Lätare – Freut Euch

Gott tröstet wie eine Mutter


Eine Andacht in verständlicher Sprache


„Freuet euch mit Jerusalem! Seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt!“
Jesaja 66, Vers 10


Lätare – das bedeutet: Freut euch!
Heute ist ein besonderer Sonntag.
Er heißt Lätare.
Das ist ein lateinisches Wort.
Es bedeutet: Freut euch!

Dieses Wort kommt aus einem alten Ruf.
Einem Ruf aus der Bibel.
Er lautet:
„Freuet euch mit Jerusalem! Freuet euch – alle, die ihr traurig wart um sie!“

Jerusalem steht in der Bibel für mehr als eine Stadt.
Jerusalem steht für das Volk, das leidet.
Jerusalem steht für die Hoffnung, die nicht aufgibt.
Jerusalem steht für den Ort, wo Gott wohnt –
mitten unter den Menschen.

Mitten in der Passionszeit – mitten in der dunklen Zeit –
sagt die Kirche: Freut euch mit Jerusalem!

Das klingt seltsam.
Viele Menschen sind müde.
Viele Menschen sind traurig.
Viele Menschen haben Angst.

Aber genau da spricht Gott.
Genau da tröstet Gott.


Was Jesaja sagt
Der Prophet Jesaja hat vor sehr langer Zeit gelebt.
Er hat das Volk Israel begleitet.
Das Volk war in großer Not.
Es war vertrieben worden.
Es lebte in der Fremde.

Und da sagt Jesaja etwas Erstaunliches.
Er sagt: Gott tröstet euch.
Wie eine Mutter ihr weinendes Kind tröstet.

Kennen Sie das?
Ein Kind weint.
Es weint laut.
Es weint und weiß selbst nicht warum.
Und die Mutter kommt.
Sie fragt nicht: Warum weinst du?
Sie fragt nicht: Hör jetzt auf.
Sie nimmt das Kind einfach auf den Arm.
Sie hält es fest.
Sie sagt: Ich bin da.

Genau so – sagt Jesaja – ist Gott.
Gott fragt nicht zuerst: Bist du schuldig?
Gott fragt nicht: Hast du es verdient?
Gott kommt einfach.
Gott hält uns fest.
Gott sagt: Ich bin da.

„Ihr werdet saugen und euch satt trinken
an den Brüsten ihres Trostes.
Auf dem Arm wird man euch tragen
und auf den Knien euch liebkosen.“
Jesaja 66, Vers 12

Das ist eine sehr starke Sprache.
Eine zärtliche Sprache.
Eine Sprache der Nähe.

Gott ist hier nicht weit weg.
Gott ist nicht kalt.
Gott ist nicht streng.

Gott trägt uns.
Gott hält uns.
Gott liebt uns – wie eine gute Mutter ihr Kind liebt.


Gott – auch sie
In der Bibel hat Gott viele Gesichter.

Gott ist Vater – das kennen wir.
Aber Gott ist in der Bibel auch Mutter.
Gott ist die Frau, die ihr verlorenes Geldstück sucht.
Gott ist die Hebamme, die neues Leben empfängt.
Gott ist die, die tröstet – wie Jesaja schreibt.

Mitten in der Bibel steht das.
Nicht am Rand.


Lange hat die Kirche das verschwiegen.
Sie hat Gott immer als Mann gedacht.
Als Herrn. Als König. Als Vater.

Das hat Frauen kleingemacht.
Das hat gesagt: Das Männliche ist das Göttliche.

Das stimmt nicht.
Das ist eine Lüge – auch wenn sie fromm klingt.


Der Gott der Bibel ist größer.
Größer als alle unsere Bilder.
Größer als Mann und Frau zusammen.

Und dieser Gott tröstet –
zärtlich, körperlich, nah.
Wie eine Mutter ihr weinendes Kind.

Das ist keine neue Erfindung.
Das steht seit Jahrhunderten in der Bibel.
Es war nur lange nicht erlaubt, es zu sagen.

Heute sagen wir es.


Was das für uns bedeutet
Wir leben in einer Zeit der Spaltung.
Manche haben sehr viel.
Viele haben zu wenig.
Manche werden gehört.
Viele werden nicht gehört.
Das ist keine Naturkatastrophe.
Das sind Entscheidungen von Menschen.
Das sind politische Entscheidungen.

Und da sagt der Gott der Bibel: Nein.
Das ist nicht mein Wille.

Der Gott der Bibel ist der Gott des Exodus.
Er hat das versklavte Volk befreit.
Er hat die Mächtigen gestürzt.
Er hat die Hungrigen satt gemacht.
Das steht in der Bibel – von Anfang bis Ende.

Jesus hat das fortgesetzt.
Er hat sich zu den Armen gesetzt.
Er hat die Kranken berührt – die Unberührbaren.
Er hat gesagt: Das Reich Gottes gehört den Kleinen.
Nicht den Großen.

„Gott hat keine anderen Hände als unsere.“

Das heißt:
Wir sind nicht Zuschauer.
Wir sind gerufen.
Gerufen, hinzusehen – wo andere wegsehen.
Gerufen, zu widersprechen – wo Ungerechtigkeit normal gemacht wird.
Gerufen, Seite zu wählen – die Seite der Schwachen.

