Civil rights

https://www.yumpu.com/de/document/read/5089356/projektbeschreibung-in-form-einer-streitschrift-armin-herzberger
Das Narrativ zum Thema Inklusion,  bürgerschaftlichen Engagement von entwickelt im Jahre  2011 mit dem Ziel des Paradigmenwechsels der SA SP am Beispiel der Behindertenhilfe.
Das Ziel:
SA SP als bürgerrechtliche Aufgabe.

Civil rights

https://www.yumpu.com/de/document/read/5089356/projektbeschreibung-in-form-einer-streitschrift-armin-herzberger
Das Narrativ zum Thema Inklusion,  bürgerschaftlichen Engagement von entwickelt im Jahre  2011 mit dem Ziel des Paradigmenwechsels in der SA SP am Beispiel der Behindertenhilfe.
Das Ziel:
SA SP als bürgerrechtliche Aufgabe.
Wenn Du magst können wir morgen gerne darüber reden.
Deine Meinung dazu wäre mir wichtig
Liebe Grüße Armin

Gemeinsam für Bürgerrechte eintreten

https://www.yumpu.com/de/document/read/5089356/projektbeschreibung-in-form-einer-streitschrift-armin-herzberger
Das Narrativ zum Thema Inklusion,  bürgerschaftlichen Engagement von entwickelt im Jahre  2011 mit dem Ziel des Paradigmenwechsels in der SA SP am Beispiel der Behindertenhilfe.
Das Ziel:
SA SP als bürgerrechtliche Aufgabe.
Wenn Du magst können wir morgen gerne darüber reden.
Deine Meinung dazu wäre mir wichtig
Liebe Grüße Armin

Das Rasselchen

Es ist Dezember, kurz vor Weihnachten. Die Verwandtschaft trifft sich zur Geburtstagsfeier.
Die Vorbereitungen zu solch einem Ereignis sind umfänglich. Ein willkommenes Ereignis in einer dörflichen Umgebung. Ein nachmittägliches üppiges Kuchenbuffet ist obligatorisch.
Buttercremetorten, Sahnetorten in beachtlicher Höhe werden hergestellt.
Der Stolz für jede Hausfrau.
Er erinnert sich an ein hämmerndes, sägendes Geräusch zu früher Morgenstunden, welches ihn weckte.
Hervorgerufen durch den Handmixer der wohl starken Kontakt zur Rührschüssel hatte. Dazu der Geruch von Sahne, Vanille, und heiß gelaufenem Elektromotor.
Noch verschlafen und im Pyjama stieg er die Treppen hinunter, öffnete die Küchentür. „Zieh dich erst Mal an.“ sagte Großmutter. Mutter und Tante nickten beifällig ohne die Arbeit zu unterbrechen.
Großvater saß im Sessel und rasierte sich ebenfalls elektrisch. Das ergab ein unnachahmlichen Geräuschkonzert, das Ihn noch Jahrzehnte an die Weihnachtszeit erinnerte.


Abends dann ein deftiges Geburtstagsessen. Der Höhepunkt einer jeden Familienfeier. Kartoffelsalat, Nudelsalat immer. Bratwürste und heiße Fleischwurst ebenfalls. Das Highlight aber immer Pumpernickel dick mit Margarine bestrichen und mit Scheiblettenkäse belegt, mindestens in drei Schichten. Das ganze in längliche kleine Quadrate geschnitten und nach dem Essen zum Bier oder zum Wein gereicht.

Der Wein eine wirklich süße Plörre, Marke Himmlisch Moseltröpfchen oder Kröver Nacktarsch.
Zum Schluss noch, vor allem zur Weihnachtszeit, selbstgemachte Plätzchen aller Art die himmlische nach Butter, Vanille und Nüssen schmeckten.


Dergestalt gesättigt folgte auch er den Gesprächen der Gäste.
Für die Frauen ganz typisch, eigene Krankheiten die der Nachbarn und Bekannten. Die schulischen Leistungen der Kinder, in Frühling dann der Zustand des eigenen Gemüsegartens.
Und schließlich, in aller Ausführlichkeit, Dorfklatsch jeglicher Art.


Bei Männern hingegen war deren Mitteilungsbedürfnis eher übersichtlich. Bei den Alten wars der Krieg und Ihre Arbeit im benachbarten Siegerland als Maurer. Noch viele Jahre später glaubte er tatsächlich, das alle arbeitsfähigen Männer Maurer waren und im Siegerland arbeiteten.

Oft später dann, das Essen war schon im Gange kam, nun nennen wir Ihn Ottmar R.i.p
Er betrat das Wohnzimmer, ihm war anzumerken, dass im solche öffentlichen Auftritte deutlich überforderten und sagte:
Nichts.
Was niemanden wunderte. „Ottmar willst du noch Kuchen?“ „Das fehlt noch!“ sagte er.


Er schaute sich um und setzte sich dahin wo noch Platz war. Frauen reichten Ihm Teller und Besteck und rückten Ihm die deftigen Speisen zurecht. „Lass es Dir schmecken!“ Ottmar delektierte sich bereits, nickte nur und öffnete die bereitstehenden Bierflasche.
All das geschah ganz beifällig, niemand nahm Notiz davon.
Einige Flaschen Bier später wurde Ottmar redseliger.


Sein Blick hellte sich dann deutlich auf und bekam dann bald etwas wehmütiges und verschämtes.


Er habe mal bald nach dem Kriege ein Flüchtlingsmädchen gekannt. Sie sei schlank gewesen. Dunkle Haare, ein Lockenkopf. Immer unternehmungslustig zu Späßen und Streichen aufgelegt. Eine gute Tänzerin.

Man nannte sie „Rasselchen.“
Alle jungen Männer seien hinter ihr her gewesen. Sie wäre dann aber von einem Katholiken weggeschnappt worden. „Von einem Sudetengauner!“ wie er sagte. Das dieses junge Mädchen wohl die Liebe seines Lebens gewesen ist erwähnte er mit keinem Wort.

Ottmar ist ledig geblieben. Wohnt mit seiner Schwester zusammen, die ihn versorgt.

Zeltmission

Schwester Käthe (RiP) war wieder einmal zu Besuch. Ein groß gewachsene Frau Mitte 30, ledig, mit wachen braunen Augen. Eher quadratisches Gesichtszüge, volle Wangen. Ein gütiges Antlitz, gleichzeitig aber auch Durchsetzungskraft und Stärke ausstrahlend. Charakterliche Eigenschaften, die vielen donauschwäbischen Frauen zueigen ist. Es waren diese Donauschwäbinnen, seit Jahrhunderten aus Not und Verfolgung flüchtend mit Ihren Familien im Balkan eine neue Heimat fanden Dort ist wohl diese glutvolle emotional offene slawische Seelenverwandtschaft entstanden, der die Familienbande über alles ging und Kinder immer die wichtigste Rolle einnahmen. Und fleißig waren sie, sehr fleißig, aber auch immer bereit zu feiern, gut zu essen und zu trinken.

