Kakao und Käse

Emmerich trug meistens eine Baskenmütze. Sein Markenzeichen.
War im Kriege in französischer Gefangenschaft gewesen. Davon berichtete er mit Vorliebe. Von seinen Erlebnissen dort, vom Essen und Trinken und, von den Frauen. Die Schrecken und Grausamkeiten, die Mitschuld dieser Generation am Hiltlerfaschismus verschwieg er, oder hatte sie nicht erkannt. So wie fast alle Männer seiner Generation. Was übrig blieb, waren Geschichten, die in ihrer Verklärung eher an Pfadfinder-Geschichten erinnerten.

Voller Verklärung und nostalgischer Idealisierung der damaligen Zeit.
Emmerich war beides. Auf der einen Seite ein beinharter Calvinist, der vehement alles ablehnte, was mit Genuss und Lebensfreude bedeutete.
Auf der anderen Seite ein sentimentalen Lebemann, der gerne aß und trank, vor allem den schweren süßen Moselwein.
Bier holte er sich gelegentlich mit der Milchkanne in der Dorfkneipe. Man sollte nicht sehen, dass er gerne ein Bierchen trank.

Er liebte diesen verkappten Lebemann, der zwischen Frömmelei und leichtem genussvollem Leben scheinbar ohne Problem hin- und herschwankte.

Gerade diese Doppeldeutigkeit, die so zwanglos daher kam, faszinierte ihn.
Mit der Zeit wurden sie Freunde mit einem Altersunterschied von annähernd 40 Jahren.

„Komm doch mit nach Hause, bei uns gibt es heute Abend Kakao und Käse.“ bot er ihm an.

Er schlug dieses Angebot nicht aus und ging mit.
In Emmerichs Zuhause angekommen duftete es schon an der Haustüre nach köstlichem selbstgekochten Kakao.
Auf dem Küchentisch stand dann schon verzehrfertig eine ordentliche Anzahl bereits dick mit Butter und Edamerkäse belegter Weizenbrötchen.

Liebevoll zubereitet von Emilia, seiner Ehefrau. Eine tiefgläubige Frau, die immer sanftmütig und freundlich den Haushalt führte, gut kochte und klaglos akzeptierte, dass er bei seinen häufigen Besuchen seine geliebten filterlosen Gauloise Coporal dabei rauchte.
Emmerichs politische Einstellungen waren denen der den Seinen gegenüber diametral entgegen gesetzt.
Er, der seinem Onkel Theodor nacheifernd Willi Brandt verehrte.

Emmerich dagegen ein Anhänger von Konrad Adenauer und dessen rückwärtsgewandter Politik der Restauration und der Verdrängung.
Typisch für die Bewohner des Klippdachslandes zu jener Zeit.

Wenn er vom Politisieren mit ihm genug hatte, bemerkte er: „Du bist ein hoffnungsloser Kommunist. Wenn der Russe von Osten her hier einmarschiert, wirst Du Bürgermeister,“ was schon fast wieder eine Anerkennung für ihn bedeutete.

Emmerich verstarb sehr früh und er erinnerte sich der bitteren Tränen, die er deswegen geweint hatte.

Ich unterstütze
Nadine Bernshausen

Nadine – Nah dran

Der Podcast von Nadine

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Nadine:
„Mein Name ist Nadine Bernshausen und hier erfahrt ihr, was mich bewegt und antreibt. 
Am 14. März 2021 kandidiere ich als Oberbürgermeisterin für Marburg. Gemeinsam wollen wir ein neues Kapitel in unserer Stadt aufschlagen. Denn jede Zeit hat ihre Farbe. Und diese Zeit ist grün.

Nadine:
Bereits von Kindesbeinen an ist der christliche Glaube mein innerer Kompass, in der Elisabethkirche fühle ich mich zuhause. So war ich lange im Kirchenvorstand der Elisabethkirche und bin nun seit sechs Jahren im evangelischen Kirchenkreis Marburg-Biedenkopf als Präses ehrenamtlich tätig sowie seit 2015 als Synodale der EKD.

 „Nadine Bernhausen. Jetzt braucht es Mut!“ auf YouTube

 

 

Frau Wollmantels Weihnachts-geschichte

Auszug aus: Kumm mei kläinr Buu..

Es war im Dezember, an einem Freitagnachmittag, so eine Woche vor Weihnachten. Die Winterferien hatten mit diesem Tage begonnen. Schon am Morgen hatten dicke Schneeflocken die Dächer und Felder bedeckt.

Die Dorfschlehrerin, Frau Wollmantel hatte Ihre Zöglinge mit den Worten: „Ein gesegnetes Weihnachtsfest mein Völkchen“ in die Weihnachtsferien entlassen.

Zuvor in der letzten Schulstunde war das Fach Religion, wie üblich, an der Reihe.
Alle Schüler, von der ersten bis zur dritten Schulklasse, saßen im größten Klassenraum zusammen. Sie sangen zu Beginn, das schöne Weihnachtslied, Ihr Kinderlein kommen, oh kommet doch bald…… .

Frau Wollmantel begleitete dabei mit einem schwarzlackierten Musikinstrument aus Plastik, welches ein Mittelding von Ziehharmonika, und Harmonium darstellte.
Dieses Instrument wimmerte erbärmlich, zwischendurch asthmatisch pfeifend. Die Kinder störte das nicht, hatten sie doch keine musikalischen Vergleichsmöglichkeiten. Im Gegenteil, sie sangen mit Inbrunst, gefühlvoll das kommende Weihnachtsfest freudig erwartend.

Ihre Lehrerin erzählte die biblische Weihnachtsgeschichte so, daß die Kinder sie gut verstehen konnten. Sie erzählte sehr schön mit ruhigem Ton und weicher Stimme, die schon andeutungsweise, ein sanftes Tremolo zeigte. Ein Umstand der viele weibliche Sopranstimmen betrifft, die allmählich das Klimakterium erreichen.

Als die Stelle mit der Verkündigung der Engel über die Geburt des Jesuskindes gekommen war, erreichten Ihre erzählerischen Qualitäten einen Höhepunkt.

Die Engel erschienen prachtvoller, ihr Erscheinen spektakulärer.
Auch den Stall zu Bethlehem, als Geburtsort des Jesuskindes schilderte Sie bildhaft und verständlich.

Im Zentrum Maria sitzend mit dem Kinde in der Futterkrippe, liebevoll mütterlich saß Sie dort. Ihr Blick strahlte Freude, aber auch Wehmut, Schmerz und Trauer aus. Als ob Sie schon ahnen könne, welchen Weg Ihr Sohn bis hin zum Kreuz auf Golgatha gehen würde.

Ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer mag an diese Stelle passen, ohne den Erzählstrom wesentlich zu unterbrechen:

„Allein weil Gott ein armer, elender, unbekannter, erfolgloser Mensch wurde, und weil Gott sich von nun an allein in dieser Armut, im Kreuz, finden lassen will, darum kommen wir von dem Menschen und von der Welt nicht los, darum lieben wir die Brüder. Wer fromm ist muß auch politisch sein.“

Gleich daneben rechts, Joseph. Groß, würdig, mehr Hirte als Zimmermann, ein schwerer Umhang und der unvermeidliche Hirtenstab. Alle drei beisammen die heilige Familie.

Die Krippe umlagernd, sitzend halb liegend aufgestützt, drei Hirten. Sie blicken staunend und zugleich erfreut auf das Jesuskind.

„Sind wir es, die ärmsten der Armen, wir die wir am Rand des Gesellschaft leben wirklich die ersten, die das Wunder der Geburt Christi erleben dürfen? Sie wir es, die als Erste dabei sein dürfen, von himmlischen Heerscharen, gerufen, wenn Gott als hilfloses kleines Baby auf die Erde kommt?“

Dabei der Ochse, der Esel und 3 Schafe. Die Körper der Tiere sind hinter einer Bretterwand verborgen. Lediglich die Köpfe sind zu sehen. Ihre Köpfe sind größer als gewohnt, die Augen staunend groß, blicken sie bewundernd und fröhlich auf die Szene.
Fast wie Kinder, die Ihre Weihnachtsgeschenke erhalten haben.

Die 3 Waisen aus dem Morgenlande mit den Gaben, Gold,Weihrauch und Myrhe.
Nun, die fehlen noch. Sind vielleicht noch nicht angekommen.

Zum Ende dann noch: Oh du fröhliche oh du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit…….
Die letzte Strophe dann hymnisch, laut und voller Inbrunst gesungen: …….freue dihich freue dich oh Christenheit !!!

Die Kinder liebten Ihre Geschichten, vor allem dann wenn nach dem letzten Schultage die Ferien begannen.

Zuweilen gingen nicht nur Ihren Schülern, sondern auch Ihr selbst die Geschichten so nahe, daß Ihr die Augen feucht wurden und Sie leise zu weinen begann. Sie erzählte dann von Krieg, Not und Tod, von Flucht und Vertreibung ihrer Familie, von Ihrer Geige die auf der Flucht mitgenommen, plötzlich beim einem Zusammenstoß der Pferdewagen in tausend Teile zerschellte …… .

Ja, Sie war ein Schöngeist im besten Sinne, eine kluge musikalisch begabte empfindsame Seele, wie geschaffen bei uns Kindern die Neugier zu wecken, die Phantasie und die Kreativität.
Wir Kinder wussten das nicht, aber, sie fühlten es.

Trauer oder Zorn

Ich entscheide mich für Zorn!

Die meisten evangelikalen Christen in den USA haben Trumps Wiederwahl massiv unterstützt.

Ihr Gott im Weißen Haus

Das waren dann einige Millionen Wähler*innen für Trump.
Ich weiß nicht genau, ob man darüber traurig oder wütend sein soll.
Ich entscheide mich für wütend..
Ein Mann der die Ehe bricht und auch noch damit prahlt.
Ein Mann der tausende Male gelogen hat.
Ein Mann der aufhetzt.
Ein Mann der ausgrenzt.
Ein Mann der Minderheiten nicht nur ausgrenzt sondern massiv bedroht.
Was würde Jesus dazu sagen.

Ein weiterer zusätzlicher Beleg für die Verstrickungen zwischen Trump und amerikanischer evangelikalen Gemeinden liefert der folgende Link:

US-Wahl 2020: Evangelikale beten für einen Sieg von Donald Trump:

Dämonische Verschwörung

Nun hat das Ganze nicht geklappt.

Aber Vorsicht:

Noch ist dieser menschenverachtende Plutokrat nicht verschwunden.

