In Erinnerung an meine Oma Christine

Herzbergers Oma

Möge Sie in Frieden ruhn

Eine kurze Andacht

Gott macht die Tür auf. Menschen schließen sie.

Ich möchte euch von einer Frau erzählen.

Ihr Name war Christine.
Sie war meine Großmutter.

Wenn wir als Kinder zu ihr kamen,
hörte sie sofort auf zu arbeiten.
Sie legte alles hin.
Wir waren wichtiger.

Sie machte warmen Kakao.
Sie backte Apfelstrudel.
Sie spielte Karten mit uns.
Das Spiel hieß Elfer-Raus.

Das klingt einfach.
Aber es war sehr viel.
Es war Liebe.
Ohne Bedingungen.

Meine Großmutter kam nicht aus diesem Dorf.
Ihre Familie kam von weit weg.
Sie waren Donauschwaben.
Das bedeutet:
Ihre Vorfahren mussten fliehen.
Sie wurden vertrieben.
Sie waren fremd.
Sie kannten Armut.
Sie kannten Not.

Wer das erlebt hat,
der weiß:
Ein Mensch ist ein Mensch.
Egal woher er kommt.
Egal wie er spricht.
Egal wie er aussieht.

Bei meiner Großmutter war immer Platz.
Für alle.

Da war auch Hasan.
Hasan kam aus Albanien.
Er arbeitete im Dorf auf dem Sägewerk.
Er war anders als die anderen.
Er sprach anders.
Er glaubte anders.
Er lebte anders.

Aber er war willkommen.
Jeden Samstag kam er zu Besuch.
Mein Großvater öffnete die Tür.
Sie saßen zusammen.
Sie redeten zusammen.
Sie lachten zusammen.
Sie schauten Fußball.

Niemand sagte:
Du gehörst nicht dazu.
Du darfst nicht kommen.
Du bist zu fremd.
Du bist zu anders.

Nein.
Er gehörte dazu.
Einfach so.

Das war in den 1960er Jahren.
In einem kleinen Dorf in Hessen.

Heute schreiben wir das Jahr 2026.

Und heute hören wir andere Sätze.

Wir hören:
Ausländer raus.
Wir zuerst.
Deutschland den Deutschen.
Grenzen dicht.
Abschiebung.
Remigration.

Diese Worte kommen nicht von irgendwo.
Diese Worte kommen von einer Partei.
Diese Partei heißt AfD.
Diese Partei sitzt im Bundestag.
Diese Partei sitzt in vielen Landtagen.
Diese Partei wird immer stärker.

Und manche Christen wählen diese Partei.
Das macht mich fassungslos.
Das macht mich zornig.

Denn in der Bibel steht etwas anderes.

Jesus sagt:
Ich war fremd.
Und ihr habt mich aufgenommen.

Jesus sagt nicht:
Schaut zuerst,
ob der Fremde nützlich ist.
Ob er unsere Werte teilt.
Ob er zu uns passt.

Jesus sagt:
Nehmt ihn auf.
Punkt.

Das ist kein Zufall.
Jesus selbst war ein Flüchtling.
Als Kind musste er fliehen.
Nach Ägypten.
Vor einem Mächtigen,
der Angst hatte.
Der Grenzen zog.
Der ausschloss.

Das kennen wir heute auch.

Menschen fliehen vor Krieg.
Menschen fliehen vor Hunger.
Menschen fliehen vor Verfolgung.

Und was passiert?
Sie kommen an unsere Grenzen.
Und die Grenzen sind zu.
Und die Boote kentern.
Und Menschen sterben im Mittelmeer.

Das ist kein Unfall.
Das ist eine politische Entscheidung.
Und wer schweigt,
macht mit.

Ich komme aus einem frommen Dorf.
Die Kirche dort war eng.
Wer nicht dazugehörte, merkte das.
Wer anders war, merkte das.
Wer Fragen stellte, merkte das.

Dieser enge Glaube hat Menschen verletzt.
Er hat Menschen ausgeschlossen.
Er hat Türen zugemacht.

Meine Großmutter war anders.
Sie war auch gläubig.
Aber ihr Glaube machte sie weit.
Nicht eng.
Offen.
Nicht geschlossen.

Das ist der Unterschied.

Ein Glaube, der Menschen ausschließt,
ist kein Glaube.
Das ist Macht.
Das ist Angst.
Das ist das Gegenteil von Evangelium.

Evangelium bedeutet:
Gute Nachricht.