Er liebte Schwester Käthe. Sie war in jungen Jahren einen Diakonissenorden beigetreten. hätte sich dort wohl auf Dauer nicht wohlgefühlt und war ausgetreten. Ein Schritt der Mut erforderte. Nun war Sie freie Rot Kreuz Schwester in einem Krankenhaus in Dillenschloß. Sie trug nun eine Schwesterntracht in himmelblau, das kleine Häubchen keck am Hinterkopf, eine blütenweiße Schürzen, der kleine Kragen dekoraktiv. Am geschlossenen Dekolleté die unvermeidliche Rot Kreuz Spange. Sah nett aus, ganz im Gegensatz zur Ordenstracht der Diakonissen, die immer schwarz trugen, die gestärkte Haube, bedeckte beinahe das ganze Haupt. Eine steife Schleife dicht am Halse engte die Bewegungsfreiheit des Kopfes zusätzlich ein. So könnten Sie eigentlich nur geradeaus blicken, die Sicht nach rechts und links, nach unten war so beinahe unmöglich.Nach oben, himmelwärts war immer möglich. Ob da eine subtile Absicht vorlag?

Eine wichtiges Ereignis stand bevor, von vielen freudig erwartet , jedoch auch mit einer gewissen Bangigkeit.

Die Zeltmission hatte sich angesagt. Ist alles sauber und adrett hergerichtet, ein großer Hausputz musste sein. Alle Böden geschrubbt und gebohnert Fensterscheiben geputzt, dabei die Kellerfenster nicht ausgespart. Die Männer fegten Höfe und Straßen, Misthaufen wurden ordentlich in ein rechteckige Form getrimmt. Kuhfladen wurden sorgfältig mit der Flachschaufel abgehoben. All dies in Erwartung der Gäste die nach der letzten Predigt, immer sonntags, bei den ortsansässigen Familien zu Gast waren. Dann wurde gebacken. Hefekuchen köstlich. Schon am Tage vorher lag der köstliche Duft dieser Backware in der Luft. Torten turmhoch, in der Regel Buttercremetorte, was nicht fehlen durfte, Frankfurter Kranz. Fettig, mächtig, süß. Sodbrennen war vorprogrammiert, vor allem bei den älteren Herrschaften.

Die Zeltmission ist ein evangelikales Missionswerk, per Zelt in Deutschland aber auch in der Schweiz unterwegs um für Sünder auf den rechten Weg zu bringen und treue Christen im Glauben zu bestärken. Arme Sünder, die sich im Verlauf, Zeltmissionswoche zum Glauben bekannten, wurden gegen Ende der Veranstaltungen aufgefordert, „nach vorne zu kommen“ um öffentlich vor der Schar der bereits gläubigen Schar der Schwestern und Brüder ihren neuen Glauben zu bekennen, und sich als wiedergeborene Christen erkennen zu geben. Für die die nach vorne gehen wollten, konnte das enormen Druck erzeugen sich mutig als Wiedergeborene zu outen. Ihm war diese Prozedur von Kindheit an sehr suspekt, ja in gewisser Hinsicht angstbesetzt. In den sechziger Jahren begann zunehmend der amerikanische Fernsehprediger Billy Graham, das selbsternannte Maschinengewehre Gottes an Einfluß zu gewinnen.

Billy Graham

Er einte Täufer, Charismatiker und pietistiche Christen unter Zuhilfenahme einer eingänigen theologischen Kost, die möglichst allen mundete. Die braven Pietisten, fremdelten erst mit so einer flachen theologischen Soße, überwanden sich letztlich doch hofften vielleicht heimlich auf eine neue Erweckungsbewegung ähnlich derer im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert. In der fünfziger und sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts startete das „Janz Team“ missionarische sogenannte „Feldzüge für Christus“. Tausende sammelten sich in Hallen und Zelten um zu lauschen, Ihren Glauben zu finden oder zu erneuern. So auch der „Dillkreis Feldzug“ dem sich dann auch das „Vorderland“ anschloss.

So kam es, daß auf der kleinen Bleiche der Stadt Biedenhals ein riesiges Zelt aufgebaut wurde. Überall im Vorderland hingen riesige Plakate mit der Überschrift: „Kehrt um glaubt an das Evangelium“ Das Zelt fasste an die dreitausend Personen. Diese Plätze waren allabendlich fast besetzt. Es roch nach frischgemähtem Gras, vorne eine gut beleuchtete Bühne in der Mitte trohnte das Rednerpult, umrahmt von Geranien die stechend nach Unkrautverteilungsmittel rochen. Posaunenchöre, Männerchöre waren geladen. Posaunenchöre tröteten, Männerchöre knödelten im vierviertel Takt im Wechseldirigat. Janzteamsänger intonierten Lobpreislieder mit amerikanischen Akzent. So gut wie immer in C-dur Tonleitern rauf und runter, eingänge Intervalle mit Gitarrengeschrammel begleitet. Dann Hildor Janz, als Evangelist, mit dem typischen Aussehen eines weißen Amerikaners, der in der Öffentlichkeit steht, der was zu sagen hat. Kantiger Kopf, rechteckige Gesichtsform, die Haare ordentlich gescheitelt, mit Haarcreme, speckig glatt, mit einer angedeuteten Haartolle. Schwarze Hornbrille, breites Lächeln, die makellosen Zähne bleckend. Seine Predigt, Verkündigung, rethorisch ausgefeilt, eingängig, polarisierend, auf ein Ziel ausgerichtet: Kehre um, glaube an das Evangelium, ansonsten bist Du verloren, für immer in den Händen des Satans gebunden. Eine einfache Botschaft, monokausal, entweder bist Du wiedergeboren, dann bist Du im Heil, oder Du bist es eben nicht, dann droht Dir die ewige Verdammnis und das höllische Feuer. Zum Ende des Missionsfeldzuges würde diejenigen, welche „nach vorne gegangen waren“ in ein kleines Zelt gebeten, um mit jenen verlorenen Seelen für die Aufnahme in den Kreis der gerechten zu flehen. Einige kritische Geister, behaupten dort begönne dann ein“ Kampfbeten“ um für jeden einzelnen dieser verlorenen Seelen. „Nicht nur Calvin bekundete, menschliches Handeln könne nicht ohne Gottes Gnade erfolgreich sein. Dass Calvin gleichzeitig die Notwendigkeit eigener Vorsorge für das irdische Wohl betonte, ließ im 16. und 17. Jahrhundert in calvinistischen Kreisen das Lebensgefühl entstehen, Erfolg sei Ausdruck von Gottes Segen. Vorstellungen, aus wirtschaftlichem Erfolg auf Erden darauf schließen zu können, wem Gnade nach seinem Tode beschieden sein solle….“. …“Max Weber schrieb dem Calvinismus in seinem Aufsatz Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus von 1904/05 eine herausragende Rolle bei der Entwicklung des Kapitalismus zu… .“ Quelle u. A. Wikipedia

