Liebe Hinterländer Christen

Zu Pfingsten ein paar Zeilen an Euch.
Kritische Zeilen, deren Inhalt aber keine Respektlosigkeiten gegenüber Euch enthalten sollen.

Eurer Facebook Name gefällt mir nicht.

Hinterländer Christen, mit Verlaub das klingt nach Anmaßung. Schließt es doch andere Menschen die sich ebenfalls Christen nennen, aus.

Besser solltet Ihr euch z.B.: 

Christen aus dem Hinterland 

nennen.

Das klingt einladender für diejenigen die Eure Seite gerne lesen und vielleicht auch „Freunde“ werden wollen.

Ja ich weiß. 

Das klingt nach Besserwisserei. 

Ja kann sein.

Hinzu kommt:

Es gibt sie so auch nicht, die Hinterländer Christen.

  • Vielmehr gibt viele Menschen christlichen Glaubens hier im Hinterland. Ja das stimmt. Und das ist gut so. Und ich, mit Verlaub zähle ebenfalls dazu.
  • Aber ich bin kein Hinterländer Christ. Obwohl ich mein ganzes Leben schon hier lebe. Und lebe gerne hier.
  • Folgt man diesem Gedankengang hat diese Bezeichnung, mit Sicherheit nicht beabsichtigt, eine ausgrenzende Tendenz.
  • Das kann nicht Eure Absicht sein.

Vielmehr ist doch folgendes zu bedenken:

  • Formen des Glaubens, die einen alleinigen Geltungsanspruch für sich haben und daraus einen Missionsanspruch geltend machen, geraten auf ein gefährliches Pflaster.
  • Ein so gearteter Alleinvertretungs-anspruch auf die existenziellen Fragen des Lebens, führt fast immer dazu andersdenkende Mitmenschen auszugrenzen, zu Ächten, zu kränken, zu verfolgen, letztlich zu bekriegen und grausam zu ermorden.
  • In der Vergangenheit und auch heute noch.

    Was wir in diesem Kontext  von unseren jüdischen Glaubensgeschwistern lernen können:

    • Der jüdische Glauben ist die Wurzel und die Grundlage aller montheistischen Religionen: 
    • Christentum vor 2000 Jahren entstanden und, 
    • 500 Jahre später der Islam, wären ohne das Judentum und die jüdisch rabinische Glaubenslehre erst gar nicht entstanden.
    • Die Glaubenslehre der Rabbinnen kennt keine Aufforderung an das Volk Israel den Glauben durch missionieren weiter zu verbreiten. 
    • Somit erhebt sie auch nicht den Anspruch im Besitz einer alleingültigen Glaubenslehre zu sein die es zu verbreiten gelte.
    • Im Gegenteil: Das heilige Buch der Juden, der Tanach, wir nennen es das alte Testament, wird seit Jahrtausenden immer wieder einem kritischen Diskurs unterzogen der mit Leidenschaft aber auch mit nüchternem Verstand geführt wird. 
    • Nur so konnte sich die jüdische Glaubenslehre überhaupt trotz ständiger Repressalien, Verfolgungen und, vor allem durch Christen angerichtete Pogrome überleben und sich entscheidend weiter entwickeln.
    • Es ist an der Zeit, daß wir Christen den Missionsgedanken weiter entwickeln.
    • So wie Jesus den Armen und Kranken Trost und Hilfe anbot und ihnen damit zur Umkehr aufrief.

    Daraus folgt für mich jedenfalls:

    Wer fromm ist muss auch politisch sein:

    So wie bei Bonhoeffer lassen sich die Aufgaben der Kirche gegenüber Staat und Öffentlichkeit auch heute zusammenfassen. 

    • Die erste von Bonhoeffer genannte Aufgabe verstehen wir heute als Kultur der Einmischung. Wenn die Kirchen mit Denkschriften in die demokratische Zivilgesellschaft hineinsprechen, dann geht es genau um das, was Bonhoeffer als „Verantwortlichmachung des Staates“ bezeichnete. 
    • Die zweite Aufgabe, der diakonische Dienst an den Bedürftigen, bleibt ohnehin. Dass er heute geleistet wird, zeigt sich, wenn etwa Gemeinden mit großer öffentlicher Zustimmung für den Schutz von Flüchtlingen eintreten. 
    • Und die dritte Aufgabe? Was heißt dem Rad in die Speichen fallen? Für Bonhoeffer rückte dies zunehmend ins Zentrum seines Denkens und Handelns. Dass der Imperativ keineswegs nur in der Diktatur gilt, sondern auch in demokratischen Gesellschaften eine Option sein kann, zeigte schon in den frühen achtziger Jahren die Diskussion um gewaltfreien zivilen Ungehorsam gegen die Stationierung von Massenvernichtungswaffen… .

      Zum Schluss ein Zitat von D. Bonhoeffer

      Allein weil Gott ein armer, elender, unbekannter, erfolgloser Mensch wurde, und weil Gott sich von nun an allein in dieser Armut, im Kreuz, finden lassen will, darum kommen wir von dem Menschen und von der Welt nicht los, darum lieben wir die Brüder.“

      Gerne würde ich das Thema mit Euch weiter diskutieren.

      Ich hoffe auf einen regen Austausch auf

      Facebook oder auf Twitter

      Geschwisterliche Grüße sendet Euch

      Armin Herzberger 

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