Trauer oder Zorn

Ich entscheide mich für Zorn!

Die meisten evangelikalen Christen in den USA haben Trumps Wiederwahl massiv unterstützt.

Ihr Gott im Weißen Haus

Das waren dann einige Millionen Wähler*innen für Trump.
Ich weiß nicht genau, ob man darüber traurig oder wütend sein soll.
Ich entscheide mich für wütend..
Ein Mann der die Ehe bricht und auch noch damit prahlt.
Ein Mann der tausende Male gelogen hat.
Ein Mann der aufhetzt.
Ein Mann der ausgrenzt.
Ein Mann der Minderheiten nicht nur ausgrenzt sondern massiv bedroht.
Was würde Jesus dazu sagen.

Ein weiterer zusätzlicher Beleg für die Verstrickungen zwischen Trump und amerikanischer evangelikalen Gemeinden liefert der folgende Link:

US-Wahl 2020: Evangelikale beten für einen Sieg von Donald Trump:

Dämonische Verschwörung

Nun hat das Ganze nicht geklappt.

Aber Vorsicht:

Noch ist dieser menschenverachtende Plutokrat nicht verschwunden.

Ich für mein Teil bete für dessen Demission.

Papst Franziskus kritisiert Konsum und warnt: „Schlimmer als eine Pandemie“

Gastbeitrag von Uwe Schummer„Schlimmer als eine Pandemie“: Die düstere Warnung von Papst Franziskus vom 09.10.2o

FOCUS-Online-Gastautor Uwe Schummer

In seiner Enzyklika weist Papst Franziskus daraufhin, dass die Kirche auch das „Handeln Gottes in anderen Religionen“ schätzt und dass sie beim Aufbau einer besseren Welt nicht abseits stehen dürfe.

Papst Franziskus hat in seiner Sozialen Enzyklika „Fratelli tutti“ über die Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft einen Leuchtturm gesetzt.

Dabei beleuchtet er die Welt im Lichte der Menschenwürde. Unabhängig davon, wo und wie dieser Mensch lebt.

Dabei verurteilt er eine „Welt voller Wachtürme und Verteidigungsmauern“.

Die Alternative des weltweit geltenden Schreibens ist, den „Nächsten“ auch in dem Menschen zu sehen, der weit von uns entfernt lebt oder noch gar nicht geboren ist und zur künftigen Generation angehören wird.

Seine Vision ist eine Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft, die die Schätze der Welt und die uns mitgegebenen Talente und Fähigkeiten so organisiert, dass wir nicht zu Lasten anderer Völker und Generationen diesen Planeten Schlimmer als eine Pandemie\“plündern.

ÜBER DEN GASTAUTOR:

Uwe Schummer ist Mitglied des Deutschen Bundestags und dort Vorsitzender der CDU/CSU-Arbeitnehmergruppe.

Papst Franziskus warnt davor, Lehren der Vergangenheit zu vergessen

Dabei bezieht sich Papst Franziskus auch auf die aktuelle Erfahrung einer Pandemie, die „falsche Sicherheiten“ offenlegte und die Verletzlichkeit selbst starker ökonomischer Volkswirtschaften zeigt.

Sie liefere auch den Beweis dafür, dass „wütende und aggressive Nationalismen“ unfähig sind, die Herausforderungen der Zeit zu lösen; zumal sie mit „Egoismus und dem Verlust des Sozialempfindens“ einhergehen.

Er warnt davor, die Lehren der Vergangenheit zu vergessen, die aus einem überbordenden Nationalismus – mit all ihren unzähligen Kriegen – zur Zusammenarbeit der Völker in der UN geführt habe.

Sein Bild ist die Menschheitsfamilie, in der Völker nicht nebeneinander, sondern miteinander und inklusiv ihre positiven Kulturansätze leben.

Er kritisiert die gegenteilige Entwicklung, in der Teile der Menschheit „geopfert werden“ – zugunsten einiger bevorzugter Bevölkerungsgruppen.

Dabei benennt er „wirtschaftliche Regeln, die sich als wirksam für das Wachstum, aber nicht für die Gesamtentwicklung des Menschen erweisen“.

Er geißelt eine Form der Versklavung des Menschen, die „zulässt, ihn wie einen Gegenstand zu behandeln, ihn kommerzialisiert und zum Eigentum eines anderen herabmindert.“

„Schlimmer als eine Pandemie“

In diesem Lichte ist die Enzyklika auch ein wichtiger Impuls für ein faires Lieferkettengesetz, wie es von Bundesentwicklungsminister… .

… Deutschland und die Europäische Union als weltweit starke Märkte können über ein ernsthaftes Bemühen für Transparenz bei Zulieferern sorgen, dass Kinder- und Sklavenarbeit ausgeschlossen sind.

Dies wäre ein konkreter Beitrag für bessere Lebensbedingungen auf anderen Kontinenten.

Die Pandemie habe uns auch dazu „gezwungen, wieder an alle Menschen zu denken, anstatt an den Nutzen einiger“. Ähnlich wie Papst Johannes Paul II. in seinem sozialen Weltrundschreiben „Laborem exercens“ von 1981 kritisiert Papst Franziskus „fieberhaften Konsumismus“ und eine Haltung des „Rette sich, wer kann“ in einem universalen Kampf „Alle gegen Alle“.

Dies werde „schlimmer als eine Pandemie sein“.

Statt sich abzuschotten und „als Inseln zu leben“, sieht er die „Notwendigkeit, über die eigenen Grenzen hinauszugehen“.

Er benennt die „Sorge um das gemeinsame Haus unseres Planeten“.

Sein Beispiel: Wer Wasser im Überfluss hat und trotzdem sorgsam damit umgeht, weil er an andere denkt, der blicke über sich und die Seinen hinaus.

„Gesunde Politik“, die nicht dem Diktat der Finanzwelt unterworfen ist.

Das Recht auf Privatbesitz sei niemals absolut und immer mit der sozialen Funktion zu verbinden.

Unternehmerische Tätigkeit sieht er als eine edle Berufung, die darauf ausgerichtet ist, Wohlstand zu erzeugen und die Welt für alle zu verbessern.

Ziel müsse immer auch die Entwicklung des Menschen und die Schaffung vielfältiger Beschäftigungsmöglichkeiten sein. Er verweist auf den Zusammenhang von Globalisierung und Lokalisierung.

Man müsse auf die globale Dimension achten, um nicht in die alltägliche Kleinigkeit zu verfallen. Sonst werde das Zuhause nicht Heimat, sondern Zelle.

Unter diesem Aspekt sei auch die Entwicklungshilfe für die „armen Länder“ eine „Vermögensschaffung für alle“.

Die Welt könne nicht auf Dauer fruchtbar sein, wenn sie nicht gerecht ist.

Es gehe darum auf „gesunde Weise lokal zu denken, sich dabei im Herzen eine Offenheit für das Universale“ zu bewahren.

Die Pandemie zeige auch, dass nicht alles durch den freien Markt gelöst werden könne.

Stattdessen fordert er eine „gesunde Politik“, „die nicht dem Diktat der Finanzwelt unterworfen ist, die Menschenwürde in den Mittelpunkt stellt“.

Gegen den transnationalen Charakter von Wirtschaft und Finanzen müssen auch internationale politische Institutionen entwickelt werden, die so mit Macht ausgestattet sind, dass sie dem Primat der Politik dienen.

Kirche darf beim Aufbau einer besseren Welt nicht abseits stehen

„Die Politik darf sich nicht der Wirtschaft unterwerfen, und diese darf sich nicht dem Diktat und dem effizienzorientierten Paradigma der Technokratie unterwerfen“.

Er erinnert: Die Erde sei eine Leihgabe, die jede Generation empfängt und den nachfolgenden Generationen weitergeben müsse.

Durch Finanzspekulationen erzeugte Hungersnöte nennt er „ein Verbrechen; Ernährung ein unveräußerliches Recht“.

Das Leben sei eine Kunst der Begegnung mit der Fähigkeit das Recht einzugestehen, anders zu sein.

Aus dem Miteinander bestehender Kulturen, erwachse ein „Sozialpakt“, aus dem heraus die Weltgesellschaft zum friedlichen Miteinander geführt werden kann.

Dies bedeute auch die Fähigkeit auf Verzicht für andere und die Erkenntnis, dass die letzte Wahrheit nicht von dieser Welt ist.

„Wahrheit ist die untrennbare Gefährtin von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“.

Nur in diesem Gleichklang könne sich globale soziale Freundschaft entwickeln.

Dabei schätze die Kirche auch das „Handeln Gottes in anderen Religionen“. Sie respektiere die „Autonomie der Politik, beschränke aber ihre eigene Mission nicht auf den privaten Bereich“.

Die Kirche dürfe beim Aufbau einer besseren Welt nicht abseits stehen…. .“

Der Irrlehrer

Es war August.
Die Sonne brannte seit vielen Wochen unbarmherzig vom Himmel. Die Heuernte war längst eingefahren. Das reife Getreide wogte im heißen Sommerwind. Der Hafer goldgelb. Der Weizen sonnengelb. Die Gerste, deren Ähren sich bereits nach unten neigten, da ihre pelzigen spleißigen Körner bereits so reif waren, dass sie sich gelegentlich von selbst aus den Ähren lösten und zu Boden fielen, strohgelb.

Der Irrlehrer

Der Roggen, das bevorzugte Getreide im Klippdachsland, majestätisch empor gewachsen, fast so hoch wie ein erwachsener Mann und bestens geeignet sich als Kind darin zu verstecken, was bei Androhung schlimmer Strafen, die nie vollzogen wurden, verboten war, sandgelb schon ins Gräuliche wechselnd.

An jenem Morgen
Die Sonntage unabhängig von jeder Jahreszeit, vollzogen sich in jenem Klippdachsland fast immer mit der gleichen Routine.

Gegen acht Uhr betritt die gute Mutter Dragmari das Schlafzimmer mit einem kurzen Morgengruß. „Gemorje“ (Guten Morgen, gut geschlafen?).
Sogleich begibt Sie sich zum Fenster, um es zu öffnen. Der geneigte Leser mag sich denken, weshalb die Frau Mama dies für erforderlich hält.

Im Schlafgemach eines pubertierenden Jugendlichen im Überschwang seiner Hormone sind doch so manch unterschiedliche körperliche Gerüche vorzufinden, die sich zu einem olfaktorischen Gesamtergebnis mischen und der Riechenden durchaus unangenehm erscheinen können.

„Imme halb Zeeh ess Körche. Stieh mool off. Sonnsd bäsde wörrer ze spiere“
(Steh bitte auf. Um nicht erneut zu spät zum Gottesdienst zu kommen. Der beginnt bereits um 09:30 Uhr)
Der so Angesprochene sagt nichts, blickt die gute Frau Mama mürrisch an und ergibt sich seinem Schicksal.

Zum Frühstück gab es sonntags häufig Rosine Blatz medd Zogger. (Rosinenstuten bestrichen mit Margarine, obenauf dann eine gehörige Portion Rübenzucker). Dazu eine Tasse Kakao, beides mundete köstlich. Die gute Butter gab es eher selten. Wohl aus Sparsamkeit, was für einen großen Haushalt, der, wie viele Familien damals, auch eine Nebenerwerbslandwirtschaft betrieb, recht verwunderlich war.
Opa Gregorius machte da nicht mit. Er bestrich seine Bodder (Stulle, Scheibe Brot) ausschließlich mit der guten Butter. Zum Abendbrot bevorzugt mit geräucherter Blutwurst und Apfelgelee, natürlich alles selbst gemacht. Oft zur Verwunderung, gelegentlich auch zum Ärger seiner Gattin, Oma Friedelinde. Die dabei gelegentlich bemerkte: „Vadder, du leesd der de Bodder fengerdegge offs Brod. Onn äich? Äich ääse seid zwansich Joohr Magerine onn nomme kää Gramm obb.“
(Vater [Ehegatte], Du belegst dir dein Butterbrot so dick mit Butter. Fingerdick. Und was ist mit mir?
Ich esse seit zwanzig Jahren nur Margarine auf meinem Butterbrot. Trotzdem habe ich noch kein Gramm abgenommen).
Inzwischen begannen die Kirchenglocken zu läuten. Dieser Dreiklang ist ihm unvergänglich in Erinnerung geblieben.
Erst die kleine Glocke: Bim, bim, bim …… !

Dann die mittlere Glocke dazu: Bam, bam, bam … !

Beide zusammen dann: Bim, bam. Bim, bam …!

Dann die große Glocke: Bum, bum, bum, bum… !

Alle drei Glocken dann im Tutti:
Bim, bam, bum! Bim, bam, bum! Bim, bam, bum! Bim, bam, bum……… !

Der gute Vater Flodur nun zu Ihm: „Mach feroo! Z loud schoo fünf Minudde voll!“
(Beeile Dich bitte. Das volle Geläut ist bereits seit fünf Minuten zu hören!)
Die „Sonntagshose“ und das „Sonntagshemd“ in Taubenblau hatte er bereits vor dem süßen Frühstück, die gute Mutter hatte es schon beim Wecken bereitgelegt, angezogen.
Die betagte Treppe aus dem ersten Stock des Bauernhauses, das Gesangbuch vom verstorbenen Urgroßvater in der rechten Hand, behände hinunter.
Die erste Treppenstufe lautlos.

Die zweite meldete sich beim Betreten mit wiip.
Die dritte wieder lautlos.

Die vierte dann schon lauter wiuup.

Die fünfte fast wie die erste, aber vernehmlicher wiiip.

Stufe sechs nun im vernehmlichen Bariton wiiupaa.

Treppenstufe sieben im lauten, jedoch gepflegten Bass wioopaass, versehen mit einem leisen nur angedeuteten tiefen Tremolo.

Stufen acht und neun mit einem Satz übersprungen und auf dem schmalen Flur, dicht neben der Haustüre links gelandet.

Großmutter Friedelinde, an diesem Sonntage zum Kirchgange nicht bereit „Mäie räächde Höffde brennd wie Faier“, (Mein rechtes Hüftgelenk macht mir Beschwerden. Deswegen muss ich heute auf den Kirchgang verzichten), hatte alles gehört und gemerkt.
Sie saß am Küchentisch der winzig kleinen Küche, kaum drei Meter rechts neben der alten Treppe und schnitt die Blätter einer Endivienpflanze in sehr dünne Streifen. Die Küchentüre stand offen.
Jene Blätter, schon vorgeschnitten, waren am Samstagabend, vor dem gemeinsamen Wannenbad mit Gregorius, in lauwarmes Wasser eingelegt, und gingen nunmehr ihrer Vollendung zum Sonntagsessen entgegen.
Oma Friedelinde blickte auf und kommentierte die Szene vorwurfsvoll.

Sie bemerkte ärgerlich:
„Schoo wörrer.
De ganse Doog.
Roff, robb, roof, robb.
Onn doss ohm helle Sonndoog.
Ii dem Haus ess kää Ruh ze fenne.
Äich wern noch simbelich.“
und schüttelte dabei mit dem Kopfe.
(Schon wieder dieser Lärm. Tagein, tagaus das gleiche. Die Treppe rauf und runter, rauf und runter. In diesem Hause ist keine Ruhe zu finden.
Es ist zum Verzweifeln.)
Schon in Eile öffnete er die Haustüre, zwei Treppenstufen hinunter. Die Haustüre flog hinter ihm ins Schloss.
Diese Haustüre, deren unverkennbares Geräusch beim schließen, war schon alt, sicher ein Nachkriegsmodell, bei weitem keine Schönheit. Robust aus massivem Lärchenholz in einer Art Neobiedermeierstil gefertigt. Ganz typisch für die Stilelemente der Nachkriegszeit, die nicht nur mit dem Nierentischdesign aufwartete.
Alles, was Gemütlichkeit, Biedersinn und Wohlanständigkeit ausdrücken sollte, war damals gefragt.
Der Gipfelpunkt dieser Geschmacklosigkeiten war der „Gelsenkirchener Barock.“

Damit nicht genug: Die ehemals schmucklosen Fachwerkfassaden verkleidet mit unendlich trostlosem Eternit. Die Fensteröffnungen, ehemals klein und passend, nun herausgebrochen und ersetzt durch große Einflügelfenster die mehr Licht in die Stuben bringen sollten. Wahrscheinlich sollte so eine Anpassung an die modernen Zeiten gezeigt werden. An eine städtisch kleinbürgerliche Wohnkultur der 60er und 70er Jahre.

Das Ergebnis war erbärmlich. Die letzten Reste des Ausdrucks einer dörflich bäuerlichen Lebensweise, die eigentlich immer von Sparsamkeit, Entbehrung und trotzigem Fleiß gekennzeichnet war, waren bis zur Unkenntlichkeit verbaut, verhunzt und kaputt saniert worden.
Wenn die Häuser jemals etwas von der wirklichen Identität und der eigentlichen Lebensweise ihrer Bewohner zeigten, war dies nun verschandelt und damit für immer verloren.

