Bunte Runde laut und schrill
Leiber duftend Haare schillernd
Augen voller Anmut strahlen
Münder von Verlockung künden
Reden denkend ständig
Künden süß fast nur Banales
Du fällst drauf rein und hörst‘s voll Lust
Doch steckt dahinter oft Berechnung.
Hör näher hin lass dich nicht blenden
Auch Gift und Galle sind oft süß
Merk auf mein Freund,
schmeckst nur Glasur;
und innen wird es bitter.
Duften, lockend
Augen strahlend.
Haut wie Alabaster schimmert
Münder schwellen sanft
Merk auf mein Freund
Halt dich zurück
Denn manchmal wird es bitter
Merk auf meine Freund:
Du bist es selbst.
Gib acht.
Die Menschenrechtsaktivistin Nicole Preuss aus Marburg im DER SPIEGEL Nr.15/19:
Mit Ihrem herausragenden ehrenamtlichebürgerschaftlichen bürgerschaftlichen Engagement gibt Sie ein nachahmenswertes Beispiel für den Einsatz für die #Inklusion von Menschen mit Behinderungen.
Nicole Preuss ist Mitglied bei der Lebenshilfe Marburg.
Sie ist unermüdlich arbeitende ehrenamtliche Vorsitzende der Marburger Vereins Down-Syndrom 21 Aktive Mitglieder gesucht! http://www.downsyndrom21-marburg.de
Nicole Preuss hat ihren Sohn Dario genannt
Der Name bedeutet: das Geschenk. Er lässt sich leicht aussprechen, auch von besonderen Kindern….
Ich habe viel geheult
Dario kam vor fast neun Jahren mit dem Downsyndrom zur Welt. »Ich war sauer, als ich das in der Schwangerschaft erfahren habe«, sagt Preuss. »Ich habe viel geheult.« Tatsächlich gab es ein paar Tage, in denen sie überlegte, ob es sich überhaupt lohne, das Babyjäckchen aus weißem Teddyplüsch zu behalten, das im Gästezimmer der Eltern bereitlag…..
Ein Kind mit Behinderungen macht man nicht weg
Dass es Dario gibt, hat auch damit zu tun, dass Nicole Preuss während ihrer Schwangerschaft gleich zweierlei erfuhr. Ihr Kind würde behindert sein. Und ein Junge. Ein Wesen, dessen Geschlecht man schon kennt, macht man nicht weg, so sah sie das schließlich.
Danke wir haben uns anders entschieden
Heute berät Preuss Schwangere, die sich mit der Frage quälen, ob sie ein behindertes Kind zur Welt bringen wollen. Sie lädt die Frauen und ihre Partner ein, und sie stellt ihnen Dario vor, der auf einem Stuhl vor der Kaffeemaschine steht und die Tassen füllt. Es kommt vor, dass die Frauen ein paar Wochen später anrufen und sagen: »Danke, wir haben uns anders entschieden.«
Was wollen Sie denn mit so einem Kind
Nicole Preuss sagt, sie kenne zu viele Schwangere, die einen bestimmten Satz hören und nicht mehr vergessen: »Was wollen Sie denn mit so einem Kind?« Als sie selbst schwanger war, gab es den Bluttest noch nicht, doch wenn die Sprache darauf kommt, reckt Nicole Preuss den Mittelfinger der linken Hand: »Das Problem beginnt mit den Ärzten«, sagt sie.
Der Gynäkologe verstummte
Sie habe selbst erlebt, erzählt Preuss, wie es ist, wenn der Gynäkologe beim Ultraschall verstummt. Wenn der Humangenetiker bei der Pflichtberatung auf den Boden starrt, Vorerkrankungen in der Familie abfragt, über Worte wie »Mosaik-Trisomie« oder »Translokations-Trisomie« doziert und dass das einzig Aufmunternde sei, dass betroffene Kinder gute Überlebenschancen hätten.
Die Aktivistin Nicole Preuss verteilt jetzt die eigenen Flyer ihrer Marburger Elterninitiative. »Vielleicht sind Sie erstaunt darüber, dass wir Ihnen zu Ihrem Baby gratulieren?«, steht darin. »Wir verstehen Ihre Traurigkeit, Ihren Schmerz, weil wir dies genauso erlebt haben.« Aber diesen Schmerz will Preuss nicht so stehen lassen.