In jenen kleinen Dörflein, dort wo der Verfasser Kindheit und Jugend verbrachte, ging dieses Ereignis deutlich entspannter vonstatten. Zunächst reiste der verantwortliche Evangelist zusammen mit dem Zeltmeister mit einem kleinen Wohnwagen an. Als Veranstaltungsort war bereits vorher eine Wiese, leicht abschüssig, am Randes des Dorfes ausgewählt. Dort war Strom und Wasser vorhanden. Ein Tag später fuhr ein Lastwagen ins Örtchen, suchte den Veranstungsort, war problemlos, waren doch die erfahren Brüder bereits wartend zur Stelle. Das einparken war auch ohne Probleme, auch dank der Brüder, die lautstark und wrfahren einwiesen. Zurück, links, halt, rechts, nochmal rechts, HALT, STOP gellte es. Vielen hatten deswegen zwei Stunden frei gemacht oder wurden dafür frei gestellt. Als der Laster nun dergestalt richtig eingeparkt war um das Zelt fachgerecht abzuladen war machte sich Zufriedenheit bereit. Die Gesichter der Brüder, und das des Zeltmeisters entspannten sich. „Dä Räsd mache meer meer de Owed“ (Den Rest der Arbeit erledigen wir dann am späten Nachmittag). Auch der Zeltmeister, mit deutlichem Siegerländer Dialekt, nickte zufrieden und zog sich in den kleinen Wohnwagen zurück in dem der Evangelist schon auf Ihn wartete. Am späten Nachmittag dann gingen die Männer ans Werk. Der Zeltmeister hatte die Aufsicht, regelte und dirigierte bestimmt und streng, aber wohlwollend.

Die „Jungenschaftler“ durften unter Aufsicht mitarbeiten. Die altersmäßige Zuordnung der Jungen, aber auch der Mädchen war streng geregelt. Alles begann mit der Sonntagsschule. Dann Jungenjungschar, Mädchenjungschar, Konfirmandenunterricht, „Jungenschaft“, „Mädchenschaft“, immer geschlechtergetrennt. Die männliche evangelikale Elite wurde dann zu Mitgliedern der „Männerstunde “ berufen. Dieser erlauchte Kreis, traf sich Samstag Abend in „Verzweihaus“, kleiner Saal. Strikt nach einer wortgetreuen Interpretation biblischer Text, mag deren Exegese auch noch so absurd erscheinen, wurde geredet, sich gegenseitig im Glauben gestärkt, um jederzeit in der Lage zu sein „Zeugnis“ abzulegen.

Pfarrer, vor allem studierte Theologen hatten es schwer. Sie standen, gemeinsam mit Frau und Kind unter Dauerbewachung. Waren die Rollläden im Pfarrhaus morgens um halb acht noch geschlossen. „Aha der Pfarrer hat wieder Mal verschlafen.“ War im Pfarrbüro Samstag abends um zehn Uhr noch Licht. „Aha, der Pfarrer ist mit der Predigt wieder nicht fertig geworden.“ Bei der sonntäglichen Predigt dann, würde, was ja nichts schlechtes bedeutet sorgfältig, nachgerade genau zugehört. Besonders fromme Brüder, zum Gottesdienst mit einer Bibel und einem Oktavheft bewaffnet, notierten eifrig mit. In der Regel verdeckt durch die vordere Kirchenbank, geduckt sitzend, die aufgeschlagene Bibel auf der Kirchenbank, das Oktavheft auf den Knien den Kugelschreiber in der Hand. Gelegentlich wurde schon während der Predigt missfallend mit dem Kopf geschüttelt. Nach Ende des Gottesdienstes bewegten sich zuweilen frommen Männer in Richtung Altarraum und mit bedeutungsschwerer Miene bewaffnet mit der Elberfelder Bibel und Oktavheftchen die Sakristei, die wegen Ihrer Ähnlichkeit, „Sauställche“ (Schweinestall) benannt wurde . Der Pfarrer sich gerade seines Talars entledigend blicke auf. Seine Miene verrieten Verunsicherung und Ängstlichkeit. Der fromme Bruder öffnete die Tür des „Sauställchen“, schloß sie sogleich und blickte den Pastor an. Öffnete sein Elberfelder Bibel, die mit einem Reißverschluss, zum Zwecke der witterungsbedingten der Unbilden und begann zu reden.

Der fromme Bruder

Zu hören was nichts, aber der Gestus des frommen Mannes verriet einges. Erst ein freundliches Lächeln, dann mit bestimmter Miene, weiter mit erhobenen Zeigefinger belehrend ja nachgerade drohend. Bei Pastor hingegen, kaum ein Mienenspiel, ein Nicken zu Beginn, zunächst ein Staunen, ein kritisches Stirnrunzeln, ein Einwänden, zum Ende dann ein kurzes Nicken, den Kopf gesenkt, niedergeschlagen. Er verließ, nachdem der frommen Bruder in Christi gegangen war die Sakristei, den Talar unter dem Arm.

Der Zeltaufbau war für die Jungenschaftler ein Ereignis. Durften sie doch tatkräftig mithelfen, Handreichungen machen, Planen schleppen, Heringe sortieren und verteilen, Bänke aufstellen helfen. Ein großer Spaß, wurden Sie doch ernst genommen und entsprechend gelobt. Das beste in diesem buten Reigen von Aufgaben und Pflichten war die Einrichtung einer „Zeltwache“ ab der ersten Nacht nach dem Zeltaufbau. Der Zeltmeister, ein ehrfurchgebietender Mann, aus dem Verliererland, mit gütigen Augen immer für ein Späßchen bereit, teilte die Zeltwache ein, trug er doch die gesamte Verantwortung für alles rund um das Zelt. Das Zelt kreisrund circa zwanzig Meter im Durchmesser.

