Die Wichtelkönigin

Im Ruhrpott.
Ein Wohnhaus, gekauft, renoviert, neu ausgestattet als Heim umgebaut. In einem kleinbürgerlich geprägten Stadtteil. Viele alte Leute, die Vorgärten, peinlich akkurat, der Rasen bis zu seinen Wurzeln gestutzt. Gänseblümchen haben keine Chance. Erst recht nicht, im Frühling die Pusteblumen mir ihrem bezaubernden Gelb.
Keine Chance.
Ausgerottet vor Beginn der Blüte. Die tiefen Wurzeln ausgegraben, unbarmherzig herausgerissen.
Dafür Steingärten, bepflanzt mit Exoten und industriefesten Bodendeckern. Insekten ohne Chancen, ebensowenig wie Singvögel, bis auf den klugen Sperling, der gelernt hat sich mit dieser Ödnis abzufinden.

Die Hecken, ebenfalls Exoten, Thuja und so. Peinlich genau gestutzt, mit dem Zollstock nachgemessen.
Tannen in Bonsai Format. Bloß kein Laub. Das stört diese spiesige, bornierte, patriarchale Welt. Was ihm bereits zum ersten mal auffiel.

Es roch:
Nach nichts.
Näherte man sich den Haustüren ahnte man:
Waschpulver- Spülmittel- Kloreinigerduft.
Vorwiegend wohnten hier alte Menschen.
Witwen, Witwer, Ehepaare die in die Jahre gekommen waren.

Es ist Winter, kurz vor Weihnachten.
Wie Watte legen sich große Schneeflocken auf Wiesen und Wälder.
Dicke große Flocken fallen von aschgrauen Himmel. Immer noch, obwohl doch schon in die Jahre gekommen, erliegt er dem Zauber des Winters. Seinen Lichtstimmungen, der allmählichen Veränderungen der Landschaft, die vorher grau und trist, dann aber in einem reinen Weiß unberührt erscheinen, so als ob all das was vorher war an Mühen und Plagen nie geschehen wäre.


Der Lärm, die Geräusche verstummen nun fast. Alles wird leiser, verschluckt durch den fallenden Schnee.

Das Heim ist nur über eine Türschelle mit Türöffner zu betreten.
Menschen die hier wohnen sollen sich nicht gefährden, keinen anderen gefährden. Deswegen diese geschlossene Gesellschaft.

Ob dieser Umstand für die betroffenen Menschen immer zu Guten gereichte sei dahingestellt.
Beim betreten des Konferenzraumes, er war in Begleitung der Wichtelprinzessin, erneut dieses Phänomen.

Wichtelprinzessin


Es roch:
Schon wieder, nach nichts!
Weder im Raum, noch im Flur, der zur Toilette führte, noch in der Toilette selbst, keine Gerüche.
Irritation, Verwirrung, Angst überflutete ihn.
Eine Gänsehaut machte sich bemerkbar, er begann zu schwitzen. Winzige Schweißperlen sammelten sich auf der Oberlippe.

Jahrelange Erfahrung hatten ihm gelehrt.
Da wo nichts zu riechen ist, da ist auch nichts.
Ist es möglich anzunehmen, das nichts existiert, erst wird wenn wir es denken?
Es erst in dem Augenblick zu existieren beginnt, wenn er es denken kann?
Später dann suchte er Hilfe aus diesem gedanklichen Dillema und entdeckte
Decartes:

In dem wir so alles nur irgend Zweifelhafte zurückweisen und für falsch gelten lassen, können wir leicht annehmen, dass es keinen Gott, keinen Himmel, keinen Körper gibt; dass wir selbst weder Hände noch Füße, überhaupt keinen Körper haben.“

Also auch nicht riechen können.

Ego cogito ergo sum.
Aber wir können nicht annehmen, dass wir, die wir solches denken, nichts sind; denn es ist ein Widerspruch, dass das, was denkt, in dem Zeitpunkt, wo es denkt, nicht bestehe. Deshalb ist die Erkenntnis: »Ich denke, also bin ich,« (lateinisch: ego cogito, ergo sum) von allen die erste und gewisseste, welche bei einem ordnungsmäßigen Philosophieren hervortritt.“

Für Ihn hieße das also:
„Zwar riecht es, aber Du riechst es eben nicht.“
Daraus könnte er den Schluß ziehen:
„Du hast ein psychosomatisches Problem.
Du riechst nichts, weil du nichts riechen willst.
Du sperrst dich innerlich, du willst mit dieser Zusammenkunft nichts zu tun haben. Du lehnst eigentlich alles ab, was du vorfindest.“
Das Gebäude, der liebevoll, adventlich gestalteten Wichteltisch, den nun allmählich beginnenden Smalltalk.
„Du kannst und willst es nicht mehr riechen.
Dir eckelt, obwohl du nichts riechst.
Du hast Angst, Panik, du willst nur noch eines:
Wegrennen.“


Alle sind da:
Frau Mi, die Wichtelkönigin, die Wichtelprinzessin Fr. Bri, die Ihr nachfolgend wollte, weitere weibliche Führungskräfte und jene die sich dafür hielten.
Zwei Männer sind auch dabei.

Schrottwichtel

Der Kamerad Hirsch dem er zugeneigt war und er selbst.

Er schrieb vorzeiten ein Gedicht. Schon eine Weile her. Heutzutage nicht mehr ganz Zeitgeist konform.
Aus seiner Sicht an dieser Stelle recht passend.
Vor allem dann, wenn man den zu Beginn unausweichlichen Smalltalk betrachtet, den er, als Sproß einer Handwerker- und Bauernfamilie, mit Dialekt aufgewachsen, eh nur sehr schlecht beherrschte.

Bunte Runde
Bunte Runde laut und schrill
Leiber duftend Haare schillernd
Augen voller Anmut strahlen
Münder von Verlockung künden
Reden denkend ständig
Künden süß fast nur Banales
Er fällst drauf rein und hörst‘s voll Lust
Doch steckt dahinter oft Berechnung.
Hör näher hin lass dich nicht blenden
Auch Gift und Galle sind oft süß
Merk auf mein Freund,
schmeckst nur Glasur;
und innen wird es bitter.
Duften, lockend
Augen strahlend.
Haut wie Alabaster schimmert
Münder schwellen sanft
Merk auf mein Freund
Halt dich zurück
Denn manchmal wird es bitter
Merk auf meine Freund:
Du bist es selbst.
Gib acht.

Die geneigte, vor allem weibliche Leserschaft, möge Ihm verzeihen.

Nun zur Hauptperson, der Wichtelkönigin.
Sie war eine beeindruckende Persönlichkeit.
Von kleiner Statur, kugelrund, wirrer Haarschopf, oft knallrot gefärbt.
Ein wenig wie Pumuckl.


Kleine lustige eisgraugrüne Augen die zunächst fröhlich und listig blickten. Auf den zweiten Blick dann, war eine anderer Charakter zu erkennen.

Die Wichtelkönigin


Kalt, berechnend, hinterhältig mit einem Hang zur Grausamkeit.
Sehr merkwürdig.
Zwei unterschiedliche, nachgerade, zwiespältige spannungsgeladene charakterliche Eigenschaften vereint bei einer Person.

Die Wichtelkönigin, war eindeutig die informelle Chefin der Runde.
Berücksichtigt er, mit aller Vorsicht, das psychoanalytische Theorem der Persönlichkeitszuordnung des genialen Psychoanalytikers Fritz Riemann aus seinen Standardwerk „Grundformen der Angst“, so ist zur Erläuterung zunächst einmal folgendes zu berichten:

Grundformen der Angst ist eine tiefenpsychologische Studie des Psychoanalytikers Fritz Riemann, die erstmals im Jahr 1961 unter dem Titel Grundformen der Angst und die Antinomien des Lebens erschien. In dem Werk werden vier verschiedene Typen der Persönlichkeit charakterisiert und ihre jeweiligen Ängste und Verhaltensweisen sowie deren Ursachen thematisiert. Riemann unterscheidet schizoide, depressive, zwanghafte und hysterische Strukturen der Persönlichkeit.
Wagt man, nach Fritz Riemann eine Einordnung der Persönlichkeit unserer Wichtelkönigin wäre es wert über folgendes nachzudenken:

Wie die Herkunft des Wortes schizoid schon sagt, das altgriechische Wort sch´ızein heißt auf deutsch ’spalten‘, ist das Sozialverhalten des schizoiden Typus’ (S-Typ) von einer Kontaktlücke, einem abgespalten-Sein von und eine Distanz zu Beziehungspartnern und dem sozialen Kollektiv gekennzeichnet.
Der S-Typ legt Wert auf die Unterscheidung von anderen, auf seine Unverwechselbarkeit, Unaustauschbarkeit, Einmaligkeit und Individualität, er strebt Autarkie und Unabhängigkeit an, will auf niemanden angewiesen sein und niemanden brauchen, keine Pflichten gegenüber anderen haben.

Oder mal ein Erklärungsversuche mit Hilfe einer astronomischen Denkfigur.
Den schizoiden Charakter kann man sich als eine Sonne vorstellen.
Er steht im Mittelpunkt eines Systems. Er ist sich dessen in bestimmten Fällen sehr bewusst. Er strebt danach, will Einfluss, will Macht, will in diesem Sinne steuern. Das soll aber nicht sichtbar sein, macht ihm Angst.
Aus der Ferne Menschen zu steuern, zu beeinflussen, zu manipulieren, ohne direkt in Erscheinung zu treten.
Dafür steht er als Fixstern im Mittelpunkt.
Der Depressive, liebt es, gleich wie Satelit um eine Idee, um eine Person zu kreisen.
Sich ganz hinzugeben, für eine Idee und deren Inkarnation zu leben. Selbstaufgabe ist dabei folgerichtig, ja notwendig. Er weicht dann ganz von sich selbst ab, vergisst sich, achtet nicht mehr auf sich.


Mit fatalen Folgen. Er rückte zeitweise näher an die betreffende Person heran. Das war praktisch, könnte er doch eigene berufliche Ziele schneller vorstellen und mitunter auch durchsetzen.

Der schizoide Charakter fühlt sich dann bedroht, will er diese Nähe doch eigentlich nicht.
Er fühlt sich von soviel Nähe bedroht. Er rückt deutlich ab. Gelingt das nicht, hat er lediglich noch eine Möglichkeit.
Er betont seine Unabhängigkeit, distanziert sich deutlich. Nutzt das nichts, reagiert er voller Panik, Vernichtungsphantasien machen sich breit. Jedes Mittel ist dann Recht.

Wenn sich schizoide und depressive Partner anziehen, dann ahnt möglicherweise der Schizoide instinktiv die Liebesbereitschaft und Liebesfähigkeit des Depressiven, seine Opferbereitschaft, sein einfühlendes ich-Bemühen. Hier kann er sich aufgehoben fühlen.

Andererseits fasziniert den Depressiven am Schizoiden, daß dieser etwas lebt, was er sich nicht zu leben gewagt hat: unabhängiges Individuum zu sein, ohne Verlustangst und Schuldgefühle. Zugleich spürt er, daß hier jemand ist, der seine Liebesbereitschaft dringend braucht. Eine solche Konstellation kann gelingen aber auch in die Katastrophe führen, denn wenn sich der Schizoide zu sehr eingeengt fühlt, wird er sich zu lösen versuchen, was dazu führt, daß der Depressive sich vernachlässigt fühlend näher an den Schizoiden herankommen möchte.
So entsteht ein Prozess der sich gegenseitig verstärkt und aufschaukelt.
So auch hier.
Da trafen sich zwei Charaktere die unterschiedlicher nicht sein konnten.

Mit Folgen die Beide betrafen, aber zunächst lediglich von der einen Seite wahrzunehmen war.

Zum einen Ihre schwere Adipositas Erkrankung die sich immer mehr ausprägte.
Zum anderen, was Ihr enorme Kräfte abforderte, die Konstruktion von erdachten, Ihr zum Machterhalt dienenden zwischenmenschlichen Beziehungen und Situationen.
Ein bestes Beispiel dafür war war das alljährliche Weihnachtswichteln.

