Gott lässt sich nicht einmauern


Dies ist ein Blogbeitrag, der allein meine eigene Meinung abbildet.

Ich habe den Text von Pfarrer Hellenschmidt (Rip) im Reisedienst gelesen. Mehrmals. Und ich merke, wie er mich nicht loslässt – nicht weil er mich überzeugt, sondern weil er mich beunruhigt. Nicht theologisch. Menschlich.

Ich war lange genug dabei. 35 Jahre Lebenshilfe, Jahrzehnte in Gemeinden, Kirchenvorstand, Schöffe. Ich kenne Menschen, die anders glauben als ich. Muslimische Eltern, die ihre Kinder mit Behinderung durch ein System begleiten, das ihnen fremd ist. Jüdische Kolleginnen, die Inklusion als religiöse Pflicht verstehen – Tzedakah, Gerechtigkeit. Ich habe mit ihnen gearbeitet, gestritten, gefeiert. Ich habe in ihnen Gottes Handeln gesehen. Hellenschmidts Artikel macht das unmöglich.

Er schreibt: Gott ist in seinem Wesen nicht interreligiös. Klar, unmissverständlich, endgültig. Das 1. Gebot als Sperrriegel. Jesus als Entweder-Oder. Wer nicht durch ihn, geht nicht durch.

Ich nehme das ernst. Ich nehme das Erste Gebot ernst. Aber ich lese es anders.“

Barth hat mich gelehrt: Gottes Freiheit lässt sich nicht einmauern.
Karl Barth, auf den sich die konservative Theologie so gerne beruft, hat zeitlebens betont: Gott ist der ganz Andere. Das heißt auch – er ist nicht in unsere theologischen Systeme einzusperren. Nicht einmal in unsere Exklusivitätsformeln. Barths Nein zur natürlichen Theologie war kein Nein zum Dialog, sondern ein Nein zu menschlicher Selbstvergewisserung. Genau das, was Hellenschmidts Artikel betreibt: Er vergewissert sich seiner Wahrheit – und nennt es Gehorsam.“

Bonhoeffer hat mich gelehrt: Wer für die anderen nicht da ist, ist für Christus nicht da.
Bonhoeffer schrieb aus dem Gefängnis, in einer Welt, die in Trümmer fiel. Er fragte, wer Christus heute für uns ist. Nicht abstrakt. Sondern: Wo ist er? Und seine Antwort war immer konkret, menschlich, randständig. Der Christus, den Bonhoeffer kannte, stand nicht auf der Seite der Gewissheiten. Er stand auf der Seite der Angefochtenen, der Ausgegrenzten, der Anderen.

Wenn ich heute mit einem muslimischen Vater spreche, dessen Kind endlich einen Platz in einer inklusiven Schule bekommt – dann erlebe ich etwas. Ich nenne es Gnade. Ich weiß nicht, wie er es nennt. Aber ich weigere mich, das theologisch zu verwalten.“

Judenmission: Wo diese Theologie hinführt
Hellenschmidt schreibt, der ‚Ruf zur Umkehr gilt auch den Religionen.‘ Er meint das allgemein. Aber ich höre dahinter etwas Konkretes, das ich nicht verschweigen kann: die Judenmission.

Die Idee, dass Jüdinnen und Juden durch Christus gerettet werden müssen – dass ihr Glaube, ihr Bund, ihre Jahrtausende alte Treue zur Tora ungenügend sind – diese Idee hat eine Geschichte. Und diese Geschichte ist dunkel. Sie hat Pogrome theologisch vorbereitet. Sie hat Menschen, die anders glauben, zu Objekten der Bekehrung gemacht statt zu Geschwistern im Gespräch.

Die evangelische Kirche hat nach 1945 – langsam, schmerzhaft, nicht vollständig – gelernt, Jüdinnen und Juden nicht als Missionsfeld zu betrachten, sondern als den älteren Zweig am selben Baum. Das war kein Verrat am Evangelium. Das war Umkehr. Echte Umkehr. Dass Texte wie der von Hellenschmidt diesen Lernprozess wieder rückgängig machen wollen, macht mir Sorgen.“

Evangelikalismus: Gewissheit als Versuchung
Ich kenne das evangelikale Milieu von innen. Ich habe Menschen erlebt, deren Glaube trägt, die in Krisen standhaft sind, die anderen helfen. Das ist real und verdient Respekt.

Aber ich kenne auch die Kehrseite: die Gewissheit, die keine Fragen mehr duldet. Das Bekenntnis als Schutzwall. Die Gemeinde als geschlossener Kreis, in dem Andersglaubende nicht vorkommen – außer als Missionsobjekte. Hellenschmidts Ton gehört in dieses Milieu. Er klagt, dass ‚von der Kirche keine Weisungen ausgehen.“ Er vermisst Eindeutigkeit. Er leidet unter Pluralismus.

Ich nicht. Ich halte Pluralismus für eine theologische Herausforderung, nicht für eine Bedrohung. Der Glaube, der keine Anfechtung kennt, ist kein Glaube. Er ist Ideologie. Und Ideologie – das hat Bonhoeffer gewusst – macht blind.“

Fünfzig Jahre CVJM – was mich geformt hat, und was nicht
Ich unterschreibe diesen Text mit meinem Namen: Armin Herzberger. Das tue ich bewusst. Denn was ich jetzt schreibe, kommt von innen.