Fast so wie ein kleines Zirkuszelt, zumal sein pyramidenförmiges Dach aus vielen trapezförmigen Bahnen, weiß und rot zusammengenäht. Lediglich der Duft von gebrannten Mandeln, Zuckerwatte, der Geruch von Dressurpferden, Ponys und Eseln fehlte. Die „Jungenschaftler, Mädchenschaftler, Jungenjungscharler, Mädchenjungscharler“ waren begeistert. Nachmittags für die Sonntagsschulkinder die Kinderstunde. Eine Frau, eine Diakonisse namens Schwester Siglinde, war dafür aus dem Verliererland angereist. Ihr hellblaues Schwesternkleid wadenlang, ähnlich das der Schwester Käthe, um die schmale Taille gehalten von einer kurzen weißen Schwesternschürze. Das weiße kleine Schwesterhäubchen keck am Dutt befestigt. Die brünette lockige Haarpracht nur schwer mittels des Häubchens gezähmt. Eine frohe, lustige, ausgeglichene Frau mit lieben braunen Augen. Rein äußerlich schon ein vollständiges Gegenbeispiel, zu der sonst vorgeschriebenen Schwesterntracht, in schwarz, mit einer Pellerine für kalte Tage versehen. Die Kinder liebten sie, ihre Geschichten, ihre Gitarre, die christlichen Lieder. Die Jungenschaftler auch, mit heimlichen verschämten Blicken, mit deren pubertierenden Fantasien sorgte Sie gewiss für manche nächtliche feuchten Träume. Aber auch einige frommen Brüder blickten heimlich, steht’s aber auch mit Furcht vor dem Weibe, das einst von der Schlage verführt, Adam um sein Seelenheil brachte.

Die „Verkündigung“ in diesem lustigen kleinen Zirkuszelt war verglichen zum mit dem „Feldzug für Gott und wider den Teufel“ des Janzteams, liberal. Der Missionar, ein Ostfriese mit typischem Seemannsbart, mit Namen Fokke Bushboom RiP, predigte schlicht, jedoch einladend, nicht fordernd, bodenständig, zuweilen humorvoll. Das sogenannte „nach vorne gehen“ im Anschluss an die Verkündigung, sozusagen als Erfolgskontrolle, entfiel vollständig. Im ganzen war es eine lustige Mischung aus verschiedenen Veranstaltungen für Groß und klein, in einem kleinen bunten Zirkuszelt .

Gegen 19:00 brachte Schwester Käthe und Ihn zu Bett. Sie tat das mit dem Ihr eigenen Charme. Freundlich, resolut, sehr eindeutig aber nie grob oder gar grenzüberschreitend. Sie strich uns über die Haare, legte die Fingerspitzen ihrer rechten Hand auf sein Handgelenk, tastete den Puls. Ihre Fingerspitzen waren ein wenig kühler als sein Handgelenk. Ihre Finger sehr gepflegt die ganze Hand angenehm trocken. Die schaute dabei auf die Uhr an Ihrem Handgelenk, eine besondere Uhr. Eine größeres deutlich zu lesendes Zifferblatt. Der Sekundenzeiger war rot. Die Uhr hatte ein silbernes Gelenkband. Auch das Gehäuse der Uhr war von dieser Farbe. Eine Edelstahlarmbanduhr, zweckdienlich hergestellt für medizinisches Personal. Sie verströmte einen zarten nicht unangenehmen Duft von Rivanol, einem damals gebräuchlichen Wundesinfektionsmittels, von kräftig gelber Farbe. Dazu kam, ein weniger angenehmer leicht fauliger Geruch auf Ihrem Atem. Nicht störend, dennoch deutlich in Hintergrund zu ahnen. Schwester Käthe war sehr stolz auf Ihre Uhr. Mit ernster, milder Miene fühlte sie den Puls. Dann folgte ein mildes Lächeln, Ihre rechte Hand strich erneut über seine Haare. Das gleiche bei seiner Schwester „Guud Nachd, schloufd guud ihr Kinn.“ (Donauschwäbisch) Gute Nacht ihr beiden. Schlaft schön träumt was Schönes.

Mutter, Vater, Oma, Opa und auch Schwester Käthe waren bereit und gingen „ins Zelt“. Nichts war in diesen Tagen wichtiger. Er und seine Schwester waren nun alleine in den alten Bauernhaus. Kinder oder Enkelkinder alleine Zuhause zu lassen, kam für Oma Chrnicht in Frage. Bei den Donauschwaben standen die Kinder immer im Vordergrund. Eine andere Lebensart, andere Sitten und Gebräuche, eine andere Küche, die aus Mehl, Wasser, Speck, Knoblauch, Paprika, ein wenig Zucker die köstlichen Gerichte zauberten. Elferraus und Apfelstrudel

Man erwog die beiden Geschwister bei Opa Christine und Opa Peter übernachten zu lassen. Darauf würde aber nichts. Oma Christine litt wieder mal unter einer Gallenkolik. Passierte öfter, Sie machte kein Gewese darum, legte sich für einen Tag ins Bett, nahm „Spalt Tabletten“ gegen Ihre Schmerzen und war am anderen Tag wieder munter und gesund. Er und seine Schwester, bedauerten das, war doch eine Übernachtung bei ihren donauschwäbischen Großeltern steht’s beliebt, standen sie doch in diesem Falle immer im Mittelpunkt des Geschehens, wurden umsorgt und „verwöhnt.“ Es war ein früher Sommerabend, die Sonne gerade erst untergegangen. Der Himmel war bedeckt, die untergehende Sonne malte ein blasses Abendrot am westlichen Horizont. Es war angenehm kühl, die richtige Temperatur im Schlafzimmer der beiden Geschwister. Die Geschwister unterhielten sich noch ein Weilchen, die Stimme seiner Schwester würde zunehmend schwächer. Alsbald war sie eingeschlafen. Mit ruhigem Atem lag Sie da, auf ihrem Antlitz ein kleines zufriedenes Lächeln. Er hatte eine hübsche kleine Schwester. Ein reizendes Kind. Schwarze, dichte, glatte Haare, ein entzückender Bubikopf umrahmte ihr schönes ebenmäßiges Antlitz. Er schlief nicht. Er beneidete den guten Schlaf seiner Schwester, ihre robuste Konsistenz, ihre Ruhe und Beharrlichkeit. Zappelphilipp nannte man ihn. Ruhelosigkeit, Umtriebigkeit, eine überbordende Phantasie prägten sein Wesen. Auch ängstlich und in der Hackordnung der Buben in jenem kleinen Dörfchen ziemlich weit unten. Zu jener Zeit existierte eine Art Mafia, angeführt von zwei drei Kindern aus der ortsansässigen Darbistengemeinde

