– DEMOKRATIE –

Demokratie ist:

Oft mühsam, immer anstrengend

Aber, wir haben nichts besseres.

#Politikerbashing ist vollkommen unangebracht.

Öfter Danke sagen wäre besser:

Europäischer Protesttag Fortschrittliche Institutionen aktiv für Inklusion

Natürlich auch in Marburg:

#LebenshilfeMarburg #fibevMarburg #BettinavonArminSchuleMarburg #biMarburg #FAM und alle übrigen fortschrittlichen Institution sind aktiv:

Protesttag 05.05.2017

Die nächsten Schritte:

  • Aktion: Wir. Sprechen. Mit.  Des @LebenshilfewerkMarburgBiedenkopf_e.V.
  • Gefördert von @aktionmensch

Du großer Baumeister der Welten

Du großer Baumeister der Welten…
Du sagst Du zu mir, dass ist verheißen
Du dessen Name unaussprechlich ist
Du bietest an, dass wir Dich unser Vater nennen
Du der Du uns mit Deiner Gnade krönst
Du kommst zu uns wirst Mensch und Sohn
Ganz Gott ganz Vater bist
Als Mensch und Sohn
wird unser Leid und unsre Not nun auch zu Deiner Last
Die Du uns abgenommen hast

Der Kapitalismus ist totalitär

Der Kapitalismus ist tyrannisch und totalitär.

Eine Streitschrift von Hans-Martin Lohmann aus dem Jahre 1998

Auszüge:

„...Im Klartext heißt das, daß im erdölexportierenden Venezuela – wie übrigens zunehmend in den meisten kapitalistischen Ländern – der wachsende volkswirtschaftliche Reichtum sich in wenigen Händen konzentriert, während die Masse der Menschen in Armut und sozialem Elend lebt. 

Und es heißt, daß es der Kapitalismus selber ist, der Kriminalität erzeugt. 

Wer Kinder und Jugendliche nur noch als Konsumenten betrachtet und zum Objekt der Werbewirtschaft macht, sollte sich nicht wundern, daß die Adressaten der frohen Botschaft vom ungehemmten Konsum tatkräftig zur „Selbsthilfe“ greifen…..

Noam Chomskys am prestigeträchtigen Massachusetts Institute of Technology lehrender Sprachwissenschaftler, versucht den Widerspruch zu erklären, daß die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung zwar die Ansicht teilt, man müsse den Armen helfen, zugleich aber der Propaganda der herrschenden Industrie- und Politikeliten auf den Leim geht, die staatlichen Sozialhilfeprogramme müßten drastisch zurückgefahren werden.


Offenbar, so Chomskys Diagnose, gelingt es den tonangebenden Cliquen, die auch über die meisten Print- und AV-Medien verfügen, hervorragend, den Konkurrenzkampf zwischen den gesellschaftlichen Gruppen – etwa zwischen Arbeitsplatzbesitzern und Arbeitslosen oder zwischen der weißen und der farbigen Bevölkerung – zu schüren und die Tatsache zu verschleiern, daß die soziale Bedrohung, unter der sich inzwischen auch die amerikanische Mittelschicht duckt, nicht von Sozialhilfeempfängern, Asylanten und Obdachlosen kommt, sondern von den supranational operierenden Konzernen und dem frei vagabundierenden Spekulationskapital.


Und die Politik, so zitiert Chomsky John Dewey, vollzieht die Strategie des Kapitals bloß nach, sie ist der „Schatten, der von der Geschäftswelt über die Gesellschaft geworfen wird… .“


„Die Konzentration privater Wirtschaftsmacht sei, nicht nur in den USA so tyrannisch und so totalitär“ geworden, daß man nur wünschen könne, daß staatliche Politik aus dem Schatten von Industrie- und Kapitalinteressen heraustritt. Nebenbei macht Chomsky auf den, auch in Deutschland, notorischen Widerspruch aufmerksam, daß diejenigen, die am lautesten nach Privatisierung schreien, dieselben sind, die ungeniert staatliche Subventionen für private Wirtschaftsbereiche einklagen:


Ein großer Teil des amerikanischen Hochtechnologiesektors, praktisch der gesamte Pentagonkomplex, wird massiv durch Steuergelder gefördert, während die Profite natürlich strikt privatisiert werden nach dem Motto „Take from the needy and give to the greedy“.