Ich für mein Teil bete für dessen Demission.

Papst Franziskus kritisiert Konsum und warnt: „Schlimmer als eine Pandemie“

Gastbeitrag von Uwe Schummer„Schlimmer als eine Pandemie“: Die düstere Warnung von Papst Franziskus vom 09.10.2o

FOCUS-Online-Gastautor Uwe Schummer

In seiner Enzyklika weist Papst Franziskus daraufhin, dass die Kirche auch das „Handeln Gottes in anderen Religionen“ schätzt und dass sie beim Aufbau einer besseren Welt nicht abseits stehen dürfe.

Papst Franziskus hat in seiner Sozialen Enzyklika „Fratelli tutti“ über die Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft einen Leuchtturm gesetzt.

Dabei beleuchtet er die Welt im Lichte der Menschenwürde. Unabhängig davon, wo und wie dieser Mensch lebt.

Dabei verurteilt er eine „Welt voller Wachtürme und Verteidigungsmauern“.

Die Alternative des weltweit geltenden Schreibens ist, den „Nächsten“ auch in dem Menschen zu sehen, der weit von uns entfernt lebt oder noch gar nicht geboren ist und zur künftigen Generation angehören wird.

Seine Vision ist eine Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft, die die Schätze der Welt und die uns mitgegebenen Talente und Fähigkeiten so organisiert, dass wir nicht zu Lasten anderer Völker und Generationen diesen Planeten Schlimmer als eine Pandemie\“plündern.

ÜBER DEN GASTAUTOR:

Uwe Schummer ist Mitglied des Deutschen Bundestags und dort Vorsitzender der CDU/CSU-Arbeitnehmergruppe.

Papst Franziskus warnt davor, Lehren der Vergangenheit zu vergessen

Dabei bezieht sich Papst Franziskus auch auf die aktuelle Erfahrung einer Pandemie, die „falsche Sicherheiten“ offenlegte und die Verletzlichkeit selbst starker ökonomischer Volkswirtschaften zeigt.

Sie liefere auch den Beweis dafür, dass „wütende und aggressive Nationalismen“ unfähig sind, die Herausforderungen der Zeit zu lösen; zumal sie mit „Egoismus und dem Verlust des Sozialempfindens“ einhergehen.

Er warnt davor, die Lehren der Vergangenheit zu vergessen, die aus einem überbordenden Nationalismus – mit all ihren unzähligen Kriegen – zur Zusammenarbeit der Völker in der UN geführt habe.

Sein Bild ist die Menschheitsfamilie, in der Völker nicht nebeneinander, sondern miteinander und inklusiv ihre positiven Kulturansätze leben.

Er kritisiert die gegenteilige Entwicklung, in der Teile der Menschheit „geopfert werden“ – zugunsten einiger bevorzugter Bevölkerungsgruppen.

Dabei benennt er „wirtschaftliche Regeln, die sich als wirksam für das Wachstum, aber nicht für die Gesamtentwicklung des Menschen erweisen“.

Er geißelt eine Form der Versklavung des Menschen, die „zulässt, ihn wie einen Gegenstand zu behandeln, ihn kommerzialisiert und zum Eigentum eines anderen herabmindert.“

„Schlimmer als eine Pandemie“

In diesem Lichte ist die Enzyklika auch ein wichtiger Impuls für ein faires Lieferkettengesetz, wie es von Bundesentwicklungsminister… .

… Deutschland und die Europäische Union als weltweit starke Märkte können über ein ernsthaftes Bemühen für Transparenz bei Zulieferern sorgen, dass Kinder- und Sklavenarbeit ausgeschlossen sind.

Dies wäre ein konkreter Beitrag für bessere Lebensbedingungen auf anderen Kontinenten.

Die Pandemie habe uns auch dazu „gezwungen, wieder an alle Menschen zu denken, anstatt an den Nutzen einiger“. Ähnlich wie Papst Johannes Paul II. in seinem sozialen Weltrundschreiben „Laborem exercens“ von 1981 kritisiert Papst Franziskus „fieberhaften Konsumismus“ und eine Haltung des „Rette sich, wer kann“ in einem universalen Kampf „Alle gegen Alle“.

Dies werde „schlimmer als eine Pandemie sein“.

Statt sich abzuschotten und „als Inseln zu leben“, sieht er die „Notwendigkeit, über die eigenen Grenzen hinauszugehen“.

Er benennt die „Sorge um das gemeinsame Haus unseres Planeten“.

Sein Beispiel: Wer Wasser im Überfluss hat und trotzdem sorgsam damit umgeht, weil er an andere denkt, der blicke über sich und die Seinen hinaus.

„Gesunde Politik“, die nicht dem Diktat der Finanzwelt unterworfen ist.

Das Recht auf Privatbesitz sei niemals absolut und immer mit der sozialen Funktion zu verbinden.

Unternehmerische Tätigkeit sieht er als eine edle Berufung, die darauf ausgerichtet ist, Wohlstand zu erzeugen und die Welt für alle zu verbessern.

Ziel müsse immer auch die Entwicklung des Menschen und die Schaffung vielfältiger Beschäftigungsmöglichkeiten sein. Er verweist auf den Zusammenhang von Globalisierung und Lokalisierung.

Man müsse auf die globale Dimension achten, um nicht in die alltägliche Kleinigkeit zu verfallen. Sonst werde das Zuhause nicht Heimat, sondern Zelle.

Unter diesem Aspekt sei auch die Entwicklungshilfe für die „armen Länder“ eine „Vermögensschaffung für alle“.

Die Welt könne nicht auf Dauer fruchtbar sein, wenn sie nicht gerecht ist.

Es gehe darum auf „gesunde Weise lokal zu denken, sich dabei im Herzen eine Offenheit für das Universale“ zu bewahren.

Die Pandemie zeige auch, dass nicht alles durch den freien Markt gelöst werden könne.

Stattdessen fordert er eine „gesunde Politik“, „die nicht dem Diktat der Finanzwelt unterworfen ist, die Menschenwürde in den Mittelpunkt stellt“.

Gegen den transnationalen Charakter von Wirtschaft und Finanzen müssen auch internationale politische Institutionen entwickelt werden, die so mit Macht ausgestattet sind, dass sie dem Primat der Politik dienen.

Kirche darf beim Aufbau einer besseren Welt nicht abseits stehen

„Die Politik darf sich nicht der Wirtschaft unterwerfen, und diese darf sich nicht dem Diktat und dem effizienzorientierten Paradigma der Technokratie unterwerfen“.

Er erinnert: Die Erde sei eine Leihgabe, die jede Generation empfängt und den nachfolgenden Generationen weitergeben müsse.

Durch Finanzspekulationen erzeugte Hungersnöte nennt er „ein Verbrechen; Ernährung ein unveräußerliches Recht“.

Das Leben sei eine Kunst der Begegnung mit der Fähigkeit das Recht einzugestehen, anders zu sein.

Aus dem Miteinander bestehender Kulturen, erwachse ein „Sozialpakt“, aus dem heraus die Weltgesellschaft zum friedlichen Miteinander geführt werden kann.

Dies bedeute auch die Fähigkeit auf Verzicht für andere und die Erkenntnis, dass die letzte Wahrheit nicht von dieser Welt ist.

„Wahrheit ist die untrennbare Gefährtin von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“.

Nur in diesem Gleichklang könne sich globale soziale Freundschaft entwickeln.

Dabei schätze die Kirche auch das „Handeln Gottes in anderen Religionen“. Sie respektiere die „Autonomie der Politik, beschränke aber ihre eigene Mission nicht auf den privaten Bereich“.

Die Kirche dürfe beim Aufbau einer besseren Welt nicht abseits stehen…. .“

Der Irrlehrer

Es war August.
Die Sonne brannte seit vielen Wochen unbarmherzig vom Himmel. Die Heuernte war längst eingefahren. Das reife Getreide wogte im heißen Sommerwind. Der Hafer goldgelb. Der Weizen sonnengelb. Die Gerste, deren Ähren sich bereits nach unten neigten, da ihre pelzigen spleißigen Körner bereits so reif waren, dass sie sich gelegentlich von selbst aus den Ähren lösten und zu Boden fielen, strohgelb.

Der Irrlehrer

Der Roggen, das bevorzugte Getreide im Klippdachsland, majestätisch empor gewachsen, fast so hoch wie ein erwachsener Mann und bestens geeignet sich als Kind darin zu verstecken, was bei Androhung schlimmer Strafen, die nie vollzogen wurden, verboten war, sandgelb schon ins Gräuliche wechselnd.

An jenem Morgen
Die Sonntage unabhängig von jeder Jahreszeit, vollzogen sich in jenem Klippdachsland fast immer mit der gleichen Routine.

Gegen acht Uhr betritt die gute Mutter Dragmari das Schlafzimmer mit einem kurzen Morgengruß. „Gemorje“ (Guten Morgen, gut geschlafen?).
Sogleich begibt Sie sich zum Fenster, um es zu öffnen. Der geneigte Leser mag sich denken, weshalb die Frau Mama dies für erforderlich hält.

Im Schlafgemach eines pubertierenden Jugendlichen im Überschwang seiner Hormone sind doch so manch unterschiedliche körperliche Gerüche vorzufinden, die sich zu einem olfaktorischen Gesamtergebnis mischen und der Riechenden durchaus unangenehm erscheinen können.

„Imme halb Zeeh ess Körche. Stieh mool off. Sonnsd bäsde wörrer ze spiere“
(Steh bitte auf. Um nicht erneut zu spät zum Gottesdienst zu kommen. Der beginnt bereits um 09:30 Uhr)
Der so Angesprochene sagt nichts, blickt die gute Frau Mama mürrisch an und ergibt sich seinem Schicksal.

Zum Frühstück gab es sonntags häufig Rosine Blatz medd Zogger. (Rosinenstuten bestrichen mit Margarine, obenauf dann eine gehörige Portion Rübenzucker). Dazu eine Tasse Kakao, beides mundete köstlich. Die gute Butter gab es eher selten. Wohl aus Sparsamkeit, was für einen großen Haushalt, der, wie viele Familien damals, auch eine Nebenerwerbslandwirtschaft betrieb, recht verwunderlich war.
Opa Gregorius machte da nicht mit. Er bestrich seine Bodder (Stulle, Scheibe Brot) ausschließlich mit der guten Butter. Zum Abendbrot bevorzugt mit geräucherter Blutwurst und Apfelgelee, natürlich alles selbst gemacht. Oft zur Verwunderung, gelegentlich auch zum Ärger seiner Gattin, Oma Friedelinde. Die dabei gelegentlich bemerkte: „Vadder, du leesd der de Bodder fengerdegge offs Brod. Onn äich? Äich ääse seid zwansich Joohr Magerine onn nomme kää Gramm obb.“
(Vater [Ehegatte], Du belegst dir dein Butterbrot so dick mit Butter. Fingerdick. Und was ist mit mir?
Ich esse seit zwanzig Jahren nur Margarine auf meinem Butterbrot. Trotzdem habe ich noch kein Gramm abgenommen).
Inzwischen begannen die Kirchenglocken zu läuten. Dieser Dreiklang ist ihm unvergänglich in Erinnerung geblieben.
Erst die kleine Glocke: Bim, bim, bim …… !