Die gute Nachricht lautet:
Du bist willkommen.
Du gehörst dazu.
Gott macht die Tür auf.

Nicht:
Du musst erst beweisen,
dass du dazugehörst.
Nicht:
Wir nehmen dich auf,
wenn du nützlich bist.
Nicht:
Erst die Eigenen,
dann die Fremden.

Nein.

Gott macht die Tür auf.
Für alle.
Ohne Bedingungen.
Ohne Rangliste.
Ohne Ausschluss.

Meine Großmutter hat das gelebt.
Mit Kakao.
Mit Apfelstrudel.
Mit Elfer-Raus.
Mit offener Tür.

Sie hat nicht viel geredet.
Sie hat einfach gemacht.

Hasan war willkommen.
Der Fremde war willkommen.
Der Andersgläubige war willkommen.

Das ist Kirche.
Das ist Glaube.
Das ist Evangelium.

Ich sage das deutlich:

Wer Menschen ausgrenzt,
handelt nicht im Namen Gottes.
Wer Grenzen zieht zwischen Wertvollem
und Wertlosem,
zwischen Dazugehörigem
und Fremdem,
der hat das Evangelium nicht verstanden.

Oder er versteht es.
Und handelt trotzdem so.
Das ist noch schlimmer.

Wir leben in einer Zeit,
in der die Ausgrenzung wieder salonfähig wird.
In der Hass eine Partei trägt.
In der Abschiebung als Lösung gilt.
In der Menschenwürde verhandelt wird.

Als Christen können wir dazu nicht schweigen.
Wir dürfen nicht schweigen.

Meine Großmutter hat nicht geschwiegen.
Sie hat die Tür aufgemacht.

Das ist unsere Aufgabe.
Heute.
Hier.
Jetzt.

Die Tür aufmachen.
Für alle.

So wie Gott es tut.

Amen.

Lätare – Freut Euch

Gott tröstet wie eine Mutter


Eine Andacht in verständlicher Sprache


„Freuet euch mit Jerusalem! Seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt!“
Jesaja 66, Vers 10


Lätare – das bedeutet: Freut euch!
Heute ist ein besonderer Sonntag.
Er heißt Lätare.
Das ist ein lateinisches Wort.
Es bedeutet: Freut euch!

Dieses Wort kommt aus einem alten Ruf.
Einem Ruf aus der Bibel.
Er lautet:
„Freuet euch mit Jerusalem! Freuet euch – alle, die ihr traurig wart um sie!“

Jerusalem steht in der Bibel für mehr als eine Stadt.
Jerusalem steht für das Volk, das leidet.
Jerusalem steht für die Hoffnung, die nicht aufgibt.
Jerusalem steht für den Ort, wo Gott wohnt –
mitten unter den Menschen.

Mitten in der Passionszeit – mitten in der dunklen Zeit –
sagt die Kirche: Freut euch mit Jerusalem!

Das klingt seltsam.
Viele Menschen sind müde.
Viele Menschen sind traurig.
Viele Menschen haben Angst.

Aber genau da spricht Gott.
Genau da tröstet Gott.


Was Jesaja sagt
Der Prophet Jesaja hat vor sehr langer Zeit gelebt.
Er hat das Volk Israel begleitet.
Das Volk war in großer Not.
Es war vertrieben worden.
Es lebte in der Fremde.

Und da sagt Jesaja etwas Erstaunliches.
Er sagt: Gott tröstet euch.
Wie eine Mutter ihr weinendes Kind tröstet.

Kennen Sie das?
Ein Kind weint.
Es weint laut.
Es weint und weiß selbst nicht warum.
Und die Mutter kommt.
Sie fragt nicht: Warum weinst du?
Sie fragt nicht: Hör jetzt auf.
Sie nimmt das Kind einfach auf den Arm.
Sie hält es fest.
Sie sagt: Ich bin da.

Genau so – sagt Jesaja – ist Gott.
Gott fragt nicht zuerst: Bist du schuldig?
Gott fragt nicht: Hast du es verdient?
Gott kommt einfach.
Gott hält uns fest.
Gott sagt: Ich bin da.

„Ihr werdet saugen und euch satt trinken
an den Brüsten ihres Trostes.
Auf dem Arm wird man euch tragen
und auf den Knien euch liebkosen.“
Jesaja 66, Vers 12

Das ist eine sehr starke Sprache.
Eine zärtliche Sprache.
Eine Sprache der Nähe.