Schließlich weist Chomsky auf die hierzulande ebenfalls nicht unbekannte Tatsache hin, daß der vulgäre Wirtschaftsliberalismus, der den Staat bloß noch als Investitionshemmnis betrachtet, dazu geführt hat, daß wichtige gesellschaftliche Güter wie das öffentliche Verkehrswesen oder die Post „dank“ ihrer Privatisierung nicht nur teurer, sondern auch in der Qualität schlechter geworden sind.
Man muß sich nur den Zustand der Deutschen Bahn oder der vormaligen Bundespost ansehen, um zu erkennen, daß Chomskys Kritik von schlagender Evidenz ist… .
„Es scheint, daß die von ihrem traditionellen Staatsverständnis, wonach der Staat nichts als eine gewaltige Repressionsmaschine ist, Abschied nehmen muß… .“ „…sieht den Kapitalismus, dem er „ökonomischen Totalitarismus“ attestiert, in seiner finalen Krise, die auch durch ökologisches Umdenken nicht aufzuhalten ist:


„Die Alternative, vor der das ökonomische System steht, heißt Todesurteil oder Gnadenfrist.

Entweder vollzieht die Warenzivilisation ihre eigene Vernichtung, indem sie diejenigen vernichtet, die sie erzeugt haben, oder sie erlischt mit dem letzten Mehrwert, der ihr durch die Wiederherstellung der Natur gewährt wird…. .“

„…Es stellt die alte Frage, die wir schon von Erich Fromm kennen: Haben oder Sein?… .

    Hans Martin Lohmann ✝


    Wer fromm ist, muss politisch sein!

    Dietrich Bonhoeffer:

    Dietrich Bonhoeffer (* 4. Februar 1906 in Breslau; † 9. April 1945 im KZ Flossenbürg) war ein lutherischer Theologe, profilierter Vertreter der Bekennenden Kirche und am deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt.

    Wer fromm ist, muss auch politisch sein. 

    Zitat: … Schon 1933 beschreibt Bonhoeffer drei Formen, in denen die Kirche ihre Verantwortung gegenüber dem Staat ausüben muss: 

    Sie stelle „erstens die an den Staat gerichtete Frage nach dem legitimen Charakter seines Handelns“. Das heiße „Verantwortlichmachung des Staates“. 

    Zweitens verrichte sie „den Dienst an den Opfern des Staatshandelns. Die Kirche ist den Opfern jeder Gesellschaftsordnung in unbedingter Weise verpflichtet, auch wenn sie nicht der christlichen Gemeinde angehören.“ 

    Die dritte Aufgabe der Kirche bestehe darin, „nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen.“

    Wer fromm ist, muss auch politisch sein: 

    So wie bei Bonhoeffer lassen sich die Aufgaben der Kirche gegenüber Staat und Öffentlichkeit auch heute zusammenfassen. 

    Die erste von Bonhoeffer genannte Aufgabe verstehen wir heute als Kultur der Einmischung. Wenn die Kirchen mit Denkschriften in die demokratische Zivilgesellschaft hineinsprechen, dann geht es genau um das, was Bonhoeffer als „Verantwortlichmachung des Staates“ bezeichnete. 

    Die zweite Aufgabe, der diakonische Dienst an den Bedürftigen, bleibt ohnehin. Dass er heute geleistet wird, zeigt sich, wenn etwa Gemeinden mit großer öffentlicher Zustimmung für den Schutz von Flüchtlingen eintreten. 

    Und die dritte Aufgabe? Was heißt dem Rad in die Speichen fallen? Für Bonhoeffer rückte dies zunehmend ins Zentrum seines Denkens und Handelns. Dass der Imperativ keineswegs nur in der Diktatur gilt, sondern auch in demokratischen Gesellschaften eine Option sein kann, zeigte schon in den frühen achtziger Jahren die Diskussion um gewaltfreien zivilen Ungehorsam gegen die Stationierung von Massenvernichtungswaffen… .


    Zitate von und über Dietrich Bonhoeffer:

    „Allein weil Gott ein armer, elender, unbekannter, erfolgloser Mensch wurde, und weil Gott sich von nun an allein in dieser Armut, im Kreuz, finden lassen will, darum kommen wir von dem Menschen und von der Welt nicht los, darum lieben wir die Brüder.“

    Dietrich Buxtehude

    Seit langer Zeit einer meiner Lieblingskomponisten.

