Ein Vortrag, der mich bewegt hat
Siegfried Zimmer und „Die schwule Frage“
von Armin Herzberger
Ich habe einen Vortrag gesehen.
Der Vortrag heißt: „Die schwule Frage – Die Bibel, die Christen und das Homosexuelle.“

Der Referent ist Professor Siegfried Zimmer.
Er ist Theologe.
Er hat viele Jahre an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg gelehrt.
Und er hat die Plattform Worthaus mitgegründet.
Worthaus macht Theologie für alle zugänglich.
Der Vortrag dauert eineinhalb Stunden.
Ich habe ihn in einem Stück gesehen.
Das passiert mir selten.
Was sagt Zimmer?
Zimmer stellt eine einfache Frage:
Wo waren die Christen – als Schwule und Lesben verfolgt wurden?
Jahrhunderte lang wurden Menschen verfolgt.
Sie wurden ausgegrenzt.
Sie wurden gefoltert.
Sie wurden getötet.
Und die Kirche?
Die Kirche hat oft mitgemacht.
Oder geschwiegen.
Das sagt Zimmer klar und deutlich.
Und er sagt: Das ist eine Schande.
Was ist mit der Bibel?
Viele Christen sagen: „Die Bibel verbietet Homosexualität.“
Zimmer schaut genau hin.
Er fragt: Was stand damals wirklich dahinter?
Er erklärt: Das Konzept der gleichgeschlechtlichen Liebe, so wie wir sie heute kennen – das gab es in der Antike noch nicht.
Die Bibel redet also über etwas anderes.
Nicht über liebende, gleichberechtigte Beziehungen.
Das ist eine wichtige Unterscheidung.
Was hat mich berührt?
Zimmer fragt: Wenn Gott die Liebe ist – wie kann dann etwas, das so viel Leid verursacht hat, wirklich Gottes Wille sein?
Diese Frage hat mich getroffen.
Jesus hat uns gelehrt: An den Früchten erkennt man den Baum.
Die Früchte der Ausgrenzung von Schwulen und Lesben?
Das war Leid. Das war Verzweiflung. Das war Tod.
Das können keine guten Früchte sein.
Was denke ich?
Ich stimme Zimmer zu.
Nicht weil es bequem ist.
Sondern weil es mir theologisch richtig erscheint.
Die Würde jedes Menschen ist unantastbar.
Das ist kein politischer Satz.
Das ist ein theologischer Satz.
Gott hat jeden Menschen geschaffen. Jeden. Ohne Ausnahme.
Und die Kirche – unsere Kirche – muss lernen zu sagen: Wir haben Fehler gemacht. Wir haben Menschen verletzt. Es tut uns leid.
Das ist kein Zeichen von Schwäche.
Das ist ein Zeichen von Glauben.
Ein Theologe, der unbequeme Fragen stellt.
Zimmer kommt selbst aus dem evangelikalen Umfeld.
Er kennt diese Welt von innen.
Und er sagt klar: Er will nicht evangelikal sein.
Der Preis dafür sei zu hoch.
Das ist eine mutige Aussage.
Denn Zimmer redet nicht von außen.
Er redet als jemand, der die Bibel ernst nimmt.
Der die Geschichte des Christentums kennt.
Er kritisiert einen bestimmten Umgang mit der Bibel.
Einen Umgang, der nicht fragt.
Der nicht zweifelt.
Der alles schon zu wissen meint.
Ich kenne diesen Umgang.
Ich bin damit aufgewachsen.
In meiner Kindheit gab es Menschen, die die Bibel wie ein Gesetzbuch lasen.
Schwarz. Weiß. Fertig.
Zimmer zeigt: Das ist nicht das Einzige, was die Bibel ist.
Die Bibel ist ein lebendiges Buch.
Ein Buch, das Fragen stellt.
Nicht nur Antworten gibt.
Das befreit mich.
Heute noch.
Ein Vortrag für viele
Ich empfehle diesen Vortrag.
Besonders Menschen, die selbst betroffen sind.
Die vielleicht in einer Gemeinde aufgewachsen sind, in der sie sich schämen mussten.
Die ihren Glauben verloren haben – weil die Kirche sie nicht angenommen hat.
Und ich empfehle ihn Menschen, die noch zweifeln.
Die noch fragen.
Die noch suchen.
Siegfried Zimmer zeigt: Es geht auch anders.
Theologie kann befreien.
Nicht einengen.
Zum Schluss
Ein Mensch hat nach dem Vortrag geschrieben:
Sie hatte ihren Glauben verloren.
Wegen der Ablehnung durch Christen.
Nach diesem Vortrag spürte sie zum ersten Mal wieder:
Vielleicht gibt es einen Weg zurück zu Gott.
Das hat mich bewegt.
Darum geht es.
Nicht um Recht haben.
Sondern um Menschen.
Der Vortrag ist auf YouTube zu finden: „Die schwule Frage – Die Bibel, die Christen und das Homosexuelle“ von Prof. Dr. Siegfried Zimmer (Worthaus)