In Erinnerung an meine Oma Christine

Herzbergers Oma

Möge Sie in Frieden ruhn

Eine kurze Andacht

Gott macht die Tür auf. Menschen schließen sie.

Ich möchte euch von einer Frau erzählen.

Ihr Name war Christine.
Sie war meine Großmutter.

Wenn wir als Kinder zu ihr kamen,
hörte sie sofort auf zu arbeiten.
Sie legte alles hin.
Wir waren wichtiger.

Sie machte warmen Kakao.
Sie backte Apfelstrudel.
Sie spielte Karten mit uns.
Das Spiel hieß Elfer-Raus.

Das klingt einfach.
Aber es war sehr viel.
Es war Liebe.
Ohne Bedingungen.

Meine Großmutter kam nicht aus diesem Dorf.
Ihre Familie kam von weit weg.
Sie waren Donauschwaben.
Das bedeutet:
Ihre Vorfahren mussten fliehen.
Sie wurden vertrieben.
Sie waren fremd.
Sie kannten Armut.
Sie kannten Not.

Wer das erlebt hat,
der weiß:
Ein Mensch ist ein Mensch.
Egal woher er kommt.
Egal wie er spricht.
Egal wie er aussieht.

Bei meiner Großmutter war immer Platz.
Für alle.

Da war auch Hasan.
Hasan kam aus Albanien.
Er arbeitete im Dorf auf dem Sägewerk.
Er war anders als die anderen.
Er sprach anders.
Er glaubte anders.
Er lebte anders.

Aber er war willkommen.
Jeden Samstag kam er zu Besuch.
Mein Großvater öffnete die Tür.
Sie saßen zusammen.
Sie redeten zusammen.
Sie lachten zusammen.
Sie schauten Fußball.

Niemand sagte:
Du gehörst nicht dazu.
Du darfst nicht kommen.
Du bist zu fremd.
Du bist zu anders.

Nein.
Er gehörte dazu.
Einfach so.

Das war in den 1960er Jahren.
In einem kleinen Dorf in Hessen.

Heute schreiben wir das Jahr 2026.

Und heute hören wir andere Sätze.

Wir hören:
Ausländer raus.
Wir zuerst.
Deutschland den Deutschen.
Grenzen dicht.
Abschiebung.
Remigration.

Diese Worte kommen nicht von irgendwo.
Diese Worte kommen von einer Partei.
Diese Partei heißt AfD.
Diese Partei sitzt im Bundestag.
Diese Partei sitzt in vielen Landtagen.
Diese Partei wird immer stärker.

Und manche Christen wählen diese Partei.
Das macht mich fassungslos.
Das macht mich zornig.

Denn in der Bibel steht etwas anderes.

Jesus sagt:
Ich war fremd.
Und ihr habt mich aufgenommen.

Jesus sagt nicht:
Schaut zuerst,
ob der Fremde nützlich ist.
Ob er unsere Werte teilt.
Ob er zu uns passt.

Jesus sagt:
Nehmt ihn auf.
Punkt.

Das ist kein Zufall.
Jesus selbst war ein Flüchtling.
Als Kind musste er fliehen.
Nach Ägypten.
Vor einem Mächtigen,
der Angst hatte.
Der Grenzen zog.
Der ausschloss.

Das kennen wir heute auch.

Menschen fliehen vor Krieg.
Menschen fliehen vor Hunger.
Menschen fliehen vor Verfolgung.

Und was passiert?
Sie kommen an unsere Grenzen.
Und die Grenzen sind zu.
Und die Boote kentern.
Und Menschen sterben im Mittelmeer.

Das ist kein Unfall.
Das ist eine politische Entscheidung.
Und wer schweigt,
macht mit.

Ich komme aus einem frommen Dorf.
Die Kirche dort war eng.
Wer nicht dazugehörte, merkte das.
Wer anders war, merkte das.
Wer Fragen stellte, merkte das.

Dieser enge Glaube hat Menschen verletzt.
Er hat Menschen ausgeschlossen.
Er hat Türen zugemacht.

Meine Großmutter war anders.
Sie war auch gläubig.
Aber ihr Glaube machte sie weit.
Nicht eng.
Offen.
Nicht geschlossen.

Das ist der Unterschied.

Ein Glaube, der Menschen ausschließt,
ist kein Glaube.
Das ist Macht.
Das ist Angst.
Das ist das Gegenteil von Evangelium.