John Nelson Darby

deren Eltern nach der fundamentalistischen Maxime „Wer sein Kind liebt der züchtigt es“ Sprüche Kapitel 12 Vers 13 So wurden in die Kinder dieser Gemeinde, für vergleichweise geringe „Vergehen“ zuweilen auch unter Zuhilfenahme von Rute und Gürtel, windelweich geschlagen. Die geschah in der Regel unter Ausschluss der Öffentlichkeit, also im Keller. Wäre die Bibel demnach ein Buch für Prügelpädagogen? Was hat es mit dem berüchtigten Satz auf sich: »Wer sein Kind liebt, der züchtigt es«? Die Lutherübersetzung von 1912 so: Wer seine Rute schont, der haßt seinen Sohn; wer ihn aber liebhat, der züchtigt ihn bald.“ Möge hier doch besser eine historisch kritische Interpretation dieser Textstelle zu Sprache kommen? Da wäre zu wünschen. Kurzum: Wer Prügel bezieht gibt sie gerne an Schwächere weiter. Zu jener Zeit jedenfalls regierte das Faustrecht in den Gassen Höfen, Scheunen und Wäldern im Klippdachsland. Er selbst hatte da keine Chance sich „empor“ zu prügeln. Nicht wenige erlitten traumatisierende Erfahrungen, die wohl ein Leben lang zu belasten vermochten. Er war wohl, neben allen guten Erfahrungen dieser Kindheit, verbunden mit einer pietistischen Lebfeindlichkeit in der Erziehung, die zu schweren neurotischen und leider auch zu psychiatrischen Erkrankungen führten konnten. Auch derVerfasser will sich da nicht ausnehmen. Zurück ins Schlafzimmer der Geschwister: War es möglich, das unter seinem Bett ein böser Geist verborgen hatte? Da war doch ein leises Knistern, ein Schmatzen zu hören. Sein Blick unters Bett verriet, das war nichts zu finden. Was er wirklich hörte war alltäglich und damit beruhigend. Das satte muhen der Milchkühe, das zufriedene Grunzen der Mastschweine aus den Ställen. Das leise gurren der Hühner, die sich bereits zu Nachtruhe zurück gezogen und auf ihren Sitzstangen dösten. Das alles sollte ihn beruhigen, tat es aber nicht. Er fühlte sich alleine, im Stich gelassen. Er sah aus dem Fenster. Es wahr noch hell, die Dämmerung zog auf. Er fasste einen Entschluss. Du musst jetzt aufstehen, das Fenster öffen und nachschauen ob er wirklich von allen verlassen war. Gesagt getan. Das Fenster stand offen er blickte hinaus. Da war alles wie immer. Nur eins war anders. Kein Mensch zu sehen. Kein Licht kein bläuliches flimmern der Fernsehapparate in den Stuben. Dem wollte er jetzt auf den Grund gehen. Einerseits aus Furcht andererseits aber auch aus Neugier. Der Weg nach draußen war leicht. Das Schlafzimmerfenster lag paterre, nahezu ebenerdig zur Gasse. Vor dem Fenster waren Pflastersteine lose geschichtet, dazu dienend die steile aufwärtstrebende Gasse vor dem heimatlichen Bauernhaus neu zu asphaltieren und zu pflastern. Er stieg auf das äußere Fensterbrett, ein beherzter Sprung unter Zuhilfenahme der Pflastersteine, sch befand er sich mitten auf der Gasse. Er trug einen hellgrünen Schlafanzug mit hellgrauen Längsstreifen. Seine Schwester war inzwischen aufgewacht, blickte neugierig, ein wenig belustigt und fragte: „Wo willst Du hin?“ „Schwester Käthe suchen.“ antwortete er, was gelogen war. Seine Schwester lächelte und sagte mit der ihr eigenen Gelassenheit: Komm wieder rein, ich bin so müde.“ Er fand das sie eigentlich recht hatte und wollte sich schon auf den Rückweg in sein Bett begeben. Dann jedoch änderte sich die Geräuschkulisse, Laut schlug die Kirchturmuhr, Sie schlug zehn mal. Auch das war ein vertrautes Geräusch. Im selben Moment schritt eine Gruppe Menschen die Gasse hinauf. Er erkannte sogleich, obwohl es nun sch deutlich finsterer wurde: Eine ältere Frau in der typischen schwarzen Witwentracht des Klippdachslandes. Es war Niewes Oma Eine frohe lustige Frau, mit schwerem wiegendem Gang. Gleich daneben ihre Tochter, ebenfalls oft lustig und frohgemut durchs Leben schreitend. Bei uns Kinder war sie beliebt aber auch gefürchtet, wegen ihrer Kitzelattacken die uns plötzlich und unerwartet trafen. Direkt dahinter, Schwester Käthe. Sie sah ihn gleich, eilte voran und winkte freudlich. Sie kann auf ihn zu strich ihm, so wie immer, über die Haare und lächelte ruhig und mitfühlend. Nun erblickte er die Mutter, besorgt, daneben der Vater. Er blickte enttäuscht und verständnislos aber keineswegs erbost auf seinen Sohn der dort halb ängstlich halb neugierig im Schlafanzug mitten auf der Gasse stand. Gleich dahinter ein dicker alter Mann mit Schirmütze, eine einfache Ausführung der Prinz Heinrich Mütze und krähte boshaft:

„Do örre wörrer. Kotches Angstschesser. Gruus Maul onn nix derhinner. Onn suwos well wenn Jonge säi. Schaam dich….!“

Hochdeutsch: Da ist er ja schon wieder. Kotches (Hausnahmen) Angstscheiser (Angsthase) Immer einen großen Mund riskieren, jedoch nichts dahin. Und sowas will ein echter Junge sein. Schäme Dich!

Er stand da.

Wie angewurzelt.

Und schämte sich… .

Somnolia

Madame Somnolia du Schöne
Schwere Lieder sind der Schwerkraft ausgesetzt
Werden immer schwerer
Als ob gezogen
Mit Gewichten zentnerschwer

Was kann man tun
Zwinkern mit den Liedern
Kopf nach hinten strecken
Schultern heben dehnen
Gähnen Atmen Nase schniefen
Sich die eigenen Wangen kneifen


Nur Sekunden Liederflattern
Dann ein Zucken aller Glieder
Dann rechts als wie ein Blitz ihn trifft

Für Augenblicke Wachheit ihn durchströmt
Der Puls steigt hoch
Wärme nun erfüllt die Wangen
Kleiner Schwindel ihm zu Kopfe steigt
Nur Sekunden er ganz wach

Doch heimlich dann
Erst kaum zu spüren
Kommt Madame Somnolia zurück
Lieder wieder schwer wie Blei
Bilder steigen auf
Frühlingsdüfte Weihnachtsdüfte
Eine Wanduhr tickt

Der Kampf um Wachheit geht verloren
Somnolia du Schöne
Komme nun ergeben mich
Lass mich vergessen schwere Lasten
Verwische alles was den Kopf noch füllt

Hülle mich in einen schönen Traum

Somnolia du Schöne

Schwarzer Hund

Ist es die Krähe die von einem kahlen Ahornbaum hoch oben vom Geäst entfleucht
Ein letztes mal ihr rauer Schrei zu hören ist

Ist es ein ein Löwenzahn im frühen Jahr
er leuchtend flammend gelb erblüht
dann schnell gereift zur Pusteblume wird

Ein Windhauch dann die Samenkörner
die mit einem Schirm versehn ganz zart
davon trägt
Verschwinden dann und hoffen
der einst als neues Kraut
so gelb und wunderschön
erneut erblühn

Ist es ein runder rauer dicker alter Stamm der moosbegrünt sich stattlich zeigt
doch innen morsch
bereits nach Moder riecht
und bald vergeht.

