
Ja, die Kirche darf sich in die Politik einmischen, und viele sehen darin sogar eine Pflicht, insbesondere bei ethischen Fragen, Menschenrechten und dem Gemeinwohl.
Wobei sie sich aber von tagesaktuellen Parteipositionen fernhalten sollte, um ihre Glaubwürdigkeit zu wahren und als moralischer Kompass zu wirken.
Die Meinungen gehen auseinander, wie stark diese Einmischung sein sollte, aber die allgemeine Tendenz ist, dass Kirche sich für christliche Werte wie Nächstenliebe, Bewahrung der Schöpfung und Gerechtigkeit einsetzen muss, um ihre Rolle in der Gesellschaft wahrzunehmen, statt sich komplett zu neutralisieren.
Argumente für die Einmischung:
Glaubensauftrag: Der Glaube ist nicht nur privat, sondern hat eine politische Dimension; Schweigen bei Ungerechtigkeit wäre ein Versagen.
Wertevermittlung: Die Kirche kann christliche Werte als Leitlinien für politische Entscheidungen einbringen, z.B. in der Sozialpolitik oder beim Klimaschutz.
Menschliches Wohl: Wenn das Wohl der Menschheit gefährdet ist, sieht sich die Kirche verpflichtet, eine Stimme zu erheben.
Demokratie stärken: Als Institution kann sie Halt geben, Sinn stiften und so das zivile Miteinander und die Demokratie fördern.
Grenzen der Einmischung:
Keine Parteipolitik: Die Kirche soll nicht Partei ergreifen, sondern Partei für die Menschen ergreifen und nicht in tagespolitische Grabenkämpfe verfallen.
Neutralität wahren: Der Staat muss religiös neutral bleiben, aber die Kirche agiert in der Gesellschaft und muss ihre Unabhängigkeit bewahren.
Spielfeld wechseln: Eine zu starke Fokussierung auf Tagespolitik kann von der grundlegenden spirituellen Aufgabe ablenken.
Praxis in Deutschland: Das deutsche Grundgesetz sieht keine strikte Trennung von Staat und Kirche vor; der Staat arbeitet mit Religionsgemeinschaften zusammen, z.B. beim Religionsunterricht.
Die Bundesregierung schätzt die Einbindung der Kirchen bei ethischen und sozialen Fragen.
Fazit: Die Kirche darf und muss sich politisch einmischen, aber mit Augenmaß, indem sie ihre ethischen Grundsätze in die Debatte einbringt, ohne sich selbst zu einer politischen Partei zu machen.
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17.12.25 Claudius Herz