Das so beschriebene dörfliche Ambiente der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts begleiteten ihn auf dem Weg zur Kirche.
Von der Haustüre aus gleich links über den Hof der schon abschüssig war. Dann gleich nach rechts die ziemlich steile Dorfstraße hinunter zur Kirche, deren Turmuhr schon deutlich zu lesen war. Neunuhrachtundzwanzig, nun aber hurtig.
Auf die Beschreibung der Architektur dieser für dörfliche Verhältnisse imposanten, aus schwarzem Diabas gebauten Kirche, mag nun verzichtet werden, ist sie doch in zwei anderen Kapiteln dieser Erzählung [hier Link] hinlänglich beschrieben.
Er betrat dieses sakrale Gebäude zuerst über eine sonntags wenig befahrene Bundesstraße durch eine schmucklose Türe an der linken Turmseite. Nun zwei Meter geradeaus, dann gleich neunzig Grad wieder nach links.
Was er nun erblickte war vertraut.
Ein langer Gang direkt zum Altar hinstrebend. Der Altar, eigentlich eine große Holzkommode, grau bläulich lackiert, so wie alles hölzerne Inventar des Gotteshauses.
Eine aus weißem Linnen bestehende Altardecke, in hessischer Lochstickerei verziert.
In der Mitte ein Kruzifix. Rechtseckiger schwerer Fuß, ein Kreuz in gleicher Farbe. Der Korpus Christi in etwa hellerer Farbe. Alles wohl aus dunklem Holz gefertigt.
Der schöne Blumenschmuck, wie üblich links und rechts des Kruzifix.
Eigentlich eine Altarausstattung in lutherischer Manier.
Eine innen wie außen schlichte, grundsolide Kirchenarchitektur, nicht schön, aber auch nicht hässlich, lutherischer Prägung.
Keinesfalls die Interpretation des himmlischen Jerusalem wie sie so faszinierend manche Kirchen, Döme und Kathedralen interpretieren, die er späterhin so sehr liebte.
Gleich darüber in etwa 3 Meter vom Boden die Kanzel.
Gleiche grau bläuliche Farbe ansonsten schmucklos.
Eine schlichte deutlich lutherisch geprägte Kirchenarchitektur in Besitz und Gebrauch von einer durch und durch calvinistisch, evangelikal geprägten Gemeindeleben.
Paramente vorhanden, dem Kirchenjahr entsprechend stehts gewechselt.
Über der Kanzel ein großer grauer, nun sagen wir Wandteppich, mit einem Bibelspruch graugrün kunstvoll bestickt. Dereinst erstellt von einer Pfarrersfrau, deren Handarbeits- und Bastelkünste weithin bekannt und gerne in Anspruch genommen wurde. Den genauen Text dieses Spruches erinnert er leider nicht mehr.
Der steinerne Boden des Kirchenschiffes rechteckig in Rautenform verlegt.
Links und rechts, das wo die Kirchenbänke sich befanden, auf niedrigen Holzpodesten, verschraubt, die Besucher des Gottesdienstes.
Unten im Schiff, nur die Frauen, oben auf den Emporen nur die Männer.
Eilig entlang das Kirchenschiffs bis zum Altar Dann gleich links zur Konfirmandenbank für Knaben.
Gegenüberliegend, gut im Blick, die Konfirmandenbank für Mädchen. Sehr praktisch. Mädchen, verschämt anglotzten, nichts sagen könnend, den höhnisch arroganten Blick der Angestierten ertragend, das Vogelzeigen ertragend, erröten.
Die Erektion wahrnehmend, im Moment nichts dagegen tun könnend. Die Oberschenkel zusammenkneifend ertragen.
Eine Dauerbeschäftigung für Knaben solchen Alters.
„Hee äss i de Fleejeljoohrn“ (Er befindet sich in der Pubertät), so wurde der Zustand solcher Knaben bezeichnet.
Bei den jungen Mädchen in diesem Alter geschah so oft eine wundersame Wandlung, die ihn, immer wieder erstaunte.
Oft verging nicht mal ein halbes Jahr und aus einem ungelenken Kind, bei dem man meinte alles Äußere würde nicht zueinander passen eine wunderschöne junge Frau, bei der plötzlich wieder, im Auge des Betrachters, alles passte.
Der Gottesdienst nahm zunächst seinen üblichen lutherisch liturgischen Verlauf.
Immer dann, wenn die Liturgie gebot, die Gemeinde solle sich erheben ereignete sich Erstaunliches.
Die Gemeinde, oben die Männer, unten die Frauen,
links und rechts des Altars die Konfirmanden, erhoben sich.
Auf einen Schlag verdunkelte sich das Kircheninnere merklich. Vor allem unterhalb der durchlaufenden Empore.
Die Frauen, zu dieser Zeit noch häufig in rabenschwarzer Witwentracht. Erhoben sich, die Helligkeit im sonst lichtdurchfluteten Schiff nahm merklich ab.
Zur gleichen Zeit strömte ein neuer Duft durch Raum.
Etwas von Mottenpulver-, Pipi- saure Milch- und Kuhstallgeruch ließ sich erahnen. Erst ganz leicht und dann immer stärker. Der Duft seiner Jugend. Auch sonst, bei manchen anderen Anlässen zu vernehmen.
So auch in den kalten, dunstigen Winterabenden, wenn die alten Frauen in den niedrigen Stuben, in der Dämmerung und weit bis in die Dunkelheit hinein, zusammen saßen, die Daumen drehten, sich von den alten Zeiten erzählten und oft auch schwiegen. Ein beredtes Schweigen, oft viel mehr sagend als manches leicht dahingesprochene Wort. Von Ihrer schweren Arbeit auf dem Felde, von der Mühsal Ihres schweren Lebens, von Hunger und Not, vom Kindbettfieber, von den viel zu früh verstorbenen Säuglingen von Seuchen die Ihnen Ihre Kinder raubten, von den Brüdern, Söhnen und Ehemännern, die so vollkommen sinnlos auf den Schlachtfeldern hingeschlachtet in zwei Weltkriegen … .
Tränen, still in einer Ecke verweilend, sah er so gut wie nie, aber dieses Schweigen, daß so viel mehr über Leid, Not, Mühe und Unglück sagte als Worte es je ausdrücken können. Ja, auch dort dieser eigentümliche Geruch… .
So mancher junge Vikar, so dachte er, könne dabei vielleicht das fürchten bekommen, wenn das Kirchenschiff sich dergestalt periodisch verfinsterte.
Auf jener Konfirmandenbank sitzend gleich links an der Wand des Chores, direkt neben der Treppe zur Kanzel stand ein altes Orgelpositiv.
Alt nicht im Sinne von historisch altem Instrument.
Es war wohl eine Schenkung an die Kirchengemeinde nach dem Kriege aus Amerika, wie immer gesagt wurde.
Ein unglaublich schräg klingender Musikkasten, bei dessen Spielen ab und an einzelnen Tasten klemmten, sodass sich der gerade intonierte Ton nicht mehr abstellen ließ. Dann war der Organist, und einer der Gemeindeältesten, mit Namen Friedensreich, ein strenger Mann mit immer streng gescheiteltem silbernen Haupthaar, niemals lachend, gezwungen, das Gebläse des Instruments auszuschalten.
Er tat dies mit Hilfe eines Drehschalters aus Porzellan, der am Instrument befestigt war, was dann postwendend mit einem laut vernehmlichen PENG verbunden war.
Der klemmende intonierte Ton, es war der eingestrichene Kammerton a‘ in moderner Stimmung, blieb noch für Sekunden konstant und verabschiedete sich dann aber ebenfalls langanhaltend mit immer leiser werdendem Jaulen.
Zum Schreien komisch.
Was geschah unmittelbar danach?
Nichts.
Kein Lachen, kein Prusten.
Nichts.
Ach ja, öffentliches Lachen und sich laut freuen ist ja verboten, erinnert sich der Verfasser.
Der Gottesdienst nahm seinen liturgisch festgelegten Verlauf.
Nun zur Predigt.
Der Prediger wohnte in Waldenau, war aber seit Jahren als Missionar in Afrika unterwegs.
Ein hagerer Mann braun gebrannt, Glatze die von einem dichten schwarzen Haarkranz umrankt war.
Markantes ausdrucksstarkes Gesicht, schmale lange Nase, die eine viereckige Hornbrille trug.
Er predigte im schwarzen Anzug, weißes Hemd ohne Krawatte. Den weißen Hemdkragen hatte er sorgsam auf das Revers seines Jacketts drapiert, man konnte sich lebhaft vorstellen, daß er so gekleidet,auch in Afrika predigt.
Missionare waren zu jener Zeit sehr beliebt. Hatten sie auch noch eine schwarze Hautfarbe stiegen sie in der Beliebtheitsskala nochmals erheblich.
War ein solcher Prediger zu erwarten, redete man darüber und freute sich auf Abwechslung.
„De Sonndog kimmt enn Neejer i de Körrche“ (Am Sonntag hält ein Missionar mit schwarzer Hautfarbe den Gottesdienst), hieß es dann.
Die Predigt war dann zumeist abwechslungsreich, Geschichten, Erlebtes aus dem schwarzen Kontinent wurden erzählt um sie in den Predigttext eingebunden. Manchmal wurden auch Alltagsgegenstände mitgebracht, auch Trommeln, Schellen, Rasseln aus diesen fernen Ländern.
Manchmal wurden zum Ende des Gottesdienstes Tee Getränke aus diesen Ländern ausgeschänkt.
Immer und ausschließlich zur Verdeutlichung des Kernes der Predigtbotschaft, nie nur zum Spaß oder um den Durst zu stillen.
Man übte auch christliche Lieder aus diesen „Missionsländern“ ein.
Die fremde Sprache, der beschwingte Rhythmus, allseits beliebt und gerne mitgesungen.
Der Missionar predigte nicht von der Kanzel aus. Er tat es vor dem Altar auf dem kleinen steinernen Podest auf dem auch der hölzernen Altar seinen Platz fand.
Die Predigt war anschaulich, gut zu verstehen, erfüllt von bunten Bildern und seinen vielfältigen Erlebnissen auf dem schwarzen Kontinent.
Allmählich, es war zu spüren, redete er sich frei.
Sein Blick entspannte sich, sein Gestus, vorher eher hölzern und kantig, wurde flüssiger, passte immer besser zum Redetext.
Dann, kaum merklich, redete er immer schneller die Sätze wurden kürzer.
Ihm wurde wohl warm, fasste sich ab und an an den Hemdkragen und richtet die Krawatte.
Er hatte den Eindruck als ob sich winzige Schweißperlen auf seiner Oberlippe bildeten.
Es war als blickte zusehends in die Ferne, war ganz bei den von Ihm entwickelten Sprachbildern.

Er berichtete schlussendlich von den schwarzen Frauen, die zu den immer extatischer werdenden Trommelrhythmen tanzten, sich im immer schnelleren Tempo tanzend in Extase bewegten wild archaisch und fremd.
Dann auf dem Gipfel der Extase sich Ihre Brüste blutig kratzten………….. !
Friedensreich erstarrte, blicke still zu Boden und schüttelte dabei sein silbernes Haupt… .


Post skriptum:

Laienprediger unterschiedlicher evangelikaler Denominationen bestiegen zu jener Zeit die Kanzeln und Pulte der evangelischen Kirchen und der Gemeindehäuser. Und legten Zeugnis ab, wie es damals hieß.
Das geschah ohne besondere, nachvollziehbare Eignung für diese Aufgabe.

Eine wie auch immer geartete theologische Vorbildung gab es wohl kaum oder sie wurde unterlaufen.

Die damals oft von ihm gehörte Begründung dafür:
Studierten Theologen bekämen an den Universitäten eine Lehre verpasst, die sich nicht mehr an der reinen Lehre der Bibel orientieren würde.
Bibeltreue Verkündigung sollte sein. Alles darüber hinaus sei eine gefährliche Irrlehre. Die gelte es zu bekämpfen.
Sie bilde eine große Gefahr für alle, die sich damit beschäftigen würden.

So mancher unbefangene junge Mann, der aus so einer rechtgläubigen Gemeinde gekommen sei und sich aufgemacht habe, um ein universitäres Theologie Studium zu beginnen, sei vom rechten Glauben abgefallen.

Mit verheerenden Folgen. Der Teufel selbst habe sich mit Hilfe seiner Helfer an den Universitäten dieser armen Seele bemächtigt und sie verführt.
Nun drohe unweigerlich die ewige Verdammnis.
Es sei denn, er kehre um und schwöre der Irrlehre ab.

Dann – nur dann – sei eine erneute Aufnahme in die Gemeinschaft bibeltreuer Christen wieder möglich.

Vor dem Hintergrund einer solchen Geisteshaltung kam es jedoch gelegentlich zu Vorfällen die das Eingreifen des Kirchenältesten wie beschrieben erforderlich machte.

Warum Ehrenamt so wichtig ist


Vorlesen
Liebe Leser und Leserinnen.

Hier kommt ein Text in einfacher Sprache.
Zum Thema Ehrenamt.

Viele Mitmenschen glauben immer noch, daß Menschen mit Einschränkungen wären dumm.

Aber Dummheit was ist das eigentlich?
Ich habe lange darüber nachgedacht.
Dann habe ich ein kurzes Gedicht geschrieben.

Das ist nicht in einfacher Sprache.

Das Gedicht ist zum weiter nachdenken gemacht.

Und zum weiter-reden.

Die „Dummheit“
Dummheit die sich als Einfalt zeigt die liebe ich.
Sie nennt den Augenblick und staunt.
Fragt nicht woher fragt nicht wohin.
Ist ohne List und ohne Arg.
Sie staunet nur.
Beim ersten Staunen schon.
Da wird sie klug.
Und ahnt es nicht.

Das war mein kleines Gedicht.
Ich hoffe Es hat Euch gefallen.

Liebe Leser.
Es hat sich viel geändert.
Vor 70 Jahren in der Nazi- Zeit.
Da wurden viele tausend Menschen mit Behinderungen ermordet.

Man sagte damals.
Das ist lebens- unwertes Leben.
Wie schrecklich ist das denn?
Wie grausam.
Wie un- menschlich.

Heute gibt es schon Projekte, die es Menschen mit Behinderungen ermöglichen, selbst ein Ehren- Amt zu machen.
Für andere Menschen.
Damit es ihnen besser geht.
Ich finde das richtig Klasse.

Das Ehren- Amt ist ganz wichtig für alle.
Eine Behinderung ist kein Grund.
Da nicht mit zu machen.
Hier geht es nämlich um echte Teilhabe.
Man kann auch Inklusion dazu sagen.

Für die Mit- Bürger etwas tun.

Sich als Bürgerin und Bürger für die Gesellschaft einsetzen.

Mir geht es um Bürger- Rechte.

Das ist Martin Luther King. Er war ein Bürger- Rechtler. Er kämpfte für die Rechte von Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Er ist deswegen ermordet worden. Er ist ein Vorbild. 


Bürger- Rechte.
Was heißt das?
Menschen mit Einschränkungen sind selbstbewusste Bürger geworden.

  • Alle Menschen machen mit.
  • Alle Menschen gestalten mit.
  • Alle Menschen entwickeln mit.
  • Alle Menschen verändern etwas

Das ist Teilhabe an der Demokratie.

Es gibt schon einige Projekte bei der Lebenshilfe Lüdenscheid bei der Lebenshilfe NRW und bei der Lebenshilfe Marburg.
Diese Projekte treten für die Bürger- Rechte ein.

Da arbeiten schon viele Personen mit.
Alle sind Ehrenamtler.
Es sind Menschen mit Einschränkungen.
Und Menschen ohne Einschränkungen. Das ist auch egal.
Alle arbeiten mit.
Ich bin auch dabei.

Wir haben schon viele wichtige Dinge gemacht.
Darauf können wir alle nicht verzichten.

Wir fordern für alle Menschen
  • Mit- menschlichkeit.
  • Verantwortlichkeit.
  • Gerechtigkeit.

Jetzt sind wir bei den Grund-Rechten gelandet:
  • Beim Recht auf Versammlungs- Freiheit.
  • Beim Recht auf Vereinigungs- Freiheit.
  • Das Recht auf Ehrenamt.

Ehrenamt ist ein wichtiger Baustein für unsere Gesellschaft.

Hier geht es um die wichtigsten Ziele der Menschheit:
  • Um Frieden.
  • Um Freiheit.
  • Um ein gutes Leben für alle Menschen.
  • Um Sicherheit für alle Menschen.
  • Um Gerechtigkeit für alle Menschen

Ehren- Amt Das ist für uns:
  • Die wichtigsten menschlichen Werte zu bewahren.
  • Die Gemeinschaft für alle Menschen.
  • Die Fürsorge für alle Menschen.
  • Die Hilfs-Bereitschaft für alle Menschen. Die Hilfe brauchen.

Alle Menschen haben das Recht.
  • Das ganze Leben lang zu lernen.
  • Wir haben alle die gleichen Rechte.
  • Wir haben alle die gleichen Pflichten.

Alle Menschen dieser Welt sollen:
Ihre Zeit.
Und ihr Können einsetzen.
Sie sollenehrenamtlich arbeiten dürfen.
Damit es uns allen ein wenig besser geht.

Wir haben uns noch etwas überlegt. Bürger sein bedeutet:
  • Sich helfen lassen.
  • Sich selbst helfen.
  • Anderen helfen.

Ich will zum Schluss noch einmal sagen.
Wir:
  • Die Mitglieder.
  • Die Mitarbeiter.
  • Die Freunde.
  • Die Förderer der Lebenshilfe.
  • Wir arbeiten mit.
  • Bei den Menschen- Rechten.
  • Und bei den Bürger- Rechten.

