Alle gehören dazu


Eine christliche Stimme zur Kommunal-Wahl

In leichter Sprache


Was sagt die Bibel?
Jesus sagt:
Ich bin gekommen für die Armen.
Für die Kranken.
Für die Ausgestoßenen.
Jesus hat gelebt mit:
Menschen die nicht laufen konnten
Menschen die nicht sehen konnten
Menschen die ausgegrenzt wurden
Jesus sagt:
Was ihr für die Kleinsten tut,
das tut ihr für mich.
Die AfD macht das Gegenteil
Die AfD redet von christlichen Werten.
Aber sie handelt gegen Gottes Willen.
Die Schriftgelehrten zur Zeit Jesu haben auch so gehandelt:
Sie kannten die heiligen Texte
Sie redeten von Gott
Aber sie grenzten Menschen aus
Jesus hat die Schriftgelehrten kritisiert.
Er sagte:
Ihr redet viel von Gott.
Aber ihr helft den Schwachen nicht.
Die AfD macht das Gleiche:
Sie redet von christlichen Werten
Aber sie will Menschen mit Behinderung ausgrenzen
Sie will Sonder-Einrichtungen
Sie will keine Inklusion
Was würde Jesus tun?
Jesus würde sagen:
Alle Menschen gehören zusammen
Keiner soll ausgeschlossen werden
Die Starken helfen den Schwachen
Und die Schwachen helfen auch
Jesus würde den Netphener Tisch gut finden:
Menschen mit Behinderung helfen anderen Menschen.
Das ist Gottes Wille.
Jeder Mensch kann etwas geben.
Die Kirche hat Schuld auf sich geladen
Früher hat die Kirche geschwiegen.
Als Menschen mit Behinderung ermordet wurden.
In der Nazi-Zeit.
Viele Kirchen-Menschen haben mitgemacht.
Sie haben gesagt:
Diese Menschen sind nicht wertvoll.
Das war eine schwere Sünde.
Die Kirche muss daraus lernen.
Heute muss die Kirche sagen:
Nie wieder Ausgrenzung!
Jeder Mensch ist Gottes Ebenbild!
Wir stehen an der Seite der Schwachen!
Was können Sie als Christ tun?
Beten Sie.
Bitten Sie Gott um Kraft.
Um für Gerechtigkeit einzustehen.
Reden Sie mit anderen Christen.
In der Gemeinde.
Im Kirchen-Vorstand.
Bei der Diakonie.
Sagen Sie:
Die AfD handelt nicht christlich
Inklusion ist Gottes Wille
Wir müssen die Schwachen schützen
Gehen Sie wählen!
Wählen Sie keine AfD.
Wählen Sie Parteien die sagen:
Alle Menschen sind gleich viel wert
Wir bauen Barrieren ab
Wir helfen einander
Ein Gebet zur Wahl
Gott,
Du hast jeden Menschen geschaffen.
Du liebst alle gleich.
Hilf uns zu sehen:
Wo Menschen ausgegrenzt werden.
Wo Unrecht geschieht.
Gib uns Mut:
Für die Schwachen einzutreten.
Gegen Ausgrenzung zu kämpfen.
Lass uns Kirche sein:
Die an der Seite der Armen steht.
Die für Gerechtigkeit kämpft.
Amen.
Wichtige Bibel-Stellen
Matthäus 25,40:
Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt,
das habt ihr mir getan.
Lukas 4,18:
Jesus sagt:
Gott hat mich gesandt.
Um den Armen gute Nachricht zu bringen.
Um Gefangene frei zu machen.
Galater 3,28:
Hier ist nicht Jude noch Grieche.
Nicht Sklave noch Freier.
Nicht Mann noch Frau.
Denn ihr seid alle eins in Christus Jesus.
Zusammenfassung
Die AfD:
Grenzt Menschen aus
Handelt gegen Gottes Willen
Ist nicht christlich
Jesus will:
Alle Menschen zusammen
Gerechtigkeit für die Schwachen
Eine Gemeinschaft ohne Ausgrenzung
Sie können entscheiden:
Für wen stehen Sie?
Für die Ausgrenzung?
Oder für Gottes Liebe zu allen Menschen?
Die Wahl ist auch eine Glaubens-Frage.
Wählen Sie für Inklusion.
Wählen Sie gegen die AfD.
Wählen Sie im Namen Jesu.

Gott sagt: Alle gehören dazu

AfD und Menschen mit Behinderung
Gott sagt: Alle gehören dazu!

In leichter Sprache

## Jesus war bei den Ausgeschlossenen

**Jesus hat gesagt:**
Die Letzten werden die Ersten sein.

**Jesus war bei:**
– Kranken Menschen
– Armen Menschen
– Menschen die niemand wollte

**Jesus hat nicht gefragt:**
Kannst du laufen?
Kannst du sehen?
Bist du klug genug?

**Jesus hat gesagt:**
Ihr seid alle Gottes Kinder.
Alle gleich wertvoll.

## Was will die AfD?

**Die AfD sagt:**
Manche Menschen sind anders.
Die stören.
Die sollen woanders hin.

**Das ist Sünde!**

Gott hat alle Menschen gemacht.
Niemand ist ein Fehler.
Niemand stört.

**Die AfD will trennen:**
– Kinder mit Behinderung – weg von anderen Kindern
– Menschen mit Behinderung – weg aus der Gemeinde
– Arme Menschen – weg aus dem Blick

**Das ist gegen Gottes Wille!**

## Die Bibel sagt etwas anderes

**1. Korinther 12:**
Der Körper hat viele Teile.
Alle Teile sind wichtig.
Das Auge kann nicht zum Fuß sagen: Ich brauche dich nicht.