Dann die mittlere Glocke dazu: Bam, bam, bam … !

Beide zusammen dann: Bim, bam. Bim, bam …!

Dann die große Glocke: Bum, bum, bum, bum… !

Alle drei Glocken dann im Tutti:
Bim, bam, bum! Bim, bam, bum! Bim, bam, bum! Bim, bam, bum……… !

Der gute Vater Flodur nun zu Ihm: „Mach feroo! Z loud schoo fünf Minudde voll!“
(Beeile Dich bitte. Das volle Geläut ist bereits seit fünf Minuten zu hören!)
Die „Sonntagshose“ und das „Sonntagshemd“ in Taubenblau hatte er bereits vor dem süßen Frühstück, die gute Mutter hatte es schon beim Wecken bereitgelegt, angezogen.
Die betagte Treppe aus dem ersten Stock des Bauernhauses, das Gesangbuch vom verstorbenen Urgroßvater in der rechten Hand, behände hinunter.
Die erste Treppenstufe lautlos.

Die zweite meldete sich beim Betreten mit wiip.
Die dritte wieder lautlos.

Die vierte dann schon lauter wiuup.

Die fünfte fast wie die erste, aber vernehmlicher wiiip.

Stufe sechs nun im vernehmlichen Bariton wiiupaa.

Treppenstufe sieben im lauten, jedoch gepflegten Bass wioopaass, versehen mit einem leisen nur angedeuteten tiefen Tremolo.

Stufen acht und neun mit einem Satz übersprungen und auf dem schmalen Flur, dicht neben der Haustüre links gelandet.

Großmutter Friedelinde, an diesem Sonntage zum Kirchgange nicht bereit „Mäie räächde Höffde brennd wie Faier“, (Mein rechtes Hüftgelenk macht mir Beschwerden. Deswegen muss ich heute auf den Kirchgang verzichten), hatte alles gehört und gemerkt.
Sie saß am Küchentisch der winzig kleinen Küche, kaum drei Meter rechts neben der alten Treppe und schnitt die Blätter einer Endivienpflanze in sehr dünne Streifen. Die Küchentüre stand offen.
Jene Blätter, schon vorgeschnitten, waren am Samstagabend, vor dem gemeinsamen Wannenbad mit Gregorius, in lauwarmes Wasser eingelegt, und gingen nunmehr ihrer Vollendung zum Sonntagsessen entgegen.
Oma Friedelinde blickte auf und kommentierte die Szene vorwurfsvoll.

Sie bemerkte ärgerlich:
„Schoo wörrer.
De ganse Doog.
Roff, robb, roof, robb.
Onn doss ohm helle Sonndoog.
Ii dem Haus ess kää Ruh ze fenne.
Äich wern noch simbelich.“
und schüttelte dabei mit dem Kopfe.
(Schon wieder dieser Lärm. Tagein, tagaus das gleiche. Die Treppe rauf und runter, rauf und runter. In diesem Hause ist keine Ruhe zu finden.
Es ist zum Verzweifeln.)
Schon in Eile öffnete er die Haustüre, zwei Treppenstufen hinunter. Die Haustüre flog hinter ihm ins Schloss.
Diese Haustüre, deren unverkennbares Geräusch beim schließen, war schon alt, sicher ein Nachkriegsmodell, bei weitem keine Schönheit. Robust aus massivem Lärchenholz in einer Art Neobiedermeierstil gefertigt. Ganz typisch für die Stilelemente der Nachkriegszeit, die nicht nur mit dem Nierentischdesign aufwartete.
Alles, was Gemütlichkeit, Biedersinn und Wohlanständigkeit ausdrücken sollte, war damals gefragt.
Der Gipfelpunkt dieser Geschmacklosigkeiten war der „Gelsenkirchener Barock.“

Damit nicht genug: Die ehemals schmucklosen Fachwerkfassaden verkleidet mit unendlich trostlosem Eternit. Die Fensteröffnungen, ehemals klein und passend, nun herausgebrochen und ersetzt durch große Einflügelfenster die mehr Licht in die Stuben bringen sollten. Wahrscheinlich sollte so eine Anpassung an die modernen Zeiten gezeigt werden. An eine städtisch kleinbürgerliche Wohnkultur der 60er und 70er Jahre.

Das Ergebnis war erbärmlich. Die letzten Reste des Ausdrucks einer dörflich bäuerlichen Lebensweise, die eigentlich immer von Sparsamkeit, Entbehrung und trotzigem Fleiß gekennzeichnet war, waren bis zur Unkenntlichkeit verbaut, verhunzt und kaputt saniert worden.
Wenn die Häuser jemals etwas von der wirklichen Identität und der eigentlichen Lebensweise ihrer Bewohner zeigten, war dies nun verschandelt und damit für immer verloren.