Ich war fünfzig Jahre Mitglied im CVJM Oberdieten. Fünfzig Jahre. Das ist keine Distanz. Das ist Biografie.

Vieles war gut. Die Gemeinschaft. Das Singen. Die Verlässlichkeit. Menschen, die füreinander da waren. Ein Glaube, der getragen hat – in echten Krisen, in echten Nächten. Das gehört zu mir. Das nehme ich nicht zurück.

Aber manches war nicht gut.

Ich habe Menschen erlebt, die in diesem Milieu groß geworden sind und deren Leben sich dabei immer enger gezogen hat. Menschen, die labil waren, die Halt suchten – und die statt Halt eine Enge bekamen. Klare Grenzen, klare Antworten, klare Gemeinschaft. Das fühlt sich sicher an. Aber es kann auch einengen. Es kann krank machen.

Einige sind krank geworden. Das sage ich nicht leichtfertig. Ich sage es, weil es wahr ist. Und weil es gesagt werden muss.

Der Glaube, der keine Fragen duldet, tut Menschen nicht gut, die ohnehin schon mit sich ringen. Er gibt ihnen keine Freiheit. Er gibt ihnen eine weitere Last.

Das darf nicht sein.

Ich schreibe das nicht, um abzurechnen. Ich schreibe es, weil Pfarrer Hellenschmidt genau diese Art von Gewissheit vertritt – die Gewissheit, die keine Lücke lässt. Und weil ich aus fünfzig Jahren weiß, was diese Gewissheit mit Menschen machen kann.

Quer: Was mich an diesem Text wirklich stört
Es ist nicht die Treue zum Bekenntnis. Die respektiere ich. Es ist der Ton. Der Text spricht von ‚fadenscheinigem Gerede“, von ‚religiösen Maskeraden“, von ‚Tummelplatz der Götzen“. Das ist keine Theologie mehr. Das ist Polemik. Und Polemik in Glaubensfragen hat eine Geschichte in diesem Land, die ich nicht vergessen kann und nicht vergessen darf.

Das ‚House of One“ in Berlin – ein Gebäude, in dem Christen, Juden und Muslime zusammen einen Raum teilen – wird hier als Angriff auf das Erste Gebot dargestellt. Ich sehe es anders: als ein Zeichen, dass Menschen in einer pluralen Gesellschaft nicht aufhören wollen, Gott zu suchen. Das verdient Respekt, kein Bannwort.

Was mich am meisten beunruhigt: Dieser Text erscheint in einem Reisedienst, der in Gemeinden geht. Er wird gelesen. Er wird diskutiert. Er formt. Und er formt in eine Richtung, die ich für gefährlich halte – nicht weil sie fromm ist, sondern weil sie Frömmigkeit mit Ausgrenzung verwechselt.“

Ich bleibe Christ. Bekennender, zweifelnder, suchender Christ.
Ich glaube, dass Jesus Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Aber ich glaube das nicht so, dass es mich blind macht für das Licht, das anderswo leuchtet. Die Reformatoren wussten: die Kirche bleibt lernfähig. Auch gegenüber dem, was Gott außerhalb ihrer Mauern tut.

Pfarrer Hellenschmidt fragt: Ist Gott interreligiös?

Meine Antwort: Ich weiß es nicht. Aber ich bin sicher, dass ein Gott, der sich in einem palästinensischen Flüchtlingskind offenbart hat, größer ist als alle meine Antworten auf diese Frage.


In leichter Sprache

Gott lässt sich nicht einmauern

Ein Pfarrer hat einen Text geschrieben.
Sein Name ist Hansfrieder Hellenschmidt.
Der Text geht in viele Gemeinden.

Der Pfarrer sagt:
Nur Jesus führt zu Gott.
Andere Religionen liegen falsch.
Wer nicht an Jesus glaubt, ist verloren.
Das Gespräch mit anderen Religionen ist gefährlich.

Ich sehe das anders.
Ich will erklären, warum.

Was ich erlebt habe
Ich habe viele Jahre mit Menschen gearbeitet.
Mit Menschen mit Behinderung.
Und mit ihren Familien.

Manche Familien beten in einer Moschee.
Manche beten in einer Synagoge.
Manche beten gar nicht.

Ich habe mit diesen Menschen gearbeitet.
Ich habe mit ihnen gestritten.
Ich habe mit ihnen gefeiert.

Und ich habe etwas erlebt:
In diesen Menschen war Güte.
Menschlichkeit.
Gerechtigkeit.

Ich nenne das Gnade.
Gottes Gnade.
Auch wenn diese Menschen keine Christen sind.

Was die Bibel sagt – anders gelesen
Der Pfarrer sagt: Die Bibel ist eindeutig.
Nur Christus rettet.

Aber die Bibel sagt auch anderes.

Die Propheten haben immer wieder gesagt:
Gott steht auf der Seite der Armen.
Gott steht auf der Seite der Menschen ohne Macht.
Nicht auf der Seite derer, die alles besser wissen.

Das haben Amos, Micha und Jesus gesagt.