**Das heißt:**
Wir alle zusammen sind die Gemeinde.
Keiner ist überflüssig.
Jeder wird gebraucht.

**Die AfD sagt das Gegenteil:**
Manche Menschen brauchen wir nicht.
Die kosten nur Geld.

**Das ist gottlos!**

## Jesus würde die AfD rauswerfen

**Erinnern Sie sich:**
Jesus hat die Händler aus dem Tempel gejagt.

**Warum?**
Weil sie Geld wichtiger fanden als Menschen.

**Die AfD fragt:**
Was kostet Inklusion?
Zu teuer!

**Jesus fragt:**
Was ist ein Mensch wert?
Unbezahlbar!

## Befreiungs-Theologie heute

**Gott ist auf der Seite der Unterdrückten.**

Das steht in der ganzen Bibel:
– Mose befreit die Sklaven
– Die Propheten kämpfen für Arme
– Maria singt: Gott stürzt die Mächtigen vom Thron
– Jesus stellt sich gegen die Pharisäer

**Heute heißt das:**
Gott ist auf Ihrer Seite!
Nicht auf der Seite derer die ausgrenzen.

**Die AfD macht was die Pharisäer machten:**
Regeln die ausgrenzen.
Gesetze die knechten.
Menschen in gut und schlecht einteilen.

**Jesus hat gesagt:**
Der Sabbat ist für den Menschen da.
Nicht der Mensch für den Sabbat.

**Das heißt heute:**
Die Gesellschaft ist für alle da.
Nicht nur für die Starken.

## Kirche von unten

**Was ist Kirche von unten?**
Die Gemeinde sind nicht die Pfarrer.
Die Gemeinde sind nicht die Reichen.

**Die Gemeinde sind:**
Alle die zusammen kommen.
Besonders die an den Rand Gedrängten.

**Sie sind die Gemeinde!**

**Beim Netphener Tisch zeigen Sie:**
– Wir können helfen
– Wir sind nicht nur Empfänger
– Wir sind Gottes Mitarbeiter

**Das ist Kirche wie Jesus sie wollte!**

Die AfD will Sie wieder zu Bettlern machen.
Zu Menschen die nur nehmen.

**Gott sagt: Nein!**
Ihr seid meine Partner.
Meine Mitschöpfer einer gerechten Welt.

## Sünde der Ausgrenzung

**In der Nazi-Zeit haben sie gesagt:**
Manche Leben sind lebens-unwert.
Menschen mit Behinderung wurden ermordet.

**Auch Kirchen haben geschwiegen.**
Das war Sünde.
Schreckliche Sünde.

**Die AfD will wieder trennen:**
Wertvoll – nicht wertvoll.
Nützlich – unnütz.
Deutsch – nicht deutsch genug.

**Das sind die gleichen teuflischen Gedanken!**

Wenn wir schweigen – machen wir uns schuldig.

**Bonhoeffer hat gesagt:**
Schweigen ist Schuld.

**Deshalb müssen wir laut sein!**

## Was tun wir als Christen?

**1. Widersprechen!**
Wenn die AfD redet – stehen wir auf.
Wir sagen: Nein!
Im Namen Jesu: Nein!

**2. Solidarität leben!**
Gemeinsam zur Wahl gehen.
Gemeinsam demonstrieren.
Gemeinsam sichtbar sein.

**3. Prophetisch reden!**
Wie Amos sagen:
Es ströme das Recht wie Wasser!
Die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach!

## Die Wahl ist eine Gewissensfrage

**Gott fragt Sie:**
Auf welcher Seite stehst du?

**Bei den Mächtigen die ausgrenzen?**
**Oder bei den Kleinen die ich liebe?**

**Matthäus 25:**
Was ihr den Geringsten getan habt
das habt ihr mir getan.

**Die AfD tut den Geringsten nichts Gutes.**
Die AfD tut Jesus nichts Gutes.

## Auferstehung ist Inklusion!

**Ostern bedeutet:**
Der Tod hat nicht das letzte Wort.
Die Ausgrenzung ist überwunden.
Ein neues Leben beginnt.

**Eine inklusive Gesellschaft ist:**
– Auferstehung für die Ausgeschlossenen
– Neues Leben für alle
– Gottes Reich auf Erden

**Die AfD ist der Tod.**
Sie will zurück:
– Zu Mauern
– Zu Trennung 
– Zu Angst

**Wir wählen das Leben!**
Wir wählen die Auferstehung!
Wir wählen Gottes Weg!

## Gebet vor der Wahl

**Guter Gott,**

Du hast uns alle gemacht.
Keiner ist ein Fehler.

Gib uns Mut gegen die Ausgrenzung.
Gib uns Kraft für Gerechtigkeit.

Lass uns wählen wie Jesus wählen würde.
An der Seite der Kleinen.
An der Seite der Schwachen.

**Amen.**

## Am Wahl-Tag

**Gehen Sie wählen – im Namen Gottes!**

Wählen Sie für:
– Gottes gerechte Welt
– Eine Gemeinde für alle
– Die Würde jedes Menschen

**Wählen Sie niemals AfD!**
Das wäre Verrat an Jesus.
Das wäre Verrat an Gottes Schöpfung.



**Seligpreisung für heute:**

Selig die für Gerechtigkeit kämpfen.
Selig die nicht schweigen.
Selig die Inklusion leben.

**Denn ihnen gehört das Himmelreich.**

**Und die Zukunft auf Erden!**



*Im Namen des dreieinigen Gottes*
*Der alle Menschen liebt*
*Und niemanden ausschließt*





Lasset die Kindlein zu mir kommen…

Die Geschichte in Leichter Sprache

Aus dem Markus-Evangelium, Kapitel 10

Eines Tages kamen viele Menschen zu Jesus.
Manche Eltern brachten ihre Kinder mit.
Die Eltern wollten:
Jesus soll unsere Kinder segnen.

Aber die Jünger von Jesus sagten:
Geht weg!
Jesus hat keine Zeit für Kinder.
Jesus muss mit wichtigen Leuten reden.

Jesus wurde ärgerlich.
Jesus sagte zu seinen Jüngern:
Lasst die Kinder zu mir kommen!
Haltet die Kinder nicht auf!
Die Kinder gehören zu Gott.
Gott liebt die Kinder besonders.