Evangelium bedeutet:
Gute Nachricht.

Die gute Nachricht lautet:
Du bist willkommen.
Du gehörst dazu.
Gott macht die Tür auf.

Nicht:
Du musst erst beweisen,
dass du dazugehörst.
Nicht:
Wir nehmen dich auf,
wenn du nützlich bist.
Nicht:
Erst die Eigenen,
dann die Fremden.

Nein.

Gott macht die Tür auf.
Für alle.
Ohne Bedingungen.
Ohne Rangliste.
Ohne Ausschluss.

Meine Großmutter hat das gelebt.
Mit Kakao.
Mit Apfelstrudel.
Mit Elfer-Raus.
Mit offener Tür.

Sie hat nicht viel geredet.
Sie hat einfach gemacht.

Hasan war willkommen.
Der Fremde war willkommen.
Der Andersgläubige war willkommen.

Das ist Kirche.
Das ist Glaube.
Das ist Evangelium.

Ich sage das deutlich:

Wer Menschen ausgrenzt,
handelt nicht im Namen Gottes.
Wer Grenzen zieht zwischen Wertvollem
und Wertlosem,
zwischen Dazugehörigem
und Fremdem,
der hat das Evangelium nicht verstanden.

Oder er versteht es.
Und handelt trotzdem so.
Das ist noch schlimmer.

Wir leben in einer Zeit,
in der die Ausgrenzung wieder salonfähig wird.
In der Hass eine Partei trägt.
In der Abschiebung als Lösung gilt.
In der Menschenwürde verhandelt wird.

Als Christen können wir dazu nicht schweigen.
Wir dürfen nicht schweigen.

Meine Großmutter hat nicht geschwiegen.
Sie hat die Tür aufgemacht.

Das ist unsere Aufgabe.
Heute.
Hier.
Jetzt.

Die Tür aufmachen.
Für alle.

So wie Gott es tut.

Amen.

Lätare – Freut Euch

Gott tröstet wie eine Mutter


Eine Andacht in verständlicher Sprache


„Freuet euch mit Jerusalem! Seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt!“
Jesaja 66, Vers 10


Lätare – das bedeutet: Freut euch!
Heute ist ein besonderer Sonntag.
Er heißt Lätare.
Das ist ein lateinisches Wort.
Es bedeutet: Freut euch!

Dieses Wort kommt aus einem alten Ruf.
Einem Ruf aus der Bibel.
Er lautet:
„Freuet euch mit Jerusalem! Freuet euch – alle, die ihr traurig wart um sie!“

Jerusalem steht in der Bibel für mehr als eine Stadt.
Jerusalem steht für das Volk, das leidet.
Jerusalem steht für die Hoffnung, die nicht aufgibt.
Jerusalem steht für den Ort, wo Gott wohnt –
mitten unter den Menschen.

Mitten in der Passionszeit – mitten in der dunklen Zeit –
sagt die Kirche: Freut euch mit Jerusalem!

Das klingt seltsam.
Viele Menschen sind müde.
Viele Menschen sind traurig.
Viele Menschen haben Angst.

Aber genau da spricht Gott.
Genau da tröstet Gott.


Was Jesaja sagt
Der Prophet Jesaja hat vor sehr langer Zeit gelebt.
Er hat das Volk Israel begleitet.
Das Volk war in großer Not.
Es war vertrieben worden.
Es lebte in der Fremde.

Und da sagt Jesaja etwas Erstaunliches.
Er sagt: Gott tröstet euch.
Wie eine Mutter ihr weinendes Kind tröstet.

Kennen Sie das?
Ein Kind weint.
Es weint laut.
Es weint und weiß selbst nicht warum.
Und die Mutter kommt.
Sie fragt nicht: Warum weinst du?
Sie fragt nicht: Hör jetzt auf.
Sie nimmt das Kind einfach auf den Arm.
Sie hält es fest.
Sie sagt: Ich bin da.

Genau so – sagt Jesaja – ist Gott.
Gott fragt nicht zuerst: Bist du schuldig?
Gott fragt nicht: Hast du es verdient?
Gott kommt einfach.
Gott hält uns fest.
Gott sagt: Ich bin da.

„Ihr werdet saugen und euch satt trinken
an den Brüsten ihres Trostes.
Auf dem Arm wird man euch tragen
und auf den Knien euch liebkosen.“
Jesaja 66, Vers 12

Das ist eine sehr starke Sprache.
Eine zärtliche Sprache.
Eine Sprache der Nähe.