Die Kritikerin
Es gibt einiges, was sie nicht akzeptieren will. Dass Eltern ihren Arzt verklagen, weil der in der Schwangerschaft nicht bemerkt hat, dass ihr Kind das Downsyndrom hat. Dass der Bundesgerichtshof den Unterhalt für ein behindertes Kind als Schaden wertet, für den ein Mediziner unter Umständen haften muss. »Unvorstellbar«, sagt Preuss. »Mein Sohn soll ein Schaden sein?«
Dario ist Borussia Dortmund Fan
Dario, der seine Borussia-Dortmund-Bettwäsche liebt. Dario, der an diesem Februarabend sein Playmobil-Piratenschiff über den Teppich segeln lässt, um eine Prinzessin zu retten. Dario, der im Mai ein viertes Mal am Herzen operiert werden muss. Dario, der noch nicht weiß, was Trisomie 21 ist. »Dario hat im Kopf einen leeren Ordner mit der Aufschrift Downsyndrom abgelegt«, sagt Nicole Preuss. »Er weiß, dass er das hat. Er kann andere Kinder mit dem Downsyndrom erkennen. Aber er weiß noch nicht, was das bedeutet.“ *
*Quelle:
DER SPIEGEL 15/19
Text:
In einem kühlen Grunde Da geht ein Mühlenrad Mein’ Liebste ist verschwunden, Die dort gewohnet hat. Sie hat mir Treu versprochen, Gab mir ein’n Ring dabei, Sie hat die Treu’ gebrochen, Mein Ringlein sprang entzwei.
Ich möcht’ als Spielmann reisen Weit in die Welt hinaus, Und singen meine Weisen, Und geh’n von Haus zu Haus.
…………. Hör’ ich das Mühlrad gehen: Ich weiß nicht, was ich will — Ich möcht’ am liebsten sterben, Da wär’s auf einmal still![9]
Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen! Chinesisches Sprichwort
In welcher Gesellschaft wollen wir Leben?
60 Jahre Lebenshilfe Marburg im Jahre 2019
LebenshilfeMarburgBiedenkopf
#Aufbruch
#Bürgerrechtsbewegung
#Backtotheroots
Hut ab!!!
Nicole Preuss Roland Wagner Bernhard Conrads Ursula Köpf-Veldkamp
Mitglied werden!!!
Ich bin auch wieder dabei
„2017 steht der Welt-Down-Syndrom-Tag unter dem Motto „Meine Stimme, meine Gemeinschaft“.
Der Europäische Dachverband EDSA spitzt den Gedanken zu und sagt „Meine Stimme zählt!“.
Doch werden die Stimmen von Menschen mit Down-Syndrom wirklich gehört?
Zählt das, was sie zu sagen haben?
Zählt überhaupt ihr Recht auf Leben?
Durch die Pränataldiagnostik, besonders seit der Einführung des nicht-invasiven PraenaTest® (2012), sind Menschen mit Down-Syndrom in den Fokus der Gesellschaft geraten.
Aktuell prüft der Gemeinsame Bundes ausschuss (G-BA), ob der Test in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen wird.
Das Deutsche Down-Syndrom InfoCenter will angesichts dessen zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung beitragen und macht mit seiner Aktionskarte zum Welt-Down-Syndrom-Tag 2017 deutlich:
Etwa 10 % der Elternpaare entscheiden sich für ihr Kind nach einer positiven Pränatal-Diagnose auf Trisomie 21. Ihre Entscheidung hängt von verschiedenen Faktoren ab: vom Rückhalt in Partnerschaft, Familie und Freundeskreis, von einer kompetenten ärztlichen Beratung, direktem Kontakt zu anderen Eltern, die Kinder mit Down-Syndrom großziehen, und von dem Wissen um eine professionelle Unterstützung – ein Leben lang.
All das bestärkt Eltern in ihrem positiven Entschluss. Die Stimme von Menschen mit Down-Syndrom zählt dann, wenn wir uns zu einer gesellschaftlichen Haltung durchringen, in der ihr Leben nicht als Risiko für die Familie oder für die Gesellschaft bewertet wird.