Ganz genau darum geht es uns:
Alle Menschen egal ob mit oder ohne Einschränkungen.
Alle Menschen haben das Recht auf Ehrenamt für unsere Gesellschaft
Darum geht es uns.
Das ist uns wichtig.

Ihr Gott im weißen Haus ?


Dieser Blogbeitrag ist etwas länger als gewohnt. Bitte lesen Sie ihn zu Ende und bilden Sie sich dann eine eigene Meinung
Zum Diskurs immer gerne bereit.
Danke


Gekürzter und ergänzter Text aus: DER SPIEGEL 18.04.20

Gibt mir zu denken. Bestätigt leider meine Befürchtungen. Ich zitiere hier ohne Hähme, eher nachdenklich und auch sorgenvoll:

„Weiße Evangelikale gelten als treueste Unterstützer von US-Präsident Donald Trump – trotz seiner Affäre mit einem Pornostar. Trump hört auf sie, und viele ihrer Prediger verharmlosten das Virus zu lange… .

Pas­to­rin Whi­te, Prä­si­dent Trump am 3. Ja­nu­ar in Mia­mi: Das Chris­ten­tum auf­le­ben las­sen, be­vor die Erde un­ter­geht
Als die Co­ro­na­kri­se im Land schon in vol­lem Gan­ge ist und die Bet­ten in den New Yor­ker Kran­ken­häu­sern sich mit Men­schen fül­len, bit­tet Trumps per­sön­li­che Pas­to­rin die Mas­sen in ihre Rie­sen­kir­che in Flo­ri­da, um ge­gen das Vi­rus zu be­ten… .

IHR GOTT IM WEI­SSEN HAUS

Es ist der 15. März 2020, der »Na­tio­na­le Ge­bets­tag« für alle von der Pan­de­mie be­trof­fe­nen Men­schen im Land. Trump hat die­sen Tag aus­ge­ru­fen.

Er will, dass die Gläu­bi­gen für die Kran­ken be­ten, aber auch für die Co­ro­na-Stra­te­gie der Re­gie­rung.

Pau­la Whi­te, 53 Jah­re alt, eine Frau mit pla­t­in­blon­dem Pa­gen­kopf, schma­lem Ge­sicht und vol­len Lip­pen ist eine evan­ge­li­ka­le Chris­tin und pro­mi­nen­te Pre­di­ge­rin. Seit Ende 2019 ge­hört sie Trumps Re­gie­rung als Be­ra­te­rin an. Sie ist Teil der »Glau­bens­in­itia­ti­ve« des Prä­si­den­ten, sie soll Wäh­ler für ihn re­kru­tie­ren. Wie schon 2016 ist Trump auch dies­mal dar­auf an­ge­wie­sen, dass die rech­ten Chris­ten zur Wahl ge­hen und für ihn stim­men.

Jetzt steht Whi­te im schwar­zen Busi­ness­kos­tüm und auf High Heels am Pult ih­rer Kir­che »City of De­sti­ny«. Ein ka­bel­lo­ses Mi­kro­fon ragt ne­ben ih­rem Ohr her­vor. In ei­nem Vi­deo ih­res Auf­tritts sieht man sie auf der Büh­ne die Hän­de em­por­he­ben, von küh­lem Ne­on­licht be­strahlt.

Whi­te ruft: »Wenn ein zi­vi­ler Füh­rer von gro­ßer Au­to­ri­tät die Kir­che an­ruft und sie bit­tet, zu be­ten und zu fas­ten, dann kön­nen wir nicht auf un­se­ren Stüh­len sit­zen blei­ben und tun, als wäre es ein ge­wöhn­li­cher Sonn­tag.« Sie meint Trump.

Das Vi­rus sei »eine Pla­ge«, ruft sie von der Büh­ne – ver­gleich­bar mit den Pla­gen aus der Bi­bel. Chris­ten soll­ten für ein Ende der Pan­de­mie be­ten. Wer Geld an ihre Kir­che spen­de, sagt sie we­nig spä­ter in ei­nem an­de­ren Vi­deo­auf­tritt, wer­de Wohl­stand und Ge­sund­heit auf Er­den er­lan­gen.

Do­nald Trump stützt sich auf die Wäh­ler­grup­pe der Evan­ge­li­ka­len wie auf kaum eine an­de­re. Ein Vier­tel der Ame­ri­ka­ner zählt sich zu ei­ner der evan­ge­li­ka­len Kir­chen, rund 50 Mil­lio­nen von ih­nen sind weiß. Was die Glau­bens­ge­mein­schaft – eine theo­lo­gi­sche Rich­tung in­ner­halb des Pro­tes­tan­tis­mus – zu­sam­men­hält, ist ihre wört­li­che Aus­le­gung der Bi­bel, der Glau­be an die na­hen­de End­zeit und an die per­sön­li­che Be­zie­hung zwi­schen den Gläu­bi­gen und Je­sus Chris­tus; vie­le nen­nen sich des­halb »wie­der­ge­bo­re­ne Chris­ten«.

Sehr vie­le Evan­ge­li­ka­le ver­trau­en zu­dem auf Do­nald Trump. Im Jahr 2016 ha­ben 81 Pro­zent der wei­ßen Evan­ge­li­ka­len für Trump ge­stimmt. Und 77 Pro­zent von ih­nen sind mit der Ant­wort des Prä­si­den­ten auf die Co­ro­na­kri­se zu­frie­den.

Wie Trump spiel­ten auch vie­le evan­ge­li­ka­le Pre­di­ger das Vi­rus an­fangs her­un­ter. Ein Pre­di­ger er­zähl­te, wie Gott ihn nachts auf­ge­weckt und ihm ge­sagt habe: »Die­ses Vi­rus ist nichts.« Ein an­de­rer be­zeich­ne­te es gar als Sün­de, sich vor Co­ro­na zu fürch­ten.

Als der Prä­si­dent im März noch sei­ne Vi­si­on von »voll­ge­pack­ten Kir­chen im gan­zen Land« bis »Os­tern« äu­ßer­te, für die er von vie­len mas­siv kri­ti­siert wur­de, woll­te er wohl ins­be­son­de­re auch sei­ner re­li­giö­sen Ba­sis ge­fal­len.

Seit Ende der Sech­zi­ger­jah­re ha­ben Evan­ge­li­ka­le mehr­heit­lich re­pu­bli­ka­nisch ge­wählt, ins­be­son­de­re der frü­he­re Prä­si­dent Ro­nald Rea­gan such­te wie kein Po­li­ti­ker vor ihm die Nähe zur Be­we­gung.

Doch im Fall von Do­nald Trump warf die christ­li­che Un­ter­stüt­zung schon im­mer Fra­gen auf. Die Al­li­anz zwi­schen rech­ten Chris­ten und ka­pi­ta­lis­ti­schem Le­be­mann wirkt nicht ge­ra­de na­tür­lich. Schließ­lich han­delt Trump re­gel­mä­ßig ent­ge­gen christ­li­cher Wer­te, sein Le­bens­wan­del ist mo­ra­lisch al­les an­de­re als ein­wand­frei. Doch nicht ein­mal die Af­fä­re um den Por­no­star Stor­my Da­ni­els hat die Al­li­anz zwi­schen dem Prä­si­den­ten und der re­li­giö­sen Rech­ten zer­stört. Das liegt mit dar­an, dass noch kein US-Prä­si­dent so vie­le po­li­ti­sche Fak­ten schaff­te, die im In­ter­es­se der re­li­giö­sen Wäh­ler lie­gen.

Seit Be­ginn sei­ner Amts­zeit hat Trump zwei streng kon­ser­va­ti­ve Rich­ter am Obers­ten Ver­fas­sungs­ge­richt ein­ge­setzt, wei­te­re könn­ten fol­gen – und ei­nes Ta­ges das Recht auf Ab­trei­bung kip­pen. Dut­zen­de Pos­ten an Ge­rich­ten ver­gab er an jün­ge­re kon­ser­va­ti­ve Hard­li­ner.

Trump spricht sich nicht nur ge­gen Ab­trei­bun­gen aus, er sprach auch als ers­ter US-Prä­si­dent im Fe­bru­ar beim so­ge­nann­ten March for Life, der Pa­ra­de der Ab­trei­bungs­geg­ner. Kurz dar­auf prä­sen­tier­te er ei­nen Nah­ost­plan, der Je­ru­sa­lem zur is­rae­li­schen Haupt­stadt macht – was auch stets ein Ziel der evan­ge­li­ka­len Be­we­gung war.

Trumps Re­gie­rung ist eine der re­li­giö­ses­ten der jün­ge­ren US-Ge­schich­te. Et­li­che Mi­nis­ter, wie Au­ßen­mi­nis­ter Mike Pom­peo, Bil­dungs­mi­nis­te­rin Bet­sy De­Vos und Vi­ze­prä­si­dent Mike Pence, sind evan­ge­li­ka­le Chris­ten. Ka­bi­netts­mit­glie­der fin­den sich zum wö­chent­li­chen Bi­bel­kreis im Wei­ßen Haus zu­sam­men – das gab es zu­letzt in der Art vor hun­dert Jah­ren.

Die US-Au­to­rin und Re­li­gi­ons­ex­per­tin Ka­the­ri­ne Ste­wart, die die Be­we­gung seit Lan­gem be­ob­ach­tet, schreibt in der »New York Times«: Die Evan­ge­li­ka­len sei­en mit für Trumps in­kom­pe­ten­tes Re­gie­rungs­per­so­nal ver­ant­wort­lich, das sich für die In­ter­es­sen der re­li­giö­sen Rech­ten stark­ma­che, aber kei­ne Pan­de­mie ma­na­gen kön­ne. »Do­nald Trump ist mit der ent­schie­de­nen Hil­fe ei­ner Be­we­gung an die Macht ge­kom­men, die Wis­sen­schaft ab­lehnt, Re­gie­rung ver­ach­tet und Loya­li­tät über pro­fes­sio­nel­le Ex­per­ti­se stellt.«

Die­se Leu­te woll­ten Ame­ri­ka in eine »ima­gi­nier­te Ver­gan­gen­heit« zu­rück­füh­ren, in der das Land kon­ser­va­tiv christ­lich ge­we­sen sei. Ste­wart hält die­se Ent­wick­lung für de­mo­kra­tie­ge­fähr­dend. »Wir se­hen eine au­to­ri­tä­re Iden­ti­täts­kam­pa­gne, die kei­ner­lei Re­spekt vor der Tren­nung von Staat und Kir­che hat.« Plu­ra­lis­ti­sche Wer­te, die Ame­ri­ka ge­tra­gen hät­ten, lehn­te die Be­we­gung ab. In der Co­ro­na­kri­se wird das ex­trem ge­fähr­lich.
Wer die Be­we­gung ver­ste­hen will, muss zu­rück in den Fe­bru­ar zoo­men, in eine evan­ge­li­ka­le Me­ga­kir­che in Mia­mi. Dort, auf ei­nem spi­ri­tu­el­len Kon­gress, er­zählt Pau­la Whi­te die Ge­schich­te ei­nes ver­lo­re­nen Mäd­chens aus ei­nem Trai­ler­park, das Trump mit Gott zu­sam­men­brach­te und spä­ter sei­ne re­li­giö­se Be­ra­te­rin wur­de. Es ist ihre ei­ge­ne Ge­schich­te.
Whi­te steht auf ei­ner Büh­ne im In­nern der Me­ga­kir­che, das Schein­wer­fer­licht lässt ih­ren blon­den Pa­gen­kopf im Halb­dun­kel leuch­ten. Tau­sen­de Gläu­bi­ge ju­beln ihr zu.
»Mein Va­ter hat sich um­ge­bracht, als ich fünf Jah­re alt war«, er­zählt sie. Whi­te wur­de als Kind se­xu­ell miss­braucht, ver­nach­läs­sigt von der al­ko­hol­kran­ken Mut­ter. Die Schul­ka­me­ra­den nann­ten sie »trai­ler trash«, »Müll aus dem Trai­ler­park«.

Whi­te lern­te Gott ken­nen, wie sie sagt, und be­gann die Bi­bel zu le­sen. Pas­to­ren wur­den auf sie auf­merk­sam. Bald trat sie im Re­gio­nal­fern­se­hen auf. Nach ei­nem die­ser Auf­trit­te 2002 habe sich »ein Mis­ter Trump« ge­mel­det. Trump be­sitzt ein An­we­sen in Palm Beach in Süd­flo­ri­da.

»Du bist fan­tas­tisch!«, habe er in den Hö­rer ge­brüllt. »Du hast den It-Fak­tor!«

Whi­te lä­chelt. »Das heißt Sal­bung, Sir«, habe sie ihm ge­sagt. Nach­dem sie auf­ge­legt hat­te, habe Gott zu ihr ge­spro­chen und ihr den Auf­trag er­teilt, Trump zu hel­fen. »Ich führ­te den Auf­trag aus, ohne zu wis­sen, dass je­ner Mann, dem ich hel­fen soll­te, Gott ken­nen­zu­ler­nen, Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten wer­den wür­de!«, ruft sie. Die Men­ge johlt.

Die Ge­schich­te ist per­fekt: Pau­la Whi­te, das Bin­de­glied zwi­schen Gott und dem US-Prä­si­den­ten. In den Jah­ren da­nach wird Whi­te Trumps per­sön­li­che Pas­to­rin.

Trump be­zeich­net sich selbst als pres­by­te­ria­nisch, gibt sei­nen Lieb­lings­vers in der Bi­bel mit »Auge um Auge, Zahn um Zahn« an und ver­wech­sel­te ein­mal ein Ta­blett, auf dem die Kom­mu­ni­on ge­reicht wird, mit ei­nem Tel­ler für die Kol­lek­te.

Gläu­bi­ge Beigh­tol (M.) mit El­tern »Eine Prü­fung für uns Chris­ten«
Whi­te ge­hört der »Pro­spe­ri­ty Gos­pel« an, ei­ner Rand­er­schei­nung des Evan­ge­li­ka­lis­mus, die ge­gen Spen­de Wohl­stand auf Er­den ver­spricht. Ein ziem­lich ka­pi­ta­lis­ti­sches Re­li­gi­ons­ver­ständ­nis also, das auch un­ter Evan­ge­li­ka­len um­strit­ten ist, aber zum Im­mo­bi­li­en­un­ter­neh­mer Trump her­vor­ra­gend zu pas­sen scheint.

Sie kauf­te nach dem An­ruf ein Apart­ment in sei­nem Haus in der New Yor­ker Park Ave­nue und be­such­te sei­ne Show »The App­ren­ti­ce«. Er nahm an ih­ren Bi­bel­krei­sen teil, die sie ge­le­gent­lich in New York lei­te­te. 2016, und auch jetzt wie­der, hilft sie ihm im Wahl­kampf.

»The Su­perna­tu­ral Mi­nis­try School« heißt der drei­tä­gi­ge Kon­gress, auf dem Whi­te An­fang Fe­bru­ar auf­tritt. Die Me­ga­kir­che »King Je­sus In­ter­na­tio­nal Mi­nis­try« im Sü­den Mia­mis ist von Pal­men um­ge­ben. In ih­rem In­nern fin­den 7000 Men­schen Platz.

Hier lässt sich wäh­rend ei­ner sechs­stün­di­gen End­zeit­pre­digt er­le­ben, wie schein­bar der Hei­li­ge Geist in Gläu­bi­ge fährt und sie zu ei­nem Knall aus ei­ner Sound­ma­schi­ne zu Bo­den ge­hen. Pre­di­ger be­rich­ten von Ka­ri­es­zäh­nen, die sich in Gold ver­wan­deln. Pau­la Whi­te sam­melt am Ende ih­res Auf­tritts Schecks ein, da­für ver­spricht sie See­len­heil.

Aber kurz vor Be­ginn des Wahl­jahrs 2020 er­lebt die Al­li­anz zwi­schen Trump und den Evan­ge­li­ka­len eine Er­schüt­te­rung. Das kon­ser­va­ti­ve Ma­ga­zin »Chris­tia­ni­ty To­day« ver­öf­fent­lich­te Ende De­zem­ber ein Edi­to­ri­al, in dem der Chef­re­dak­teur Trumps Ab­set­zung for­der­te. Schock­wel­len gin­gen lan­des­weit durch die Kir­chen.

Schon län­ger wen­den sich jun­ge und ge­bil­de­te Evan­ge­li­ka­le von Trump ab. Nach Pau­la Whi­tes Schul­ter­schluss mit dem Prä­si­den­ten sol­len schwar­ze Gläu­bi­ge in Scha­ren aus ih­rer Ge­mein­de ge­flo­hen sein. Muss Trump um sei­ne Wäh­ler fürch­ten?

Am 3. Ja­nu­ar 2020, kurz nach Er­schei­nen des kri­ti­schen Ar­ti­kels, stand er selbst in der Me­ga­kir­che in Mia­mi. 5000 Chris­ten wa­ren da. Wohl wis­send, dass es zu­erst die La­ti­nos und Schwar­zen sein könn­ten, die sich ab­wen­den, ver­kün­de­te Trump den Start sei­ner Kam­pa­gne »Evan­ge­li­ka­le für Trump« im »King Je­sus Mi­nis­try« in der Stadt Mia­mi, wo vor al­lem La­ti­nos le­ben.