Das so beschriebene dörfliche Ambiente der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts begleiteten ihn auf dem Weg zur Kirche.
Von der Haustüre aus gleich links über den Hof der schon abschüssig war. Dann gleich nach rechts die ziemlich steile Dorfstraße hinunter zur Kirche, deren Turmuhr schon deutlich zu lesen war. Neunuhrachtundzwanzig, nun aber hurtig.
Auf die Beschreibung der Architektur dieser für dörfliche Verhältnisse imposanten, aus schwarzem Diabas gebauten Kirche, mag nun verzichtet werden, ist sie doch in zwei anderen Kapiteln dieser Erzählung [hier Link] hinlänglich beschrieben.
Er betrat dieses sakrale Gebäude zuerst über eine sonntags wenig befahrene Bundesstraße durch eine schmucklose Türe an der linken Turmseite. Nun zwei Meter geradeaus, dann gleich neunzig Grad wieder nach links.
Was er nun erblickte war vertraut.
Ein langer Gang direkt zum Altar hinstrebend. Der Altar, eigentlich eine große Holzkommode, grau bläulich lackiert, so wie alles hölzerne Inventar des Gotteshauses.
Eine aus weißem Linnen bestehende Altardecke, in hessischer Lochstickerei verziert.
In der Mitte ein Kruzifix. Rechtseckiger schwerer Fuß, ein Kreuz in gleicher Farbe. Der Korpus Christi in etwa hellerer Farbe. Alles wohl aus dunklem Holz gefertigt.
Der schöne Blumenschmuck, wie üblich links und rechts des Kruzifix.
Eigentlich eine Altarausstattung in lutherischer Manier.
Eine innen wie außen schlichte, grundsolide Kirchenarchitektur, nicht schön, aber auch nicht hässlich, lutherischer Prägung.
Keinesfalls die Interpretation des himmlischen Jerusalem wie sie so faszinierend manche Kirchen, Döme und Kathedralen interpretieren, die er späterhin so sehr liebte.
Gleich darüber in etwa 3 Meter vom Boden die Kanzel.
Gleiche grau bläuliche Farbe ansonsten schmucklos.
Eine schlichte deutlich lutherisch geprägte Kirchenarchitektur in Besitz und Gebrauch von einer durch und durch calvinistisch, evangelikal geprägten Gemeindeleben.
Paramente vorhanden, dem Kirchenjahr entsprechend stehts gewechselt.
Über der Kanzel ein großer grauer, nun sagen wir Wandteppich, mit einem Bibelspruch graugrün kunstvoll bestickt. Dereinst erstellt von einer Pfarrersfrau, deren Handarbeits- und Bastelkünste weithin bekannt und gerne in Anspruch genommen wurde. Den genauen Text dieses Spruches erinnert er leider nicht mehr.
Der steinerne Boden des Kirchenschiffes rechteckig in Rautenform verlegt.
Links und rechts, das wo die Kirchenbänke sich befanden, auf niedrigen Holzpodesten, verschraubt, die Besucher des Gottesdienstes.
Unten im Schiff, nur die Frauen, oben auf den Emporen nur die Männer.
Eilig entlang das Kirchenschiffs bis zum Altar Dann gleich links zur Konfirmandenbank für Knaben.
Gegenüberliegend, gut im Blick, die Konfirmandenbank für Mädchen. Sehr praktisch. Mädchen, verschämt anglotzten, nichts sagen könnend, den höhnisch arroganten Blick der Angestierten ertragend, das Vogelzeigen ertragend, erröten.
Die Erektion wahrnehmend, im Moment nichts dagegen tun könnend. Die Oberschenkel zusammenkneifend ertragen.
Eine Dauerbeschäftigung für Knaben solchen Alters.
„Hee äss i de Fleejeljoohrn“ (Er befindet sich in der Pubertät), so wurde der Zustand solcher Knaben bezeichnet.
Bei den jungen Mädchen in diesem Alter geschah so oft eine wundersame Wandlung, die ihn, immer wieder erstaunte.
Oft verging nicht mal ein halbes Jahr und aus einem ungelenken Kind, bei dem man meinte alles Äußere würde nicht zueinander passen eine wunderschöne junge Frau, bei der plötzlich wieder, im Auge des Betrachters, alles passte.
Der Gottesdienst nahm zunächst seinen üblichen lutherisch liturgischen Verlauf.
Immer dann, wenn die Liturgie gebot, die Gemeinde solle sich erheben ereignete sich Erstaunliches.
Die Gemeinde, oben die Männer, unten die Frauen,
links und rechts des Altars die Konfirmanden, erhoben sich.
Auf einen Schlag verdunkelte sich das Kircheninnere merklich. Vor allem unterhalb der durchlaufenden Empore.
Die Frauen, zu dieser Zeit noch häufig in rabenschwarzer Witwentracht. Erhoben sich, die Helligkeit im sonst lichtdurchfluteten Schiff nahm merklich ab.
Zur gleichen Zeit strömte ein neuer Duft durch Raum.
Etwas von Mottenpulver-, Pipi- saure Milch- und Kuhstallgeruch ließ sich erahnen. Erst ganz leicht und dann immer stärker. Der Duft seiner Jugend. Auch sonst, bei manchen anderen Anlässen zu vernehmen.
So auch in den kalten, dunstigen Winterabenden, wenn die alten Frauen in den niedrigen Stuben, in der Dämmerung und weit bis in die Dunkelheit hinein, zusammen saßen, die Daumen drehten, sich von den alten Zeiten erzählten und oft auch schwiegen. Ein beredtes Schweigen, oft viel mehr sagend als manches leicht dahingesprochene Wort. Von Ihrer schweren Arbeit auf dem Felde, von der Mühsal Ihres schweren Lebens, von Hunger und Not, vom Kindbettfieber, von den viel zu früh verstorbenen Säuglingen von Seuchen die Ihnen Ihre Kinder raubten, von den Brüdern, Söhnen und Ehemännern, die so vollkommen sinnlos auf den Schlachtfeldern hingeschlachtet in zwei Weltkriegen … .
Tränen, still in einer Ecke verweilend, sah er so gut wie nie, aber dieses Schweigen, daß so viel mehr über Leid, Not, Mühe und Unglück sagte als Worte es je ausdrücken können. Ja, auch dort dieser eigentümliche Geruch… .
So mancher junge Vikar, so dachte er, könne dabei vielleicht das fürchten bekommen, wenn das Kirchenschiff sich dergestalt periodisch verfinsterte.
Auf jener Konfirmandenbank sitzend gleich links an der Wand des Chores, direkt neben der Treppe zur Kanzel stand ein altes Orgelpositiv.
Alt nicht im Sinne von historisch altem Instrument.
Es war wohl eine Schenkung an die Kirchengemeinde nach dem Kriege aus Amerika, wie immer gesagt wurde.
Ein unglaublich schräg klingender Musikkasten, bei dessen Spielen ab und an einzelnen Tasten klemmten, sodass sich der gerade intonierte Ton nicht mehr abstellen ließ. Dann war der Organist, und einer der Gemeindeältesten, mit Namen Friedensreich, ein strenger Mann mit immer streng gescheiteltem silbernen Haupthaar, niemals lachend, gezwungen, das Gebläse des Instruments auszuschalten.
Er tat dies mit Hilfe eines Drehschalters aus Porzellan, der am Instrument befestigt war, was dann postwendend mit einem laut vernehmlichen PENG verbunden war.
Der klemmende intonierte Ton, es war der eingestrichene Kammerton a‘ in moderner Stimmung, blieb noch für Sekunden konstant und verabschiedete sich dann aber ebenfalls langanhaltend mit immer leiser werdendem Jaulen.
Zum Schreien komisch.
Was geschah unmittelbar danach?
Nichts.
Kein Lachen, kein Prusten.
Nichts.
Ach ja, öffentliches Lachen und sich laut freuen ist ja verboten, erinnert sich der Verfasser.
Der Gottesdienst nahm seinen liturgisch festgelegten Verlauf.
Nun zur Predigt.
Der Prediger wohnte in Waldenau, war aber seit Jahren als Missionar in Afrika unterwegs.
Ein hagerer Mann braun gebrannt, Glatze die von einem dichten schwarzen Haarkranz umrankt war.
Markantes ausdrucksstarkes Gesicht, schmale lange Nase, die eine viereckige Hornbrille trug.
Er predigte im schwarzen Anzug, weißes Hemd ohne Krawatte. Den weißen Hemdkragen hatte er sorgsam auf das Revers seines Jacketts drapiert, man konnte sich lebhaft vorstellen, daß er so gekleidet,auch in Afrika predigt.
Missionare waren zu jener Zeit sehr beliebt. Hatten sie auch noch eine schwarze Hautfarbe stiegen sie in der Beliebtheitsskala nochmals erheblich.
War ein solcher Prediger zu erwarten, redete man darüber und freute sich auf Abwechslung.
„De Sonndog kimmt enn Neejer i de Körrche“ (Am Sonntag hält ein Missionar mit schwarzer Hautfarbe den Gottesdienst), hieß es dann.
Die Predigt war dann zumeist abwechslungsreich, Geschichten, Erlebtes aus dem schwarzen Kontinent wurden erzählt um sie in den Predigttext eingebunden. Manchmal wurden auch Alltagsgegenstände mitgebracht, auch Trommeln, Schellen, Rasseln aus diesen fernen Ländern.
Manchmal wurden zum Ende des Gottesdienstes Tee Getränke aus diesen Ländern ausgeschänkt.
Immer und ausschließlich zur Verdeutlichung des Kernes der Predigtbotschaft, nie nur zum Spaß oder um den Durst zu stillen.
Man übte auch christliche Lieder aus diesen „Missionsländern“ ein.
Die fremde Sprache, der beschwingte Rhythmus, allseits beliebt und gerne mitgesungen.
Der Missionar predigte nicht von der Kanzel aus. Er tat es vor dem Altar auf dem kleinen steinernen Podest auf dem auch der hölzernen Altar seinen Platz fand.
Die Predigt war anschaulich, gut zu verstehen, erfüllt von bunten Bildern und seinen vielfältigen Erlebnissen auf dem schwarzen Kontinent.
Allmählich, es war zu spüren, redete er sich frei.
Sein Blick entspannte sich, sein Gestus, vorher eher hölzern und kantig, wurde flüssiger, passte immer besser zum Redetext.
Dann, kaum merklich, redete er immer schneller die Sätze wurden kürzer.
Ihm wurde wohl warm, fasste sich ab und an an den Hemdkragen und richtet die Krawatte.
Er hatte den Eindruck als ob sich winzige Schweißperlen auf seiner Oberlippe bildeten.
Es war als blickte zusehends in die Ferne, war ganz bei den von Ihm entwickelten Sprachbildern.

Er berichtete schlussendlich von den schwarzen Frauen, die zu den immer extatischer werdenden Trommelrhythmen tanzten, sich im immer schnelleren Tempo tanzend in Extase bewegten wild archaisch und fremd.
Dann auf dem Gipfel der Extase sich Ihre Brüste blutig kratzten………….. !
Friedensreich erstarrte, blicke still zu Boden und schüttelte dabei sein silbernes Haupt… .


Post skriptum:

Laienprediger unterschiedlicher evangelikaler Denominationen bestiegen zu jener Zeit die Kanzeln und Pulte der evangelischen Kirchen und der Gemeindehäuser. Und legten Zeugnis ab, wie es damals hieß.
Das geschah ohne besondere, nachvollziehbare Eignung für diese Aufgabe.

Eine wie auch immer geartete theologische Vorbildung gab es wohl kaum oder sie wurde unterlaufen.

Die damals oft von ihm gehörte Begründung dafür:
Studierten Theologen bekämen an den Universitäten eine Lehre verpasst, die sich nicht mehr an der reinen Lehre der Bibel orientieren würde.
Bibeltreue Verkündigung sollte sein. Alles darüber hinaus sei eine gefährliche Irrlehre. Die gelte es zu bekämpfen.
Sie bilde eine große Gefahr für alle, die sich damit beschäftigen würden.

So mancher unbefangene junge Mann, der aus so einer rechtgläubigen Gemeinde gekommen sei und sich aufgemacht habe, um ein universitäres Theologie Studium zu beginnen, sei vom rechten Glauben abgefallen.

Mit verheerenden Folgen. Der Teufel selbst habe sich mit Hilfe seiner Helfer an den Universitäten dieser armen Seele bemächtigt und sie verführt.
Nun drohe unweigerlich die ewige Verdammnis.
Es sei denn, er kehre um und schwöre der Irrlehre ab.

Dann – nur dann – sei eine erneute Aufnahme in die Gemeinschaft bibeltreuer Christen wieder möglich.

Vor dem Hintergrund einer solchen Geisteshaltung kam es jedoch gelegentlich zu Vorfällen die das Eingreifen des Kirchenältesten wie beschrieben erforderlich machte.

Warum Ehrenamt so wichtig ist

Viele Mitmenschen glauben immer noch, daß Menschen mit Einschränkungen wären dumm.

Aber Dummheit was ist das eigentlich?
Ich habe lange darüber nachgedacht.
Dann habe ich ein kurzes Gedicht geschrieben.

Das ist nicht in einfacher Sprache.

Das Gedicht ist zum weiter nachdenken gemacht.

Und zum weiter-reden.

Die „Dummheit“
Dummheit die sich als Einfalt zeigt die liebe ich.
Sie nennt den Augenblick und staunt.
Fragt nicht woher fragt nicht wohin.
Ist ohne List und ohne Arg.
Sie staunet nur.
Beim ersten Staunen schon.
Da wird sie klug.
Und ahnt es nicht.

Das war mein kleines Gedicht.
Ich hoffe Es hat Euch gefallen.

Liebe Leser.
Es hat sich viel geändert.
Vor 70 Jahren in der Nazi- Zeit.
Da wurden viele tausend Menschen mit Behinderungen ermordet.

Man sagte damals.
Das ist lebens- unwertes Leben.
Wie schrecklich ist das denn?
Wie grausam.
Wie un- menschlich.

Heute gibt es schon Projekte, die es Menschen mit Behinderungen ermöglichen, selbst ein Ehren- Amt zu machen.
Für andere Menschen.
Damit es ihnen besser geht.
Ich finde das richtig Klasse.

Das Ehren- Amt ist ganz wichtig für alle.
Eine Behinderung ist kein Grund.
Da nicht mit zu machen.
Hier geht es nämlich um echte Teilhabe.
Man kann auch Inklusion dazu sagen.

Für die Mit- Bürger etwas tun.

Sich als Bürgerin und Bürger für die Gesellschaft einsetzen.

Mir geht es um Bürger- Rechte.

Das ist Martin Luther King. Er war ein Bürger- Rechtler. Er kämpfte für die Rechte von Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Er ist deswegen ermordet worden. Er ist ein Vorbild. 


Bürger- Rechte.
Was heißt das?
Menschen mit Einschränkungen sind selbstbewusste Bürger geworden.

  • Alle Menschen machen mit.
  • Alle Menschen gestalten mit.
  • Alle Menschen entwickeln mit.
  • Alle Menschen verändern etwas

Das ist Teilhabe an der Demokratie.

Es gibt schon einige Projekte bei der Lebenshilfe Lüdenscheid bei der Lebenshilfe NRW und bei der Lebenshilfe Marburg.
Diese Projekte treten für die Bürger- Rechte ein.