Eine Kirche, die das tut, fängt unten an.
Nicht in den Chefetagen.
Sondern dort, wo Menschen Trost brauchen.
Dort, wo Menschen getragen werden müssen.


Eine Frage für uns alle
Wer braucht heute meinen Arm?
Wer braucht heute meine Hand?
Wem kann ich heute Trost bringen?

Lätare heißt: Freut euch!
Aber die Freude ist nicht für uns allein.
Die Freude ist zum Teilen.

Freut euch mit Jerusalem!
Freut euch mit allen, die geweint haben.
Freut euch mit allen, die ausgegrenzt wurden.
Freut euch mit allen, die getragen werden mussten.

Denn Gott ist bei ihnen.
Gott ist bei uns.
Lätare! Freut euch!


Gebet
Gott,
du kennst unser Leben.
Du kennst unsere müden Tage.
Du kennst unsere Traurigkeit.

Wir danken dir:
Du trägst uns.
Du hältst uns.
Du liebst uns – wie eine Mutter.

Gib uns Kraft,
dass wir füreinander da sind.
Dass wir tragen und halten.
Dass wir Trost weitergeben.

Amen.

Ist Gott treu?

Gott ist treu
Andacht in Leichter Sprache
Allianz-Gebetswoche 2026 – Abschlussgottesdienst
08. März 2026

1. Gott ist nicht neutral
Mein Mund erzählt jeden Tag von Gottes Hilfe. – Psalm 71,15

Begleitheft AGW 2026:
„Treue-Botschafter sollen und dürfen wir sein. Durch unser Leben in erster Linie, aber auch durch das mündliche Zeugnis.“

Das stimmt.
Aber: Treue zu wem?

Gott ist nicht neutral.
Mose befreit die Sklaven.
Die Propheten kämpfen für Arme.
Maria singt: Gott stürzt die Mächtigen vom Thron.

Gottes Treue gilt den Unterdrückten.
Das ist unsere Botschaft.
Vgl. arminherzberger.com: „Gott ist kein Eigentum“
2. Vom Stuhl zum Tisch
Die Liebe von Jesus drängt uns. – 2. Korinther 5,14

Begleitheft AGW 2026:
„Wie erlebe ich konkret Zeichen von Gottes Treue? Wie kann ich mutiger werden, die Botschaft weiterzugeben?“

Eine konkrete Antwort:

Manche Menschen hören:
„Für dich ist kein Stuhl mehr da.“

Gottes Treue sagt das Gegenteil:
Du gehörst dazu.
Es ist Platz für dich.

Am Netphener Tisch sehen wir das:
Menschen mit Behinderung decken selbst den Tisch.
Sie sind nicht nur Empfänger.
Sie geben.
Das ist Gottes Treue – sichtbar.
Vgl. arminherzberger.com: „Vom weggenommenen Stuhl zum gedeckten Tisch“
3. Unsere Botschaft: Die Welt kann anders sein
Geht in die Welt. Ich bin bei euch – jeden Tag. – Matthäus 28,19-20

Begleitheft AGW 2026:
„Regelmäßige Fürbitte ist ein starker Ausdruck von Treue: Wofür willst du immer wieder beten?“

Ja – und mehr als beten.

Kirche von unten bedeutet:
Wir fangen selbst an.
Wir stehen auf für andere.
Wir schweigen nicht.

Denn: Schweigen macht schuldig.
(Bonhoeffer)

Das ist unsere Botschaft für die Welt.
Vgl. arminherzberger.com: „Kirche von unten – braucht Mut“

Gebet

Gott,
du hast die Welt nicht so gewollt, wie sie ist.

Du willst, dass alle satt werden.
Du willst, dass alle Würde haben.
Du willst, dass Tische gedeckt werden – für alle.

Mach uns zu Zeugen deiner Treue.
Nicht nur im Gebet.
Sondern im Aufstehen.
Im Nicht-Schweigen.

Du bist treu.
Hilf uns, es auch zu sein.

Amen.

Der Stoß

Der Stoß
Eine Klippdachsland-Geschichte über Frömmigkeit und Gewalt


Für U
Es gibt Erinnerungen, die verblassen mit den Jahren. Und es gibt solche, die bleiben. Die sich einbrennen. Die einen nicht loslassen, auch nach Jahrzehnten nicht.
Die „Alte Versammlung“ gehört zu den Erinnerungen, die geblieben sind.



Die Männer mit der verdrießlichen Miene
Es gab sie in jedem Dorf im Klippdachsland. Ältere Herren, immer im dunklen Anzug, immer mit dieser Miene. Verdrießlich. Mürrisch. Als würde ihnen das Leben schwer auf den Schultern lasten.
Sie gehörten zur „Alten Versammlung“. So nannten sich die Darbisten im Klippdachsland. Fromme Leute. Sehr fromme Leute. So fromm, dass sie sich von allen anderen absonderten.
Die lutherische Kirche im Dorf? Abgefallen. Verweltlicht. Verloren.
Die katholische Kirche sowieso? Der Papst war für sie der Antichrist höchstpersönlich.
Nur sie, die kleine Schar der „Alten Versammlung“, hatten die reine Lehre bewahrt. Nur sie würden gerettet werden, wenn Christus wiederkam. Und das konnte jeden Tag geschehen.
Deshalb die verdrießliche Miene. Wer ständig das Ende der Welt erwartet, dem vergeht das Lachen.
Man wartet. Man sondert sich ab. Man züchtigt seine Kinder.