Vielleicht ist’s das was viele fürchten
ist’s der Tod.
Man fürchten Ihn,
doch bringt er nicht
nachdem sich alles sehnt.

Ein Friede dann der nichts mehr hofft
und nichts mehr will

Komm schwarzer Hund
vollend dein Werk
damit dann endlich
nichts mehr ist

Die Wichtelkönigin

Im Ruhrpott.
Ein Wohnhaus, gekauft, renoviert, neu ausgestattet als Heim umgebaut. In einem kleinbürgerlich geprägten Stadtteil. Viele alte Leute, die Vorgärten, peinlich akkurat, der Rasen bis zu seinen Wurzeln gestutzt. Gänseblümchen haben keine Chance. Erst recht nicht, im Frühling die Pusteblumen mir ihrem bezaubernden Gelb.
Keine Chance.
Ausgerottet vor Beginn der Blüte. Die tiefen Wurzeln ausgegraben, unbarmherzig herausgerissen.
Dafür Steingärten, bepflanzt mit Exoten und industriefesten Bodendeckern. Insekten ohne Chancen, ebensowenig wie Singvögel, bis auf den klugen Sperling, der gelernt hat sich mit dieser Ödnis abzufinden.

Die Hecken, ebenfalls Exoten, Thuja und so. Peinlich genau gestutzt, mit dem Zollstock nachgemessen.
Tannen in Bonsai Format. Bloß kein Laub. Das stört diese spiesige, bornierte, patriarchale Welt. Was ihm bereits zum ersten mal auffiel.

Es roch:
Nach nichts.
Näherte man sich den Haustüren ahnte man:
Waschpulver- Spülmittel- Kloreinigerduft.
Vorwiegend wohnten hier alte Menschen.
Witwen, Witwer, Ehepaare die in die Jahre gekommen waren.

Es ist Winter, kurz vor Weihnachten.
Wie Watte legen sich große Schneeflocken auf Wiesen und Wälder.
Dicke große Flocken fallen von aschgrauen Himmel. Immer noch, obwohl doch schon in die Jahre gekommen, erliegt er dem Zauber des Winters. Seinen Lichtstimmungen, der allmählichen Veränderungen der Landschaft, die vorher grau und trist, dann aber in einem reinen Weiß unberührt erscheinen, so als ob all das was vorher war an Mühen und Plagen nie geschehen wäre.


Der Lärm, die Geräusche verstummen nun fast. Alles wird leiser, verschluckt durch den fallenden Schnee.

Das Heim ist nur über eine Türschelle mit Türöffner zu betreten.
Menschen die hier wohnen sollen sich nicht gefährden, keinen anderen gefährden. Deswegen diese geschlossene Gesellschaft.

Ob dieser Umstand für die betroffenen Menschen immer zu Guten gereichte sei dahingestellt.
Beim betreten des Konferenzraumes, er war in Begleitung der Wichtelprinzessin, erneut dieses Phänomen.

Wichtelprinzessin


Es roch:
Schon wieder, nach nichts!
Weder im Raum, noch im Flur, der zur Toilette führte, noch in der Toilette selbst, keine Gerüche.
Irritation, Verwirrung, Angst überflutete ihn.
Eine Gänsehaut machte sich bemerkbar, er begann zu schwitzen. Winzige Schweißperlen sammelten sich auf der Oberlippe.

Jahrelange Erfahrung hatten ihm gelehrt.
Da wo nichts zu riechen ist, da ist auch nichts.
Ist es möglich anzunehmen, das nichts existiert, erst wird wenn wir es denken?
Es erst in dem Augenblick zu existieren beginnt, wenn er es denken kann?
Später dann suchte er Hilfe aus diesem gedanklichen Dillema und entdeckte
Decartes:

In dem wir so alles nur irgend Zweifelhafte zurückweisen und für falsch gelten lassen, können wir leicht annehmen, dass es keinen Gott, keinen Himmel, keinen Körper gibt; dass wir selbst weder Hände noch Füße, überhaupt keinen Körper haben.“

Also auch nicht riechen können.

Ego cogito ergo sum.
Aber wir können nicht annehmen, dass wir, die wir solches denken, nichts sind; denn es ist ein Widerspruch, dass das, was denkt, in dem Zeitpunkt, wo es denkt, nicht bestehe. Deshalb ist die Erkenntnis: »Ich denke, also bin ich,« (lateinisch: ego cogito, ergo sum) von allen die erste und gewisseste, welche bei einem ordnungsmäßigen Philosophieren hervortritt.“

Für Ihn hieße das also:
„Zwar riecht es, aber Du riechst es eben nicht.“
Daraus könnte er den Schluß ziehen:
„Du hast ein psychosomatisches Problem.
Du riechst nichts, weil du nichts riechen willst.
Du sperrst dich innerlich, du willst mit dieser Zusammenkunft nichts zu tun haben. Du lehnst eigentlich alles ab, was du vorfindest.“
Das Gebäude, der liebevoll, adventlich gestalteten Wichteltisch, den nun allmählich beginnenden Smalltalk.
„Du kannst und willst es nicht mehr riechen.
Dir eckelt, obwohl du nichts riechst.
Du hast Angst, Panik, du willst nur noch eines:
Wegrennen.“


Alle sind da:
Frau Mi, die Wichtelkönigin, die Wichtelprinzessin Fr. Bri, die Ihr nachfolgend wollte, weitere weibliche Führungskräfte und jene die sich dafür hielten.
Zwei Männer sind auch dabei.

Schrottwichtel

Der Kamerad Hirsch dem er zugeneigt war und er selbst.

Er schrieb vorzeiten ein Gedicht. Schon eine Weile her. Heutzutage nicht mehr ganz Zeitgeist konform.
Aus seiner Sicht an dieser Stelle recht passend.
Vor allem dann, wenn man den zu Beginn unausweichlichen Smalltalk betrachtet, den er, als Sproß einer Handwerker- und Bauernfamilie, mit Dialekt aufgewachsen, eh nur sehr schlecht beherrschte.