    Dietrich Buxtehude

    Dieterich Buxtehude (* um 1637 wahrscheinlich in Helsingborg; † 9. Mai 1707 in Lübeck) war ein dänischdeutscher Organist und Komponist des Barocks. Bei seinem Vornamen ist auch die Form Dietrich geläufig.

    Hörproben:

    Fanfare und Choral:

    Membran Jesu Christi: 

    Heinrich Heine

    Heinrich Heine:

    Christian Johann Heinrich Heine (* 13. Dezember 1797 als Harry Heine in DüsseldorfHerzogtum Berg; † 17. Februar 1856 in Paris) war einer der bedeutendsten deutschenDichter, Schriftsteller und Journalisten des 19. Jahrhunderts.

    Heine gilt als „letzter Dichter der Romantik“ und zugleich als deren Überwinder. Er machte die Alltagssprache lyrikfähig, erhob das Feuilleton und den Reisebericht zur Kunstform und verlieh der deutschen Literatur eine zuvor nicht gekannte elegante Leichtigkeit. Die Werke kaum eines anderen Dichters deutscher Sprache wurden bis heute so häufig übersetzt und vertont. Als kritischer, politisch engagierter Journalist, EssayistSatiriker und Polemiker war Heine ebenso bewundert wie gefürchtet. Wegen seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Haltung wurde er von Antisemiten und Nationalisten über seinen Tod hinaus angefeindet. Die Außenseiterrolle prägte sein Leben, sein Werk und dessen Rezeptionsgeschichte.

    Zitate:

    „Dort wo man Bücher verbrennt, // verbrennt man auch am Ende Menschen.“

    „In meinem Hirne rumort es und knackt, ich glaube da wird ein Koffer gepackt, und mein Verstand reist ab – o wehe – noch früher als ich selber gehe.“

    „Anfangs wollt‘ ich fast verzagen, // Und ich glaubt‘, ich trüg es nie, // Und ich hab es doch getragen, // Aber frag mich nur nicht: wie?“ 

    „Ich bin’s gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen, // Mein Sinn ist auch ein bischen starr und zähe; // Wenn selbst der König mir ins Antlitz sähe, // Ich würde nicht die Augen niederschlagen.“

    „Fatal ist mir das Lumpenpack, // das, um die Herzen zu rühren, // den Patriotismus trägt zur Schau, // mit allen seinen Geschwüren.“ 

    „Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch, wir weben hinein den dreyfachen Fluch, wir weben, wir weben.“ – Die schlesischen Weber

    „Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, / und küsse die Marketenderin! / Das ist die ganze Wissenschaft, / das ist der Bücher tiefster Sinn.“

    „Aus dem alten Testament springe ich manchmal ins Neue, und auch hier überschauert mich die Allmacht des großen Buches. Welchen heiligen Boden betritt hier dein Fuß! Bei dieser Lektüre sollte man die Schuhe ausziehen wie in der Nähe von Heiligtümern.“

    Zitat über Heinrich Heine:

    „Der Wohlklang, der Scharfsinn und der Stil – und damit ist schon charakterisiert, was Heines bahnbrechendes Werk von beinahe allen seinen Vorgängern und beinahe allen seinen Nachfolgern unterscheidet. […]. Ihm ist geglückt, was Europa den Deutschen kaum mehr zutraute: ein Stück Weltliteratur in deutscher Sprache.“ – Marcel Reich-Ranicki


    Denk ich an „Amerika“ in der Nacht..

    Denk ich an „Amerika“ in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht… !

    Frei nach Heinrich Heine: Nachtgedanken

    Pinchas Lapide

    Pinchas Lapide (* 28. November 1922 in Wien; † 23. Oktober 1997 in Frankfurt am Main) war ein jüdischer Religionswissenschaftler. Auf christlicher Seite wurden seine Kenntnis des Neuen Testaments und sein Engagement für den christlich-jüdischen Dialog geschätzt.

    Dr. Pinchas Lapide emigirierte 1940 nach Israel. Von 1951-1961 wurde er Diplomat und Leiter des Staatlichen Presseamtes in Jerusalem. Er veröffentlichte mit seiner Frau zahlreiche Bücher zu Problemen des Neuen Testaments und zum jüdisch-christlichen Dialog. 1994 wurde ihm die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt verliehen. 1997 starb er nach langer Krankheit.

