Das Elend der Eingliederungshilfe

Im Jahr 2017 hat die Bundesregierung ein neues Gesetz gemacht.
Das Gesetz heißt: Bundesteilhabegesetz.

Das Versprechen war groß:
Menschen mit Behinderung sollen selbst entscheiden.
Menschen mit Behinderung sollen nicht mehr versorgt werden.
Sie sollen Rechte haben.

Das war das Versprechen.
Was wirklich passiert ist

Das Versprechen wurde nicht gehalten.

Wer heute Hilfe beantragt, muss sehr viel Papier ausfüllen.
Die Formulare sind schwer zu verstehen.
Die Ämter brauchen sehr lange.
Manchmal wartet man Monate.
Manchmal wartet man Jahre.

Viele Menschen geben auf.
Sie kämpfen nicht mehr.
Das Amt denkt dann: Alles ist gut.
Aber alles ist nicht gut.

Die Ämter entscheiden. Nicht die Menschen.

Gutachter kommen ins Haus.
Sie schauen, was ein Mensch nicht kann.
Sie entscheiden, wie viel Hilfe er bekommt.
Sie entscheiden, wie viel sein Leben kostet.

Das ist falsch.

Nicht der Gutachter soll entscheiden.
Der Mensch selbst soll entscheiden.

Das steht so in einem Menschenrechts-Vertrag der Vereinten Nationen.
Deutschland hat diesen Vertrag unterschrieben.
Aber Deutschland hält sich nicht daran.

Wer verdient daran?

Viele Menschen mit Behinderung arbeiten in Werkstätten.
Sie arbeiten hart.
Aber sie bekommen sehr wenig Geld.
Oft weniger als zwei Euro in der Stunde.

Den normalen Mindestlohn bekommen sie nicht.

Die Träger der Werkstätten bekommen Geld vom Staat.
Manchmal viel Geld.

Das ist ungerecht.
Die Menschen, die arbeiten, sollen das Geld bekommen.
Nicht die Institutionen.

Was wir brauchen

Wir brauchen kein neues Formular.
Wir brauchen kein neues Gutachten.

Wir brauchen:

Die Menschen mit Behinderung entscheiden selbst.
Die Ämter müssen begründen, wenn sie Nein sagen.
Nicht der Mensch muss beweisen, dass er Hilfe braucht.

Wir brauchen echte Beratung.
Beratung, die auf der Seite der Betroffenen steht.
Nicht auf der Seite der Ämter.

Und wir brauchen faire Löhne für alle.
Auch für Menschen in Werkstätten.

Eine klare Anklage

Das System ist nicht kaputt gegangen.
Das System war so gebaut.

Es schützt die Institutionen.
Es schützt die Träger.
Es schützt die Verwaltung.

Es schützt nicht die Menschen, die Hilfe brauchen.

Das ist kein Versehen.
Das ist eine Entscheidung.
Und jemand hat diese Entscheidung getroffen.

Die Politik sagt: Wir haben ein Gesetz gemacht.
Aber ein Gesetz ist keine Gerechtigkeit.

Menschen mit Behinderung warten seit Jahren.
Sie warten auf Würde.
Sie warten auf Teilhabe.
Sie warten auf ihr Recht.

Wir warten nicht mehr still.

Armin Herzberger

Teilhabe ist erkämpftes Recht

Teilhabe ist kein Almosen. Sie ist erkämpftes Recht. Und sie steht unter Beschuss.
Heute war Wolfgang Nollmann (Möglichkeitsdenker Lüdenscheid) zu Gast beim Lebenshilfewerk Marburg-Biedenkopf. Motto seines Forschungsbüros: „Forscht nicht über uns – forscht mit uns!“
Die Möglichkeitsdenker haben Rilkes „Werkleute sind wir“ zu ihrem Leitgedicht gemacht. Kein Bildungsschmuck – eine politische Provokation: Menschen mit Lernschwierigkeiten eignen sich an, was ihnen vorenthalten werden sollte.
https://lnkd.in/dQ-SH9PP
 Gleichzeitig will die Bundesregierung bei der Eingliederungshilfe sparen. Klassenpolitik auf Kosten der Schwächsten. Teilhabe steht nicht unter Haushaltsvorbehalt – das garantiert das Grundgesetz.
⚫ Wir wissen, wohin diese Sprache führt. Hadamar liegt in Hessen. Wenige Kilometer von hier. Dort wurden zwischen 1941 und 1945 etwa 14.500 Menschen mit Behinderungen ermordet. Die Rede vom „nicht mehr Finanzierbaren“ hat Vorläufer. Wir erinnern. Wir widersprechen.
https://lnkd.in/dsnQvr5s
Die Möglichkeitsdenker sind die Antwort: Selbstvertretung statt Fürsprache. Gegenmacht von unten. Notwendiger denn je.
Roland Wagner |  LinkedIn | lebenshilfe-ov-marburg.de
Andreas Beck |  LinkedIn | lebenshilfewerk.net
Armin Herzberger |  LinkedIn | arminherzberger.com
#Inklusion #Möglichkeitsdenker #Teilhabe #Eingliederungshilfe #Hadamar #NieWieder #GegenRechts #Lebenshilfe #Selbstvertretung #Klassenpolitik