Sonntags im Versammlungsraum
Sonntags trafen sie sich. Nicht in der Kirche – Gott bewahre! Sie trafen sich in einem schlichten Raum. Weiß getüncht, kahl, schmucklos. In der Mitte ein Tisch mit einem weißen Tuch. Darauf Brot und Wein. Mehr nicht.
Die Männer saßen vorne. Anzug, Krawatte, Scheitel. Die Frauen hinten, mit Kopftuch. Sie schwiegen. Das war ihre Rolle. Schweigen, gehorchen, dienen.
Wenn der Geist jemanden ergriff – immer einen Mann, versteht sich –, dann stand der auf und sprach. Ihre Reden waren trocken. Voller Bibelstellen. Sie warnten vor der Welt. Sie mahnten zur Zucht.
Zucht. Das war ihr Lieblingswort.
„Wer sein Kind liebt, der züchtigt es.“ Sprüche 13, Vers 24. Die Bibel sage es. Also müsse es wahr sein.



Die Kinder, die prügelten
Es gab Kinder im Klippdachsland, vor denen man sich fürchtete. Nicht weil sie größer waren. Nicht weil sie älter waren. Sondern weil sie anders waren.
Sie prügelten nicht aus Lust. Sie prügelten mit System. Mit einer Kälte, die erschreckte.
Es waren Kinder aus der „Alten Versammlung“.
Sie hatten gelernt: Wer schwach ist, verdient Zucht. Wer anders ist, verdient Strafe. Wer nicht gehorcht, verdient den Schlag.
Sie hatten es zu Hause gelernt. Jetzt gaben sie weiter, was man ihnen beigebracht hatte.
Gewalt, die empfangen wird, wird weitergegeben. Das ist so alt wie die Menschheit.



Der Zappelphilipp
Es gab einen Jungen, den nannten alle so. Er konnte nicht stillsitzen. Er konnte nicht still sein. Er zuckte und zappelte und störte.
Für die „Alte Versammlung“ war das keine Krankheit. Das war Sünde. Das war Aufruhr gegen Gott und die Ordnung.
Er wurde gezüchtigt. Immer wieder. Zu Hause. Im Versammlungsraum. Vor allen.
Es half nichts. Es konnte nicht helfen. Weil er krank war, nicht böse.
Aber das wussten sie nicht. Oder sie wollten es nicht wissen.



Das Mädchen mit den schönen Augen
Und dann war da das Mädchen mit den schönen Augen.
Uli hieß sie. Ein stilles Kind. Ein gutes Kind. Ein Kind, das niemandem etwas zuleide tat.
Sie wuchs auf in der „Alten Versammlung“. Hörte die Predigten. Lernte die Bibelstellen. Fürchtete den Zorn Gottes.
Und sie war anders. In einer Weise, die die Frommen beunruhigte.
Es gab einen Stoß. Wann genau – niemand weiß es mehr. Was genau – niemand will es mehr sagen.
Vielleicht war es ein Schlag. Vielleicht eine Demütigung. Vielleicht ein Moment, in dem etwas in ihr zerbrach.
Danach war sie nicht mehr dieselbe.
Die Stimmen kamen. Stimmen, die ihr sagten:
Ich bin schlecht.
Ich bin vom Teufel besessen.
Ich lebe in der Hölle.
Die religiöse Verdammung wurde zur Überzeugung. Die Überzeugung wurde zur Krankheit. Die Krankheit wurde zu ihrem Leben.
Seit Jahrzehnten lebt sie im Wohnheim.



Darby und Sölle
Es gab einen Mann namens John Nelson Darby. Ein englischer Prediger des 19. Jahrhunderts. Er lehrte Absonderung. Reinheit. Rückzug aus der Welt.
Darby fragte: Wie können wir uns von der bösen Welt absondern?
Dorothee Sölle fragte: Wie können wir Gottes Reich jetzt verwirklichen?
Das ist der Unterschied. Der entscheidende.
Sölle kämpfte für Unterdrückte und bejahte den Körper.
Die Darbisten schlugen ihre Kinder und verdammten den Körper.
Was als Frömmigkeit begann, wurde zur Gewalt.



Kirche von unten – aber richtig
Es gibt heute viele, die von „Kirche von unten“ reden. Kreise, die frommer und strenger und enger werden.
Ich warne davor.
Nicht jede Bewegung, die sich „von unten“ nennt, befreit. Manche schafft neue Opfer.
Die „Alte Versammlung“ war Kirche von unten. Klein. Fromm. Entschieden. Und sie hat Kinder geschlagen, Frauen zum Schweigen gebracht, Seelen zerbrochen.
Das ist nicht die Kirche Jesu Christi.
Kirche von unten – aber richtig – das bedeutet: Befreiung statt Bindung. Heilung statt Schlagen. Ja zum Körper. Begleitung der Kranken statt Verdammung.