Sie baute, mit unserer Hilfe ein Szenarios absoluter vorweihnachtlicher Harmonie, Friedfertigkeit und Geborgenheit für Alle auf.
Täuschend echt.

Ihre eigentlichen Absichten, nämlich Ihren kalten Machtanspruch zu zementieren und auszubauen wurden dadurch verwischt.
Das war der eigentliche Sinn dieser von Grund auf verlogenen Veranstaltung.
Wir alle, vor allem aber die Bedauernswerte Frau M. jene Person, die allmählich innerlich ertrank, nahmen dankbar an und fielen darauf rein.


Friede, Freude Eierkuchen vor Weihnachten, das musste sein. Ein jährlich sich wiederholendes Ritual.

Nun wurde ihm klar.
Hier war nichts zu riechen. Zu riechen ist nur daß was wirklich existiert um so seinen Duft zu verbreiten.
Der Duft, der typische Geruch eines Gegenstandes, einer Situation die sich ergibt, nur der gibt verlässliche Auskunft über das was wirklich existiert.
Riecht es nicht, existiert es auch nichts, ist falsch, unecht, verlogen, konstruiert.

Philosophisch im Existenzialismus betrachtet:


„Der Existenzialismus erlaubt die Vorstellung des Nichts und seine Erfahrung in der Angst überhaupt erst eine Ahnung des Seins zu haben.“

Für Dichter und Philosophen wie Jean-Paul Sartre (1905–1980) und Albert Camus (1913–1960) ist das Nichts das, woraus menschliches Dasein (Für-sich-sein) erwächst und menschliche Freiheit erst möglich wird.“
Quelle: Jura Forum

Dieser kurze Ausflug in die Philosophie mag genügen um sein:
„Ich rieche hier nichts“ zu deuten.

Einer soll nicht vergessen werden.
Kamerad Hirsch.
In dieser Runde ein Lichtblick.
Er, geprägt von einen tiefen herzlichen Sympathie für die Menschen mit Einschränkungen.
Hirsch ließ sich auf eine kluge Art und Weise nicht auf die Ränkeschmiede dieser von Grund auf unehrlichen Runde nicht ein.
Er folgte diesem Spiel nur dann, wenn es unbedingt erforderlich war, um sich zu schützen.
Ansonsten machte er, im Windschatten dieses aufgebrachten Geweses, sein Ding.
Er lachte viel, trieb seine Scherze ob dieser Zustände, aber nie so, daß er in Gefahr damit geriet.
Ein guter Kamerad
Ehrlich, kein bisschen arrogant, Machtspielchen verachtete er.
Danke Kamerad Hirsch, für die schöne Zeit mit Dir, trotz aller erduldeten Unwahrheiten, Intrigen und Schmähungen.

Willkommen im Klippdachsland

Über die Schwierigkeiten vom Klippdachsland zu schreiben.

Über das Land der Klippdachse zu schreiben ist schwierig für einen wie ihn, dachte er. War er doch dort geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen, hatte ganz in der Nähe studiert, geheiratet ,eine Familie gegründet und, lebte immer noch dort.

Also der wissende Blick des Außenstehenden? Eine Anmaßung?

„Ja so ist es. Hör auf, zu schreiben. Lass es sein, kommt nichts bei raus.“ Du kannst ja nur für dich schreiben. Sozusagen als Möglichkeit zur Klärung innerer Konflikte.

Als eine Art von literarischer Katharsis? „Das muss ich mir durch den Kopf gehen lassen.“ Dachte er sich. Schreiben heißt sich mitteilen wollen. Das was innen ist nach außen kehren, weil es nach außen strebt. Da macht es wenig Sinn zu schreiben ohne den Anspruch, dass Andere ein Interesse daran haben, das Geschriebene zu lesen.

„Für mich jedenfalls,“ überlegte er.

Zurück zu den Klippdachsen. Wer sucht, findet zunächst Folgendes:

Wie die moderne Forschung annimmt, entspricht dem. Klippschliefer der mehrfach in der Bibel erwähnte Klippdachs. Psalm 104 beschreibt ihn als Tier, das in den Felsen Zuflucht sucht. In den Zahlensprüchen schildert das Buch der Sprichwörter den Klippdachs als machtloses, schwaches Tier, das aber aufgrund seiner Weisheit trotzdem seine Wohnungen im Felsen baut. Einer missinterpretierten Beobachtung der biblischen Redakteure dürfte die Gesetzesvorschrift im Buch Levitikus entstammen, wonach der Klippdachs wiederkäue, aber keine gespaltenen Hufe habe, weshalb er als unrein anzusehen sei. Darauf basiert auch die Parallelstelle im Buch Deuteronomium. Auch wenn dies letztlich nicht mehr sicher belegbar sein dürfte, sprechen diese Übereinstimmungen der biblischen Schilderungen mit der tatsächlichen Anatomie und Lebensweise des Klippschliefers dafür, den im Deutschen so bezeichneten Klippdachs mit dem Klippschliefer zu identifizieren. An anderer Stelle ist zu lesen: Eines der Tiere, welche die Israeliten nicht essen durften. Es wird gesagt, dass er wiederkäut, jedoch keine gespaltene Hufe besitzt. Man nimmt an, dass das hebräische Wort shaphan auf den syrischen Schliefer hinweist, ein Tier, das ungefähr so groß ist wie ein Kaninchen. Es hat die Gewohnheit, dauernd die Zähne übereinander zu reiben. Es passt genau auf die Beschreibung von shaphan, zum Beispiel, dass es zwischen den Felsen wohnt, und dass es außergewöhnlich schnell von Fels zu Fels springt. Es ist auch extrem schwierig zu fangen; eines von diesen Tieren hält steht’s stets Wache. Wenn ein Feind sich nähert, wird ein Signal gegeben und sofort verschwinden alle Tiere. Dies stimmt mit der Tatsache überein, dass sie „mit Weisheit wohl versehen sind.“

Aber wieso in aller Welt geht mir dieser Klippdachs nicht aus dem Kopf, dachte er. Hatte es damit zu tun, dass er vor Monaten, wieder mal auf seinen Streifzügen durch das Web mehr zufällig auf die Seite einer Ausbildungsstätte für zukünftige evangelikale Pastoren gestoßen war?

Dort war zum Anlass der Verabschiedung eines Lehrers in den Ruhestand zu lesen: „…. verglich Ihn mit dem biblischen Klippdachs, der sich auch in rauer Umgebung zu helfen wisse. Als Herdentier habe er sich nicht nur um sich selbst, sondern wie der Klippdachs vor allem um seine „Artgenossen“, die Studierenden und Kollegen, gekümmert…“ Mag sein. Erinnerungen aus Kindheit und früher Jugend waren geweckt.

Pudding Abitur

Puddingabitur Ein Glaskasten links hinten. Von links bündig mit der Fensterfront. Etwa vier Meter lang und vier Meter breit. Dieser Kasten war Bestandteil der Lehrlingswerkstatt bei der Firma Merkator und Heimbürger am Rande der Gemeinde Waldau ganz nahe an der Landesgrenze zwischen Hessen und Südwestfalen.

Man produzierte Fleischereimaschinen im großen Stil. Für Schlachthäuser hauptsächlich auch für Wurstfabriken. Die Lehrwerkstatt, ein langer Schlauch. Etwa 15 Meter lang, 8 Meter breit. Der Boden aus Beton, schwarz von Metallstaub und Spänen, vermischt mit Bohröl und anderen schmierenden Bestandteilen, die eben zur Metallbearbeitung notwendig ist. Dieser eckelerregende Duft Cocktail aus heiß gewordenem Bohröl, ranzigen Schmierfetten und Ölen waberte durch alle Fabrikgebäude, so auch durch die Lehrwerkstatt. Er klopfte an die Tür des Glaskastens. Die Scheibe darin schepperte vernehmlich. „Herein“, daß „He“ verschluckte er immer. Also „Rein“ „Was hasde scho wörrer (schon wieder) ? Adolph Jakobus der Lehrlingsmeister, residierte in diesem Glaskasten. Ein dicker Mann, Brille ein schmieriges Recht aufgedunsenes Gesicht, Glatze, die spärlichen Haare von links nach rechts, fettig über die Glatze gezogen. Der Glaskasten war erfüllt von Gestank.

Jeder wußte, daß er an Verdauungsschwierigkeiten litt, dauernd pupste, unangenehm säuerlichen, fauligen Mundgeruch ausatmete. Kettenraucher, Ernte 23. Eine rundum mürrische Persönlichkeit, grundsätzlich mißtrauisch und ablehnend gegenüber seinen Schützlingen. Er trug den üblichen grauen Kittel,im Gegensatz zu den Schlossern dieser Firma jedoch sauber, ohne Öl- und schwarzen Schmutzflecken. „Zeig her!“ Er reichte Ihm ein blankes zurechtgefeiltes Stück Stahl in U Form. Er zückte ein Stahllineal. 10 Zentimeter lang mit Millimeter genauer Zahlenteilung. Er hielt sein Lineal aufrecht, legte es aus die äußere Fläche des U-Stahls, habe es gegen das Licht, kniff ein Auge zu und prüfte. Er schüttelte den Kopf. „Total ungenau. Hier ein Bogen reingefeilt, da mindestens 2 Zehntel zu wenig abgenommen, dort nicht richtig entgratet Hier der Radius an der Innenseite überhaupt nicht bearbeitete.“ Er hatte es geahnt. Kleine Schweißperlen traten Ihm auf die Stirn. Ihm wurde ganz übel. „Ausschuss, nochmal machen“ Er zündete sich eine Ernte an, nahm einen tiefen Zug und sagte. „Und sowas will Ingenieur werden.“

Er dachte: “ Der Mann hat Recht“ Ingenieur war keineswegs seine Berufung Wie hatte er den der U Stahl überlebt? Ja, hat er hat es überlebt. Feilen, vor allem, wenn sowas über Tage und Wochen geht, war vorderhand sehr mühsam, im Grunde genommen ein Trauma für ihn.

„Am wichtigsten ist, daß du nicht zu schnell feilst, maximal zwei Striche/Sekunde. Nicht wild drauflosfeilen, sondern ruhig und überlegt. Schraubstock auf die richtige Höhe einstellen, am besten den Ellbogen 90° abwinkeln und die Feile sollte genau auf dem Werkstück liegen, dann hast du mal die richtige Höhe. In dieser Stellung wirst du auch schnell das „richtige“ Gefühl für einen geraden, planen Strich bekommen. Immer möglichst diagonal feilen, um die besser Auflage zu haben und weniger zu kippen – paar Striche links, ein paar diagonal verkehrt nach rechts. Solltest du dennoch den einen oder anderen Buckel drinhaben, mit dem vorderen Teil der Halbrundfeile diese Stelle bearbeiten, bis der Buckel halbwegs weg ist, dann wieder mit einer geraden weitermachen.“

Diese Sätze dienten Ihm als eine Art Mantra, um durchzuhalten, um sich gegen aufkeimende Depressionen, gegen die Verzweiflung ob der Sinnlosigkeit dieser Arbeit, zu wehren. Mit wenig Erfolg. Es war diese Gleichförmigkeit, diese als unentrinnbar empfundene Zwangsläufigkeit, diese Dumpfheit, Trägheit in den Augen der Arbeiter, die, so glaute er, schon aufgegeben hatten von einem anderen Dasein wenigstens noch zu träumen.

Die Gesichter grau, so grau wie die Kittel die sie trugen. Die Augen ausdruckslos ins Leere starrend. Ganz entfremdet, von einem elementaren Teil der menschlichen Existenz des schaffenden Menschen der in seiner Tätigkeit Sinn findet. Nur noch an den Feierabend denkend, an das Wochenende. An die freien Tage, vor allem an die nach Weihnachten, an den Jahresurlaub.