Da arbeiten schon viele Personen mit.
Alle sind Ehrenamtler.
Es sind Menschen mit Einschränkungen.
Und Menschen ohne Einschränkungen. Das ist auch egal.
Alle arbeiten mit.
Ich bin auch dabei.

Wir haben schon viele wichtige Dinge gemacht.
Darauf können wir alle nicht verzichten.

Wir fordern für alle Menschen
  • Mit- menschlichkeit.
  • Verantwortlichkeit.
  • Gerechtigkeit.

Jetzt sind wir bei den Grund-Rechten gelandet:
  • Beim Recht auf Versammlungs- Freiheit.
  • Beim Recht auf Vereinigungs- Freiheit.
  • Das Recht auf Ehrenamt.

Ehrenamt ist ein wichtiger Baustein für unsere Gesellschaft.

Hier geht es um die wichtigsten Ziele der Menschheit:
  • Um Frieden.
  • Um Freiheit.
  • Um ein gutes Leben für alle Menschen.
  • Um Sicherheit für alle Menschen.
  • Um Gerechtigkeit für alle Menschen

Ehren- Amt Das ist für uns:
  • Die wichtigsten menschlichen Werte zu bewahren.
  • Die Gemeinschaft für alle Menschen.
  • Die Fürsorge für alle Menschen.
  • Die Hilfs-Bereitschaft für alle Menschen. Die Hilfe brauchen.

Alle Menschen haben das Recht.
  • Das ganze Leben lang zu lernen.
  • Wir haben alle die gleichen Rechte.
  • Wir haben alle die gleichen Pflichten.

Alle Menschen dieser Welt sollen:
Ihre Zeit.
Und ihr Können einsetzen.
Sie sollenehrenamtlich arbeiten dürfen.
Damit es uns allen ein wenig besser geht.

Wir haben uns noch etwas überlegt. Bürger sein bedeutet:
  • Sich helfen lassen.
  • Sich selbst helfen.
  • Anderen helfen.

Ich will zum Schluss noch einmal sagen.
Wir:
  • Die Mitglieder.
  • Die Mitarbeiter.
  • Die Freunde.
  • Die Förderer der Lebenshilfe.
  • Wir arbeiten mit.
  • Bei den Menschen- Rechten.
  • Und bei den Bürger- Rechten.

Ganz genau darum geht es uns:
Alle Menschen egal ob mit oder ohne Einschränkungen.
Alle Menschen haben das Recht auf Ehrenamt für unsere Gesellschaft
Darum geht es uns.
Das ist uns wichtig.

Ihr Gott im weißen Haus ?


Dieser Blogbeitrag ist etwas länger als gewohnt. Bitte lesen Sie ihn zu Ende und bilden Sie sich dann eine eigene Meinung
Zum Diskurs immer gerne bereit.
Danke


Gekürzter und ergänzter Text aus: DER SPIEGEL 18.04.20

Gibt mir zu denken. Bestätigt leider meine Befürchtungen. Ich zitiere hier ohne Hähme, eher nachdenklich und auch sorgenvoll:

„Weiße Evangelikale gelten als treueste Unterstützer von US-Präsident Donald Trump – trotz seiner Affäre mit einem Pornostar. Trump hört auf sie, und viele ihrer Prediger verharmlosten das Virus zu lange… .

Pas­to­rin Whi­te, Prä­si­dent Trump am 3. Ja­nu­ar in Mia­mi: Das Chris­ten­tum auf­le­ben las­sen, be­vor die Erde un­ter­geht
Als die Co­ro­na­kri­se im Land schon in vol­lem Gan­ge ist und die Bet­ten in den New Yor­ker Kran­ken­häu­sern sich mit Men­schen fül­len, bit­tet Trumps per­sön­li­che Pas­to­rin die Mas­sen in ihre Rie­sen­kir­che in Flo­ri­da, um ge­gen das Vi­rus zu be­ten… .

IHR GOTT IM WEI­SSEN HAUS

Es ist der 15. März 2020, der »Na­tio­na­le Ge­bets­tag« für alle von der Pan­de­mie be­trof­fe­nen Men­schen im Land. Trump hat die­sen Tag aus­ge­ru­fen.

Er will, dass die Gläu­bi­gen für die Kran­ken be­ten, aber auch für die Co­ro­na-Stra­te­gie der Re­gie­rung.

Pau­la Whi­te, 53 Jah­re alt, eine Frau mit pla­t­in­blon­dem Pa­gen­kopf, schma­lem Ge­sicht und vol­len Lip­pen ist eine evan­ge­li­ka­le Chris­tin und pro­mi­nen­te Pre­di­ge­rin. Seit Ende 2019 ge­hört sie Trumps Re­gie­rung als Be­ra­te­rin an. Sie ist Teil der »Glau­bens­in­itia­ti­ve« des Prä­si­den­ten, sie soll Wäh­ler für ihn re­kru­tie­ren. Wie schon 2016 ist Trump auch dies­mal dar­auf an­ge­wie­sen, dass die rech­ten Chris­ten zur Wahl ge­hen und für ihn stim­men.

Jetzt steht Whi­te im schwar­zen Busi­ness­kos­tüm und auf High Heels am Pult ih­rer Kir­che »City of De­sti­ny«. Ein ka­bel­lo­ses Mi­kro­fon ragt ne­ben ih­rem Ohr her­vor. In ei­nem Vi­deo ih­res Auf­tritts sieht man sie auf der Büh­ne die Hän­de em­por­he­ben, von küh­lem Ne­on­licht be­strahlt.

Whi­te ruft: »Wenn ein zi­vi­ler Füh­rer von gro­ßer Au­to­ri­tät die Kir­che an­ruft und sie bit­tet, zu be­ten und zu fas­ten, dann kön­nen wir nicht auf un­se­ren Stüh­len sit­zen blei­ben und tun, als wäre es ein ge­wöhn­li­cher Sonn­tag.« Sie meint Trump.

Das Vi­rus sei »eine Pla­ge«, ruft sie von der Büh­ne – ver­gleich­bar mit den Pla­gen aus der Bi­bel. Chris­ten soll­ten für ein Ende der Pan­de­mie be­ten. Wer Geld an ihre Kir­che spen­de, sagt sie we­nig spä­ter in ei­nem an­de­ren Vi­deo­auf­tritt, wer­de Wohl­stand und Ge­sund­heit auf Er­den er­lan­gen.

Do­nald Trump stützt sich auf die Wäh­ler­grup­pe der Evan­ge­li­ka­len wie auf kaum eine an­de­re. Ein Vier­tel der Ame­ri­ka­ner zählt sich zu ei­ner der evan­ge­li­ka­len Kir­chen, rund 50 Mil­lio­nen von ih­nen sind weiß. Was die Glau­bens­ge­mein­schaft – eine theo­lo­gi­sche Rich­tung in­ner­halb des Pro­tes­tan­tis­mus – zu­sam­men­hält, ist ihre wört­li­che Aus­le­gung der Bi­bel, der Glau­be an die na­hen­de End­zeit und an die per­sön­li­che Be­zie­hung zwi­schen den Gläu­bi­gen und Je­sus Chris­tus; vie­le nen­nen sich des­halb »wie­der­ge­bo­re­ne Chris­ten«.

Sehr vie­le Evan­ge­li­ka­le ver­trau­en zu­dem auf Do­nald Trump. Im Jahr 2016 ha­ben 81 Pro­zent der wei­ßen Evan­ge­li­ka­len für Trump ge­stimmt. Und 77 Pro­zent von ih­nen sind mit der Ant­wort des Prä­si­den­ten auf die Co­ro­na­kri­se zu­frie­den.

Wie Trump spiel­ten auch vie­le evan­ge­li­ka­le Pre­di­ger das Vi­rus an­fangs her­un­ter. Ein Pre­di­ger er­zähl­te, wie Gott ihn nachts auf­ge­weckt und ihm ge­sagt habe: »Die­ses Vi­rus ist nichts.« Ein an­de­rer be­zeich­ne­te es gar als Sün­de, sich vor Co­ro­na zu fürch­ten.

Als der Prä­si­dent im März noch sei­ne Vi­si­on von »voll­ge­pack­ten Kir­chen im gan­zen Land« bis »Os­tern« äu­ßer­te, für die er von vie­len mas­siv kri­ti­siert wur­de, woll­te er wohl ins­be­son­de­re auch sei­ner re­li­giö­sen Ba­sis ge­fal­len.

Seit Ende der Sech­zi­ger­jah­re ha­ben Evan­ge­li­ka­le mehr­heit­lich re­pu­bli­ka­nisch ge­wählt, ins­be­son­de­re der frü­he­re Prä­si­dent Ro­nald Rea­gan such­te wie kein Po­li­ti­ker vor ihm die Nähe zur Be­we­gung.

Doch im Fall von Do­nald Trump warf die christ­li­che Un­ter­stüt­zung schon im­mer Fra­gen auf. Die Al­li­anz zwi­schen rech­ten Chris­ten und ka­pi­ta­lis­ti­schem Le­be­mann wirkt nicht ge­ra­de na­tür­lich. Schließ­lich han­delt Trump re­gel­mä­ßig ent­ge­gen christ­li­cher Wer­te, sein Le­bens­wan­del ist mo­ra­lisch al­les an­de­re als ein­wand­frei. Doch nicht ein­mal die Af­fä­re um den Por­no­star Stor­my Da­ni­els hat die Al­li­anz zwi­schen dem Prä­si­den­ten und der re­li­giö­sen Rech­ten zer­stört. Das liegt mit dar­an, dass noch kein US-Prä­si­dent so vie­le po­li­ti­sche Fak­ten schaff­te, die im In­ter­es­se der re­li­giö­sen Wäh­ler lie­gen.

Seit Be­ginn sei­ner Amts­zeit hat Trump zwei streng kon­ser­va­ti­ve Rich­ter am Obers­ten Ver­fas­sungs­ge­richt ein­ge­setzt, wei­te­re könn­ten fol­gen – und ei­nes Ta­ges das Recht auf Ab­trei­bung kip­pen. Dut­zen­de Pos­ten an Ge­rich­ten ver­gab er an jün­ge­re kon­ser­va­ti­ve Hard­li­ner.

Trump spricht sich nicht nur ge­gen Ab­trei­bun­gen aus, er sprach auch als ers­ter US-Prä­si­dent im Fe­bru­ar beim so­ge­nann­ten March for Life, der Pa­ra­de der Ab­trei­bungs­geg­ner. Kurz dar­auf prä­sen­tier­te er ei­nen Nah­ost­plan, der Je­ru­sa­lem zur is­rae­li­schen Haupt­stadt macht – was auch stets ein Ziel der evan­ge­li­ka­len Be­we­gung war.

