddik (einer der Gerechten) repräsentierte den Typus des autonomen Führers und entspricht so dem Charakter des Chassidismus als einer autonomen Gemeinschaftsbildung. Er wird aufgrund seiner Begabung zum Führer und ist das Gegenteil eines falschen Messias. Dieser will die Erlösung jedes einzelnen selbst vollziehen.

Wir stellen klar: Wer Jüdinnen und Juden und jüdisches Leben in Deutschland – in welcher Form auch immer – angreift, der greift die Grundlagen unserer Gesellschaft an, der tritt die Menschenwürde und Grundrechte aller mit Füße #chaimguski

SUPERKOBRA

Stromgitarren Kung Fu – Punk n Roll aus Marburg

Wesentliche Kritiken aus der Fachpresse:

Schon am Debüt-Album „Garre, Yeah Yeah!“ (Kamika-ze Records) hatte die Presse großen Spaß:

RockHard:

Wow![…]Egal, ob Sound, Riffs, Grooves, Songstrukturen oder Melodien: Hier rockt ein Trio absolut auf demselben internationalen Niveau wie die Garagen- und Rotzrock-Szenehelden The Hellacopters, The Hives oder The Sewergrooves […] 8,5/10 (A.H.)“

Dynamite:

Holla die Waldfee! Wer sich Supercobra tauft, leidet entweder an absoluter Selbstüberschätzung oder weiß, was er tut. Die Jungs aus Marburg wissen, was sie tun. […] Direkt ab Song Nummer eins will man die Faust in die Luft strecken und tanzen, was das Zeug hält. 5 von 5 Sternen (CH)“

Moloko-Plus:

Stromgitarren Kung-Fu: Ein lautes, hochenergeti-sches Gewitter zwischen THE DAMNED, HELLACOPTERS und HIVES, immer auf dem Sprung oder mittendrin

Noisy Neighbours:

Das Marburger Trio weiß, wo Bartel den Most holt und prügelt sich partytauglich durch die dreizehn Tracks.“ (11/13 Punkte – Kai)
Live hat SUPERCOBRA bei Gigs und Festivals, u.a. mit Turbonegro, Boozed, The Hip Priests, The Sewergroo-ves oder Reverend Backflash, den Freunden der ge-pflegten Stromgitarrenunterhaltung viel Freude bereitet.

Es wurde also höchste Zeit für ein neues Album. Also haben sich die drei Marburger drei Tage im Probekeller der Cellophane Suckers in Köln eingeschlos-sen, Hanno Kahl an die Regler gesetzt und losgelegt. Noch rauer, wilder, aber auch fetter und rockiger als das Debüt sollte es werden, mit noch mehr Ohrwurm- und Partyalarm – und der Auftrag wurde mehr als erfüllt. Rock`n´Roll-Stampfer wie „Always On My Mind“ oder „Life´s Killing Me“, 60s-Kracher wie „More Yeah Yeahs“ oder „All Night And Day“ oder Eingängiges wie “Since You´ve Gone” oder “Unhappy Man” machen das Album zu einem abwechslungsreichen Trip. Ein wahn-sinniger Drummer, brachialer Bass und High-Energy-Gitarren. Atemloser Leadgesang und Mitsing-Refrains. Und jede Menge „Yeah Yeahs“.
Und das sagt die Presse über „More Yeah Yeahs“

Wildwechsel:

Auf „More Yeah Yeahs“ wurde die Live-Energie von Supercobra endlich auf eine Platte gebracht (HS). (5 von 5 Sternen)“

IAMHAVOC:

Musikalisch knüpft die Band da an, wo sie mit “Garre, Yeah Yeah!” aufgehört haben: starkem skandinavisch klingenden Rock! Die neue Platte klingt nach einer guten Mi-schung aus the Hives und Supersuckers.“

OX:

Knappe drei Jahre nach “Garre Yeah Yeah!“ legen SUPER-COBRA aus dem beschaulichen Marburg mit „More Yeah Yeahs“ ein neues Album vor, welches das letzte, bereits großartige, locker in den Schatten stellt […] SUPERCOBRA haben für mich den November gerettet und spielen hoffentlich demnächst einmal in oder um Köln. Jungs, ich bin dann der bekloppte alte Mann in der ersten Reihe! Yeah! Yeah! Yeah!!!“ Guntram Pintgen

Bierschinken:

„Motor starten, Sonnebrille auf, Supercobra rein, Vollgas! Auf dem hier vorliegenden Album finden sich (was wenig überrascht) fast ausschließlich Songs, die größtes Potential haben, Soundtracks für den nächsten Actionfilm oder das nächste Videospiel mit viel Boomboom zu werden. […] Erinnert fast ein wenig an die Neuauflage von alten CBGB’s-Bands, wie den Ramones oder den Dead Boys, zuzüglich Indie a la The Subways, The Hives oder Blur. Das finde ich doch sehr gelungen. Tatsächlich weckt die Musik auch bei mir En-dorphinschübe und lässt knallbunte Autos zwischen gigantischen Häuserschluchten durch enge Gassen rasen sowie riesige Stichflammen aus Fabrikgebäuden emporschnellen. Zwen 1/2016“

SUPERCOBRA sind:

MARKUS WELBY SCHMIDT: GUIT. / VOX.

RALLE BUMQUIST: DRUMS / VOX Mein Bruderherz 😘

FRANKSTER BURNS: BASS / VOX

Hörbeispiel:

SUPERKOBRA

Der Netphener Tisch

Der Netphener Tisch, ein Projekt der Möglichkeitsdenker

ZDF-Menschen am 22.05.10. Vom Hilfeempfänger zum ehrenamtlichen Helfer. Wie Menschen mit Lernschwierigkeiten für bedürftige Bürger einer Region ehrenamtlich tätig werden. Ein Beispiel für bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit Lernschwierigkeiten in der Stadt Netphen bei Siegen.

Der Netphener Tisch

WDR Lokalzeit Südwestfalen 31.05.07. Dank Alexandra Schneider werden hunderte Menschen in Netphen satt! Vom Hilfeempfänger zu ehrenamtlichen Helfer. Bürgermut ist gefragt.

Der Netphener Mittagstisch

Die Möglichkeitsdenker entwickelten sich aus verschiedenen Projekten zum freiwilligen bürgerschaftlichen von Menschen mit Lernschwierigkeiten in ihrer Region, begonnen im Jahre 2005.

Dort vollzog sich auch innerhalb des praktischen sozialpädagogischen Handlungsfeldes eine eindeutige Hinwendung zur Gemeinwesenarbeit.

Gleich zu Anfang entwickelte sich ein alle zukünftigen Bemühungen zusammenfassendes Narrativ.

Es war ein Gedicht von Rainer Maria Rilke einer der bekanntesten Lyriker der Romantik nämlich: „Werkleute sind wir…“
Es handelt sich dabei, das sei an dieser Stelle erwähnt auch um eines meiner Lieblingsgedichte.

Dass ein solches Gedicht, aus der bildungsbürgerlichen Hochkultur des ausgehenden 19. Jahrhunderts, zum vielfältig zitierten Narrativ wurde und all unsere Bemühungen und Entwicklungsschritte begleitete, freut mich ganz besonders.

Wiederlegt es doch glänzend die oft geäußerte und ausgrenzende Auffassung, das solche lyrisch anspruchsvolle Texte diesem Personenkreis per se nicht zugänglich seien.

Auch aus diesem Grunde sei es auch an dieser Stelle wieder einmal zitiert:

„Werkleute sind wir………..*

Werkleute sind wir: Knappen, Jünger, Meister, und bauen dich, du hohes Mittelschiff.
Und manchmal kommt ein ernster Hergereister, geht wie ein Glanz durch unsre hundert Geister und zeigt uns zitternd einen neuen Griff.

