Da steh ich nun, ich armer Tor…..

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Goethe

 

 

 

 

 

 

Faust: Habe nun, acht! Philosophie, Juristerei und Medizin.

Und leider auch Theologie. Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.

Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor.

Zwar bin ich gescheiter als all die Laffen, Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen, mich plagen keine Skrupel noch Zweifel fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel.

Dafür ist mir auch aller Freud entrissen, bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen.

Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren,
Menschen zu bessern und zu bekehren.

Auch hab ich weder Gut noch Geld noch Ehr und Herrlichkeit der Welt.

Es möchte kein Hund so länger leben!

Drum hab ich mich der Magie ergeben,  mir durch Geistes Kraft und Mund, nicht manch Geheimnis würde kund.

Daß ich nicht mehr mit saurem Schweiß
Zu sagen brauche, was ich nicht weiß.

Daß ich erkenne, was die Welt Im Innersten zusammenhält.

Schau alle Wirkenskraft und Samen und tu nicht mehr in Worten kramen.

Faust: „Bei euch, ihr Herrn, kann man das Wesen, gewöhnlich aus dem Namen lesen.

Wo es sich allzu deutlich weist, wenn man euch Fliegengott, Verderber, Lügner heißt.
Nun gut, wer bist du denn?“

Mephistopheles: „Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“

Goethe: Faust

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„Nur die Nacht ist des Freien Freund“ Sophie Scholl

Nachtgedanken:

Aufgang oder Untergang

Nenn ich dich Aufgang oder Untergang?

Denn manchmal bin ich vor dem Morgen bang
und greife scheu nach seiner Rosen Röte –
und ahne eine Angst in seiner Flöte
vor Tagen, welche liedlos sind und lang.

Aber die Abende sind mild und mein,
von meinem Schauen sind sie still beschienen;
in meinen Armen schlafen Wälder ein, –
und ich bin selbst das Klingen über ihnen,
und mit dem Dunkel in den Violinen
verwandt durch all mein Dunkelsein.

Rainer Maria Rilke

Nachtgedanken

Weltenweiter Wandrer walle fort in Ruh…
Also kennt kein andrer
Menschenleid wie du.

Wenn mit lichtem Leuchten
du beginnst den Lauf.
schlägt der Schmerz die feuchten
Augen zu dir auf.

Drinnen liegt – als riefen
sie dir zu: versteh! –
tief in ihren Tiefen
eine Welt von Weh…

Tausend Tränen reden
ewig ungestillt, – –
und in einer jeden
spiegelt sich dein Bild.

Rainer Maria Rilke


Nacht ist schon hereingesunken,

Schließt sich heilig Stern an Stern,
Große Lichter, kleine Funken
Glitzern nah und glänzen fern;
Glitzern hier im See sich spiegelnd,
Glänzen droben klarer Nacht,
Tiefsten Ruhens Glück besiegelnd
Herrscht des Mondes volle Pracht

Johann Wolfgang von Goethe