Trump rief: »Evan­ge­li­ka­le Chris­ten je­der Glau­bens­rich­tung und Gläu­bi­ge je­der Re­li­gi­on hat­ten nie ei­nen grö­ße­ren Un­ter­stüt­zer im Wei­ßen Haus als ihr jetzt!« Er sprach über die an­geb­li­che Wie­der­be­le­bung des Aus­drucks »Mer­ry Christ­mas« in Ame­ri­ka, die er sich selbst zu­schreibt.

»Wir wer­den ge­win­nen«, sag­te Trump.

»Wir ha­ben Gott an un­se­rer Sei­te.«

Pre­di­ge­rin Pau­la Whi­te stand am 3. Ja­nu­ar in Trumps Nähe und be­te­te. An die­sem Tag ent­stand ein Foto, auf dem sie und an­de­re Evan­ge­li­ka­le Trump be­rüh­ren, als bär­ge sein Kör­per et­was Hei­li­ges.

Evan­ge­li­ka­le bei Got­tes­dienst am 5. Fe­bru­ar in Mia­mi: »Ka­ri­es­zäh­ne in Gold ver­wan­deln«
»Die Evan­ge­li­ka­len ha­ben Trump ihre Loya­li­tät ge­schenkt, ohne an­zu­er­ken­nen, dass er mo­ra­li­sche Pro­ble­me hat«, sagt Mark Gal­li in sei­nem Haus in Chi­ca­go.

Der 67-Jäh­ri­ge war ein­mal Pas­tor und ar­bei­te­te 30 Jah­re lang als Jour­na­list. Beim kon­ser­va­ti­ven, evan­ge­li­ka­len Ma­ga­zin »Chris­tia­ni­ty To­day« war er Chef­re­dak­teur. Er hat den Leit­ar­ti­kel ver­fasst, der wie eine Bom­be ein­schlug.

»Chris­tia­ni­ty To­day« gilt als Flagg­schiff der Evan­ge­li­ka­len. Es wur­de 1956 von Bil­ly Gra­ham ge­grün­det, der eng mit Prä­si­dent Ei­senhow­er war. Die Le­ser sind ge­mä­ßigt, das Heft bis­lang we­nig kon­tro­vers.

»Trump soll­te aus dem Amt ent­fernt wer­den«, schrieb Gal­li am 19. De­zem­ber 2019. Er be­schreibt Trump als »mo­ra­lisch ver­lo­ren«. Das Im­peach­ment-Ver­fah­ren be­wei­se, dass er das Amt des Prä­si­den­ten be­schä­digt habe. Sei­ne Ab­set­zung müs­se er­fol­gen aus ei­ner »Loya­li­tät ge­gen­über dem Schöp­fer der Zehn Ge­bo­te«.

Gal­li sitzt in sei­nem Wohn­zim­mer­ses­sel, in der Hand eine Tas­se Tee. Ein nach­denk­li­cher Mann mit sta­bi­len Wer­ten, der gern Flie­gen­fi­schen geht und Bier braut. Ei­gent­lich woll­te er jetzt sei­ne Ren­te ge­nie­ßen, statt­des­sen war er ge­ra­de für ein Fern­seh­in­ter­view in Ka­na­da, hat mit al­len gro­ßen US-Me­di­en ge­spro­chen, als Nächs­tes kommt eine TV-Crew aus Ja­pan vor­bei.

Sie alle wol­len wis­sen, wie er es als Evan­ge­li­ka­ler wag­te, Trump zu kri­ti­sie­ren. Gal­li er­in­nert sich an den Mor­gen, an dem er über­leg­te, ob man das Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren über­haupt kom­men­tie­ren soll­te.

Drei Jah­re lang hat­te Gal­li da­mit ver­bracht, die evan­ge­li­ka­len Un­ter­stüt­zer des Prä­si­den­ten zu ver­ste­hen. Er sah mit Be­sorg­nis, wie kon­ser­va­ti­ve und li­be­ra­le Chris­ten im­mer öf­ter dar­über strit­ten, wer ein rich­ti­ger Christ sei. Als Gal­li sei­ne rech­ten Be­kann­ten nach ih­rer Mei­nung zum Im­peach­ment frag­te, sag­te ei­ner nach dem an­de­ren: »Eine Ver­schwö­rung der De­mo­kra­ten.« Gal­li schrieb sei­nen Text.

Kurz nach der Ver­öf­fent­li­chung brach die In­ter­net­sei­te von »Chris­tia­ni­ty To­day« zu­sam­men. Ein Pro­test­sturm er­reich­te die Re­dak­ti­on. Aber es gab auch et­li­che Le­ser, die er­leich­tert wa­ren.

Knapp zwei Wo­chen spä­ter sah Gal­li Trumps Auf­tritt in der Me­ga­kir­che in Mia­mi. Die Ver­göt­te­rung durch sei­ne An­hän­ger sei »göt­zen­haft« ge­we­sen. In den Ge­be­ten des »Pro­spe­ri­ty Gos­pel« wur­den die Fein­de Trumps »sa­ta­nisch« ge­nannt.

»Ich war schon im­mer sen­si­bel für Spra­che«, sagt Gal­li. Vie­le Chris­ten hät­ten den Sound von Trump über­nom­men. Da­bei gehe es in et­li­chen Bi­bel­ver­sen dar­um, »mit wel­cher Zun­ge Men­schen spre­chen«.

Jetzt, in der Co­ro­na­kri­se, sagt Gal­li An­fang April am Te­le­fon, wie­der­ho­le sich die Ge­schich­te. »Die evan­ge­li­ka­le Rech­te ver­harm­lost das Vi­rus. Sie den­ken, wenn man die Kir­chen schließt, zei­ge das ei­nen man­geln­den Glau­ben an Gott«, so Gal­li.

Wer sich schüt­ze, wer­de als schlech­ter Christ ge­brand­markt. »Wer krank wird, hat eben nicht ge­nug ge­glaubt.« Das Miss­trau­en ge­gen­über der Wis­sen­schaft und ge­gen­über Au­to­ri­tä­ten, die ihre fun­da­men­ta­len Glau­bens­sät­ze in­fra­ge stel­len, sei ein gro­ßes Pro­blem.

In ei­ner der äl­tes­ten Me­ga­kir­chen Ame­ri­kas, der First Bap­tist Church Dal­las, mit 13 000 Mit­glie­dern er­scheint bei ei­ner Sonn­tags­mes­se im Fe­bru­ar auf der zen­tra­len Lein­wand Trumps Kon­ter­fei. Ein Be­such sei­ner ehe­ma­li­gen Pres­se­spre­che­rin, Sa­rah Hu­ck­a­bee San­ders, wird an­ge­kün­digt. Pas­tor Ro­bert Jef­fress wird sie in­ter­view­en. Er ist ei­ner der pro­mi­nen­tes­ten evan­ge­li­ka­len Trump-Un­ter­stüt­zer.

Der Cam­pus, auf dem die Kir­che steht, hat 130 Mil­lio­nen US-Dol­lar ge­kos­tet. Der Got­tes­dienst dar­in gleicht mit sei­nem Chor und sei­nen Li­ve­t­au­fen in ei­nem pool­ar­ti­gen Be­cken ei­ner Mi­schung aus Mu­si­cal und Bi­bels­e­mi­nar. Vor al­lem äl­te­re wei­ße Te­xa­ne­rin­nen und Te­xa­ner sind ge­kom­men. Hier im so­ge­nann­ten Bi­b­le Belt ist die Un­ter­stüt­zung für den Prä­si­den­ten rie­sig. 2014 be­zeich­ne­ten sich 31 Pro­zent al­ler Te­xa­ner als Evan­ge­li­ka­le.

»Ich bin ein Freund des Prä­si­den­ten.«

Ro­bert Jef­fress lä­chelt. Der 64-Jäh­ri­ge trägt ei­nen schwar­zen Na­del­strei­fen­an­zug, dazu eine Trump-rote Kra­wat­te. Er war­tet nach dem Got­tes­dienst in ei­nem Hin­ter­zim­mer, reicht freund­lich die Hand. Jef­fress ist der ers­te Pas­tor, der Trump 2016 in den Vor­wah­len un­ter­stütz­te. Über sei­ne Auf­trit­te beim kon­ser­va­ti­ven TV-Sen­der Fox-News, sei­ne TV-Show »Pa­thway to Vic­to­ry«, sei­ne Ra­dio­sen­dung und Pre­dig­ten er­reicht er ein Mil­lio­nen­pu­bli­kum.

Zwei Mo­na­te spä­ter, zu Be­ginn der Co­ro­na­kri­se, soll­te er sich wei­gern, sei­ne Kir­che zu schlie­ßen.

War­um ist Trump un­ter Gläu­bi­gen so er­folg­reich?

»Po­li­ti­sche Ent­täu­schung«, sagt Ro­bert Jef­fress. Trump sei der ers­te Prä­si­dent, der wirk­lich et­was für die Evan­ge­li­ka­len tue.

»Sein Be­kennt­nis zur Pro-Life-Be­we­gung, sein Ein­satz für Re­li­gi­ons­frei­heit« und sei­ne »Un­ter­stüt­zung für Is­ra­el« – das elek­tri­sie­re die evan­ge­li­ka­le Ge­mein­de.

Vor Trump hat­te Jef­fress oft Hoff­nung in an­de­re Po­li­ti­ker ge­setzt. Er stimm­te einst für den De­mo­kra­ten Jim­my Car­ter, der sich selbst als wie­der­ge­bo­re­nen Chris­ten be­zeich­ne­te, Jef­fress aber ent­täusch­te. Er folg­te dem Re­pu­bli­ka­ner Ro­nald Rea­gan, der die Evan­ge­li­ka­len be­son­ders fest um­arm­te. Doch aus den Ver­spre­chen, die sie wäh­rend der Kam­pa­gnen ga­ben, so sieht es Jef­fress, wur­de sel­ten Po­li­tik.

Trump fand eine evan­ge­li­ka­le Ge­mein­de vor, die zwar noch re­pu­bli­ka­nisch wäh­len woll­te, aber Er­nüch­te­rung emp­fand. Er schwang sich zu ih­rem Ret­ter auf. Jef­fress bot ihm die vol­le Un­ter­stüt­zung an. Heu­te be­tet er mit Trump, be­rät ihn in Glau­bens­fra­gen. An Os­tern hat­te Trump an­ge­kün­digt, sich in sei­ne Mes­se ein­zu­schal­ten.

Ehe­ma­li­ger Pas­tor Gal­li Miss­trau­en ge­gen­über Au­to­ri­tä­ten
Als Trump einst droh­te, Nord­ko­rea aus­zu­lö­schen, schrieb Jef­fress in ei­nem Ar­ti­kel, dass er als Herr­scher das Recht dazu habe und zi­tier­te ei­nen Bi­bel­vers.

Trump, sagt Jef­fress, bie­te den Evan­ge­li­ka­len die Ge­le­gen­heit, das Chris­ten­tum noch ein­mal auf­le­ben zu las­sen, be­vor die Erde un­ter­ge­he. Wie die meis­ten Evan­ge­li­ka­len glaubt Jef­fress an die End­zeit. »Un­se­re Welt wird je­den Tag gott­lo­ser. Der Kurs der Erde geht ab­wärts.« So be­schrei­be es die Schrift, be­vor Je­sus auf die Erde zu­rück­keh­re.

»Ich weiß nicht, wann er kommt«, sagt Jef­fress. »Ob nächs­tes Jahr oder ir­gend­wann im 21. Jahr­hun­dert.« Wenn es so weit sei, wer­de er jene mit ins Pa­ra­dies neh­men, die ihn als Ret­ter an­er­kann­ten. Die an­de­ren schmor­ten in der Höl­le. Trumps Re­gie­rungs­zeit er­mög­li­che es den Gläu­bi­gen jetzt, »mög­lichst vie­le See­len zu ret­ten«, be­vor al­les Ir­di­sche ver­lö­sche.

An­fang März hielt Jef­fress eine Pre­digt mit dem Ti­tel: »Ist das Co­ro­na­vi­rus eine Stra­fe Got­tes?« Die Apo­ka­lyp­se und das Vi­rus lie­gen für ihn eng bei­ein­an­der. »Alle Na­tur­ka­ta­stro­phen sind letzt­lich auf Sün­den zu­rück­zu­füh­ren«, sag­te er.

Dass Trump als Boll­werk ge­gen den Nie­der­gang des Glau­bens wir­ken soll, er­scheint ab­surd. Doch es hat mit der Li­be­ra­li­sie­rung der Ge­sell­schaft zu tun. Vie­le Chris­ten füh­len sich un­wohl, wenn wäh­rend der Su­per­bowl-Über­tra­gung halb nack­te Frau­en er­schei­nen, gleich­ge­schlecht­li­che Ehen vie­ler­orts zum All­tag ge­hö­ren. Jetzt kommt die Angst vor dem Co­ro­na­vi­rus hin­zu.

2020 wer­de Trump ein noch hö­he­res Er­geb­nis ein­fah­ren, pro­phe­zeit Jef­fress.

We­ni­ger als 20 Pro­zent der Evan­ge­li­ka­len ent­schie­den sich 2016 ge­gen Trump. Stu­di­en be­le­gen, dass wei­ße, evan­ge­li­ka­le Ju­gend­li­che ge­nau­so häu­fig für ihn stimm­ten wie ihre El­tern oder Groß­el­tern. Ihre Po­si­tio­nen, was Ab­trei­bung be­trifft, un­ter­schie­den sich kaum von­ein­an­der.

Wie aber geht es Gläu­bi­gen, die nach ei­ner Al­ter­na­ti­ve zu Trump su­chen?

An der West­küs­te Flo­ri­das, auf Mar­co Is­land, ste­hen von Pal­men um­ge­be­ne Vil­len, hin­ter de­nen Swim­ming­pools glit­zern. Hier wohnt eine jun­ge Evan­ge­li­ka­le, die in ih­rer kon­ser­va­ti­ven Ge­mein­de oft er­lebt hat, wie gläu­bi­ge Chris­ten an Trump zwei­fel­ten und am Ende doch ver­such­ten, sich ihn schön­zu­re­den.

Alex­an­dria Beigh­tol sitzt bar­fuß auf ei­nem aus­la­den­den Sofa in ih­rer Vil­la, zwei Au­to­stun­den von Mia­mi ent­fernt. Ihre El­tern, mit de­nen sie hier lebt, sind Ab­trei­bungs­geg­ner. Der Va­ter Arzt, die Mut­ter ver­treibt Kos­me­tik­pro­duk­te im Netz, wo­bei Beigh­tol, 24, ihr hilft.

»Alle in un­se­rer Kir­che wäh­len Trump«, er­zählt sie. »Wer sich un­wohl fühlt, sagt, dass Gott den Prä­si­den­ten als Prü­fung für uns Chris­ten ge­schickt habe.« Die Bi­bel be­sa­ge, dass es schon im­mer schreck­li­che Män­ner aus­zu­hal­ten gab, die am Ende für das Wohl der Gläu­bi­gen sorg­ten.

Die ei­nen mei­nen, Trump sei wie je­ner wil­de Mann Jehu, den Gott ein­setzt, um die Stadt Jes­re­el zu be­frei­en. Die an­de­ren ver­glei­chen ihn mit dem per­si­schen Kö­nig Ky­rus, der das Ge­setz miss­ach­te, aber die ver­trie­be­nen He­brä­er wie­der nach Je­ru­sa­lem hol­te. Beigh­tol hör­te von Abra­ham, der ge­zwun­gen wor­den sei, sei­nen Sohn zu op­fern, um sei­ne Loya­li­tät zu Gott zu be­wei­sen. »Vie­le glau­ben, dass sie an Trump fest­hal­ten müs­sen, um zu be­wei­sen, dass sie ech­te Chris­ten sind.«

Bis vor we­ni­gen Jah­ren sei­en ihre ei­ge­nen Über­zeu­gun­gen ty­pisch re­pu­bli­ka­nisch und na­tio­na­lis­tisch ge­we­sen. Sie habe so­gar et­was ge­gen Mus­li­me ge­habt.

Zwei­fel ka­men erst auf, als Beigh­tol auf das Blog der in­zwi­schen ver­stor­be­nen, li­be­ra­len Evan­ge­li­ka­len Ra­chel Held Evans stieß. Sie brach­te vie­le jun­ge Evan­ge­li­ka­le dazu, ihre Wer­te zu über­prü­fen.

Beigh­tol, de­ren Mut­ter aus Tri­ni­dad stammt, las den Blog heim­lich. »Ich frag­te mich, was Pro Life be­deu­tet, au­ßer vor Ab­trei­bungs­kli­ni­ken zu pro­tes­tie­ren«, er­zählt sie. Sie mach­te sich Ge­dan­ken über die Gleich­wer­tig­keit al­ler Men­schen, und über Müt­ter­sterb­lich­keit. Ihr Pro-Life-Be­griff wei­te­te sich aus. »Trump wäh­len wür­de ich nie«, sagt Beigh­tol.