    Buchempfehlung:

    Der  Psychotherapeut  V. E. Frankl  und der  jüdische Theologe P. Lapide gestalteten  1984  in Wien einen interdisziplinären  Dialog über  Heil  und Heilung  des  Menschen, der  bislang unveröffentlicht blieb.  

    Der  besondere  Reiz  dieses  Bandes  liegt in  dem  Bestreben  der  beiden  Autoren, sich  ganz für  die  Perspektive  der jeweils  anderen  Disziplin  zu  öffnen und  ihr  Wissen  ausschließlich  in  den Dienst  der  Suche  nach  Wahrheit  zu stellen.   

    Dabei  begegnen  sich  die beiden praktizierenden Juden  immer wieder auf  dem  Boden  ihrer persönlichen religiösen  Erfahrung  und in  Bezug  auf prägende, lebensgeschichtliche Ereignisse  wie dem Holocaust.

    Fundamentale,  existentielle Fragestellungen  wie  Leid  und  Schuld aber  auch  Liebe  und  Lebenssinn kommen  hier  in beeindruckender  Tiefe zur  Sprache.

    Was bringt mir das?

    Wer nur das eine immer wieder fragt sein Leben lang:

    „Was bringt mir das?“
    Der ist ein armer Wicht.
    Der hat verlorn all das was wirklich wichtig ist.
    Der Mensch lebt nie für sich allein.
    Und tut ers doch dann gerät er schnell
    zum Hedonisten
    und zum Utilitaristen.

    Er sagt dann:
    „Ich handle so, dass für mich das größtmögliche Maß an Glück entsteht!

    Diese inzwischen weitverbreitet Lebenseinstellung führt zu verhängnisvollen Entwicklungen in den modernen spätkaptalistischen Gesellschaften der westlichen Welt.
    Hinzu kommt, was noch weit schlimmer ist:
    Weniger entwickelten Gesellschaften fügt er dadurch nicht wiedergutzumachende Schäden an Leib und Leben zu.

    1.Die negativen Auswirkungen des kapitalistischen Systems

    Heiner Geissler sagt dazu folgendes:

    Heiner Geissler

    „Die negativen Auswirkungen des kapitalistischen Wirtschaftssystems auf die Menschen sind nicht erst seit der Finanzkrise evident. Seit Jahren argumentiere ich, oft ausgelacht und absichtlich missverstanden, in fast jeder Talkshow, jedem Vortrag gegen diese Wirtschafts»ordnung« und ihre absehbaren Folgen.

    Demokratische Entscheidungen wurden durch die Diktatur der internationalen Finanzmärkte ersetzt, und nach ihrem Zusammenbruch sind die Staaten gezwungen, sie zu retten.

    Hundert Millionen von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen in Europa und den USA und drei Milliarden Arme, die zusammen jährlich ein geringeres Einkommen haben, als die 400 reichsten Familien der Erde an Vermögen besitzen, sind geeint in der Angst vor der Zukunft, aber auch in der Wut, dem Abscheu und dem tiefen Misstrauen gegenüber den politischen, ökonomischen und wissenschaftlichen Eliten, die ähnlich den Verantwortlichen in der Zeit des Übergangs vom Feudalismus in die Industriegesellschaft offensichtlich unfähig waren und teilweise immer noch sind, die offenkundigen Fehler des kapitalistischen Systems zu erkennen und die unausweichliche Globalisierung der Ökonomie human zu gestalten.

    Die Menschen sind Opfer einer Shareholder-Value-Ökonomie, die keine Werte kennt jenseits von Angebot und Nachfrage, die Spekulanten begünstigt und langfristige Investitionen behindert.

    Die Staatsmänner der westlichen Welt ließen sich von den multinationalen Konzernen und den Banken erpressen und gegeneinander ausspielen: Verantwortlich ist ein Meinungskartell von Ökonomieprofessoren und Publizisten, die meinen, die menschliche Gesellschaft müsse funktionieren wie ein Industriekonzern, und die sich beharrlich weigern anzuerkennen, dass der Markt geordnet werden muss, dass auch global Regeln einzuhalten sind und Lohndumping die Qualität der Arbeit und der Produkte zerstört.