„Ein Kind mit Down-Syndrom ist genauso zu hundert Prozent das Kind seiner Eltern wie jedes andere Kind auch. Hinsichtlich seines Bestandes an Genen ist es zu 99 Prozent genauso doppelt bestückt wie andere Kinder auch.
Das eine Prozent „Mehr“ an Genen für Chromosom 21 lässt auf einigen Gebieten Probleme erwarten – etwa hinsichtlich des Entwicklungstempos –, auf anderen Gebieten sind Probleme möglich, aber nicht sicher – etwa hinsichtlich Herzfehler –, und auf vielen Gebieten sind keine Probleme zu erwarten, etwa hinsichtlich des Hineinwachsens in den sozialen Familienverband.“
Quelle: DS-Info Center
Einsamkeit wer bist du denn? Bist du wie eine Krähe, die an einem grauen Abend im November das Gebüsch verlässt,auf den sie spähend ruhte und nur noch Leere hinterlässt?
Der Bussard
Freiheit wer bist Du denn?
Bist du der Bussard der
auf hohem Ansitz ruht,
reglos sitzt und lugt.
Im nächsten Augenblicke
schwingst du dich auf,
du stürzt herab,
breitest deine Schwingen aus,
der Wind der fängt dich auf.
Und scheinbar ohne Mühe gleitetst du ein Stück, schraubst dich langsam hoch
in einen Himmel der nichts ist
als blaues helles Strahlen.
Dort ohne Mühe bist du frei.
Von allem frei und weißt dich doch geborgen.
In diesem Ozean der Lüfte.
Die wiegen sanft
und dennoch heben sie
dich hoch und immer höher.
»Ja, ich liebe dieses Land. Und nun will ich euch mal etwas sagen:
Edgar Reitz: Heimat
Es ist ja nicht wahr, dass jene, die sich ›national‹ nennen und nichts sind als bürgerlich-militaristisch, dieses Land und seine Sprache für sich gepachtet haben.
Weder der Regierungsvertreter im Gehrock, noch der Oberstudienrat, noch die Herren und Damen des Stahlhelms allein sind Deutschland.
Wir sind auch noch da.
Sie reißen den Mund auf und rufen: ›Im Namen Deutschlands …!‹
Sie rufen: ›Wir lieben dieses Land, nur wir lieben es.‹
Es ist nicht wahr. […] Und so widerwärtig mir jene sind, die – umgekehrte Nationalisten – nun überhaupt nichts mehr Gutes an diesem Lande lassen, kein gutes Haar, keinen Wald, keinen Himmel, keine Welle – so scharf verwahren wir uns dagegen, nun etwa ins Vaterländische umzufallen.
Wir pfeifen auf die Fahnen – aber wir lieben dieses Land.
Und so wie die nationalen Verbände über die Wege trommeln – mit dem gleichen Recht, mit genau demselben Recht nehmen wir, wir, die wir hier geboren sind, wir, die wir besser Deutsch schreiben und sprechen als die Mehrzahl der nationalen Esel – mit genau demselben Recht nehmen wir Fluss und Wald in Beschlag, Strand und Haus, Lichtung und Wiese: es ist unser Land.
Wi haben das Recht, Deutschland zu hassen – weil wir es lieben. Man hat uns zu berücksichtigen, wenn man von Deutschland spricht, uns:
Kommunisten, junge Sozialisten, Pazifisten, Freiheitliebende aller Grade; man hat uns mitzudenken, wenn ›Deutschland‹ gedacht wird … „
Wieder mal eine methaphorische kleine Erzählung. Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen wären rein zufällig.