Die besorgten Geschwister
Uli wird besucht.
Von besorgten Gemeindemitgliedern. Geschwistern, die gelernt haben. Die umgekehrt sind.
Sie kommen. Sie sitzen an ihrem Bett. Sie halten ihre Hand.
Leider ist sie nun nicht mehr zu erreichen. Die Krankheit hat sie zu tief geholt.
Aber Gott behütet sie. Nicht der Gott der Strafe. Sondern der Gott der Gnade.
Und die besorgten Geschwister?
Sie schlagen nicht. Sie trösten.



Trotz allem
Und wenn ich an das Mädchen mit den schönen Augen denke,
an die Hölle, in der sie lebt,
an die Stimmen, die ihr sagen: Du bist vom Teufel besessen,
dann bete ich:

Herr, erbarme dich.
Nicht über sie.
Sondern über die, die ihr diese Hölle eingeredet haben.

Und segne die, die jetzt bei ihr sind.
Die besorgten Geschwister.
Die gelernt haben.
Die da sind.
Trotz allem.



Armin Herzberger
Klippdachsland, Februar 2026



Diese Geschichte ist wahr. Die Namen wurden geändert. Die Narben sind echt.

Das Mädchen lebt noch. Seit Jahrzehnten im Wohnheim.
Sie wird besucht. Von besorgten Geschwistern. Die gelernt haben.
Leider ist sie nun nicht mehr zu erreichen. Die Krankheit hat sie zu tief geholt.
Aber Gott behütet sie. Nicht der Gott der Strafe. Sondern der Gott der Gnade.

Trotz allem.

Und die Mahnung bleibt: Kirche, die nicht befreit, die den Körper verdammt, die Menschen in Höllen stößt – ist nicht die Kirche Jesu Christi.
Aber Kirche kann lernen. Kann umkehren. Kann lieben.
Trotz allem.

„Suchet der Stadt Bestes „

Eine Weggeschichte


„Es ist kein Stuhl mehr für dich da“

Dieser Satz aus meiner Kindheit sitzt noch heute. Ein trüber Novemberabend, zwei Gemeindeälteste an der Haustür. Sie kamen, um die Gesangbücher abzuholen.

„Du warst seit über einem halben Jahr nicht mehr im Gottesdienst. In der Bibelstunde fast ein ganzes Jahr nicht. Andere Leute haben auch viel zu tun. Es ist sowieso kein Stuhl für dich da.“

Schweigend nahmen sie die Bücher mit. Fertig.

Die Botschaft kam an: Wer nicht mitmacht, fliegt raus. Dein Platz ist weg.

So wurde Glaube für mich etwas Bedrohliches. Die Bibel als Druckmittel. Gemeinde als Kontrollsystem. Angst statt Hoffnung.

Dann hab ich angefangen nachzudenken

Das war vor einiger Zeit. Durch meine Arbeit im Kirchenvorstand. Durch die lebensbedrohliche Erkrankung meiner Frau.

Ich hatte Gespräche mit einer Pfarrerin. Sie las die Bibel anders. Sie stellte andere Fragen.

Sie erzählte Geschichten. Sinnstiftende Geschichten.

Nicht als Drohung. Nicht als Kontrolle. Sondern als Geschichten, die Leben deuten. Die Hoffnung machen. Die zeigen: Du bist nicht allein.

Das hat mich tief berührt.

Sie fragte zum Beispiel beim barmherzigen Samariter: „Warum liegt der Mann überhaupt halb tot am Straßenrand? Wer profitiert davon?“ Plötzlich ging’s nicht mehr nur um individuelle Hilfe, sondern um Strukturen, die Menschen zu Opfern machen.

Sie ist jetzt nicht mehr da. Vergessen werd ich sie nicht.

Am Anfang dachte ich: Das kann nicht stimmen. Gott ist doch neutral.

Aber dann hab ich die Geschichten nochmal gelesen – und erkannt:

Gott ist nicht neutral. Im Gegenteil.

Der Exodus: Gott befreit Sklaven. Nicht weil sie fromm waren. Sondern weil Sklaverei falsch ist.

Jesus war Jude. Er war nicht nur bei den Ältesten, sondern vor allem bei den Ausgestoßenen. Bei denen, für die „kein Stuhl da war“. Beides gehört zusammen. Davon lernen wir untereinander.

Die Bergpredigt: „Selig sind die Armen“ – keine Vertröstung. Sondern eine Kampfansage: Die jetzige Ordnung ist falsch.

Nach und nach hab ich verstanden: Die Bibel erzählt keine Geschichten über brave Kirchgänger. Sie erzählt von Leuten, die sich gegen Unterdrückung wehren.

Das hat was mit mir gemacht?

Ich hab angefangen, anders zu denken. Über die Jahre damals. Über die Angst. Über das, was man mir beigebracht hatte.

Manchmal kam Wut hoch. Auf die Gemeindeältesten von damals. Auf ein System, das aus Gott einen Kontrolleur macht.

Aber auch: Erleichterung. Eine Last fiel ab. Ich musste nicht mehr gut genug sein. Musste mich nicht mehr rechtfertigen.

Und dann: Hoffnung. Wenn die Bibel wirklich von Befreiung erzählt, dann ist Veränderung möglich. Dann muss es nicht so bleiben, wie es ist.

Was ich verstanden habe:

Gott steht nicht über allem – er hat sich für eine Seite entschieden. Auf der Seite derer, die unten sind. Das ist Politik. Und Frömmigkeit. Beides gehört zusammen.