Nachdem er dem ABB Plan und damit diesem unsäglichen Adolph Jakobus entronnen war, so nach 3 Monaten, glaubte er dem schlimmsten entronnen zu sein. Weit gefehlt. Man steckte Ihn, so wie es im Plan für sein Praktikum vorgeschrieben war, ins Konstruktionsbüro der Firma, so gab man vor. Er landet allerdings im Keller des Konstruktionsbüros. Dort wurden Kopie angefertigt. In der Hauptsache Betriebsanleitungen monströser Maschinen, die in der Hauptsache nach Russland exportiert wurden. Vorne Ochse rein, hinten Bockwürstchen raus, wir „Rutz“ zuspitzend bemerkte. Rutz war ein junger Mann, Maschinenschlosser von Beruf und seit vielen Jahren bei der Firma Merkator beschäftigt. Er fuhr „auf Montage“ vor allem nach Russland, um besagte Monstermaschine vor Ort aufzubauen und in Gang zu bringen. Sein oft 3 bis 4 Monate währender Aufenthalt in Russland steigerte seine Trinkfestigkeit enorm, ohne daß er jeh einen Alkoholismus daraus entwickelte. Tausende Seiten Betriebsanleitungen, auf russisch, kopierte er in jenen Wochen. DeI Kopiemaschine lief ständig warm, ja sie glühte regelrecht, bis sie ihre Funktion aufgab und ersteinmal ausruhend abkühlte.

Der „Kopier- und Blaupausen Keller“ war ohne Tageslicht, erhellt von grell leuchtenden Neonröhren. Es roch nach Papier, überhitztem Kopiergerät und, wenn riesige Blaupausen hergestellt wurden eckelerregend nach …… . Trotz dieser vergleichsweise widrigen Bedingungen fühlte er sich dort recht wohl. Nicht zuletzt deswegen, weil dort auch recht attraktive Frauen jüngeren Alters tätig waren, die keck und adrett gekleidet, sich wohlwollend von den alltagsgrauen bekittelten Männern abholen denen er sonst begegnet war. Er selbst durfte nun auch den grauen Kittel ablegen und Schlaghosen tragen, damals modisch hochaktuell.

Zu jener Zeit verbrachte er geraume Zeit in der Herrentoilette, einfach um den Dingen wenigstens räumlich zu entrinnen. Rauchen in der Toilette war damals kein Problem. In der Toilettenkabinen war überall ein Aschenbecher neben der Klorolle angebracht. Er zündete sich dann eine seiner geliebten Gauloises ohne Filter an, dachte nach und ließ sich von seiner Phantasie davontragen. In der Puddingschule, die er während dieser Zeit drei mal die Woche besuchte, gab es das Fach Religion. Eines jener Fächer, daß Ihn wirklich interessierte. Abgehalten von einem gewissen Herrn Ginsterburg, einen Lehrer Anfang sechzig, mit wirren spärlichen Harren, mit schlechter Reputation bei den Schülern. Er fand, vollkommen zu unrecht. Er trug nicht vor, sondern ließ zu bestimmen Themen diskutieren. Die Themenstellungen waren sehr unterschiedlich, berührten unterschiedlichen Themenstellungen, vor allem ethische aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen. Es waren vor allem ethische, gesellschaftlich politische Fragestellungen.

Er zeigte sich als ein empfindsamer, wacher Humanist, dem nicht egal war welchen Weg die damalige Gesellschaft nehmen würde. Seine Schüler verstanden das nicht, oder wollten es nicht verstehen. Im Gegenteil, sie überzogen Ihn mit Spott und Hohn. Einmal sagte er: “ Meine Herrn ich trage mein Herz auf der Hand.“ Erstaunlich ehrlich. Vor allem für einen Mann der damaligen Generation. Ihm hat sich dieser schöne Satz tief eingeprägt. Um Laufe der Jahre dann, mit einer bitteren enttäuschten Hinzufügung: „Wer sein Herz auf der Hand trägt ist in Gefahr es weggenommen zu bekommen.“ Zur Weihnachtszeit redete er über dem Liedermacher Dieter Süverkrüp, der sich kritisch mit dem bürgerlichen Verständnis der Weihnachtsbotschaft in Form eines Gedichtes auseinandersetzte:

„Stille Nacht, heilige Nacht Weihnachtsgeld wird gebracht Durch Herrn Ruprecht vom Lo-hohnbüro Schweigend geht die Belegschaft aufs Klo.

Zählend, wie viele Krümel Gnädig vom Herrntisch gefall’n Stille Nacht, heilige Nacht Falscher Trost! O, wie lacht Der Direktor mit randvollem Mund Singt uns gnädig zu göttlicher Stund: „Arbeitsfriede auf Erden!“ Wir fallen mal wieder drauf rein

Billige Nacht, eilige Nacht Ratenkauf, leichtgemacht Durch der Engel Alleluja Die gehören zum Werbe-Etat Denn der Vater im Himmel Ist Präsident vom Konzern

Stille Nacht, heilige Nacht Lichterbaum angemacht Und ein liebliches Liedlein gesingt Und ein Eierlikörchen getrinkt Und die Kinder geprügelt Bis sie hübsch andächtig sind.

Gute Nacht, peinliche Nacht Fernsehspiel ausgemacht Und im Magen ein flaues Gefühl Weil die Liebe nicht hochkommen will

Noch zwei Nächte zum Schlafen Dann wieder rinn in‘ Betrieb Stille Nacht, heilige Nacht Weihnachtszeit rumgebracht Großes Gähnen im Portemonnaie Überstunden tun immer noch weh!

Falscher Frieden auf Erden Feierten wir mit den Herrn Wilde Nacht, streikende Nacht Eines Tag’s, nicht ganz sacht Pfeifen wir auf die Gnade der Herrn Übernimmt mal das Volk den Konzern Und die Führung im Staate Das wird ein Weihnachtsfest wer’n.“

Aus heutiger Sicht ein ziemlich dummes Gedicht. Perspektivlos, holpriges Versmaß, ideologisch einseitig, flach. Zu jener Zeit aber zeitgeistentsprechend und durchaus angebracht.

Zu dieser Zeit, morgens Viertel nach sechs an der Behelfshaltestelle zur Firma Merkator und Heimbürger, es war kalt, düster und regnerisch. Er verließ den Arbeiterbus. Der Dunst aus Diesel, überhitzter Heizung, Männerschweiß, Fußschweiß, Leberwurststullen für die Frühstückspause verflüchtige sich.

Gemeinsam mit einem Jungarbeiter hasteten sie in Richtung Fabrik. Schnell, atemlos und missmutig. Mit einem mal, sah er Ihn. Zum ersten Mal. Groß, grauschwarzes, zotteliges Fell. Der Kopf gesenkt, die Lefzen schlaff, das Maul nur wenig geöffnet, die Zunge bewegte sich schwach im Rhythmus seines Atems seine Rute gesenkt, schlaff, den nassen Asphalt fast berührend.

Er war der schwarze Hund. Seine Augen blicken zu Ihn hinauf. Es war ein zögerliches ängstliches Aufblicken. So als ob er sagen wollte: „Mein Freund, Du kennst mich doch. Schon lange. Nun kannst Du mich auch sehen. Ich begleite Dich seid langer Zeit. Du konntest mich nur noch nicht erkennen. Jetzt bin ich bei Dir, auch sichtbar, allerdings nur für Dich. Ich verspreche Dir. Ich werde Dich niemals mehr verlassen.“

Es war sonderbar, er erschrak nicht beim Anblick dieses schwarzen Hundes. Später erkannte er weshalb er sich nicht ängstigte. Es war SEIN schwarzer Hund. Da war es wieder dieses Gefühl von:

Etwas nicht zu beschreibendes, etwas drohendes, dunkles, leeres, einsames unsagbares Vernichtung und Endgültigkeit kündendes. Diesmal begleitet von SEINEM schwarzen Hund. Der sollte ihn von nun an nicht mehr verlassen. Niemals mehr.

Sein kleines Glück in der Vervielfältigungsabteilung, dauerte allerdings nur kurz. Kurz nach Weihnachten wurde er versetzt. Zuvor allerdings erhielt jeder Mitarbeiter der Firma ein Weihnachtsgeschenk. Auch er als Praktikant. In der Hoffnung, daß nun alles gut würde nahm er dankend an. Erhielt er doch eine rießige dicke Dauerwurst, aus einer Fleischfabrik. Es war eine jener Großschlachtereien, die ohne Rücksicht auf Tierwohl, massenweise Wurst aus minderwertigem Fleisch herstellen. Geschmacklich jenseits von gut und böse. Sauer wie Essig, versalzen, fettig.

Man versetzte Ihn in die Dreherei. Zunächst konnte er sich darunter nur wenig vorstellen. In einer riesigen Maschinenhalle standen Monstermaschinen, die an Dinosaurier erinnerten. Das waren in der Hauptsache riesig anmutende Fräsmaschinen, immer Bereit und Willens unterschiedlichen metallischen Gegenständen eine ganz bestimmte beabsichtigte Form und Oberfläche zu geben. Die konnte nur gelingen, wenn der Fachmann an der Fräs- oder Bohrmaschine sich genauestens an Vorgaben hielt, ging es hier doch nicht nur um einzehntel oder um einhundertstel, ja sogar um eintausendstel eines Millimeters an Maßhaltigkeit.

Ein Facharbeiter, der besonders genau arbeite, sich oft beklagte, wenn er ein bereits vorgearbeitetes Werkstück erhielt, welches nicht seinen Vorstellungen auf Maßhaltigkeit entsprach, wurde von allen nur noch Mü-michel genannt. Man könnte auch Mikrometermichel sagen. „Ein Mikrometer entspricht 0,001 Millimeter und wird mit dem Symbol µm gekennzeichnet. Oft wird nur die Bezeichnung µ oder my (Aussprache „mü“) verwendet. In der Regel spricht man von einer Folie, wenn die Materialstärke weniger als 1000 my (1 mm) beträgt.“

Diese Welt war ihm vollkommen fremd. Eine Welt in der große Maschinen um tausenstel Millimeter kämpfen, steht’s auf das genaueste überwacht von Facharbeitern, kassenbebrillt in grauen Arbeitskitteln, machten ihm Angst, verfolgten ihn bis in seine Träume. Er selbst, die meisten wußten inzwischen schon, das der Beruf des Ingenieurs für Ihn vollkommen unpassend war, wurde mit gröberen Arbeiten betraut.

Da lagen lange runde Rollen aus Stahl oder Grauguss. Die würden Stangen genannt. Von diesen Stangen wurde 20 bis 30 Zentimetern lange Stücke abgesägt. Das bewerkstelligte eine große Eisensägenmaschine, die zur Kühlung eine milchige Flüssigkeit, Bohröl genannt, benötigte. Deren zischendes Verdampfungsgeräusch, verbunden mit diesem süßlich stumpfen Geruch waberte mal mehr mal weniger über das gesamte Fabrikgelände, setzte sich in der Kleidung und im Schuhwerk fest.

Berichtet wurde von einem Arbeiter, der seine Mittagspause schlafend zu Füßen seiner Fräsmaschine verbracht. Es war ein Lattenrost, der in seinen Zwischenräumen Platz für Spänereste und herumspritzendes Bohröl ließ. Dieser Mann sei, plötzlich schwer erkrankt, in jungen Jahren, an Krebs verstorben. Er hatte nun die Aufgabe jene abgelängte Stangenteile mittig zu durchbohren.

Die geschah in 3 Arbeitsgängen. Zunächst ein kleines Loch ins volle Material bohren. Danach etwas größer, und schließlich noch größer. Das war sein Tagwerk. Diese Scheiben stapelte er sorgsam für die Weiterverwendung, als „Halbzeuge“ für die Weiterverwendung in der Dreherei. Die wiederum drehte daraus Scheiben, die dann silber glänzend ebenfalls weiterverwendet wurden. Diese „Durchbohrerei“ war langweilig, öde, forderte den Verstand keinesfalls, es stellte sich sehr bald ein fataler Automatismus ein, der ihn von dieser stupiden Arbeit, von dieser trostlosen Umgebung, letztlich von sich selbst entfremdete.

Ein kleiner Lichtblick in dieser Ödnis war Werner Unterdemgestüt. An den Wochenenden ein wortgewaltiger evangelikaler Laienprediger, während der Woche ein Arbeiter an der Drehmaschine.