Der leitende Angestellte
Rip
Bewohner des Klippdachslandes und als solcher ein typischer männlicher Vertreter dieser Gegend. Er war groß und schlank. Die Haare bereits zurückgewichen, nach Grossvater Art gekämmt. Damit die blanken Stellen notdürftig kaschiert sind. Die ganze Erscheinung verdruxt, verschämt voller unentdeckter Momente von unbewältigter Vergangenheit. Schüchtern, menschenscheu, misstrauisch bis hin zu Verhaltensweisen die sich kaum erklären lassen. Ein Mensch sozialisiert in engem bildungsfernen Milieu eines Bauerndorfes. Zu jeder Zeit unpassend gekleidet. Nicht im auffälligen Sinne, sondern so, das eigentlich nichts zu Ihm passte. Die Schimanskijacke genauso wenig wie die hellbraune Wildlederjacke, die unpassenden Pullover steht’s in grellen Farben, meist rot. „Der Rotrock ist wieder da.“ bemerkte eine Mitarbeiterin einmal treffend, als er mit dunkelroter Windjacke bei einer herbstlichen Grillparty erschien. Es schien als ob er niemandem in die Augen schauen konnte. Nicht teamfähig, geschweige denn einer Führungsaufgabe gewachsen, die auf interne Kommunikation, im Interesse der Kundschaft, auf Durchlässigkeit und schlanke Hirarchien angewiesen ist. „Ich bin Techniker.“ Wie er sich selbst charakterierte. „Ich betrachte die Dinge immer ganz praktisch.“ Er selbst hielt sich für einen Menschenkenner. „Wenn ich jemanden einstellen will brauche ich nur eine Minute um zu wissen wie der tickt, ob der zu gebrauchen ist oder nicht, ob der zu uns passt oder nicht.“ Sein Technikerwissen ergänzte er mit einem wild zusammengewürfelten Sammelsurium aus Halbwissen, gespickt mit Elementen aus einem weltabgewandten, menschenfeindlichen Evangelikalismus der reaktionärsten Sorte. Im Pläne machen, wie er immer sagte, war er ziemlich gut. Aber was für Pläne, welche Art von Plänen? Im Nachhinein betrachtet dienten sie nur einem Zweck. Machtgewinnung und Machterhalt unglaublich präzise angelegt. Langfristig ohne jemals direkt in Erscheinung tretend. Auf eine rücksichtslose Weise hinterhältig. Gefühlsarm, kalt, bindungslos. Er schaffte es Menschen aus seiner näheren Umgebung, für sich fühlen zu lassen. Darauf war er angewiesen. Auch darauf, daß Menschen für Ihn redeten, um seine Pläne und Absichten unter die Leute zu bringen. Sie rethorisch so zu verpacken, dass die kalte Absicht einer bloßen Machtsicherung und Machtausweitung nicht sichtbar würde. Das konnte er besonders gut. Geradezu perfekt. Wofür aber, für welchen Lohn. Für keinen Lohn, jedoch aus schierer, roher, purer Angst vor Ihm. Vor seiner verdeckten Hinterhäligkeit.
‚Traue niemals einem Menschen. Der Mensch ist vom Grunde her schlecht, er ist böse von Jugend an, abgrundtief schlecht. Vertraue nur auf Gott.“
Er fror dann plötzlich, von innen heraus, ein Gefühl von Kälte ging durch Mark und Bein. Was hatte ihn bewogen einem solchen Menschen so viele Jahre dienstbar zu sein. Ein regnerischer, dunkler Novembermorgen gegen 07:00 Uhr.
Das Büro, beim anknipsen der Beleuchtung, grell, kalt, nichts was abmildern würde. Jeder Gegenstand zeigt sich in solch einem Lichte schonungslos, lässt keine Interpretation der Wirklichkeit zu, ist sie deswegen die Wahrheit.
Jedoch, was ist Wahrheit? Muss Wahrheit denn nicht einen Ort haben, um im humanistischen Sinne, in der jeweiligen Situation, wahr zu werden?
Die Wahrheit so nackt, so ungeschminkt, so grell, so aufdringlich, nicht den geringsten Spielraum mehr lassend. „Das kann doch nicht sein?“ dachte er sich.
„Wahrheit um der bloßen Wahrheit Willen, die darf es nicht geben. So eine Wahrheit wäre unmenschlich, grausam, menschenfeindlich.“
Sind es die Priester der absoluten Wahrheit, sind es die Gralshüter des Status confessionis, die die Menschheit immer wieder an den Rand des Abgrundes geführt haben?
Das kalte Licht eines Büros, zweckmäßig aber seelenlos. Der Geruch aus Reinigungsmitteln, Aktenstaub und säuerlich riechendem Speichels der von der Hörermuschel des Telefons vom vielen hineinsprechen entströmt.