Wir steigen in die wiegenden Gerüste, in unsern Händen hängt der Hammer schwer, bis eine Stunde uns die Stirnen küsste, die strahlend und als ob sie Alles wüsste von dir kommt, wie der Wind vom Meer.

Dann ist ein Hallen von dem vielen Hämmern und durch die Berge geht es Stoß um Stoß.
Erst wenn es dunkelt lassen wir dich los:
Und deine kommenden Konturen dämmern.

….. .“

*Rainer Maria Rilke, 26.9.1899, Berlin-Schmargendorf

Folgen der Ökonomisierung für die Denkweise der praktizierenden Sozialarbeitenden:

„Nicht nur die Praxis und das Handeln der Sozialarbeitenden ist von der Ökonomisierung geprägt. In den Köpfen unserer PraktikerInnen haben sich das Gedankengut und die Denkweise der Betriebswirtschaft bereits festgesetzt.

Die betriebswirtschaftliche Sprache und Logik beherrscht auch die Köpfe. Qualifizierte Soziale Arbeit wird von den Fachkräften selber als Luxus abgetan.

Die Ökonomisierung und ihre Folgen werden als selbstverständlich, als unvermeidbar, normal und natürlich erlebt und akzeptiert. Man findet nichts dabei, die fachliche Verantwortung in die Hände der Politik und Verwaltung ab zugeben.

Und auch eine Abwertung der eigenen KlientInnen hat bereits Einzug in das Denken und Fühlen so mancher PraktikerInnen gefunden.

Zusammengefasst lässt sich feststellen:
Die Veränderungen durch die Ökonomisierung wirken sich auf den Prozess der Erbringung sozialer Dienstleistungen, und auf die Definition der Aufgaben und der Zielgruppen Sozialer Arbeit, aus.

Und nicht zuletzt verändern sie die Binnenstruktur, also z.B. die Organisation, die Sprache, die Bedeutung bestimmter Bezugswissenschaften, die intentionale Ausrichtung und die Methoden der Sozialen Arbeit.

Soziale Arbeit als in diesem Sinne ökonomisierte Soziale Arbeit ist damit nicht mehr in der Lage, ihre Ziele, Wege und Zielgruppen selber zu bestimmen.

Die Veränderungen und Herausforderungen der neoliberalen Politik und der Ökonomisierung führen zu einer Abwendung der Sozialen Arbeit von ihren fachlichen und ethischen Grundsätzen.“

Vor dem Hintergrund meiner eigenen beruflichen Erfahrungen aus den letzten 35 Jahren, kann ich dem nur zustimmen

Die Kluge

Die Kluge und der Klotz

So klug, so sachlich, reflektiert
So kühl so gebremst, so kalt Sie wirkt.

Ironisch fein, der Spott rinnt durch
Zynismus gar?
Das glaubt Er eher nicht.

Sein Kopf kann so was nicht;
versteht’ s auch nicht.
Bei Ihm regiert der Bauch.

Das macht Ihn schwankend,
neidvoll zugeknöpft.
Ausgeliefert fühlt er sich, machtlos, hilflos dann.

Jetzt steigt die Wut in Ihm,
genährt von eigner Angst.

Schlägt drauf dann, wie ein grober Klotz
und schämt sich dann.

So dumpf, so grob, so ohne Feinheit
steh Er da

Ist ganz verzagt und brütet dann.

Goethes Faust: Letzte Worte

Demokratiemüde? Populisten hinterherlaufen? PolitikerInnen Bashing?

Nicht mit mir!

Empfehle mal den Faust zu lesen und sich nicht auf Halbwahrheiten, Fake News zu hören.

Dummes Geschwätz auf Stammtisch Niveau hilft auch nicht weiter.

….. „Das ist der Weisheit letzter Schluß:

Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß.