Jesus hat nicht gefragt: Was glaubst du?
Jesus hat gefragt: Was tust du?
Hast du den Hungrigen gespeist?
Den Fremden aufgenommen?
Den Kranken besucht?

Das steht in Matthäus 25.
Das ist auch Bibel.

Was Dietrich Bonhoeffer gesagt hat
Dietrich Bonhoeffer war ein Theologe.
Er hat gegen Hitler gekämpft.
Er wurde dafür getötet.

Bonhoeffer hat aus dem Gefängnis geschrieben.
Er hat gefragt:
Wer ist Christus heute für uns?

Seine Antwort war:
Christus ist bei den Leidenden.
Bei den Menschen, die niemand haben will.

Bonhoeffer hat nicht gefragt:
Sind diese Menschen Christen?
Er hat gefragt:
Sind wir für sie da?

Wer für andere da ist, ist für Christus da.
Das glaube ich auch.

Was Karl Barth gesagt hat
Karl Barth war ein großer Theologe.

Barth hat gesagt:
Gott ist frei.
Gott lässt sich nicht einsperren.
Nicht in unsere Worte.
Nicht in unsere Kirchen.
Nicht in unsere Sicherheiten.

Wer sagt: Ich weiß genau, was Gott tut –
der macht sich selbst zu Gott.
Das ist das Gegenteil von Glauben.

Das Thema: Juden bekehren wollen
Der Pfarrer schreibt:
Auch Juden müssen zu Jesus kommen.

Ich muss hier deutlich werden.

Jahrhundertelang hat die Kirche Juden schlecht behandelt.
Sie hat gesagt: Ihr glaubt falsch.
Ihr müsst bekehrt werden.

Das hat zu Verfolgung geführt.
Zu großem Leid.
Zum Mord an Millionen von Juden.

Nach 1945 hat die evangelische Kirche langsam gelernt:
Juden sind unsere Geschwister.
Gott hat seinen Bund mit ihnen nicht aufgekündigt.

Das war keine Abkehr vom Glauben.
Das war echte Umkehr.

Dieser Lernprozess darf nicht rückgängig gemacht werden.

50 Jahre CVJM – meine eigene Geschichte
Ich heiße Armin Herzberger.
Ich schreibe das mit meinem vollen Namen.
Denn was ich jetzt sage, kommt von innen.

Ich war 50 Jahre Mitglied im CVJM Oberdieten.
Das ist ein christlicher Jugend-Verband.

Vieles war gut.
Die Gemeinschaft.
Das Singen.
Menschen, die füreinander da waren.
Das hat mich geprägt.
Das nehme ich nicht zurück.

Aber manches war nicht gut.

Ich habe Menschen erlebt,
die Halt gesucht haben.
Die labil waren.
Die Sicherheit brauchten.

Sie haben im CVJM klare Antworten bekommen.
Klare Regeln.
Klare Grenzen.

Das hat sich gut angefühlt.
Aber es hat ihr Leben eingegrenzt.

Einige sind krank geworden.
Das sage ich nicht leichtfertig.
Ich sage es, weil es wahr ist.
Und weil es gesagt werden muss.

Das darf nicht sein.

Ich schreibe das nicht aus Wut.
Ich schreibe es, weil Pfarrer Hellenschmidt
genau diese Art von Glauben vertritt.
Einen Glauben ohne Fragen.
Einen Glauben ohne Lücken.

Ich weiß aus 50 Jahren:
Das tut Menschen nicht gut.

Was mich besorgt
Der Text des Pfarrers klingt sehr sicher.
Er lässt keine Fragen zu.

Aber ein Glaube ohne Fragen ist kein Glaube.
Er ist blinder Gehorsam.

In Berlin soll ein Haus gebaut werden.
Christen, Juden und Muslime sollen dort beten können.
Das Haus heißt: Das Haus des Einen.

Der Pfarrer nennt das einen Angriff auf Gott.
Ich nenne es ein Zeichen der Hoffnung.

Was Gott von uns will
Ich glaube nicht, dass Gott Mauern will.
Ich glaube nicht, dass Gott Ausgrenzung will.

Ich glaube:
Gott will Gerechtigkeit.
Gott will Güte.
Gott will, dass wir aufeinander zugehen.

Das steht bei Micha.
Das steht bei Jesus.
Das steht bei Bonhoeffer.

Meine Antwort
Pfarrer Hellenschmidt fragt:
Ist Gott nur für Christen?

Ich weiß es nicht genau.

Aber ich weiß:
Der Gott, der als Kind in einer Krippe lag,
der mit Armen gegessen hat,
der für Ausgestoßene gestorben ist –
dieser Gott ist größer als alle meine Antworten.

Ich bleibe Christ.
Ich zweifle.
Ich suche.

Und ich weigere mich,
im Namen dieses Glaubens
Menschen auszugrenzen.

Armin Herzberger im März 2026


Willkommen

Willkommen – und das meinen wir ernst
Was ist der CVJM?
CVJM ist eine Abkürzung.
Der lange Name ist: Christlicher Verein Junger Menschen.
Der CVJM ist ein christlicher Jugend-Verband.
Es gibt ihn in vielen Städten und Dörfern in Deutschland.