Jesus war beides: Seelsorger und Störenfried. Er hat sich um Menschen gekümmert UND die Mächtigen konfrontiert. Er hat geheilt UND die religiöse Elite herausgefordert. „Selig sind die Armen“ ist Tröstung UND Kampfansage zugleich.

Gemeinde kann anders sein. Nicht: Wer hat die Macht? Sondern: Wie stärken wir uns gegenseitig? Nicht Leistung als Maßstab, sondern Gerechtigkeit.

Der Weg zählt, nicht das Ankommen. Die Bibel ist voll von Weggeschichten. Es geht ums Unterwegssein. Wie wir miteinander umgehen. Ob wir niemanden zurücklassen.

Was das praktisch bedeutet:

Bei den „Möglichkeitsdenkern“ der Lebenshilfe.

Ich arbeite mit Menschen, die Unterstützung brauchen. Wir fragen nicht: „Was können die nicht?“ Sondern: „Was können die?“

Menschen, die jahrelang nur „betreut“ wurden, organisieren jetzt selbst Veranstaltungen. Engagieren sich. Haben eine Stimme.

Das ist konkret, was die Bibel meint: Menschen werden befreit. Nicht durch fromme Worte. Durch echte Teilhabe.

Als Kirchenvorstand:
Oft erlebe ich den Widerspruch: Kirche redet von Nächstenliebe – und nimmt Ehrenamtliche oft als selbstverständlich hin.

Ich versuche gegenzusteuern. Entscheidungen transparent machen. Ehrenamtliche stärken und wertschätzen. Kirche öffnen für alle.

Ziemlich schwer. Die Strukturen sind zäh. Aber manchmal geht was.

An der Uni:
Ich unterricht Soziale Arbeit. Und ich sag den Studierenden: „Gute Soziale Arbeit fragt nicht nur: Wie helfen wir? Sondern auch: Warum brauchen Menschen überhaupt Hilfe?“

Warum gibt es Armut in einem reichen Land? Warum werden Menschen mit Behinderungen ausgegrenzt? Das sind politische Fragen.

Was ich gewonnen habe.
Diese andere Art, die Bibel zu lesen, hat mir Freiheit gegeben:

Frei von der Angst, nicht gut genug zu sein. Vom Druck, ständig was leisten zu müssen. Von religiöser Kontrolle.

Frei für Solidarität mit denen, die unten sind. Für politisches Engagement. Für die Hoffnung, dass sich was ändern kann.

Frei mit allen, die ebenfalls auf der Suche sind. Mit denen am Rand. Mit allen, für die „kein Stuhl da ist“.

Die Suche geht weiter

Ich hab keine fertigen Antworten. Hab ich auch nie gehabt. Die Suche nach Gott hört nie auf.

Aber ich hab verstanden, wo ich suchen muss:

Nicht in perfekten Gottesdiensten. Sondern dort, wo Menschen befreit werden.

Nicht nur in frommen Bibelstunden. Sondern dort, wo Gerechtigkeit geschieht.

Nicht dort, wo Stühle weggenommen werden. Sondern dort, wo Tische gedeckt werden für alle.

Genau so was haben wir jetzt gerade. Der Nachbarschaftsraum in Breidenbach.

Das ist keine fromme Idee. Das ist eine notwendige Maßnahme. Weil Kirche in Zukunft nicht anders überleben kann. Nicht als Institution, die sich selbst erhält. Sondern als Kirche, die nah bei den Menschen ist.

Die Ängste sind da. Wird das funktionieren? Wie finanzieren wir das? Was, wenn’s schief geht?

Aber auch die Hoffnung. Die Chance, was Neues entstehen zu lassen. Einen Ort, wo Gemeinde wirklich Gemeinde ist. Nicht nur in Sonntagsgottesdiensten, sondern im Alltag.

Dabei wollen wir die alten Menschen mitnehmen. Beide Gruppen sind wichtig – die, die was Neues wagen, und die, die die Tradition kennen. Die Tradition ist auch wichtig. Aber sie ist nicht in Stein gemeißelt. Sie muss sich wandeln, wenn sie leben soll.

Alfred Delp, der Jesuitenpater, der im Widerstand gegen die Nazis war und dafür hingerichtet wurde, hat aus dem Gefängnis geschrieben:

„Man muss die Segel in den unendlichen Wind stellen, dann erst werden wir spüren, welcher Fahrt wir fähig sind.“

Wir setzen die Segel. Nicht weil wir so mutig sind. Sondern weil wir keine andere Wahl haben, wenn wir ehrlich sein wollen.

Gott baut sein Reich nicht mit Steinen, sondern mit Menschen.

Und Karl Barth hat es gesagt: „Seid ohne Angst – es wird regiert.“

Nicht von uns. Nicht von Kirchenvorständen. Nicht von perfekten Konzepten.

Sondern von dem Gott, der schon immer auf der Seite derer war, die was Neues wagen mussten.

Dieser Weg ist nicht einfach. Nicht bequem. Er macht einen manchmal unbequem für andere.

Aber er ist frei.

Der gemeinsame Weg ist gemeinschaftlich oder er ist gar nicht.
Niemand kann allein befreit werden.