https://www.linkedin.com/posts/armin-herzberger-251255205_inklusion-maemglichkeitsdenker-teilhabe-activity-7437556747797426177-5q0Q?utm_source=share&utm_medium=member_android&rcm=ACoAADQvIB0BTCNgn7x22uDnB7k99pP6UTIYVJg 

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Der Mensch steht im Mittelpunkt.

Nicht die Einrichtung.

Nicht das Geld.

Praxisbegleitseminar im Sommersemester und Wintersemester 26 27 an der Universität Siegen in Fachbereich Erziehungswissenschaften Studiengang: Sozialarbeit Sozialpädagogik BA

Seminar 3.1 Armin Herzberger

Ist Gott treu?

Gott ist treu
Andacht in Leichter Sprache
Allianz-Gebetswoche 2026 – Abschlussgottesdienst
08. März 2026

1. Gott ist nicht neutral
Mein Mund erzählt jeden Tag von Gottes Hilfe. – Psalm 71,15

Begleitheft AGW 2026:
„Treue-Botschafter sollen und dürfen wir sein. Durch unser Leben in erster Linie, aber auch durch das mündliche Zeugnis.“

Das stimmt.
Aber: Treue zu wem?

Gott ist nicht neutral.
Mose befreit die Sklaven.
Die Propheten kämpfen für Arme.
Maria singt: Gott stürzt die Mächtigen vom Thron.

Gottes Treue gilt den Unterdrückten.
Das ist unsere Botschaft.
Vgl. arminherzberger.com: „Gott ist kein Eigentum“
2. Vom Stuhl zum Tisch
Die Liebe von Jesus drängt uns. – 2. Korinther 5,14

Begleitheft AGW 2026:
„Wie erlebe ich konkret Zeichen von Gottes Treue? Wie kann ich mutiger werden, die Botschaft weiterzugeben?“

Eine konkrete Antwort:

Manche Menschen hören:
„Für dich ist kein Stuhl mehr da.“

Gottes Treue sagt das Gegenteil:
Du gehörst dazu.
Es ist Platz für dich.

Am Netphener Tisch sehen wir das:
Menschen mit Behinderung decken selbst den Tisch.
Sie sind nicht nur Empfänger.
Sie geben.
Das ist Gottes Treue – sichtbar.
Vgl. arminherzberger.com: „Vom weggenommenen Stuhl zum gedeckten Tisch“
3. Unsere Botschaft: Die Welt kann anders sein
Geht in die Welt. Ich bin bei euch – jeden Tag. – Matthäus 28,19-20

Begleitheft AGW 2026:
„Regelmäßige Fürbitte ist ein starker Ausdruck von Treue: Wofür willst du immer wieder beten?“

Ja – und mehr als beten.

Kirche von unten bedeutet:
Wir fangen selbst an.
Wir stehen auf für andere.
Wir schweigen nicht.

Denn: Schweigen macht schuldig.
(Bonhoeffer)

Das ist unsere Botschaft für die Welt.
Vgl. arminherzberger.com: „Kirche von unten – braucht Mut“

Gebet:

Gott,
du hast die Welt nicht so gewollt, wie sie ist.

Du willst, dass alle satt werden.
Du willst, dass alle Würde haben.
Du willst, dass Tische gedeckt werden – für alle.

Mach uns zu Zeugen deiner Treue.
Nicht nur im Gebet.
Sondern im Aufstehen.
Im Nicht-Schweigen.

Du bist treu.
Hilf uns, es auch zu sein.

Amen.