Bunte Runde
Bunte Runde laut und schrill
Leiber duftend Haare schillernd
Augen voller Anmut strahlen
Münder von Verlockung künden
Reden denkend ständig
Künden süß fast nur Banales
Er fällst drauf rein und hörst‘s voll Lust
Doch steckt dahinter oft Berechnung.
Hör näher hin lass dich nicht blenden
Auch Gift und Galle sind oft süß
Merk auf mein Freund,
schmeckst nur Glasur;
und innen wird es bitter.
Duften, lockend
Augen strahlend.
Haut wie Alabaster schimmert
Münder schwellen sanft
Merk auf mein Freund
Halt dich zurück
Denn manchmal wird es bitter
Merk auf meine Freund:
Du bist es selbst.
Gib acht.

Die geneigte, vor allem weibliche Leserschaft, möge Ihm verzeihen.

Nun zur Hauptperson, der Wichtelkönigin.
Sie war eine beeindruckende Persönlichkeit.
Von kleiner Statur, kugelrund, wirrer Haarschopf, oft knallrot gefärbt.
Ein wenig wie Pumuckl.


Kleine lustige eisgraugrüne Augen die zunächst fröhlich und listig blickten. Auf den zweiten Blick dann, war eine anderer Charakter zu erkennen.

Die Wichtelkönigin


Kalt, berechnend, hinterhältig mit einem Hang zur Grausamkeit.
Sehr merkwürdig.
Zwei unterschiedliche, nachgerade, zwiespältige spannungsgeladene charakterliche Eigenschaften vereint bei einer Person.

Die Wichtelkönigin, war eindeutig die informelle Chefin der Runde.
Berücksichtigt er, mit aller Vorsicht, das psychoanalytische Theorem der Persönlichkeitszuordnung des genialen Psychoanalytikers Fritz Riemann aus seinen Standardwerk „Grundformen der Angst“, so ist zur Erläuterung zunächst einmal folgendes zu berichten:

Grundformen der Angst ist eine tiefenpsychologische Studie des Psychoanalytikers Fritz Riemann, die erstmals im Jahr 1961 unter dem Titel Grundformen der Angst und die Antinomien des Lebens erschien. In dem Werk werden vier verschiedene Typen der Persönlichkeit charakterisiert und ihre jeweiligen Ängste und Verhaltensweisen sowie deren Ursachen thematisiert. Riemann unterscheidet schizoide, depressive, zwanghafte und hysterische Strukturen der Persönlichkeit.
Wagt man, nach Fritz Riemann eine Einordnung der Persönlichkeit unserer Wichtelkönigin wäre es wert über folgendes nachzudenken:

Wie die Herkunft des Wortes schizoid schon sagt, das altgriechische Wort sch´ızein heißt auf deutsch ’spalten‘, ist das Sozialverhalten des schizoiden Typus’ (S-Typ) von einer Kontaktlücke, einem abgespalten-Sein von und eine Distanz zu Beziehungspartnern und dem sozialen Kollektiv gekennzeichnet.
Der S-Typ legt Wert auf die Unterscheidung von anderen, auf seine Unverwechselbarkeit, Unaustauschbarkeit, Einmaligkeit und Individualität, er strebt Autarkie und Unabhängigkeit an, will auf niemanden angewiesen sein und niemanden brauchen, keine Pflichten gegenüber anderen haben.

Oder mal ein Erklärungsversuche mit Hilfe einer astronomischen Denkfigur.
Den schizoiden Charakter kann man sich als eine Sonne vorstellen.
Er steht im Mittelpunkt eines Systems. Er ist sich dessen in bestimmten Fällen sehr bewusst. Er strebt danach, will Einfluss, will Macht, will in diesem Sinne steuern. Das soll aber nicht sichtbar sein, macht ihm Angst.
Aus der Ferne Menschen zu steuern, zu beeinflussen, zu manipulieren, ohne direkt in Erscheinung zu treten.
Dafür steht er als Fixstern im Mittelpunkt.
Der Depressive, liebt es, gleich wie Satelit um eine Idee, um eine Person zu kreisen.
Sich ganz hinzugeben, für eine Idee und deren Inkarnation zu leben. Selbstaufgabe ist dabei folgerichtig, ja notwendig. Er weicht dann ganz von sich selbst ab, vergisst sich, achtet nicht mehr auf sich.


Mit fatalen Folgen. Er rückte zeitweise näher an die betreffende Person heran. Das war praktisch, könnte er doch eigene berufliche Ziele schneller vorstellen und mitunter auch durchsetzen.

Der schizoide Charakter fühlt sich dann bedroht, will er diese Nähe doch eigentlich nicht.
Er fühlt sich von soviel Nähe bedroht. Er rückt deutlich ab. Gelingt das nicht, hat er lediglich noch eine Möglichkeit.
Er betont seine Unabhängigkeit, distanziert sich deutlich. Nutzt das nichts, reagiert er voller Panik, Vernichtungsphantasien machen sich breit. Jedes Mittel ist dann Recht.

Wenn sich schizoide und depressive Partner anziehen, dann ahnt möglicherweise der Schizoide instinktiv die Liebesbereitschaft und Liebesfähigkeit des Depressiven, seine Opferbereitschaft, sein einfühlendes ich-Bemühen. Hier kann er sich aufgehoben fühlen.

Andererseits fasziniert den Depressiven am Schizoiden, daß dieser etwas lebt, was er sich nicht zu leben gewagt hat: unabhängiges Individuum zu sein, ohne Verlustangst und Schuldgefühle. Zugleich spürt er, daß hier jemand ist, der seine Liebesbereitschaft dringend braucht. Eine solche Konstellation kann gelingen aber auch in die Katastrophe führen, denn wenn sich der Schizoide zu sehr eingeengt fühlt, wird er sich zu lösen versuchen, was dazu führt, daß der Depressive sich vernachlässigt fühlend näher an den Schizoiden herankommen möchte.
So entsteht ein Prozess der sich gegenseitig verstärkt und aufschaukelt.
So auch hier.
Da trafen sich zwei Charaktere die unterschiedlicher nicht sein konnten.

Mit Folgen die Beide betrafen, aber zunächst lediglich von der einen Seite wahrzunehmen war.

Zum einen Ihre schwere Adipositas Erkrankung die sich immer mehr ausprägte.
Zum anderen, was Ihr enorme Kräfte abforderte, die Konstruktion von erdachten, Ihr zum Machterhalt dienenden zwischenmenschlichen Beziehungen und Situationen.
Ein bestes Beispiel dafür war war das alljährliche Weihnachtswichteln.

Sie baute, mit unserer Hilfe ein Szenarios absoluter vorweihnachtlicher Harmonie, Friedfertigkeit und Geborgenheit für Alle auf.
Täuschend echt.