Gott ist hier nicht weit weg.
Gott ist nicht kalt.
Gott ist nicht streng.

Gott trägt uns.
Gott hält uns.
Gott liebt uns – wie eine gute Mutter ihr Kind liebt.


Gott – auch sie
In der Bibel hat Gott viele Gesichter.

Gott ist Vater – das kennen wir.
Aber Gott ist in der Bibel auch Mutter.
Gott ist die Frau, die ihr verlorenes Geldstück sucht.
Gott ist die Hebamme, die neues Leben empfängt.
Gott ist die, die tröstet – wie Jesaja schreibt.

Mitten in der Bibel steht das.
Nicht am Rand.


Lange hat die Kirche das verschwiegen.
Sie hat Gott immer als Mann gedacht.
Als Herrn. Als König. Als Vater.

Das hat Frauen kleingemacht.
Das hat gesagt: Das Männliche ist das Göttliche.

Das stimmt nicht.
Das ist eine Lüge – auch wenn sie fromm klingt.


Der Gott der Bibel ist größer.
Größer als alle unsere Bilder.
Größer als Mann und Frau zusammen.

Und dieser Gott tröstet –
zärtlich, körperlich, nah.
Wie eine Mutter ihr weinendes Kind.

Das ist keine neue Erfindung.
Das steht seit Jahrhunderten in der Bibel.
Es war nur lange nicht erlaubt, es zu sagen.

Heute sagen wir es.


Was das für uns bedeutet
Wir leben in einer Zeit der Spaltung.
Manche haben sehr viel.
Viele haben zu wenig.
Manche werden gehört.
Viele werden nicht gehört.
Das ist keine Naturkatastrophe.
Das sind Entscheidungen von Menschen.
Das sind politische Entscheidungen.

Und da sagt der Gott der Bibel: Nein.
Das ist nicht mein Wille.

Der Gott der Bibel ist der Gott des Exodus.
Er hat das versklavte Volk befreit.
Er hat die Mächtigen gestürzt.
Er hat die Hungrigen satt gemacht.
Das steht in der Bibel – von Anfang bis Ende.

Jesus hat das fortgesetzt.
Er hat sich zu den Armen gesetzt.
Er hat die Kranken berührt – die Unberührbaren.
Er hat gesagt: Das Reich Gottes gehört den Kleinen.
Nicht den Großen.

„Gott hat keine anderen Hände als unsere.“

Das heißt:
Wir sind nicht Zuschauer.
Wir sind gerufen.
Gerufen, hinzusehen – wo andere wegsehen.
Gerufen, zu widersprechen – wo Ungerechtigkeit normal gemacht wird.
Gerufen, Seite zu wählen – die Seite der Schwachen.

Eine Kirche, die das tut, fängt unten an.
Nicht in den Chefetagen.
Sondern dort, wo Menschen Trost brauchen.
Dort, wo Menschen getragen werden müssen.


Eine Frage für uns alle
Wer braucht heute meinen Arm?
Wer braucht heute meine Hand?
Wem kann ich heute Trost bringen?

Lätare heißt: Freut euch!
Aber die Freude ist nicht für uns allein.
Die Freude ist zum Teilen.

Freut euch mit Jerusalem!
Freut euch mit allen, die geweint haben.
Freut euch mit allen, die ausgegrenzt wurden.
Freut euch mit allen, die getragen werden mussten.

Denn Gott ist bei ihnen.
Gott ist bei uns.
Lätare! Freut euch!


Gebet
Gott,
du kennst unser Leben.
Du kennst unsere müden Tage.
Du kennst unsere Traurigkeit.

Wir danken dir:
Du trägst uns.
Du hältst uns.
Du liebst uns – wie eine Mutter.

Gib uns Kraft,
dass wir füreinander da sind.
Dass wir tragen und halten.
Dass wir Trost weitergeben.

Amen.

Jürgen Habermas ist verstorben Rip

Heute ist ein großer Denker gestorben. Jürgen Habermas wurde 96 Jahre alt. Er hat sein Leben lang dafür gekämpft, dass alle Menschen mitreden dürfen. Das ist auch unser Anliegen – bei den Möglichkeitsdenkern.

Jürgen Habermas ist gestorben.
Er wurde 96 Jahre alt.
Er lebte in Starnberg in Bayern.

