Solidarität statt Hierarchie – Mut zur Kirche von unten

Eine Andacht aus gegebenem Anlass


Im Namen Gottes, der die Niedrigen erhöht,
im Namen Jesu Christi, der sich zu den Ausgestoßenen setzte,
im Namen des Geistes, der weht, wo er will – nicht wo Amtsstuben es verfügen.


Psalm 146 (Auswahl)

Vertraut nicht auf Fürsten, auf Menschen, bei denen es keine Rettung gibt.
Selig, wessen Hilfe der Gott Jakobs ist,
der Recht schafft den Unterdrückten,
der die Gefangenen befreit,
der die Gebeugten aufrichtet.


Text: Markus 10,42-45

Jesus rief sie zu sich und sprach: „Ihr wisst, die als Herrscher gelten, unterdrücken ihre Völker, und die Mächtigen missbrauchen ihre Macht über sie. So aber ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene.“


Impuls

Die Kirche hat ein Hierarchieproblem. Und damit ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Da sind die Ehrenamtlichen – sie leiten Gruppen, besuchen Kranke, organisieren Gemeindefeste, halten den Laden am Laufen. Sie tun dies aus Überzeugung, aus Liebe, aus Glauben. Und was erleben sie? Dass wichtige Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen werden. Dass hauptamtliche Strukturen sich verselbständigen. Dass Gremien tagen, während die Basis ausbleibt. Dass ihre Stimme zählt – aber nur bis zur nächsten Dekanatsebene.

Das Leiden ist real: Burnout im Ehrenamt, Frustration über fehlende Mitsprache, Enttäuschung darüber, dass die Kirche, die von Nächstenliebe spricht, ihre eigenen Leute verheizt.

Jesus war radikal in seiner Absage an Hierarchie. „So ist es unter euch nicht“ – keine Floskeln, sondern Programm. Die ersten Gemeinden waren Versuche solidarischer Gemeinschaft. Keine Bischofssitze, sondern Hauskreise. Keine Karriereleitern, sondern Fußwaschung.

Wo ist dieser Geist geblieben?

Mut zur Solidarität heißt konkret:

  • Macht teilen, nicht verteidigen. Entscheidungsstrukturen demokratisieren.
  • Ehrenamt nicht romantisieren, sondern seine Überlastung ernst nehmen und Strukturen entlasten.
  • Hierarchien benennen und abbauen – in Sprache, Haltung, Organisation.
  • Von unten denken: Was brauchen Menschen wirklich? Nicht: Was erhält die Institution?

Die Kirche von unten ist keine Utopie – sie geschieht überall dort, wo Menschen aufhören zu warten, dass „die da oben“ endlich handeln. Wo Gemeinden solidarisch wirtschaften. Wo Ehrenamtliche als gleichberechtigte Partner*innen behandelt werden. Wo Jesus‘ Maßstab gilt: nicht Macht über andere, sondern Dienst miteinander.


Gebet

Gott der Befreiung,
wir klagen dir das Leid derer,
die sich in deiner Kirche aufreiben.
Die geben und geben – und doch nicht gehört werden.

Stärke unseren Mut zur Solidarität.
Lass uns nicht länger schweigen,
wo Hierarchien Menschen klein machen.

Gib uns Kraft, Kirche neu zu denken:
von unten, gemeinsam, solidarisch.

Im Namen Jesu, der die Mächtigen vom Thron stößt
und die Niedrigen erhöht.
Amen.


Segen

Geht geschwisterlich miteinander um.
Widersteht den Strukturen der Herrschaft.
Seid solidarisch – in der Kirche und darüber hinaus.

So segne euch der befreiende Gott. Amen.

05.11.25

HeCl

2 Gedanken zu “Kirche von unten – braucht Mut

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