Warum glauben mache Christen…


Manche Menschen sind Christen.
Und manche dieser Menschen glauben an Verschwörungstheorien.
Warum ist das so?
Was sind Verschwörungstheorien?
Verschwörungstheorien sagen:
Mächtige und böse Menschen planen im Geheimen etwas Schlechtes.
Nur wenige Menschen kennen die Wahrheit.
Die meisten Menschen werden belogen.
Warum glauben manche Christen daran?
Ähnliche Geschichten
Im christlichen Glauben gibt es Geschichten von Gut gegen Böse.
Von Licht gegen Dunkelheit.
Verschwörungstheorien klingen ähnlich.
Das fühlt sich für manche vertraut an.
Misstrauen
Manche Christen vertrauen dem Staat nicht.
Manche vertrauen den Medien nicht.
Das macht es leichter, anderen „Wahrheiten“ zu glauben.
Endzeit-Denken
Manche Christen denken: Die Welt wird bald enden.
Eine böse Weltmacht entsteht.
Verschwörungstheorien passen dann gut in dieses Bild.
Gemeinschaft
Verschwörungstheorien geben ein Gefühl von Zugehörigkeit.
Das Gefühl: Ich kenne die Wahrheit – und die anderen nicht.
Das kann süchtig machen.
Aber:
Nicht alle Christen glauben an Verschwörungstheorien.
Viele Christen denken kritisch.
Glaube und kritisches Denken passen gut zusammen.
Jesus hat auch kritisch gedacht.
Er hat Fragen gestellt.
Er hat nicht einfach alles geglaubt.

Die evangelische Allianz


Was ist die Evangelische Allianz?
Die Evangelische Allianz ist eine große Gruppe von Christen.
Sie wurde vor sehr langer Zeit gegründet.
Viele verschiedene Kirchen gehören dazu.
Jeden Januar gibt es eine gemeinsame Gebets-Woche.
Was ist gut an der Evangelischen Allianz?
Sie setzt sich ein für verfolgte Christen.
Sie hilft Menschen in Not.
Der Glaube ist ihr sehr wichtig.
Sie nimmt die Bibel ernst.
Wo gibt es Unterschiede?
Manche Christen denken in manchen Fragen anders.
Sie sagen:
Gott will, dass alle Menschen würdevoll leben.
Nicht nur einzelne Menschen sollen gerettet werden.
Die ganze Gesellschaft soll gerechter werden.
Drei wichtige Unterschiede:
1. Frauen und Männer
Die Allianz sagt oft:
Männer und Frauen haben verschiedene Rollen.
Andere Christen sagen:
Alle Menschen sind gleich. Punkt.
2. Homosexuelle Menschen
Die Allianz lehnt Homosexualität oft ab.
Andere Christen sagen:
Jeder Mensch hat Würde. Gott liebt alle Menschen.
3. Armut
Die Allianz sagt oft:
Armut entsteht durch eigenes Versagen.
Andere Christen sagen:
Armut entsteht durch ungerechte Verhältnisse.
Die Gesellschaft muss sich ändern.
Was verbindet trotzdem?
Beide wollen:
Gott ehren
Menschen helfen
Die Bibel ernst nehmen
Deshalb ist Gespräch wichtig.
Und gemeinsames Gebet.
Auch wenn man nicht immer einer Meinung ist.
Ein wichtiger Satz:
Das Evangelium verändert nicht nur Herzen.
Es verändert die Welt.

Paulus und Israel

Worthaus 13 – Tübingen:

8. Juni 2025 von Prof. Dr. Kathy Ehrensperger


Irgendetwas ist in Rom passiert. Wir wissen nicht genau was, aber Paulus musste intervenieren, die Sache klären und entschuldigte sich gleichzeitig dafür, dass er noch immer nicht dort gewesen war, in der Hauptstadt des Reiches, bei den Juden, die dank ihm an Jesus als den Messias glaubten.


Er schreibt einen seiner berühmtesten Briefe, der später Geschichte gemacht hat.

Kathy Ehrensperger führt durch diesen Brief wie durch ein Gespräch, das entscheidende Fragen klären muss.

Wie ist das Verhältnis zwischen Gott, Israel und den Völkern, die Christus nachfolgen?

Warum wurde Israel von Gott auserwählt?

Was hat es mit den Nicht-Juden auf sich, die plötzlich einem jüdischen Wanderprediger aus der Provinz anhingen?