Dann sagte Jesus noch etwas Wichtiges:
Wer nicht wird wie ein Kind,
der kommt nicht zu Gott.

Jesus nahm die Kinder in den Arm.
Jesus segnete die Kinder.
Jesus zeigte:
Kinder sind wichtig.
Kinder haben die gleichen Rechte wie Erwachsene.


Was bedeutet das für uns heute?

Jesus stellt die Ordnung auf den Kopf

Die Jünger wollen Jesus beschützen.
Sie sagen: Kinder stören.
Sie denken: Wichtige Leute sind wichtiger.

Aber Jesus sagt: Nein!
Jesus macht die Ordnung kaputt.
Jesus zeigt:
Die Mächtigen sind nicht wichtig.
Die Schwachen sind wichtig.

Gott ist parteiisch

Gott ist nicht neutral.
Gott steht nicht in der Mitte.
Gott steht auf einer Seite:
Auf der Seite der Schwachen.
Auf der Seite der Kinder.
Auf der Seite derer, die keine Macht haben.

Das ist eine politische Aussage.
Das heißt:

  • Wer Kinder ausgrenzt, handelt gegen Gott.
  • Wer die Schwachen unterdrückt, handelt gegen Gott.
  • Wer die Mächtigen schützt, handelt gegen Gott.

Kirche von unten

Die Jünger wollen eine Kirche der Wichtigen.
Jesus will eine Kirche der Kinder.

Das bedeutet heute:
Die Kirche gehört nicht:

  • den Bischöfen
  • den Pfarrern
  • den Reichen
  • den Gebildeten

Die Kirche gehört:

  • den Armen
  • den Kindern
  • den Menschen mit Behinderung
  • den Ausgegrenzten
  • allen, die keine Stimme haben

Herrschaft muss weg

Jesus sagt: Werdet wie die Kinder.
Das heißt nicht: Seid naiv.
Das heißt:

  • Gebt die Macht ab
  • Hört auf zu herrschen
  • Macht keine Hierarchien
  • Behandelt alle gleich

Kinder haben keine Macht.
Kinder herrschen nicht.
So sollen auch wir sein.

Widerstand ist nötig

Jesus widerspricht seinen eigenen Jüngern.
Jesus wird ärgerlich.
Jesus kämpft.

Auch wir müssen widersprechen:

  • Wenn Kinder ausgegrenzt werden
  • Wenn Schwache unterdrückt werden
  • Wenn die Kirche sich mit den Mächtigen verbündet
  • Wenn Ungerechtigkeit herrscht

Gottes Reich ist Revolution

Gottes Reich gehört den Kindern.
Das ist eine Revolution.
Das heißt:
Alles wird anders.
Die Letzten werden die Ersten.
Die Schwachen bekommen die Macht.
Die Mächtigen verlieren ihre Macht.

Das ist keine fromme Hoffnung.
Das ist ein Auftrag:
Wir müssen die Welt verändern.
Jetzt.
Hier.
Konkret.

Konsequenzen für heute

  • Kinder müssen mitbestimmen – in der Kirche, in der Politik
  • Menschen ohne Macht müssen Macht bekommen
  • Kirche muss Partei ergreifen – für die Schwachen
  • Hierarchien müssen abgeschafft werden
  • Wir müssen gegen Ungerechtigkeit kämpfen

Jesus lädt nicht nur ein.
Jesus fordert auf zum Kampf.
Zum Kampf für eine gerechte Welt.
Zur Seite der Kinder.
Zur Seite der Schwachen.
Gegen die Herrschaft der Mächtigen.

Gibt es einen strafenden Gott

Gibt es einen Gott, der Menschen bestraft?

Nein, sagen viele Christen heute.

Warum glauben manche Menschen an einen strafenden Gott?

Früher haben mächtige Menschen gesagt:
– Gott bestraft die Bösen.
– Gott belohnt die Gehorsamen.

Das war praktisch für Könige und reiche Leute.
Dann hatten arme Menschen Angst.
Und arme Menschen haben gehorcht.

Aber das stimmt nicht mit Jesus überein.

Was hat Jesus über Gott gesagt?

Jesus hat erzählt:
– Gott liebt alle Menschen.
– Gott vergibt.
– Gott will Freiheit für alle.

Jesus war besonders nett zu:
– Armen Menschen
– Kranken Menschen
– Menschen, die andere nicht mochten

Jesus hat nicht gesagt: Gott bestraft euch!

Woher kommt dann das Leid?

Wenn Menschen leiden, liegt das oft an:
– Ungerechten Regeln
– Unfairen Chefs
– Mangel an Geld und Hilfe

Nicht Gott macht das Leid.
Menschen machen das Leid.

Was bedeutet das für uns?

Wir müssen keine Angst vor Gott haben.
Wir sollen für andere Menschen sorgen.
Wir sollen gegen Ungerechtigkeit kämpfen.

Gott will, dass alle Menschen gut leben können.

Kann man Gott beweisen?