Dann, urplötzlich, er hatte noch nicht einmal hinter dem Schreibtisch platzgenommen, wurde die Glastüre aufgerissen. Er stürzte hinein, machte noch in der Türe stehend halt. Dies geschah ganz gegen seine Gewohnheit, war er doch sonst eher auf leisen Sohlen unterwegs, freie Flächen meistens, lieber an der Wand lang sich bewegend.
Seine Augen weit aufgerissen, ja fest bebend sprach er, gepresst, ja panisch:
„Arramagedon, Aarmagedon, das Ende der Welt bricht an … !!!„
Braucht die „Behindertenhilfe“ ein neues Narrativ?
„Menschen lieben Geschichten – Wir hören sie an, erzählen sie selbst und erfahren dabei viel über uns, andere und die Welt, in der wir leben.
Methoden, in denen Geschichten im Mittelpunkt stehen, bieten auch für die politische Bildung und das Thema nachhaltige Entwicklung ein großes Potential.
Das Erzählen von Geschichten ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft.
Im Gegensatz zu analytisch-wissenschaftlichem Denken, das auf klar abgegrenzten Fakten beruht und zu eindeutigen Feststellungen führt, geht es beim narrativen Denken um den größeren Zusammenhang – um Kontext, Relevanz und Sinn. Beide Denkweisen bieten einen jeweils spezifischen Zugang zur Welt.
Es ist ein Wesensmerkmal unserer Kultur, dass wir dem analytisch-wissenschaftlichen Denken eine große Bedeutung zumessen.
Denn es hilft uns, die Dinge berechenbar zu machen, sie in den Griff zu bekommen. Das geht im Extrem so weit, dass nur wissenschaftlich-exaktes Wissen als wahr angesehen wird. Damit sind wir weit gekommen. Auf der anderen Seite erleben wir gerade die diffusen und vielschichtigen Angelegenheiten in unserem Leben (wie zum Beispiel die Liebe) als durchaus wahrhaftig – auch wenn sie hochgradig subjektive Erfahrungen darstellen und nicht exakt vermessbar sind. Angesichts der komplexen Struktur unserer Wirklichkeit lässt sich Exaktheit dementsprechend nur durch die Isolation des herausgegriffenen Sachverhalts erreichen. Mit dem fortschreitenden Herauslösen aus dem Kontext verringert sich aber auch der Relevanzgehalt, weil größere Beziehungs- und Bedeutungszusammenhänge verloren gehen. Um Sinn zu schaffen, brauchen wir den ’narrativen Modus‘.“
Die Möglichkeitsdenker: Ein nachahmenswertes Beispiel narrativen nachhaltigen öffentlichen Handelns – Menschen mit Lernschwierigkeiten sind den Weg des öffentlichen Gesprächs, des konstruktiven Diskurses, gegangen.
Die Möglichkeitsdenker, bei der Lebenshilfe Lüdenscheid, sind bereits in konkreter Planung, und suchen den Weg des öffentlichen Diskurses, vor allem bei wichtigen sozialpolitischen und ethischen Themenbereichen.
Eines der drängenden Themen unserer Zeit, den konstruktiven Dialog zwischen Judentum, Christentum, Islam und Humanismus, sind im Jahre 2015 bei insgesamt 5 öffentlichen Veranstaltungen diskutiert worden.
Die Möglichkeitsdenker entwickelten sich aus verschiedenen Projekten zum freiwilligen bürgerschaftlichen von Menschen mit Lernschwierigkeiten in ihrer Region, begonnen im Jahre 2006.
Dort vollzog sich auch innerhalb des praktischen sozialpädagogischen Handlungsfeldes eine eindeutige Hinwendung zur Gemeinwesenarbeit.
Gleich zu Anfang entwickelte sich ein alle zukünftigen Bemühungen zusammenfassendes Narrativ.
Es war ein Gedicht von Rainer Maria Rilke einer der bekanntesten Lyriker der Romantik nämlich: „Werkleute sind wir…“
Es handelt sich dabei, das sei an dieser Stelle erwähnt auch um eines meiner Lieblingsgedichte.