Einer ganz besonderen Drehmaschine. Zum zerkleinern von Fleisch bis hin zu einer breiigen, schleimigen Masse, Fleischwurstbrät genannt, brauchte man ganz besondere riesige Maschinen um diese Fleischwurst in Massen zu produzieren. Man nannte diese Maschinen Cutter. Diese Maschine besaß einen riesigen Teller ähnlich ein Gugelhupf Form. Dort aus Grauguss gegossen, musste sie mit in eine passgenaue Form gebracht werden. Dies Aufgabe oblag Werner mit seine Riesendrehmaschine. Die dafür notwendigen Arbeitsschritte mussten sorgfältig und langsam vollführt werden. Werner tat dies gerne, hatte er doch dabei Zeit sich zum Beispiel mit mir unterhalten zu können. Ein kleines Glück für Ihn.

Zum Ende seines Praktikums erbarmte sich ein gütiger, umsichtiger Arbeiter, der sich der hiesigen Darbistengemeinde zugehörig fühlte. Dieser mit Namen Herbert Weiß, legte eine gutes Wort für Ihn ein und nahm Ihn für den Rest seines Praktikums unter seine Fittiche. Diese guteTat ist unvergessen. Unvergessen als eine Tat der Mitmenschlichkeit gegenüber einem jungen Mann, der zu jener Zeit ohne große Orientierung durch sein Leben schlitterte und Gefahr lief den Halt zu verlieren. Diesem guten Menschen zum Andenken, ist dieser Erzählung auch verfasst worden.

Jene Pudding Schule war weit davon entfernt einem bürgerlich ganzheitliche orientierten Bildungsideal zu folgen. Im Gegenteil. Gelegentlich hatte er den Eindruck, viele im Lehrkörper wussten damit wenig anzufangen, oder wußten nicht was sich hinter einem solchen Bildungsideal verbarg.

Einer sagte, nicht ohne Stolz, einmal,während einer privaten Feier, er habe das letzte Buch in seiner Kindheit gelesen. Winnetou 2. Danach auch während seines Studiums nur die notwendigen vorgegebenen Texte und einschlägige Fachzeitschriften zum Thema Betriebswirtschaft. Das damalige Fächertableau für Metaller in der Pudding Schule: Fachkunde Metall, Werkstoffkunde Metall, Elemente technischer Gebilde. Ein Fach von dem er bis heute nicht verstanden hat warum es da eigentlich ging. Angewandte Mathematik Physik, Chemie ebenso angewandt. Die Fächer Deutsch, Englisch, Religion nur rudimentär angeboten, obwohl wie bereits beschrieben, der Religionslehrer sich größte Mühe gab und dafür nur Höhn und Spott erntete. Das erste Jahr, praxisbegleitender Unterricht.

Das hieß: Samstags, und Montags Unterricht oder das was dafür gehalten wurde. Dienstag bis Freitag Praktikum in einer Firma . Ihm wurde gleich zu Beginn der Schule vom Physik und Werkstkunde Lehrer vorhergesagt, daß er sehr bald den schulischen Offenbarungseid leisten müsse.

Sein Name war Erich Immenhof. Nicht nur äußerlich dem Lehrlingsmeister Adolph Jakobus ähnlich. Sie kannten sich persönlich. Heute wurde man sagen:

Zwei alte weiße Männer. Ungepflegt, starr, eigentlich eher halbgebildet mit deutlichem Hang zu paternalistischen Größenideen.

Das wichtigste und fast einzige Lehrbuch was das Tabellenbuch Metall. Dunkelblauer robuster Paperbackeinband, die Buchseiten rosefarben. Der Inhalt, für ihn kryptisch, Tabellen im Übermaß, Formeln, Zeichnungen. Es roch so wie er es erwartete. Nach bearbeiteten Metall und heißem Bohröl. Ein Geruch der Ihm regelmäßig Übelkeit und Würgereitz bereitete. Die Prophetzeihung Offenbarungseid trat ein. Nicht versetzt. Was nun. Auswandern, Schafhirte werden oder Klasse wiederholen. Er entschied sich schließlich für’s Wiederholen. Zum Glück ohne Praktikum, das galt ja als teilgenommen.

Das schuf Freiräume. Freiräume zum gelegentlich arbeiten als Bauhelfer, Zeit zum wandern, zum Träumen und zum lesen auch außerhalb des Tabellenbuchs Metall, was Ihm nicht erspart blieb. Zeit zum rauchen, zum Bier trinken bei Jakob den klugen Wirt. Er beschloss für sich: Du musst die 2 Jahre bis zum Pudding Abitur schaffen. Danach würde er weitersehen.

Aber wie? Er nahm sich vor sein Hirn zu teilen. Eine Seite zum auswendig lernen des Tabellenbuchs Metall. Die andere Seite zum träumen, rauchen und lesen. Er versucht sich daran und merkte bald, es geht, zwar sehr schwer aber es geht, es muß gehen. Die Tabellenbuchseite quälte sich. Auswendig lernen ohne Sinn und Verstand, ohne Zusammenhänge erkennen wollend. Bis zur nächsten Klassenarbeit, dann schnell alles vergessen und bis zur nächsten Kassenarbeit wieder auswendig lernen und das über 2 Schuljahre.

Der anderen Hirnhälfte ging es besser. Sie durfte träumen und vor allem sie durfte auch außerhalb des Tabellenbuchs Metall lesen. Dort tat sich für Ihn eine kaum gekannte neue Welt auf. Er begann mit den Simmel Romanen. Bekam Geschmack und landete sehr bald Heinrich Böll Franz Joseph Degenhardt mit seinen Bankenliedern und Günther Wallraff. Recht bald dann auch bei Günther Grass mit der Blechtrommel, dessen Schreibstil Ihn zunächst deutlich überforderte.

Für das Thema Politik: Der SPIEGEL, jeden Montag mit dem Fahrrad oder mit dem Bus zum nächsten Kiosk, immer egal was passierte. Ja, auch Lexika hatten es Ihm angetan. Diese kurze klare Sprache tat Ihm gut. Sein Favorit zu jener Zeit: Das kleine Lexikon der Erziehungswissenschaften erschienen bei Rowolt. Blauer Einband, kleine Schrift, schlechtes Papier. Dafür roch es herrlich. Es roch nach mehr, nach der großen weiten Welt des Wissens und der Wissenschaft. Nach der Freiheit der Gedanken, nach Offenheit, Liberalität im Denken und Handeln. Nach Toleranz und Menschenfreundlichkeit. Es duftete nach Humanismus. Er laß es einmal zweimal dreimal, könnte den Inhalt bald fast auswendig.

So überstand er diese Zeit, schaffte das Pudding Abitur recht leidlich.

Zwei Jahre später, hatte er Glück und lernte die Liebe seines Lebens kennen.

Ein Neujahrsgruß

Ein Neujahrsgruß: „Der Weg, der gemeinsame Weg“

Die Wegmethapher

„Auch von mir ein frohes neues Jahr! Ich bin gespannt auf unseren gemeinsamen Weg in und für … .“

Die Metapher vom gemeinsamen Weg als Neujahrsgruß verwendet.
Sehr interessant. Sehr inspirierend.
Habe nachgedacht, nach Quellen gesucht und bin immer neugieriger geworden.
Hier ein Zwischenergebnis:

Bedeutungen:
[1] um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, haben auch die Vorgehensweise, die man dafür verwendet, und die Anstrengung, die man dafür aufbringt, bereits ihren Wert, nicht nur das eigentliche Erreichen des Zieles selbst; das Unterwegssein ist mindestens so wichtig wie das Ankommen, der Versuch ist mindestens so lehrreich wie das Ergebnis

Herkunft:
Die Herkunft dieser sprichwörtlich gewordenen Lebensweisheit ist ungeklärt.[1] Häufig wird sie dem chinesischen Philosophen Konfuzius zugeschrieben.[1]

Beispiele:
[1] „Es ist das Niemandsland zwischen dem Aufbruch und dem Unterwegssein. Wenn es bei alten Philosophen heißt, der Weg sei das Ziel, so wird der Weg, auf dem sich einer befindet, doch dadurch überhaupt nicht besser als ein Ziel, als jedes Ziel, das in seinem Wert ja durch die philosophische Bemerkung hatte herabgesetzt werden sollen.“[2]
[1] „Immer schon war der Weg das Ziel, die Bewegung der Inhalt.“[3]
[1] „Heutige Nostalgiezüge mögen bisweilen nicht ganz authentisch sein – aber sie verströmen jenes Flair, das den Mythos ‚Orient-Express‘ erst schuf: Denn hier ist der Weg das Ziel, die Reise selbst der Zweck.“[4]
[1] «Der Weg sei das Ziel. Und der sei mit Irrungen und Rückfällen gepflastert.»[5]

[1] „Was gelegentlich aus den Augen gerät: Während die Eltern manchmal dazu neigen, die Reisestrapazen möglichst rasch abzuhaken, ist für das Kind bereits der Weg das Ziel: zusammen sein und Spaß haben, egal wo, auch im Bahnabteil.“[6]
[1] „Und selbst, wenn er es nicht geschafft hätte, wäre es eine Erfahrung gewesen. Dann wäre eben der Weg das Ziel gewesen.“[7]

Diese pädagogische Deutung der „Wegmethaper“ öffnet wiederum weitere Aspekte der Erziehungswissenschaften mithin auch für den Bereich der Erwachsenenbildung.

Sicherlich auch für die Bereiche Gesprächsführung, Beratung, Therapie, Psychotherapie.

Theologische Deutungen sind davon selbstredend auch nicht ausgenommen:
Der Exodus, eine einzige, vielschichtige, Weggeschichte.
Die Texte um die babylonische Gefangenschaft des Volkes Israel.
Die Weihnachtsgeschichte.
Die Passionsgeschichte. Der Weg Jesu nach Jerusalem.
Und vieles mehr.

Für 2022 wünsche ich Euch liebe Leser, Gesundheit und Frieden. Bleiben Sie behütet.

Bruder Martinus ist von uns gegangen

Anno Domini 06.05.2021

Bruder Martinus (Meister vom Stuhl der Loge „DIE FEUERZANGE“ im Orient zu Oberdieten), ist von uns gegangen

Mit Martin bin ich seit meinem 6. Lebensjahr befreundet.

Seit dieser Zeit pflegten wir eine nunmehr fast 60-jährige enge Freundschaft.

Wir waren eigentlich immer draußen in der freien Natur, durchstreiften gemeinsam Feld und Wald.

Auch Scheunen und Schuppen waren unser Zuhause. Wir erlebten eine freie und wenig überwachte Kindheit und Jugend.

Immer draußen, immer bei irgendwelchen Orten die uns interessant und zuweilen auch geheimnisvoll erschienen.

Eine Kindheit und Jugend, die man sich heute kaum noch vorzustellen vermag.

Gemeinsam in der Jungschar, gemeinsam in der Jungenschaft

gemeinsame Mitgliedschaft im CVJM Oberdieten.

Dem ist er treu geblieben. Viele Jahre im Vorstand, immer als eine Art Hausmeister des Lutherhauses in Oberdieten, der sich um alles wirklich um alles kümmerte.

Ich meine es wäre Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gewesen da wurden wir Gründungsmitglieder der NABU Breidenbach.

Dort hat er bis heute aktiv ehrenamtlich mitgearbeitet. Als Vorstandsmitglied, als Jugendwart, zum Schluss als Kassenwart.

Er blieb auch dabei immer im Hintergrund, war immer ansprechbar, war sich für nichts zu Schade.

Wir bauten ab dem Beginn der 70er Jahre eine kleine Hütte auf dem Alten Hof, ein ansehnliches Feldgehölz inmitten von Wiesen und Feldern.
Wir errichteten dort, es war zu Beginn der 70er Jahre eine kleine Waldhütte.

Diese Hütte steht immer noch, wir haben sie bis dato instandgehalten und gepflegt.

Viele Stunden, Tage und Nächte verbrachten wir dort, meistens gemeinsam mit engen Freunden.

Meister vom Stuhl der Loge: Die Feuerzange im Orient zu Oberdieten
Bruder Martinus ist von uns gegangen

Aus dieser Männerrunde wurde dann mit der Zeit eine verschwiegene christlich, humanistische Runde die wir „Die Feuerzange“ nannten.