Gott ist hier nicht weit weg.
Gott ist nicht kalt.
Gott ist nicht streng.

Gott trägt uns.
Gott hält uns.
Gott liebt uns – wie eine gute Mutter ihr Kind liebt.


Gott – auch sie
In der Bibel hat Gott viele Gesichter.

Gott ist Vater – das kennen wir.
Aber Gott ist in der Bibel auch Mutter.
Gott ist die Frau, die ihr verlorenes Geldstück sucht.
Gott ist die Hebamme, die neues Leben empfängt.
Gott ist die, die tröstet – wie Jesaja schreibt.

Mitten in der Bibel steht das.
Nicht am Rand.


Lange hat die Kirche das verschwiegen.
Sie hat Gott immer als Mann gedacht.
Als Herrn. Als König. Als Vater.

Das hat Frauen kleingemacht.
Das hat gesagt: Das Männliche ist das Göttliche.

Das stimmt nicht.
Das ist eine Lüge – auch wenn sie fromm klingt.


Der Gott der Bibel ist größer.
Größer als alle unsere Bilder.
Größer als Mann und Frau zusammen.

Und dieser Gott tröstet –
zärtlich, körperlich, nah.
Wie eine Mutter ihr weinendes Kind.

Das ist keine neue Erfindung.
Das steht seit Jahrhunderten in der Bibel.
Es war nur lange nicht erlaubt, es zu sagen.

Heute sagen wir es.


Was das für uns bedeutet
Wir leben in einer Zeit der Spaltung.
Manche haben sehr viel.
Viele haben zu wenig.
Manche werden gehört.
Viele werden nicht gehört.
Das ist keine Naturkatastrophe.
Das sind Entscheidungen von Menschen.
Das sind politische Entscheidungen.

Und da sagt der Gott der Bibel: Nein.
Das ist nicht mein Wille.

Der Gott der Bibel ist der Gott des Exodus.
Er hat das versklavte Volk befreit.
Er hat die Mächtigen gestürzt.
Er hat die Hungrigen satt gemacht.
Das steht in der Bibel – von Anfang bis Ende.

Jesus hat das fortgesetzt.
Er hat sich zu den Armen gesetzt.
Er hat die Kranken berührt – die Unberührbaren.
Er hat gesagt: Das Reich Gottes gehört den Kleinen.
Nicht den Großen.

„Gott hat keine anderen Hände als unsere.“

Das heißt:
Wir sind nicht Zuschauer.
Wir sind gerufen.
Gerufen, hinzusehen – wo andere wegsehen.
Gerufen, zu widersprechen – wo Ungerechtigkeit normal gemacht wird.
Gerufen, Seite zu wählen – die Seite der Schwachen.

Eine Kirche, die das tut, fängt unten an.
Nicht in den Chefetagen.
Sondern dort, wo Menschen Trost brauchen.
Dort, wo Menschen getragen werden müssen.


Eine Frage für uns alle
Wer braucht heute meinen Arm?
Wer braucht heute meine Hand?
Wem kann ich heute Trost bringen?

Lätare heißt: Freut euch!
Aber die Freude ist nicht für uns allein.
Die Freude ist zum Teilen.

Freut euch mit Jerusalem!
Freut euch mit allen, die geweint haben.
Freut euch mit allen, die ausgegrenzt wurden.
Freut euch mit allen, die getragen werden mussten.

Denn Gott ist bei ihnen.
Gott ist bei uns.
Lätare! Freut euch!


Gebet
Gott,
du kennst unser Leben.
Du kennst unsere müden Tage.
Du kennst unsere Traurigkeit.

Wir danken dir:
Du trägst uns.
Du hältst uns.
Du liebst uns – wie eine Mutter.

Gib uns Kraft,
dass wir füreinander da sind.
Dass wir tragen und halten.
Dass wir Trost weitergeben.

Amen.

Das Elend der Eingliederungshilfe

Im Jahr 2017 hat die Bundesregierung ein neues Gesetz gemacht.
Das Gesetz heißt: Bundesteilhabegesetz.

Das Versprechen war groß:
Menschen mit Behinderung sollen selbst entscheiden.
Menschen mit Behinderung sollen nicht mehr versorgt werden.
Sie sollen Rechte haben.

Das war das Versprechen.
Was wirklich passiert ist

Das Versprechen wurde nicht gehalten.

Wer heute Hilfe beantragt, muss sehr viel Papier ausfüllen.
Die Formulare sind schwer zu verstehen.
Die Ämter brauchen sehr lange.
Manchmal wartet man Monate.
Manchmal wartet man Jahre.