Ihre eigentlichen Absichten, nämlich Ihren kalten Machtanspruch zu zementieren und auszubauen wurden dadurch verwischt.
Das war der eigentliche Sinn dieser von Grund auf verlogenen Veranstaltung.
Wir alle, vor allem aber die Bedauernswerte Frau M. jene Person, die allmählich innerlich ertrank, nahmen dankbar an und fielen darauf rein.


Friede, Freude Eierkuchen vor Weihnachten, das musste sein. Ein jährlich sich wiederholendes Ritual.

Nun wurde ihm klar.
Hier war nichts zu riechen. Zu riechen ist nur daß was wirklich existiert um so seinen Duft zu verbreiten.
Der Duft, der typische Geruch eines Gegenstandes, einer Situation die sich ergibt, nur der gibt verlässliche Auskunft über das was wirklich existiert.
Riecht es nicht, existiert es auch nichts, ist falsch, unecht, verlogen, konstruiert.

Philosophisch im Existenzialismus betrachtet:


„Der Existenzialismus erlaubt die Vorstellung des Nichts und seine Erfahrung in der Angst überhaupt erst eine Ahnung des Seins zu haben.“

Für Dichter und Philosophen wie Jean-Paul Sartre (1905–1980) und Albert Camus (1913–1960) ist das Nichts das, woraus menschliches Dasein (Für-sich-sein) erwächst und menschliche Freiheit erst möglich wird.“
Quelle: Jura Forum

Dieser kurze Ausflug in die Philosophie mag genügen um sein:
„Ich rieche hier nichts“ zu deuten.

Einer soll nicht vergessen werden.
Kamerad Hirsch.
In dieser Runde ein Lichtblick.
Er, geprägt von einen tiefen herzlichen Sympathie für die Menschen mit Einschränkungen.
Hirsch ließ sich auf eine kluge Art und Weise nicht auf die Ränkeschmiede dieser von Grund auf unehrlichen Runde nicht ein.
Er folgte diesem Spiel nur dann, wenn es unbedingt erforderlich war, um sich zu schützen.
Ansonsten machte er, im Windschatten dieses aufgebrachten Geweses, sein Ding.
Er lachte viel, trieb seine Scherze ob dieser Zustände, aber nie so, daß er in Gefahr damit geriet.
Ein guter Kamerad
Ehrlich, kein bisschen arrogant, Machtspielchen verachtete er.
Danke Kamerad Hirsch, für die schöne Zeit mit Dir, trotz aller erduldeten Unwahrheiten, Intrigen und Schmähungen.

Männerchor Oberdieten refresh

Herzliche Einladung

Karfreitag 15.04.2022 15:00 Musikalischer Gottesdienst

Evangelische Kirchengemeinde Oberdieten

Willkommen im Klippdachsland

Über die Schwierigkeiten vom Klippdachsland zu schreiben.

Über das Land der Klippdachse zu schreiben ist schwierig für einen wie ihn, dachte er. War er doch dort geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen, hatte ganz in der Nähe studiert, geheiratet ,eine Familie gegründet und, lebte immer noch dort.

Also der wissende Blick des Außenstehenden? Eine Anmaßung?

„Ja so ist es. Hör auf, zu schreiben. Lass es sein, kommt nichts bei raus.“ Du kannst ja nur für dich schreiben. Sozusagen als Möglichkeit zur Klärung innerer Konflikte.

Als eine Art von literarischer Katharsis? „Das muss ich mir durch den Kopf gehen lassen.“ Dachte er sich. Schreiben heißt sich mitteilen wollen. Das was innen ist nach außen kehren, weil es nach außen strebt. Da macht es wenig Sinn zu schreiben ohne den Anspruch, dass Andere ein Interesse daran haben, das Geschriebene zu lesen.

„Für mich jedenfalls,“ überlegte er.

Zurück zu den Klippdachsen. Wer sucht, findet zunächst Folgendes:

Wie die moderne Forschung annimmt, entspricht dem. Klippschliefer der mehrfach in der Bibel erwähnte Klippdachs. Psalm 104 beschreibt ihn als Tier, das in den Felsen Zuflucht sucht. In den Zahlensprüchen schildert das Buch der Sprichwörter den Klippdachs als machtloses, schwaches Tier, das aber aufgrund seiner Weisheit trotzdem seine Wohnungen im Felsen baut. Einer missinterpretierten Beobachtung der biblischen Redakteure dürfte die Gesetzesvorschrift im Buch Levitikus entstammen, wonach der Klippdachs wiederkäue, aber keine gespaltenen Hufe habe, weshalb er als unrein anzusehen sei. Darauf basiert auch die Parallelstelle im Buch Deuteronomium. Auch wenn dies letztlich nicht mehr sicher belegbar sein dürfte, sprechen diese Übereinstimmungen der biblischen Schilderungen mit der tatsächlichen Anatomie und Lebensweise des Klippschliefers dafür, den im Deutschen so bezeichneten Klippdachs mit dem Klippschliefer zu identifizieren. An anderer Stelle ist zu lesen: Eines der Tiere, welche die Israeliten nicht essen durften. Es wird gesagt, dass er wiederkäut, jedoch keine gespaltene Hufe besitzt. Man nimmt an, dass das hebräische Wort shaphan auf den syrischen Schliefer hinweist, ein Tier, das ungefähr so groß ist wie ein Kaninchen. Es hat die Gewohnheit, dauernd die Zähne übereinander zu reiben. Es passt genau auf die Beschreibung von shaphan, zum Beispiel, dass es zwischen den Felsen wohnt, und dass es außergewöhnlich schnell von Fels zu Fels springt. Es ist auch extrem schwierig zu fangen; eines von diesen Tieren hält steht’s stets Wache. Wenn ein Feind sich nähert, wird ein Signal gegeben und sofort verschwinden alle Tiere. Dies stimmt mit der Tatsache überein, dass sie „mit Weisheit wohl versehen sind.“

Aber wieso in aller Welt geht mir dieser Klippdachs nicht aus dem Kopf, dachte er. Hatte es damit zu tun, dass er vor Monaten, wieder mal auf seinen Streifzügen durch das Web mehr zufällig auf die Seite einer Ausbildungsstätte für zukünftige evangelikale Pastoren gestoßen war?

Dort war zum Anlass der Verabschiedung eines Lehrers in den Ruhestand zu lesen: „…. verglich Ihn mit dem biblischen Klippdachs, der sich auch in rauer Umgebung zu helfen wisse. Als Herdentier habe er sich nicht nur um sich selbst, sondern wie der Klippdachs vor allem um seine „Artgenossen“, die Studierenden und Kollegen, gekümmert…“ Mag sein. Erinnerungen aus Kindheit und früher Jugend waren geweckt.