Und wenn Jesus der Messias ist, warum folgen dann nicht alle Juden Seinem Ruf?

Paulus und Israel: Ein theologischer Dialog im Römerbrief | 15.6.2

Sieben Worte ohne Härte

Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte

Was bedeutet Härte?

Härte bedeutet nicht nur: jemanden anschreien oder grob sein.

Härte steckt auch in Gesetzen und Regeln. Zum Beispiel:
Menschen, die aus anderen Ländern fliehen, werden in Lagern eingesperrt. Das ist Härte.
Menschen, die wenig Geld haben, müssen viele Formulare ausfüllen. Auch das ist Härte.
In der Politik wird die Sprache immer rauer. Mitgefühl gilt manchmal als Schwäche. Das stimmt nicht.

Männer und Härte

Viele Männer lernen von klein auf: Zeig keine Gefühle. Wein nicht. Sei stark.
Das macht etwas mit Menschen. Es schadet ihnen.
Diese Fastenzeit lädt Männer ein: Zeig deine Gefühle. Das ist keine Schwäche. Das ist Mut.

Was sagt die Bibel dazu?

Jesus hat Härte abgelehnt. Er hat sich um arme und kranke Menschen gekümmert. Er hat Ungerechtigkeit beim Namen genannt. Dafür wurde er verurteilt. Das war eine politische Entscheidung – keine zufällige.

Was bedeutet das für uns heute?

Sieben Wochen ohne Härte heißt nicht nur: netter sein.

Es heißt auch: Frag dich, welche Regeln und Gesetze Menschen hart und ungerecht behandeln. Tu etwas dagegen. Steh auf für andere Menschen.

Mitgefühl kann auch unbequem sein. Es kann bedeuten: klar reden, widersprechen, für Gerechtigkeit eintreten.

Sieben Wochen ohne Härte – das ist eine Übung für das Herz und für die Gesellschaft.

Der Stoß

Eine Klippdachsland-Geschichte über Frömmigkeit und Gewalt

 Für Uli

Es gibt Erinnerungen, die verblassen mit den Jahren. Und es gibt solche, die bleiben. Die sich einbrennen. Die einen nicht loslassen, auch nach Jahrzehnten nicht.

Die „Alte Versammlung“ gehört zu den Erinnerungen, die geblieben sind.

 

Die Männer mit der verdrießlichen Miene

Es gab sie in jedem Dorf im Klippdachsland. Ältere Herren, immer im dunklen Anzug, immer mit dieser Miene. Verdrießlich. Mürrisch. Als würde ihnen das Leben schwer auf den Schultern lasten.

Sie gehörten zur „Alten Versammlung“. So nannten sich die Darbisten im Klippdachsland. Fromme Leute. Sehr fromme Leute. So fromm, dass sie sich von allen anderen absonderten.

Die lutherische Kirche im Dorf? Abgefallen. Verweltlicht. Verloren.

Die katholische Kirche sowieso? Der Papst war für sie der Antichrist höchstpersönlich.

Nur sie, die kleine Schar der „Alten Versammlung“, hatten die reine Lehre bewahrt. Nur sie würden gerettet werden, wenn Christus wiederkam. Und das konnte jeden Tag geschehen.

Deshalb die verdrießliche Miene. Wer ständig das Ende der Welt erwartet, dem vergeht das Lachen.

Man wartet. Man sondert sich ab. Man züchtigt seine Kinder.

 

Sonntags im Versammlungsraum

Sonntags trafen sie sich. Nicht in der Kirche – Gott bewahre! Sie trafen sich in einem schlichten Raum. Weiß getüncht, kahl, schmucklos. In der Mitte ein Tisch mit einem weißen Tuch. Darauf Brot und Wein. Mehr nicht.

Die Männer saßen vorne. Anzug, Krawatte, Scheitel. Die Frauen hinten, mit Kopftuch. Sie schwiegen. Das war ihre Rolle. Schweigen, gehorchen, dienen.

Wenn der Geist jemanden ergriff – immer einen Mann, versteht sich –, dann stand der auf und sprach. Ihre Reden waren trocken. Voller Bibelstellen. Sie warnten vor der Welt. Sie mahnten zur Zucht.

Zucht. Das war ihr Lieblingswort.

„Wer sein Kind liebt, der züchtigt es.“ Sprüche 13, Vers 24. Die Bibel sage es. Also müsse es wahr sein.