Kann man Gott beweisen?
Eine Frage von einem Studenten
Ein Student hat mich gefragt:
„Herr Herzberger, Sie glauben an Gott.
Können Sie beweisen, dass es Gott gibt?“
Ich musste lachen.
Ich kann vieles.
Ich kann Seminare halten.
Ich kann singen.
Aber Gott beweisen?
Das geht nicht.
Was sind Gottesbeweise?
Früher haben kluge Leute versucht, Gott zu beweisen.
Sie haben sich schwierige Gedanken gemacht.
Sie haben Bücher geschrieben.
Aber für mich war das immer zu kompliziert.
Das hatte nichts mit meinem Leben zu tun.
Dietrich Bonhoeffer war ein mutiger Pfarrer.
Er wurde von den Nazis ermordet.
Er hat aus dem Gefängnis geschrieben:
„Einen Gott, den man beweisen kann, brauchen wir nicht.“
Das finde ich richtig.
Eine Geschichte von Michael
Ich erzähle lieber eine Geschichte.
Michael hat eine Behinderung.
Er hat lange in einem Wohnheim gelebt.
Dort hat er alles bekommen:
Essen
Betreuung
Ein Programm für den Tag
Aber Michael war nur jemand, um den man sich kümmert.
Niemand hat ihn gefragt: Was willst du?
Michael beim Netphener Tisch
Dann kam ein neues Projekt.
Der Netphener Tisch.
Das ist eine Lebensmittel-Ausgabe.
Menschen mit wenig Geld bekommen dort Essen.
Michael wollte dort helfen.
Nicht Essen bekommen.
Sondern selbst helfen!
Jetzt arbeitet Michael jeden Mittwoch dort.
Er sortiert Gemüse.
Er packt Tüten.
Er redet mit den Leuten.
Michael ist jetzt nicht mehr nur jemand, der Hilfe bekommt.
Er ist jemand, der anderen hilft.
Wo war Gott?
Kann ich beweisen, dass Gott dabei war?
Nein.
Aber ich habe etwas gespürt.
Als Michael das erste Mal gesagt hat:
„Ich helfe anderen.“
Da war etwas Großes in seinem Gesicht.
Das kann man nicht beweisen.
Das kann man nur erleben.
Gott zeigt sich beim Handeln
Menschen in Südamerika sagen:
„Gott erkennen heißt: Gutes tun.“
Das bedeutet:
Nicht lange über Gott nachdenken.
Sondern etwas Gutes tun.
Wo zeigt sich Gott?
Wenn Menschen nicht mehr klein gehalten werden
Wenn jemand seine Würde zurückbekommt
Wenn aus Ohnmacht Kraft wird
Das ist für mich Gott.
Nicht in klugen Büchern.
Sondern im Leben.
Die schwere Frage
Manchmal fragen mich Leute:
„Wenn es Gott gibt – warum gab es dann Auschwitz?
Warum gab es Hadamar?“
Hadamar ist ein Ort hier in der Nähe.
Dort haben die Nazis Kinder mit Behinderungen ermordet.
Ich habe keine Antwort darauf.
Ich kann das nicht erklären.
Aber ich weiß:
Wir müssen uns an die ermordeten Menschen erinnern.
Und wir müssen dafür sorgen, dass so etwas nie wieder passiert.
Auch heute werden manchmal Babys mit Behinderung abgetrieben.
Kurz vor der Geburt.
Das erinnert mich an Hadamar.
Gott zeigt sich dann im Widerstand.
Wenn Menschen sagen: Nein!
Jedes Leben ist wertvoll!
Meine Antwort
Nein, ich kann Gott nicht beweisen.
Aber ich kann erzählen:
Von Michael beim Netphener Tisch
Von vielen anderen Menschen
Von Momenten, wo ich gespürt habe: Da ist mehr
Das ist kein Beweis.
Das ist eine Spur.
Und für mich reicht das.
Wer hat das geschrieben?
Armin Herzberger.
Er hat 35 Jahre mit Menschen mit Behinderung gearbeitet.
Jetzt unterrichtet er an der Universität Siegen.

Gott ist kein Eigentum

Gott ist kein Eigentum

Sie haben ihn in ihre Paläste gesperrt und ihre Dogmen gegossen. Sie haben ihn auf Thronen platziert und in Goldrahmen gehängt. Sie haben seinen Namen benutzt, um Macht zu legitimieren und Ungerechtigkeit zu segnen.

Aber Gott lässt sich nicht besitzen.

Er steht bei den Hungernden, nicht in den Verwaltungsetagen. Er spricht aus dem Mund derer, die man für sprachlos hielt. Er wirkt in den Händen derer, die man für hilfsbedürftig erklärte, wenn sie selbst zu Helfenden werden.

Gott ist kein Eigentum der Frommen. Kein Privileg der Rechtgläubigen. Kein Instrument der Mächtigen.

Wo immer Menschen ihre Faust gegen Unterdrückung erheben, wo immer das Kreuz nicht vergoldet wird, sondern getragen – da ist Gott nicht Besitz, sondern Kraft. Nicht Dogma, sondern Befreiung. Nicht oben, sondern hier.

Die rote Fahne mit dem Kreuz erinnert daran: Der Gott der Bibel war immer schon parteiisch. Für die Geringsten. Gegen die Selbstgerechten.

Niemand kann ihn vereinnahmen. Alle können ihm begegnen.

Weil ich Christ bin

Weil ich Christ bin

27. Januar – Ein Tag, der mich nicht loslässt

Heute vor 80 Jahren befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz. Was die Soldaten dort fanden, lässt sich kaum in Worte fassen: ausgemergelte Menschen, Berge von Leichen, Gaskammern, in denen über eine Million Menschen ermordet wurden. Die meisten von ihnen waren Juden. Aber auch Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle, politische Gegner – alle, die nicht ins menschenverachtende Weltbild der Nazis passten.

Als Christ kann ich an diesem Tag nicht schweigen. Ich muss es sogar noch deutlicher sagen: **

Weil ich Christ bin, darf ich nicht schweigen.

Jesus hat uns aufgetragen, unsere Nächsten zu lieben wie uns selbst. Er hat die Ausgegrenzten in die Mitte geholt, die Kranken geheilt, die Verachteten angenommen. Die Nazis haben genau das Gegenteil getan: Sie haben Menschen nach „wertvoll“ und „lebensunwert“ sortiert. Sie haben aus Nächsten Feinde gemacht. Sie haben die Würde des Menschen mit Füßen getreten.

Und die Kirchen? Viele haben geschwiegen oder sogar mitgemacht. Das ist eine Schuld, die wir nicht vergessen dürfen.

**Deshalb schaue ich heute nicht nur zurück, sondern auch um mich herum.**

Wenn heute wieder Menschen ausgegrenzt werden, weil sie eine andere Hautfarbe haben, eine andere Religion oder Herkunft – dann ist das der gleiche Geist, nur in neuem Gewand. Wenn die AfD von „Remigration“ spricht und Menschen ihre Heimat streitig macht, dann höre ich Töne, die ich aus der dunkelsten Zeit unserer Geschichte kenne. Wenn Politiker hetzen statt versöhnen, spalten statt zusammenführen, dann läuten bei mir alle Alarmglocken.

