Heute ist ein großer Denker gestorben. Jürgen Habermas wurde 96 Jahre alt. Er hat sein Leben lang dafür gekämpft, dass alle Menschen mitreden dürfen. Das ist auch unser Anliegen – bei den Möglichkeitsdenkern.
Jürgen Habermas ist gestorben.
Er wurde 96 Jahre alt.
Er lebte in Starnberg in Bayern.
Jürgen Habermas war ein Philosoph.
Das bedeutet: Er hat viel nachgedacht.
Und er hat viel geschrieben.
Sein ganzes Leben lang.
Sein wichtigstes Thema war:
Wie reden Menschen miteinander?
Er sagte:
Miteinander reden ist wichtig.
Alle Menschen sollen mitreden dürfen.
Nicht nur die Mächtigen.
Nicht nur die Klugen.
Nicht nur die Reichen.
Alle.
Öffentlichkeit
Er hatte dafür einen besonderen Gedanken.
Er nannte ihn: Öffentlichkeit.
Was bedeutet das?
In einer Demokratie gibt es Orte,
wo Menschen zusammenkommen.
Wo sie reden.
Wo sie streiten.
Wo sie gemeinsam entscheiden.
Das kann ein Marktplatz sein.
Das kann eine Zeitung sein.
Das kann ein Stadtrat sein.
Das kann heute auch das Internet sein.
Habermas sagte:
Diese Orte sind sehr wichtig.
Denn dort entsteht Demokratie.
Nicht im Hinterzimmer der Mächtigen.
Sondern dort, wo alle reden dürfen.
Wer darf wirklich mitreden?
Aber er stellte auch eine schwierige Frage:
Wer darf wirklich mitreden?
Er beobachtete:
Manchmal reden nur wenige.
Die Lauten.
Die Mächtigen.
Die Gebildeten.
Die anderen werden überhört.
Oder sie trauen sich nicht.
Oder ihre Sprache wird nicht verstanden.
Oder sie werden gar nicht erst eingeladen.
Das fand Habermas falsch.
Er sagte:
Ein Gespräch ist nur dann fair,
wenn alle wirklich mitreden können.
Wenn niemand ausgeschlossen wird.
Wenn alle die gleiche Chance haben,
gehört zu werden.
Er nannte das den herrschaftsfreien Diskurs.
Das klingt kompliziert.
Es bedeutet einfach:
Kein Mensch soll den anderen überwältigen.
Nicht durch Geld.
Nicht durch Macht.
Nicht durch schwierige Sprache.
Nur das bessere Argument soll zählen.
Welche Menschen dürfen leben?
Habermas hat sich auch zu einer sehr wichtigen Frage geäußert:
Welche Menschen dürfen leben?
Und wer entscheidet das?
Im Jahr 2001 schrieb er ein Buch.
Der Titel lautete:
„Die Zukunft der menschlichen Natur.“
Er warnte darin vor einer Gefahr.
Die Gefahr heißt: Eugenik.
Was bedeutet Eugenik?
Eugenik bedeutet:
Menschen werden nach bestimmten Merkmalen ausgewählt.
Manche werden als „wertvoll“ betrachtet.
Andere nicht.
Das kennen wir aus der Geschichte.
In der Zeit des Nationalsozialismus
wurden Menschen mit Behinderungen ermordet.
Man nannte das damals „Euthanasie“.
Das Wort klingt griechisch und bedeutet „guter Tod.“
Aber es war kein guter Tod.
Es war Mord.
Habermas sagte:
Wir dürfen das nie vergessen.
Und wir dürfen es nie wieder zulassen.
Auch nicht in neuer Form.
Auch nicht durch Gentechnik.
Auch nicht durch Selektion vor der Geburt.
Er hat einen Satz immer wieder betont.
Er klingt einfach.
Aber er ist sehr wichtig.
Er sagte sinngemäß:
„Es gibt kein unwertes Leben.
Jeder Mensch zählt gleich viel.“
Das ist der Kern seiner Philosophie der Menschenwürde.
Habermas und die Religion
Habermas hatte auch eine Meinung zur Religion.
Er selbst war kein gläubiger Mensch.
Er sagte einmal:
„Ich bin alt, aber nicht fromm geworden.“
Aber er nahm die Religion ernst.
Er sagte:
Religion hat etwas,
das die Philosophie nicht hat.
Ein Gespur für Schuld.
Für Scheitern.
Für das, was zum Himmel schreit.
Er warnte aber auch vor einer bestimmten Gefahr.
Er nannte sie die Schwundform der Religion.
Was bedeutet das?
Manche Kirchen und Theologen,
so beobachtete Habermas,
reden immer weniger von Gott.
Immer weniger von Erlösung.
Immer weniger von Transzendenz.
Sie passen sich an.
Sie werden weich.
Sie verlieren ihren Kern.
Das fand Habermas falsch.
Er sagte:
Eine Religion ohne klaren Kern
überzeugt niemanden mehr.
Hier möchte ich widersprechen.
Und zustimmen.
Zustimmen: Ja.
Eine Religion, die sich nur anpasst,
die nur nickt und gefällt,
die hat keinen Rückgrat mehr.
Das ist keine Kirche.
Das ist ein Spiegel der Gesellschaft.
Widersprechen: Eine politische Theologie ist keine Schwundform.