    Jetzt spürt jedermann die Folgen einer Wahnidee, die schon in den zwanziger Jahren die Weltwirtschaftskrise verursachte, nämlich des Irrglaubens, die Gesetze und Selbstheilungskräfte der Märkte würden alle Probleme von selbst lösen.

    Das Spannungsverhältnis zwischen Kapital und menschlicher Arbeit, einschließlich Forschung und Innovation, ist geblieben.

    Die Kommunisten hatten versucht, den Konflikt dadurch zu lösen, dass sie das Kapital eliminierten und die Kapitaleigner liquidierten.

    Bekanntlich sind sie damit gescheitert. Der Kapitalismus eliminiert die Arbeit und liquidiert die Menschen am Arbeitsplatz. Der Kapitalismus ist genauso falsch wie der Kommunismus.

    Während in den siebziger und achtziger Jahren noch über achtzig Prozent der Menschen den Satz »Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es auch mir gut« bejahten, sind es heute keine zwanzig Prozent mehr. Unsere politische Stabilität beruht aber auf der Trias Demokratie, Marktwirtschaft, Sozialstaat. Wenn eine dieser Säulen wegbricht, sind auch die anderen gefährdet.

    Die Folgen sind Perspektivlosigkeit und immer mehr Stückwerk. Es fehlt ein umfassendes politisches und makroökonomisches Konzept für eine humane Gestaltung der Globalisierung.“

    In den letzten 20 bis 30 Jahren hat sich eben dieser unselige hedonistisch utilaristische Zeitgeist, maskiert als sog. neoliberale Wirtschaftsordnung, auch in unseren Gesundheits- und Sozialsystemen breit gemacht.
    Unter dem Deckmantel von Kostenorientierung und angeblicher Kundenorientierung wurden die bestehenden Systeme entsprechend angepasst.
    Was dabei herausgekommen ist:

    2. Folgen der Ökonomisierung für die Denkweise der praktizierenden Sozialarbeitenden:

    „Nicht nur die Praxis und das Handeln der Sozialarbeitenden ist von der Ökonomisierung geprägt. In den Köpfen unserer PraktikerInnen haben sich das Gedankengut und die Denkweise der Betriebswirtschaft bereits festgesetzt.

    Die betriebswirtschaftliche Sprache und Logik beherrscht auch die Köpfe. Qualifizierte Soziale Arbeit wird von den Fachkräften selber als Luxus abgetan.

    Die Ökonomisierung und ihre Folgen werden als selbstverständlich, als unvermeidbar, normal und natürlich erlebt und akzeptiert. Man findet nichts dabei, die fachliche Verantwortung in die Hände der Politik und Verwaltung ab zugeben.

    Und auch eine Abwertung der eigenen KlientInnen hat bereits Einzug in das Denken und Fühlen so mancher PraktikerInnen gefunden.

    Zusammengefasst lässt sich feststellen:
    Die Veränderungen durch die Ökonomisierung wirken sich auf den Prozess der Erbringung sozialer Dienstleistungen, und auf die Definition der Aufgaben und der Zielgruppen Sozialer Arbeit, aus.

    Und nicht zuletzt verändern sie die Binnenstruktur, also z.B. die Organisation, die Sprache, die Bedeutung bestimmter Bezugswissenschaften, die intentionale Ausrichtung und die Methoden der Sozialen Arbeit.

    Soziale Arbeit als in diesem Sinne ökonomisierte Soziale Arbeit ist damit nicht mehr in der Lage, ihre Ziele, Wege und Zielgruppen selber zu bestimmen.

    Die Veränderungen und Herausforderungen der neoliberalen Politik und der Ökonomisierung führen zu einer Abwendung der Sozialen Arbeit von ihren fachlichen und ethischen Grundsätzen.“

    Vor dem Hintergrund meiner eigenen beruflichen Erfahrungen aus den letzten 35 Jahren, kann ich dem nur zustimmen.

    3.Politik und Ethik

    Noch einmal Heiner Geissler:
    „Die globale ökonomische und soziale Entwicklung steht im diametralen Gegensatz zur Botschaft des Evangeliums. Die Ökonomisierung der Gesellschaft beruht auf dem kapitalistischen Wirtschaftssystem, in dem die menschlichen Werte auf den Kopf gestellt werden.