**Weil ich Christ bin, stelle ich mich dagegen.**

Nicht weil ich politisch sein will, sondern weil mein Glaube mich dazu verpflichtet. Die Würde des Menschen ist unantastbar – nicht nur als Grundgesetzartikel, sondern als Kern meines christlichen Glaubens. Jeder Mensch ist ein Ebenbild Gottes. Jeder. Ohne Wenn und Aber.

Dietrich Bonhoeffer hat es auf den Punkt gebracht: „Schweigen macht schuldig.“ Er hat für seinen Widerstand gegen Hitler mit dem Leben bezahlt. Ich muss heute Gott sei Dank nicht mein Leben riskieren, wenn ich meinen Mund aufmache. Aber ich muss ihn aufmachen. Gerade jetzt.

**Erinnern heißt handeln.**

Der 27. Januar ist kein Tag für leere Rituale. Er ist ein Tag, der mir zuruft: Schau hin! Misch dich ein! Steh auf, wenn Menschen verächtlich gemacht werden! Das bin ich den Millionen Ermordeten schuldig. Das bin ich meinem Glauben schuldig.

Weil ich Christ bin.

Armin Herzberger, 27. Januar 2025

Der Hauptmann von Kapernaum

Ein Mann arbeitet für die Besatzer.
Er ist Chef von Soldaten.
Die Soldaten unterdrücken das Volk.
Er ist Teil vom System.

Aber dieser Mann ist anders.
Er sieht den kranken Diener.
Nicht: Du musst funktionieren.
Sondern: Du bist mir wichtig.

Er geht zu Jesus.
Er sagt nicht: Ich befehle dir.
Er sagt: Ich bitte dich.
Der Mächtige wird klein.

Jesus sagt: Ich komme mit.

Der Mann sagt: Nein.
Du musst nicht zu mir kommen.
Ich bin Teil der Macht.
Du gehörst zu den Kleinen.

Jesus staunt.
Gerade dieser Mann versteht es:
Gottes Reich dreht alles um.

**Das bedeutet:**

Gott steht auf der Seite der Schwachen.
Auch Mächtige können das verstehen.
Dann müssen sie ihre Macht abgeben.
Glauben heißt: Die Welt umdrehen.
Von unten nach oben denken.

Amen.

Rechts Populismus

Eine Vorlesung in leichter Sprache an der Universität Siegen Studiengang Sozialarbeit Sozialpädagogik BA am 21.01.26

# Behinderten-Hilfe und Rechts-Populismus
##

in Leichter Sprache


Liebe StudentInnen

Es gibt eine wichtige Entwicklung in Europa.
Und auch in Deutschland.
Rechts-populistische Parteien werden stärker.

Das betrifft auch die Behinderten-Hilfe.
Menschen mit Behinderung sind eine schwache Gruppe.
Ihre Rechte sind in Gefahr.

In der Politik hört man oft diese Fragen:
– Was kostet das?
– Ist das nützlich?
– Brauchen wir das wirklich?

Manche sagen:
Inklusion ist nur eine Idee.
Eine schlechte Idee.

Das ist gefährlich.
Wir wissen aus der Geschichte:
So fängt es an.



## Gefährliche Argumente

Es gibt 3 Arten von gefährlichen Argumenten.

### 1. Menschen kosten Geld

Manche Leute fragen immer:
Was kostet das?

Sie meinen zum Beispiel:
– Hilfen für Menschen mit Behinderung
– Assistenz
– Barriere-Freiheit

Diese Leute denken:
Ein Mensch ist nur etwas wert,
wenn er Geld verdient.

Aber das stimmt nicht!

Es gibt die UN-Behinderten-Rechts-Konvention.
Deutschland hat sie 2009 unterschrieben.
Dort steht:
Teilhabe ist ein Menschen-Recht.
Kein Geschenk.
Keine Belohnung.

Rechts-Populisten sehen das anders.
Sie ändern langsam,
wie wir darüber reden.

### 2. Starke und schwache Menschen

Rechts-Populisten reden oft von:
– Leistungs-Trägern
– Schmarotzern

Sie meinen:
Manche Menschen arbeiten viel.
Die sind wichtig.

Andere Menschen arbeiten nicht.
Die sind unwichtig.

Menschen mit Behinderung zählen sie zur 2. Gruppe.
Egal, was diese Menschen können.
Egal, was sie tun.

Aber das ist falsch!

Behinderung ist keine Eigenschaft von Menschen.
Behinderung entsteht durch Barrieren.
Barrieren macht die Gesellschaft.

Zum Beispiel:
– Treppen statt Rampen
– Schwere Sprache statt Leichter Sprache
– Keine Hilfen

Rechts-Populisten sagen:
Der Sozial-Staat ist eine Last.
Wir müssen ihn bezahlen.
Für die anderen.

Aber der Sozial-Staat ist wichtig!
Er zeigt:
Wir halten zusammen.

### 3. Wir und die Anderen

Rechts-Populisten sagen oft:
Es gibt ein WIR.
Und es gibt die ANDEREN.

Zum WIR gehören nur manche Menschen.
Zum Beispiel:
– Menschen, die viel arbeiten
– Menschen aus Deutschland
– Menschen ohne Behinderung

Alle anderen gehören nicht dazu.

Rechts-Populisten sagen über Inklusion:
– Das ist Gender-Gaga.
– Das ist Minderheiten-Politik.
– Das schadet der Mehrheit.

Das ist gefährlich.
Denn es zerstört das Mit-Gefühl.
Und es macht Zusammen-Halt kaputt.



## Was früher passiert ist

Wir müssen uns erinnern.
An die Nazi-Zeit.

Die Nazis haben über 200.000 Menschen getötet.
Diese Menschen hatten:
– Behinderungen
– Psychische Krankheiten

Die Nazis nannten das: Euthanasie.
Aber es war Mord.