Jürgen Habermas war ein Philosoph.
Das bedeutet: Er hat viel nachgedacht.
Und er hat viel geschrieben.
Sein ganzes Leben lang.

Sein wichtigstes Thema war:
Wie reden Menschen miteinander?

Er sagte:
Miteinander reden ist wichtig.
Alle Menschen sollen mitreden dürfen.
Nicht nur die Mächtigen.
Nicht nur die Klugen.
Nicht nur die Reichen.
Alle.

Öffentlichkeit
Er hatte dafür einen besonderen Gedanken.
Er nannte ihn: Öffentlichkeit.

Was bedeutet das?

In einer Demokratie gibt es Orte,
wo Menschen zusammenkommen.
Wo sie reden.
Wo sie streiten.
Wo sie gemeinsam entscheiden.

Das kann ein Marktplatz sein.
Das kann eine Zeitung sein.
Das kann ein Stadtrat sein.
Das kann heute auch das Internet sein.

Habermas sagte:
Diese Orte sind sehr wichtig.
Denn dort entsteht Demokratie.
Nicht im Hinterzimmer der Mächtigen.
Sondern dort, wo alle reden dürfen.

Wer darf wirklich mitreden?
Aber er stellte auch eine schwierige Frage:
Wer darf wirklich mitreden?

Er beobachtete:
Manchmal reden nur wenige.
Die Lauten.
Die Mächtigen.
Die Gebildeten.

Die anderen werden überhört.
Oder sie trauen sich nicht.
Oder ihre Sprache wird nicht verstanden.
Oder sie werden gar nicht erst eingeladen.

Das fand Habermas falsch.
Er sagte:
Ein Gespräch ist nur dann fair,
wenn alle wirklich mitreden können.
Wenn niemand ausgeschlossen wird.
Wenn alle die gleiche Chance haben,
gehört zu werden.

Er nannte das den herrschaftsfreien Diskurs.
Das klingt kompliziert.
Es bedeutet einfach:
Kein Mensch soll den anderen überwältigen.
Nicht durch Geld.
Nicht durch Macht.
Nicht durch schwierige Sprache.
Nur das bessere Argument soll zählen.

Welche Menschen dürfen leben?
Habermas hat sich auch zu einer sehr wichtigen Frage geäußert:

Welche Menschen dürfen leben?
Und wer entscheidet das?

Im Jahr 2001 schrieb er ein Buch.
Der Titel lautete:
„Die Zukunft der menschlichen Natur.“

Er warnte darin vor einer Gefahr.
Die Gefahr heißt: Eugenik.

Was bedeutet Eugenik?
Eugenik bedeutet:
Menschen werden nach bestimmten Merkmalen ausgewählt.
Manche werden als „wertvoll“ betrachtet.
Andere nicht.

Das kennen wir aus der Geschichte.
In der Zeit des Nationalsozialismus
wurden Menschen mit Behinderungen ermordet.
Man nannte das damals „Euthanasie“.
Das Wort klingt griechisch und bedeutet „guter Tod.“
Aber es war kein guter Tod.
Es war Mord.

Habermas sagte:
Wir dürfen das nie vergessen.
Und wir dürfen es nie wieder zulassen.
Auch nicht in neuer Form.
Auch nicht durch Gentechnik.
Auch nicht durch Selektion vor der Geburt.

Er hat einen Satz immer wieder betont.
Er klingt einfach.
Aber er ist sehr wichtig.

Er sagte sinngemäß:

„Es gibt kein unwertes Leben.
Jeder Mensch zählt gleich viel.“

Das ist der Kern seiner Philosophie der Menschenwürde.

Habermas und die Religion
Habermas hatte auch eine Meinung zur Religion.

Er selbst war kein gläubiger Mensch.
Er sagte einmal:
„Ich bin alt, aber nicht fromm geworden.“

Aber er nahm die Religion ernst.
Er sagte:
Religion hat etwas,
das die Philosophie nicht hat.
Ein Gespur für Schuld.
Für Scheitern.
Für das, was zum Himmel schreit.

Er warnte aber auch vor einer bestimmten Gefahr.
Er nannte sie die Schwundform der Religion.

Was bedeutet das?

Manche Kirchen und Theologen,
so beobachtete Habermas,
reden immer weniger von Gott.
Immer weniger von Erlösung.
Immer weniger von Transzendenz.
Sie passen sich an.
Sie werden weich.
Sie verlieren ihren Kern.