Helmut Gollwitzer hat von Erlösung gesprochen.
Und von Revolution.
Beides zusammen.
Eine Theologie von unten sagt nicht:
„Wir glauben nicht mehr.“
Sie sagt:
„Wir glauben anders.
Wir glauben politisch.
Wir glauben von unten.“
Das ist kein Verlust des Kerns.
Das ist der Kern.
Gott ist auf der Seite der Schwachen.
Gott ist auf der Seite der Ausgeschlossenen.
Gott ist auf der Seite derer,
die nicht mitreden dürfen.
Das hätte auch Habermas gefallen.
Davon bin ich überzeugt.
Die Möglichkeitsdenker
Das ist auch der Kern der Inklusion.
Das ist auch der Kern der Möglichkeitsdenker.
Die Möglichkeitsdenker sind Menschen mit Beeinträchtigungen.
Sie reden mit.
Sie gestalten mit.
Sie helfen anderen Menschen.
Sie sind keine Hilfe-Empfänger mehr.
Sie sind Helfer.
Sie haben eine Stimme.
Und sie nutzen sie.
Früher wurden Menschen mit Beeinträchtigungen oft nicht gefragt.
Andere haben für sie entschieden.
Andere haben über sie geredet.
Aber nicht mit ihnen.
Das wollen die Möglichkeitsdenker ändern.
Vom Hilfe-Empfänger zum Helfer.
Von der Randnotiz zur Stimme im Raum.
Von der Fürsorge zur Teilhabe.
Das hätte Jürgen Habermas gut gefallen.
Da bin ich sicher.
Eine letzte Ironie
Jürgen Habermas hat das alles in langen, schweren Sätzen geschrieben.
Manchmal so schwer,
dass viele Menschen ihn nicht verstehen konnten.
Das ist eine Ironie.
Er wollte, dass alle mitreden.
Aber seine eigene Sprache war oft eine Hürde.
Deshalb brauchen wir Leichte Sprache.
Deshalb brauchen wir die Möglichkeitsdenker.
Deshalb brauchen wir Orte,
wo wirklich alle mitreden dürfen.
Jeder Mensch hat eine Stimme.
Jede Stimme zählt.
In der Demokratie.
Im Alltag.
Bei den Möglichkeitsdenkern.
Kategorie: Möglichkeitsdenker
„Suchet der Stadt Bestes „
Eine Weggeschichte
„Es ist kein Stuhl mehr für dich da“
Dieser Satz aus meiner Kindheit sitzt noch heute. Ein trüber Novemberabend, zwei Gemeindeälteste an der Haustür. Sie kamen, um die Gesangbücher abzuholen.
„Du warst seit über einem halben Jahr nicht mehr im Gottesdienst. In der Bibelstunde fast ein ganzes Jahr nicht. Andere Leute haben auch viel zu tun. Es ist sowieso kein Stuhl für dich da.“
Schweigend nahmen sie die Bücher mit. Fertig.
Die Botschaft kam an: Wer nicht mitmacht, fliegt raus. Dein Platz ist weg.
So wurde Glaube für mich etwas Bedrohliches. Die Bibel als Druckmittel. Gemeinde als Kontrollsystem. Angst statt Hoffnung.
Dann hab ich angefangen nachzudenken
Das war vor einiger Zeit. Durch meine Arbeit im Kirchenvorstand. Durch die lebensbedrohliche Erkrankung meiner Frau.
Ich hatte Gespräche mit einer Pfarrerin. Sie las die Bibel anders. Sie stellte andere Fragen.
Sie erzählte Geschichten. Sinnstiftende Geschichten.
Nicht als Drohung. Nicht als Kontrolle. Sondern als Geschichten, die Leben deuten. Die Hoffnung machen. Die zeigen: Du bist nicht allein.
Das hat mich tief berührt.
Sie fragte zum Beispiel beim barmherzigen Samariter: „Warum liegt der Mann überhaupt halb tot am Straßenrand? Wer profitiert davon?“ Plötzlich ging’s nicht mehr nur um individuelle Hilfe, sondern um Strukturen, die Menschen zu Opfern machen.
Sie ist jetzt nicht mehr da. Vergessen werd ich sie nicht.
Am Anfang dachte ich: Das kann nicht stimmen. Gott ist doch neutral.
Aber dann hab ich die Geschichten nochmal gelesen – und erkannt:
Gott ist nicht neutral. Im Gegenteil.
Der Exodus: Gott befreit Sklaven. Nicht weil sie fromm waren. Sondern weil Sklaverei falsch ist.
Jesus war Jude. Er war nicht nur bei den Ältesten, sondern vor allem bei den Ausgestoßenen. Bei denen, für die „kein Stuhl da war“. Beides gehört zusammen. Davon lernen wir untereinander.
Die Bergpredigt: „Selig sind die Armen“ – keine Vertröstung. Sondern eine Kampfansage: Die jetzige Ordnung ist falsch.
Nach und nach hab ich verstanden: Die Bibel erzählt keine Geschichten über brave Kirchgänger. Sie erzählt von Leuten, die sich gegen Unterdrückung wehren.
Das hat was mit mir gemacht?
Ich hab angefangen, anders zu denken. Über die Jahre damals. Über die Angst. Über das, was man mir beigebracht hatte.
Manchmal kam Wut hoch. Auf die Gemeindeältesten von damals. Auf ein System, das aus Gott einen Kontrolleur macht.