Dieser Kreis existiert noch heute.

Und es ist auch im Sinne von Martin, dass wir diese schöne Tradition fortsetzen.

Später dann kann ein Amphibien Teich dazu.

So widmeten wir uns über viele Jahre der Natur und dem Umweltschutz, ein gemeinsames Hobby wurde zur gemeinsamen Passion.

Das war in den 70er Jahren noch eine Beschäftigung die ungewöhnlich war und uns manchmal Hohn und Spott einbrachte, was uns nicht im Geringsten störte.

Als ich 1981meine Doris heiratete, ganz klar, Martin war mein Trauzeuge.

Meine Tochter Sara, 1982 geboren, keine Frage, Martin war Taufpate.

Unvergessen

Martin war ein Stiller.

Er machte kein Aufheben um seine Person.

Er stellte sich ganz in den Dienst einer Sache, immer.

Sich selbst immer in den Hintergrund.

Seine Mitmenschen waren ihm wichtig, immer.

Vielleicht hat es sich dabei manchmal selbst vergessen?

Ja, Martin war ein Stiller Mensch, aber vielleicht gerade deswegen ein Mensch der innere Größe zeigte.

Martin war im eigentlichen Sinne des Wortes ein Philanthrop, ein Menschenfreund.

Martin liebte die Kinder.
Und die Kinder liebten Ihn
Das merkte man immer dann, wenn er mit Kindern zu tun hatte.

Eva und Christian die Kinder von Silke und Helmut und Thilo der Sohn von Edwin können darüber berichten

Martin war ein kluger Mann.

Ich konnte mit Ihm über alles sprechen.

Martin war auch gegenüber manchem kritisch.

Das behielt er aber meistens für sich selbst.

Wenn man Ihm jedoch danach fragte, sprach Er offen aus was Ihm nicht passte.

Aber dabei auch immer sachlich, ausgewogen, nie beleidigend.

In den letzten 5 Jahre trafen wir uns regelmäßig einmal in der Woche zum Einkaufen.

Auf diesen Termin habe ich mich immer gefreut.

Wir haben uns dabei oft stundenlang im Café oder in der Eisdiele aufgehalten.

Wir redeten über alles.

Über all das was uns beschäftigte.

Über Politik, über Umweltschutz, über Religion, Theologie
über die alten Zeiten.

Über Landwirtschaft, die Hausschlachtungen damals in den Bauernhäusern.

Kurz gesagt immer wieder von den vielen gemeinsamen Erinnerungen unserer Kinder- und Jugendzeit.

Martin ist mir ein großer Bruder.

Martin ist mir ein Vorbild.

Das war er.

Das ist er.

Und das bleibt er.

Ich möchte noch ein kurzes Gebet sprechen.

Es ist von Pfarrer Dietrich Bonhoeffer.

Von Ihm verfasst im Jahre 1945.

Kurz bevor er von den Nationalsozialisten ermordet wurde.

„Herr, in mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht.

Ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht.

Ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe.

Ich bin unruhig, aber bei dir ist der Friede.

Ich verstehe deine Wege nicht,

aber du weißt den Weg für mich.“

„Je schöner und voller die Erinnerung,

desto schwerer ist die Trennung.

Aber die Dankbarkeit verwandelt

die Erinnerung in eine stille Freude.

Man trägt das vergangene Schöne

nicht wie einen Stachel,

sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.“
Amen

Anno Domini
12.05.2021
Arminius
Logensprecher

Anno Domini 04.02.2018
Skandinavisches Fischbuffet

Freunde
Was wär ich ohne Freunde,
was wär ich ohne dich?
Ich läg als kleines Puzzleteil
allein auf leerem Tisch.

Bei mir käm niemand je vorbei
und lobte meinen Kuchen,
den ich so blitzschnell zaubern kann
bei plötzlichen Besuchen.

Mein Gästebett, das bliebe leer,
mein Kaffee ungetrunken,
und ohne Freunde wäre ich
in Schwermut längst versunken.

Wenn ich auf langen Reisen bin,
wem sollte ich wohl schreiben?
Ganz ohne Freunde könnte ich
doch gleich am Nordpol bleiben.

Und jedes Fest bei mir im Haus
ist doch erst wirklich schön,
wenn neben Nachbarn und Bekannten
auch gute Freunde stehn.

Wir sind wie Teile eines Puzzles,
eins ganz allein gibt keinen Sinn.
Und deshalb bin ich so zufrieden,
dass ich mit euch befreundet bin.

Renate Eggert-Schwarten

Anno Domini 28.12.2017

Schön, daß wir endlich wieder komplett sind.
Und ein neuer Novize ist auch dabei.
Sein Name ist
Bruder Kotti

„Es ist wichtig zu wissen, wo man herkommt, um zu wissen, wo man hin will.“
Goethe
zugeschrieben

Schön, daß wir endlich wieder komplett sind.
Und ein neuer Novize ist auch dabei.
Sein Name ist
Bruder Kotti

„Es ist wichtig zu wissen, wo man herkommt, um zu wissen, wo man hin will.“
Goethe
zugeschrieben

Fragezeichen
Du fragst was ist?
Du fragst wohin?
Du fragst woher?
Ich geb Dir einen guten Rat.
Frag erst woher?
Frag dann was ist?
Frag dann wohin?

Willst wissen wer Du bist?

Frag erst woher Du kommst?
Dann frag Dich wer Du bist?
Dann erst kannst Du ahnen,
wohin Du gehen willst.

Warum fragst Du?
Ich will versuchen
Dirs zu sagen.
Du suchst den Sinn des Lebens?
Du fragst:
Woher?
Wohin?
Was ist?

Dann frag nach GOTT.
Vielleicht kann ER Dirs sagen.

Tertia pars sequetur (Wird fortgesetzt)

Kakao und Käse

Emmerich trug meistens eine Baskenmütze. Sein Markenzeichen.
War im Kriege in französischer Gefangenschaft gewesen. Davon berichtete er mit Vorliebe. Von seinen Erlebnissen dort, vom Essen und Trinken und, von den Frauen. Die Schrecken und Grausamkeiten, die Mitschuld dieser Generation am Hiltlerfaschismus verschwieg er, oder hatte sie nicht erkannt. So wie fast alle Männer seiner Generation. Was übrig blieb, waren Geschichten, die in ihrer Verklärung eher an Pfadfinder-Geschichten erinnerten.

Voller Verklärung und nostalgischer Idealisierung der damaligen Zeit.
Emmerich war beides. Auf der einen Seite ein beinharter Calvinist, der vehement alles ablehnte, was mit Genuss und Lebensfreude bedeutete.
Auf der anderen Seite ein sentimentalen Lebemann, der gerne aß und trank, vor allem den schweren süßen Moselwein.
Bier holte er sich gelegentlich mit der Milchkanne in der Dorfkneipe. Man sollte nicht sehen, dass er gerne ein Bierchen trank.

Er liebte diesen verkappten Lebemann, der zwischen Frömmelei und leichtem genussvollem Leben scheinbar ohne Problem hin- und herschwankte.

Gerade diese Doppeldeutigkeit, die so zwanglos daher kam, faszinierte ihn.
Mit der Zeit wurden sie Freunde mit einem Altersunterschied von annähernd 40 Jahren.

„Komm doch mit nach Hause, bei uns gibt es heute Abend Kakao und Käse.“ bot er ihm an.

Er schlug dieses Angebot nicht aus und ging mit.
In Emmerichs Zuhause angekommen duftete es schon an der Haustüre nach köstlichem selbstgekochten Kakao.
Auf dem Küchentisch stand dann schon verzehrfertig eine ordentliche Anzahl bereits dick mit Butter und Edamerkäse belegter Weizenbrötchen.

Liebevoll zubereitet von Emilia, seiner Ehefrau. Eine tiefgläubige Frau, die immer sanftmütig und freundlich den Haushalt führte, gut kochte und klaglos akzeptierte, dass er bei seinen häufigen Besuchen seine geliebten filterlosen Gauloise Coporal dabei rauchte.
Emmerichs politische Einstellungen waren denen der den Seinen gegenüber diametral entgegen gesetzt.
Er, der seinem Onkel Theodor nacheifernd Willi Brandt verehrte.

Emmerich dagegen ein Anhänger von Konrad Adenauer und dessen rückwärtsgewandter Politik der Restauration und der Verdrängung.
Typisch für die Bewohner des Klippdachslandes zu jener Zeit.

Wenn er vom Politisieren mit ihm genug hatte, bemerkte er: „Du bist ein hoffnungsloser Kommunist. Wenn der Russe von Osten her hier einmarschiert, wirst Du Bürgermeister,“ was schon fast wieder eine Anerkennung für ihn bedeutete.

Emmerich verstarb sehr früh und er erinnerte sich der bitteren Tränen, die er deswegen geweint hatte.

Frau Wollmantels Weihnachts-geschichte

Auszug aus: Kumm mei kläinr Buu..

Es war im Dezember, an einem Freitagnachmittag, so eine Woche vor Weihnachten. Die Winterferien hatten mit diesem Tage begonnen. Schon am Morgen hatten dicke Schneeflocken die Dächer und Felder bedeckt.

Die Dorfschlehrerin, Frau Wollmantel hatte Ihre Zöglinge mit den Worten: „Ein gesegnetes Weihnachtsfest mein Völkchen“ in die Weihnachtsferien entlassen.

Zuvor in der letzten Schulstunde war das Fach Religion, wie üblich, an der Reihe.
Alle Schüler, von der ersten bis zur dritten Schulklasse, saßen im größten Klassenraum zusammen. Sie sangen zu Beginn, das schöne Weihnachtslied, Ihr Kinderlein kommen, oh kommet doch bald…… .

Frau Wollmantel begleitete dabei mit einem schwarzlackierten Musikinstrument aus Plastik, welches ein Mittelding von Ziehharmonika, und Harmonium darstellte.
Dieses Instrument wimmerte erbärmlich, zwischendurch asthmatisch pfeifend. Die Kinder störte das nicht, hatten sie doch keine musikalischen Vergleichsmöglichkeiten. Im Gegenteil, sie sangen mit Inbrunst, gefühlvoll das kommende Weihnachtsfest freudig erwartend.

Ihre Lehrerin erzählte die biblische Weihnachtsgeschichte so, daß die Kinder sie gut verstehen konnten. Sie erzählte sehr schön mit ruhigem Ton und weicher Stimme, die schon andeutungsweise, ein sanftes Tremolo zeigte. Ein Umstand der viele weibliche Sopranstimmen betrifft, die allmählich das Klimakterium erreichen.

Als die Stelle mit der Verkündigung der Engel über die Geburt des Jesuskindes gekommen war, erreichten Ihre erzählerischen Qualitäten einen Höhepunkt.

Die Engel erschienen prachtvoller, ihr Erscheinen spektakulärer.
Auch den Stall zu Bethlehem, als Geburtsort des Jesuskindes schilderte Sie bildhaft und verständlich.

Im Zentrum Maria sitzend mit dem Kinde in der Futterkrippe, liebevoll mütterlich saß Sie dort. Ihr Blick strahlte Freude, aber auch Wehmut, Schmerz und Trauer aus. Als ob Sie schon ahnen könne, welchen Weg Ihr Sohn bis hin zum Kreuz auf Golgatha gehen würde.

Ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer mag an diese Stelle passen, ohne den Erzählstrom wesentlich zu unterbrechen:

„Allein weil Gott ein armer, elender, unbekannter, erfolgloser Mensch wurde, und weil Gott sich von nun an allein in dieser Armut, im Kreuz, finden lassen will, darum kommen wir von dem Menschen und von der Welt nicht los, darum lieben wir die Brüder. Wer fromm ist muß auch politisch sein.“

Gleich daneben rechts, Joseph. Groß, würdig, mehr Hirte als Zimmermann, ein schwerer Umhang und der unvermeidliche Hirtenstab. Alle drei beisammen die heilige Familie.

Die Krippe umlagernd, sitzend halb liegend aufgestützt, drei Hirten. Sie blicken staunend und zugleich erfreut auf das Jesuskind.