Dass ein solches Gedicht, aus der bildungsbürgerlichen Hochkultur des ausgehenden 19. Jahrhunderts, zum vielfältig zitierten Narrativ wurde und all unsere Bemühungen und Entwicklungsschritte begleitete freut mich ganz besonders.
Wiederlegt es doch glänzend die oft geäußerte und ausgrenzende Auffassung, das solche lyrisch anspruchsvolle Texte diesem Personenkreis per se nicht zugänglich seien.
Auch aus diesem Grunde sei es auch an dieser Stelle wieder einmal zitiert:
„Werkleute sind wir………..*
Werkleute sind wir: Knappen, Jünger, Meister, und bauen dich, du hohes Mittelschiff. Und manchmal kommt ein ernster Hergereister, geht wie ein Glanz durch unsre hundert Geister und zeigt uns zitternd einen neuen Griff.
Wir steigen in die wiegenden Gerüste, in unsern Händen hängt der Hammer schwer, bis eine Stunde uns die Stirnen küsste, die strahlend und als ob sie Alles wüsste von dir kommt, wie der Wind vom Meer.
Dann ist ein Hallen von dem vielen Hämmern und durch die Berge geht es Stoß um Stoß. Erst wenn es dunkelt lassen wir dich los: Und deine kommenden Konturen dämmern.
Gott, du bist groß. „
*Rainer Maria Rilke, 26.9.1899, Berlin-Schmargendorf
Rilke und das Thema Inklusion? Wie weit ist das denn hergeholt? Idealistische Spinnerei? Bildungsbürgerliche Gedankenverrenkung von spinnerten Erziehungswissenschaftlern, Sonderpädagogen und Sozialarbeitern? Braucht die „Behindertenhilfe ein neues Narrativ?
Neugierig geworden? Lesen Sie bitte meinen nachfolgenden Blogbeitrag:
1. Die Teilhabe an allen Bereichen unserer Gesellschaft ein wesentlicher Ausdruck von Inklusion.
2. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. So steht es in Artikel 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Gleichbehandlung und die Förderung von Chancengleichheit als eine Voraussetzung für Selbstbestimmung und Teilhabe behinderter und von Behinderung bedrohter Menschen stehen deshalb im Zentrum der Behindertenpolitik der Bundesregierung.
3. Die Vorschrift bindet als individuelles Grundrecht Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung unmittelbar, nicht nur auf Bundesebene, sondern auch in Ländern und Gemeinden sowie sonstigen Institutionen und Organisationen der „öffentlichen Gewalt“. Auf Rechtsbeziehungen zwischen Privaten wirkt das Benachteiligungsverbot mittelbar, indem es bei der Auslegung und Anwendung bürgerlichen Rechts berücksichtigt werden muss.
4. Mit dem Neunten Buch Sozialgesetzbuch (SGBIX, 2001) und dem Behindertengleichstellungsgesetz (BGG, 2002) wurden grundlegende gesetzliche Voraussetzungen zur Umsetzung des Benachteiligungsverbots des Grundgesetzes und für eine verbesserte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen geschaffen. Im SGB IX wurde das zersplitterte Recht zur Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen sowie das Schwerbehindertenrecht zusammengefasst und weiterentwickelt. Dabei trägt das SGB IX dem Grundsatz des selbstbestimmten Lebens und der Eigenverantwortlichkeit behinderter Menschen Rechnung und löste das bisher an Fürsorge und Versorgung behinderter Menschen orientierte Prinzip ab. Mit dem Behindertengleichstellungsgesetz wird das Gleichbehandlungsgebot des Grundgesetzes umgesetzt: Das BGG regelt Barrierefreiheit in einem umfassenden Sinn und erkennt die Deutsche Gebärdensprache, die lautsprachbegleitenden Gebärden an sowie das Recht, diese und andere geeignete Kommunikationsformen zu verwenden.
5. Der Paradigmenwechsel, der in der Behindertenpolitik in Deutschland insbesondere mit dem SGB IX und dem BGG eingeleitet wurde, wurde mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) fortgesetzt. Das SGB IX bietet bereits einen weitgehenden Schutz für schwerbehinderte Menschen im Arbeitsleben, das AGG weitet diesen Schutz jetzt auf alle Menschen mit Behinderung aus. Er erstreckt sich auf alle Bereiche des Arbeitslebens. Dieser Schutz reicht von der Bewerberauswahl über den Zugang zu beruflichen Bildungschancen bis hin zu Beförderungen. Im Alltagsleben wirkt das Gesetz Diskriminierungen bei so genannten Massengeschäften – z.B. bei Kaufverträgen, Hotelbuchungen und Ähnlichem – entgegen und verbietet Benachteiligungen auch bei privaten Versicherungen.