    Das Kapital ist im Lichte des Evangeliums keineswegs per se schlecht, aber es hat den Menschen zu dienen und nicht die Menschen zu beherrschen.

    Heute ist es umgekehrt:
    Das Kapital beherrscht die Menschen, und die Menschen sind seinen Interessen ausgeliefert.
    Es gibt in der Politik aber keine überflüssigen Menschen.
    In den Demokratien haben sie alle eine Stimme, und sie werden sie nutzen.
    In autoritären oder diktatorischen Systemen, wo die Menschen keine Stimme haben, werden sie oder ihre geistlichen Führer sich Waffen besorgen, und wenn es f liegende Kerosinbomben sind, die in den Symboltürmen des Kapitalismus einschlagen, oder Sprengsätze, die, von Handys gezündet, in Vorortzügen europäischer Hauptstädte explodieren. Das verfehlte Wirtschaftssystem produziert den Terrorismus.“

    3.1 Sapere aude.
    Lösungswege vor dem Hintergrund jüdisch christlichem Denkens.
    Die Sache mit der Nächstenliebe.
    Und nochmals Heiner Geissler:
    „Die Botschaft der Nächstenliebe ist die Grundlage der Zivilisation.
    Doch sie wird missverstanden und lächerlich gemacht.
    In Leitartikeln in den Wirtschaftsteilen der großen Zeitungen wird gefragt, was Nächstenliebe und Solidarität in einer modernen globalen Welt zu suchen hätten.

    Vor 2000 Jahren schon stellte ein Pharisäer dem, wie die FDP sagen würde, Gutmenschen Jesus die Frage:

    Sag mal, Rabbi, wer ist denn der Nächste? Jesus gab bekanntlich keine direkte Antwort, sondern erzählte eine Geschichte aus dem Wadi el-Kelt, von der Aduminsteige, der Blutsteige, einem für Mord und Totschlag berüchtigten Flusstal, das sich herabzieht von Jerusalem nach Jericho:
    Ein Jude wird dort überfallen, blutig geschlagen, ausgeraubt und bleibt am Weg liegen.
    Der Priester, der vorbeikommt, geht weiter, genauso der Levit.
    Aber dann kommt der Mann aus Samaria.
    In den Augen der Juden ein Ungläubiger, ein Apostat, und dieser Abweichler, so würden wir heute sagen, versorgt den Verletzten, bringt ihn ins nächste Hotel und gibt dem Wirt sogar Geld, damit der sich weiter um ihn kümmert.
    Nachdem er das erzählt hatte, stellte Jesus die Gegenfrage.
    Wir denken ja, der Verletzte sei der Nächste, aber Jesus fragte den Pharisäer etwas ganz anderes, nämlich wer von den dreien der Nächste für den Überfallenen gewesen sei, der Priester, der Levit oder der Samariter.
    Darauf blieb dem Pharisäer nichts übrig, als zu antworten:
    Der Mann aus Samaria.

    Was bedeutet diese Geschichte?
    Ich, wir alle sind die Nächsten für diejenigen, die in Not sind. Ich muss nicht die ganze Welt lieben von Kamtschatka bis zum Südpol, möglichst viele, damit es auch möglichst unverbindlich wird.
    Ich muss auch nicht den Silvio Berlusconi lieben oder George W. Bush.
    Mir wird schlecht schon bei dem Gedanken, ich müsste ohne Ausnahme alle Mitglieder der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Berlin lieben oder gar diejenigen der SPD.
    Die Nächstenliebe oder modern gesprochen die Solidarität ist keine Gefühlsduselei, keine platonische Angelegenheit, nichts, das mit seelischem Wohlbefinden zu tun hat, eben kein Gutmenschentum.
    Nächstenliebe ist eine Pflicht. Man muss demjenigen helfen, der in Not ist. Ohne Einschränkung, ohne Alternative.
    Das kann unter Umständen auch der Feind sein.
    Das ist in Wahrheit die Bedeutung der so verspotteten Feindesliebe.
    Sie ist eine realisierbare Utopie, und sie scheitert nicht an einer rein quantitativen Unmöglichkeit, ihr zu entsprechen.
    Denn wer nicht in Not ist, dem muss man nicht helfen. Dies ist der Raum für Eigeninitiative, Eigenverantwortung, für private Kompetenz bei den Risiken des Lebens.