Viele Menschen geben auf.
Sie kämpfen nicht mehr.
Das Amt denkt dann: Alles ist gut.
Aber alles ist nicht gut.

Die Ämter entscheiden. Nicht die Menschen.

Gutachter kommen ins Haus.
Sie schauen, was ein Mensch nicht kann.
Sie entscheiden, wie viel Hilfe er bekommt.
Sie entscheiden, wie viel sein Leben kostet.

Das ist falsch.

Nicht der Gutachter soll entscheiden.
Der Mensch selbst soll entscheiden.

Das steht so in einem Menschenrechts-Vertrag der Vereinten Nationen.
Deutschland hat diesen Vertrag unterschrieben.
Aber Deutschland hält sich nicht daran.

Wer verdient daran?

Viele Menschen mit Behinderung arbeiten in Werkstätten.
Sie arbeiten hart.
Aber sie bekommen sehr wenig Geld.
Oft weniger als zwei Euro in der Stunde.

Den normalen Mindestlohn bekommen sie nicht.

Die Träger der Werkstätten bekommen Geld vom Staat.
Manchmal viel Geld.

Das ist ungerecht.
Die Menschen, die arbeiten, sollen das Geld bekommen.
Nicht die Institutionen.

Was wir brauchen

Wir brauchen kein neues Formular.
Wir brauchen kein neues Gutachten.

Wir brauchen:

Die Menschen mit Behinderung entscheiden selbst.
Die Ämter müssen begründen, wenn sie Nein sagen.
Nicht der Mensch muss beweisen, dass er Hilfe braucht.

Wir brauchen echte Beratung.
Beratung, die auf der Seite der Betroffenen steht.
Nicht auf der Seite der Ämter.

Und wir brauchen faire Löhne für alle.
Auch für Menschen in Werkstätten.

Eine klare Anklage

Das System ist nicht kaputt gegangen.
Das System war so gebaut.

Es schützt die Institutionen.
Es schützt die Träger.
Es schützt die Verwaltung.

Es schützt nicht die Menschen, die Hilfe brauchen.

Das ist kein Versehen.
Das ist eine Entscheidung.
Und jemand hat diese Entscheidung getroffen.

Die Politik sagt: Wir haben ein Gesetz gemacht.
Aber ein Gesetz ist keine Gerechtigkeit.

Menschen mit Behinderung warten seit Jahren.
Sie warten auf Würde.
Sie warten auf Teilhabe.
Sie warten auf ihr Recht.

Wir warten nicht mehr still.

Armin Herzberger

Teilhabe ist erkämpftes Recht

Teilhabe ist kein Almosen. Sie ist erkämpftes Recht. Und sie steht unter Beschuss.
Heute war Wolfgang Nollmann (Möglichkeitsdenker Lüdenscheid) zu Gast beim Lebenshilfewerk Marburg-Biedenkopf. Motto seines Forschungsbüros: „Forscht nicht über uns – forscht mit uns!“
Die Möglichkeitsdenker haben Rilkes „Werkleute sind wir“ zu ihrem Leitgedicht gemacht. Kein Bildungsschmuck – eine politische Provokation: Menschen mit Lernschwierigkeiten eignen sich an, was ihnen vorenthalten werden sollte.
https://lnkd.in/dQ-SH9PP
 Gleichzeitig will die Bundesregierung bei der Eingliederungshilfe sparen. Klassenpolitik auf Kosten der Schwächsten. Teilhabe steht nicht unter Haushaltsvorbehalt – das garantiert das Grundgesetz.
⚫ Wir wissen, wohin diese Sprache führt. Hadamar liegt in Hessen. Wenige Kilometer von hier. Dort wurden zwischen 1941 und 1945 etwa 14.500 Menschen mit Behinderungen ermordet. Die Rede vom „nicht mehr Finanzierbaren“ hat Vorläufer. Wir erinnern. Wir widersprechen.
https://lnkd.in/dsnQvr5s
Die Möglichkeitsdenker sind die Antwort: Selbstvertretung statt Fürsprache. Gegenmacht von unten. Notwendiger denn je.
Roland Wagner |  LinkedIn | lebenshilfe-ov-marburg.de
Andreas Beck |  LinkedIn | lebenshilfewerk.net
Armin Herzberger |  LinkedIn | arminherzberger.com
#Inklusion #Möglichkeitsdenker #Teilhabe #Eingliederungshilfe #Hadamar #NieWieder #GegenRechts #Lebenshilfe #Selbstvertretung #Klassenpolitik

https://www.linkedin.com/posts/armin-herzberger-251255205_inklusion-maemglichkeitsdenker-teilhabe-activity-7437556747797426177-5q0Q?utm_source=share&utm_medium=member_android&rcm=ACoAADQvIB0BTCNgn7x22uDnB7k99pP6UTIYVJg 

Ist Gott treu?