Den ersten CVJM gab es 1844 in London.
Damals kamen viele junge Menschen in die große Stadt.
Sie kannten dort niemanden.
Sie suchten eine Heimat.
Der CVJM wollte diese Heimat geben.

Diese Idee ist wunderbar.
Und sie gilt heute noch.

Ein wichtiges Papier
Im Jahr 2022 hat der CVJM etwas Wichtiges aufgeschrieben.
Das Papier heißt:
Willkommenskultur im CVJM.

Darin steht:

Alle Menschen sind willkommen.
Egal, woher jemand kommt.
Egal, ob jemand eine Behinderung hat.
Egal, welche Religion jemand hat.
Egal, wen jemand liebt.

Außerdem steht im Papier:

Der CVJM kämpft gegen Diskriminierung.
Diskriminierung heißt: jemanden schlechter behandeln, weil er anders ist.
Der CVJM fördert Inklusion. Inklusion heißt: alle können mitmachen.
Der CVJM will immer weiter dazulernen.

Das ist mutig.
Das ist ein gutes Zeichen.

Was bedeutet das in der Praxis?
Ein Papier ist ein guter Anfang.
Das Leben zeigt, wie es weitergeht.

Willkommen sein bedeutet mehr als:
„Du darfst kommen.“

Es bedeutet auch:

Deine Stimme zählt.
Wir fragen dich, was du brauchst.
Du kannst auch Leitung übernehmen.

Das ist ein Weg.
Kein CVJM-Ortsverein geht ihn von heute auf morgen.
Aber der CVJM hat selbst gesagt: Wir wollen lernen.
Das ist eine gute Grundlage.

Eine Frage, die hilft
Es gibt eine Frage, die Gruppen weiterbringt:

Wessen Stimme fehlt bei uns noch?

Vielleicht die Stimme von Menschen mit Behinderung.
Vielleicht die Stimme von Menschen aus anderen Ländern.
Vielleicht die Stimme von Menschen,
die sich bisher nicht getraut haben.

Diese Frage ist kein Vorwurf.
Sie ist eine Einladung.
Eine Einladung, noch offener zu werden.

Was die Bibel dazu sagt
Paulus hat einmal geschrieben:

Es gibt nicht Jude und Grieche, nicht Sklave und Freier, nicht Mann und Frau. Ihr seid alle eins in Christus Jesus.  (Galater 3,28)

Das ist kein frommer Wunsch.
Das ist eine Beschreibung.
Eine Gemeinschaft, die immer wieder neu anfängt.
Eine Gemeinschaft, die dazulernt.

Genau das hat der CVJM beschlossen.
Ich freue mich darauf, wie dieser Weg weitergeht.

Armin Herzberger
arminherzberger.com

Lätare – Freut Euch

Gott tröstet wie eine Mutter


Eine Andacht in verständlicher Sprache


„Freuet euch mit Jerusalem! Seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt!“
Jesaja 66, Vers 10


Lätare – das bedeutet: Freut euch!
Heute ist ein besonderer Sonntag.
Er heißt Lätare.
Das ist ein lateinisches Wort.
Es bedeutet: Freut euch!

Dieses Wort kommt aus einem alten Ruf.
Einem Ruf aus der Bibel.
Er lautet:
„Freuet euch mit Jerusalem! Freuet euch – alle, die ihr traurig wart um sie!“

Jerusalem steht in der Bibel für mehr als eine Stadt.
Jerusalem steht für das Volk, das leidet.
Jerusalem steht für die Hoffnung, die nicht aufgibt.
Jerusalem steht für den Ort, wo Gott wohnt –
mitten unter den Menschen.

Mitten in der Passionszeit – mitten in der dunklen Zeit –
sagt die Kirche: Freut euch mit Jerusalem!

Das klingt seltsam.
Viele Menschen sind müde.
Viele Menschen sind traurig.
Viele Menschen haben Angst.

Aber genau da spricht Gott.
Genau da tröstet Gott.


Was Jesaja sagt
Der Prophet Jesaja hat vor sehr langer Zeit gelebt.
Er hat das Volk Israel begleitet.
Das Volk war in großer Not.
Es war vertrieben worden.
Es lebte in der Fremde.

Und da sagt Jesaja etwas Erstaunliches.
Er sagt: Gott tröstet euch.
Wie eine Mutter ihr weinendes Kind tröstet.

Kennen Sie das?
Ein Kind weint.
Es weint laut.
Es weint und weiß selbst nicht warum.
Und die Mutter kommt.
Sie fragt nicht: Warum weinst du?
Sie fragt nicht: Hör jetzt auf.
Sie nimmt das Kind einfach auf den Arm.
Sie hält es fest.
Sie sagt: Ich bin da.

Genau so – sagt Jesaja – ist Gott.
Gott fragt nicht zuerst: Bist du schuldig?
Gott fragt nicht: Hast du es verdient?
Gott kommt einfach.
Gott hält uns fest.
Gott sagt: Ich bin da.

„Ihr werdet saugen und euch satt trinken
an den Brüsten ihres Trostes.
Auf dem Arm wird man euch tragen
und auf den Knien euch liebkosen.“
Jesaja 66, Vers 12

Das ist eine sehr starke Sprache.
Eine zärtliche Sprache.
Eine Sprache der Nähe.

