Goethes Faust: Letzte Worte

Demokratiemüde? Populisten hinterherlaufen? PolitikerInnen Bashing?

Nicht mit mir!

Empfehle mal den Faust zu lesen und sich nicht auf Halbwahrheiten, Fake News zu hören.

Dummes Geschwätz auf Stammtisch Niveau hilft auch nicht weiter.

….. „Das ist der Weisheit letzter Schluß:

Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß.

Und so verbringt, umrungen von Gefahr, Hier Kindheit, Mann und Greis sein tüchtig Jahr.

Solch ein Gewimmel möcht ich sehn. Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.

Zum Augenblicke dürft ich sagen: Verweile doch, du bist so schön !

Es kann die Spur von meinen Erdetagen nicht in Äonen untergehn.
Im Vorgefühl von solchem hohen Glück, Genieß ich jetzt den höchsten Augenblick.“

Goethe Faust

Frühlingserwachen?

Der Frühling kommt

Der Frühling kommt was bringt er dir
Sonne die Du meidest

Helligkeit die Unruh schafft
Weil außen bunt und innen grau und fad und alt

Licht das den Schmutz der Ecken lüftet
Es zeigt den Restedreck aus all den Jahren

Der angesammelt sich als Lebenskehricht

Vogelzwitschern laut und schrill

Farbe deren Pracht so schnell
verschwindt und Wärme die zur Schwüle neigt

Aufbruch die Gewohnheit raubt
doch eigentlich sich alles immer gleicht

Seelenschmerz weil Neues trügt

Alle lieben diese Zeit von Anbeginn
Er nicht, ist wohl ein rechter Sonderling

Eine kleine Vogelkunde

Die Krähe

Einsamkeit wer bist du denn? Bist du wie eine Krähe, die an einem grauen Abend im November das Gebüsch verlässt,auf den sie spähend ruhte und nur noch Leere hinterlässt?


Der Bussard

Freiheit wer bist Du denn?

Bist du der Bussard der
auf hohem Ansitz ruht,
reglos sitzt und lugt.

Im nächsten Augenblicke
schwingst du dich auf,
du stürzt herab,
breitest deine Schwingen aus,
der Wind der fängt dich auf.

Und scheinbar ohne Mühe gleitest du ein Stück, schraubst dich langsam hoch
in einen Himmel der nichts ist
als blaues helles Strahlen.

Dort ohne Mühe bist du frei.

Von allem frei und weißt dich doch geborgen.
In diesem Ozean der Lüfte.

Die wiegen sanft
und dennoch heben sie
dich hoch und immer höher.

Was eine wahre Lust zu leben.

Ja, ich liebe dieses Land!

Frei nach Kurt Tucholsky

»Ja, ich liebe dieses Land. Und nun will ich euch mal etwas sagen:

copyright-edgar-reitz-filmstiftung-mainz5861799013456002376.jpgEdgar Reitz: Heimat

Es ist ja nicht wahr, dass jene, die sich ›national‹ nennen und nichts sind als bürgerlich-militaristisch, dieses Land und seine Sprache für sich gepachtet haben.

Weder der Regierungsvertreter im Gehrock, noch der Oberstudienrat, noch die Herren und Damen des Stahlhelms allein sind Deutschland.

Wir sind auch noch da.

Sie reißen den Mund auf und rufen: ›Im Namen Deutschlands …!‹

Sie rufen: ›Wir lieben dieses Land, nur wir lieben es.‹

Es ist nicht wahr. […] Und so widerwärtig mir jene sind, die – umgekehrte Nationalisten – nun überhaupt nichts mehr Gutes an diesem Lande lassen, kein gutes Haar, keinen Wald, keinen Himmel, keine Welle – so scharf verwahren wir uns dagegen, nun etwa ins Vaterländische umzufallen.

Wir pfeifen auf die Fahnen – aber wir lieben dieses Land.

Und so wie die nationalen Verbände über die Wege trommeln – mit dem gleichen Recht, mit genau demselben Recht nehmen wir, wir, die wir hier geboren sind, wir, die wir besser Deutsch schreiben und sprechen als die Mehrzahl der nationalen Esel – mit genau demselben Recht nehmen wir Fluss und Wald in Beschlag, Strand und Haus, Lichtung und Wiese: es ist unser Land.