Aber auch: Erleichterung. Eine Last fiel ab. Ich musste nicht mehr gut genug sein. Musste mich nicht mehr rechtfertigen.
Und dann: Hoffnung. Wenn die Bibel wirklich von Befreiung erzählt, dann ist Veränderung möglich. Dann muss es nicht so bleiben, wie es ist.
Was ich verstanden habe:
Gott steht nicht über allem – er hat sich für eine Seite entschieden. Auf der Seite derer, die unten sind. Das ist Politik. Und Frömmigkeit. Beides gehört zusammen.
Jesus war beides: Seelsorger und Störenfried. Er hat sich um Menschen gekümmert UND die Mächtigen konfrontiert. Er hat geheilt UND die religiöse Elite herausgefordert. „Selig sind die Armen“ ist Tröstung UND Kampfansage zugleich.
Gemeinde kann anders sein. Nicht: Wer hat die Macht? Sondern: Wie stärken wir uns gegenseitig? Nicht Leistung als Maßstab, sondern Gerechtigkeit.
Der Weg zählt, nicht das Ankommen. Die Bibel ist voll von Weggeschichten. Es geht ums Unterwegssein. Wie wir miteinander umgehen. Ob wir niemanden zurücklassen.
Was das praktisch bedeutet:
Bei den „Möglichkeitsdenkern“ der Lebenshilfe.
Ich arbeite mit Menschen, die Unterstützung brauchen. Wir fragen nicht: „Was können die nicht?“ Sondern: „Was können die?“
Menschen, die jahrelang nur „betreut“ wurden, organisieren jetzt selbst Veranstaltungen. Engagieren sich. Haben eine Stimme.
Das ist konkret, was die Bibel meint: Menschen werden befreit. Nicht durch fromme Worte. Durch echte Teilhabe.
Als Kirchenvorstand:
Oft erlebe ich den Widerspruch: Kirche redet von Nächstenliebe – und nimmt Ehrenamtliche oft als selbstverständlich hin.
Ich versuche gegenzusteuern. Entscheidungen transparent machen. Ehrenamtliche stärken und wertschätzen. Kirche öffnen für alle.
Ziemlich schwer. Die Strukturen sind zäh. Aber manchmal geht was.
An der Uni:
Ich unterricht Soziale Arbeit. Und ich sag den Studierenden: „Gute Soziale Arbeit fragt nicht nur: Wie helfen wir? Sondern auch: Warum brauchen Menschen überhaupt Hilfe?“
Warum gibt es Armut in einem reichen Land? Warum werden Menschen mit Behinderungen ausgegrenzt? Das sind politische Fragen.
Was ich gewonnen habe.
Diese andere Art, die Bibel zu lesen, hat mir Freiheit gegeben:
Frei von der Angst, nicht gut genug zu sein. Vom Druck, ständig was leisten zu müssen. Von religiöser Kontrolle.
Frei für Solidarität mit denen, die unten sind. Für politisches Engagement. Für die Hoffnung, dass sich was ändern kann.
Frei mit allen, die ebenfalls auf der Suche sind. Mit denen am Rand. Mit allen, für die „kein Stuhl da ist“.
Die Suche geht weiter
Ich hab keine fertigen Antworten. Hab ich auch nie gehabt. Die Suche nach Gott hört nie auf.
Aber ich hab verstanden, wo ich suchen muss:
Nicht in perfekten Gottesdiensten. Sondern dort, wo Menschen befreit werden.
Nicht nur in frommen Bibelstunden. Sondern dort, wo Gerechtigkeit geschieht.
Nicht dort, wo Stühle weggenommen werden. Sondern dort, wo Tische gedeckt werden für alle.
Genau so was haben wir jetzt gerade. Der Nachbarschaftsraum in Breidenbach.
Das ist keine fromme Idee. Das ist eine notwendige Maßnahme. Weil Kirche in Zukunft nicht anders überleben kann. Nicht als Institution, die sich selbst erhält. Sondern als Kirche, die nah bei den Menschen ist.
Die Ängste sind da. Wird das funktionieren? Wie finanzieren wir das? Was, wenn’s schief geht?
Aber auch die Hoffnung. Die Chance, was Neues entstehen zu lassen. Einen Ort, wo Gemeinde wirklich Gemeinde ist. Nicht nur in Sonntagsgottesdiensten, sondern im Alltag.
Dabei wollen wir die alten Menschen mitnehmen. Beide Gruppen sind wichtig – die, die was Neues wagen, und die, die die Tradition kennen. Die Tradition ist auch wichtig. Aber sie ist nicht in Stein gemeißelt. Sie muss sich wandeln, wenn sie leben soll.
Alfred Delp, der Jesuitenpater, der im Widerstand gegen die Nazis war und dafür hingerichtet wurde, hat aus dem Gefängnis geschrieben:
„Man muss die Segel in den unendlichen Wind stellen, dann erst werden wir spüren, welcher Fahrt wir fähig sind.“
Wir setzen die Segel. Nicht weil wir so mutig sind. Sondern weil wir keine andere Wahl haben, wenn wir ehrlich sein wollen.
Gott baut sein Reich nicht mit Steinen, sondern mit Menschen.