 

Die Kinder, die prügelten

Es gab Kinder im Klippdachsland, vor denen man sich fürchtete. Nicht weil sie größer waren. Nicht weil sie älter waren. Sondern weil sie anders waren.

Sie prügelten nicht aus Lust. Sie prügelten mit System. Mit einer Kälte, die erschreckte.

Es waren Kinder aus der „Alten Versammlung“.

Sie hatten gelernt: Wer schwach ist, verdient Zucht. Wer anders ist, verdient Strafe. Wer nicht gehorcht, verdient den Schlag.

Sie hatten es zu Hause gelernt. Jetzt gaben sie weiter, was man ihnen beigebracht hatte.

Gewalt, die empfangen wird, wird weitergegeben. Das ist so alt wie die Menschheit.

 

Der Zappelphilipp

Es gab einen Jungen, den nannten alle so. Er konnte nicht still sein. Er zuckte und zappelte und störte.

Für die „Alte Versammlung“ war das keine Krankheit. Das war Sünde. Das war Aufruhr gegen Gott und die Ordnung.

Ich war nicht in der Versammlung. Ich wurde nicht geschlagen. Aber ich kenne den Druck, der Kinder klein macht. Aus der Jungschar. Aus dem CVJM. Der Druck hat viele Gesichter.

 

Das Mädchen mit den schönen Augen

Und dann war da das Mädchen mit den schönen Augen.

Meine Schwester. Ein stilles Kind. Ein gutes Kind. Ein Kind, das niemandem etwas zuleide tat.

Sie war auch nicht in der „Alten Versammlung“. Aber sie lebte in derselben Welt. Denselben Erwartungen. Demselben leibfeindlichen, patriarchalen Pietismus.

Mädchen hatten keinen Spielraum. Was Jungen wegstecken konnten — das hat Mädchen zerbrochen.

Und sie war anders. In einer Weise, die die Frommen beunruhigte.

Es gab einen Bruch. Wann genau – niemand weiß es mehr. Was genau – niemand will es mehr sagen.

Vielleicht war es ein Schlag. Vielleicht eine Demütigung. Vielleicht ein Moment, in dem etwas in ihr zerbrach.

Danach war sie nicht mehr dieselbe.

Die Stimmen kamen. Stimmen, die ihr sagten:

Ich bin schlecht.

Ich bin vom Teufel besessen.

Ich lebe in der Hölle.

Die religiöse Verdammung wurde zur Überzeugung. Die Überzeugung wurde zur Krankheit. Die Krankheit wurde zu ihrem Leben.

Seit Jahrzehnten lebt sie im Wohnheim.

 

Darby und Sölle

Es gab einen Mann namens John Nelson Darby. Ein englischer Prediger des 19. Jahrhunderts. Er lehrte Absonderung. Reinheit. Rückzug aus der Welt.

Darby fragte: Wie können wir uns von der bösen Welt absondern?

Dorothee Sölle fragte: Wie können wir Gottes Reich jetzt verwirklichen?

Das ist der Unterschied. Der entscheidende.

Sölle kämpfte für Unterdrückte und bejahte den Körper.

Die Darbisten schlugen ihre Kinder und verdammten den Körper.

Was als Frömmigkeit begann, wurde zur Gewalt.

 

Kirche von unten – aber richtig

Es gibt heute viele, die von „Kirche von unten“ reden. Kreise, die frommer und strenger und enger werden.

Ich warne davor.

Nicht jede Bewegung, die sich „von unten“ nennt, befreit. Manche schafft neue Opfer.

Die „Alte Versammlung“ war Kirche von unten. Klein. Fromm. Entschieden. Und sie hat Kinder geschlagen, Frauen zum Schweigen gebracht, Seelen zerbrochen.

Das ist nicht die Kirche Jesu Christi.

Kirche von unten – aber richtig – das bedeutet: Befreiung statt Bindung. Heilung statt Schlagen. Ja zum Körper. Begleitung der Kranken statt Verdammung.

 

Die besorgten Geschwister

Sie wird besucht. Meine Schwester.

Aber die Geschwister sitzen nicht einfach an ihrem Bett. Sie sind beschämt. Sie haben Angst. Angst, dass ihnen dasselbe widerfahren könnte. Dass der Druck, der sie alle geformt hat, auch sie hätte zerbrechen können.

Vor allem ihr Vater kümmert sich. Er kommt. Er ist da. Vielleicht weiß er, was dieser Druck angerichtet hat. Vielleicht trägt er das mit sich.