Und so verbringt, umrungen von Gefahr, Hier Kindheit, Mann und Greis sein tüchtig Jahr.

Solch ein Gewimmel möcht ich sehn. Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.

Zum Augenblicke dürft ich sagen: Verweile doch, du bist so schön !

Es kann die Spur von meinen Erdetagen nicht in Äonen untergehn.
Im Vorgefühl von solchem hohen Glück, Genieß ich jetzt den höchsten Augenblick.“

Goethe Faust

Lichtdanner – Hühneraugen

Die Küche ist schon aufgeräumt. Sorgsam gewischt. Geschirr gespült. Schließlich wird Besuch erwartet: Der mobile Podologe kommt.

Und nicht nur der. Notleidende Gäste sind ebenso eingeladen.

Geschwister, Tanten, Nachbarn, Witwen, Freunde, all jene deren Füße brennen, drücken, schmerzen.

Man hat sich abgesprochen. Jeder ist mal dran um den kundigen Podologen samt mobiler Praxiseinrichtung zu beherbergen.

Hühneraugen sind gediehen. Erheben sich, bilden hornige Schwielen, röten sich und bilden warzige Erhöhungen.

Recht unansehnliche schuppige Hornschichten sind an Fersen und Zehen gewuchert.

Nun ja, wunde Füße sind eine Qual. Da muss ein guter Mensch herbei der sich aufs Nägelschneiden gut versteht.

Der schneidet, hobelt, raspelt, pflegt.

Ein Wellnessprogramm, ein Jungbrunnen für die Füße.

Die Küche frisch gewischt, es duftet nach frisch gekochten Bohnenkaffee, der Duft von frisch gebackenen Napfkuchen erfüllt den Raum der nun fast bereit ist sich in eine ambulante podologische Praxis zu verwandeln.

Eine Weile vorher schon, man ist ja schon in Rente, die übliche Unterhaltung.

Sterbefälle, die Eigenen und des Nachbars Erkrankungen.

Mühen mit der Verdauung, Probleme beim Wasserlassen….. .

Wer heiratet in Kürze, wer lebt ohne Trauschein zusammen, wer geht fremd, wer lässt sich scheiden.

Der Pfarrer, der am Sonntag wieder mal nicht das wahre Evangelium verkündigt hat.

Nun es ist soweit der Füsseschneider (Podologe) kommt.

Ganz bescheiden im Kleinwagen.

Weiß gekleidet, wie sich’s gehört, zwei große Taschen in den Händen.

„Guck, der Füsseschneider kommt!“ raunt es durch die Runde.

Man hatte Ihn schon vorher erblickt, nur noch ein kleines Weilchen. Zeit genug sich auf den helfenden Gast einzustellen.

Ein letztes richten der Kittelschürze, die Hände fahren nochmal vorsichtig durch die Haare.

Die Männer betont lässig und unaufgeregt. Mann will ja nicht zeigen, das Aufregung aufkommt.

Ein räuspern noch ein hüsteln, die Haustürglocke klingelt, die Frau im Hause drückt den Knopf zum Türe öffnen.

„Einen wunderschönen Tag Frau Heizkörper, ach ja wir hatten uns ja auf Anni geeignet. Wie ist den das Werte Befinden?“

Die Frau des Hauses strahlt erst und lächelt dann ein wenig verschämt.

Solche herzliche Begrüßung ist man nicht gewohnt in diesen Kreisen.

Der ersehnte Gast bescheiden, ganz unprätenzenziös sehr zugewandt, gleichzeitig aber auch sehr professionell im Auftreten.

Was nun folgte:

Vor Beginn der Behandlung, die Füße sorgsam ins Fussbad. Zu diesem Zwecke hatte er sorgsam wie er war eine viereckige Schüssel mitgebracht und neben lauwarmen Wasser, welches die Dame des Hauses bereit gestellt, mit duftendem Badesalz ergänzt. Ein Wohlgeruch bereitet sich in der Küche aus. Ein wenig Fichtenzapfen mit einer Spur Veilchen und Zitrone.