Und Karl Barth hat es gesagt: „Seid ohne Angst – es wird regiert.“
Nicht von uns. Nicht von Kirchenvorständen. Nicht von perfekten Konzepten.
Sondern von dem Gott, der schon immer auf der Seite derer war, die was Neues wagen mussten.
Dieser Weg ist nicht einfach. Nicht bequem. Er macht einen manchmal unbequem für andere.
Aber er ist frei.
Der gemeinsame Weg ist gemeinschaftlich oder er ist gar nicht.
Niemand kann allein befreit werden.
„Suchet der Stadt Bestes“
Besuch der Möglichkeitsdenker – Lebenshilfe Lüdenscheid
Vanessa und Wolfgang Nollmann berichten über EUTB
Vanessa und Wolfgang Nollmann waren zu Gast an der Universität Siegen.
Sie haben den Studierenden von ihrer Arbeit erzählt.
Auch andere Fachleute waren dabei:
- Vertreter von der Lebenshilfe Lüdenscheid
- Vertreter von der Lebenshilfe Marburg
- Mitarbeiter von der EUTB Lüdenscheid
Was ist EUTB?
EUTB bedeutet: Ergänzende unabhängige Teilhabe-Beratung.
Das ist eine Beratungs-Stelle für Menschen mit Behinderung.
Die Berater helfen bei vielen Fragen:
- Welche Rechte habe ich?
- Wo bekomme ich Unterstützung?
- Wie kann ich selbstbestimmt leben?
Was war besonders?
Vanessa und Wolfgang Nollmann arbeiten bei der Lebenshilfe.
Sie kennen die Praxis sehr gut.
Zusammen mit den anderen Experten haben sie den Studierenden gezeigt:
- Wie Beratung wirklich funktioniert
- Was Menschen mit Behinderung brauchen
- Welche Probleme es im Alltag gibt
- Wie verschiedene Organisationen zusammen-arbeiten
Wie kam es zu diesem Besuch?
Die Idee kam von Armin Herzberger.
Er ist Lehrbeauftragter an der Universität Siegen.
Er hat die Verbindung zwischen Universität und Praxis hergestellt.
Ihm ist wichtig: Studenten sollen echte Experten kennen-lernen.
Warum ist das wichtig?
Die Studierenden lernen viel aus Büchern.
Aber echte Experten aus der Praxis sind noch wichtiger.
Sie zeigen: So sieht die Arbeit wirklich aus.
Sie erzählen von echten Situationen.
Die Bilder zeigen die Experten bei ihrer Arbeit im Seminar.
Man sieht: Sie arbeiten konzentriert.
Und sie erklären den Studierenden viel.




Lass Dich nicht für dumm verkaufen

Bunt wie das Leben
Warum ich blogge
Bunt wie das Leben
http://www.arminherzberger.com



Lebenshilfe Lüdenscheid gegen Rechtsradikalismus
Kundgebung in Halver am 09.02 24
Bürger für Rechtsstaatlichkeit, Vielfalt, Demokratie und Solidarität.

Gegen Rassismus, Intoleranz Antisemitismus und Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen.

Die AfD ist eine rechtspopulistische Partei in Deutschland, die sich gegen Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ausspricht.
Die AfD fordert das Ende der Inklusion in Schulen und lehnt Antidiskriminierungsgesetze ab. Die AfD sieht Menschen mit Behinderungen als eine Belastung für die Gesellschaft und das Bildungssystem an.
Die AfD wird von vielen Behindertenverbänden, Gewerkschaften und Sozialverbänden scharf kritisiert. Die AfD verstößt gegen die Menschenrechte und die UN-Behindertenrechtskonvention.
Die AfD ist keine Partei für Menschen mit Behinderungen, sondern eine Partei, die Menschen mit Behinderungen ausgrenzt.

Lebenshilfe Lüdenscheid Möglichkeitsdenker Forschungsbüro
Stimmen aus der Praxis:
Einbezug des Erfahrungswissens
von Menschen mit Lernschwierigkeiten
Im Gespräch mit Vanessa Nollmann, Wolfgang Nollmann und Armin Herzberger
Über die Einbindung von Menschen mit Lernschwierigkeiten als Expert*innen in
eigener Sache.
„Wir haben neue Möglichkeiten und
wir müssen sie weiterdenken.“
Die „Möglichkeitsdenker“ bringen ihr Erfahrungswissen als Menschen mit Behinderungen
aktiv ein und setzen sich kritisch mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinander:
Im Rahmen von Forschung und Lehre, in öffentlichen Veranstaltungen und durch
bürgerschaftliches Engagement.
Damit bewirken sie vor allem eines: Einen Perspektivwechsel.
Im Gespräch geben Armin Herzberger (Gründer der Möglichkeitsdenker an
unterschiedlichen Standorten), Vanessa und Wolfgang Nollmann (Mitglieder der Möglichkeitsdenker
Lüdenscheid) Einblick in ihre Arbeit.
Bevor Sie einen Einblick in Ihre Erfahrungen geben, würden Sie sich zu Beginn kurz vorstellen?
