Weil ich Christ bin

27. Januar – Ein Tag, der mich nicht loslässt

Heute vor 80 Jahren befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz. Was die Soldaten dort fanden, lässt sich kaum in Worte fassen: ausgemergelte Menschen, Berge von Leichen, Gaskammern, in denen über eine Million Menschen ermordet wurden. Die meisten von ihnen waren Juden. Aber auch Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle, politische Gegner – alle, die nicht ins menschenverachtende Weltbild der Nazis passten.

Als Christ kann ich an diesem Tag nicht schweigen. Ich muss es sogar noch deutlicher sagen: **

Weil ich Christ bin, darf ich nicht schweigen.

Jesus hat uns aufgetragen, unsere Nächsten zu lieben wie uns selbst. Er hat die Ausgegrenzten in die Mitte geholt, die Kranken geheilt, die Verachteten angenommen. Die Nazis haben genau das Gegenteil getan: Sie haben Menschen nach „wertvoll“ und „lebensunwert“ sortiert. Sie haben aus Nächsten Feinde gemacht. Sie haben die Würde des Menschen mit Füßen getreten.

Und die Kirchen? Viele haben geschwiegen oder sogar mitgemacht. Das ist eine Schuld, die wir nicht vergessen dürfen.

**Deshalb schaue ich heute nicht nur zurück, sondern auch um mich herum.**

Wenn heute wieder Menschen ausgegrenzt werden, weil sie eine andere Hautfarbe haben, eine andere Religion oder Herkunft – dann ist das der gleiche Geist, nur in neuem Gewand. Wenn die AfD von „Remigration“ spricht und Menschen ihre Heimat streitig macht, dann höre ich Töne, die ich aus der dunkelsten Zeit unserer Geschichte kenne. Wenn Politiker hetzen statt versöhnen, spalten statt zusammenführen, dann läuten bei mir alle Alarmglocken.

**Weil ich Christ bin, stelle ich mich dagegen.**

Nicht weil ich politisch sein will, sondern weil mein Glaube mich dazu verpflichtet. Die Würde des Menschen ist unantastbar – nicht nur als Grundgesetzartikel, sondern als Kern meines christlichen Glaubens. Jeder Mensch ist ein Ebenbild Gottes. Jeder. Ohne Wenn und Aber.

Dietrich Bonhoeffer hat es auf den Punkt gebracht: „Schweigen macht schuldig.“ Er hat für seinen Widerstand gegen Hitler mit dem Leben bezahlt. Ich muss heute Gott sei Dank nicht mein Leben riskieren, wenn ich meinen Mund aufmache. Aber ich muss ihn aufmachen. Gerade jetzt.

**Erinnern heißt handeln.**

Der 27. Januar ist kein Tag für leere Rituale. Er ist ein Tag, der mir zuruft: Schau hin! Misch dich ein! Steh auf, wenn Menschen verächtlich gemacht werden! Das bin ich den Millionen Ermordeten schuldig. Das bin ich meinem Glauben schuldig.

Weil ich Christ bin.

Armin Herzberger, 27. Januar 2025

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