Das fand Habermas falsch.
Er sagte:
Eine Religion ohne klaren Kern
überzeugt niemanden mehr.

Hier möchte ich widersprechen.
Und zustimmen.

Zustimmen: Ja.
Eine Religion, die sich nur anpasst,
die nur nickt und gefällt,
die hat keinen Rückgrat mehr.
Das ist keine Kirche.
Das ist ein Spiegel der Gesellschaft.

Widersprechen: Eine politische Theologie ist keine Schwundform.

Helmut Gollwitzer hat von Erlösung gesprochen.
Und von Revolution.
Beides zusammen.

Eine Theologie von unten sagt nicht:
„Wir glauben nicht mehr.“
Sie sagt:
„Wir glauben anders.
Wir glauben politisch.
Wir glauben von unten.“

Das ist kein Verlust des Kerns.
Das ist der Kern.

Gott ist auf der Seite der Schwachen.
Gott ist auf der Seite der Ausgeschlossenen.
Gott ist auf der Seite derer,
die nicht mitreden dürfen.

Das hätte auch Habermas gefallen.
Davon bin ich überzeugt.

Die Möglichkeitsdenker
Das ist auch der Kern der Inklusion.
Das ist auch der Kern der Möglichkeitsdenker.

Die Möglichkeitsdenker sind Menschen mit Beeinträchtigungen.
Sie reden mit.
Sie gestalten mit.
Sie helfen anderen Menschen.
Sie sind keine Hilfe-Empfänger mehr.
Sie sind Helfer.
Sie haben eine Stimme.
Und sie nutzen sie.

Früher wurden Menschen mit Beeinträchtigungen oft nicht gefragt.
Andere haben für sie entschieden.
Andere haben über sie geredet.
Aber nicht mit ihnen.

Das wollen die Möglichkeitsdenker ändern.
Vom Hilfe-Empfänger zum Helfer.
Von der Randnotiz zur Stimme im Raum.
Von der Fürsorge zur Teilhabe.

Das hätte Jürgen Habermas gut gefallen.
Da bin ich sicher.

Eine letzte Ironie
Jürgen Habermas hat das alles in langen, schweren Sätzen geschrieben.
Manchmal so schwer,
dass viele Menschen ihn nicht verstehen konnten.

Das ist eine Ironie.
Er wollte, dass alle mitreden.
Aber seine eigene Sprache war oft eine Hürde.

Deshalb brauchen wir Leichte Sprache.
Deshalb brauchen wir die Möglichkeitsdenker.
Deshalb brauchen wir Orte,
wo wirklich alle mitreden dürfen.

Jeder Mensch hat eine Stimme.
Jede Stimme zählt.
In der Demokratie.
Im Alltag.
Bei den Möglichkeitsdenkern.

Das Elend der Eingliederungshilfe

Im Jahr 2017 hat die Bundesregierung ein neues Gesetz gemacht.
Das Gesetz heißt: Bundesteilhabegesetz.

Das Versprechen war groß:
Menschen mit Behinderung sollen selbst entscheiden.
Menschen mit Behinderung sollen nicht mehr versorgt werden.
Sie sollen Rechte haben.

Das war das Versprechen.
Was wirklich passiert ist

Das Versprechen wurde nicht gehalten.

Wer heute Hilfe beantragt, muss sehr viel Papier ausfüllen.
Die Formulare sind schwer zu verstehen.
Die Ämter brauchen sehr lange.
Manchmal wartet man Monate.
Manchmal wartet man Jahre.

Viele Menschen geben auf.
Sie kämpfen nicht mehr.
Das Amt denkt dann: Alles ist gut.
Aber alles ist nicht gut.

Die Ämter entscheiden. Nicht die Menschen.

Gutachter kommen ins Haus.
Sie schauen, was ein Mensch nicht kann.
Sie entscheiden, wie viel Hilfe er bekommt.
Sie entscheiden, wie viel sein Leben kostet.

Das ist falsch.

Nicht der Gutachter soll entscheiden.
Der Mensch selbst soll entscheiden.

Das steht so in einem Menschenrechts-Vertrag der Vereinten Nationen.
Deutschland hat diesen Vertrag unterschrieben.
Aber Deutschland hält sich nicht daran.

Wer verdient daran?