Trumps Re­gie­rung ist eine der re­li­giö­ses­ten der jün­ge­ren US-Ge­schich­te. Et­li­che Mi­nis­ter, wie Au­ßen­mi­nis­ter Mike Pom­peo, Bil­dungs­mi­nis­te­rin Bet­sy De­Vos und Vi­ze­prä­si­dent Mike Pence, sind evan­ge­li­ka­le Chris­ten. Ka­bi­netts­mit­glie­der fin­den sich zum wö­chent­li­chen Bi­bel­kreis im Wei­ßen Haus zu­sam­men – das gab es zu­letzt in der Art vor hun­dert Jah­ren.

Die US-Au­to­rin und Re­li­gi­ons­ex­per­tin Ka­the­ri­ne Ste­wart, die die Be­we­gung seit Lan­gem be­ob­ach­tet, schreibt in der »New York Times«: Die Evan­ge­li­ka­len sei­en mit für Trumps in­kom­pe­ten­tes Re­gie­rungs­per­so­nal ver­ant­wort­lich, das sich für die In­ter­es­sen der re­li­giö­sen Rech­ten stark­ma­che, aber kei­ne Pan­de­mie ma­na­gen kön­ne. »Do­nald Trump ist mit der ent­schie­de­nen Hil­fe ei­ner Be­we­gung an die Macht ge­kom­men, die Wis­sen­schaft ab­lehnt, Re­gie­rung ver­ach­tet und Loya­li­tät über pro­fes­sio­nel­le Ex­per­ti­se stellt.«

Die­se Leu­te woll­ten Ame­ri­ka in eine »ima­gi­nier­te Ver­gan­gen­heit« zu­rück­füh­ren, in der das Land kon­ser­va­tiv christ­lich ge­we­sen sei. Ste­wart hält die­se Ent­wick­lung für de­mo­kra­tie­ge­fähr­dend. »Wir se­hen eine au­to­ri­tä­re Iden­ti­täts­kam­pa­gne, die kei­ner­lei Re­spekt vor der Tren­nung von Staat und Kir­che hat.« Plu­ra­lis­ti­sche Wer­te, die Ame­ri­ka ge­tra­gen hät­ten, lehn­te die Be­we­gung ab. In der Co­ro­na­kri­se wird das ex­trem ge­fähr­lich.
Wer die Be­we­gung ver­ste­hen will, muss zu­rück in den Fe­bru­ar zoo­men, in eine evan­ge­li­ka­le Me­ga­kir­che in Mia­mi. Dort, auf ei­nem spi­ri­tu­el­len Kon­gress, er­zählt Pau­la Whi­te die Ge­schich­te ei­nes ver­lo­re­nen Mäd­chens aus ei­nem Trai­ler­park, das Trump mit Gott zu­sam­men­brach­te und spä­ter sei­ne re­li­giö­se Be­ra­te­rin wur­de. Es ist ihre ei­ge­ne Ge­schich­te.
Whi­te steht auf ei­ner Büh­ne im In­nern der Me­ga­kir­che, das Schein­wer­fer­licht lässt ih­ren blon­den Pa­gen­kopf im Halb­dun­kel leuch­ten. Tau­sen­de Gläu­bi­ge ju­beln ihr zu.
»Mein Va­ter hat sich um­ge­bracht, als ich fünf Jah­re alt war«, er­zählt sie. Whi­te wur­de als Kind se­xu­ell miss­braucht, ver­nach­läs­sigt von der al­ko­hol­kran­ken Mut­ter. Die Schul­ka­me­ra­den nann­ten sie »trai­ler trash«, »Müll aus dem Trai­ler­park«.

Whi­te lern­te Gott ken­nen, wie sie sagt, und be­gann die Bi­bel zu le­sen. Pas­to­ren wur­den auf sie auf­merk­sam. Bald trat sie im Re­gio­nal­fern­se­hen auf. Nach ei­nem die­ser Auf­trit­te 2002 habe sich »ein Mis­ter Trump« ge­mel­det. Trump be­sitzt ein An­we­sen in Palm Beach in Süd­flo­ri­da.

»Du bist fan­tas­tisch!«, habe er in den Hö­rer ge­brüllt. »Du hast den It-Fak­tor!«

Whi­te lä­chelt. »Das heißt Sal­bung, Sir«, habe sie ihm ge­sagt. Nach­dem sie auf­ge­legt hat­te, habe Gott zu ihr ge­spro­chen und ihr den Auf­trag er­teilt, Trump zu hel­fen. »Ich führ­te den Auf­trag aus, ohne zu wis­sen, dass je­ner Mann, dem ich hel­fen soll­te, Gott ken­nen­zu­ler­nen, Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten wer­den wür­de!«, ruft sie. Die Men­ge johlt.

Die Ge­schich­te ist per­fekt: Pau­la Whi­te, das Bin­de­glied zwi­schen Gott und dem US-Prä­si­den­ten. In den Jah­ren da­nach wird Whi­te Trumps per­sön­li­che Pas­to­rin.

Trump be­zeich­net sich selbst als pres­by­te­ria­nisch, gibt sei­nen Lieb­lings­vers in der Bi­bel mit »Auge um Auge, Zahn um Zahn« an und ver­wech­sel­te ein­mal ein Ta­blett, auf dem die Kom­mu­ni­on ge­reicht wird, mit ei­nem Tel­ler für die Kol­lek­te.

Gläu­bi­ge Beigh­tol (M.) mit El­tern »Eine Prü­fung für uns Chris­ten«
Whi­te ge­hört der »Pro­spe­ri­ty Gos­pel« an, ei­ner Rand­er­schei­nung des Evan­ge­li­ka­lis­mus, die ge­gen Spen­de Wohl­stand auf Er­den ver­spricht. Ein ziem­lich ka­pi­ta­lis­ti­sches Re­li­gi­ons­ver­ständ­nis also, das auch un­ter Evan­ge­li­ka­len um­strit­ten ist, aber zum Im­mo­bi­li­en­un­ter­neh­mer Trump her­vor­ra­gend zu pas­sen scheint.

Sie kauf­te nach dem An­ruf ein Apart­ment in sei­nem Haus in der New Yor­ker Park Ave­nue und be­such­te sei­ne Show »The App­ren­ti­ce«. Er nahm an ih­ren Bi­bel­krei­sen teil, die sie ge­le­gent­lich in New York lei­te­te. 2016, und auch jetzt wie­der, hilft sie ihm im Wahl­kampf.

»The Su­perna­tu­ral Mi­nis­try School« heißt der drei­tä­gi­ge Kon­gress, auf dem Whi­te An­fang Fe­bru­ar auf­tritt. Die Me­ga­kir­che »King Je­sus In­ter­na­tio­nal Mi­nis­try« im Sü­den Mia­mis ist von Pal­men um­ge­ben. In ih­rem In­nern fin­den 7000 Men­schen Platz.

Hier lässt sich wäh­rend ei­ner sechs­stün­di­gen End­zeit­pre­digt er­le­ben, wie schein­bar der Hei­li­ge Geist in Gläu­bi­ge fährt und sie zu ei­nem Knall aus ei­ner Sound­ma­schi­ne zu Bo­den ge­hen. Pre­di­ger be­rich­ten von Ka­ri­es­zäh­nen, die sich in Gold ver­wan­deln. Pau­la Whi­te sam­melt am Ende ih­res Auf­tritts Schecks ein, da­für ver­spricht sie See­len­heil.

Aber kurz vor Be­ginn des Wahl­jahrs 2020 er­lebt die Al­li­anz zwi­schen Trump und den Evan­ge­li­ka­len eine Er­schüt­te­rung. Das kon­ser­va­ti­ve Ma­ga­zin »Chris­tia­ni­ty To­day« ver­öf­fent­lich­te Ende De­zem­ber ein Edi­to­ri­al, in dem der Chef­re­dak­teur Trumps Ab­set­zung for­der­te. Schock­wel­len gin­gen lan­des­weit durch die Kir­chen.

Schon län­ger wen­den sich jun­ge und ge­bil­de­te Evan­ge­li­ka­le von Trump ab. Nach Pau­la Whi­tes Schul­ter­schluss mit dem Prä­si­den­ten sol­len schwar­ze Gläu­bi­ge in Scha­ren aus ih­rer Ge­mein­de ge­flo­hen sein. Muss Trump um sei­ne Wäh­ler fürch­ten?

Am 3. Ja­nu­ar 2020, kurz nach Er­schei­nen des kri­ti­schen Ar­ti­kels, stand er selbst in der Me­ga­kir­che in Mia­mi. 5000 Chris­ten wa­ren da. Wohl wis­send, dass es zu­erst die La­ti­nos und Schwar­zen sein könn­ten, die sich ab­wen­den, ver­kün­de­te Trump den Start sei­ner Kam­pa­gne »Evan­ge­li­ka­le für Trump« im »King Je­sus Mi­nis­try« in der Stadt Mia­mi, wo vor al­lem La­ti­nos le­ben.

Trump rief: »Evan­ge­li­ka­le Chris­ten je­der Glau­bens­rich­tung und Gläu­bi­ge je­der Re­li­gi­on hat­ten nie ei­nen grö­ße­ren Un­ter­stüt­zer im Wei­ßen Haus als ihr jetzt!« Er sprach über die an­geb­li­che Wie­der­be­le­bung des Aus­drucks »Mer­ry Christ­mas« in Ame­ri­ka, die er sich selbst zu­schreibt.

»Wir wer­den ge­win­nen«, sag­te Trump.

»Wir ha­ben Gott an un­se­rer Sei­te.«

Pre­di­ge­rin Pau­la Whi­te stand am 3. Ja­nu­ar in Trumps Nähe und be­te­te. An die­sem Tag ent­stand ein Foto, auf dem sie und an­de­re Evan­ge­li­ka­le Trump be­rüh­ren, als bär­ge sein Kör­per et­was Hei­li­ges.

Evan­ge­li­ka­le bei Got­tes­dienst am 5. Fe­bru­ar in Mia­mi: »Ka­ri­es­zäh­ne in Gold ver­wan­deln«
»Die Evan­ge­li­ka­len ha­ben Trump ihre Loya­li­tät ge­schenkt, ohne an­zu­er­ken­nen, dass er mo­ra­li­sche Pro­ble­me hat«, sagt Mark Gal­li in sei­nem Haus in Chi­ca­go.