6. Die nationale Politik der Bundesregierung findet mit dem VN-Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung seine Entsprechung auf internationaler Ebene. Deutschland hat das VN-Übereinkommen und das Zusatzprotokoll als einer der ersten Staaten am 30. März 2007 unterzeichnet und, nachdem die gesetzlichen Voraussetzungen mit dem Ratifizierungsgesetz am 1. Januar 2009 geschaffen wurden, am 24. Februar 2009 mit Hinterlegung der Ratifikationsurkunde in New York ratifiziert. Seit dem 26. März 2009 sind VN-Übereinkommen und Zusatzprotokoll für Deutschland verbindlich. Das Übereinkommen als erstes universelles Rechtsinstrument, ist auf die Lebenssituation von weltweit über 600 Millionen behinderten Bürgerinnen und Bürgern zugeschnitten, es definiert soziale Standards, an denen die Vertragsstaaten ihr politisches Handeln zukünftig messen lassen müssen. Ein gesellschaftlicher Wandel ist damit vorgezeichnet. Dieser Wandel ist von klaren Zielen bestimmt: Dabei geht es um Teilhabe, Selbstbestimmung und uneingeschränkte Gleichstellung. Es geht um das Ziel, alle Bürgerinnen und Bürger zu befähigen, ihr Leben selbstbestimmt nach den eigenen Vorstellungen und Wünschen führen zu können. Und es geht um Politik, die die berechtigten Ansprüche und die Rechte der behinderten Bürgerinnen und Bürger in den Mittelpunkt stellt.
6. Das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen konkretisiert die allgemeinen Menschenrechte aus der Perspektive der Menschen mit Behinderungen und vor dem Hintergrund ihrer spezifischen Lebenslagen, die im Menschenrechtsschutz systematische Beachtung finden müssen. Damit stellt das Übereinkommen einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Rechte behinderter Menschen weltweit dar. Es würdigt Behinderung als Teil der Vielfalt menschlichen Lebens und überwindet damit das noch in vielen Ländern nicht mehr zeitgemäße Prinzip der Fürsorge. Das Übereinkommen und sein Fakultativprotokoll sind für Deutschland seit 26. März 2009 verbindlich.
7. Zur konkreten Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention hat die Bundesregierung einen Nationalen Aktionsplan erarbeitet, der die Ziele und Maßnahmen der Bundesregierung in einer Gesamtstrategie für die nächsten zehn Jahre zusammenfasst. Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen eine gleichberechtigte Teilhabe am politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben zu ermöglichen, Chancengleichheit in der Bildung und in der Arbeitswelt herzustellen und allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit auf einen selbstbestimmten Platz in einer barrierefreien Gesellschaft zu geben. Bei der Ausarbeitung des Nationalen Aktionsplans hat die Bundesregierung großen Wert darauf gelegt, die Zivilgesellschaft – insbesondere behinderte Bürgerinnen und Bürger – einzubeziehen und ihre Visionen, Ideen und Vorschläge für Maßnahmen aufzugreifen.
8. Quo vadis Inklusion?
8.1 Braucht die „Behindertenhilfe“ ein neues Narrativ?
„Menschen lieben Geschichten – Wir hören sie an, erzählen sie selbst und erfahren dabei viel über uns, andere und die Welt, in der wir leben.
Methoden, in denen Geschichten im Mittelpunkt stehen, bieten auch für die politische Bildung und das Thema nachhaltige Entwicklung ein großes Potential.
Das Erzählen von Geschichten ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft.
Im Gegensatz zu analytisch-wissenschaftlichem Denken, das auf klar abgegrenzten Fakten beruht und zu eindeutigen Feststellungen führt, geht es beim narrativen Denken um den größeren Zusammenhang – um Kontext, Relevanz und Sinn. Beide Denkweisen bieten einen jeweils spezifischen Zugang zur Welt.