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Wi haben das Recht, Deutschland zu hassen – weil wir es lieben. Man hat uns zu berücksichtigen, wenn man von Deutschland spricht, uns:

Kommunisten, junge Sozialisten, Pazifisten, Freiheitliebende aller Grade; man hat uns mitzudenken, wenn ›Deutschland‹ gedacht wird … „

Da steh ich nun, ich armer Tor…..

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Goethe

 

 

 

 

 

 

Faust: Habe nun, acht! Philosophie, Juristerei und Medizin.

Und leider auch Theologie. Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.

Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor.

Zwar bin ich gescheiter als all die Laffen, Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen, mich plagen keine Skrupel noch Zweifel fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel.

Dafür ist mir auch aller Freud entrissen, bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen.

Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren,
Menschen zu bessern und zu bekehren.

Auch hab ich weder Gut noch Geld noch Ehr und Herrlichkeit der Welt.

Es möchte kein Hund so länger leben!

Drum hab ich mich der Magie ergeben,  mir durch Geistes Kraft und Mund, nicht manch Geheimnis würde kund.

Daß ich nicht mehr mit saurem Schweiß
Zu sagen brauche, was ich nicht weiß.

Daß ich erkenne, was die Welt Im Innersten zusammenhält.

Schau alle Wirkenskraft und Samen und tu nicht mehr in Worten kramen.

Faust: „Bei euch, ihr Herrn, kann man das Wesen, gewöhnlich aus dem Namen lesen.

Wo es sich allzu deutlich weist, wenn man euch Fliegengott, Verderber, Lügner heißt.
Nun gut, wer bist du denn?“

Mephistopheles: „Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“

Goethe: Faust

Deutsch nicht dumpf…?

Eine Literaturempfehlung:

Thea Dorn: Deutsch nicht dumpf…. 

Thea Dorn

Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“

Heinrich Heine

Heinrich Heine

Zunehmend erfasst mich Ratlosigkeit.

Die Ereignisse und Entwicklungen der letzten Jahre:
Die weltumspannende Globalisierung der Wirtschaft mit dem Ergebnis eines ungebremsten Kapitalismus, der rücksichtslos vorgeht und alles in Frage stellt was mir wichtig ist.
Menschen fühlen sich zunehmend orientierungslos, unbeheimatet.
Ängste machen sich breit.
Populismus bricht sich, europaweit, seine Bahn.
Die Vernunft, wichtigste Errungenschaften der Aufklärung und Ihre Leitgedanken von Freiheit, Gleichheit, und Solidarität prägen zunehmend nicht mehr den politischen Diskurs.
Stattdessen:
Populismus der dümmsten Art und Weise prägen die Verlautbarungen der AfD.
Das so viele BürgerInnen darauf hereinfallen schmerzt mich, bis hin zu körperlichem Schmerz.
Ein dumpfer unheilvoller Druck ensteht mir im Kopf, steigt hinunter über Hals und Rücken.
So als ob sich ein Migräne-Anfall ankündigen würde.
Zukunftsängste kommen auf.
Was wird einmal aus Deutschland werden? Was wird aus den Kindern und Enkelkindern werden denen wir eine weitgehend zerstörte Welt hinterlassen?

Aber genug mit dem Lamento:

Erst kürzlich bei der Lektüre des Buches: #Deutschnichtdumpf der Autorin: #TheaDorn.

Der Deutschlandfunk sendete dazu ein Radiobeitrag dem ich mich vollinhaltlich anschließen kann, aus dem ich im folgenden zitieren möchte:

„Dürfen wir unser Land lieben?“
Das fragt Thea Dorn in „deutsch, nicht dumpf“. Die Schriftstellerin und Philosophin skizziert einen Patriotismus, der die kulturelle Identität betont, ohne sich in die Nähe einer Seehoferschen „Leitkultur“ zu begeben.

Nach dem ersten Satz möchte man eigentlich gar nicht weiterlesen. „Dürfen wir unser Land lieben? 