Der 67-Jäh­ri­ge war ein­mal Pas­tor und ar­bei­te­te 30 Jah­re lang als Jour­na­list. Beim kon­ser­va­ti­ven, evan­ge­li­ka­len Ma­ga­zin »Chris­tia­ni­ty To­day« war er Chef­re­dak­teur. Er hat den Leit­ar­ti­kel ver­fasst, der wie eine Bom­be ein­schlug.

»Chris­tia­ni­ty To­day« gilt als Flagg­schiff der Evan­ge­li­ka­len. Es wur­de 1956 von Bil­ly Gra­ham ge­grün­det, der eng mit Prä­si­dent Ei­senhow­er war. Die Le­ser sind ge­mä­ßigt, das Heft bis­lang we­nig kon­tro­vers.

»Trump soll­te aus dem Amt ent­fernt wer­den«, schrieb Gal­li am 19. De­zem­ber 2019. Er be­schreibt Trump als »mo­ra­lisch ver­lo­ren«. Das Im­peach­ment-Ver­fah­ren be­wei­se, dass er das Amt des Prä­si­den­ten be­schä­digt habe. Sei­ne Ab­set­zung müs­se er­fol­gen aus ei­ner »Loya­li­tät ge­gen­über dem Schöp­fer der Zehn Ge­bo­te«.

Gal­li sitzt in sei­nem Wohn­zim­mer­ses­sel, in der Hand eine Tas­se Tee. Ein nach­denk­li­cher Mann mit sta­bi­len Wer­ten, der gern Flie­gen­fi­schen geht und Bier braut. Ei­gent­lich woll­te er jetzt sei­ne Ren­te ge­nie­ßen, statt­des­sen war er ge­ra­de für ein Fern­seh­in­ter­view in Ka­na­da, hat mit al­len gro­ßen US-Me­di­en ge­spro­chen, als Nächs­tes kommt eine TV-Crew aus Ja­pan vor­bei.

Sie alle wol­len wis­sen, wie er es als Evan­ge­li­ka­ler wag­te, Trump zu kri­ti­sie­ren. Gal­li er­in­nert sich an den Mor­gen, an dem er über­leg­te, ob man das Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren über­haupt kom­men­tie­ren soll­te.

Drei Jah­re lang hat­te Gal­li da­mit ver­bracht, die evan­ge­li­ka­len Un­ter­stüt­zer des Prä­si­den­ten zu ver­ste­hen. Er sah mit Be­sorg­nis, wie kon­ser­va­ti­ve und li­be­ra­le Chris­ten im­mer öf­ter dar­über strit­ten, wer ein rich­ti­ger Christ sei. Als Gal­li sei­ne rech­ten Be­kann­ten nach ih­rer Mei­nung zum Im­peach­ment frag­te, sag­te ei­ner nach dem an­de­ren: »Eine Ver­schwö­rung der De­mo­kra­ten.« Gal­li schrieb sei­nen Text.

Kurz nach der Ver­öf­fent­li­chung brach die In­ter­net­sei­te von »Chris­tia­ni­ty To­day« zu­sam­men. Ein Pro­test­sturm er­reich­te die Re­dak­ti­on. Aber es gab auch et­li­che Le­ser, die er­leich­tert wa­ren.

Knapp zwei Wo­chen spä­ter sah Gal­li Trumps Auf­tritt in der Me­ga­kir­che in Mia­mi. Die Ver­göt­te­rung durch sei­ne An­hän­ger sei »göt­zen­haft« ge­we­sen. In den Ge­be­ten des »Pro­spe­ri­ty Gos­pel« wur­den die Fein­de Trumps »sa­ta­nisch« ge­nannt.

»Ich war schon im­mer sen­si­bel für Spra­che«, sagt Gal­li. Vie­le Chris­ten hät­ten den Sound von Trump über­nom­men. Da­bei gehe es in et­li­chen Bi­bel­ver­sen dar­um, »mit wel­cher Zun­ge Men­schen spre­chen«.

Jetzt, in der Co­ro­na­kri­se, sagt Gal­li An­fang April am Te­le­fon, wie­der­ho­le sich die Ge­schich­te. »Die evan­ge­li­ka­le Rech­te ver­harm­lost das Vi­rus. Sie den­ken, wenn man die Kir­chen schließt, zei­ge das ei­nen man­geln­den Glau­ben an Gott«, so Gal­li.

Wer sich schüt­ze, wer­de als schlech­ter Christ ge­brand­markt. »Wer krank wird, hat eben nicht ge­nug ge­glaubt.« Das Miss­trau­en ge­gen­über der Wis­sen­schaft und ge­gen­über Au­to­ri­tä­ten, die ihre fun­da­men­ta­len Glau­bens­sät­ze in­fra­ge stel­len, sei ein gro­ßes Pro­blem.

In ei­ner der äl­tes­ten Me­ga­kir­chen Ame­ri­kas, der First Bap­tist Church Dal­las, mit 13 000 Mit­glie­dern er­scheint bei ei­ner Sonn­tags­mes­se im Fe­bru­ar auf der zen­tra­len Lein­wand Trumps Kon­ter­fei. Ein Be­such sei­ner ehe­ma­li­gen Pres­se­spre­che­rin, Sa­rah Hu­ck­a­bee San­ders, wird an­ge­kün­digt. Pas­tor Ro­bert Jef­fress wird sie in­ter­view­en. Er ist ei­ner der pro­mi­nen­tes­ten evan­ge­li­ka­len Trump-Un­ter­stüt­zer.

Der Cam­pus, auf dem die Kir­che steht, hat 130 Mil­lio­nen US-Dol­lar ge­kos­tet. Der Got­tes­dienst dar­in gleicht mit sei­nem Chor und sei­nen Li­ve­t­au­fen in ei­nem pool­ar­ti­gen Be­cken ei­ner Mi­schung aus Mu­si­cal und Bi­bels­e­mi­nar. Vor al­lem äl­te­re wei­ße Te­xa­ne­rin­nen und Te­xa­ner sind ge­kom­men. Hier im so­ge­nann­ten Bi­b­le Belt ist die Un­ter­stüt­zung für den Prä­si­den­ten rie­sig. 2014 be­zeich­ne­ten sich 31 Pro­zent al­ler Te­xa­ner als Evan­ge­li­ka­le.

»Ich bin ein Freund des Prä­si­den­ten.«

Ro­bert Jef­fress lä­chelt. Der 64-Jäh­ri­ge trägt ei­nen schwar­zen Na­del­strei­fen­an­zug, dazu eine Trump-rote Kra­wat­te. Er war­tet nach dem Got­tes­dienst in ei­nem Hin­ter­zim­mer, reicht freund­lich die Hand. Jef­fress ist der ers­te Pas­tor, der Trump 2016 in den Vor­wah­len un­ter­stütz­te. Über sei­ne Auf­trit­te beim kon­ser­va­ti­ven TV-Sen­der Fox-News, sei­ne TV-Show »Pa­thway to Vic­to­ry«, sei­ne Ra­dio­sen­dung und Pre­dig­ten er­reicht er ein Mil­lio­nen­pu­bli­kum.

Zwei Mo­na­te spä­ter, zu Be­ginn der Co­ro­na­kri­se, soll­te er sich wei­gern, sei­ne Kir­che zu schlie­ßen.

War­um ist Trump un­ter Gläu­bi­gen so er­folg­reich?

»Po­li­ti­sche Ent­täu­schung«, sagt Ro­bert Jef­fress. Trump sei der ers­te Prä­si­dent, der wirk­lich et­was für die Evan­ge­li­ka­len tue.

»Sein Be­kennt­nis zur Pro-Life-Be­we­gung, sein Ein­satz für Re­li­gi­ons­frei­heit« und sei­ne »Un­ter­stüt­zung für Is­ra­el« – das elek­tri­sie­re die evan­ge­li­ka­le Ge­mein­de.

Vor Trump hat­te Jef­fress oft Hoff­nung in an­de­re Po­li­ti­ker ge­setzt. Er stimm­te einst für den De­mo­kra­ten Jim­my Car­ter, der sich selbst als wie­der­ge­bo­re­nen Chris­ten be­zeich­ne­te, Jef­fress aber ent­täusch­te. Er folg­te dem Re­pu­bli­ka­ner Ro­nald Rea­gan, der die Evan­ge­li­ka­len be­son­ders fest um­arm­te. Doch aus den Ver­spre­chen, die sie wäh­rend der Kam­pa­gnen ga­ben, so sieht es Jef­fress, wur­de sel­ten Po­li­tik.

Trump fand eine evan­ge­li­ka­le Ge­mein­de vor, die zwar noch re­pu­bli­ka­nisch wäh­len woll­te, aber Er­nüch­te­rung emp­fand. Er schwang sich zu ih­rem Ret­ter auf. Jef­fress bot ihm die vol­le Un­ter­stüt­zung an. Heu­te be­tet er mit Trump, be­rät ihn in Glau­bens­fra­gen. An Os­tern hat­te Trump an­ge­kün­digt, sich in sei­ne Mes­se ein­zu­schal­ten.

Ehe­ma­li­ger Pas­tor Gal­li Miss­trau­en ge­gen­über Au­to­ri­tä­ten
Als Trump einst droh­te, Nord­ko­rea aus­zu­lö­schen, schrieb Jef­fress in ei­nem Ar­ti­kel, dass er als Herr­scher das Recht dazu habe und zi­tier­te ei­nen Bi­bel­vers.

Trump, sagt Jef­fress, bie­te den Evan­ge­li­ka­len die Ge­le­gen­heit, das Chris­ten­tum noch ein­mal auf­le­ben zu las­sen, be­vor die Erde un­ter­ge­he. Wie die meis­ten Evan­ge­li­ka­len glaubt Jef­fress an die End­zeit. »Un­se­re Welt wird je­den Tag gott­lo­ser. Der Kurs der Erde geht ab­wärts.« So be­schrei­be es die Schrift, be­vor Je­sus auf die Erde zu­rück­keh­re.

»Ich weiß nicht, wann er kommt«, sagt Jef­fress. »Ob nächs­tes Jahr oder ir­gend­wann im 21. Jahr­hun­dert.« Wenn es so weit sei, wer­de er jene mit ins Pa­ra­dies neh­men, die ihn als Ret­ter an­er­kann­ten. Die an­de­ren schmor­ten in der Höl­le. Trumps Re­gie­rungs­zeit er­mög­li­che es den Gläu­bi­gen jetzt, »mög­lichst vie­le See­len zu ret­ten«, be­vor al­les Ir­di­sche ver­lö­sche.