„Suchet der Stadt Bestes“

Unser Kreuz hat keine Hacken

Für Deborah

Liebe Deborah, liebe Geschwister, ich stehe hier als Armin Herzberger.

Ich spreche ausdrücklich kein Grußwort. Ich mag keine Grußworte
Vielmehr möchte ich dir, liebe Deborah, noch etwas sagen.

Deborah erzählt in ihren Predigten oft Geschichten. Gute Geschichten, sinnstiftende Geschichten, biblische Geschichten, Geschichten aus dem Leben. Geschichten aus ihrem Leben.
Ich liebte diese Geschichten. Wann immer es ging war ich dabei wenn Sie Gottesdienste eierte

Ich möchte euch heute auch eine Geschichte erzählen.
Eine Geschichte, die mir wichtig ist.
Eine Geschichte, über die mich seit meiner Konfirmandenzeit bis heute berührt.

Sag mal Rabbi, wer ist denn der Nächste?
Jesus gab keine direkte Antwort.
Er erzählte eine Geschichte:
Ein Jude war auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho.
 Er wird blutig geschlagen, ausgeraubt und bleibt auf dem Weg liegen.
Ein Priester, der vorbeikommt, geht weiter.
Ein Levit, der ebenfalls vorbeikommt, geht weiter.
Dann kommt ein Samariter. Ein Fremder.
Viele Leute mögen ihn nicht.
Aber er bleibt stehen. Er hilft.
Er verbindet die Wunden.
Er bringt ihn in ein Gasthaus.
Er bezahlt für ihn. Er sagt, kümmert euch um ihn, ich komme wieder und bezahle, was noch fehlt.

Jesus fragt, wer ist der Nächste?
Die Antwort ist
Der, der geholfen hat.
Jesus sagt
Dann mache es genauso.

Was Jesus mir durch dieses Gleichnis zeigen, wollte:

  • Gott fragt nicht nach Religion oder Herkunft.
  • Gott fragt: Wer hilft?
  • Die wichtigen Leute haben versagt.
  • Der Priester und der Levit kannten die Regeln.
  • Aber sie gingen vorbei.
  • Sie schauten weg.
  • Der Samariter war ein Ausländer.
  • Viele Menschen mochten ihn nicht.
  • Aber er half.
  • Helfen ist wichtiger als fromm sein.
  • Es reicht nicht, in die Kirche zu gehen.
  • Es reicht nicht, schöne Worte zu sagen.
  • Wir müssen etwas tun für mehr Gerechtigkeit.
  • Alle Menschen sind gleich viel wert.
  • Egal woher sie kommen.
  • Egal welche Religion sie haben.
  • Egal ob sie arm oder reich sind.
  • Gott will, dass wir zusammenhalten.
  • Besonders mit Menschen, die ausgegrenzt werden.
  • Besonders mit Menschen, die keine Macht haben.
  • Besonders mit Menschen, die wir vergessen haben
  • Gottes Welt beginnt, wo wir Unrecht bekämpfen.
  • Wo wir Brücken bauen statt Mauern.
  • Wo wir teilen, statt immer mehr anzusammeln und nicht mehr bereit sind zu teilen.
  • Wo wir menschlich sind statt gleichgültig.

    Nach einer Predigt im Januar fragte ich Deborah:
    sag mal:
    Reicht suchen?
    Du hast geantwortet, suchen reicht vollkommen. Mit offenem Herzen.

    Das hat mich tief berührt.
    Mir ist dann das, was ich im Kopf hatte, ins Herz gerutscht.

Im Februar wurde meine Frau plötzlich schwer krank.
Sie wäre beinahe verstorben.

Im Laufe der folgenden Monate wurde meine Frau wieder gesund. Gott sei Dank

Ich spürte ich kann jetzt glauben
an einen Gott.
der mich hört,
mich hält,
mich führt,

Kein strafenden Gott,
sondern ein Gott, der mich liebt.

Dafür Deborah,
für Deine Seelsorge
für Deine Gebete
danke ich Dir von ganzem Herzen.
Gott segne Dich!
Und Deine Familie.

Abschiedsgottesdienst
der evangelischen Kirchengemeinde Oberdieten
für Deborah Kehr
am 28.09.25

Bunt wie das Leben

Warum ich blogge

Bunt wie das Leben

http://www.arminherzberger.com

Inklusion ist machbar Frau Nachbar
Lebenslauf
Sapere aude – Lerne zu denken

Liebe Hinterländer Christen Teil 2

Aus aktuellem Anlass melde ich mich erneut

Dies ist ein Blogbeitrag der allein meine eigene Meinung abbildet. Mein ehrenamtliches kirchliches Engagement ist davon ausdrücklich ausgenommen.

Wer fromm ist muss auch politisch sein:
So wie bei Bonhoeffer lassen sich die Aufgaben der Kirche gegenüber Staat und Öffentlichkeit auch heute zusammenfassen. 

Die erste von Bonhoeffer genannte Aufgabe verstehen wir heute als Kultur der Einmischung. Wenn die Kirchen mit Denkschriften in die demokratische Zivilgesellschaft hineinsprechen, dann geht es genau um das, was Bonhoeffer als „Verantwortlichmachung des Staates“ bezeichnete. 