Gott ist treu
Andacht in Leichter Sprache
Allianz-Gebetswoche 2026 – Abschlussgottesdienst
08. März 2026

1. Gott ist nicht neutral
Mein Mund erzählt jeden Tag von Gottes Hilfe. – Psalm 71,15

Begleitheft AGW 2026:
„Treue-Botschafter sollen und dürfen wir sein. Durch unser Leben in erster Linie, aber auch durch das mündliche Zeugnis.“

Das stimmt.
Aber: Treue zu wem?

Gott ist nicht neutral.
Mose befreit die Sklaven.
Die Propheten kämpfen für Arme.
Maria singt: Gott stürzt die Mächtigen vom Thron.

Gottes Treue gilt den Unterdrückten.
Das ist unsere Botschaft.
Vgl. arminherzberger.com: „Gott ist kein Eigentum“
2. Vom Stuhl zum Tisch
Die Liebe von Jesus drängt uns. – 2. Korinther 5,14

Begleitheft AGW 2026:
„Wie erlebe ich konkret Zeichen von Gottes Treue? Wie kann ich mutiger werden, die Botschaft weiterzugeben?“

Eine konkrete Antwort:

Manche Menschen hören:
„Für dich ist kein Stuhl mehr da.“

Gottes Treue sagt das Gegenteil:
Du gehörst dazu.
Es ist Platz für dich.

Am Netphener Tisch sehen wir das:
Menschen mit Behinderung decken selbst den Tisch.
Sie sind nicht nur Empfänger.
Sie geben.
Das ist Gottes Treue – sichtbar.
Vgl. arminherzberger.com: „Vom weggenommenen Stuhl zum gedeckten Tisch“
3. Unsere Botschaft: Die Welt kann anders sein
Geht in die Welt. Ich bin bei euch – jeden Tag. – Matthäus 28,19-20

Begleitheft AGW 2026:
„Regelmäßige Fürbitte ist ein starker Ausdruck von Treue: Wofür willst du immer wieder beten?“

Ja – und mehr als beten.

Kirche von unten bedeutet:
Wir fangen selbst an.
Wir stehen auf für andere.
Wir schweigen nicht.

Denn: Schweigen macht schuldig.
(Bonhoeffer)

Das ist unsere Botschaft für die Welt.
Vgl. arminherzberger.com: „Kirche von unten – braucht Mut“

Gebet

Gott,
du hast die Welt nicht so gewollt, wie sie ist.

Du willst, dass alle satt werden.
Du willst, dass alle Würde haben.
Du willst, dass Tische gedeckt werden – für alle.

Mach uns zu Zeugen deiner Treue.
Nicht nur im Gebet.
Sondern im Aufstehen.
Im Nicht-Schweigen.

Du bist treu.
Hilf uns, es auch zu sein.

Amen.

Warum glauben mache Christen…


Manche Menschen sind Christen.
Und manche dieser Menschen glauben an Verschwörungstheorien.
Warum ist das so?
Was sind Verschwörungstheorien?
Verschwörungstheorien sagen:
Mächtige und böse Menschen planen im Geheimen etwas Schlechtes.
Nur wenige Menschen kennen die Wahrheit.
Die meisten Menschen werden belogen.
Warum glauben manche Christen daran?
Ähnliche Geschichten
Im christlichen Glauben gibt es Geschichten von Gut gegen Böse.
Von Licht gegen Dunkelheit.
Verschwörungstheorien klingen ähnlich.
Das fühlt sich für manche vertraut an.
Misstrauen
Manche Christen vertrauen dem Staat nicht.
Manche vertrauen den Medien nicht.
Das macht es leichter, anderen „Wahrheiten“ zu glauben.
Endzeit-Denken
Manche Christen denken: Die Welt wird bald enden.
Eine böse Weltmacht entsteht.
Verschwörungstheorien passen dann gut in dieses Bild.
Gemeinschaft
Verschwörungstheorien geben ein Gefühl von Zugehörigkeit.
Das Gefühl: Ich kenne die Wahrheit – und die anderen nicht.
Das kann süchtig machen.
Aber:
Nicht alle Christen glauben an Verschwörungstheorien.
Viele Christen denken kritisch.
Glaube und kritisches Denken passen gut zusammen.
Jesus hat auch kritisch gedacht.
Er hat Fragen gestellt.
Er hat nicht einfach alles geglaubt.