Dürfen wir es gar Heimat nennen?“

fragt Thea Dorn zu Beginn ihres neuen Buchs „deutsch, nicht dumpf“, und da es darauf nur eine vernünftige Antwort gibt – „Warum denn nicht?“ –, fürchtet man sich sofort davor, dass hinter der Frage doch wieder nur ein weiteres Mal der Popanz einer vaterlandslosen linken Meinungshegemonie aufgebaut wird, die einem diese selbstverständlichen Heimatgefühle verbietet. Doch die Furcht ist unbegründet: Entgegen ihrer im Feuilleton ausgiebig ausgelebten Neigung zu einem aufmerksamkeitsheischend zugespitzten Konservatismus hat die Schriftstellerin und Philosophin einen erstaunlich differenzierten Essay verfasst, angenehm im Ton, abwägend in den Argumenten, durchweg um die Vermittlung zwischen den politischen Lagern bemüht. 

Bevor sie für einen „aufgeklärten Patriotismus“ plädiert, erörtert sie beispielsweise ausführlich die Frage, worauf sich dieser Patriotismus beziehen kann. Auf die Kultur, sagen manche. Aber kann man überhaupt von einer „deutschen Kultur“ reden, obgleich Deutschland in so viele Regionalkulturen zerfällt? Und wie ist es mit den kulturellen Erzeugnissen und Gepflogenheiten der islamischen Bürger? Gehören das Minarett und die Geschichten des Nasreddin Hodscha zur deutschen Kultur?

Verwurzelt in der kulturellen Identität Nein, sagt Thea Dorn, denn wer so redet, verwischt die Unterschiede zwischen dem Eigenen und dem Fremden; und nur, wer sicher auf dem Boden seiner kulturellen Tradition steht, kann das Neue suchen und das Fremde genießen, ohne seine eigene Ich-Identität in der Überforderung durch unendlich viele Möglichkeiten aufs Spiel zu setzen. Was aber noch lange nicht heißt, dass wir eine „Leitkultur“ nach der Art von Horst Seehofer brauchen. Statt dessen, so Dorn, sollte man „kulturelle Identität“ im Sinn der Wittgenstein’schen „Familienähnlichkeit“ betrachten: als Begriff, der durchlässig und wandelbar ist, produktiv unscharf, aber nicht beliebig. Ein interessanter Gedanke. In munterer Weise wechselt Dorn fortan zwischen begrifflichen Erörterungen und historischen Exkursen etwa über die schwierige Ausbildung des deutschen Nationalbewusstseins. Sie diskutiert das Verhältnis zwischen einem „aufgeklärten Patriotismus“ und dem Wunsch nach europäischer Einigung und einem kosmopolitischen Dasein; sie erteilt dem rein rückwartsgewandten Denken der „Identitären Bewegung“ eine klare Absage und der Relativierung des Nationalsozialismus sowieso; aber sie warnt auch davor, den kulturellen Reichtum der deutschen Geschichte zu vergessen und sich im wurzellosen Individualismus der neuen Internet-Kultur zu verlieren.“

Ebendort fand ich auch einen Text von

#KurtTucholski
aus dem Jahre 1932:

„Ja, wir lieben dieses Land. 

Und nun will ich euch mal etwas sagen: Es ist ja nicht wahr, dass jene, die sich ›national‹ nennen und nichts sind als bürgerlich-militaristisch, dieses Land und seine Sprache für sich gepachtet haben. Weder der Regierungsvertreter im Gehrock, noch der Oberstudienrat, noch die Herren und Damen des Stahlhelms allein sind Deutschland. Wir sind auch noch da. Sie reißen den Mund auf und rufen: ›Im Namen Deutschlands …!‹ Sie rufen: ›Wir lieben dieses Land, nur wir lieben es.‹ Es ist nicht wahr. […] Und so widerwärtig mir jene sind, die – umgekehrte Nationalisten – nun überhaupt nichts mehr Gutes an diesem Lande lassen, kein gutes Haar, keinen Wald, keinen Himmel, keine Welle – so scharf verwahren wir uns dagegen, nun etwa ins Vaterländische umzufallen. Wir pfeifen auf die Fahnen – aber wir lieben dieses Land. Und so wie die nationalen Verbände über die Wege trommeln – mit dem gleichen Recht, mit genau demselben Recht nehmen wir, wir, die wir hier geboren sind, wir, die wir besser Deutsch schreiben und sprechen als die Mehrzahl der nationalen Esel – mit genau demselben Recht nehmen wir Fluss und Wald in Beschlag, Strand und Haus, Lichtung und Wiese: es ist unser Land. Wir haben das Recht, Deutschland zu hassen – weil wir es lieben. Man hat uns zu berücksichtigen, wenn man von Deutschland spricht, uns: Kommunisten, junge Sozialisten, Pazifisten, Freiheitliebende aller Grade; man hat uns mitzudenken, wenn ›Deutschland‹ gedacht wird …“

