Harmagedon

Dieser Text ist metaphorisch verfasst.

Metaphorische Texte können dazu dienen neue Sachverhalte zu beschreiben oder andere Sachverhalte drastisch zu charakterisieren. Sie erleichtern es darüber hinaus Unbekanntes durch Bekanntes darzustellen. Sie helfen tabuisierte Themen auf eine „verhüllende Weise“ anzusprechen.

Der Text kann ebenso auch als Parabel gedeutet werden. Will heißen: Die Parabel ist ein kurzer, lehrhafte Text, der durch den Empfänger (Leser, Hörer)entschlüsselt werden muss. In einer Parabel wird eine Geschichte erzählt, die sich auf eine eigentlich gemeinte Situation übertragen lässt. In diesem Zusammenhang spricht man von zwei Ebenen: der Bildebene sowie der Sachebene. 

Die Bildebene beschreibt das vordergründige Geschehen, aus dem durch Deutung das Eigentliche abgeleitet werden kann: die Sachebene. 

Die Parabel ähnelt demnach der Fabel und der Allegorie. existiert so nicht.

Ein Bewohner des Klippdachslandes und als solcher ein typischer männlicher Vertreter dieser Gegend.

Die hier allegorisch beschriebene Person existiert in der Form nicht.

Dies sei an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt.

Er war groß und schlank. Die Haare bereits zurückgewichen, nach Grossvater Art gekämmt.

Damit die blanken Stellen notdürftig kaschiert sind.

Die ganze Erscheinung verdruxt verschämt voller unentdeckter Momente von unbewältigter Vergangenheit.

Schüchtern, menschenscheu, misstrauisch bis hin zu Verhaltensweisen die sich kaum erklären lassen.

Ein Mensch sozialisiert in engem bildungsfernen Milieu eines Bauerndorfes.

Zu jeder Zeit unpassend gekleidet. Nicht im auffälligen Sinne, sondern so, das eigentlich nichts zu ihm passte.

Die Schimanskijacke genauso wenig wie die hellbraune Wildlederjacke, die unpassenden Pullover steht’s in grellen Farben, meist rot.

„Der Rotrock ist wieder da.“ bemerkte eine Mitarbeiterin einmal treffend, als er mit dunkelroter Windjacke bei einer herbstlichen Grillparty erschien.

„Mit dem Mottek schlage ich ihn irgendwann tot“. So ein langjähriger Mitarbeiter.

Es schien als ob er niemandem in die Augen schauen konnte.

Nicht teamfähig, geschweige denn einer Führungsaufgabe gewachsen, die auf interne Kommunikation, im Interesse der Kundschaft, auf Durchlässigkeit und schlanke Hierarchien angewiesen ist.

„Ich bin Techniker.“ Wie er sich selbst charakterisierte. „Ich betrachte die Dinge immer ganz praktisch.“

Er selbst hielt sich für einen Menschenkenner.

„Wenn ich jemanden einstellen will brauche ich nur eine Minute um zu wissen wie der tickt, ob der zu gebrauchen ist oder nicht, ob der zu uns passt oder nicht.“

Sein Technikerwissen ergänzte er mit einem wild zusammengewürfelten Sammelsurium aus Halbwissen, gespickt mit Elementen aus einem weltabgewandten, menschenfeindlichen Evangelikalismus der reaktionärsten Sorte.

Im Pläne machen, wie er immer sagte, war er ziemlich gut. Aber was für Pläne, welche Art von Plänen?

Im Nachhinein betrachtet dienten sie nur einem Zweck. Machtgewinnung und Machterhalt unglaublich präzise angelegt.

Langfristig  ohne jemals direkt in Erscheinung tretend. Auf eine rücksichtslose Weise hinterhältig. Gefühlsarm, kalt, bindungslos.

Er schaffte es Menschen aus seiner näheren Umgebung, für sich fühlen zu lassen. Darauf war er angewiesen.

Auch darauf, daß Menschen für ihn redeten, um seine Pläne und Absichten unter die Leute zu bringen. Sie rhetorisch so zu verpacken, dass die kalte Absicht einer bloßen Machtsicherung und Machtausweitung nicht sichtbar würde.

Das konnte er besonders gut. Geradezu perfekt. 

Wofür aber, für welchen Lohn?