Die evangelische Allianz


Was ist die Evangelische Allianz?
Die Evangelische Allianz ist eine große Gruppe von Christen.
Sie wurde vor sehr langer Zeit gegründet.
Viele verschiedene Kirchen gehören dazu.
Jeden Januar gibt es eine gemeinsame Gebets-Woche.
Was ist gut an der Evangelischen Allianz?
Sie setzt sich ein für verfolgte Christen.
Sie hilft Menschen in Not.
Der Glaube ist ihr sehr wichtig.
Sie nimmt die Bibel ernst.
Wo gibt es Unterschiede?
Manche Christen denken in manchen Fragen anders.
Sie sagen:
Gott will, dass alle Menschen würdevoll leben.
Nicht nur einzelne Menschen sollen gerettet werden.
Die ganze Gesellschaft soll gerechter werden.
Drei wichtige Unterschiede:
1. Frauen und Männer
Die Allianz sagt oft:
Männer und Frauen haben verschiedene Rollen.
Andere Christen sagen:
Alle Menschen sind gleich. Punkt.
2. Homosexuelle Menschen
Die Allianz lehnt Homosexualität oft ab.
Andere Christen sagen:
Jeder Mensch hat Würde. Gott liebt alle Menschen.
3. Armut
Die Allianz sagt oft:
Armut entsteht durch eigenes Versagen.
Andere Christen sagen:
Armut entsteht durch ungerechte Verhältnisse.
Die Gesellschaft muss sich ändern.
Was verbindet trotzdem?
Beide wollen:
Gott ehren
Menschen helfen
Die Bibel ernst nehmen
Deshalb ist Gespräch wichtig.
Und gemeinsames Gebet.
Auch wenn man nicht immer einer Meinung ist.
Ein wichtiger Satz:
Das Evangelium verändert nicht nur Herzen.
Es verändert die Welt.

Paulus und Israel

Worthaus 13 – Tübingen:

8. Juni 2025 von Prof. Dr. Kathy Ehrensperger


Irgendetwas ist in Rom passiert. Wir wissen nicht genau was, aber Paulus musste intervenieren, die Sache klären und entschuldigte sich gleichzeitig dafür, dass er noch immer nicht dort gewesen war, in der Hauptstadt des Reiches, bei den Juden, die dank ihm an Jesus als den Messias glaubten.


Er schreibt einen seiner berühmtesten Briefe, der später Geschichte gemacht hat.

Kathy Ehrensperger führt durch diesen Brief wie durch ein Gespräch, das entscheidende Fragen klären muss.

Wie ist das Verhältnis zwischen Gott, Israel und den Völkern, die Christus nachfolgen?

Warum wurde Israel von Gott auserwählt?

Was hat es mit den Nicht-Juden auf sich, die plötzlich einem jüdischen Wanderprediger aus der Provinz anhingen?

Und wenn Jesus der Messias ist, warum folgen dann nicht alle Juden Seinem Ruf?

Paulus und Israel: Ein theologischer Dialog im Römerbrief | 15.6.2

Sieben Worte ohne Härte

Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte

Was bedeutet Härte?

Härte bedeutet nicht nur: jemanden anschreien oder grob sein.

Härte steckt auch in Gesetzen und Regeln. Zum Beispiel:
Menschen, die aus anderen Ländern fliehen, werden in Lagern eingesperrt. Das ist Härte.
Menschen, die wenig Geld haben, müssen viele Formulare ausfüllen. Auch das ist Härte.
In der Politik wird die Sprache immer rauer. Mitgefühl gilt manchmal als Schwäche. Das stimmt nicht.

Männer und Härte

Viele Männer lernen von klein auf: Zeig keine Gefühle. Wein nicht. Sei stark.
Das macht etwas mit Menschen. Es schadet ihnen.
Diese Fastenzeit lädt Männer ein: Zeig deine Gefühle. Das ist keine Schwäche. Das ist Mut.

Was sagt die Bibel dazu?