„Sind wir es, die ärmsten der Armen, wir die wir am Rand des Gesellschaft leben wirklich die ersten, die das Wunder der Geburt Christi erleben dürfen? Sie wir es, die als Erste dabei sein dürfen, von himmlischen Heerscharen, gerufen, wenn Gott als hilfloses kleines Baby auf die Erde kommt?“

Dabei der Ochse, der Esel und 3 Schafe. Die Körper der Tiere sind hinter einer Bretterwand verborgen. Lediglich die Köpfe sind zu sehen. Ihre Köpfe sind größer als gewohnt, die Augen staunend groß, blicken sie bewundernd und fröhlich auf die Szene.
Fast wie Kinder, die Ihre Weihnachtsgeschenke erhalten haben.

Die 3 Waisen aus dem Morgenlande mit den Gaben, Gold,Weihrauch und Myrhe.
Nun, die fehlen noch. Sind vielleicht noch nicht angekommen.

Zum Ende dann noch: Oh du fröhliche oh du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit…….
Die letzte Strophe dann hymnisch, laut und voller Inbrunst gesungen: …….freue dihich freue dich oh Christenheit !!!

Die Kinder liebten Ihre Geschichten, vor allem dann wenn nach dem letzten Schultage die Ferien begannen.

Zuweilen gingen nicht nur Ihren Schülern, sondern auch Ihr selbst die Geschichten so nahe, daß Ihr die Augen feucht wurden und Sie leise zu weinen begann. Sie erzählte dann von Krieg, Not und Tod, von Flucht und Vertreibung ihrer Familie, von Ihrer Geige die auf der Flucht mitgenommen, plötzlich beim einem Zusammenstoß der Pferdewagen in tausend Teile zerschellte …… .

Ja, Sie war ein Schöngeist im besten Sinne, eine kluge musikalisch begabte empfindsame Seele, wie geschaffen bei uns Kindern die Neugier zu wecken, die Phantasie und die Kreativität.
Wir Kinder wussten das nicht, aber, sie fühlten es.

Der Irrlehrer

Es war August.
Die Sonne brannte seit vielen Wochen unbarmherzig vom Himmel. Die Heuernte war längst eingefahren. Das reife Getreide wogte im heißen Sommerwind. Der Hafer goldgelb. Der Weizen sonnengelb. Die Gerste, deren Ähren sich bereits nach unten neigten, da ihre pelzigen spleißigen Körner bereits so reif waren, dass sie sich gelegentlich von selbst aus den Ähren lösten und zu Boden fielen, strohgelb.

Der Irrlehrer

Der Roggen, das bevorzugte Getreide im Klippdachsland, majestätisch empor gewachsen, fast so hoch wie ein erwachsener Mann und bestens geeignet sich als Kind darin zu verstecken, was bei Androhung schlimmer Strafen, die nie vollzogen wurden, verboten war, sandgelb schon ins Gräuliche wechselnd.

An jenem Morgen
Die Sonntage unabhängig von jeder Jahreszeit, vollzogen sich in jenem Klippdachsland fast immer mit der gleichen Routine.

Gegen acht Uhr betritt die gute Mutter Dragmari das Schlafzimmer mit einem kurzen Morgengruß. „Gemorje“ (Guten Morgen, gut geschlafen?).
Sogleich begibt Sie sich zum Fenster, um es zu öffnen. Der geneigte Leser mag sich denken, weshalb die Frau Mama dies für erforderlich hält.

Im Schlafgemach eines pubertierenden Jugendlichen im Überschwang seiner Hormone sind doch so manch unterschiedliche körperliche Gerüche vorzufinden, die sich zu einem olfaktorischen Gesamtergebnis mischen und der Riechenden durchaus unangenehm erscheinen können.

„Imme halb Zeeh ess Körche. Stieh mool off. Sonnsd bäsde wörrer ze spiere“
(Steh bitte auf. Um nicht erneut zu spät zum Gottesdienst zu kommen. Der beginnt bereits um 09:30 Uhr)
Der so Angesprochene sagt nichts, blickt die gute Frau Mama mürrisch an und ergibt sich seinem Schicksal.

Zum Frühstück gab es sonntags häufig Rosine Blatz medd Zogger. (Rosinenstuten bestrichen mit Margarine, obenauf dann eine gehörige Portion Rübenzucker). Dazu eine Tasse Kakao, beides mundete köstlich. Die gute Butter gab es eher selten. Wohl aus Sparsamkeit, was für einen großen Haushalt, der, wie viele Familien damals, auch eine Nebenerwerbslandwirtschaft betrieb, recht verwunderlich war.
Opa Gregorius machte da nicht mit. Er bestrich seine Bodder (Stulle, Scheibe Brot) ausschließlich mit der guten Butter. Zum Abendbrot bevorzugt mit geräucherter Blutwurst und Apfelgelee, natürlich alles selbst gemacht. Oft zur Verwunderung, gelegentlich auch zum Ärger seiner Gattin, Oma Friedelinde. Die dabei gelegentlich bemerkte: „Vadder, du leesd der de Bodder fengerdegge offs Brod. Onn äich? Äich ääse seid zwansich Joohr Magerine onn nomme kää Gramm obb.“
(Vater [Ehegatte], Du belegst dir dein Butterbrot so dick mit Butter. Fingerdick. Und was ist mit mir?
Ich esse seit zwanzig Jahren nur Margarine auf meinem Butterbrot. Trotzdem habe ich noch kein Gramm abgenommen).
Inzwischen begannen die Kirchenglocken zu läuten. Dieser Dreiklang ist ihm unvergänglich in Erinnerung geblieben.
Erst die kleine Glocke: Bim, bim, bim …… !

Dann die mittlere Glocke dazu: Bam, bam, bam … !

Beide zusammen dann: Bim, bam. Bim, bam …!

Dann die große Glocke: Bum, bum, bum, bum… !

Alle drei Glocken dann im Tutti:
Bim, bam, bum! Bim, bam, bum! Bim, bam, bum! Bim, bam, bum……… !

Der gute Vater Flodur nun zu Ihm: „Mach feroo! Z loud schoo fünf Minudde voll!“
(Beeile Dich bitte. Das volle Geläut ist bereits seit fünf Minuten zu hören!)
Die „Sonntagshose“ und das „Sonntagshemd“ in Taubenblau hatte er bereits vor dem süßen Frühstück, die gute Mutter hatte es schon beim Wecken bereitgelegt, angezogen.
Die betagte Treppe aus dem ersten Stock des Bauernhauses, das Gesangbuch vom verstorbenen Urgroßvater in der rechten Hand, behände hinunter.
Die erste Treppenstufe lautlos.

Die zweite meldete sich beim Betreten mit wiip.
Die dritte wieder lautlos.

Die vierte dann schon lauter wiuup.

Die fünfte fast wie die erste, aber vernehmlicher wiiip.

Stufe sechs nun im vernehmlichen Bariton wiiupaa.

Treppenstufe sieben im lauten, jedoch gepflegten Bass wioopaass, versehen mit einem leisen nur angedeuteten tiefen Tremolo.

Stufen acht und neun mit einem Satz übersprungen und auf dem schmalen Flur, dicht neben der Haustüre links gelandet.

Großmutter Friedelinde, an diesem Sonntage zum Kirchgange nicht bereit „Mäie räächde Höffde brennd wie Faier“, (Mein rechtes Hüftgelenk macht mir Beschwerden. Deswegen muss ich heute auf den Kirchgang verzichten), hatte alles gehört und gemerkt.
Sie saß am Küchentisch der winzig kleinen Küche, kaum drei Meter rechts neben der alten Treppe und schnitt die Blätter einer Endivienpflanze in sehr dünne Streifen. Die Küchentüre stand offen.
Jene Blätter, schon vorgeschnitten, waren am Samstagabend, vor dem gemeinsamen Wannenbad mit Gregorius, in lauwarmes Wasser eingelegt, und gingen nunmehr ihrer Vollendung zum Sonntagsessen entgegen.
Oma Friedelinde blickte auf und kommentierte die Szene vorwurfsvoll.

Sie bemerkte ärgerlich:
„Schoo wörrer.
De ganse Doog.
Roff, robb, roof, robb.
Onn doss ohm helle Sonndoog.
Ii dem Haus ess kää Ruh ze fenne.
Äich wern noch simbelich.“
und schüttelte dabei mit dem Kopfe.
(Schon wieder dieser Lärm. Tagein, tagaus das gleiche. Die Treppe rauf und runter, rauf und runter. In diesem Hause ist keine Ruhe zu finden.
Es ist zum Verzweifeln.)
Schon in Eile öffnete er die Haustüre, zwei Treppenstufen hinunter. Die Haustüre flog hinter ihm ins Schloss.
Diese Haustüre, deren unverkennbares Geräusch beim schließen, war schon alt, sicher ein Nachkriegsmodell, bei weitem keine Schönheit. Robust aus massivem Lärchenholz in einer Art Neobiedermeierstil gefertigt. Ganz typisch für die Stilelemente der Nachkriegszeit, die nicht nur mit dem Nierentischdesign aufwartete.
Alles, was Gemütlichkeit, Biedersinn und Wohlanständigkeit ausdrücken sollte, war damals gefragt.
Der Gipfelpunkt dieser Geschmacklosigkeiten war der „Gelsenkirchener Barock.“

Damit nicht genug: Die ehemals schmucklosen Fachwerkfassaden verkleidet mit unendlich trostlosem Eternit. Die Fensteröffnungen, ehemals klein und passend, nun herausgebrochen und ersetzt durch große Einflügelfenster die mehr Licht in die Stuben bringen sollten. Wahrscheinlich sollte so eine Anpassung an die modernen Zeiten gezeigt werden. An eine städtisch kleinbürgerliche Wohnkultur der 60er und 70er Jahre.

Das Ergebnis war erbärmlich. Die letzten Reste des Ausdrucks einer dörflich bäuerlichen Lebensweise, die eigentlich immer von Sparsamkeit, Entbehrung und trotzigem Fleiß gekennzeichnet war, waren bis zur Unkenntlichkeit verbaut, verhunzt und kaputt saniert worden.
Wenn die Häuser jemals etwas von der wirklichen Identität und der eigentlichen Lebensweise ihrer Bewohner zeigten, war dies nun verschandelt und damit für immer verloren.