„Trauer niemals einem Menschen. Der Mensch ist vom Grunde her schlecht, abgrundtief schlecht. Vertraue nur auf Gott.“

Er fror dann plötzlich, von innen heraus, ein Gefühl von Kälte ging durch Mark und Bein. 

Was hatte ihn bewogen einem solchen Menschen so viele Jahre dienstbar zu sein.

Die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Der erste Golfkrieg. Ölquellen brannten. Früher morgen, noch dunkel draußen.

Das Büro neonhell erleuchtet, kaltes Licht. Der ewig gleiche Bürogeruch. Aktenstaubgeruch vermischt mit vertrockneten Druckertonergeruch. Säuerlich auch, von der Hörermuschel des Telefons. Vom vielen hineinsprechen.

Er kann, vielmehr er stützte herein, ganz gehen seine Gewohnheit, kam er doch ansonsten eher scheu und verdruxt, daher, freie Flächen meidend, immer an der Wand lang. Die Augen aufgerissen, Pupillen geweitet. Sein Blick starr, Panik in seinen Augen. Mit erhobener Stimme, heißer nuschelnd rief, ja schrie er beinahe:

HARMAGGEDON, HARMAGGEDON, HARMAGGEDON……….. !!!

DAS ENDE DER WELT….. !!!

Dann verschwand er wieder.

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Die Küche

Das erste Auto war ein dunkel rot lackierter VW Käfer. Der war über einen Freund der Familie günstig erstanden worden. Keine 100 Mark, wie sein Vater sagte. Käfer typisch der Geruch in inneren des Fahrzeugs. Ein bisschen nach Fußschweiß mit einer Note von kaltem Zigaretten Rauch und nach Benzin. Am deutlichsten hervortretend aber der Geruch von verbranntem Gummi. Alle Käfer Autos litten in ihrem fortgeschrittenem Alter an immer desselben Krankheit. Die Heizung ließ sich nicht mehr abstellen.
Der Hebel eingerostet, die Lüftungsklappen verhakelt. Im Winter sehr nützlich, aber nur begrenzt ihrer eigentlichen Bestimmung tauglich, nämlich zu heizen. Vor allem die winterlich gefrorene Windschutzscheibe taute man damit nie auf.
Zum Gummigeruch gestellte sich, noch oft scharf in der Nase stechend, der Geruch von Säure. Salzsäure aus der Autobatterie die sich unter der Rücksitzbank befand.
Damals, es war Herbst, schon dunkel. Er fuhr mit Vater in Richtung Herrenbrunnen. Der hatte versprochen einem befreundeten Ehepaar bei Renovierungsarbeiten zu unterstützen. Vater war ein handwerkliches Allround Talent.
Immer wenn ein Handwerker gefragt war, Vater war stets zur Hilfe bereit. So auch an jenem Abend.
Dort angekommen, geklingelt, was für uns schon eine Ausnahme war, weil dort wo Vater und Sohn lebten alle Haustüren gewöhnlich immer offen standen. Günter öffnete. „Guten Abend, schön das Ihr gekommen seid, hereinspaziert.“

Günter mit seiner Frau Kritzel, die mir sogleich einen Kakao anbot, sind beide Darbysten.

Sie betraten die Küche. Helles Neonlicht blendete ihn sofort. Es roch nach Erbsensuppe, vom Abendessen.
Typische Kochküche der 1960er Jahre. Viel zu klein zu eng. Kein Küchentisch.
Nur eine ausziehbare Resopal- Platte, Farbe weiß die zum Essen diente. Keine Küche zum Leben, zum Wohnen zur gemeinsamen Essen und trinken. Blitzsauber, steril und ohne Seele. Wie geschaffen sich Nahrung zuzuführen. Vater war schnell fertig. Küchenschränkchen aufhängen, Leiste ziehen. Fertig. „Willst Du was trinken?“ „Nein, muss noch Fahren.“. „Was essen?“ „Sind schon satt, haben schon zu Abend gegessen.
„Und Du junger Stammhalter“, wie er diese Zuschreibung hasste, Bonbon gefällig?“ „Ja gerne Danke.“ Bayrisch Blockmalz. Schmeckte wiederlich. Nach Küchenschrank, alt, aufdringlich süsslich. Na ja dachte Er sich. „Aus so einer Küche kann’s nicht schmecken.“