Eine Vorlesung in leichter Sprache an der Universität Siegen Studiengang Sozialarbeit Sozialpädagogik BA am 21.01.26
# Behinderten-Hilfe und Rechts-Populismus
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in Leichter Sprache
Liebe StudentInnen
Es gibt eine wichtige Entwicklung in Europa.
Und auch in Deutschland.
Rechts-populistische Parteien werden stärker.
Das betrifft auch die Behinderten-Hilfe.
Menschen mit Behinderung sind eine schwache Gruppe.
Ihre Rechte sind in Gefahr.
In der Politik hört man oft diese Fragen:
– Was kostet das?
– Ist das nützlich?
– Brauchen wir das wirklich?
Manche sagen:
Inklusion ist nur eine Idee.
Eine schlechte Idee.
Das ist gefährlich.
Wir wissen aus der Geschichte:
So fängt es an.
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## Gefährliche Argumente
Es gibt 3 Arten von gefährlichen Argumenten.
### 1. Menschen kosten Geld
Manche Leute fragen immer:
Was kostet das?
Sie meinen zum Beispiel:
– Hilfen für Menschen mit Behinderung
– Assistenz
– Barriere-Freiheit
Diese Leute denken:
Ein Mensch ist nur etwas wert,
wenn er Geld verdient.
Aber das stimmt nicht!
Es gibt die UN-Behinderten-Rechts-Konvention.
Deutschland hat sie 2009 unterschrieben.
Dort steht:
Teilhabe ist ein Menschen-Recht.
Kein Geschenk.
Keine Belohnung.
Rechts-Populisten sehen das anders.
Sie ändern langsam,
wie wir darüber reden.
### 2. Starke und schwache Menschen
Rechts-Populisten reden oft von:
– Leistungs-Trägern
– Schmarotzern
Sie meinen:
Manche Menschen arbeiten viel.
Die sind wichtig.
Andere Menschen arbeiten nicht.
Die sind unwichtig.
Menschen mit Behinderung zählen sie zur 2. Gruppe.
Egal, was diese Menschen können.
Egal, was sie tun.
Aber das ist falsch!
Behinderung ist keine Eigenschaft von Menschen.
Behinderung entsteht durch Barrieren.
Barrieren macht die Gesellschaft.
Zum Beispiel:
– Treppen statt Rampen
– Schwere Sprache statt Leichter Sprache
– Keine Hilfen
Rechts-Populisten sagen:
Der Sozial-Staat ist eine Last.
Wir müssen ihn bezahlen.
Für die anderen.
Aber der Sozial-Staat ist wichtig!
Er zeigt:
Wir halten zusammen.
### 3. Wir und die Anderen
Rechts-Populisten sagen oft:
Es gibt ein WIR.
Und es gibt die ANDEREN.
Zum WIR gehören nur manche Menschen.
Zum Beispiel:
– Menschen, die viel arbeiten
– Menschen aus Deutschland
– Menschen ohne Behinderung
Alle anderen gehören nicht dazu.
Rechts-Populisten sagen über Inklusion:
– Das ist Gender-Gaga.
– Das ist Minderheiten-Politik.
– Das schadet der Mehrheit.
Das ist gefährlich.
Denn es zerstört das Mit-Gefühl.
Und es macht Zusammen-Halt kaputt.
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## Was früher passiert ist
Wir müssen uns erinnern.
An die Nazi-Zeit.
Die Nazis haben über 200.000 Menschen getötet.
Diese Menschen hatten:
– Behinderungen
– Psychische Krankheiten
Die Nazis nannten das: Euthanasie.
Aber es war Mord.
So hat es angefangen:
**Schritt 1:**
Die Nazis haben geredet über:
– Lebens-wertes Leben
– Lebens-unwertes Leben
**Schritt 2:**
Die Nazis haben gerechnet:
Was kostet die Pflege?
Sie haben Filme gemacht.
In den Filmen stand:
Diese Menschen kosten zu viel Geld.
**Schritt 3:**
Die Nazis haben Menschen entmenschlicht.
Sie haben sie genannt:
Ballast-Existenzen.
Minderwertige.
**Schritt 4:**
Die Nazis haben getötet.
### Die Kirchen haben versagt
Die Kirchen haben meistens geschwiegen.
Nur wenige haben widersprochen.
Zum Beispiel:
– Bischof von Galen
– Pfarrer Paul-Gerhard Braune
Aber viele Kirchen haben:
– Geschwiegen
– Mit-gemacht
Das war ein großer Fehler.
### Die Lehre
Diese Geschichte ist nicht lange her.
Sie zeigt uns:
Es kann schnell gehen.
Rechte können verloren gehen.
Wenn wir nicht aufpassen.
Wenn wir zulassen,
dass Menschen nach ihrem Nutzen bewertet werden.
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## Was heute passiert
Die Gefahr ist real.
Sie ist nicht weit weg.
**In Ungarn:**
Viktor Orbán hat viele Sozial-Leistungen gestrichen.
**In den USA:**
Menschen mit Behinderung haben Angst.
Sie könnten ihre Kranken-Versicherung verlieren.
**In Deutschland:**
Manche Parteien sagen:
Der Sozial-Staat ist eine Hängematte.