Viele Menschen mit Behinderung arbeiten in Werkstätten.
Sie arbeiten hart.
Aber sie bekommen sehr wenig Geld.
Oft weniger als zwei Euro in der Stunde.

Den normalen Mindestlohn bekommen sie nicht.

Die Träger der Werkstätten bekommen Geld vom Staat.
Manchmal viel Geld.

Das ist ungerecht.
Die Menschen, die arbeiten, sollen das Geld bekommen.
Nicht die Institutionen.

Was wir brauchen

Wir brauchen kein neues Formular.
Wir brauchen kein neues Gutachten.

Wir brauchen:

Die Menschen mit Behinderung entscheiden selbst.
Die Ämter müssen begründen, wenn sie Nein sagen.
Nicht der Mensch muss beweisen, dass er Hilfe braucht.

Wir brauchen echte Beratung.
Beratung, die auf der Seite der Betroffenen steht.
Nicht auf der Seite der Ämter.

Und wir brauchen faire Löhne für alle.
Auch für Menschen in Werkstätten.

Eine klare Anklage

Das System ist nicht kaputt gegangen.
Das System war so gebaut.

Es schützt die Institutionen.
Es schützt die Träger.
Es schützt die Verwaltung.

Es schützt nicht die Menschen, die Hilfe brauchen.

Das ist kein Versehen.
Das ist eine Entscheidung.
Und jemand hat diese Entscheidung getroffen.

Die Politik sagt: Wir haben ein Gesetz gemacht.
Aber ein Gesetz ist keine Gerechtigkeit.

Menschen mit Behinderung warten seit Jahren.
Sie warten auf Würde.
Sie warten auf Teilhabe.
Sie warten auf ihr Recht.

Wir warten nicht mehr still.

Armin Herzberger

Teilhabe ist erkämpftes Recht

Teilhabe ist kein Almosen. Sie ist erkämpftes Recht. Und sie steht unter Beschuss.
Heute war Wolfgang Nollmann (Möglichkeitsdenker Lüdenscheid) zu Gast beim Lebenshilfewerk Marburg-Biedenkopf. Motto seines Forschungsbüros: „Forscht nicht über uns – forscht mit uns!“
Die Möglichkeitsdenker haben Rilkes „Werkleute sind wir“ zu ihrem Leitgedicht gemacht. Kein Bildungsschmuck – eine politische Provokation: Menschen mit Lernschwierigkeiten eignen sich an, was ihnen vorenthalten werden sollte.
https://lnkd.in/dQ-SH9PP
 Gleichzeitig will die Bundesregierung bei der Eingliederungshilfe sparen. Klassenpolitik auf Kosten der Schwächsten. Teilhabe steht nicht unter Haushaltsvorbehalt – das garantiert das Grundgesetz.
⚫ Wir wissen, wohin diese Sprache führt. Hadamar liegt in Hessen. Wenige Kilometer von hier. Dort wurden zwischen 1941 und 1945 etwa 14.500 Menschen mit Behinderungen ermordet. Die Rede vom „nicht mehr Finanzierbaren“ hat Vorläufer. Wir erinnern. Wir widersprechen.
https://lnkd.in/dsnQvr5s
Die Möglichkeitsdenker sind die Antwort: Selbstvertretung statt Fürsprache. Gegenmacht von unten. Notwendiger denn je.
Roland Wagner |  LinkedIn | lebenshilfe-ov-marburg.de
Andreas Beck |  LinkedIn | lebenshilfewerk.net
Armin Herzberger |  LinkedIn | arminherzberger.com
#Inklusion #Möglichkeitsdenker #Teilhabe #Eingliederungshilfe #Hadamar #NieWieder #GegenRechts #Lebenshilfe #Selbstvertretung #Klassenpolitik

https://www.linkedin.com/posts/armin-herzberger-251255205_inklusion-maemglichkeitsdenker-teilhabe-activity-7437556747797426177-5q0Q?utm_source=share&utm_medium=member_android&rcm=ACoAADQvIB0BTCNgn7x22uDnB7k99pP6UTIYVJg 

Ist Gott treu?

Gott ist treu
Andacht in Leichter Sprache
Allianz-Gebetswoche 2026 – Abschlussgottesdienst
08. März 2026

1. Gott ist nicht neutral
Mein Mund erzählt jeden Tag von Gottes Hilfe. – Psalm 71,15

Begleitheft AGW 2026:
„Treue-Botschafter sollen und dürfen wir sein. Durch unser Leben in erster Linie, aber auch durch das mündliche Zeugnis.“

Das stimmt.
Aber: Treue zu wem?