Jesus hat Härte abgelehnt. Er hat sich um arme und kranke Menschen gekümmert. Er hat Ungerechtigkeit beim Namen genannt. Dafür wurde er verurteilt. Das war eine politische Entscheidung – keine zufällige.

Was bedeutet das für uns heute?

Sieben Wochen ohne Härte heißt nicht nur: netter sein.

Es heißt auch: Frag dich, welche Regeln und Gesetze Menschen hart und ungerecht behandeln. Tu etwas dagegen. Steh auf für andere Menschen.

Mitgefühl kann auch unbequem sein. Es kann bedeuten: klar reden, widersprechen, für Gerechtigkeit eintreten.

Sieben Wochen ohne Härte – das ist eine Übung für das Herz und für die Gesellschaft.

Der Stoß

Der Stoß
Eine Klippdachsland-Geschichte über Frömmigkeit und Gewalt


Für U
Es gibt Erinnerungen, die verblassen mit den Jahren. Und es gibt solche, die bleiben. Die sich einbrennen. Die einen nicht loslassen, auch nach Jahrzehnten nicht.
Die „Alte Versammlung“ gehört zu den Erinnerungen, die geblieben sind.



Die Männer mit der verdrießlichen Miene
Es gab sie in jedem Dorf im Klippdachsland. Ältere Herren, immer im dunklen Anzug, immer mit dieser Miene. Verdrießlich. Mürrisch. Als würde ihnen das Leben schwer auf den Schultern lasten.
Sie gehörten zur „Alten Versammlung“. So nannten sich die Darbisten im Klippdachsland. Fromme Leute. Sehr fromme Leute. So fromm, dass sie sich von allen anderen absonderten.
Die lutherische Kirche im Dorf? Abgefallen. Verweltlicht. Verloren.
Die katholische Kirche sowieso? Der Papst war für sie der Antichrist höchstpersönlich.
Nur sie, die kleine Schar der „Alten Versammlung“, hatten die reine Lehre bewahrt. Nur sie würden gerettet werden, wenn Christus wiederkam. Und das konnte jeden Tag geschehen.
Deshalb die verdrießliche Miene. Wer ständig das Ende der Welt erwartet, dem vergeht das Lachen.
Man wartet. Man sondert sich ab. Man züchtigt seine Kinder.



Sonntags im Versammlungsraum
Sonntags trafen sie sich. Nicht in der Kirche – Gott bewahre! Sie trafen sich in einem schlichten Raum. Weiß getüncht, kahl, schmucklos. In der Mitte ein Tisch mit einem weißen Tuch. Darauf Brot und Wein. Mehr nicht.
Die Männer saßen vorne. Anzug, Krawatte, Scheitel. Die Frauen hinten, mit Kopftuch. Sie schwiegen. Das war ihre Rolle. Schweigen, gehorchen, dienen.
Wenn der Geist jemanden ergriff – immer einen Mann, versteht sich –, dann stand der auf und sprach. Ihre Reden waren trocken. Voller Bibelstellen. Sie warnten vor der Welt. Sie mahnten zur Zucht.
Zucht. Das war ihr Lieblingswort.
„Wer sein Kind liebt, der züchtigt es.“ Sprüche 13, Vers 24. Die Bibel sage es. Also müsse es wahr sein.



Die Kinder, die prügelten
Es gab Kinder im Klippdachsland, vor denen man sich fürchtete. Nicht weil sie größer waren. Nicht weil sie älter waren. Sondern weil sie anders waren.
Sie prügelten nicht aus Lust. Sie prügelten mit System. Mit einer Kälte, die erschreckte.
Es waren Kinder aus der „Alten Versammlung“.
Sie hatten gelernt: Wer schwach ist, verdient Zucht. Wer anders ist, verdient Strafe. Wer nicht gehorcht, verdient den Schlag.
Sie hatten es zu Hause gelernt. Jetzt gaben sie weiter, was man ihnen beigebracht hatte.
Gewalt, die empfangen wird, wird weitergegeben. Das ist so alt wie die Menschheit.



Der Zappelphilipp
Es gab einen Jungen, den nannten alle so. Er konnte nicht stillsitzen. Er konnte nicht still sein. Er zuckte und zappelte und störte.
Für die „Alte Versammlung“ war das keine Krankheit. Das war Sünde. Das war Aufruhr gegen Gott und die Ordnung.
Er wurde gezüchtigt. Immer wieder. Zu Hause. Im Versammlungsraum. Vor allen.
Es half nichts. Es konnte nicht helfen. Weil er krank war, nicht böse.
Aber das wussten sie nicht. Oder sie wollten es nicht wissen.