Die zweite Aufgabe, der diakonische Dienst an den Bedürftigen, bleibt ohnehin. Dass er heute geleistet wird, zeigt sich, wenn etwa Gemeinden mit großer öffentlicher Zustimmung für den Schutz von Flüchtlingen eintreten. 
Und die dritte Aufgabe? Was heißt dem Rad in die Speichen fallen? Für Bonhoeffer rückte dies zunehmend ins Zentrum seines Denkens und Handelns. Dass der Imperativ keineswegs nur in der Diktatur gilt, sondern auch in demokratischen Gesellschaften eine Option sein kann, zeigte schon in den frühen achtziger Jahren die Diskussion um gewaltfreien zivilen Ungehorsam gegen die Stationierung von Massenvernichtungswaffen… .

Zum Schluss ein Zitat von D. Bonhoeffer

Allein weil Gott ein armer, elender, unbekannter, erfolgloser Mensch wurde, und weil Gott sich von nun an allein in dieser Armut, im Kreuz, finden lassen will, darum kommen wir von dem Menschen und von der Welt nicht los, darum lieben wir die Brüder.“

Liebe Hinterländer Christen


Gerne würde ich das Thema mit Euch weiter diskutieren.

Geschwisterliche Grüße sendet Euch
Armin Herzberger 

Psalm 8 „Mensch gedenke des Menschen“

Mensch gedenke des Menschen“
Jährliches Seminar mit Student: innen der #UniversitätSiegen“ in der Mordanstalt Hadamar
„Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch “ Brecht

Innerhalb von 7 Monaten wurden hier mehr als 10.000 behinderte Menschen vergast.

Im Bildhintergrund der rauchende Schornstein des Verbrennungsofens.

Der Verbrennungsofen war während dieser Zeit 24 Stunden in Betrieb.

Anwohner beschwerten sich über die „Geruchsbelästigung“


Aktion Marburger Stolpersteine – Gegen das Vergessen 

am 22.08.25



Wo habt Ihr uns hingebracht?

An der Seite von Israel

Niemals dürfen wir vergessen, wie dieser Krieg an einem Samstagmorgen begann. An einem Samstag, an dem so viele
Juden ermordet wurden, wie an keinem Tag seit der Schoa“

Zentralrat der Juden in Deutschland

https://www.juedische-allgemeine.de/politik/zentralrat-der-juden-fordert-klare-konsequenzen-fuer-hamas/

Bruder Martinus ist von uns gegangen

Anno Domini 06.05.2021

Bruder Martinus (Meister vom Stuhl der Loge „DIE FEUERZANGE“ im Orient zu Oberdieten), ist von uns gegangen

Mit Martin bin ich seit meinem 6. Lebensjahr befreundet.

Seit dieser Zeit pflegten wir eine nunmehr fast 60-jährige enge Freundschaft.

Wir waren eigentlich immer draußen in der freien Natur, durchstreiften gemeinsam Feld und Wald.

Auch Scheunen und Schuppen waren unser Zuhause. Wir erlebten eine freie und wenig überwachte Kindheit und Jugend.

Immer draußen, immer bei irgendwelchen Orten die uns interessant und zuweilen auch geheimnisvoll erschienen.

Eine Kindheit und Jugend, die man sich heute kaum noch vorzustellen vermag.

Gemeinsam in der Jungschar, gemeinsam in der Jungenschaft

gemeinsame Mitgliedschaft im CVJM Oberdieten.

Dem ist er treu geblieben. Viele Jahre im Vorstand, immer als eine Art Hausmeister des Lutherhauses in Oberdieten, der sich um alles wirklich um alles kümmerte.

Ich meine es wäre Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gewesen da wurden wir Gründungsmitglieder der NABU Breidenbach.

Dort hat er bis heute aktiv ehrenamtlich mitgearbeitet. Als Vorstandsmitglied, als Jugendwart, zum Schluss als Kassenwart.

Er blieb auch dabei immer im Hintergrund, war immer ansprechbar, war sich für nichts zu Schade.

Wir bauten ab dem Beginn der 70er Jahre eine kleine Hütte auf dem Alten Hof, ein ansehnliches Feldgehölz inmitten von Wiesen und Feldern.
Wir errichteten dort, es war zu Beginn der 70er Jahre eine kleine Waldhütte.

Diese Hütte steht immer noch, wir haben sie bis dato instandgehalten und gepflegt.

Viele Stunden, Tage und Nächte verbrachten wir dort, meistens gemeinsam mit engen Freunden.

Meister vom Stuhl der Loge: Die Feuerzange im Orient zu Oberdieten
Bruder Martinus ist von uns gegangen

Aus dieser Männerrunde wurde dann mit der Zeit eine verschwiegene christlich, humanistische Runde die wir „Die Feuerzange“ nannten.

Dieser Kreis existiert noch heute.

Und es ist auch im Sinne von Martin, dass wir diese schöne Tradition fortsetzen.

Später dann kann ein Amphibien Teich dazu.

So widmeten wir uns über viele Jahre der Natur und dem Umweltschutz, ein gemeinsames Hobby wurde zur gemeinsamen Passion.

Das war in den 70er Jahren noch eine Beschäftigung die ungewöhnlich war und uns manchmal Hohn und Spott einbrachte, was uns nicht im Geringsten störte.