Gott ist nicht neutral.
Mose befreit die Sklaven.
Die Propheten kämpfen für Arme.
Maria singt: Gott stürzt die Mächtigen vom Thron.

Gottes Treue gilt den Unterdrückten.
Das ist unsere Botschaft.
Vgl. arminherzberger.com: „Gott ist kein Eigentum“
2. Vom Stuhl zum Tisch
Die Liebe von Jesus drängt uns. – 2. Korinther 5,14

Begleitheft AGW 2026:
„Wie erlebe ich konkret Zeichen von Gottes Treue? Wie kann ich mutiger werden, die Botschaft weiterzugeben?“

Eine konkrete Antwort:

Manche Menschen hören:
„Für dich ist kein Stuhl mehr da.“

Gottes Treue sagt das Gegenteil:
Du gehörst dazu.
Es ist Platz für dich.

Am Netphener Tisch sehen wir das:
Menschen mit Behinderung decken selbst den Tisch.
Sie sind nicht nur Empfänger.
Sie geben.
Das ist Gottes Treue – sichtbar.
Vgl. arminherzberger.com: „Vom weggenommenen Stuhl zum gedeckten Tisch“
3. Unsere Botschaft: Die Welt kann anders sein
Geht in die Welt. Ich bin bei euch – jeden Tag. – Matthäus 28,19-20

Begleitheft AGW 2026:
„Regelmäßige Fürbitte ist ein starker Ausdruck von Treue: Wofür willst du immer wieder beten?“

Ja – und mehr als beten.

Kirche von unten bedeutet:
Wir fangen selbst an.
Wir stehen auf für andere.
Wir schweigen nicht.

Denn: Schweigen macht schuldig.
(Bonhoeffer)

Das ist unsere Botschaft für die Welt.
Vgl. arminherzberger.com: „Kirche von unten – braucht Mut“

Gebet

Gott,
du hast die Welt nicht so gewollt, wie sie ist.

Du willst, dass alle satt werden.
Du willst, dass alle Würde haben.
Du willst, dass Tische gedeckt werden – für alle.

Mach uns zu Zeugen deiner Treue.
Nicht nur im Gebet.
Sondern im Aufstehen.
Im Nicht-Schweigen.

Du bist treu.
Hilf uns, es auch zu sein.

Amen.

Warum glauben mache Christen…


Manche Menschen sind Christen.
Und manche dieser Menschen glauben an Verschwörungstheorien.
Warum ist das so?
Was sind Verschwörungstheorien?
Verschwörungstheorien sagen:
Mächtige und böse Menschen planen im Geheimen etwas Schlechtes.
Nur wenige Menschen kennen die Wahrheit.
Die meisten Menschen werden belogen.
Warum glauben manche Christen daran?
Ähnliche Geschichten
Im christlichen Glauben gibt es Geschichten von Gut gegen Böse.
Von Licht gegen Dunkelheit.
Verschwörungstheorien klingen ähnlich.
Das fühlt sich für manche vertraut an.
Misstrauen
Manche Christen vertrauen dem Staat nicht.
Manche vertrauen den Medien nicht.
Das macht es leichter, anderen „Wahrheiten“ zu glauben.
Endzeit-Denken
Manche Christen denken: Die Welt wird bald enden.
Eine böse Weltmacht entsteht.
Verschwörungstheorien passen dann gut in dieses Bild.
Gemeinschaft
Verschwörungstheorien geben ein Gefühl von Zugehörigkeit.
Das Gefühl: Ich kenne die Wahrheit – und die anderen nicht.
Das kann süchtig machen.
Aber:
Nicht alle Christen glauben an Verschwörungstheorien.
Viele Christen denken kritisch.
Glaube und kritisches Denken passen gut zusammen.
Jesus hat auch kritisch gedacht.
Er hat Fragen gestellt.
Er hat nicht einfach alles geglaubt.