Gott ist hier nicht weit weg.
Gott ist nicht kalt.
Gott ist nicht streng.

Gott trägt uns.
Gott hält uns.
Gott liebt uns – wie eine gute Mutter ihr Kind liebt.


Gott – auch sie
In der Bibel hat Gott viele Gesichter.

Gott ist Vater – das kennen wir.
Aber Gott ist in der Bibel auch Mutter.
Gott ist die Frau, die ihr verlorenes Geldstück sucht.
Gott ist die Hebamme, die neues Leben empfängt.
Gott ist die, die tröstet – wie Jesaja schreibt.

Mitten in der Bibel steht das.
Nicht am Rand.


Lange hat die Kirche das verschwiegen.
Sie hat Gott immer als Mann gedacht.
Als Herrn. Als König. Als Vater.

Das hat Frauen kleingemacht.
Das hat gesagt: Das Männliche ist das Göttliche.

Das stimmt nicht.
Das ist eine Lüge – auch wenn sie fromm klingt.


Der Gott der Bibel ist größer.
Größer als alle unsere Bilder.
Größer als Mann und Frau zusammen.

Und dieser Gott tröstet –
zärtlich, körperlich, nah.
Wie eine Mutter ihr weinendes Kind.

Das ist keine neue Erfindung.
Das steht seit Jahrhunderten in der Bibel.
Es war nur lange nicht erlaubt, es zu sagen.

Heute sagen wir es.


Was das für uns bedeutet
Wir leben in einer Zeit der Spaltung.
Manche haben sehr viel.
Viele haben zu wenig.
Manche werden gehört.
Viele werden nicht gehört.
Das ist keine Naturkatastrophe.
Das sind Entscheidungen von Menschen.
Das sind politische Entscheidungen.

Und da sagt der Gott der Bibel: Nein.
Das ist nicht mein Wille.

Der Gott der Bibel ist der Gott des Exodus.
Er hat das versklavte Volk befreit.
Er hat die Mächtigen gestürzt.
Er hat die Hungrigen satt gemacht.
Das steht in der Bibel – von Anfang bis Ende.

Jesus hat das fortgesetzt.
Er hat sich zu den Armen gesetzt.
Er hat die Kranken berührt – die Unberührbaren.
Er hat gesagt: Das Reich Gottes gehört den Kleinen.
Nicht den Großen.

„Gott hat keine anderen Hände als unsere.“

Das heißt:
Wir sind nicht Zuschauer.
Wir sind gerufen.
Gerufen, hinzusehen – wo andere wegsehen.
Gerufen, zu widersprechen – wo Ungerechtigkeit normal gemacht wird.
Gerufen, Seite zu wählen – die Seite der Schwachen.

Eine Kirche, die das tut, fängt unten an.
Nicht in den Chefetagen.
Sondern dort, wo Menschen Trost brauchen.
Dort, wo Menschen getragen werden müssen.


Eine Frage für uns alle
Wer braucht heute meinen Arm?
Wer braucht heute meine Hand?
Wem kann ich heute Trost bringen?

Lätare heißt: Freut euch!
Aber die Freude ist nicht für uns allein.
Die Freude ist zum Teilen.

Freut euch mit Jerusalem!
Freut euch mit allen, die geweint haben.
Freut euch mit allen, die ausgegrenzt wurden.
Freut euch mit allen, die getragen werden mussten.

Denn Gott ist bei ihnen.
Gott ist bei uns.
Lätare! Freut euch!


Gebet
Gott,
du kennst unser Leben.
Du kennst unsere müden Tage.
Du kennst unsere Traurigkeit.

Wir danken dir:
Du trägst uns.
Du hältst uns.
Du liebst uns – wie eine Mutter.

Gib uns Kraft,
dass wir füreinander da sind.
Dass wir tragen und halten.
Dass wir Trost weitergeben.

Amen.

Ich bin Autodidakt

Eine Satire

Samstag, Baumarkt. Kellerausbau mit Sauna. YouTube sagt „kinderleicht“.

Vier Stunden später: Dampfsperre an mir, nicht an der Wand. Rigips kaputt. Finger blutig. Aber weiter geht’s! Irgendwann wird das die geilste Sauna ever.

Ich bin nicht nur im Keller Heimwerker.

**Heimwerken an der Inklusion**

Berlin bastelt Bundesteilhabegesetz. Ohne Anleitung. Ohne die Betroffenen zu fragen.

Drei Anträge, um aufzustehen. Fünf Gutachten, um zur Arbeit zu fahren. Wer nicht bürokratiefest ist, bleibt liegen.

Deutsche Gründlichkeit nennen wir das.

Bei meiner Sauna frag ich den Fachmann. Bei Menschen mit Behinderung? „Ach, das krieg ich auch so hin!“

**Heimwerken an der Kirche**

Strukturreform mit Beraterhonoraren. „Kirche von unten“ – von oben gemacht.

Ehrenamtliche brennen aus? Nicht so zimperlich! Früher ging’s auch.

Gottesdienste leer? Fusionieren! Drei Tote sind ein Lebendiger.