So hat es angefangen:

**Schritt 1:**
Die Nazis haben geredet über:
– Lebens-wertes Leben
– Lebens-unwertes Leben

**Schritt 2:**
Die Nazis haben gerechnet:
Was kostet die Pflege?
Sie haben Filme gemacht.
In den Filmen stand:
Diese Menschen kosten zu viel Geld.

**Schritt 3:**
Die Nazis haben Menschen entmenschlicht.
Sie haben sie genannt:
Ballast-Existenzen.
Minderwertige.

**Schritt 4:**
Die Nazis haben getötet.

### Die Kirchen haben versagt

Die Kirchen haben meistens geschwiegen.

Nur wenige haben widersprochen.
Zum Beispiel:
– Bischof von Galen
– Pfarrer Paul-Gerhard Braune

Aber viele Kirchen haben:
– Geschwiegen
– Mit-gemacht

Das war ein großer Fehler.

### Die Lehre

Diese Geschichte ist nicht lange her.
Sie zeigt uns:
Es kann schnell gehen.

Rechte können verloren gehen.
Wenn wir nicht aufpassen.
Wenn wir zulassen,
dass Menschen nach ihrem Nutzen bewertet werden.



## Was heute passiert

Die Gefahr ist real.
Sie ist nicht weit weg.

**In Ungarn:**
Viktor Orbán hat viele Sozial-Leistungen gestrichen.

**In den USA:**
Menschen mit Behinderung haben Angst.
Sie könnten ihre Kranken-Versicherung verlieren.

**In Deutschland:**
Manche Parteien sagen:
Der Sozial-Staat ist eine Hängematte.

Wir erleben auch:

**In Schulen:**
Manche sagen:
Inklusion senkt das Niveau.
Das schadet allen Kindern.

**Bei Assistenz-Leistungen:**
Manche sagen:
Das ist Vollkasko-Mentalität.
Die Leute wollen alles geschenkt bekommen.

**Bei Werkstätten:**
Manche sagen:
Das sind Parallel-Gesellschaften.

**Bei Selbst-Vertretung:**
Manche sagen:
Das sind nur Lobbyisten.
Die wollen nur Geld.



## Was wir tun können

### 1. Auf die Sprache achten

Wir müssen aufpassen.
Wie reden Menschen?

Zum Beispiel:
Jemand sagt: Leistungs-Träger.
Dann fragen wir:
Wen meinen Sie damit?
Wer ist kein Leistungs-Träger?

Jemand sagt: Inklusion ist eine Ideologie.
Dann fragen wir:
Was meinen Sie damit?
Warum sagen Sie das?

Jemand fragt: Was kostet das?
Dann fragen wir zurück:
Was ist es uns wert?
Welchen Wert haben Menschen?

Wir müssen widersprechen.
Klar und deutlich.
Nicht nur höflich.

### 2. Menschen mit Behinderung stark machen

Das ist sehr wichtig:
Menschen mit Behinderung sollen nicht nur Hilfe bekommen.
Sie sollen selbst handeln.
Sie sollen mit-gestalten.

Ein Beispiel:
Das Projekt Möglichkeits-Denker.
Es gibt das Projekt seit über 20 Jahren.

Was passiert dort?
Menschen mit Unterstützungs-Bedarf helfen anderen.
Sie arbeiten ehrenamtlich.
Sie sind nicht nur Empfänger.
Sie sind auch Gebende.

Das ist auch politisch wichtig.
Am besten ist:
Menschen mit Behinderung sprechen selbst.
Sie kämpfen selbst für ihre Rechte.

Dafür müssen wir:
– Selbst-Vertretungs-Gruppen unterstützen
– Kurse anbieten zu Politik
– Menschen ermutigen, ihre Meinung zu sagen

### 3. Zusammen arbeiten

Wir können nicht alleine kämpfen.
Wir brauchen Partner.

Zum Beispiel:
– Kirchen
– Gewerkschaften
– Menschen-Rechts-Gruppen
– Alle, die für Solidarität sind

Zusammen sind wir stark.
Wir müssen zusammen-halten.
Für die Menschen-Würde.

### 4. Klar Stellung beziehen

Unsere Verbände müssen klar sein.
Unsere Einrichtungen müssen klar sein.

Wenn Menschen-Rechte angegriffen werden,
dürfen wir nicht neutral sein.

Wir brauchen:
– Klare Aussagen
– Öffentliche Stellungnahmen
– Mut zur Diskussion

Wer für Inklusion arbeitet,
kann nicht unpolitisch sein.



## Schluss

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

wir müssen uns entscheiden:

**Ist Behinderten-Hilfe nur ein Job?**
Nur eine Dienst-Leistung?
Nur Verwaltung?

**Oder ist Behinderten-Hilfe ein politischer Auftrag?**
Ein Kampf für eine gerechte Gesellschaft?
Ein Kampf für alle Menschen?

Rechts-Populismus ist eine Gefahr.
Für unsere Arbeit.
Für Menschen mit Behinderung.

Wir müssen antworten.

Unsere Antwort muss sein:
– Wachsamkeit
– Widerspruch
– Solidarität

Jeden Tag.
Überall.
Ohne Ausnahme.

Vielen Dank.



*Zeit zum Vorlesen: etwa 11-12 Minuten*



## Wichtige Wörter erklärt

**Rechts-Populismus:**
Eine politische Richtung.
Diese Leute sagen:
Manche Menschen sind besser als andere.
Sie sind oft gegen:
– Ausländer
– Schwache Menschen
– Minderheiten

**Vulnerable Gruppen:**
Schwache Gruppen.
Gruppen, die leicht verletzt werden können.
Gruppen, die Schutz brauchen.

**UN-Behinderten-Rechts-Konvention:**
Ein Vertrag.
Viele Länder haben ihn unterschrieben.
Auch Deutschland.
Darin steht:
Menschen mit Behinderung haben besondere Rechte.
Zum Beispiel das Recht auf Teilhabe.

**Inklusion:**
Alle gehören dazu.
Niemand wird ausgeschlossen.
Menschen mit Behinderung leben mitten in der Gesellschaft.