Vanessa Nollmann:
Ich bin Vanessa Nollmann. Ich bin 30 Jahre alt und arbeite bei
der Lebenshilfe im Peer-Counceling. Außerdem mache ich nebenbei Übersetzungen in
Leichte Sprache und bin Mitglied bei den Möglichkeitsdenkern. Zudem arbeite ich im
Kundenrat. Dort überlegen wir gemeinsam, was man besser machen kann, wie man
andere beraten und unterstützen kann. Wenn Kunden der Lebenshilfe Beschwerden
oder Vorschläge haben, können sie zu uns kommen und wir tauschen uns darüber aus.
Wolfgang Nollmann:
Ich bin Wolfgang Nollmann, 38 Jahre alt und leite die Möglichkeitsdenker.
Ich bin nicht der Chef, aber der Ansprechpartner. Das heißt, ich halte alles
zusammen: Ich koordiniere alle Termine, halte Dienstbesprechungen ab und organisiere.
Armin Herzberger:
Mein Name ist Armin Herzberger und ich bin 64 Jahre alt. Ich arbeite
ehrenamtlich als Assistent für die Möglichkeitsdenker bei der Lebenshilfe Lüdenscheid.
Der interessante Begriff „Möglichkeitsdenker“ ist jetzt schon mehrfach gefallen
– wie ist er entstanden und was bedeutet er?
Armin Herzberger:
Die Möglichkeitsdenker sind entstanden aus einer Gruppe von
Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen, die sich bei einem Tafelprojekt ehrenamtlich
engagiert haben. Es ging uns um einen Perspektivwechsel: Menschen mit Be255
Stimmen aus der Praxis: Einbezug des Erfahrungswissens
von Menschen mit Lernschwierigkeiten
hinderungen sollten nicht nur als Hilfeempfänger wahrgenommen werden, sondern
selbst zum Helfer für andere Bürgerinnen und Bürger werden. Damals haben wir uns
regelmäßig zu Besprechungen getroffen und ein Mitglied, ein junger Mann mit Lernschwierigkeiten,
gab zu bedenken: „Wir müssten eigentlich noch mehr tun! Wir sollten
den anderen Bürgern der Stadt von unserer Arbeit erzählen.“ Dann haben wir uns
gefragt: Wie machen wir das? Und er schlug vor: „Wir könnten eine öffentliche Veranstaltung
machen, wo wir unsere Arbeit vorstellen, damit es jeder weiß.“ Als es um
die Frage ging, welchen Namen wir dem Ganzen geben, wurde aus dem Hinweis eines
Teilnehmers „Wir haben ja hier neue Möglichkeiten und wir müssen sie weiterdenken“
schnell der außergewöhnliche Name. So sind die Möglichkeitsdenker entstanden. Unsere
Arbeit haben wir dann im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt.
Dabei haben wir uns dagegen entschieden, diese Veranstaltung in den Räumlichkeiten
des Trägers zu machen, wir haben sie im öffentlichen Raum, einem Gebäude der
Stadt durchgeführt. Weil die Veranstaltung am Abend stattfand, haben wir das ganze
„Kamingespräch“ getauft – angelehnt an eine Fernsehsendung. Die Veranstaltung
wurde von vielen ganz unterschiedlichen Menschen besucht, es gab großes Interesse.
Dann haben wir gedacht, wenn das so gut läuft, können wir auch weitere Veranstaltungen
machen, zu Themen, die viele vor Ort interessieren. Das heißt, es ging nicht mehr
nur um die Arbeit des Tafelprojektes oder um das Leben von Menschen mit Behinderungen,
sondern um allgemeine Themen, die uns alle angehen.
Mit welchen Themen haben Sie sich beschäftigt?
Die Ringparabel
Armin Herzberger:
Unter anderem Politik war dabei ein wichtiges Thema. Es ist Teil von Demokratie, dass wir alle uns damit beschäftigen. Gemeinsam haben wir uns verschiedene
Themen ausgesucht und zu den Veranstaltungen immer auch Fachleute
eingeladen, die etwas dazu zu sagen haben. Wir haben dann regelmäßig ganz unterschiedliche
Veranstaltungen gemacht. Einmal ging es zum Beispiel um die anstehende
Bundestagswahl und es haben sich verschiedene Parteien vorgestellt, ein weiteres
Thema war Gesundheit. Wir haben uns immer weiter vorgewagt und mehr und mehr
Themen hinzugenommen. Wir haben dann pro Jahr jeweils drei Veranstaltungen zu
einem Thema gemacht und am Ende des Jahres eine Tagung. Einmal haben wir uns mit
dem Lebensrecht für alle Menschen beschäftigt und uns auch damit auseinandersetzt, was mit Menschen mit Behinderungen während der Zeit des Nationalsozialismus geschah
und auch die Frage des Schwangerschaftsabbruchs nach der Diagnose einer Behinderung
thematisiert. Das sind schwierige Fragen. Wir haben damals die Geschäftsführung
der Lebenshilfe Nordrhein-Westfalen eingeladen und auch eine Gedenkstätte
besucht. Die abschließende Jahrestagung wurde von so vielen Menschen besucht, dass wir in den Plenarsaal der Stadt ausweichen mussten.

Auch Vanessa und Wolfgang Nollmann
haben mal eine solche Jahrestagung besucht.
Wolfgang Nollmann:
Genau! Armin hat uns damals eingeladen, damit wir die Möglichkeitsdenker
kennenlernen. Wir haben uns das damals angeschaut.
Das war die Geburtsstunde der Möglichkeitsdenker in Lüdenscheid?