Am Te­le­fon An­fang April sagt sie, die evan­ge­li­ka­le Welt sei auch jetzt, in der Co­ro­na­kri­se, ge­spal­ten. Vie­le Evan­ge­li­ka­le hiel­ten das Vi­rus für eine Prü­fung. »New York wer­de des­halb so hart ge­trof­fen, weil es ein solch li­be­ra­ler Staat sei und de­mü­ti­ger wer­den sol­le«, er­in­nert sich Beigh­tol an die Wor­te ei­ner gläu­bi­gen Freun­din.

Doch vie­le Evan­ge­li­ka­le näh­men die Be­dro­hung auch ernst und ver­hiel­ten sich ent­spre­chend. Sie ver­stün­den, dass Co­vid-19 für eine Art »Ent­hül­lung« sor­ge, ei­nen gött­li­chen Weck­ruf.

»Wir ha­ben jetzt Ge­le­gen­heit, uns zu über­le­gen, wie wir un­se­re Erde be­han­deln«, sagt Beigh­tol… .“


Zum Jahreswechsel – In eigener Sache

Liebe LeserInnen
Zu Beginn des Jahres halte ich es für richtig und auch für geboten einige Sätze an Sie zu richten:
Fast alle Erzählungen die ich auf meinem Blog veröffentliche beziehen sich auf selbst Erlebtes aus den vergangenen, nun sagen wir 50 Jahren.

Es liegt keinesfalls in der Absicht des Verfassers, einzelne Personen bloßzustellen oder sie in Ihrer Lebenweise, Ihrer Lebenseinstellung, Ihrer Überzeugung oder Ihrer religiösen Auffassung zu kritisieren oder gar parteiisch zu bewerten.

Im Gegenteil

Der Verfasser schreibt hier vor dem Hintergrund einer großen Zuneigung und Liebe gegenüber den Menschen, Ihrer Lebensweise und der Art und Weise wie sie Ihr Leben gestalten, wie Sie ihr Leben bewältigen, ist er doch höchstselbst ein Kind dieser Region, dort geboren, zu Schule gegangen, Herangewachsen, Familie gegründet und immer noch gerne dort lebend.

Wichtig ist ihm Dinge zu beschreiben, die er so empfunden, er so erlebt hat und welche Rückschlüsse er daraus für sein eigenes Leben gezogen hat.
Dabei bemüht er sich durch sprachliche Überzeichnungen, humorvolle und satirische Stilelemente, seine Leser zu interessieren und zu unterhalten.
Das Alltägliche zu beschreiben, Einzelheiten zu erkennen zu deuten und in einen größeren Zusammenhang zu bringen ist eine Leidenschaft die den Verfasser steht’s erfasst, wenn er zu schreiben beginnt.

Ist er doch davon überzeugt, daß sich im Kleinen die das Große verbirgt und das im Großen stehts die Essenz aus dem Kleinen zu finden ist.

Heinrich Heine: „Denk ich an Deutschland in der Nacht…“

Nichts aber auch überhaupt nichts liegt ihm daran eine „heimattümelnden“ kitschigen Wiedersprüche nivellierende Erzählweise zu pflegen, die subjektiv empfundene Wiedersprüche, Ungleichheiten sowie Benachteiligungen zukleistert oder gar leugnet.

Die Schmiede der Familie Simon aus der Fernsehserie Heimat

Im Gegenteil

Die Meinung des Verfassers, bezogen auf das Thema Heimat wird wohl am deutlichsten durch den Blog-Beitrag:

Deutsch nicht dumpf ?

deutlich.

Für 2020 wünsche ich allen meines Blogs LeserInnen Gesundheit und Frieden.

Kurt Tucholsky „Ja ich liebe dieses Land…“

Wo ist das wahre Leben?

S und C gewidmet

Wo ist das wahre Leben?
In den Bankpalästen die sich in den Himmel erheben?
In den angesagten Szene-Kneipen?
Auf den Börsenparketten an der Wallstreet, in Tokio, New York oder Frankfurt?
In den Konzernzentrale, bei den Shareholder value Fetischisten, mit deren Gier nach Geld und Macht?
In den Fitness Palästen?
In den Kliniken für kosmetische Chirurgie?

Ich glaube nicht

Das wahre Leben findet ihr in den Kinderzimmern.
Auf den Wickelkommoden.
In den Armen von Müttern und Vätern die Ihre Babys hingebungsvoll liebkosen.
In den durchgewachten Nächten, mit Kindern die nicht aufhören zu weinen.
Erbrochenes beseitigt.
Popos gereinigt immer und immer wieder.
In die Arme genommen.
Singend gewiegt.
Vor Erschöpfung tiefe Täler aus Sorge um ihre Kinder und um sich selbst durchschreitend.

Dennoch nicht aufgeben zu lieben
Dennoch hoffen
Dennoch Zuversicht

Die Augen ihrer Kinder
So offen
So wissen wollend
So tief
So arglos
So grenzenlos Vertrauen schenkend
So freudig
So verletzlich
So klug
So zu zuversichtlich
So schnell von Tränen überquellend
wegen Nichtigkeiten die keine Nichtigkeiten sind

Augen die von allem künden was den Mensch zum Menschen macht.

Wenn man sie nur lässt.

EHRLICH SEIN

Ein Beitrag in einfacher Sprache

Populismus sind einfache Antworten.

Auf sehr schwere Fragen.

Populismus machen Politiker wenn sie:

Zu den Bürgern un- ehrlich sind.

Den Bürgern Lösungen erzählen, die nicht funktionieren

Den Bürgern erzählen, das nur sie wissen was richtig ist.

Den Bürgern erzählen, das alle Menschen das gleiche denken.

Den Bürgern erzählen, was diese hören möchten.

Populismus funktioniert nicht weil:

Viele Menschen unterschiedlich sind

Viele Menschen verschieden Meinungen haben.

Das es darum keine einfachen Lösungen für Probleme gibt.

Das Gegenteil von Populismus ist:

Ehrlich sein

Weiter in schwerer Sprache:

Zunehmende Ratlosigkeit
Die Ereignisse und Entwicklungen der letzten Jahre:
Die weltumspannende Globalisierung der Wirtschaft mit dem Ergebnis eines ungebremsten Kapitalismus, der rücksichtslos vorgeht und alles in Frage stellt was mir wichtig ist.
Menschen fühlen sich zunehmend orientierungslos, unbeheimatet.
Ängste machen sich breit.
Populismus bricht sich, europaweit, seine Bahn.
Die Vernunft, wichtigste Errungenschaften der Aufklärung und Ihre Leitgedanken von Freiheit, Gleichheit, und Solidarität prägen zunehmend nicht mehr den politischen Diskurs.
Stattdessen:
Populismus der dümmsten Art und Weise prägen die Verlautbarungen der AfD.
Das so viele BürgerInnen darauf hereinfallen schmerzt mich, bis hin zu körperlichem Schmerz.
Ein dumpfer unheilvoller Druck ensteht mir im Kopf, steigt hinunter über Hals und Rücken.
So als ob sich ein Migräne-Anfall ankündigen würde.
Zukunftsängste kommen auf.
Was wird einmal aus Deutschland werden? Was wird aus den Kindern und Enkelkindern werden denen wir eine weitgehend zerstörte Welt hinterlassen?

Aber genug mit dem Lamento.
Weiter nun im Thema in schwerer Sprache.

Der nun folgende Beitrag ist eine Zusammenfassung des Artikels aus:
Der Spiegel vom 20.12.2019.
Zum Teil wörtlich zitiert, zum Teil zusammen gefasst und sprachlich verändert:

Das Vokabular der Nationalsozialisten erlebt ein Comeback. Was Demokraten dagegen unternehmen können.

Worte können wir winzige Arsendosen sein
Victor Klemperer hat beschrieben, wie sich die Sprache des „Dritten Reichs“ in Deutschland verbreitete. „Worte können sein wie winzige Arsendosen“, notierte der Romanist. „Sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“

Ein kurzes Wort mit vier Buchstaben
Im Gedächtnis geblieben sind die hoch dosierten Arsendosen, mit denen die Nazis auf dem Gipfel ihrer Macht die millionenfachen Morde schönfärbten: „Konzentrationslager“, „Endlösung“, „Sonderbehandlung“. Charakteristischer für die NS-Propaganda schon vor 1933 war es aber, zentrale politische Begriffe zu vergiften. Ein kurzes Wort mit vier Buchstaben war dabei entscheidend: Volk.

Das Gift der völkischen Volksdeutung
Wie Arsendosen verbreitet sich auch heute das Gift der völkischen Volksdeutung. Es wird zunächst unbemerkt verschluckt, hat für allzu viele einen „normalen“, „natürlichen“, „lebensrichtigen“ Geschmack. Erst wenn es zu spät ist, zeigt sich die Giftwirkung, die Ausgrenzung aller, die nicht deutsch „aussehen“ und dann nicht mehr zum Volk gehören dürfen und „entsorgt“ werden sollen.

Wir sind das Volk?
„Wir sind das Volk“, beanspruchte das Volk der DDR gegen die kommunistische Elite. Sprechen Demokraten vom Volk, meinen sie den Demos, das Staatsvolk.
Es schließt hierzulande alle ein, die deutsche Staatsbürger sind.
Wo sie, ihre Eltern und Großeltern geboren sind, ob sie schwarz oder weiß, ob sie Christen, Juden oder Muslime sind, ist egal.
Sie alle haben dieselben Rechte.

„Wir sind das Volk“ beansprucht die AfD auf ihren Wahlplakaten.
Wenn völkische Nationalisten von Volk sprechen, meinen sie den Ethnos, eine biologische Abstammungsgemeinschaft.
Der ethnische Volksbegriff steht mit dem demokratischen auf Kriegsfuß.
Er schließt alle aus dem Staatsvolk aus, die eine falsche Hautfarbe oder die falsche Religion haben.

Ein „Neger“ ?
Das Gift des ethnischen Volksbegriffs hat sich in der deutschen Demokratie bereits verbreitet.
Für zu viele klingt die völkische Propaganda plausibel, dass das „Abstammungsprinzip“ der einzige und „natürliche“ Zugang zur deutschen Staatsbürgerschaft sei.
Außer zur Zeit des Nationalsozialismus galt in Deutschland aber nie ein reines Abstammungsprinzip. Gerade darüber beklagte sich Adolf Hitler in „Mein Kampf“. Es sei widernatürlich, dass das Staatsbürgerrecht „in erster Linie durch die Geburt innerhalb der Grenzen eines Staates erworben“ werde und die „Volkszugehörigkeit“ keine Rolle spiele. „Ein Neger“, so Hitler, der „nun in Deutschland seinen Wohnsitz hat, setzt damit in seinem Kind einen ‚deutschen Staatsbürger‘ in die Welt.“
Die von Hitler inflationär verwendeten ironisierenden Anführungszeichen sind typisch für die Sprache des Nationalsozialismus. Mit ihnen erkannte Hitler großen Gruppen von Menschen die Möglichkeit ab, Deutsche sein zu können: Der Erwerb des „Staatsbürgertums“ gleiche der Aufnahme „in einen Automobilklub“, ein „einfacher Federwisch, und aus einem mongolischen Wenzel“ werde „plötzlich ein richtiger ‚Deutscher'“.

Das völkischen „Anführungszeichen“
Einer ähnlichen Sprache bedienen sich die heutigen Völkischen von der AfD. Die ironisierenden Anführungszeichen sind auch bei ihnen beliebt: vom „Flüchtling“ bis zum „Deutschen“. In Reden sind Anführungszeichen aber schlecht zu hören. Was tun? Da hat die NPD schon vorgearbeitet, die AfD musste es nur noch übernehmen. Man setze einfach ein „Pass“ vor „Deutscher“ und grenze die „Passdeutschen“ von den vermeintlich echten Deutschen ab. Ein Stück Papier, so die Botschaft, ändere ja nicht das Blut und die Biologie.

#Passbeschenkter
So argwöhnte die AfD-Bundestagsfraktion im Juli 2019 auf Facebook, dass die Medien „Passdeutsche“ kurzerhand zu „Deutschen“ machten, „um die Kriminalitätsstatistik zu entbunten“. Dafür zeichnete die Co-Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, Alice Weidel, verantwortlich. Ihr Fraktions- und Bundesvorstandskollege Stephan Protschka versuchte im Dezember 2018, über Twitter den Hashtag „Passbeschenkter“ zu popularisieren. Auf den Einwand, dass jeder Deutscher sei, der die deutsche Staatsangehörigkeit habe, antwortete Protschka:
„Wenn sich ein Hund einem Wolfsrudel anschließt, ist er dann ein Wolf oder bleibt er Hund?“

Herstellung von Mischvölkern
Das erinnert an einen Ausspruch Hitlers: „Der Fuchs ist immer ein Fuchs, die Gans eine Gans, der Tiger ein Tiger usw.“ Für ihn war die „Blutsvermischung“ die „alleinige Ursache des Absterbens aller Kulturen“. Die kulturelle, völkische oder rassische Reinheit treibt auch die AfD um. So wendete sich der sächsische AfD-Bundestagsabgeordnete Heiko Heßenkemper gegen eine „Durchmischung der Rassen“, sein Fraktionskollege Jens Maier warnte vor einer „Herstellung von Mischvölkern“.
Natürlich gibt es auch AfD-Mitglieder, die anders denken oder sich zumindest anders ausdrücken. Aber es sind nicht nur Einzelne, die gern völkisch daherreden. Interne Chats, die in die Öffentlichkeit gelangten, zeigen, dass die zweite, dritte, vierte Reihe teils heftiger formuliert.

Drohende Islamisierung
Wer aber löst bei der AfD solche Abscheu aus? War das Schreckbild der Nationalsozialisten eine „Verjudung“ der Welt, richtet sich die Propaganda der AfD gegen die „drohende Islamisierung Europas“, so steht es im Europawahlprogramm der Partei 2019.

Abgeschaute Tricks
Die sprachlichen Tricks der Nazis und der AfD sind im Kern die gleichen. So wendete sich Hitler dagegen, das Judentum „als ‚Religion‘ segeln zu lassen“, denn die Juden bildeten „immer einen Staat innerhalb der Staaten“. Die AfD will den Islam nicht als Religion, sondern als gefährliche, totalitäre und imperialistische „politische Ideologie“ verstanden wissen. Für die Nationalsozialisten ließ sich die Religionsfreiheit nicht auf die Juden anwenden, für die AfD nicht auf die Muslime. Für die Nationalsozialisten stellten die Juden eine existenzielle „Gefahr“ für Deutschland dar, für die AfD ist die „Präsenz von über 5 Millionen Muslimen, deren Zahl ständig wächst“, eine „große Gefahr für unseren Staat, unsere Gesellschaft und unsere Werteordnung“, so ist es im Programm für die vergangene Bundestagswahl zu lesen.

Messereinwanderung
Um die vermeintliche Gefahr greifbar zu machen, nutzt die AfD-Bundestagsfraktion den Hetzbegriff „Messereinwanderung“. Dazu zeichnet sie auf YouTube eine „Karte des Schreckens!“, die auf den ersten Blick suggeriert, mordende Muslime würden das Land überrennen. 2018 malte der AfD-Bundesverband dies auf Facebook so aus: „Wie viele Messer-Morde müssen noch beweint werden, bevor die wilden Heerscharen junger Asylbegehrender das Messer aus der Hand und ihre kranke, menschenverachtende kulturelle Prägung endlich ablegen?“

Gaulands Frage an Mesut Özil
Im Parteiprogramm von 1920 forderte die NSDAP als ersten Schritt: „Jede weitere Einwanderung Nicht-Deutscher ist zu verhindern.“ Der zweite Schritt: „Wir fordern, dass alle Nicht-Deutschen, die seit 2. August 1914 in Deutschland eingewandert sind, sofort zum Verlassen des Reiches gezwungen werden.“ Für alle aus NS-Sicht „Nicht-Deutschen“ mit deutscher Staatsangehörigkeit sah Hitler 1923 noch nicht Vertreibung und Vernichtung vor. Sie sollten „freiwillig“ gehen oder sich unterordnen. Hitler wollte dazu im „völkischen Staat“ zwischen Staatsbürgern und Staatsangehörigen unterscheiden. Das Reichsbürgergesetz von 1935 setzte genau das um, die bloßen Staatsangehörigen verloren die Bürgerrechte. Die erste Verordnung zu diesem Gesetz besagte, dass Juden prinzipiell nicht Staatsbürger sein konnten. Ihnen stand damit kein „Stimmrecht in politischen Angelegenheiten“ in Deutschland zu, und sie durften „ein öffentliches Amt nicht bekleiden“. Aber so schlimm wie für die Juden ab 1935 würde es doch unter einer AfD-Regierung nicht werden für die Muslime in Deutschland, oder? Im Sinne des NS-Reichsbürgergesetzes sagte Gauland 2016 anlässlich einer Mekka-Fahrt des damaligen deutschen Fußball-Nationalspielers Mesut Özil: „Bei Beamten, Lehrern, Politikern und Entscheidungsträgern würde ich sehr wohl die Frage stellen: Ist jemand, der nach Mekka geht, in einer deutschen Demokratie richtig aufgehoben?“

Nach Anatolien entsorgen
Was mit denen geschehen soll, die in Deutschland nicht „richtig aufgehoben“ sind und sich nicht geräuschlos unterordnen und assimilieren, erläuterte Gauland im Bundestagswahlkampf 2017 am Beispiel der damaligen Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Aydan Özoğuz, einer deutscher Staatsbürgerin. Man könne sie, „Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen“. Weidel pflichtete bei, dass Özoğuz „zurück in die Türkei“ gehöre. In Ulm plakatierte die AfD in plattestem Stürmer-Stil: „Özoguz ‚entsorgen‘? JA!!!“ Ein „Entsorgungsprojekt“ lässt sich allerdings rhetorisch schwer verkaufen. Sprachlich geschickter ist es, von einem „Remigrations-Programm“ zu sprechen. Das ist inzwischen offizielle Parteilinie der AfD: „In Deutschland und Europa müssen Remigrations-Programme größtmöglichen Umfangs aufgelegt werden“, hieß es zur Europawahl 2019.