Bei 400 Volt hol ich den Elektriker. Bei der Gemeinde? „Haben wir schon immer so gemacht!“

**Heimwerken in der Verwaltung**

Formular. Kästchen. Unterschrift nur persönlich. Dienstags 9-11:30 Uhr.

„Geht das einfacher?“ – Wo kämen wir da hin! Dann könnte ja jeder!

**Das Prinzip**

Im Keller: Sofort Schimmel. Mein Problem.

In der Gesellschaft: Kollaps nach Jahren. Bin dann befördert.

Inklusion gescheitert? „War schon immer schwierig.“
Gemeinden tot? „Strukturwandel.“ 
Demokratie müde? „Wollen halt nicht.“

Die Betroffenen hätten halt bei der Umfrage mitmachen sollen. Von 2019.

Von vorne sieht man’s kaum.

Meine Sauna wird super. Irgendwann.

Wie die Inklusion.

Wie die Kirche.

Wie die Bürgernähe.

Kinderleicht.

Stand 19.01.26

Handwerk hat goldenen Boden

Kein Stuhl mehr für Dich


Eine Geschichte aus Mittelhessen

Es war wieder einer dieser trüben Novemberabende, und wer da meint, der November sei nur eine Zeit des Nebels und der Schwermut, der kennt nicht die stillen Gewalten, die in solchen Tagen am Werk sind, wenn Gott den Menschen zur Besinnung ruft und sie doch, wie so oft, nicht hören wollen oder können.

Just zwei Tage nach Buß und Bettag war es geschehen, dass es plötzlich kälter geworden war. Schon an jenem Feiertag selbst, nach der üblichen erweiterten Bibelstunde – die Tersteegen-Konferenz nannte man sie, weil ein Prediger aus Herborn erwartet wurde, der das Evangelium rein und klar auszulegen verstand, wie’s leider nicht alle können oder wollen – hatte es begonnen zu schneien. Erst nur wenig, kleine Eiskristalle, dann in dicken nassen Flocken, die kaum gefallen, dahin schmolzen.

„Z äss Schnieloft i dä Loft“, pflegten die alten Bauersleute dann zu sagen.
Es riecht nach Frost und Schnee in der Luft. Und sie hatten recht, wie die Alten meistens recht haben, wenn sie von Wetter und Zeiten reden, denn sie haben’s erlebt und erfahren, was den Jungen noch bevorsteht.

Zu jener Zeit kam es durchaus vor, dass Väterchen Frost – wie sie ihn nannten, als wär’s ein guter Bekannter – zu Bußtag Einzug hielt und sich erst gegen Ende Februar wieder verabschiedete. Für die Kinder und Jugendlichen eine Freude, gewiss, denn was wissen die von den Beschwerden des Alters! Die Alten aber waren weniger begeistert, war ihre Bewegungsfreiheit doch recht eingeschränkt. Zu Fuß über die frostigen Straßen zum Nachbarn, zu Freunden, und abends zur Spinnstube zu pilgern wurde beschwerlicher. Ansonsten aber war man’s gewohnt, genoss auf seine Weise auch diese ruhige Zeit, in der die Natur ruht und der Mensch Zeit hätte zur Einkehr – hätte, sag ich, denn das Haben und das Tun sind zweierlei Ding.

Autos gab es damals nur wenige im Dorf, und der kleine Bulldog für die Landwirtschaft war eh eingemottet und wartete gemeinsam mit seinen Besitzern auf den Frühling. Das Bauernhaus, von dem ich berichten will, lag an der Chaussee, die den Ort ziemlich in der Mitte teilte. Wohnen, Arbeiten, Mensch und Vieh unter einem Dach – zu der Zeit ganz normal und auch recht so, denn wo der Bauer nicht bei seinem Vieh wohnt, da wohnt er auch nicht recht bei sich selbst.

Nun kamen an jenem Abend zwei Männer die Straße herauf. Der eine im mittleren Alter, der andere schon älter, beide ältlich, bieder, unauffällig – so wie Leute aussehen, die ihr Leben lang ihre Pflicht getan haben und dabei vergessen haben, dass Pflicht und Liebe manchmal zweierlei sind. Die Herren waren als Gemeindeälteste in wichtiger Funktion unterwegs, und wer da meint, es sei eine leichte Sache, über anderer Leute Seelenheil zu wachen, der irrt gewaltig.

„Gi du öschd“, sagte der ältere Herr mit der Halbglatze und ließ dem Gescheitelten den Vortritt.
Geh Du zuerst. Das war Höflichkeit, gewiss, aber vielleicht auch ein wenig Feigheit, denn was sie zu tun hatten, war keine angenehme Sache.

Der Gescheitelte öffnete die Haustüre. Eine Klingel gab es zu dieser Zeit noch nicht – man trat einfach ein, wie’s unter Nachbarn üblich war.

„Z äss imed komme“, stellte der Vater fest, ein älterer Mann, schon ein wenig kränklich, wie’s im Alter kommt, wenn die Last der Jahre schwer wird.
Es ist jemand gekommen.
„Wer wöd da ez noch komme? Im döre Zeid?“
Wer würde da jetzt noch kommen? In dieser Zeit?