Armin Herzberger:
Ja, gemeinsam haben wir uns dazu entschieden, auch in Lüdenscheid
Möglichkeitsdenker zu gründen. Die Geschäftsführung fand die Idee sehr gut.
Wir haben es mit dem bestehenden Angebot des Peer-Counceling verknüpft. Dort beraten
Menschen mit Beeinträchtigungen andere Menschen mit Beeinträchtigungen
und es gibt viele Überschneidungspunkte. Das Ganze wird von Aktion Mensch gefördert.
Vanessa Nollmann:
Die Arbeit bei den Möglichkeitsdenkern macht mir Spaß, denn ich
arbeite gerne mit anderen Menschen zusammen und tausche mich aus. Ich finde es
gut, dass bisher alle unsere Sitzungen stattgefunden haben.
Was genau machen die Möglichkeitsdenker in Lüdenscheid?
Wolfgang Nollmann: Mit den Möglichkeitsdenkern machen wir ganz unterschiedliche
Projekte. Bei unserer Arbeit werden wir von einem Assistenten und auch von Armin unterstützt. Wir sind offen für viele Aktionen und Themen. Jeder, der möchte, kann bei uns mitmachen und wir sind auch immer auf der Suche nach neuen Kooperationspartnern.
Wir arbeiten unter anderem mit zwei Universitäten im sogenannten „Forschungsbüro“
zusammen.
Armin Herzberger:
Genau, als wir die Möglichkeitsdenker gegründet haben, wollten
wir öffentliche Veranstaltungen machen, aber Corona hat uns immer wieder einen
Strich durch die Rechnung gemacht. Wir haben dann jedoch die Referententätigkeit
an der Uni ausgeweitet. Die Möglichkeitsdenker sind immer wieder zu Gast in Seminaren
und bringen ihr Wissen als Expert*innen in eigener Sache ein. Daraus ist dann
irgendwann die Idee eines „Forschungsbüros“ entstanden. Wir kannten ein solches
Forschungsbüro von einem anderen Träger und waren von der Idee begeistert.
Das klingt interessant, was genau verbirgt sich hinter dem „Forschungsbüro“?
Armin Herzberger:
Im Forschungsbüro geht es uns um „Bürgerwissenschaften“, auch
„public science“ genannt. Es geht um die gemeinsame Forschung von Menschen, die an
der Universität lernen und arbeiten, und Menschen, die das nicht tun.
Vanessa Nollmann: Wir versuchen, anderen immer wieder in Leichter Sprache zu erklären,
was das Forschungsbüro ist. Aber das ist gar nicht so leicht, vor allem, wenn
man vorher noch nie was von der Universität gehört hat.
Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich im „Forschungsbüro“?

Wolfgang Nollmann:
Im Moment beschäftigen wir uns mit dem Thema Arbeit und fragen
uns „Was ist hier faul?“ Wir schauen uns gemeinsam eine Werkstatt für behinderte
Menschen an. Viele Menschen mit Behinderungen haben Schwierigkeiten mit der Arbeit
in einer Werkstatt. Unser Ziel ist es, dass jeder Mensch mit einer Beeinträchtigung
Stimmen aus der Praxis: Einbezug des Erfahrungswissens
von Menschen mit Lernschwierigkeiten
die Möglichkeit hat, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu arbeiten. Jeder Mensch hat ein Recht darauf. Viele sagen, Menschen mit Behinderungen sollen in einer Werkstatt
arbeiten, dabei verdient man dort fast nichts. Gerne würden wir zu dem Thema auch noch eine Veranstaltung machen.
Armin Herzberger:
Wir haben uns gemeinsam überlegt, dass wir für das gemeinsame
Forschen Forschungsfragen brauchen. Weil die Unzufriedenheit mit der Arbeit in
der Werkstatt für behinderte Menschen sehr groß ist, sind wir sehr schnell auf dieses
Thema gekommen. Zu dieser Frage wollen wir in Leichter Sprache weitere Fragen entwickeln.
Dann möchten wir Interviews führen und auswerten. Wir wollen zum Beispiel
Werkstattleitungen und auch Werkstatträte befragen. Die Ergebnisse möchten wir öffentlich
in Leichter Sprache bekannt machen, zum Beispiel in einer Art „Forschungszeitung“.
Wolfgang Nollmann:
Unser Ziel ist es, dass Menschen mit Behinderung über ihr eigenes
Leben, über die Arbeit in der Werkstatt erzählen. Wir haben aber auch gesagt, es
ist wichtig, dass wir uns selbst nochmal eine Werkstatt anschauen.
Erzählen Sie doch mal von den Seminaren mit Studierenden! Wie bringen Sie
sich dort ein und was ist Ihnen wichtig?
Wolfgang Nollmann:
Ich gebe meine Erfahrungen an die Studenten der Sozialen Arbeit
weiter, ich erzähle zum Beispiel wie Ambulant Unterstütztes Wohnen funktioniert
und welche Unterstützung Menschen mit Behinderung beim Wohnen meiner Erfahrung
nach hilft.
Vanessa Nollmann:
Neben dem Ambulant Unterstützten Wohnen erzählen wir auch
schonmal etwas zur Begleiteten Elternschaft. Wir erzählen von unseren Erfahrungen
und geben unser Wissen weiter.
Wolfgang Nollmann: Ich finde es wichtig, mit den Studenten in den Austausch zu kommen.