Wir erleben auch:
**In Schulen:**
Manche sagen:
Inklusion senkt das Niveau.
Das schadet allen Kindern.
**Bei Assistenz-Leistungen:**
Manche sagen:
Das ist Vollkasko-Mentalität.
Die Leute wollen alles geschenkt bekommen.
**Bei Werkstätten:**
Manche sagen:
Das sind Parallel-Gesellschaften.
**Bei Selbst-Vertretung:**
Manche sagen:
Das sind nur Lobbyisten.
Die wollen nur Geld.
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## Was wir tun können
### 1. Auf die Sprache achten
Wir müssen aufpassen.
Wie reden Menschen?
Zum Beispiel:
Jemand sagt: Leistungs-Träger.
Dann fragen wir:
Wen meinen Sie damit?
Wer ist kein Leistungs-Träger?
Jemand sagt: Inklusion ist eine Ideologie.
Dann fragen wir:
Was meinen Sie damit?
Warum sagen Sie das?
Jemand fragt: Was kostet das?
Dann fragen wir zurück:
Was ist es uns wert?
Welchen Wert haben Menschen?
Wir müssen widersprechen.
Klar und deutlich.
Nicht nur höflich.
### 2. Menschen mit Behinderung stark machen
Das ist sehr wichtig:
Menschen mit Behinderung sollen nicht nur Hilfe bekommen.
Sie sollen selbst handeln.
Sie sollen mit-gestalten.
Ein Beispiel:
Das Projekt Möglichkeits-Denker.
Es gibt das Projekt seit über 20 Jahren.
Was passiert dort?
Menschen mit Unterstützungs-Bedarf helfen anderen.
Sie arbeiten ehrenamtlich.
Sie sind nicht nur Empfänger.
Sie sind auch Gebende.
Das ist auch politisch wichtig.
Am besten ist:
Menschen mit Behinderung sprechen selbst.
Sie kämpfen selbst für ihre Rechte.
Dafür müssen wir:
– Selbst-Vertretungs-Gruppen unterstützen
– Kurse anbieten zu Politik
– Menschen ermutigen, ihre Meinung zu sagen
### 3. Zusammen arbeiten
Wir können nicht alleine kämpfen.
Wir brauchen Partner.
Zum Beispiel:
– Kirchen
– Gewerkschaften
– Menschen-Rechts-Gruppen
– Alle, die für Solidarität sind
Zusammen sind wir stark.
Wir müssen zusammen-halten.
Für die Menschen-Würde.
### 4. Klar Stellung beziehen
Unsere Verbände müssen klar sein.
Unsere Einrichtungen müssen klar sein.
Wenn Menschen-Rechte angegriffen werden,
dürfen wir nicht neutral sein.
Wir brauchen:
– Klare Aussagen
– Öffentliche Stellungnahmen
– Mut zur Diskussion
Wer für Inklusion arbeitet,
kann nicht unpolitisch sein.
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## Schluss
Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
wir müssen uns entscheiden:
**Ist Behinderten-Hilfe nur ein Job?**
Nur eine Dienst-Leistung?
Nur Verwaltung?
**Oder ist Behinderten-Hilfe ein politischer Auftrag?**
Ein Kampf für eine gerechte Gesellschaft?
Ein Kampf für alle Menschen?
Rechts-Populismus ist eine Gefahr.
Für unsere Arbeit.
Für Menschen mit Behinderung.
Wir müssen antworten.
Unsere Antwort muss sein:
– Wachsamkeit
– Widerspruch
– Solidarität
Jeden Tag.
Überall.
Ohne Ausnahme.
Vielen Dank.
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*Zeit zum Vorlesen: etwa 11-12 Minuten*
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## Wichtige Wörter erklärt
**Rechts-Populismus:**
Eine politische Richtung.
Diese Leute sagen:
Manche Menschen sind besser als andere.
Sie sind oft gegen:
– Ausländer
– Schwache Menschen
– Minderheiten
**Vulnerable Gruppen:**
Schwache Gruppen.
Gruppen, die leicht verletzt werden können.
Gruppen, die Schutz brauchen.
**UN-Behinderten-Rechts-Konvention:**
Ein Vertrag.
Viele Länder haben ihn unterschrieben.
Auch Deutschland.
Darin steht:
Menschen mit Behinderung haben besondere Rechte.
Zum Beispiel das Recht auf Teilhabe.
**Inklusion:**
Alle gehören dazu.
Niemand wird ausgeschlossen.
Menschen mit Behinderung leben mitten in der Gesellschaft.
**Sozial-Staat:**
Der Staat hilft Menschen.
Zum Beispiel:
– Bei Krankheit
– Bei Arbeits-Losigkeit
– Bei Behinderung
**Selbst-Vertretung:**
Menschen mit Behinderung sprechen für sich selbst.
Sie kämpfen selbst für ihre Rechte.
Sie brauchen dafür manchmal Unterstützung.
Aber sie entscheiden selbst.
**Empowerment:**
Menschen stark machen.
Menschen befähigen.
Menschen ermutigen,
für sich selbst einzutreten.
21.01.26 Armin Herzberger