Die Nationalsozialisten waren Meister darin, die Dimension und die Barbarei ihres Programms gegen die Juden zu kaschieren. Goebbels erläuterte dazu im Juni 1944: „Es wäre ja sehr unklug gewesen, wenn wir vor der Machtübernahme schon den Juden ganz genau auseinandergesetzt hätten, was wir mit ihnen zu tuen beabsichtigten.“ Es sei „ganz gut und zweckmäßig“ gewesen, dass „wenigstens ein Teil der Juden dachte: Na, ganz so schlimm wird’s ja nicht kommen; die reden viel, aber das wird sich ja noch finden, was sie tuen werden“.

Was Heinrich Himmler nur im geheimen sagte spricht Björn Höcke öffentlich aus.
Erstaunlich offen allerdings spricht Björn Höcke, AfD-Fraktionsvorsitzender in Thüringen, bereits von der Machtergreifung einer „nationalen Regierung“, die ausschließlich „der autochthonen Bevölkerung“ und damit auf eine Politik der „wohltemperierten Grausamkeit“ im Zuge des „Remigrationsprojekts“ verpflichtet sei.
Es müssten „aller Voraussicht nach Maßnahmen“ ergriffen werden, die sogar dem „eigentlichen moralischen Empfinden“ jener zuwiderliefen, die sie durchführten.
Heinrich Himmler erörterte solche möglichen Gewissenskonflikte von Tätern nur im Geheimen, erst nach den Taten und vor einem Publikum von Tätern.

Die Wiederkehr des Völkischen in deutsche Regierungen
Es geht heute angesichts der kämpferisch-völkischen Ausrichtung der AfD und ihrer Wahlerfolge nicht mehr darum, den Anfängen zu wehren, sondern in den östlichen Bundesländern bereits darum, das bittere Ende zu verhindern – die Wiederkehr von Völkischen in deutsche Regierungen.

Was müssen Demokraten tun?
Was sollen Demokraten tun? Sie dürfen den Völkischen niemals zentrale Begriffe wie Deutschland, Deutsche, Volk und Staatsbürger oder Kernsymbole der deutschen Demokratie wie die schwarz-rot-goldene Flagge als „kontaminiert“ überlassen, und sie dürfen nicht unbedarft rassistische Unterscheidungen wie „Passdeutsche“ und „Biodeutsche“ nachplappern.

Es zählt der Demos und nicht der Ethnos.

Eeluwes

Ölofen
Eine Hommage an Jakob den klugen Wirt (R.i.P)

Jakob (der Fersenhalter) ringt mit dem Engel

Die in der folgenden Erzählung handelnden Personen existieren so nicht. Das gilt auch für die beschriebenen Orte.
Es liegt keinesfalls in der Absicht des Verfassers, einzelne Personen bloßzustellen oder sie in Ihrer Lebenweise, Ihrer Lebenseinstellung, Ihrer Überzeugung oder Ihrer religiösen Auffassung zu kritisieren oder gar parteiisch zu bewerten.

Im Gegenteil. Der Verfasser schreibt hier vor dem Hintergrund einer großen Zuneigung und Liebe gegenüber den Menschen, Ihrer Lebensweise und der Art und Weise wie sie Ihr Leben gestalten, wie Sie ihr Leben bewältigen, ist er doch höchstselbst ein Kind dieser Region, dort geboren, zu Schule gegangen, Herangewachsen, Familie gegründet und immer noch gerne dort lebend.

Wichtig ist ihm Dinge zu beschreiben, die er so empfunden, er so erlebt hat und welche Rückschlüsse er daraus für sein eigenes Leben gezogen hat.
Dabei bemüht er sich durch sprachliche Überzeichnungen, humorvolle und satirische Stilelemente, seine Leser zu interessieren und zu unterhalten.

Nichts aber auch überhaupt nichts liegt ihm daran eine „heimattümelnden“ kitschigen Wiedersprüche nivelierende Erzählweise zu pflegen, die subjektiv empfundene Wiedersprüche, Ungleichheiten sowie Benachteiligungen zukleistert oder gar leugnet.

Mitten im Dörfchen, gleich da wo die beiden Bäche zusammenflossen befand sich eine niedrige Brücke.
Sie bot dem einen kleineren Bach nur recht wenig Raum zum durchfließen. Im Herbst, bei Dauerregen und Sturm, im späten Winter bei der Schneeschmelze, konnte die alte Brücke die Wasserflut nicht mehr fassen.
Dann dann verwandelten sich beide Bäche in reisende Gebirgsbäche und überspülten mitunter die Hauptstraße.Gleich links von der Brücke befand sich eine Gaststätte, besser gesagt eine Eckkneipe. Diese war schon über hundert Jahre in Familienbesitz, nun bereits in der dritten Generation. Dort zapfte man ein prickelndes, schmackhaftes Pilsbier mit herbem Charakter, gebraut von einer Brauerei, gleich sechs Kilometer entfernt, die nur dieses eine Bier braute.
Und, Schnäpse gab es, wie damals üblich, Wacholderschnaps, Doppelwachholder, Korn und ein Destillat welches sich „Frucht“ (Obstler) nannte.

Speisen gab es nicht, nun ja, auf Bestellung und das eher wiederwillig, eine heiße Mettwurst mit Roggenbrot und einem Klecks Senf, aber nur dann wenn der örtliche Metzger geliefert hatte.
Zu besonderen Anlässen, zum Beispiel kurz vor Weihnachten oder zwischen den Jahren, erfuhr diese übersichtliche Speisekarte eine erstaunliche Erweiterung.
Auf besonderen Wunsch, bereitete der Wirt dieses Mettwürstchen auf eine ganz besondere Art zu.

Die Bestellung lautete dann so:
„Jakob“ (nennen wir Ihn so) mach mer mohl e Öluwes“ Die lässt sich schwerlich in hochdeutsche Sprache übersetzen.
Der geneigte Leser möge dies verzeihen ,es ergibt sich im Verlauf der weiteren Erzählung, Sinn und Inhalt dieser Bestellung.

Über viele Jahre hin war diese Eckkneipe der Treffpunkt vieler Handwerker und Bauern der umliegenden Dörfer und Weiler.
Hochbetrieb herrschte bei Wilhelm vor allem dann wenn die Handwerker und Arbeiter Feierabend hatten und auf dem Nachhauseweg noch einen oder auch zwei Schoppen trinken wollten
Das war an Werktagen zumeist zwischen vier und sechs Uhr Nachmittags.
Maurer, Dachdecker, Zimmerleute, Schlosser, Schweißer, fast immer in den dafür zur Verfügung gestellten Fahrzeugen, ankommend, betraten das Lokal dann, durstig, in Ihren Arbeitskleider die Lokalität.
Einige stumm, graugesichtig, die Mundwinkel zusammen gepresst, mit hängenden Schultern.

Andere, zumeist Dachdecker, Zimmerleute in ihrer Zunftkleidung, die Maurer in blauen unvermeidlichen Arbeitsjäckchen, oft ausgefärbt, zerschlissen und geflickt. Sie kommen oft laut, polternd, schimpfend, fluchend, derbe Witze reisend. „Jakob breng ins gläich e Herrengedeck! Oder bässer gläich zwoo. Meer hoo Daschd.“ (Bringe uns bitte gleich ein Herrengedeck (Bier und Korn) Oder besser gleich zwei. Wir haben Durst.) Es riecht nach Männerschweiß, Zigarettenqualm, Bierdunst, Ölofen und ein bisschen nach Urin, befindet sich das Männerklo doch gleich neben der Gaststube.

Eine Frauentoilette gibt es nicht.
Es war eine durchweg paternalistische Männergesellschaft die sich dort traf. Mädchen und Frauen waren fast nie zugegen, waren aber in Gedanken und Männer-Phantasien zugegen, was oft dadurch zum Ausdruck kam sich irgendwelche „schmutzigen“ frauenfeindliche Witze zu erzählen um anschließend in grölendes Gelächter auszubrechen.
Deshalb vom Grunde auf frauenfeindlich? Oh nein, daß sind Sie nicht.
Diese Witzchen über Mädchen und Frauen, wenn auch rau und ungehobelt vorgetragen, lassen oft auch eine Scham, eine zurückhaltende Scheu, eine subtile Angst vor Frauen erkennen.
Als Beleg dafür mag die Beobachtung gelten, dass viele junge Männer in heiratsfähigen Alter, Junggesellen bleiben, umgelenke, tapsige Hagestolze, die, wenn sie einem attraktiven weiblichen Wesen begegnen, verstummen, oder anzüglich derbe werden.
– – –
Ein durchgängig patriarchalisch orientierte Dorfgemeinschaft, so wie es nach den soeben verfassten Schilderungen zu vermuten wäre, war diese Gesellschaft aber eher nicht.
Eine kleine Anekdote, an dieser Stelle eingefügt, möge diese Behauptung untermauern:

Immer an Samstagen, an hohen kirchlichen Feiertagen wurde gebadet. Das galt als Dogma.
Alle badeten. Erst die Großeltern. Danach die Kinder und und schließlich im selben Badewasser, die Eltern.
Zuvor schon, war die frische Unterwäsche von der Mutter für alle Familienmitglieder, auch für den Vater zurecht gelegt worden. In diesen Zeiten badete man grundsätzlich nur einmal in der Woche, nämlich Samstag Abend.
Nun könnte man sagen:
Die Frau des Hauses, die eh schon mit der mühsamen Arbeit in Haus und Hof belastet, muß nun auch noch die frische Wäsche welche Sie auch mühsam gewaschen hat, für den Herrn des Hauses zurecht legen. Der Ehemann als Familienoberhaupt, als Pascha?
Nur bedingt.
Würde er nämlich die Initiative ergreifen und seine Kleidung für Sonntags selbst aussuchen, käme es unweigerlich zum Eklat:
„Vadder du wääd doch wohl nedd ii dörer Läwerie ( vermutlich französisch: Blanchisserie = Wäsche) ii der Körche gieh?“ (Vater Du willst doch nicht wirklich in dieser Kleidung zum Gottesdienst gehen?) so die Gattin.
Könnte es sein, daß durch diesen Brauch, eine allmähliche, eine schleichende Hospitalisierung des Mannes erreicht wird, die man unter Umständen als eine Entthronung, eine subtile Entmachtung des Mannes betrachten kann?

Vollkommen unselbständig gemachte Männer, die nicht mehr Lage sind ihren Alltag zu bewältigen, weil sie über Jahrzehnte bedient wurden?

Eine subtile eher unbewusste Machtausübung benachteiligter Frauen gegenüber dem Manne der bis zur Übergriffigkeit vollversorgt wird?

Die Frauen zur damaligen Zeit erschienen ihm zumeist bodenständig, alltagsklug, selbstbewusst und tonangebend. Sicher war das auch dem Umstande geschuldet, daß durch die Abwesenheit der Ehemänner vor allem in den Sommermonaten, weil diese sich als Saisonarbeiter hauptsächlich im Siegerland verdingen mussten, dies mühsame Arbeit in Haus und Hof alleine stemmen mussten.
– – –
Die Männer kommen alle in Ihren Arbeitsklamotten zum Jakob wie man sagte. Keiner dachte daran sich vorher umzukleiden.
Ihre Arbeitskluft zeigte, wie körperlich schwer und anstrengend die Arbeit ist. Die Gesichter, wettergegerbt, manchmal auch gerötet, zuweilen auch ein wenig aufgedunsen. Von Statur sind alle kräftig, die Arme muskulös, die Schultern breit. Viele auch mit beachtlichen Bierbäuchen ausgestattet.
Sie reden über Fussball, gewesene Feuerwehr Einsätze, Politik im allgemeinen, Kommunalpolitik im Besonderen.
Klischees werden bedient. Stammtischparolen werden gedroschen. Zuweilen mitgebrachte Lehrlinge, „Stifte“ genannt, meist still und verdruxt am Bier nippend, werden wie gewohnt, auf den Arm genommen, veräppelt, zuweilen auch bloßgestellt.
„Lehrjahre sind keine Herrenjahre!“ sagt man Ihnen.
Sie ertragen es, stoisch lassen sich nichts anmerken und denken an Ihre zukünftige Gesellenzeit. Dann werden Sie sich rächen, aber nicht an Ihren damaligen Peinigern, sondern an den „Stiften“ die Ihnen nachfolgen.
So war es wohl schon immer.

Nun ja die freiwillige Feuerwehr im kleinen Dörflein.
Wer Mitglied der freiwilligen Feuerwehr war, ob aktiv oder passiv der war auch immer Gast bei Wilhelm. Ein Automatismus der sich aus Tradition und Gewohnheit nährte und nicht unwesentlich das soziale Leben im Dorf bestimmte.
Die Feuerwehrkameraden unter sich, ein Mikrokosmos für sich.
Sie haben eine gemeinsame Mission. Menschen die plötzlich in Not sind zu helfen, zuweilen unter Einsatz der eigenen Gesundheit, des eigenen Lebens.
Das ist nobel, vorbildlich und, für die Feuerwehrkameraden sinnstiftend. Aus dieser Kameradschaft ergaben sich auch eine Fülle weiterer gemeinsamer Freizeitinteressen. Wechselseitige Einladungen der umliegenden Feuerwehren zum Würstchenbraten, Schlachtessen, örtlichen Feuerwehrfesten, regionalen Feuerwehrtagen und so fort.
Würstchen, Spießbraten, Schlachtplatten waren die deftige und schmackhafte Grundlage für den Genuss des regional gebrauten Gerstensaftes, und der anderen hochprozentigen geistigen Getränke.
Das war rundweg vergnüglich, kurzweilig. Streitereien, die sich von alter Zeit her aus Rivalitäten der Dörfer untereinander nährten und zuweilen in kleineren Prügeleien untereinander endeten, aber nie wirklich zu ernsthaften, folgenreichen Auseinandersetzungen führten.
Oft so gegen halb sechs am Abend öffnete sich die Türe der Gaststube. Ein stattlicher großgewachsener Herr in grüner Uniform betrat die Bühne.
Stolz, erhobenen Hauptes, ein wenig arrogant trat er in die Mitte des Raumes. „Nabend allerseits.“
Ohne Umschweife setzte er sich auf immer denselben Stuhl an einem Biertisch der, zwar nicht ausdrücklich für Ihn reserviert war, der aber dennoch solange freiblieb bis er höchstselbst dort Platz nahm. Er brauchte sein Bier nicht zu ordern.
Jakob der Wirt zapfte bereits an dem hellen Blonden für Ihn.
Er trug eine grasig grüne Uniformjacken mit jeweils zwei silbernen Eicheln nebeneinander auf den Schulterstücken.
„Dä Föschder ess doo.“ (Der Förster ist gekommen) bemerkte ein Waldarbeiter am Nachbartisch, der mit seinen schwieligen roten zerkratzten Händen zum Glase griff und dem Herrn Oberförster, nun nennen wir Ihn Roderich Brei, zuprostete.
Der aber hatte sein Bier noch nicht und nickte nur beiläufig.
Jakob der Wirt, dessen feste Überzeugung es war ein gut gezapftes Pils dauere sieben Minuten um zur Vollendung zu kommen brachte Ihm schließlich sein Bier samt Bierdeckel.
Das dünne Kelchglas trug am untersten Rand seines Stieles eine blütenweiße ganz dünne saugfähige Papiermanschette, um den überlaufenden Schaum des edlen Gerstensaftes gegebenenfalls aufzusaugen. Gekrönt von einer beachtlichen weißen Schaumkrone glitzerte das Pils in bernsteinfarbenen Gold. Feine Fäden aus winzigen Kohlensäurebläschen durchzogen das edle Nass.
Nie mehr sah er so ein perfektes Pilsgetränk.

Er reichte es Roderich, erst den Bierdeckel, dann den Kelch und sprach tonlos, kaum hörbar: „Zmm Wohl.“ Roderich nickte nur und hob den Kelch zum Munde um zu trinken.

Nach ein bis zwei Bieren, löste sich dann die Zunge des Herrn Oberförster Roderich Brei.

„Ich bin ein Wirtschaftsmann. Der Wald ist das Kapital für die kommenden Generationen.
Ich kann Euch sagen, die Gemeindeverwaltung, schlimm, lauter Sesselfurzer, verdienen eine Haufen Geld, wir müssen sie bezahlen. Keine Ahnung und immer eine große Klappe.
Und dann, seit neuestem diese grünen Käferzähler und Vogelschützer. Alles Spinner. Vorlaute Lehrerkinder, unerzogene Pfarrerskinder, noch nie was vernünftiges gearbeitet.
Und wir müssen die durchfüttern. Eine Schande.
Und die wollen uns auch noch regieren.
Früher, da gab’s sowas nicht!“

Einige Gäste nickten Ihm liebedienerisch zu, andere hoben das Glas und skandierten: „Jawolll“.
Andere blickten gelangweilt ins Bierglas.
Wenige verzogen missbilligend Ihr Gesicht wendeten um und kommentierten: „Du Schwätzer.“

Jakob der Wirt hörte am Zapfhahn stehend zu und sagte schließlich, als der Disput allmählich abflaute:

„Häsde gehäd ich menn nur“,

was schwerlich und nur sinngemäß zu übersetzen wäre: (Ich habe zugehört. Ich meine ja nur.)