Man kann mich alles fragen. Ich finde es auch ganz wichtig, dass Studenten eigene
Erfahrungen in diesem Bereich sammeln – zum Beispiel, indem sie ein Praktikum
machen.

Quelle: Dr. Miriam Düber ZPE Universität Siegen https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0111-pedocs-279681
Lebenshilfe Möglichkeitsdenker
Wolfgang Nollmann ist ein Sprecher der Möglichkeitsdenker, einer Gruppe von Menschen mit Beeinträchtigungen, die sich für Selbstvertretung, Peer-Beratung und inklusives bürgerschaftliches Engagement einsetzen¹². Er hat auch an einem Forschungsprojekt teilgenommen, das die Perspektiven von Beschäftigten in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) untersucht hat¹³. Er hat seine Erfahrungen mit Studierenden der Universität Koblenz geteilt und sie bei ihren Recherchen unterstützt¹. Er ist ein Experte in eigener Sache und bietet Peer-Counseling an, eine Beratungsmethode, bei der Menschen mit Beeinträchtigungen andere Menschen mit Beeinträchtigungen beraten².
Quelle: Unterhaltung mit Bing, 30.12.2023
(1) Forschungsbüro der Möglichkeitsdenker im Austausch mit Studierenden …. https://www.uni-koblenz.de/de/bildungswissenschaften/transfer/neuigkeiten/bericht-ueber-das-projekt-forschungsbuero-der-moeglichkeitsdenker.
(2) Peer-Counseling: Beratungsangebot von und für Kunden mit …. https://www.lebenshilfe-lued-mk.de/de/aktuelles/meldungen_lebenshilfe/2015_04-Peer-Counseling.php.
(3) Ehrenamt für alle? Selbstvertreter der Lebenshilfe Lüdenscheid besuchen …. https://www.lebenshilfe-lued-mk.de/de/aktuelles/meldungen_lebenshilfe/2018_03-Fachtag-Altenkirchen.php.
Guter Mond du gehst so stille
Wie viel würdest du bezahlen, um zum Mond zu fliegen?
Zum Mond zu fliegen ist nicht notwendig.
Lies das folgende Gedicht von Karl Enslin.
Dort erfährst Du mehr über den Zauber des Mondes.
Kostet auch nichts, nur ein wenig Hirnschmalz und Empathie.
Das Wahre das Wichtige kannst Du nicht bezahlen.
Es wird Dir geschenkt

Geboren am 30. März 1853
Guter Mond, du gehst so stille
Guter Mond, du gehst so stille
Durch die Abendwolken hin;
Deines Schöpfers weiser Wille
Hieß auf jener Bahn dich ziehn.
Leuchte freundlich jedem Müden
In das stille Kämmerlein!
Und dein Schimmer gieße Frieden
Ins bedrängte Herz hinein!
Guter Mond, du wandelst leise
An dem blauen Himmelszelt,
Wo dich Gott zu seinem Preise
Hat als Leuchte hingestellt.
Blicke traulich zu uns nieder
Durch die Nacht auf’s Erdenrund!
Als ein treuer Menschenhüter
Thust du Gottes Liebe kund!
Guter Mond, so sanft und milde
Glänzest du im Sternenmeer,
Wallest in dem Lichtgefilde
Hehr und feierlich einher.
Menschentröster, Gottesbote,
Der auf Friedenswolken thront:
Zu dem schönsten Morgenrothe
Führst du uns, o guter Mond!
(Karl Enslin, 1819-1875, deutscher Dichter)
Ehrenamt macht Spaß
Was tust du, um dich in der Community zu engagieren?
Mein Ehrenamt
Mitglieder Versammlung der Lebenshilfe Bundesvereinigung am 15. und 16. November 2018.
Jeanne Niklas Faust (Bundes Geschäftsführerin)
Ulla Schmidt (Bundes Vorsitzende)
Armin Herzberger (ehrenamtlicher Delegierter der Lebenshilfe Lüdenscheid)
Monika Haslberger (Stellvertretende Bundes Vorsitzende)
Ehrenamt ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Demokratie. Ehrenamt ist Bürgerrecht. Ehrenamt ist Bürgerpflicht. Ehrenamt tritt ein für Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit. Ehrenamt können alle machen.
Und: Ehrenamt macht Spaß weil es allen hilft.
Bitte mitmachen!
#Lebenshilfe #LebenshilfeLuedenscheid #LebenshilfeMarburg #Ehrenamt #Demokratie ##Bürgerrechte #GegenPopulismus #Vielfalt #Toleranz
Einige wichtige Inhalte und Personen:
Ulla Schmidt Bundesvorsitzende
Die Lebenshilfe ist eine der ältesten Bürgerinitiativen. Lasst uns in diesem Sinne weiter machen. „Quo vadis Lebenshilfe“ Die Lebenshilfe als deutsche Bürgerbewegung. Die Lebenshilfe versteht sich als Bürgerrechtsbewegung. Ehrenamt ist im Vordergrund der Lebenshilfe Arbeit. Das Ehrenamt, und die Dienste und Einrichtungen sind in Einklang zu bringen. Fachliche und hauptamtliche Kompetenz sind kein Wiederspruch. BSie sollen sich gegenseitig fördern und unterstützen, damit eine quartiersbezogene Weiterentwicklung befördert wird.