Kurt Tucholsky

Ich wünsche mir einen konstruktiven Diskurs zum Thema.

Danke!

Deutsch, nicht dumpf: Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten 

https://www.amazon.de/dp/B078ZYSB3M/ref=cm_sw_r_other_apa_i_rHW0Bb3M53YKH

Theologie der Befreiung

Christlicher Sozialismus

„11 So ihr Hilflosen Pachtgeld annehmt und sein Getreide mit Steuern belegt, darum baut ihr Häuser aus behauenen Steinen – und wohnt nicht darin, legt ihr euch prächtige Weinberge an – und werdet den Wein nicht trinken.

12 Denn ich kenne eure Frevel, die so viel sind, und eure Sünden, die so groß sind, wie ihr die Gerechten bedrängt und Bestechungsgeld nehmt und die Armen im Tor unterdrückt.“ Amos 5,11-12

„Ein wirklicher Christ muß Sozialist werden (wenn er mit der Reformation des Christentums Ernst machen will!). Ein wirklicher Sozialist muß Christ sein, wenn ihm an der Reformation des Sozialismus gelegen ist.“. Karl Barth

Christlicher Anarchismus Anarchist ist […] jemand, der die andere Wange hin hält, die Tische der Geldwechsler umwirft und keinen Polizisten braucht, um sich gut zu benehmen. Ein christlicher Anarchist ist nicht von Wahlurnen oder Gewehrkugeln abhängig, um sein Ideal zu erreichen; er erreicht dieses Ideal tagtäglich durch die One Man Revolution, mit der er einer dekadenten, verwirrten und sterbenden Welt begegnet.[2] Ammon Hennacy

Das Christentum wird in einer Art und Weise begriffen, das letztendlich in politischen und sozialen Fragen auf etwas hinauslauft, das politisch Aktive in der ArbeiterInnenbewegung des späten 19. Jahrhunderts begannen, als ‚Anarchismus‘ oder ‚libertärer Sozialismus‘ zu bezeichnen – und zwar nicht trotz, sondern aufgrund dessen, was in der Bibel geschrieben steht. Es ist ein Anarchismus, der sich aus der Bibel und dem Leben und Wirken Jesu herleitet. Die Bibel und die Botschaft Jesu dienen so als Grundlage dafür, zu ähnlichen oder denselben Schlüssen zu gelangen wie sie von anarchistischen TheoretikerInnen formuliert wurden:

Den Staat mit all seinen Institutionen und RepräsentantInnen als illegitim anzusehen, den Kapitalismus als Wirtschaftssystem abzulehnen und eine egalitäre, dezentrale und gewaltfreie Gesellschaftsordnung, frei von Unterdrückung und Ausbeutung, an deren Stelle zu verwirklichen.[3]

Es ist ein Anarchismus, der sich aus der Bibel und dem Leben und Wirken Jesu herleitet. Die Bibel und die Botschaft Jesu dienen so als Grundlage dafür, zu ähnlichen oder denselben Schlüssen zu gelangen wie sie von anarchistischen TheoretikerInnen formuliert wurden:

Den Staat mit all seinen Institutionen und RepräsentantInnen als illegitim anzusehen, den Kapitalismus als Wirtschaftssystem abzulehnen und eine egalitäre, dezentrale und gewaltfreie Gesellschaftsordnung, frei von Unterdrückung und Ausbeutung, an deren Stelle zu verwirklichen.[3]

Sebastian Kalicha