Leider ist sie nun nicht mehr zu erreichen. Die Krankheit hat sie zu tief geholt.

Aber Gott behütet sie. Nicht der Gott der Strafe. Sondern der Gott der Gnade.

 

Trotz allem

Und wenn ich an das Mädchen mit den schönen Augen denke,

an die Hölle, in der sie lebt,

an die Stimmen, die ihr sagen: Du bist vom Teufel besessen,

dann bete ich:

 

Herr, erbarme dich.

Nicht über sie.

Sondern über die, die ihr diese Hölle eingeredet haben.

 

Und segne die, die jetzt bei ihr sind.

Die besorgten Geschwister.

Die gelernt haben.

Die da sind.

Trotz allem.

 

Armin Herzberger

Klippdachsland, Februar 2026

 

Diese Geschichte ist wahr. Die Namen wurden geändert. Die Narben sind echt.

Frau Tietz träumt…


Wenn wir neu anfangen dürften


DER MELANCHOLIKER UND DIE MUSIKERIN

Stellen Sie sich vor:

Ein Mann aus Dänemark sitzt in unserer Kirchen-Versammlung.
Sein Name: Søren Kierkegaard.
Er lebte vor 200 Jahren.

Wir reden über Nachbarschafts-Räume.
Wir reden über Strukturen.

Er schreibt in sein Notizbuch:
> „Ihr redet über Verwaltung.
> Aber Glaube ist ein Sprung.“


DER TRAUM VON DER MUSIK

Christiane Tietz träumt

Unsere Kirchen-Präsidentin hat einen Traum.
Sie vergleicht Kirche mit einem Orchester:

– Viele Instrumente
– Viele Töne
– Manchmal schön
– Manchmal schräg
– Aber zusammen: Musik

Ihr Wunsch:
> „Viele verschiedene Stimmen.
> Zusammen ein Klang.“

Was sich ändert

Früher:
– 1.000 kleine Gemeinden
– Jede ihr eigener Pfarrer
– Jede ihr eigenes Programm

Jetzt:
– Gemeinden schließen sich zusammen
– Das heißt: Nachbarschafts-Räume
– Pfarrer arbeiten im Team

Warum?
– Weniger Geld
– Weniger Menschen
– Weniger Pfarrer

Tietz sagt:
> „Wir können nicht schön-reden.
> Wir müssen etwas ändern.“

Sie hat recht.

DER MELANCHOLIKER WIDERSPRICHT

Kierkegaard steht auf.
Er fragt:

> „Wollt ihr bessere Verwaltung?
> Oder wollt ihr besseren Glauben?“

Seine Geschichte aus Dänemark:

Alle waren Kirchen-Mitglied.
Keiner musste glauben.
Es war nur Gewohnheit.

Er nannte das: Falsche Kirche

Seine Fragen an uns heute:

> Macht ihr größere Einheiten?
> Wird dadurch der Glaube stärker?
> Oder nur die Verwaltung einfacher?

> „Ihr sagt: Viele Stimmen sind gut.
> Ich frage: Wofür steht ihr dann?“

Unbequem. Aber wichtig.

DIE GESCHICHTE VOM NETPHENER TISCH

Eine wahre Geschichte:

Menschen mit Behinderung wurden betreut.
Andere kochten für sie.
Andere planten für sie.
Sie durften nichts selbst machen.

Dann kam die Idee:

Die Menschen mit Behinderung
gründeten einen Mittags-Tisch.

– Sie kochen selbst
– Sie laden ein
– Sie organisieren
– Sie sind jetzt Geber
– Nicht mehr nur Empfänger

Das ist Kirche von unten.

Was das für uns bedeutet

Zwei Wege:

Weg 1: Von oben

Hauptamtliche entscheiden
       
Menschen folgen


Weg 2: Von unten

Menschen vor Ort überlegen
       
Hauptamtliche unterstützen

Beispiel:

❌ NICHT SO:
„Wir machen jetzt moderne Gottesdienste.“

✓ SONDERN SO:
„Wie wollen WIR Gottesdienst feiern?
Wir helfen euch dabei.“

VIER GROSSE TRÄUME

Wenn wir wirklich neu anfangen könnten…

1. Klein statt groß

Nicht eine große Herde.
Sondern viele kleine Gruppen.