Prof. Dr. Jeanne Niklas Faust Bundesgeschäftsführerin
Die Lebenshilfe ist bunt, vielfältig und so spannend wie das Leben selbst. Vielfalt ist unsere Stärke. Vielen Dank an all die Menschen die bei uns mitmachen.
Dr. Angelika Magiros Lebenshilfe Bundesvereinigung Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Angelika Magiros. Immer unterwegs für Inklusion, Bürgerrechte, und bürgerschaftliches Engagement. Und, eine liebe Kollegin mit der ich seit langer Zeit freundschaftlich verbunden bin.
Danke für alles liebe Angelika.
„Ad Portum itur per Procellas“
Zum Hafen gelangt man durch Stürme
Eine Projektbeschreibung aus dem Jahre 2008 zum Thema: Inklusion, bürgerschaftliches Engagement und Bürgerrechte.
Schon ein Weile her, aber immer noch aktuell. Inklusion als andauernde gesellschaftpolitische Aufgabe, vor dem Hintergrund der UN-BRK. Hier in leichter Sprache

Inklusion ist ein Prozess
Welche Idee stand zu Beginn der Möglichkeitsdenker?
Bei einem anschließenden Abendessen zeigt sich Erika Schmidt zufrieden mit der vorangegangenen öffentlichen Veranstaltung.
Sie war 2011 eine der GründerInnen der Möglichkeitsdenker. Erika Schmidt ist Nutzerin, wie in Deutschland Lebenshilfe-KundInnen genannt werden, des ambulant unterstützten Wohnens im nahe gelegenen Ort Netphen.
Hier hat sie gemeinsam mit anderen BewohnerInnen 2004 drei inklusive Freiwilligenprojekten initiiert:
den Netphener Tisch, eine Lebensmittelausgabe für Hilfsbedürftige,
den Netphener Mittagstisch, wo für dieselbe Zielgruppe gekocht wird,
und die Krabbelgruppe „Die Rasselbande“.
Außerdem unterstützen die AktivistInnen ein Schul-Projekt in der kenianischen Hauptstadt Nairobi.
Was dieses Engagement für die Beteiligten bedeutet, wird klar, wenn man Erika Schmidt über „ihre Rasselbande“ reden hört.
Mit großer Begeisterung zeigt sie Kinderbücher und Spielzeug, erzählt vom Ausflug zum Spielplatz.
Eine liebevollere Betreuung ist für die Eltern, die derweil ihre Einkäufe erledigen können, kaum vorstellbar.
Schwere leichte Sprache:
Auch mit komplexen gesellschaftspolitischen Fragen beschäftigen sich die Möglichkeitsdenker.
Bei einer ihrer Jahrestagungen war etwa die Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt Thema.
Wissenschaftlich beraten werden sie vom Zentrum für Planung und Evaluation Sozialer Dienste der Universität Siegen, deren Sprecher Albrecht Rohrmann Mitglied der Möglichkeitsdenker ist.
Lernen können dabei beide Seiten, denn Voraussetzung für alle Veranstaltungen ist das Verwenden einer einfachen Sprache.
Dass die auch Wissenschaftler erlernen können, haben die Möglichkeitsdenker gezeigt – wie so viel anderes unmöglich Scheinende auch.
„Jeder Mensch kann etwas beitragen zu einer Gemeinschaft, die Vielfalt wertschätzt und Teilhabe für alle aktiv ermöglicht. Freiwilliger Einsatz ist ein Baustein unserer Gesellschaft.“ sagt Armin Herzberger:
„Inklusion ist eine Leitidee, an der wir uns orientieren und an die wir uns kontinuierlich annähern, selbst wenn wir sie nie vollständig erfüllen können. Inklusion ist kein Ergebnis, sondern ein Prozess. Die Lebenshilfe Möglichkeitsdenker sind angetreten, an dieser Aufgabenstellung konsequent und praxisorientiert gemeinsam mit Menschen mit Einschränkungen zu arbeiten – und zwar von Anfang an.
Wie sind Sie auf das Thema Freiwilligenarbeit gekommen?
Zu unserer Gesellschaft gehört auch das Recht auf freiwilligen ehrenamtlichen Einsatz.
Jeder Mensch ist einmalig.
Und, jeder Mensch kann etwas beitragen zu einer Gemeinschaft, die Vielfalt wertschätzt und Teilhabe für alle aktiv ermöglicht. Freiwilliger Einsatz ist ein Baustein unserer Gesellschaft.
Er erfüllt die besten Ziele:
Das Streben nach Frieden,
Freiheit,
Lebenschancen,
Sicherheit und
Gerechtigkeit
für alle Menschen.
Welche Stolpersteine gibt es dabei? Bürgerschaftliches Engagement und Bürgerbeteiligung gelten vielfach immer noch als Betätigungsfeld der gebildeten Mittelschicht.
Von ausgegrenzten, diskriminierten und beeinträchtigten Menschen als bürgerschaftlich Engagierte und politisch Aktive ist fast nichts zu hören.
Vor allem bei Menschen mit seelischen Erkrankungen, Menschen mit Lernschwierigkeiten
und sozial isoliert lebenden Menschen bestehen noch viele strukturelle, materielle und kulturelle Barrieren.
Dem gilt es entgegenzuwirken.“
Quelle:
Lebenshilfe Graz
2017