    Aber man täusche sich nicht.
    Die Not in Deutschland ist zwar eine andere als in Bangladesch, aber auch hier steht sie vor der Haustür. Schon die Kosten einer mittelschweren Krankheit kann ein einzelner nicht mehr aufbringen, auch wenn er gut verdient. Deswegen bleibt die solidarische Grundsicherung, auch und gerade im Gesundheitswesen, die Grundlage jeder Zivilisation.

    Man kann ein Volk von 82 Millionen nicht zur Absicherung der Grundrisiken auf den Kapitalmarkt verfrachten.

    Die private Versicherung hat ihren Sinn in ergänzenden Leistungen. In der Rentenversicherung bietet sich ebenfalls nur eine solidarische Lösung an, gerade wegen des demographischen Wandels. Man kann es machen wie in der Schweiz, wo alle ab einem bestimmten Alter Versicherungsbeiträge bezahlen müssen, oder wie in Schweden, wo die Rente über die progressive Einkommenssteuer finanziert wird.
    Das beste ethische Konzept haben in der Rentenversicherung die Schweizer. Alle zahlen von allem für alle: der Millionär von seinen Kapitaleinkünften, der Gemeinderat von seinen Sitzungsgeldern, der Arbeitnehmer vom Lohn.
    Die Beitragssätze sind niedrig, die Renten hoch, das System ist finanzierbar, denn das Modell realisiert den plausiblen biblischen Grundsatz, dass die wirtschaftlich Stärkeren zur Solidarität mehr beitragen müssen als die wirtschaftlich Schwächeren.

    Diese ethisch begründete Solidaritätspolitik ist ökonomisch unschlagbar und allen anderen Finanzierungssystemen überlegen.
    Eine humane, ökologisch nachhaltige zukünftige Weltwirtschafts- und Friedensordnung kann von der Utopie zur Realität werden, wenn sie auf diesen ethischen Fundamenten aufgebaut wird: dem uneingeschränkten Schutz jedes, aber auch wirklich jedes Menschen, der dienenden Funktion des Kapitals, der Pflicht, denen zu helfen, die in Not sind, wobei die Stärkeren mehr beitragen müssen als die Schwächeren.
    Dieses ethische Konzept hat den weiteren Vorteil, dass es konsensfähig ist über ethnische, religiöse, nationale Grenzen hinweg.“

    4. Geschichten erzählen als zutiefst menschliche EigenschaftNarrative für eine Nachhaltige Entwicklung

    Gleichnis vom Kamel und dem Nadelöhr

    „Menschen lieben Geschichten – Wir hören sie an, erzählen sie selbst und erfahren dabei viel über uns, andere und die Welt, in der wir leben.

    Methoden, in denen Geschichten im Mittelpunkt stehen, bieten auch für die politische Bildung und das Thema nachhaltige Entwicklung ein großes Potential.
    Das Erzählen von Geschichten ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft.

    Im Gegensatz zu analytisch-wissenschaftlichem Denken, das auf klar abgegrenzten Fakten beruht und zu eindeutigen Feststellungen führt, geht es beim narrativen Denken um den größeren Zusammenhang – um Kontext, Relevanz und Sinn. Beide Denkweisen bieten einen jeweils spezifischen Zugang zur Welt.

    Es ist ein Wesensmerkmal unserer Kultur, dass wir dem analytisch-wissenschaftlichen Denken eine große Bedeutung zumessen.

    Denn es hilft uns, die Dinge berechenbar zu machen, sie in den Griff zu bekommen. Das geht im Extrem so weit, dass nur wissenschaftlich-exaktes Wissen als wahr angesehen wird. Damit sind wir weit gekommen. Auf der anderen Seite erleben wir gerade die diffusen und vielschichtigen Angelegenheiten in unserem Leben (wie zum Beispiel die Liebe) als durchaus wahrhaftig – auch wenn sie hochgradig subjektive Erfahrungen darstellen und nicht exakt vermessbar sind. Angesichts der komplexen Struktur unserer Wirklichkeit lässt sich Exaktheit dementsprechend nur durch die Isolation des herausgegriffenen Sachverhalts erreichen. Mit dem fortschreitenden Herauslösen aus dem Kontext verringert sich aber auch der Relevanzgehalt, weil größere Beziehungs- und Bedeutungszusammenhänge verloren gehen. Um Sinn zu schaffen, brauchen wir den ’narrativen Modus‘.“

    4.1 Die Gleichnissgeschichten Jesu

    Der jüdische Rabbi Jesus Christus erzählte seinen Zuhörern und Nachfolgern eine Fülle von Gleichnissgeschichten die in ihrem Lebensbezug und ihrer Nähe zur Lebensrealität von jedem Menschen verstanden werden können.