**Sozial-Staat:**
Der Staat hilft Menschen.
Zum Beispiel:
– Bei Krankheit
– Bei Arbeits-Losigkeit
– Bei Behinderung

**Selbst-Vertretung:**
Menschen mit Behinderung sprechen für sich selbst.
Sie kämpfen selbst für ihre Rechte.
Sie brauchen dafür manchmal Unterstützung.
Aber sie entscheiden selbst.

**Empowerment:**
Menschen stark machen.
Menschen befähigen.
Menschen ermutigen,
für sich selbst einzutreten.

21.01.26 Armin Herzberger

Rechtspopulismus

Behindertenhilfe und Rechtspopulismus

„Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Geschwistern, das habt ihr mir getan.“ Mit diesen Worten aus Matthäus 25 hat Jesus den Maßstab gesetzt, an dem sich Glaube und Kirche messen lassen müssen. Nicht an Bekenntnissen, nicht an Liturgien, nicht an Kirchensteuerzahlen – sondern an der Solidarität mit den Schwächsten.

In Zeiten erstarkenden Rechtspopulismus ist diese Botschaft keine fromme Sonntagsrede, sondern politischer Sprengstoff. Denn wenn Menschen wieder nach ihrem „Nutzen“ bewertet werden, wenn Solidarität als naiv verspottet wird, wenn die „Geringsten“ zu Kostenfaktoren degradiert werden – dann steht das Evangelium selbst zur Disposition.

## Die biblisch-theologische Grundlage

**Die Option für die Schwachen**

Die Bibel ist von Anfang bis Ende parteiisch. Sie ergreift Partei für die Unterdrückten, die Ausgegrenzten, die an den Rand Gedrängten. Die Propheten Israels geißeln die Reichen und Mächtigen: „Weh denen, die Häuser an Häuser reihen und Acker an Acker fügen!“ (Jesaja 5,8). Amos schreit: „Sie verkaufen den Unschuldigen um Geld und den Armen um ein Paar Schuhe“ (Amos 2,6).

Jesus radikalisiert diese prophetische Tradition. Er heilt am Sabbat und sagt: „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat“ (Markus 2,27). Er isst mit Zöllnern und Sündern. Er berührt Aussätzige. Er stellt ein Kind in die Mitte und sagt: „Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen“ (Markus 10,15).

Das Reich Gottes, das Jesus verkündet, ist radikal inklusiv. Es kennt keine „Leistungsträger“ und keine „Empfänger“. Es kennt nur Gottes bedingungslose Liebe zu allen Menschen – gerade zu denen, die von der Gesellschaft als wertlos angesehen werden.

**Die Würde des Menschen als Gottesebenbildlichkeit**

„Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde“ (Genesis 1,27) – dieser Satz ist revolutionär. Er bedeutet: Jeder Mensch trägt die Würde Gottes in sich. Nicht weil er etwas leistet, nicht weil er produktiv ist, nicht weil er der Gemeinschaft „nützt“ – sondern weil Gott ihn liebt und gewollt hat.

Die reformatorische Rechtfertigungslehre radikalisiert das noch: Der Mensch ist gerecht nicht durch Werke, sondern allein durch Gnade. Wir müssen uns unseren Wert nicht verdienen. Wir haben ihn geschenkt bekommen.

Diese Theologie ist die schärfste Waffe gegen jeden Sozialdarwinismus, gegen jede Leistungsideologie, gegen jeden Versuch, Menschen nach ihrem „Nutzen“ zu sortieren.

## Rechtspopulistische Rhetoriken als Häresie

Lassen Sie mich das beim Namen nennen: Rechtspopulistische Ideologien sind aus christlicher Sicht Häresien – Irrlehren, die dem Evangelium fundamental widersprechen.

**Die Häresie der Ökonomisierung**

„Was kostet uns das?“ – Diese Frage wird gestellt, als gäbe es einen Preis für Menschenwürde. Als könnte man Teilhabe gegen Haushaltszahlen aufrechnen. Als wäre der Wert eines Menschen in Euro messbar.

Jesus sagt: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ (Matthäus 16,26). Die Logik des Marktes ist nicht die Logik des Reiches Gottes. Im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Matthäus 20) bekommen alle denselben Lohn – unabhängig von ihrer Leistung. Das ist ökonomisch absurd. Das ist theologisch präzise.

**Die Häresie des Sozialdarwinismus**

„Leistungsträger“ und „Schmarotzer“ – diese Unterscheidung ist zutiefst unchristlich. Paulus schreibt: „Wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft… und die Glieder des Leibes, die uns die schwächsten scheinen, sind die nötigsten“ (1. Korinther 12,22).

Die Kirche ist kein Leistungskollektiv der Starken. Sie ist Gemeinschaft der Erlösten – und gerade die Schwachen sind ihr Herzstück. Wo Rechtspopulisten von „Ballast“ reden, spricht Paulus von „den nötigsten Gliedern“. Das ist kein Zufall. Das ist Theologie.

**Die Häresie der Exklusion**

Rechtspopulismus arbeitet mit einem „Wir gegen die Anderen“. Das Evangelium sagt: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus“ (Galater 3,28).

Das Reich Gottes ist grenzenlos inklusiv. Das große Abendmahl (Lukas 14) lädt die Armen, Krüppel, Blinden und Lahmen ein – genau die, die in der Gesellschaft nichts zählen. Sie sind nicht geduldet. Sie sind die Ehrengäste.

## Die historische Schuld der Kirche

Wir müssen bekennen: Die Kirchen haben in der NS-Zeit mehrheitlich versagt. Sie haben nicht die prophetische Stimme erhoben, als Menschen mit Behinderungen zu „lebensunwertem Leben“ erklärt wurden. Sie haben – mit rühmlichen Ausnahmen wie Bodelschwingh, von Galen, Braune – geschwiegen oder kollaboriert.