An­fang März hielt Jef­fress eine Pre­digt mit dem Ti­tel: »Ist das Co­ro­na­vi­rus eine Stra­fe Got­tes?« Die Apo­ka­lyp­se und das Vi­rus lie­gen für ihn eng bei­ein­an­der. »Alle Na­tur­ka­ta­stro­phen sind letzt­lich auf Sün­den zu­rück­zu­füh­ren«, sag­te er.

Dass Trump als Boll­werk ge­gen den Nie­der­gang des Glau­bens wir­ken soll, er­scheint ab­surd. Doch es hat mit der Li­be­ra­li­sie­rung der Ge­sell­schaft zu tun. Vie­le Chris­ten füh­len sich un­wohl, wenn wäh­rend der Su­per­bowl-Über­tra­gung halb nack­te Frau­en er­schei­nen, gleich­ge­schlecht­li­che Ehen vie­ler­orts zum All­tag ge­hö­ren. Jetzt kommt die Angst vor dem Co­ro­na­vi­rus hin­zu.

2020 wer­de Trump ein noch hö­he­res Er­geb­nis ein­fah­ren, pro­phe­zeit Jef­fress.

We­ni­ger als 20 Pro­zent der Evan­ge­li­ka­len ent­schie­den sich 2016 ge­gen Trump. Stu­di­en be­le­gen, dass wei­ße, evan­ge­li­ka­le Ju­gend­li­che ge­nau­so häu­fig für ihn stimm­ten wie ihre El­tern oder Groß­el­tern. Ihre Po­si­tio­nen, was Ab­trei­bung be­trifft, un­ter­schie­den sich kaum von­ein­an­der.

Wie aber geht es Gläu­bi­gen, die nach ei­ner Al­ter­na­ti­ve zu Trump su­chen?

An der West­küs­te Flo­ri­das, auf Mar­co Is­land, ste­hen von Pal­men um­ge­be­ne Vil­len, hin­ter de­nen Swim­ming­pools glit­zern. Hier wohnt eine jun­ge Evan­ge­li­ka­le, die in ih­rer kon­ser­va­ti­ven Ge­mein­de oft er­lebt hat, wie gläu­bi­ge Chris­ten an Trump zwei­fel­ten und am Ende doch ver­such­ten, sich ihn schön­zu­re­den.

Alex­an­dria Beigh­tol sitzt bar­fuß auf ei­nem aus­la­den­den Sofa in ih­rer Vil­la, zwei Au­to­stun­den von Mia­mi ent­fernt. Ihre El­tern, mit de­nen sie hier lebt, sind Ab­trei­bungs­geg­ner. Der Va­ter Arzt, die Mut­ter ver­treibt Kos­me­tik­pro­duk­te im Netz, wo­bei Beigh­tol, 24, ihr hilft.

»Alle in un­se­rer Kir­che wäh­len Trump«, er­zählt sie. »Wer sich un­wohl fühlt, sagt, dass Gott den Prä­si­den­ten als Prü­fung für uns Chris­ten ge­schickt habe.« Die Bi­bel be­sa­ge, dass es schon im­mer schreck­li­che Män­ner aus­zu­hal­ten gab, die am Ende für das Wohl der Gläu­bi­gen sorg­ten.

Die ei­nen mei­nen, Trump sei wie je­ner wil­de Mann Jehu, den Gott ein­setzt, um die Stadt Jes­re­el zu be­frei­en. Die an­de­ren ver­glei­chen ihn mit dem per­si­schen Kö­nig Ky­rus, der das Ge­setz miss­ach­te, aber die ver­trie­be­nen He­brä­er wie­der nach Je­ru­sa­lem hol­te. Beigh­tol hör­te von Abra­ham, der ge­zwun­gen wor­den sei, sei­nen Sohn zu op­fern, um sei­ne Loya­li­tät zu Gott zu be­wei­sen. »Vie­le glau­ben, dass sie an Trump fest­hal­ten müs­sen, um zu be­wei­sen, dass sie ech­te Chris­ten sind.«

Bis vor we­ni­gen Jah­ren sei­en ihre ei­ge­nen Über­zeu­gun­gen ty­pisch re­pu­bli­ka­nisch und na­tio­na­lis­tisch ge­we­sen. Sie habe so­gar et­was ge­gen Mus­li­me ge­habt.

Zwei­fel ka­men erst auf, als Beigh­tol auf das Blog der in­zwi­schen ver­stor­be­nen, li­be­ra­len Evan­ge­li­ka­len Ra­chel Held Evans stieß. Sie brach­te vie­le jun­ge Evan­ge­li­ka­le dazu, ihre Wer­te zu über­prü­fen.

Beigh­tol, de­ren Mut­ter aus Tri­ni­dad stammt, las den Blog heim­lich. »Ich frag­te mich, was Pro Life be­deu­tet, au­ßer vor Ab­trei­bungs­kli­ni­ken zu pro­tes­tie­ren«, er­zählt sie. Sie mach­te sich Ge­dan­ken über die Gleich­wer­tig­keit al­ler Men­schen, und über Müt­ter­sterb­lich­keit. Ihr Pro-Life-Be­griff wei­te­te sich aus. »Trump wäh­len wür­de ich nie«, sagt Beigh­tol.

Am Te­le­fon An­fang April sagt sie, die evan­ge­li­ka­le Welt sei auch jetzt, in der Co­ro­na­kri­se, ge­spal­ten. Vie­le Evan­ge­li­ka­le hiel­ten das Vi­rus für eine Prü­fung. »New York wer­de des­halb so hart ge­trof­fen, weil es ein solch li­be­ra­ler Staat sei und de­mü­ti­ger wer­den sol­le«, er­in­nert sich Beigh­tol an die Wor­te ei­ner gläu­bi­gen Freun­din.

Doch vie­le Evan­ge­li­ka­le näh­men die Be­dro­hung auch ernst und ver­hiel­ten sich ent­spre­chend. Sie ver­stün­den, dass Co­vid-19 für eine Art »Ent­hül­lung« sor­ge, ei­nen gött­li­chen Weck­ruf.

»Wir ha­ben jetzt Ge­le­gen­heit, uns zu über­le­gen, wie wir un­se­re Erde be­han­deln«, sagt Beigh­tol… .“


Zum Jahreswechsel – Nochmals in eigener Sache

Liebe Leser*innen
Zu Ende des Jahres halte ich es wie auch im vergangenen Jahr für richtig und auch für geboten einige Sätze an Euch zu richten.

Und, nein es geht nicht um die Covid Pandemie, die uns alle betroffen hat.

So gut wie alle Erzählungen die ich auf meinem Blog veröffentliche beziehen sich auf selbst Erlebtes aus den vergangenen, nun sagen wir 50 Jahren.

Es liegt keinesfalls in meiner Absicht, einzelne Personen bloßzustellen oder sie in Ihrer Lebenweise, Ihrer Lebenseinstellung, Ihrer Überzeugung oder Ihrer religiösen Auffassung zu kritisieren oder gar parteiisch zu bewerten.

Im Gegenteil

Ich schreibt hier vor dem Hintergrund einer großen Zuneigung und Liebe gegenüber den Menschen, Ihrer Lebensweise und der Art und Weise wie sie Ihr Leben gestalten, wie Sie ihr Leben bewältigen, bin ich doch höchstselbst ein Kind dieser Region, dort geboren, zu Schule gegangen, Herangewachsen, Familie gegründet und immer noch gerne dort lebend.

Wichtig sind mir Dinge zu beschreiben, die ich so empfunden, so erlebt habe und welche Rückschlüsse ich daraus für sein eigenes Leben gezogen hat.

Dabei bemühe ich mich durch sprachliche Überzeichnungen, humorvolle und satirische Stilelemente, meine Leser zu interessieren und zu unterhalten.
Das Alltägliche zu beschreiben, Einzelheiten zu erkennen zu deuten und in einen größeren Zusammenhang zu bringen ist eine Leidenschaft die mich steht’s erfasst, wenn ich zu schreiben beginnt.

Bin ich doch davon überzeugt, daß sich im Kleinen das Große verbirgt und das im Großen stehts die Essenz aus dem Kleinen zu finden ist.

Heinrich Heine: „Denk ich an Deutschland in der Nacht…“

Nichts aber auch überhaupt nichts liegt mir daran eine „heimattümelnden“ kitschigen Wiedersprüche nivellierende Erzählweise zu pflegen, die subjektiv empfundene Wiedersprüche, Ungleichheiten sowie Benachteiligungen zukleistert oder gar leugnet.

Die Schmiede der Familie Simon aus der Fernsehserie Heimat

Im Gegenteil

Die Meinung des Verfassers, bezogen auf das Thema Heimat wird wohl am deutlichsten durch den Blog-Beitrag:

Deutsch nicht dumpf ?

deutlich.

Für 2021 wünsche ich allen Leser*innen meines Blogs Gesundheit und Frieden.

Kurt Tucholsky „Ja ich liebe dieses Land…“

Wo ist das wahre Leben?

S und C gewidmet

Wo ist das wahre Leben?
In den Bankpalästen die sich in den Himmel erheben?
In den angesagten Szene-Kneipen?
Auf den Börsenparketten an der Wallstreet, in Tokio, New York oder Frankfurt?
In den Konzernzentrale, bei den Shareholder value Fetischisten, mit deren Gier nach Geld und Macht?
In den Fitness Palästen?
In den Kliniken für kosmetische Chirurgie?

Ich glaube nicht

Das wahre Leben findet ihr in den Kinderzimmern.
Auf den Wickelkommoden.
In den Armen von Müttern und Vätern die Ihre Babys hingebungsvoll liebkosen.
In den durchgewachten Nächten, mit Kindern die nicht aufhören zu weinen.
Erbrochenes beseitigt.
Popos gereinigt immer und immer wieder.
In die Arme genommen.
Singend gewiegt.
Vor Erschöpfung tiefe Täler aus Sorge um ihre Kinder und um sich selbst durchschreitend.

Dennoch nicht aufgeben zu lieben
Dennoch hoffen
Dennoch Zuversicht

Die Augen ihrer Kinder
So offen
So wissen wollend
So tief
So arglos
So grenzenlos Vertrauen schenkend
So freudig
So verletzlich
So klug
So zu zuversichtlich
So schnell von Tränen überquellend
wegen Nichtigkeiten die keine Nichtigkeiten sind

Augen die von allem künden was den Mensch zum Menschen macht.

Wenn man sie nur lässt.