Seine Frau, eine Frau jenseits der Vierzig mit gütigem Gesicht und schon ein wenig ergrautem dichtem Haar, strahlte Güte aus, Zuversicht, Verständnis. So sind manche Frauen, die viel erduldet und viel vergeben haben. Sie schwieg, wie’s ihre Art war, aber ihre Augen sahen, was kommen würde.

Die Herren traten ein. Ein wenig peinlich berührt kamen sie gleich zur Sache, denn wer unangenehme Dinge zu sagen hat, der sagt sie am besten kurz.

„Mer wolle de Bicher oblange.“
Wir wollen die Bücher abholen.

*“Welche Bicher?“* fragte der Ehemann, obwohl er’s wohl ahnte.
Welche Bücher?

„Ei de Gesongbicher ausm Vereinshaus.“
Nun, die Gesangbücher aus dem Vereinshaus.

„Worüm da?“
Weshalb denn?

Der Gescheitelte räusperte sich. „Du bäsd seid öwer em halwe Johr ned i der Körche gewesd. Onn id da Biwlstonn sch bole z ganze Johr ned.“
Du bist seit über einem halben Jahr nicht mehr in der Kirche gewesen. Und in der Bibelstunde warst du fast das ganze Jahr nicht.

Der Vater versuchte sich zu rechtfertigen, wie’s Menschen tun, wenn sie im Unrecht sind – oder meinen, im Recht zu sein: „Mer ho doch e Firma, onn die Landwirtschaft mächd sich och ned vom elä.“
Wir haben doch eine Firma, und die Landwirtschaft macht sich auch nicht von alleine.

Aber einer der Ältesten entgegnete streng: „Dos spield kä Roll ned. Anner Leire ho och viel zu du, onn säi trotzdem jeden Donetschdog im Vereinshaus.“
Das spielt keine Rolle. Andere Leute haben auch viel zu tun, und sind trotzdem jeden Donnerstag im Vereinshaus.

Und dann kam der Satz, der wie ein Richtspruch im Raum stand: „Es äss sowieso kein Stuhl fer dich do.“
Es ist sowieso kein Stuhl für dich da.

Kein Stuhl mehr. Was heißt das? Es heißt: Du gehörst nicht mehr dazu. Du bist ausgeschlossen. Die Gemeinschaft, in die du hineingeboren wurdest, will dich nicht mehr. Das ist hart, sehr hart, und wer’s nicht erlebt hat, der weiß nicht, wie schwer es wiegt.

Der Vater schwieg. Was hätte er auch sagen sollen? Er ging zum Küchenschrank, wo obenauf, neben anderen Papieren, zwei Gesangbücher lagen. Er händigte sie dem korrekt Gescheitelten aus und bemerkte nur kurz: „Dä.“
Da.

Die drei Ältesten nahmen die Bücher schweigend in Empfang. „Da genacht. Mei bere fer dich“, sagten sie und gingen.
Gute Nacht. Möge Wir betenfürDich – das sagten sie, aber ob Gott wirklich mit jemandem ist, wenn die Menschen ihn ausschließen, das ist eine andere Frage.

Die Mutter hatte die ganze Zeit geschwiegen, wie’s Frauen oft tun, wenn Männer ihre starren Regeln durchsetzen. Aber als die Haustür ins Schloss fiel, sagte sie betrübt: „Vadder äich ho dersch schoo immer gesod. Du gesd viel ze wing i de Stonn.“
Vater, ich habe es dir doch schon immer gesagt. Du gehst viel zu wenig zu den Stunden.

Der Vater, müde und verletzt: *“Lässt mich domed de Owed i rih.“*
Lass mich doch diesen Abend in Ruhe.


Nun könnte ich’s dabei bewenden lassen und den Leser mit seinen Gedanken allein lassen. Aber es gehört zur Wahrheit, dass man auch sagt, was aus den Menschen wurde, von denen man erzählt.

Der Winter kam, wie vorausgesagt, und legte sich schwer übers Land. Der Vater arbeitete weiter, wie er’s immer getan hatte – in der Firma, auf dem Hof, bei den Tieren. Die Arbeit wartete nicht, ob einer zur Kirche ging oder nicht. Man grüßte ihn noch auf der Straße, kaufte bei ihm, redete übers Wetter. Aber zu den Donnerstagabenden im Vereinshaus kam keine Einladung mehr.

Die Mutter ging weiterhin zur Bibelstunde, allein nun. Sie saß auf ihrem Platz, sang aus ihrem Gesangbuch. Die anderen Frauen nickten ihr zu, redeten mit ihr. Aber es war nicht mehr wie früher. Eine unsichtbare Wand war da.

Und der Stuhl im Vereinshaus? Der stand nicht mehr da. Man hatte ihn weggeräumt, Platz gemacht für andere. So war’s Brauch: Wer nicht kam, dessen Platz wurde vergeben.

Der Vater nahm’s hin. Er war nicht der erste, dem dies geschah, und würde nicht der letzte sein. Die Ordnung der Gemeinde war streng. Aber ob sie auch recht war, das steht auf einem anderen Blatt, und darüber mag jeder denken, wie er will.