Es kann vermutet werden, das Er damit sagen wollte:

„Jeder kann hier in meiner Gaststätte, seine Meinung frei äußern. Ihr müsst euch nur vertragen.“

Immer schon hing ein Holztäfelchen an der Stirnwand, für jeden zu lesen, gegenüber der Theke auf dem geschrieben stand:
„Ein guter Gast ist niemals Last.“

Jakob der Wirt. Ein lebenskluger Mann, geprägt durch ein entbehrungsreiches Leben, als Soldat im Kriege durch Schicksal, Not und Angst.

Er jedoch, ebenfalls durch Biergenuss ein wenig enthemmt fühlte sich persönlich angegriffen und wurde zornig. Eifrig versuchte er sachliche Argumente für die beginnende Ökologie- und Umweltschutzbewegung der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zu finden, was ihm jedoch nur ansatzweise gelang.
Er verhaspelte sich in der eigenen Argumentationskette, würde immer lauter und heftiger.

Sehr schnell verbündeten sich fast alle gegen ihn:
„Wos wäd du da du Bläss. Kää Ahnung voo nix. Lann öscht mo woss rechdijes. Da kinn mer wäirer schwädse.“
(„Was bist du denn für ein Hanswurst. Du grüner Junge. Verliere erst mal deine Eierschalen und werde trocken hinter den Ohren. Lerne erst Mal was richtiges. Dann können wir weiter reden.“)

Nun schaltete sich der kluge Wirt ein und sagte im ruhigen Tone:
„Du bäst enn oole Hezebletz. Genau wie Kottches Schöwerdägger. Derbäsde gesde jezz hääm. Kimmst da mann wörer.“
(Du bist ein alter Heißsporn. Genau so wie ein entfernter Vorfahre von dir aus dem neunzehnten Jahrhundert. Am besten gehst Du nun nach Hause. Morgen kannst Du gerne wiederkommen.)

Er nahm Jakobs Vorschlag an, zahlte und ging wütend und beleidigt nach Hause.

An einem anderen Nachmittag, so gegen drei Uhr Nachmittags an einem Freitag im frühen Frühling.
Er 16 Jahre jung befand sich auf dem Weg zu Jakobs Kneipe.
Nicht um dort Bier zu trinken, was er eher selten tat. Vielmehr war er auf dem Weg zu Jakbs Sohn, nennen wir Ihn Robert, der mit Ihm gemeinsam eine weiterführende Schule besuchte.
Sie hatten die Absicht die Hausaufgaben gemeinsam zu erledigen und für die anstehende Mathematikarbeit zu lernen.

Dabei überquerte er erneut die besagte niedrige Brücke. Weitere zehn Schritte geradeaus. Links nun das Treppenportal zu Jakobs Kneipe. Von zwei Seiten zu begehen, fünf Stufen hinaus. Nun befand sich direkt auf Augenhöhe die schwere lerchenhölzerne Eingangstür mit ihrem beim öffnen unverwechselbaren Geräusch…… *

Die sich gelegentlich ergebenden Übungsstunden im Fach Mathematik waren für Ihn zwar recht nützlich aber auch gelegentlich unerquicklich.
Konfrontierte sie ihn doch mit der zweifelsohne richtigen Feststellung, die Roberts große Schwester, nennen wir sie Babette, welche die beiden Jungen bei den Übungsstunden beaufsichtigte wie folgt ausdrückte:
“ Innser Robert ess im Rechen viel bässer wie du.“
(Mein Bruder Robert beherrscht das Fach Mathematik besser als Du es jemals vermögen wirst.)

Dennoch, in jener großen Küche vollzog sich das ganze bunte Familienleben dieser Gast- und Landwirtsfamilie, nebst allem was die Gaststätte betraf, war doch die Gaststube direkt nebenan und nur durch eine Schiebetür von jener großes Wohnküche getrennt.

Babette die Älteste der Geschwister, war schon seit Jahren in die Fußstapfen des Vaters getreten und damit auch schon in jungen Jahren die allseits geachtete Nachfolgerin und Wirtin in spe geworden.

Eine kluge, attraktive junge Frau, resoluter Natur, ohne jemals grob oder unhöflich zu sein.
Zuweilen, eher selten, erkundigte sich ein meist auswärtiger Gast nach der Speisekarte.

Die gab es nicht, war auch nicht notwendig.
Was Babette anbieten konnte, war ein Mettwürstchen, kalt oder warm.
Ließ ein Gast sich darauf ein, eilte Babette aus der Gaststube in die Küche, griff in den Kühlschrank und holte besagtes Würstchen heraus, bei Warmbestellung, fluchs in eine kleine Stielkasserolle, kaltes Leitungswasser dazu, auf die kleine Flamme des Gasherdes gestellt.

Das Mettwürstchen ins kalte Wasser gegeben. Zehn Minuten köcheln lassen schon fertig.
Babette inzwischen erneut auf der Gaststube kommend, geht zum Küchenschrank entnimmt dort ein Kuchentellerchen. Es ist aus weißem Porzellan mit einem Rosenmuster um den Tellerrand. Sie entnimmt das Würstchen aus dem siedenden Wasser. Vorsicht dann mit der Gabel auf das besagte Kuchentellerchen.
Auf dem noch siedenden Wasser schwimmen kleine Fettaugen.
Der feine Duft von frisch gebrühter Wurst breitet sich aus.
Babette nimmt nun eine Tube Löwensenf extra scharf aus dem Kühlschrank.
Ein kleiner gelber Fleck davon auf das Kuchentellerchen. Ganz an den Rand desselbigen.
Nun stellt Sie alles auf die silberne Abtropffläche der Spüle, auf der auch eine dunkelblaue Spülmittelflasche Marke Pril ihren festen Platz hatte. Das Gedeck war jedoch noch nicht vollendet.
Erneut wendet sie sich ab. Gleich linker Hand befand sich ein weißes Küchenschränckchen, direkt in gleicher Höhe wie der Gasherd.
Die Türe dieses Schränkchens war in der Mitte sowie gleich oben links und rechts mit bunten Prilblumen beklebt. Sie bildeten damit ein lustiges Dreieck auf der Oberfläche des sonst weißen Türchens.

Sie öffnete diese bunt beklebte Türchen. Sogleich entströmte von dort der typische Geruch von Sauerteigbrot. So war es auch.
Ganz unten lag, mit der Schnittseite nach unten, sorgfältig lose bedeckt mit einem sauberen Küchentuch aus Baumwolle, bunt kariert, ein zur Hälfte durchgeschnittenes Bauernbrot mit glatter Krumme, die wiederum einen matten schwärzlich brauen Glanz abgab.

Babette hob den halben Laib des Bauernbrotes heraus und legte Ihn auf die Abtropffläche der Spüle.
Nun mittels eines besonderen Mechanismus, ganz trickreich klappte Sie die Brotschneidemaschine aus demselben Schränken heraus.

Und so stand Sie da, in all ihrer funktionellen Pracht.
Auf einer graumelierten Bodenplatte war das Exponat fest verschraubt.
Die Flanken, der Messerschutz in weiß, schon ein wenig bestossen von häufigen Gebrauch.
Die Kurbel, mittels der das große runde Schneidemesser in Drehung versetzt wurde,l chromfarben.
Der Griff der Kurbel ganz in schwarz, aus Bagelitt gefertigt.
Babette bückte sich ein wenig und nahm das zur Hälfte angeschnittene Bauernbrot aus dem Brotschränkchen.
Sie legte das Trockentuch, mit dem das Brot eingewickelt war zu Seite, legte den halben Laib auf die Schneideseite der Brotmaschine an der rechten Hand, drückte den Laib nun umsichtig an das runde Schneidemesser und begann, links an der Kurbel zu drehen.

Dies alles vollzog sich mit einer vollkommenen Routine, ohne Eile, ruhig, sachlich, konzentriert.
Die runde Schneide begann sich zu drehen, und glitt mühelos in die Laibhälfte hinein.

Das dabei entstandene Geräusch war ein zweifaches, gleichzeitiges.
Das Zahnrad zwischen Kurbel und Schneiderad ratterte leise, gleichförmig und zuverlässig.
Die Schneide, sobald sie ins Brot einschnitt, zischte leise, gleichzeitig aber auch ein rutschender Klang, so als ob eine leinerne Tischdecke nach Gebrauch von Wohnzimmertische gezogen würde.

Die so erzeugte Bodder (Brotscheibe) war etwa acht Millimeter dick, nierenförmig von Gestalt. Die Krume feinporig, graubraun, die Kruste eher dünn und schwärzlich braun.
Ihr Duft, säuerlich, brotig, so wie Roggenbrot eben riecht wenn es nicht mehr ganz frisch, seit zwei bis drei Tagen im Brotschränkchen liegt, um auf seinen Verzehr zu warten.

Nun nahm Sie eine bereitliegende Besteckgabel, wandte sich nach links und spieste das nun zur Vollendung gebrachte Mettwürstchen damit auf, legte es sorgsam auf das schon mit Senf versehene Kuchentellerchen.
Die gerade aufgeschnittene Scheibe Brot dazugelegt.
Das Werk war vollendet.

Gabel, Messer und eine Serviette waren zum genussvollen Verzehr in der Gaststube nicht notwendig, so verzichtete Babette auch darauf.

Im dunklen Winterhalbjahr, vor allem über die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, war die Gaststube schon nachmittags gut gefüllt.
Handwerker, Waldarbeiter, Steinmetze, Steinbrucharbeiter, Zimmerleute Dachdecker und Maurer machten „Schlechtwetter“ und „stempelten“ (meldeten sich zeitlich befristet witterungsbedingt arbeitslos).

Den meisten Männern war diese „Zwangspause“ hochwillkommen und oft auch bitter notwendig.
Die schwere Arbeit unter freiem Himmel, die nebenher noch betriebene kleine Landwirtschaft hauptsächlich zur Selbstversorgung, forderte ihren Tribut.

Das Gelächter der Männer, die lauten Stimmen, die oft grobe zuweilen umgelenke Konversation, das Hämmern der Würfelbecher, die Ansagen beim Skat, (Kontra, Re onn noch en Buuwe droff), gedämpfte Radiomusik, immer (HR 3), die populistischen Stammtisch Parolen, der Bier und Zigarettendunst all das ist ihm in Erinnerung.

Von Spätnachmittags bis tief in die Nacht zechte rauchte man. Eine Runde nach der anderen würde „geschmissen“.
Zur Speise gab es wie bereits berichtet Mettwürstchen mit Löwensenf und einer Scheibe Roggenbrot.

Allerdings gab es, das soll dem geneigten Leser nun nicht mehr vorenthalten werden, während dieser besonderen Winterzeit eine kulinarische Besonderheit:
Der Durst immer noch nicht gestillt, bestellen viele beim Wirt wie folgt:
„Jogeb meer hoo n Honnger wie n Beer!
(Jakob ich habe großen Hunger)
Mach mer mool zwoo Öluwes“

Wilhelm schmunzelte dann wissend, verließ die Gaststube durch die Schiebetür gleich hinter dem Tresen.
Nach einer kleinen Weile kam er zurück und trug zwei sorgfältig in Butterbrotpapier eingewickelte Mettwürstchen bei sich.
Mit Bedacht, noch wenige Schritte, hob er nun das schwere Abdeckgitter des großen Ölofens an und legte die beiden verpackten Würstchen auf die gusseiserne Ofenplatte, das Abdeckgitter wieder an ihren vorherigen Platz.

Ein leises, verheißungsvolles Zischen war sogleich zu vernehmen.

Ein Weilchen später dann, das eine oder andere weitere Pils war inzwischen getrunken, öffnete sich laut vernehmlich die Eingangstüre.

Ein großer kräftiger Mann trat herein. Es war, nun nennen wir Ihn „Eduscho“ seit Jahrzehnten Stammgast bei Jakob.
Dieser Augenblick des eintretens, alle blickten zu Ihm auf, berührte Ihn sichtlich peinlich. Kaum vernehmlich murmelte er „Nabend“, sein Blick irrte hin und her, suchte einen Anhaltspunkt, fand aber keinen. Stattdessen nahm er seine jagdgrüne Schirmmütze, vom fast kahlen Kopfe und legte sie auf die Hutablage der Garderobe, die bereits übervoll war mit den Wintermännermänteln der Gäste.

Dann ging er, immer noch verlegen, schwerfällig zur Theke und wartete wortlos.
Eine Bestellung war auch nicht notwendig. Jakob kannte die Vorlieben seiner Gäste.

Er trug eine Kniebundhose aus jagdgrünem grobem Cord. Dazu einen selbstgestrickten Pullover mit Zopfmuster.

Eduscho nahm das fertig gezapfte Pils von der Theke, führte es zum Munde, trank durstig.
Nun setzte er die Pilstulpe wieder ab. Seiner Kehle entführt nun ein, kaum hörbares unterdrücktes Rülpsen.
Willi hat inzwischen das uhrenglasförmige Schnapsglas bis am den Rand gefüllt.
Wieder dieses tonlos „Zmmm Wohl“. Herr Eduscho nahm das Gläschen, gefüllt mit „Doppelwachholder“ und kippte, wo wie es sich gehört, das edle Destillat, mit einem mal in durstige Kehle, schluckte zweimal. Seine Gesichtszüge entspannten sich sogleich. Sichtliches inneres Wohlwollen zeigten sich auf seinem Antlitz.
Immer noch an der Theke stehend wendete er seinen Kopf nach rechts. Dort stand, wie gesagt der große wärmespendende Ölofen.
Seine Mimik veränderte sich plötzlich. Ein jungenhaftes, spitzbübisches lächeln eroberte seine Gesichtszüge.
Lediglich eine kleine Bewegung mit seinem stattlichen Podex nach rechts, setzt er sich geradewegs auf den warmen Rost des Ölofens, blickt nach oben und grinst.
Die Mettwürstchen zischen ein letztes mal, ein gedämpftes „Wutsch“, dann ein vernehmlicheres Bruzeln.
Augenblicklich beginnt es nach knuspriger Bratwurst zu duften.
Alles lacht. Laut, manche mit verrauchter heißerer Stimme.
Jakob, souverän wie immer:

„Der Eeluwes säi faddich. Ehr Jonge, ezz kinder ääse.“
(Die Ölofen Grillwürstchen sind zubereitet.
Guten Appetit die Herren.)

* ….Immer noch befand er sich sich direkt in Augenhöhe der schweren lerchenhölzernen Eingangstüre zu Jakobs Kneipe mit ihrem beim öffnen unverwechselbaren Geräusch.

Er wendete seinen Blick. Auf der gegenüberliegenden Seite der schmalen Dorfstraße wenige Meter bergan befand sich ein Bauernhaus, eng an die dahinterliegende Anhöhe geschmiegt. Im rechten Winkel gleich rechts daneben die Scheune. Nochmals dann erneut im rechten Winkel wieder links eine erneutes dazugehöriges Wirtschaftsgebäude, als zusätzliche Scheune mit einem Schweinestall im Parterre zu erkennen.
Für einen Bauernhof im Klippdachsland mit seinen kargen Böden und seinen kalten und langen Wintern, ein recht stattliches Gehöft.
Aber dies ist wieder eine andere Geschichte…….
„Mox continues“ (Wird fortgesetzt).

Kumm mei kläinr Buu, mr welle zum Himmelvadr bääde

Komm mein kleines Bübchen wir wollen zum Himmelvater beten.“

Das alte Ehebett mit den hohen Brüstungen vor Kopf und am Fußende. Dicke Federbetten
zusätzlich noch eine Wolldecke auf jedem Bett, darüber.
Grossmutter Christine hatte schon vor einer Stunde die Heizdecke angeschaltet.
Die Bettlaken aus Bieberbettwäsche, wollig aufgeraut, weich warm und anschmiegsam.
Ein kleiner Holzofen gleich links neben der Schlafzimmertüre brannte noch, war jedoch schon am verlöschen. Trotzdem war noch ein sanftes knistern zu vernehmen. Es roch undeutlich nach frisch verbranntem Holz und Asche.
Der große Kleiderschrank unmittelbar gegenüber des Ehebettes ragte hoch bis fast unter die Zimmerdecke.
Er zeigte ein dunkles graues braun auf seiner Oberfläche. Am oberen Ende, befand sich ein kleiner durchgehender Sims im Stile des Neobiedermeier.

Es war im Dezember, an einem Freitagnachmittag, so eine Woche vor Weihnachten. Die Winterferien hatten mit diesem Tage begonnen. Schon am Morgen hatten dicke Schneeflocken die Dächer und Felder bedeckt.

Die Dorfschlehrerin, Frau Wollmantel hatte Ihre Zöglinge mit den Worten: „Ein gesegnetes Weihnachtsfest mein Völkchen“ in die Weihnachtsferien entlassen.