    Dabei geht es nicht darum diese Geschichten wortwörtlich zu glauben.
    Dafür sind sie nicht tradiert. Vielmehr sind sie ein Anstoß zum lernen, zum selbstständigen denken.
    Der Diskurs ist dabei am wichtigsten.
    Die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem was diese Geschichten, meinem Ich und dem Du des Mitmenschen, zu sagen haben.

    4.2 Martin Buber : Der Mensch wird am Du zum Ich

    Martin Buber

    Der bedeutende Religionsphilosoph Martin Buber hat wesentlich zum jüdisch christlichen Dialog beigetragen. Er eröffnete damit auch den reichen Schatz der Geschichten und Weisheitssprüche der Chasidim.

    4.3 Ein nachahmenswertes Beispiel narrativen nachhaltigen öffentlichen Handelns – Menschen mit Lernschwierigkeiten sind den Weg des öffentlichen Gesprächs, des konstruktiven Diskurses, gegangen.

    Die Möglichkeitsdenker suchen seit Jahren den Weg des öffentlichen Diskurses, vor allem bei wichtigen sozialpolitischen und ethischen Themenbereichen.

    Eines der drängensten Themen unserer Zeit, den konstruktiven Dialog zwischen Judentum, Christentum, Islam und Humanismus, sind im Jahre 2015 bei insgesamt 5 öffentlichen Veranstaltungen diskutiert worden.

    Das Narrativ, die Geschichte dazu, war die Bearbeitung und öffentliche szenische Aufführung der Ringparabel in leichter Sprache aus dem Theaterstück Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing.

    Gotthold Ephraim Lessing

    Die Möglichkeitsdenker entwickelten sich aus verschiedenen Projekten zum freiwilligen bürgerschaftlichen von Menschen mit Lernschwierigkeiten in ihrer Region, begonnen im Jahre 2006.

    Dort vollzog sich auch innerhalb des praktischen sozialpädagogischen Handlungsfeldes eine eindeutige Hinwendung zur Gemeinwesenarbeit.

    Gleich zu Anfang entwickelte sich ein alle zukünftigen Bemühungen zusammenfassendes Narrativ.

    Es war ein Gedicht von Rainer Maria Rilke einer der bekanntesten Lyriker der Romantik nämlich: „Werkleute sind wir…“
    Es handelt sich dabei, das sei an dieser Stelle erwähnt auch um eines meiner Lieblingsgedichte.

    Dass ein solches Gedicht, aus der bildungsbürgerlichen Hochkultur des ausgehenden 19. Jahrhunderts, zum vielfältig zitierten Narrativ wurde und all unsere Bemühungen und Entwicklungsschritte begleitete freut mich ganz besonders.

    Wiederlegt es doch glänzend die oft geäußerte und ausgrenzende Auffassung, das solche lyrisch anspruchsvolle Texte diesem Personenkreis per se nicht zugänglich seien.

    Auch aus diesem Grunde sei es auch an dieser Stelle wieder einmal zitiert:

    „Werkleute sind wir………..*

    Werkleute sind wir: Knappen, Jünger, Meister, und bauen dich, du hohes Mittelschiff.
    Und manchmal kommt ein ernster Hergereister, geht wie ein Glanz durch unsre hundert Geister und zeigt uns zitternd einen neuen Griff.

    Wir steigen in die wiegenden Gerüste, in unsern Händen hängt der Hammer schwer, bis eine Stunde uns die Stirnen küsste, die strahlend und als ob sie Alles wüsste von dir kommt, wie der Wind vom Meer.

    Dann ist ein Hallen von dem vielen Hämmern und durch die Berge geht es Stoß um Stoß.
    Erst wenn es dunkelt lassen wir dich los:
    Und deine kommenden Konturen dämmern.

    Gott, du bist groß. „

    *Rainer Maria Rilke, 26.9.1899, Berlin-Schmargendorf