„Sorget euch um nichts…“

„Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage
betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!“ (Phil 4,6)


Eine kurze Zusammenfassung:

In dieser Andacht teilt Pfarrerin Tatjana Frenzel des Nachbarschaftsraumes der evangelischen Kirchengemeinden  Breidebach ihre Gedanken über den Glauben in schwierigen Zeiten.

Sie beginnt mit einem Vers aus dem Philipperbrief, der dazu auffordert, sich keine Sorgen zu machen, sondern alles im Gebet vor Gott zu bringen . Tatjana Frenzel gibt zu, dass dies angesichts der aktuellen Weltlage nicht einfach ist .

Sie erzählt, wie sie sich an den Theologen Karl Barth erinnert, der in den 1930er Jahren die Gemeinden ermutigte, sich auf Christus und das Evangelium zu konzentrieren, unabhängig von den äußeren Umständen.

Karl Barth betonte, dass Gott treu ist und sich nichts ändert, wenn sich die Lage ändert

Trotz der Dunkelheit der Welt bleibt die Autorin optimistisch und betont die Wichtigkeit des Gebets als Verbindung zu Gott, um Trost und Unterstützung in schwierigen Zeiten zu finden.


Karl Barth Zitate


Tatjana Frenzel erinnert sich an einen Hoffnungssatz von Barth:

„Es wird regiert, von ganz oben her!“ 

Er ermutigt die Leser, ihre Sorgen im Gebet abzugeben und auf ein Zeichen Gottes zu warten .

Am Ende wünscht die Autorin den Lesern, dass sie ihre Sorgen loslassen und optimistisch in die Zukunft blicken können.


Die Andacht im Original mit freundlicher Genehmigung von Tatjana Frenzel


Liebe Hinterländer Christen


Liebe Hinterländer Christen Teil 2


Liebe Hinterländer Christen Teil 3


Bunt wie das Leben

Warum ich blogge

Bunt wie das Leben

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Inklusion ist machbar Frau Nachbar
Lebenslauf
Sapere aude – Lerne zu denken

Liebe Hinterländer Christen Teil 2

Aus aktuellem Anlass melde ich mich erneut

Dies ist ein Blogbeitrag der allein meine eigene Meinung abbildet. Mein ehrenamtliches kirchliches Engagement ist davon ausdrücklich ausgenommen.

Wer fromm ist muss auch politisch sein:
So wie bei Bonhoeffer lassen sich die Aufgaben der Kirche gegenüber Staat und Öffentlichkeit auch heute zusammenfassen. 

Die erste von Bonhoeffer genannte Aufgabe verstehen wir heute als Kultur der Einmischung. Wenn die Kirchen mit Denkschriften in die demokratische Zivilgesellschaft hineinsprechen, dann geht es genau um das, was Bonhoeffer als „Verantwortlichmachung des Staates“ bezeichnete. 


Die zweite Aufgabe, der diakonische Dienst an den Bedürftigen, bleibt ohnehin. Dass er heute geleistet wird, zeigt sich, wenn etwa Gemeinden mit großer öffentlicher Zustimmung für den Schutz von Flüchtlingen eintreten. 
Und die dritte Aufgabe? Was heißt dem Rad in die Speichen fallen? Für Bonhoeffer rückte dies zunehmend ins Zentrum seines Denkens und Handelns. Dass der Imperativ keineswegs nur in der Diktatur gilt, sondern auch in demokratischen Gesellschaften eine Option sein kann, zeigte schon in den frühen achtziger Jahren die Diskussion um gewaltfreien zivilen Ungehorsam gegen die Stationierung von Massenvernichtungswaffen… .

Zum Schluss ein Zitat von D. Bonhoeffer

Allein weil Gott ein armer, elender, unbekannter, erfolgloser Mensch wurde, und weil Gott sich von nun an allein in dieser Armut, im Kreuz, finden lassen will, darum kommen wir von dem Menschen und von der Welt nicht los, darum lieben wir die Brüder.“

Liebe Hinterländer Christen


Gerne würde ich das Thema mit Euch weiter diskutieren.

Geschwisterliche Grüße sendet Euch
Armin Herzberger 

Psalm 8 „Mensch gedenke des Menschen“

Mensch gedenke des Menschen“
Jährliches Seminar mit Student: innen der #UniversitätSiegen“ in der Mordanstalt Hadamar
„Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch “ Brecht

Innerhalb von 7 Monaten wurden hier mehr als 10.000 behinderte Menschen vergast.

Im Bildhintergrund der rauchende Schornstein des Verbrennungsofens.

Der Verbrennungsofen war während dieser Zeit 24 Stunden in Betrieb.

Anwohner beschwerten sich über die „Geruchsbelästigung“


Aktion Marburger Stolpersteine – Gegen das Vergessen 

am 22.08.25



Wo habt Ihr uns hingebracht?

An der Seite von Israel

Niemals dürfen wir vergessen, wie dieser Krieg an einem Samstagmorgen begann. An einem Samstag, an dem so viele
Juden ermordet wurden, wie an keinem Tag seit der Schoa“

Zentralrat der Juden in Deutschland

https://www.juedische-allgemeine.de/politik/zentralrat-der-juden-fordert-klare-konsequenzen-fuer-hamas/