Zuvor in der letzten Schulstunde war das Fach Religion, wie üblich, an der Reihe.
Alle Schüler, von der ersten bis zur dritten Schulklasse, saßen im größten Klassenraum zusammen. Sie sangen zu Beginn, das schöne Weihnachtslied, Ihr Kinderlein kommen, oh kommet doch bald…… .

Frau Wollmantel begleitete dabei mit einem schwarzlackierten Musikinstrument aus Plastik, welches ein Mittelding von Ziehharmonika, und Harmonium darstellte.
Dieses Instrument wimmerte erbärmlich, zwischendurch asthmatisch pfeifend. Die Kinder störte das nicht, hatten sie doch keine musikalischen Vergleichsmöglichkeiten. Im Gegenteil, sie sangen mit Inbrunst, gefühlvoll das kommende Weihnachtsfest freudig erwartend.

Ihre Lehrerin erzählte die biblische Weihnachtsgeschichte so, daß die Kinder sie gut verstehen konnten. Sie erzählte sehr schön mit ruhigem Ton und weicher Stimme, die schon andeutungsweise, ein sanftes Tremolo zeigte. Ein Umstand der viele weibliche Sopranstimmen betrifft, die allmählich das Klimakterium erreichen.

Als die Stelle mit der Verkündigung der Engel über die Geburt des Jesuskindes gekommen war, erreichten Ihre erzählerischen Qualitäten einen Höhepunkt.

Die Engel erschienen prachtvoller, ihr Erscheinen spektakulärer.
Auch den Stall zu Bethlehem, als Geburtsort des Jesuskindes schilderte Sie bildhaft und verständlich.

Im Zentrum Maria sitzend mit dem Kinde in der Futterkrippe, liebevoll mütterlich saß Sie dort. Ihr Blick strahlte Freude, aber auch Wehmut, Schmerz und Trauer aus. Als ob Sie schon ahnen könne, welchen Weg Ihr Sohn bis hin zum Kreuz auf Golgatha gehen würde.

Ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer mag an diese Stelle passen, ohne den Erzählstrom wesentlich zu unterbrechen:

„Allein weil Gott ein armer, elender, unbekannter, erfolgloser Mensch wurde, und weil Gott sich von nun an allein in dieser Armut, im Kreuz, finden lassen will, darum kommen wir von dem Menschen und von der Welt nicht los, darum lieben wir die Brüder. Wer fromm ist muß auch politisch sein.“

Gleich daneben rechts, Joseph. Groß, würdig, mehr Hirte als Zimmermann, ein schwerer Umhang und der unvermeidliche Hirtenstab. Alle drei beisammen die heilige Familie.

Die Krippe umlagernd, sitzend halb liegend aufgestützt, drei Hirten. Sie blicken staunend und zugleich erfreut auf das Jesuskind.

„Sind wir es, die ärmsten der Armen, wir die wir am Rand des Gesellschaft leben wirklich die ersten, die das Wunder der Geburt Christi erleben dürfen? Sie wir es, die als Erste dabei sein dürfen, von himmlischen Heerscharen, gerufen, wenn Gott als hilfloses kleines Baby auf die Erde kommt?“

Dabei der Ochse, der Esel und 3 Schafe. Die Körper der Tiere sind hinter einer Bretterwand verborgen. Lediglich die Köpfe sind zu sehen. Ihre Köpfe sind größer als gewohnt, die Augen staunend groß, blicken sie bewundernd und fröhlich auf die Szene.
Fast wie Kinder, die Ihre Weihnachtsgeschenke erhalten haben.

Die 3 Waisen aus dem Morgenlande mit den Gaben, Gold,Weihrauch und Myrhe.
Nun, die fehlen noch. Sind vielleicht noch nicht angekommen.

Zum Ende dann noch: Oh du fröhliche oh du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit…….
Die letzte Strophe dann hymnisch, laut und voller Inbrunst gesungen: …….freue dihich freue dich oh Christenheit !!!

Die Kinder liebten Ihre Geschichten, vor allem dann wenn nach dem letzten Schultage die Ferien begannen.

Zuweilen gingen nicht nur Ihren Schülern, sondern auch Ihr selbst die Geschichten so nahe, daß Ihr die Augen feucht wurden und Sie leise zu weinen begann. Sie erzählte dann von Krieg, Not und Tod, von Flucht und Vertreibung ihrer Familie, von Ihrer Geige die auf der Flucht mitgenommen, plötzlich beim einem Zusammenstoß der Pferdewagen in tausend Teile zerschellte …… .

Ja, Sie war ein Schöngeist im besten Sinne, eine kluge musikalisch begabte empfindsame Seele, wie geschaffen bei uns Kindern die Neugier zu wecken, die Phantasie und die Kreativität.
Wir Kinder wussten das nicht, aber, sie fühlten es.

Gegen 21:00 Uhr.
Die Oma hatte Ihn schon zu Bett gebracht.
Er war ziemlich müde, fühlte sich ein wenig abgeschlagen.
Ein paar Minuten erschien Sie dann, in ihrem blassrosa Unterrock, welchen er gut kannte, diente er Ihr doch als Nachthemd.

Opa, war wie üblich noch aufgeblieben um fern zu sehen. Opa war ein leidenschaftlicher Fernsehgucker. Am liebsten: Die Tagesschau, Ein Platz für Tiere, Eiskunstlauf, Skispringen und am liebsten Spiel ohne Grenzen, aber auch Krimis: Tatort und Edgar Wallace.
Gewöhnlich schaute man gemeinsam fern. Eine Zeit für das Zubettgehen für Kinder gab es nicht.
Oft schauten Oma, Opa und Kinder bis zum Sendeschluss. Dann erklang immer die Nationalhymne, dann erschien das Testbild, danach erst ging’s zu Bett.

Seinen Eltern wurde davon nichts gesagt. Es war unser Geheimnis, welches auch nie gelüftet würde.

Oma schlug die Bettdecke zurück. Er lag schon im selben Bette, was schon, Dank einer Heizdecke, wohlig warm war.
Oma legte sich dazu, strich Ihm sanft über den Kopf.
Sie roch immer, ganz im Hintergrund, ganz zurückhaltend nach Vanille. Es war Ihr ureigenen Geruch, den er liebte.

Die Heizdecke wurde ausgeschaltet.
Oma griff nun zu einem silbrig blassvioletten Kordel welches senkrecht von der Wand hinter dem Bette baumelte und den kopfseitigen berührte. Es war an dessen Ende mit einem ebenfalls blassvioletten Bommel versehen, der an seiner Unterseite mit lustigen herabhängenden kleinen Fäden versehen war.
Dieser Kordel nun hing über dem unvermeidlichen Heilandsbild. Eine erhabene, milde, verständnisvoll und gütig blickende Jesusfigur, mit Vollbart und langem gewellten Haupthaar, den Hirtenstab in der Hand. Vor Ihm in der mondbeschienenen hügeligen Landschaft, die an den Allgäu erinnerte, seine Schafherde.

Das Kordel baumelte, zwangsläufig, keck direkt über die Nase von Jesus.
Dieser schien sich daran nicht zu stören, im Gegenteil, er nahm er hin und schien durchaus belustigt.
Oma zog an dem besagten Bommel. Ein lautes Klack erklang, da Deckenlicht verlosch sogleich.

Sie nahm seine Hand und sagte:

„Kumm kläinr Buu. Mer welle noch zum Himmelvaddr bääde.“

Nun ja, es sei nochmals erwähnt:
„Oma und Opa waren fleißig, lebten sparsam, tat Ihre Pflicht, und waren durchaus gottesfürchtig. Aber nicht auf diese ausgrenzende verhärtete, kalte Art und Weise wie sie im Klippdachsland zu beobachten war.“
Ihm tat das immer sehr gut. Es hat sein bisheriges Leben entscheidend geprägt.
Die Oma und auch der Opa haben immer noch ein festen Platz in seinem Herzen.“

Nachdem das Licht verloschen war, erzählte Oma wie so oft von der alten donauschwäbischen Heimat. Von Opas Stellmacher Werkstatt, von eigenen Weinberg, vom Maulbeerbaum am Strassenrand und dessen süßen, köstlichen Früchten. Von der schweren Arbeit im Felde auf einem fruchtbaren Boden. Von der Kukerutzernte (Maisernte) .
Bald wurden beide müde, ihre Augenlieder wurden immer schwerer und fielen schließlich zu.

Mitten in der Nacht erwachte er mit heftigen stechenden Schmerzen im rechten Ohr. Er erinnerte sich an einen Alptraum:

Ihm träumte, daß er mit hohem Fieber im Bett lag, schweißnass und mit heftigen Schmerzen an ganzen Körper. Er war nass geschwitzt, der Kopf glühte förmlich und hatte rasende Kopfschmerzen. Er litt grossen Durst, die Zunge klebte Ihm am Gaumen.
Wirre Gestalten gnomenhafte Gesichter legten sich auf seine Brust, das stmen wurde ihm immer schwerer.
Ein besonderes niederträchtiger Gnom mit bösem hinterhältigen grinsen stach ihm mit einer langen Strick-Nadel ins Ohr.
Dann schien alles zu verschwimmen, graue Schwärze verdunkelten seinen Blick. Er schien zu schweben.
Dann ganz plötzlich wandelte sich die Szenerie.
Er befand sich nun in einem großen langestreckten Raum. Die Wände, hellgrün gekachelt. Bei einigen Kachel schien die hellgrüne Glasur abgeplatzt zu sein.
Der Boden ebenfalls gekachelt. Kleine rechteckige Fliesen mir kleinen grauen und schwarzen Punkten. Der lange Raum war mit einem recht lauten ratterden Geräusch erfüllt. Nicht unangenehm, eher mechanisch gleichmäßig, verlässlich, fast beruhigend.
Es waren 2 altertümliche Kompressoren, die freistehend, surrend und nagelnd seit Jahrzehnten ihren treuen Dienst, Tag und Nacht jeden Tag des Jahres ohne zu murren, versahen.
Diese Kompressoren dienten zur Kühlung dieses riesigen Gefrierschrankes. Man nannte diese ganze Anlagen somit Gefrieranlage, welche einem einzigen Zweck diente, nämlich allen Bewohnern des Dorfes unabhängig von Stand und Bildung eine Gefriermöglichkeit, zu einer verschwindend geringen Miete zu gewährleisten.
Genau in der Mitte des Saales befand sich ein rechteckiger großer Quader, nämlich der besagte riesige Gefrierschrank.
Der hatte die gleiche Farbe als die Fliesen, nämlich hellgrün.
So um die 3 Meter breit und mindestens 10 Meter lang, genau in der Mitte des langestreckten Saales,
sodas sich links und rechts Gänge befanden, die bequem zu begehen waren.
Von rechts wurde der Saal lichtdurchflutet.
Dort befand sich eine lange Fensterfront, die, vor allem im Sommer viel Licht spendete.
Nun, der Quader hatte links und rechts, auf 3 Ebenen 10 kleine weiße Türchen, lustig anzuschauen und von cremeweisser Farbe.
Jedes Türchen hatte ein Schloss, in Chrom, ebenso possierlich anzuschauen.
Wie gesagt, immer noch fiebrig, krank und vollkommen verschwitzt schwebte er in diesen Saal.
Alles war vertraut.
Schon an der Eingangstüre sah er links in der obersten Reihe jenes Türchen auf dem sich ein rotes Schildchen klebte.
Darauf stand: Vorfroster.
Ein Stehleiterchen ganz in der Nähe, diente dazu die dritte Reihe der Fensterchen bequem zu erreichen. Er schob es zurecht. Laut schleifend, kratzend, als ob es sich nicht bewegen wolle. Durch die gekachelte Halle, vielfach im Geräusche gebrochen, hallend ergab die eine infernalische Kakophonie, die ihn in Mark und Bein erschütterte.
Der kleine Schlüssel baumelte vom verchromten Schloß des Türchens.
Er stieg eine Stufe empor drehte ohne Mühe am Schlüssel, zog nur wenig am Schloß und schon öffnete sich das weiße Türchen.
Ein eisig kalter Windhauch kam ihm sogleich entgegen, er fühlte sich augenblicklich erfrischt.
Das innere dieses Vorfrosters war ganz aus Buchenholzlatten gefertigt. Zwischen den Latten war immer genügend Platz gelassen worden.
Aus diesen Zwischenräumen wehte ein kontinuierlichen eiskalter Windhauch. Auch am Boden fanden sich jene Latten aus Holz.
Dort befanden sich einige wenige Flecken aus Blut, nein nicht eckelerregend, nicht abstoßend, sondern wie selbstverständlich dorthingehörend. Es war Schweineblut.
Er öffnete das Türchen noch ein Stück weiter, sodass mehr Tageslicht von Außen hineindran. Was er nun sah entzückte ihn so sehr, daß er beinahe das Gleichgewicht auf dem Leiterchen verlor.
Ganz hinten links, im hölzernen Gefrierfach, stand ein Glasflasche im Jugendstil. Unten etwas breiter, sich dann elegant verjüngend, um sich danach wieder zu verbreitern, so elegant und anziehend wirkte wie eine schöne Frau im knöchelangem Kleide dessen Faltenwurf, Figur und Taille vorteilhaft umspielte.
Die Flasche, an sich schon in ihrem jugendstilarigen Ausehen faszinierend und von einer nachgerade erotischen Anziehungskraft steigerte sein Verlangen zu trinken. Umso mehr als sie von der Kälte mit winzigen Wassertröpfchen beschlagen war, die sich ab und an zu größeren Wassertropfen vereinigten und langsam den Flaschenhals hinunterrannen. Mit unwiderstehlichem Durst, die Zunge am Gaumen klebend, stieg er nun vollends in das kühle Fach und sah, das jene Flasche bereits geöffnet war. Ihr runder Kronkorken lag, gleich neben ihr. Die zwei Ränder ihrer runden Gestalt waren ein wenig nach oben gebogen. Er hob die Flasche an. Wie kühl sie sich anfühlte. Er betrachtete sie nochmals und trank, gierig und voller Wonne, von dem köstlichen dunkelbraunen Naß……… .

Dann erwachte er, fühlte sogleich diesen stechenden bohrenden Schmerz im rechten Ohr, als ob ihm jemand mit einer glühenden Stricknadel in den Gehörgang stach. Vor Schmerz begann er leise zu weinen. Oma erwachte, tastete nach ihm, fand im Finstern seinen glühenden Kopf.

„Mei Buu, warum duuscht dann greine uffd Nacht?
(Mein kleiner Bub, warum weinst du denn mitten in der Nacht?)
„Ganz schlimme Ohrenschmerzen“ tat er mit weinerlicher Stimme kund.
„Duu nedd greine mei Buu, ich weck drr Oba, däär werd drr helfe kenne,“ flüsterte sie und streckte Ihren Arm zu Opa aus.

Er aber war schon wach geworden und sagte leise: „Was iss dann Christschinn? (Christine?)“ „Drr Buu hodd Ohreschmerze, kannscht helfe?“
Opa fasste Ihn bei der Hand, zog am Schlafzimmerleuchtenbommel.

Das Deckenlicht leutete auf.
Er kniff die Augen zusammen.
„Kumm mit Buulä. I will drr helfe.“
Opa zog seine Hauschuhe mir dem rechten Fuss unter dem Bettgestell hervor und schlüpfte hinein.

Er fasste ihn bei der rechten Hand, öffnete die Schlafzimmertüre. Sie schlurften durch den dunklen kalten Flur, dann gleich links durch die Türe in die Küche.

Opa schaltete auch hier das Licht an. Hell und ohne Erbarmen durchflutete es die Küche.
„Setz di mei Gulbass.“(liebevolle Umschreibung für einen schalkhaften kleinen Buben)
„I kann dr helfe.“

Opa schlurfte ins gegenüberliegende Wohnzimmer und öffnete die linke Schranktüre. Er kam wieder zurück und hatte ein kleines Schnapsglas in der Hand welches er bedächtig auf den Küchentisch stellte.

„Woort noch e bische. I geh gschwind in die Speis (Speisekammer) und hol was. Des helft mei Buuleh.“ (ebenfalls eine liebevolle Umschreibung für einen kleinen Buben) Opa verlies die Küche gleich links in Richtung Schlafzimmer, dann wieder links in die Speisekammer.
Er hörte ein zurechtrückendes leises Gläserklingen.

Als Grossvater zurückkam hatte er eine Ölflasche in der Hand, die er ebenso bedächtig auf den Küchentisch neben des Schnapsglässchen stellte.
Dann öffnete er die Ölflasche ing goss einen winzigen Schluck Öl in des bereitstehende Gläschen. Er so auf dem Küchenstuhl, am Tisch, gleich unter der Küchenleuchte, nur bekleidet mit seinem Schlafanzug. Er begann zu frösteln, ja sich ein wenig zu fürchten. Was mochte nun mit Ihm geschehen?

Grossvater trat zu Ihm hin, strich Ihm über den Kopf, beugte selbigen ein wenig auf die linke Körperseite des Knaben.

Er nahm das Schnapsglässchen und goss einen kleinen Tropfen des Öles in sein rechtes schmerzendes Ohr und sagte:

„Buulä des wärd helfe, kannschsts gloowe.“ ….. .