Als ich 1981meine Doris heiratete, ganz klar, Martin war mein Trauzeuge.

Meine Tochter Sara, 1982 geboren, keine Frage, Martin war Taufpate.

Unvergessen

Martin war ein Stiller.

Er machte kein Aufheben um seine Person.

Er stellte sich ganz in den Dienst einer Sache, immer.

Sich selbst immer in den Hintergrund.

Seine Mitmenschen waren ihm wichtig, immer.

Vielleicht hat es sich dabei manchmal selbst vergessen?

Ja, Martin war ein Stiller Mensch, aber vielleicht gerade deswegen ein Mensch der innere Größe zeigte.

Martin war im eigentlichen Sinne des Wortes ein Philanthrop, ein Menschenfreund.

Martin liebte die Kinder.
Und die Kinder liebten Ihn
Das merkte man immer dann, wenn er mit Kindern zu tun hatte.

Eva und Christian die Kinder von Silke und Helmut und Thilo der Sohn von Edwin können darüber berichten

Martin war ein kluger Mann.

Ich konnte mit Ihm über alles sprechen.

Martin war auch gegenüber manchem kritisch.

Das behielt er aber meistens für sich selbst.

Wenn man Ihm jedoch danach fragte, sprach Er offen aus was Ihm nicht passte.

Aber dabei auch immer sachlich, ausgewogen, nie beleidigend.

In den letzten 5 Jahre trafen wir uns regelmäßig einmal in der Woche zum Einkaufen.

Auf diesen Termin habe ich mich immer gefreut.

Wir haben uns dabei oft stundenlang im Café oder in der Eisdiele aufgehalten.

Wir redeten über alles.

Über all das was uns beschäftigte.

Über Politik, über Umweltschutz, über Religion, Theologie
über die alten Zeiten.

Über Landwirtschaft, die Hausschlachtungen damals in den Bauernhäusern.

Kurz gesagt immer wieder von den vielen gemeinsamen Erinnerungen unserer Kinder- und Jugendzeit.

Martin ist mir ein großer Bruder.

Martin ist mir ein Vorbild.

Das war er.

Das ist er.

Und das bleibt er.

Ich möchte noch ein kurzes Gebet sprechen.

Es ist von Pfarrer Dietrich Bonhoeffer.

Von Ihm verfasst im Jahre 1945.

Kurz bevor er von den Nationalsozialisten ermordet wurde.

„Herr, in mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht.

Ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht.

Ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe.

Ich bin unruhig, aber bei dir ist der Friede.

Ich verstehe deine Wege nicht,

aber du weißt den Weg für mich.“

„Je schöner und voller die Erinnerung,

desto schwerer ist die Trennung.

Aber die Dankbarkeit verwandelt

die Erinnerung in eine stille Freude.

Man trägt das vergangene Schöne

nicht wie einen Stachel,

sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.“
Amen

Anno Domini
12.05.2021
Arminius
Logensprecher

Anno Domini 04.02.2018
Skandinavisches Fischbuffet

Freunde
Was wär ich ohne Freunde,
was wär ich ohne dich?
Ich läg als kleines Puzzleteil
allein auf leerem Tisch.

Bei mir käm niemand je vorbei
und lobte meinen Kuchen,
den ich so blitzschnell zaubern kann
bei plötzlichen Besuchen.

Mein Gästebett, das bliebe leer,
mein Kaffee ungetrunken,
und ohne Freunde wäre ich
in Schwermut längst versunken.

Wenn ich auf langen Reisen bin,
wem sollte ich wohl schreiben?
Ganz ohne Freunde könnte ich
doch gleich am Nordpol bleiben.

Und jedes Fest bei mir im Haus
ist doch erst wirklich schön,
wenn neben Nachbarn und Bekannten
auch gute Freunde stehn.

Wir sind wie Teile eines Puzzles,
eins ganz allein gibt keinen Sinn.
Und deshalb bin ich so zufrieden,
dass ich mit euch befreundet bin.

Renate Eggert-Schwarten

Anno Domini 28.12.2017

Schön, daß wir endlich wieder komplett sind.
Und ein neuer Novize ist auch dabei.
Sein Name ist
Bruder Kotti

„Es ist wichtig zu wissen, wo man herkommt, um zu wissen, wo man hin will.“
Goethe
zugeschrieben

Schön, daß wir endlich wieder komplett sind.
Und ein neuer Novize ist auch dabei.
Sein Name ist
Bruder Kotti

„Es ist wichtig zu wissen, wo man herkommt, um zu wissen, wo man hin will.“
Goethe
zugeschrieben

Fragezeichen
Du fragst was ist?
Du fragst wohin?
Du fragst woher?
Ich geb Dir einen guten Rat.
Frag erst woher?
Frag dann was ist?
Frag dann wohin?

Willst wissen wer Du bist?

Frag erst woher Du kommst?
Dann frag Dich wer Du bist?
Dann erst kannst Du ahnen,
wohin Du gehen willst.

Warum fragst Du?
Ich will versuchen
Dirs zu sagen.
Du suchst den Sinn des Lebens?
Du fragst:
Woher?
Wohin?
Was ist?

Dann frag nach GOTT.
Vielleicht kann ER Dirs sagen.

Tertia pars sequetur (Wird fortgesetzt)