Die Kirche der Angepassten, die Kirche der Hierarchien, die Kirche der Staatsräson – sie hat das Evangelium verraten. Dietrich Bonhoeffer hat es klar formuliert: „Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen.“

Diese Schuld verpflichtet uns heute. Die Kirche muss prophetisch sein – oder sie ist keine Kirche Jesu Christi. Sie muss an der Seite der Schwachen stehen – oder sie verrät ihren Auftrag.

**Die Lehre: Kirche von unten**

Was wir brauchen, ist keine Amtskirche, die von oben herab verkündet. Was wir brauchen, ist „Kirche von unten“ – eine Bewegung von Menschen, die im Geist Jesu solidarisch handeln. Die Basisgemeinden Lateinamerikas haben es vorgemacht. Die Friedensbewegung in der DDR hat es praktiziert. Die Flüchtlingskirche tut es heute.

Kirche von unten bedeutet: Wir fragen nicht zuerst, was die Institution Kirche sagt. Wir fragen: Was würde Jesus tun? Und dann handeln wir – notfalls gegen kirchliche Hierarchien, notfalls in zivilem Ungehorsam, notfalls als „unbequeme Propheten“.

## Aktuelle Bedrohungen – prophetisch benannt

Die Bedrohung ist real. In Polen werden Sozialleistungen gekürzt. In Ungarn wird der Sozialstaat demontiert. In Deutschland wird Inklusion als „Ideologie“ diffamiert. Das sind keine politischen Spielchen. Das sind Angriffe auf die Würde von Gottes Geschöpfen.

Und die Kirche? Redet von „Bewahrung der Schöpfung“ – und meint vor allem Bäume. Redet von „christlichen Werten“ – und meint vor allem bürgerliche Moral. Aber schweigt zu oft, wenn Menschen konkret bedroht sind.

## Was wir tun müssen – ein prophetischer Auftrag

**Erstens: Die prophetische Stimme erheben**

Wir müssen widersprechen. Laut. Klar. Öffentlich. Wenn von „Leistungsträgern“ die Rede ist – widersprechen. Wenn Inklusion als „Ideologie“ diffamiert wird – widersprechen. Wenn Menschen zu Kostenfaktoren gemacht werden – widersprechen.

„Weh den Hirten Israels, die sich selbst weiden!“ ruft Hesekiel (34,2). Heute würde er rufen: „Weh den Politikern, die die Schwachen verraten! Weh den Ökonomen, die Menschenwürde berechnen! Weh den Theologen, die schweigen, wenn Unrecht geschieht!“

**Zweitens: Empowerment als diakonischer Auftrag**

Menschen mit Behinderungen sind nicht Objekte christlicher Barmherzigkeit. Sie sind Subjekte des Reiches Gottes. Mein Projekt „Möglichkeitsdenker“ versucht das praktisch: Menschen mit Unterstützungsbedarf werden zu Gebenden, zu Helfenden, zu Mitgestaltenden.

Das ist nicht sozialarbeiterische Technik. Das ist gelebte Theologie. Denn im Reich Gottes gibt es keine passiven Empfänger. Dort sind alle berufen, alle begabt, alle gesandt.

„Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum“ (1. Petrus 2,9) – das gilt für alle. Auch für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Auch für Menschen mit Mehrfachbehinderungen. Alle sind berufen. Alle haben Gaben. Alle haben eine Stimme.

**Drittens: Solidarische Bündnisse schmieden**

Die ersten Christen nannten sich „ekklesia“ – Versammlung, Gemeinschaft. Sie teilten ihren Besitz. Sie ließen niemanden im Stich. „Es war aber die Menge der Gläubigen ein Herz und eine Seele“ (Apostelgeschichte 4,32).

Das ist unser Modell: Bündnisse der Solidarität. Mit Gewerkschaften, die für gerechte Löhne kämpfen. Mit Friedensbewegungen, die Gewalt widerstehen. Mit Flüchtlingsinitiativen, die Grenzen überwinden. Mit allen, die das Reich Gottes bauen – ob sie es so nennen oder nicht.

Helmut Gollwitzer hat gesagt: „Die Frage ist nicht, ob wir Sozialisten oder Kapitalisten sind. Die Frage ist, ob wir Christen sind.“ Christen sind wir dort, wo wir für die Schwachen eintreten.

**Viertens: Institutionelle Prophetie**

Unsere Einrichtungen, unsere Verbände, unsere Kirchen müssen Position beziehen. Nicht mit diplomatischen Floskeln. Nicht mit „einerseits-andererseits“. Sondern klar.

Die Barmer Theologische Erklärung von 1934 ist unser Vorbild: „Wir verwerfen die falsche Lehre…“ – so muss es klingen. Wir verwerfen die falsche Lehre, dass Menschen nach ihrem Nutzen bewertet werden dürfen. Wir verwerfen die falsche Lehre, dass Solidarität naiv ist. Wir verwerfen die falsche Lehre, dass es „nützliche“ und „unnütze“ Leben gibt.

Die Hoffnung des Glaubens

wir leben nicht aus Angst, sondern aus Hoffnung. Nicht aus dem Bemühen, das Böse zu verhindern, sondern aus der Verheißung, dass Gottes Reich kommt. „Selig sind die Friedfertigen, selig die Barmherzigen, selig, die hungert und dürstet nach Gerechtigkeit“ (Matthäus 5).

Das Reich Gottes ist schon angebrochen. Nicht als ferner Traum, sondern als gegenwärtige Wirklichkeit – überall dort, wo Menschen solidarisch handeln, wo Schwache gestärkt werden, wo Liebe die Logik der Macht überwindet.

Rechtspopulismus ist mächtig. Aber das Evangelium ist mächtiger. Die Frage ist nur: Glauben wir das? Und wenn ja: Leben wir danach?

Martin Luther King sagte: „Unsere Leben beginnen zu enden an dem Tag, an dem wir über Dinge schweigen, die wichtig sind.“

Lasst uns nicht schweigen. Lasst uns Kirche sein – prophetisch, solidarisch, unbequem. Kirche von unten. Kirche der Geringsten. Kirche Jesu Christi.