Die erste, natürlich die Gastgeberin. Hausschuhe, Strümpfe ausziehen. Die Füße endlich Mal aus ihrem Gefängnis aus Leder und Wolle befreien.

Das geht nicht, auch nicht bei der steht’s reinlichen Hausfrau, ohne einen gewisse Duftentfalt ab. Ein wenig muffig, und ganz wenig Camembert.

Dann das wohltuende Fussbad. Nicht zu heiß und nicht zu kalt, ganz gekonnt von Füsseschneider bereit.

Nach 3 bis 4 Minuten die Füße aus dem Bade. Wieder, ja fast zärtlich von, nun nennen wir Ihn Theo, herausgehoben und sorgfältig abgetrocknet, auf einen bereitstehenden Schemel vorsichtig gebettet.

Die Zehennägel, ja diese Zehennägel.

Auf eine eigentümliche Weise erzählen sie, für den aufmerksamen Betrachter, vieles über die Lebensgeschichte des Patienten.

Fast übergangslos, so als wolle Theo damit nicht ängstigen, begann er vorsichtig und behende mit einem Skalpell so zu arbeiten, das überflüssige Hornhautschichten weil vom Fussbade weich geworden ohne Mühe abgetragen werden konnten.

Wie kleine Butterflöckchen glitten sie zu Boden, der vorher mit weißen saugenden Krepppapier ausgelegt worden war.

Die Zehennägel ganz behende, mittels einer dafür sehr geeigneten Zange, mit einem vernehmlichen Knack gekürzt.

Er nimmt sich Zeit für diese Arbeit. Behutsam, besonnen und immer freundlich blickend versieht er sein difizieles Handwerk.

Nur zu leicht schneidet man dabei ins „Leben“ wie man sagt, was Ihm, dem Fachmann, fast nie passiert.

Dann nur ganz sachte und vorsichtig das „Nagelhäufchen“ zurückgeschoben.

Dann ganz vorsichtig, die überstehenden Nagelhautchen zurück geschoben.

Mancher Zehennagel ist im Verlauf der Jahre schon arg mitgenommen, vom gehen, laufen stehen eingehängt in ledernen Hüllen.

Zuweilen, an den Rändern gelblich gefärbt, auch in der Mitte gebrochen.

Und dann, leider der Super Gau für alle Zehennägel.

Der Nagelpilz der sich einmal eingenistet, meistens ein Leben lang ein ungebetener Hausgast bleibt.

Die Nägel beginnen allmählich spröde, brüchig zu werde. Mit fortgeschrittenem Verlauf, dann zerbröseln sie regelrecht von aussen ganz allmählich nach innen.

Sehr unangenehm, sehr unansehnlich.

Mit Leidensmiene dann, blickt die betagte Witwe, inzwischen in Behandlung, auf Ihren großen Zeh.

Zug um Zug nun, sind alle leidenden Füße behandelt.

Kastanienduft erfüllt nun den Raum.

Der gute Mensch pflegt schließlich die zuvor Wunden Füße mit einem sahnigen Schaum aus einer Sprühdose.

Ein sahniger duftender Schaum entsteht, unglaublich wohltuend und herrlich duftend.

Dieser dringt schnell ein, beseitigt sogleich dieses unangenehme Spannungsgefühl an den Füßen.

Erleichterung und Dankbarkeit machen sich breit.

„Ein Stückchen Kuchen und ein Tässchen Kaffee?“

„Ja, danke aber nur ein nur ein kleines, muss ja noch weiter.“ Dabei räumte der liebenswürdige Mensch bereits sein chirurgisches Handwerkszeug zusammen.

Er, Menschenfreund, ein Humanist durch und durch.

Bescheiden wie er angekommen war, zog er sich zurück.

„Auf Wiedersehen die Herrschaften, wir sehen uns in sechs Wochen.“