Das Mädchen mit den schönen Augen
Und dann war da das Mädchen mit den schönen Augen.
Uli hieß sie. Ein stilles Kind. Ein gutes Kind. Ein Kind, das niemandem etwas zuleide tat.
Sie wuchs auf in der „Alten Versammlung“. Hörte die Predigten. Lernte die Bibelstellen. Fürchtete den Zorn Gottes.
Und sie war anders. In einer Weise, die die Frommen beunruhigte.
Es gab einen Stoß. Wann genau – niemand weiß es mehr. Was genau – niemand will es mehr sagen.
Vielleicht war es ein Schlag. Vielleicht eine Demütigung. Vielleicht ein Moment, in dem etwas in ihr zerbrach.
Danach war sie nicht mehr dieselbe.
Die Stimmen kamen. Stimmen, die ihr sagten:
Ich bin schlecht.
Ich bin vom Teufel besessen.
Ich lebe in der Hölle.
Die religiöse Verdammung wurde zur Überzeugung. Die Überzeugung wurde zur Krankheit. Die Krankheit wurde zu ihrem Leben.
Seit Jahrzehnten lebt sie im Wohnheim.



Darby und Sölle
Es gab einen Mann namens John Nelson Darby. Ein englischer Prediger des 19. Jahrhunderts. Er lehrte Absonderung. Reinheit. Rückzug aus der Welt.
Darby fragte: Wie können wir uns von der bösen Welt absondern?
Dorothee Sölle fragte: Wie können wir Gottes Reich jetzt verwirklichen?
Das ist der Unterschied. Der entscheidende.
Sölle kämpfte für Unterdrückte und bejahte den Körper.
Die Darbisten schlugen ihre Kinder und verdammten den Körper.
Was als Frömmigkeit begann, wurde zur Gewalt.



Kirche von unten – aber richtig
Es gibt heute viele, die von „Kirche von unten“ reden. Kreise, die frommer und strenger und enger werden.
Ich warne davor.
Nicht jede Bewegung, die sich „von unten“ nennt, befreit. Manche schafft neue Opfer.
Die „Alte Versammlung“ war Kirche von unten. Klein. Fromm. Entschieden. Und sie hat Kinder geschlagen, Frauen zum Schweigen gebracht, Seelen zerbrochen.
Das ist nicht die Kirche Jesu Christi.
Kirche von unten – aber richtig – das bedeutet: Befreiung statt Bindung. Heilung statt Schlagen. Ja zum Körper. Begleitung der Kranken statt Verdammung.



Die besorgten Geschwister
Uli wird besucht.
Von besorgten Gemeindemitgliedern. Geschwistern, die gelernt haben. Die umgekehrt sind.
Sie kommen. Sie sitzen an ihrem Bett. Sie halten ihre Hand.
Leider ist sie nun nicht mehr zu erreichen. Die Krankheit hat sie zu tief geholt.
Aber Gott behütet sie. Nicht der Gott der Strafe. Sondern der Gott der Gnade.
Und die besorgten Geschwister?
Sie schlagen nicht. Sie trösten.



Trotz allem
Und wenn ich an das Mädchen mit den schönen Augen denke,
an die Hölle, in der sie lebt,
an die Stimmen, die ihr sagen: Du bist vom Teufel besessen,
dann bete ich:

Herr, erbarme dich.
Nicht über sie.
Sondern über die, die ihr diese Hölle eingeredet haben.

Und segne die, die jetzt bei ihr sind.
Die besorgten Geschwister.
Die gelernt haben.
Die da sind.
Trotz allem.



Armin Herzberger
Klippdachsland, Februar 2026



Diese Geschichte ist wahr. Die Namen wurden geändert. Die Narben sind echt.

Das Mädchen lebt noch. Seit Jahrzehnten im Wohnheim.
Sie wird besucht. Von besorgten Geschwistern. Die gelernt haben.
Leider ist sie nun nicht mehr zu erreichen. Die Krankheit hat sie zu tief geholt.
Aber Gott behütet sie. Nicht der Gott der Strafe. Sondern der Gott der Gnade.

Trotz allem.

Und die Mahnung bleibt: Kirche, die nicht befreit, die den Körper verdammt, die Menschen in Höllen stößt – ist nicht die Kirche Jesu Christi.
Aber Kirche kann lernen. Kann umkehren. Kann lieben.
Trotz allem.