Es ist ein Wesensmerkmal unserer Kultur, dass wir dem analytisch-wissenschaftlichen Denken eine große Bedeutung zumessen.
Denn es hilft uns, die Dinge berechenbar zu machen, sie in den Griff zu bekommen. Das geht im Extrem so weit, dass nur wissenschaftlich-exaktes Wissen als wahr angesehen wird. Damit sind wir weit gekommen. Auf der anderen Seite erleben wir gerade die diffusen und vielschichtigen Angelegenheiten in unserem Leben (wie zum Beispiel die Liebe) als durchaus wahrhaftig – auch wenn sie hochgradig subjektive Erfahrungen darstellen und nicht exakt vermessbar sind. Angesichts der komplexen Struktur unserer Wirklichkeit lässt sich Exaktheit dementsprechend nur durch die Isolation des herausgegriffenen Sachverhalts erreichen. Mit dem fortschreitenden Herauslösen aus dem Kontext verringert sich aber auch der Relevanzgehalt, weil größere Beziehungs- und Bedeutungszusammenhänge verloren gehen. Um Sinn zu schaffen, brauchen wir den ’narrativen Modus‘.“ 8.2 Die Lebenshilfe Möglichkeitsdenker: Ein nachahmenswertes Beispiel narrativen nachhaltigen öffentlichen Handelns – Menschen mit Lernschwierigkeiten sind den Weg des öffentlichen Gesprächs, des konstruktiven Diskurses, gegangen.
Die Möglichkeitsdenker, bei der Lebenshilfe Lüdenscheid, sind bereits in konkreter Planung, und suchen den Weg des öffentlichen Diskurses, vor allem bei wichtigen sozialpolitischen und ethischen Themenbereichen.
Eines der drängensten Themen unserer Zeit, den konstruktiven Dialog zwischen Judentum, Christentum, Islam und Humanismus, sind im Jahre 2015 bei insgesamt 5 öffentlichen Veranstaltungen diskutiert worden.
Die Möglichkeitsdenker entwickelten sich aus verschiedenen Projekten zum freiwilligen bürgerschaftlichen von Menschen mit Lernschwierigkeiten in ihrer Region, begonnen im Jahre 2006.
Dort vollzog sich auch innerhalb des praktischen sozialpädagogischen Handlungsfeldes eine eindeutige Hinwendung zur Gemeinwesenarbeit.
Gleich zu Anfang entwickelte sich ein alle zukünftigen Bemühungen zusammenfassendes Narrativ.
Es war ein Gedicht von Rainer Maria Rilke einer der bekanntesten Lyriker der Romantik nämlich: „Werkleute sind wir…“
Es handelt sich dabei, das sei an dieser Stelle erwähnt auch um eines meiner Lieblingsgedichte.
Dass ein solches Gedicht, aus der bildungsbürgerlichen Hochkultur des ausgehenden 19. Jahrhunderts, zum vielfältig zitierten Narrativ wurde und all unsere Bemühungen und Entwicklungsschritte begleitete freut mich ganz besonders.
Wiederlegt es doch glänzend die oft geäußerte und ausgrenzende Auffassung, das solche lyrisch anspruchsvolle Texte diesem Personenkreis per se nicht zugänglich seien.
Auch aus diesem Grunde sei es auch an dieser Stelle wieder einmal zitiert:
„Werkleute sind wir………..*
Werkleute sind wir: Knappen, Jünger, Meister, und bauen dich, du hohes Mittelschiff. Und manchmal kommt ein ernster Hergereister, geht wie ein Glanz durch unsre hundert Geister und zeigt uns zitternd einen neuen Griff.
Wir steigen in die wiegenden Gerüste, in unsern Händen hängt der Hammer schwer, bis eine Stunde uns die Stirnen küsste, die strahlend und als ob sie Alles wüsste von dir kommt, wie der Wind vom Meer.
Dann ist ein Hallen von dem vielen Hämmern und durch die Berge geht es Stoß um Stoß. Erst wenn es dunkelt lassen wir dich los: Und deine kommenden Konturen dämmern.
Gott, du bist groß. „
*Rainer Maria Rilke, 26.9.1899, Berlin-Schmargendorf