Das so beschriebene dörfliche Ambiente der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts begleiteten ihn auf dem Weg zur Kirche.
Von der Haustüre aus gleich links über den Hof der schon abschüssig war. Dann gleich nach rechts die ziemlich steile Dorfstraße hinunter zur Kirche, deren Turmuhr schon deutlich zu lesen war. Neunuhrachtundzwanzig, nun aber hurtig.
Auf die Beschreibung der Architektur dieser für dörfliche Verhältnisse imposanten, aus schwarzem Diabas gebauten Kirche, mag nun verzichtet werden, ist sie doch in zwei anderen Kapiteln dieser Erzählung [hier Link] hinlänglich beschrieben.
Er betrat dieses sakrale Gebäude zuerst über eine sonntags wenig befahrene Bundesstraße durch eine schmucklose Türe an der linken Turmseite. Nun zwei Meter geradeaus, dann gleich neunzig Grad wieder nach links.
Was er nun erblickte war vertraut.
Ein langer Gang direkt zum Altar hinstrebend. Der Altar, eigentlich eine große Holzkommode, grau bläulich lackiert, so wie alles hölzerne Inventar des Gotteshauses.
Eine aus weißem Linnen bestehende Altardecke, in hessischer Lochstickerei verziert.
In der Mitte ein Kruzifix. Rechtseckiger schwerer Fuß, ein Kreuz in gleicher Farbe. Der Korpus Christi in etwa hellerer Farbe. Alles wohl aus dunklem Holz gefertigt.
Der schöne Blumenschmuck, wie üblich links und rechts des Kruzifix.
Eigentlich eine Altarausstattung in lutherischer Manier.
Eine innen wie außen schlichte, grundsolide Kirchenarchitektur, nicht schön, aber auch nicht hässlich, lutherischer Prägung.
Keinesfalls die Interpretation des himmlischen Jerusalem wie sie so faszinierend manche Kirchen, Döme und Kathedralen interpretieren, die er späterhin so sehr liebte.
Gleich darüber in etwa 3 Meter vom Boden die Kanzel.
Gleiche grau bläuliche Farbe ansonsten schmucklos.
Eine schlichte deutlich lutherisch geprägte Kirchenarchitektur in Besitz und Gebrauch von einer durch und durch calvinistisch, evangelikal geprägten Gemeindeleben.
Paramente vorhanden, dem Kirchenjahr entsprechend stehts gewechselt.
Über der Kanzel ein großer grauer, nun sagen wir Wandteppich, mit einem Bibelspruch graugrün kunstvoll bestickt. Dereinst erstellt von einer Pfarrersfrau, deren Handarbeits- und Bastelkünste weithin bekannt und gerne in Anspruch genommen wurden. Den genauen Text dieses Spruches erinnert er leider nicht mehr.
Der steinerne Boden des Kirchenschiffes rechteckig in Rautenform verlegt.
Links und rechts, das wo die Kirchenbänke sich befanden, auf niedrigen Holzpodesten, verschraubt, die Besucher des Gottesdienstes.
Unten im Schiff, nur die Frauen, oben auf den Emporen nur die Männer.
Eilig entlang das Kirchenschiffs bis zum Altar. Dann gleich links zur Konfirmandenbank für Knaben.
Gegenüberliegend, gut im Blick, die Konfirmandenbank für Mädchen. Sehr praktisch. Mädchen, verschämt anglotzten, nichts sagen könnend, den höhnisch arroganten Blick der Angestierten ertragend, das Vogelzeigen ertragend, erröten.
Die Erektion wahrnehmend, im Moment nichts dagegen tun könnend. Die Oberschenkel zusammenkneifend ertragen.
Eine Dauerbeschäftigung für Knaben solchen Alters.
„Hee äss i de Fleejeljoohrn“ (Er befindet sich in der Pubertät), so wurde der Zustand solcher Knaben bezeichnet.
Bei den jungen Mädchen in diesem Alter geschah so oft eine wundersame Wandlung, die ihn, immer wieder erstaunte.
Oft verging nicht mal ein halbes Jahr und aus einem ungelenken Kind, bei dem man meinte alles Äußere würde nicht zueinander passen eine wunderschöne junge Frau, bei der plötzlich wieder, im Auge des Betrachters, alles passte.
Der Gottesdienst nahm zunächst seinen üblichen lutherisch liturgischen Verlauf.
Immer dann, wenn die Liturgie gebot, die Gemeinde solle sich erheben ereignete sich Erstaunliches.
Die Gemeinde, oben die Männer, unten die Frauen,
links und rechts des Altars die Konfirmanden, erhoben sich.
Auf einen Schlag verdunkelte sich das Kircheninnere merklich. Vor allem unterhalb der durchlaufenden Empore.
Die Frauen, zu dieser Zeit noch häufig in rabenschwarzer Witwentracht. Erhoben sich, die Helligkeit im sonst lichtdurchfluteten Schiff nahm merklich ab.
Zur gleichen Zeit strömte ein neuer Duft durch Raum.
Etwas von Mottenpulver-, Pipi saure Milch- und Kuhstallgeruch ließ sich erahnen. Erst ganz leicht und dann immer stärker. Der Duft seiner Jugend. Auch sonst, bei manchen anderen Anlässen zu vernehmen.
So auch in den kalten, dunstigen Winterabenden, wenn die alten Frauen in den niedrigen Stuben, in der Dämmerung und weit bis in die Dunkelheit hinein, zusammen saßen, die Daumen drehten, sich von den alten Zeiten erzählten und oft auch schwiegen. Ein beredtes Schweigen, oft viel mehr sagend als manches leicht dahingesprochene Wort. Von Ihrer schweren Arbeit auf dem Felde, von der Mühsal Ihres schweren Lebens, von Hunger und Not, vom Kindbettfieber, von den viel zu früh verstorbenen Säuglingen von Seuchen die Ihnen Ihre Kinder raubten, von den Brüdern, Söhnen und Ehemännern, die so vollkommen sinnlos auf den Schlachtfeldern hingeschlachtet in zwei Weltkriegen … .
Tränen, still in einer Ecke verweilend, sah er so gut wie nie, aber dieses Schweigen, daß so viel mehr über Leid, Not, Mühe und Unglück sagte als Worte es je ausdrücken können. Ja, auch dort dieser eigentümliche Geruch… .
So mancher junge Vikar, so dachte er, könne dabei vielleicht das fürchten bekommen, wenn das Kirchenschiff sich dergestalt periodisch verfinsterte.
Auf jener Konfirmandenbank sitzend gleich links an der Wand des Chores, direkt neben der Treppe zur Kanzel stand ein altes Orgelpositiv.
Alt nicht im Sinne von historisch altem Instrument.
Es war wohl eine Schenkung an die Kirchengemeinde nach dem Kriege aus Amerika, wie immer gesagt wurde.
Ein unglaublich schräg klingender Musikkasten, bei dessen Spielen ab und an einzelnen Tasten klemmten, sodass sich der gerade intonierte Ton nicht mehr abstellen ließ. Dann war der Organist, und einer der Gemeindeältesten, mit Namen Friedensreich, ein strenger Mann mit immer streng gescheiteltem silbernen Haupthaar, niemals lachend, gezwungen, das Gebläse des Instruments auszuschalten.
Er tat dies mit Hilfe eines Drehschalters aus Porzellan, der am Instrument befestigt war, was dann postwendend mit einem laut vernehmlichen PENG verbunden war.
Der klemmende intonierte Ton, es war der eingestrichene Kammerton a‘ in moderner Stimmung, blieb noch für Sekunden konstant und verabschiedete sich dann aber ebenfalls langanhaltend mit immer leiser werdendem Jaulen.
Zum Schreien komisch.
Was geschah unmittelbar danach?
Nichts.
Kein Lachen, kein Prusten.
Nichts.
Ach ja, öffentliches Lachen und sich laut freuen ist ja verboten, erinnert sich der Verfasser.
Der Gottesdienst nahm seinen liturgisch festgelegten Verlauf.
Nun zur Predigt.
Der Prediger wohnte in Waldenau, war aber seit Jahren als Missionar in Afrika unterwegs.
Ein hagerer Mann braun gebrannt, Glatze die von einem dichten schwarzen Haarkranz umrankt war.
Markantes ausdrucksstarkes Gesicht, schmale lange Nase, die eine viereckige Hornbrille trug.
Er predigte im schwarzen Anzug, weißes Hemd ohne Krawatte. Den weißen Hemdkragen hatte er sorgsam auf das Revers seines Jacketts drapiert, man konnte sich lebhaft vorstellen, daß er so gekleidet,auch in Afrika predigt.
Missionare waren zu jener Zeit sehr beliebt. Hatten sie auch noch eine schwarze Hautfarbe stiegen sie in der Beliebtheitsskala nochmals erheblich.
War ein solcher Prediger zu erwarten, redete man darüber und freute sich auf Abwechslung.
„De Sonndog kimmt enn Neejer i de Körrche“ (Am Sonntag hält ein Missionar mit schwarzer Hautfarbe den Gottesdienst), hieß es dann.
Die Predigt war dann zumeist abwechslungsreich, Geschichten, Erlebtes aus dem schwarzen Kontinent wurden erzählt um sie in den Predigttext eingebunden. Manchmal wurden auch Alltagsgegenstände mitgebracht, auch Trommeln, Schellen, Rasseln aus diesen fernen Ländern.
Manchmal wurden zum Ende des Gottesdienstes Tee Getränke aus diesen Ländern ausgeschänkt.
Immer und ausschließlich zur Verdeutlichung des Kernes der Predigtbotschaft, nie nur zum Spaß oder um den Durst zu stillen.
Man übte auch christliche Lieder aus diesen „Missionsländern“ ein.
Die fremde Sprache, der beschwingte Rhythmus, allseits beliebt und gerne mitgesungen.
Der Missionar predigte nicht von der Kanzel aus. Er tat es vor dem Altar auf dem kleinen steinernen Podest auf dem auch der hölzernen Altar seinen Platz fand.
Die Predigt war anschaulich, gut zu verstehen, erfüllt von bunten Bildern und seinen vielfältigen Erlebnissen auf dem schwarzen Kontinent.
Allmählich, es war zu spüren, redete er sich frei.
Sein Blick entspannte sich, sein Gestus, vorher eher hölzern und kantig, wurde flüssiger, passte immer besser zum Redetext.
Dann, kaum merklich, redete er immer schneller die Sätze wurden kürzer.
Ihm wurde wohl warm, fasste sich ab und an an den Hemdkragen und richtet die Krawatte.
Er hatte den Eindruck als ob sich winzige Schweißperlen auf seiner Oberlippe bildeten.
Es war als blickte zusehends in die Ferne, war ganz bei den von Ihm entwickelten Sprachbildern.

Er berichtete schlussendlich von den schwarzen Frauen, die zu den immer extatischer werdenden Trommelrhythmen tanzten, sich im immer schnelleren Tempo tanzend in Extase bewegten wild archaisch und fremd.
Dann auf dem Gipfel der Extase sich Ihre Brüste blutig kratzten………….. !
Friedensreich erstarrte, blicke still zu Boden und schüttelte dabei sein silbernes Haupt… .


Post skriptum:

Laienprediger unterschiedlicher evangelikaler Denominationen bestiegen zu jener Zeit die Kanzeln und Pulte der evangelischen Kirchen und der Gemeindehäuser. Und legten Zeugnis ab, wie es damals hieß.
Das geschah ohne besondere, nachvollziehbare Eignung für diese Aufgabe.

Eine wie auch immer geartete theologische Vorbildung gab es wohl kaum oder sie wurde unterlaufen.

Die damals oft von ihm gehörte Begründung dafür:
Studierten Theologen bekämen an den Universitäten eine Lehre verpasst, die sich nicht mehr an der reinen Lehre der Bibel orientieren würde.
Bibeltreue Verkündigung sollte sein. Alles darüber hinaus sei eine gefährliche Irrlehre. Die gelte es zu bekämpfen.
Sie bilde eine große Gefahr für alle, die sich damit beschäftigen würden.

So mancher unbefangene junge Mann, der aus so einer rechtgläubigen Gemeinde gekommen sei und sich aufgemacht habe, um ein universitäres Theologie Studium zu beginnen, sei vom rechten Glauben abgefallen.

Mit verheerenden Folgen. Der Teufel selbst habe sich mit Hilfe seiner Helfer an den Universitäten dieser armen Seele bemächtigt und sie verführt.
Nun drohe unweigerlich die ewige Verdammnis.
Es sei denn, er kehre um und schwöre der Irrlehre ab.

Dann – nur dann – sei eine erneute Aufnahme in die Gemeinschaft bibeltreuer Christen wieder möglich.

Vor dem Hintergrund einer solchen Geisteshaltung kam es jedoch gelegentlich zu Vorfällen die das Eingreifen des Kirchenältesten wie beschrieben erforderlich machte.

Von innen ertrunken

„Trinken Sie. Trinken ist wichtig. Trinken ist gesund. Trinken Sie noch ein Glas.“

Von Einer die um Ihr Leben trank

Eine attraktive Frau, Mitte 50, immer gepflegt, dezent geschminkt, die Haare, immer ohne Ansatz, wasserstoffblond gefärbt.
Bei Meetings von etwa zwei Stunden schaffte Sie locker 2 Flaschen Wasser zu trinken.

Schlank, modern steht’s dezent gekleidet, das Outfit einer erfolgreichen Bussinesfrau.
Bei besonderen Anlässen, im Kleid, geschmackvoll ausgesucht, figurbetont, grosszügig dekolltiert aber doch passend.

Eher kantige Gesichtszüge, geschickt in Richtung mehr Weichheit geschminkt.
Die Augen graublau, deutlich, je nach Blickrichtung, ins eisgraue, wechselnd.

Beim näherer Betrachtung zeigten diese Augen eine merkwürdige schwer zu erahnende Melange die ganz unterschiedlichen inneren Zuständen vermuten ließ.