Die evangelische Allianz


Was ist die Evangelische Allianz?
Die Evangelische Allianz ist eine große Gruppe von Christen.
Sie wurde vor sehr langer Zeit gegründet.
Viele verschiedene Kirchen gehören dazu.
Jeden Januar gibt es eine gemeinsame Gebets-Woche.
Was ist gut an der Evangelischen Allianz?
Sie setzt sich ein für verfolgte Christen.
Sie hilft Menschen in Not.
Der Glaube ist ihr sehr wichtig.
Sie nimmt die Bibel ernst.
Wo gibt es Unterschiede?
Manche Christen denken in manchen Fragen anders.
Sie sagen:
Gott will, dass alle Menschen würdevoll leben.
Nicht nur einzelne Menschen sollen gerettet werden.
Die ganze Gesellschaft soll gerechter werden.
Drei wichtige Unterschiede:
1. Frauen und Männer
Die Allianz sagt oft:
Männer und Frauen haben verschiedene Rollen.
Andere Christen sagen:
Alle Menschen sind gleich. Punkt.
2. Homosexuelle Menschen
Die Allianz lehnt Homosexualität oft ab.
Andere Christen sagen:
Jeder Mensch hat Würde. Gott liebt alle Menschen.
3. Armut
Die Allianz sagt oft:
Armut entsteht durch eigenes Versagen.
Andere Christen sagen:
Armut entsteht durch ungerechte Verhältnisse.
Die Gesellschaft muss sich ändern.
Was verbindet trotzdem?
Beide wollen:
Gott ehren
Menschen helfen
Die Bibel ernst nehmen
Deshalb ist Gespräch wichtig.
Und gemeinsames Gebet.
Auch wenn man nicht immer einer Meinung ist.
Ein wichtiger Satz:
Das Evangelium verändert nicht nur Herzen.
Es verändert die Welt.

Paulus und Israel

Worthaus 13 – Tübingen:

8. Juni 2025 von Prof. Dr. Kathy Ehrensperger


Irgendetwas ist in Rom passiert. Wir wissen nicht genau was, aber Paulus musste intervenieren, die Sache klären und entschuldigte sich gleichzeitig dafür, dass er noch immer nicht dort gewesen war, in der Hauptstadt des Reiches, bei den Juden, die dank ihm an Jesus als den Messias glaubten.


Er schreibt einen seiner berühmtesten Briefe, der später Geschichte gemacht hat.

Kathy Ehrensperger führt durch diesen Brief wie durch ein Gespräch, das entscheidende Fragen klären muss.

Wie ist das Verhältnis zwischen Gott, Israel und den Völkern, die Christus nachfolgen?

Warum wurde Israel von Gott auserwählt?

Was hat es mit den Nicht-Juden auf sich, die plötzlich einem jüdischen Wanderprediger aus der Provinz anhingen?

Und wenn Jesus der Messias ist, warum folgen dann nicht alle Juden Seinem Ruf?

Paulus und Israel: Ein theologischer Dialog im Römerbrief | 15.6.2

Sieben Worte ohne Härte

Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte

Was bedeutet Härte?

Härte bedeutet nicht nur: jemanden anschreien oder grob sein.

Härte steckt auch in Gesetzen und Regeln. Zum Beispiel:
Menschen, die aus anderen Ländern fliehen, werden in Lagern eingesperrt. Das ist Härte.
Menschen, die wenig Geld haben, müssen viele Formulare ausfüllen. Auch das ist Härte.
In der Politik wird die Sprache immer rauer. Mitgefühl gilt manchmal als Schwäche. Das stimmt nicht.

Männer und Härte

Viele Männer lernen von klein auf: Zeig keine Gefühle. Wein nicht. Sei stark.
Das macht etwas mit Menschen. Es schadet ihnen.
Diese Fastenzeit lädt Männer ein: Zeig deine Gefühle. Das ist keine Schwäche. Das ist Mut.

Was sagt die Bibel dazu?

Jesus hat Härte abgelehnt. Er hat sich um arme und kranke Menschen gekümmert. Er hat Ungerechtigkeit beim Namen genannt. Dafür wurde er verurteilt. Das war eine politische Entscheidung – keine zufällige.

Was bedeutet das für uns heute?

Sieben Wochen ohne Härte heißt nicht nur: netter sein.

Es heißt auch: Frag dich, welche Regeln und Gesetze Menschen hart und ungerecht behandeln. Tu etwas dagegen. Steh auf für andere Menschen.

Mitgefühl kann auch unbequem sein. Es kann bedeuten: klar reden, widersprechen, für Gerechtigkeit eintreten.

Sieben Wochen ohne Härte – das ist eine Übung für das Herz und für die Gesellschaft.