Das Bibelwort: Amos 5
Ich hasse eure Feste und verabscheue sie. Eure Gottesdienste kann ich nicht riechen. Strom soll das Recht sein – wie Wasser. Gerechtigkeit soll fliessen – wie ein reissender Bach. (Amos 5, 21 und 24)
Amos war ein einfacher Mann.
Er war Schafhirt.
Er hatte keine Macht.
Aber er sprach harte Worte.
Er sagte: Fromm sein reicht nicht.
Gerechtigkeit muss sein.
Wer betet – und die Armen vergisst – den mag Gott nicht.
1. Donald Trump und die Macht
Donald Trump ist Prasident der USA.
Er ist einer der maechtigsten Menschen der Welt.
Er ist reich.
Er hat Palaeste und Privatflugzeuge.
Jesus hat gesagt:
Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadeloeher geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes kommt. (Lukas 18, 25)
Das ist kein Zufall.
Reichtum macht blind.
Reichtum trennt von den Armen.
Trump steht fuer die Reichen. Nicht fuer die Armen.
Das sind Taten:
Er gibt den Reichen Steuererleichterungen.
Er kuetzt Hilfen fuer arme Menschen.
Er baut Mauern gegen Fluechtlinge.
Er schickt Menschen weg – auch Familien mit Kindern.
Wenn du einen Hunger leidenden siehst und nicht hilfst – das ist, als haettest du ihn getoetet.
— Dorothee Soelle, Theologin (1929-2003)
2. Hat Gott Trump gemacht?
Manche Christen in Amerika sagen:
Trump ist von Gott auserwahlt. Gott hat ihn gerettet. Gott hat ihn gesandt.
Das hoeren wir – und erschrecken.
Denn: Das haben andere auch gesagt.
Von Kaiser Wilhelm II.
Von Hitler.
Immer sagten Kirchenleute: Gott steht auf unserer Seite.
Wer Gott fuer einen Maechtigen einspannt – missbraucht Gott.
Die Kirche muss den Staat fragen: Bist du Recht und Ordnung? Oder bist du Gewalt?
— Dietrich Bonhoeffer, 1933
Und Walter Rauschenbusch – ein amerikanischer Theologe – hat geschrieben:
Die Suende ist nicht nur persoenlich. Die Suende steckt in den Strukturen. In Wirtschaft und Politik.
— Walter Rauschenbusch, Theologe (1861-1918)
Trumps Machtpolitik ist eine solche Struktur-Suende.
3. Und bei uns in Deutschland?
Trump ist weit weg.
Amerika ist weit weg.
Aber das Gleiche passiert bei uns.
Die AfD benutzt das Wort Christlich.
Sie sagt: Wir verteidigen das christliche Abendland.
Sie sagt: Wir schuetzen christliche Werte.
Aber ihre Politik widerspricht Jesus – Satz fuer Satz.
Was sagt die AfD?
Fluechtlinge sind eine Gefahr.
Kirchenasyl ist kriminell.
Kirchen sollen den Mund halten.
Was sagt Jesus?
Ich war ein Fremder – und ihr habt mich aufgenommen. (Matthaeus 25, 35)
Was Kirchen und Theologen sagen:
EKD-Bischoefi Kirsten Fehrs: Die AfD steht ausserhalb des Grundgesetzes.
VELKD-Bischoefe: Wer die AfD waehlt, unterstuetzt eine Partei,
die das christliche Menschenbild mit Fuessen tritt.
Theologe Hans-Ulrich Probst: Die AfD benutzt ein christliches Deckmantel
fuer einen menschenfeindlichen Kern.
Kathol. und evang. Kirche: AfD ist fuer Christen nicht waehlbar.
Und trotzdem:
Bei der Bundestagswahl 2025 hat die AfD ihr Ergebnis verdoppelt.
Auch viele Christen haben die AfD gewaehlt.
Das ist der Verrat am Evangelium – mitten unter uns.
Die AfD hat nicht das Recht, unseren Namen fuer ihre politische Agenda zu verwenden.
— Pastorin Kate Weishaupt, Evangelisch-methodistische Kirche Halle
Die AfD greift die Kirchen sogar direkt an.
Sie will der Diakonie den Geldhahn zudrehen.
Sie will Kirchenasyl verbieten.
Sie will Kirchensteuer abschaffen.
Das trifft die Schwachen direkt:
Menschen in Pflegeheimen.
Kinder in Kitas der Diakonie.
Fluechtlinge im Kirchenasyl.
Wenn das Zusammenleben zur Debatte steht, weil Gruppen ausgegrenzt werden – dann schadet das allen.
— Christoph Stolte, Diakonie Mitteldeutschland
4. Warum schweigen so viele Christen?
Viele Christen schweigen.
Manche unterstuetzen die AfD sogar.
Wie ist das moeglich?
Es gab das schon einmal.
1933 in Deutschland.
Da haben Christen gesagt:
Gott und Hitler – das gehoert zusammen. Fuehrer, Volk und Kirche – ein Wille.
Das war der Verrat am Evangelium.
Bonhoeffer hat widersprochen.
Er hat bezahlt mit dem Leben.
Martin Luther King hat gesagt:
Eine Ungerechtigkeit irgendwo ist eine Bedrohung der Gerechtigkeit ueberall.
— Martin Luther King Jr. (1929-1968)
Er hat bezahlt mit dem Leben.
Heute?
Heute ist es bequem zu schweigen.
Heute hat man Angst vor Streit.
Heute will man niemanden verargern.
Bequeme Kirche ist keine Kirche Jesu.
Gott ist kein Freund der Reichen. Gott ist der Befreier der Unterdrueckten.
— Gustavo Gutierrez, Vater der Befreiungstheologie
5. Was koennen wir tun?
Wir koennen nicht schweigen.
Wir sind Christen.
Das verpflichtet uns.
Selig sind die, die nach Gerechtigkeit hungern und duersten. Denn sie werden satt werden. (Matthaeus 5, 6)
Hunger nach Gerechtigkeit – das ist keine Meinung.
Das ist ein Auftrag.
Konkret heisst das:
Redet in eurer Gemeinde darueber.
Sagt klar: Die AfD ist nicht christlich.
Unterstuetzt Kirchenasyl.
Seid bei Demos fuer Demokratie.
Waehlt mit eurem Gewissen – und dem Evangelium.
Glaube ohne Politik ist Privatsache. Nicht Evangelium.
Gebet
Gott,
wir sehen eine Welt,
in der Reiche immer reicher werden.
Und Arme immer aermer.
Wir sehen Mauern – aus Beton und aus Kaalte.
Wir sehen Fluechtlinge – zurueckgestossen.
Wir sehen Christen,
die das alles gut finden.
Die sagen: Das ist Gottes Wille.
Das macht uns zoernig.
Weil Amos zoernig war.
Weil Jesus zoernig war – im Tempel.
Weil Zorn auf Unrecht ein Zeichen der Liebe ist.
Gib uns diesen Zorn.
Und gib uns Kraft daraus.
Kraft zu reden.
Kraft zu handeln.
Kraft, auf der Seite der Schwachen zu stehen.
In Deutschland.
Und ueberall auf der Welt.
Amen.
Claudius Herz | arminherzberger.com
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