Zum einen eine gewisse kalte Leere im Blick, die gleichzeitig unglaubwürdig wirkt.
Daneben eine Art von Misstrauen und Angst gepaart mit unruhiger Lauerstellung.

Was kommt jetzt, bedroht es mich, ich muß gewappnet sein, immer bereit zum Angriff sein?

Dann auch eine tiefe Traurigkeit. Eine Trauer die erahnen lässt. Das was ich hier zeige, das bin ich nicht. Es ist eine Fassade, die nur mit Aufbietung aller Kräfte erhalten werden kann.

Ich muß meine Angst, meine Unsicherheit, meinen fehlenden Gestaltungswillen verbergen, sonst werde ich meinen eigenen Ansprüchen an mich nicht gerecht, versage, bin verloren.

Ich möchte doch ganz anderes sein.
Liebevoll, verständnisvoll, empathisch, treusorgend, mütterlich.
Aber Kinder habe ich keine, auch Großmutter werde ich nie sein.

Zuweilen schien es so als ob Sie ins Leere blicke. Die Lider werden dann schwer, als ob Sie ein unbändiges Bedürfnis nach Schlaf und Ruhe überkomme, so als ob Sie alles sediert und durch einen Nebel verborgen sehe.

Ihr Wohlwollen war, kannte man diese geschundene Seele näher, recht leicht zu erlangen.

Mit inszenierter Nibelungentreue.
Ein treuer, ein eiserner Heinrich sein, eine treue Henriette.

Nichts hinterfragen wollen, alles mittragen sollen.
Keine Fragen stellen. Immer Zustimmung zollen. Keinen Diskurs aufkommen lassen.

Egal was da komme.

Fachliche Kompetenz , war nicht erwünscht weil als bedrohlich empfunden. Sie störte nur. Alles sollte beim Alten bleiben. Lediglich ein neuer Lack auf Althergebrachtes war gelegentlich gewünscht.

Ihre Kaumuskulatur ständig bewegend blickte Sie um sich.
Lauernd, vor Angst und Panik immer auf Abwehr, so bewältigte Sie Ihren beruflichen Alltag.

Auch aus diesem Grunde war Sie allseits gefürchtet.
Als harte kalte Person die selbst viel arbeitete, noch mehr verlangte, bei der man sehr schnell in Ungnade fiel.

Fand Sie einen angeblichen Fehler bei einem Ihrer Untergebenen, der zumeist konstruiert war, war Sie gnadenlos. Sie sanktionierte hart und öffentlich, monatelange Kontrollen begannen, akribisch ausgeführt und oft außerhalb der Arbeitszeit, gerne Morgens gegen 06:45 Uhr.

Viele hielten dem nicht stand, kündigten, wurden entlassen, einige traumatisiert.

Ob Ihr diese Art mit Menschen umzugehen Ihr eine innere Genugtuung verschaffte, ob Sie die Macht über Menschen in diesem Moment genoss bleibt offen.
Sie selbst beschädigte sich damit wohl am allermeisten.
Immer ruheloser, immer getriebener, immer misstrauischer, immer mehr Angst und Panik.

Hier gelten wohl die Zeilen vom großen Friedrich Schiller aus Wallenstein:

„Das eben ist der Fluch der bösen Tat,
dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären.“

Wagt man, nach Fritz Riemann eine Einordnung Ihrer Persönlichkeit wäre über folgendes nachzudenken.

„Die zwanghafte Persönlichkeit wendet sich gegen Neuerungen, wo sie ihm begegnen, was aber immer mehr zu einer Sisyphusarbeit wird, denn das Leben ist immer im Fluß, alles ist in fortwährender Wandlung begriffen, «alles fließt» in immerwährendem Entstehen und Vergehen, das sich nicht aufhalten läßt… .“

„… Bei den später zwanghaften Persönlichkeiten finden wir in ihrer Lebensgeschichte mit großer Regelmäßigkeit, daß in ihrer Kindheit altersmäßig zu früh und zu starr die lebendigen aggressiven, affektiven, die gestalten und verändern wollenden Impulse, ja oft jede Spontaneität, jede Äußerung gesunden Eigenwillens gedrosselt, gehemmt, bestraft oder unterdrückt wurden… .“

„In der Unfähigkeit zwanghafter Menschen, Spontaneität und Unplanbarkeit zuzulassen, liegt ihr zentrales Problem. Das Leben ist nicht ins letzte Detail planbar. Es ist im Fluss und konfrontiert uns von Geburt an mit dem Unbekannten und Neuen, welches uns spontane Reaktionen abverlangt. Hinter dem Festhalten am Alten und Vertrauten steht letztlich die Angst vor der unausweichlichen Vergänglichkeit, die Angst vor dem Tod… .“

„… Zum lebensgeschichtlichen Hintergrund von Menschen mit zwanghafter Persönlichkeit lässt sich sagen, dass sie in ihrer frühen Kindheit oft zu früh durch die Bezugspersonen angehalten wurden, auftretende aggressive, spontane und altersgemäß natürliche Reaktionen zu unterdrücken.

Sie wurden oftmals zu früh herangeführt an Gebote und Verbote. Man findet es häufig, dass in ihrer Kindheit „jede Spontaneität, jede Äußerung gesunden Eigenwillens gedrosselt, gehemmt, bestraft……. wird.

Für ihre Pseudosicherheit zahlen zwanghafte Menschen einen hohen Preis, denn durch ihr Festhalten am Alten und Bekannten verschließen sie sich gleichsam vor den Möglichkeiten und Chancen des Neuen.“

Kurz:
…. Sie verschließen sich vor der Möglichkeit der Weiterentwicklung, die ja ebenso wie das Alte und Vertraute, das Neue, das Unerwartete Bestandteil des Lebens ist… .“

„Das Grundproblem zwanghafter Menschen können wir also in ihrem überwertigen Sicherungsbedürfnis erkennen.
Voraussicht, zielbewusste Planung auf lange Sicht, überhaupt die Einstellung auf Dauer, hängen damit zusammen.

Begründet liegt das in der Angst davor, das Gewohnte und Vertraute, das Sicherheit und Identität stiftende, durch neue Einsichten und Entwicklungen relativieren oder hinterfragen zu müssen.
Die Grundangst des zwanghaften Menschen ist die vor der Vergänglichkeit Sie befällt ihn umso heftiger, je mehr er sich gegen sie abzusichern versucht.

Alle Änderungen erinnern ihn an die eigene Vergänglichkeit.

Daher sucht er, immer das Gleiche, schon Bekannte und Vertraute wiederzufinden oder wiederherzustellen.
Wenn sich etwas verändert, fühlt er sich gestört, beunruhigt, ja geängstigt.
Er wird deshalb versuchen, Veränderungen zu unterbinden, aufzuhalten oder einzuschränken, wenn es geht, zu verhindern und zu bekämpfen…. “ (Quellen: Fritz Riemann Grundformen der Angst 1976)

Nicht verwunderlich, geradezu zwangsläufig ergibt sich bei solchen bedauernswerten Menschen, die sich in Führungspositionen befinden, die Neigung bestimmter anderer Personen, die sich in deren Nähe befinden einer großen Versuchung ausgesetzt zu sein.

Sie erkennen Zug um Zug, im Laufe der Zeit immer deutlicher die eigentlichen Wesensmerkmale und gravierenden Defizite dieser im Grunde bedauernswerten Person.

Sie stellen sich darauf ein, entwickeln allmählich eine Strategie Ihr den Eindruck von Sicherheit und Kontinuität zu vermitteln.
Alles bliebe in Grunde beim Alten, Neuerungen wären lediglich Äußerlichkeiten die man verbreite um das Althergebrachte bewährte zu bewahren.
Man macht Ihr kleine persönliche Geschenke um Ihr Wertschätzung zu zeigen.
Kleine Geschenke unauffällig, wohl wissend, daß die betreffende Person bis hin zu Verfolgungsphantasien, misstrauisch gegenüber allem ist was Ihr begegnet.
Es werden Meeting, Besprechungen, Tagungen regelrecht dergestalt inszeniert.
Alles soll sagen. Beruhige Dich alles bleibt beim Alten.
Sie sind weiterhin an der Spitze.Sie haben die Zügel nach wie vor fest in der Hand.
Diese kluge, nun sagen wir eher bauernschlaue Strategie, so sie denn begonnen worden ist einmal robust installiert, recht bequem. Man muss eigentlich nur alles beim Alten lassen und abwarten.
Solange zuwarten bis die betreffende Person so weit und so verzweifelt ist, daß Sie offensichtlich nicht mehr zu halten ist.
Dann finden sich schnell, sogar nachvollziehbare offensichtliche Gründe, sie zu stürzen.
Diese eigenen und fremden Manöver zum Machterhalt, zur verzweifelten Abwehr manifester innerer Zweifel, Ängste und Zwänge sind immer skurriler geworden, bewegten sich immer weiter weg von der Wirklichkeit.
Letztlich tritt das ein, was eintreten musste.
Sie selbst wurde Opfer Ihrer eigenen Machenschaften und musste abtreten.

Man könnte sagen, daß ist Machtpolitik, daß ist eine machiavellistische Strategie zur Machtgewinnung.
Mag sein…….. .
Aber ist sie deswegen vertretbar, ist Sie deswegen zu tolerieren, gar zu billigen?
Darüber mag der geneigte Leser selber entscheiden.

Arme, arme Frau M.

Zum Jahreswechsel – Nochmals in eigener Sache

Liebe Leser*innen
Zu Ende des Jahres halte ich es wie auch im vergangenen Jahr für richtig und auch für geboten einige Sätze an Euch zu richten.

Und, nein es geht nicht um die Covid Pandemie, die uns alle betroffen hat.

So gut wie alle Erzählungen die ich auf meinem Blog veröffentliche beziehen sich auf selbst Erlebtes aus den vergangenen, nun sagen wir 50 Jahren.

Es liegt keinesfalls in meiner Absicht, einzelne Personen bloßzustellen oder sie in Ihrer Lebenweise, Ihrer Lebenseinstellung, Ihrer Überzeugung oder Ihrer religiösen Auffassung zu kritisieren oder gar parteiisch zu bewerten.

Im Gegenteil

Ich schreibt hier vor dem Hintergrund einer großen Zuneigung und Liebe gegenüber den Menschen, Ihrer Lebensweise und der Art und Weise wie sie Ihr Leben gestalten, wie Sie ihr Leben bewältigen, bin ich doch höchstselbst ein Kind dieser Region, dort geboren, zu Schule gegangen, Herangewachsen, Familie gegründet und immer noch gerne dort lebend.

Wichtig sind mir Dinge zu beschreiben, die ich so empfunden, so erlebt habe und welche Rückschlüsse ich daraus für sein eigenes Leben gezogen hat.

Dabei bemühe ich mich durch sprachliche Überzeichnungen, humorvolle und satirische Stilelemente, meine Leser zu interessieren und zu unterhalten.
Das Alltägliche zu beschreiben, Einzelheiten zu erkennen zu deuten und in einen größeren Zusammenhang zu bringen ist eine Leidenschaft die mich steht’s erfasst, wenn ich zu schreiben beginnt.

Bin ich doch davon überzeugt, daß sich im Kleinen das Große verbirgt und das im Großen stehts die Essenz aus dem Kleinen zu finden ist.

Heinrich Heine: „Denk ich an Deutschland in der Nacht…“

Nichts aber auch überhaupt nichts liegt mir daran eine „heimattümelnden“ kitschigen Wiedersprüche nivellierende Erzählweise zu pflegen, die subjektiv empfundene Wiedersprüche, Ungleichheiten sowie Benachteiligungen zukleistert oder gar leugnet.

Die Schmiede der Familie Simon aus der Fernsehserie Heimat

Im Gegenteil

Die Meinung des Verfassers, bezogen auf das Thema Heimat wird wohl am deutlichsten durch den Blog-Beitrag:

Deutsch nicht dumpf ?

deutlich.

Für 2021 wünsche ich allen Leser*innen meines Blogs Gesundheit und Frieden.

Kurt Tucholsky „Ja ich liebe dieses Land…“