– 5 bis 15 Menschen
– Treffen sich zu Hause
– Glauben verbindlich zusammen
– Wie am Anfang bei Jesus

2. Befähigen statt versorgen

Der Pfarrer nicht als Koch.
Sondern als Koch-Lehrer.

Jetzt: Pfarrer macht alles
Neu: Pfarrer zeigt anderen, wie es geht

3. Selbst-Bestimmung
Bild:
Nicht Befehle von oben.
Sondern Ideen von unten.

Nachbarschafts-Räume entscheiden selbst:
– Wen brauchen wir?
– Was machen wir?
– Wie nutzen wir Geld?

4. Echt statt viel

Nicht die größte Herde.
Sondern die echteste.

Alte Frage: Wie viele Mitglieder?“
Neue Frage: Wie echt ist der Glaube?“

Kierkegaard sagt:
> „Ein Mensch, der wirklich glaubt,
> ist mehr wert als 10.000 Namen.“

DER SCHWIERIGE TEIL: DER SPRUNG

Kierkegaard sagt:
> „Träume sind leicht.
> Springen ist schwer.
> Aber nur Springen verändert wirklich.“

Was heißt springen?

Die Pfarrerin sagt:
„Ich bin nicht unverzichtbar.“

Der Kirchen-Vorstand sagt:
„Wir geben Macht ab.“

Die Kirchen-Leitung sagt:
Ihr vor Ort wisst es besser.

Die Gemeinde sagt:
Wir verkaufen unser Gebäude.
Wir werden frei.

Das tut weh.
Aber das verändert.

DREI WEGE IN DIE ZUKUNFT

Wohin führt ekhn2030?

Weg 1: Die Verwaltungs-Reform

Größere Einheiten
Bessere Organisation
Aber: Glaube bleibt blass

Kierkegaard: Bessere Verwaltung. Keine bessere Kirche.

Weg 2: Der Streit

Die einen wollen bewahren
Die anderen wollen ändern
Es gibt Streit
Alle verlieren

Kierkegaard: „Ihr streitet um Gebäude statt um Glauben.“

Weg 3: Der Möglichkeits-Raum
Versuchs-Labore entstehen
Neues wird ausprobiert
Kleine Gruppen bilden sich
Menschen werden aktiv

Kierkegaard: „Jetzt wird es spannend. Jetzt wird es christlich.“

EINE GESCHICHTE VOM PRINZ

Es war einmal ein Prinz namens Kierkegaard.

Er saß in einem hohen Turm.
Von oben sah sie alles.
Aber sie war gefangen.

Kirchenpräsidentin Tietz kam vorbei:

Komm, ich zeige dir die Nachbarschafts-Räume.
Wir haben einen Plan.
Wir haben Konzepte.

Die der Prinz schaute hinunter.
Sehr tief.

Sie fragte:
„Aber wirst du springen?

Dann geschah etwas Unerwartetes:

Der Prinz stand auf.
Er ging an den Rand.
Und sie sprang.

Und siehe da:
Er konnte fliegen.

Nicht weil er es wusste.
Sondern weil sie es wagte.

WAS DAS KONKRET BEDEUTET

Für die Kirchen-Leitung
– Nachbarschafts-Räume sind Versuchs-Räume
– Geld für neue Ideen
– Freiheit zum Experimentieren

Für Pfarrer und Gemeinde-Pädagogen
– Nicht versorgen sondern befähigen
– Nicht alles selbst machen sondern andere stark machen
– Nicht festhalten sondern loslassen

Für Gemeinden
– Klein und verbindlich statt groß und unverbindlich
– Die Stillen zu Wort kommen lassen
– Platz schaffen durch Weglassen

Für uns alle

Die wichtigste Frage ist nicht
Wie funktioniert Kirche besser?

Die wichtigste Frage ist:

Traue ich mich zu glauben?“

SCHLUSS

Drei Träume:

Tietz träumt: Viele Stimmen – ein Klang


Kierkegaard träumt: Echter Glaube


Kirche von unten träumt: Menschen werden aktiv

Alle drei haben recht

Aber Träume ohne Sprung bleiben Träume.

Die grüne Wiese ist keine Wiese.
Sie ist eine Entscheidung.

Jeden Tag neu.

Amen.

Geschichten aus der Bibel:
– Apostelgeschichte 2: Die ersten Christen
– Matthäus 10: Werdet wie Kinder
– Lukas 24: Zwei oder drei sind Kirche
– Markus 10: Loslassen ist schwer