Gott lässt sich nicht einmauern


Dies ist ein Blogbeitrag, der allein meine eigene Meinung abbildet.

Ich habe den Text von Pfarrer Hellenschmidt (Rip) im Reisedienst gelesen. Mehrmals. Und ich merke, wie er mich nicht loslässt – nicht weil er mich überzeugt, sondern weil er mich beunruhigt. Nicht theologisch. Menschlich.

Ich war lange genug dabei. 35 Jahre Lebenshilfe, Jahrzehnte in Gemeinden, Kirchenvorstand, Schöffe. Ich kenne Menschen, die anders glauben als ich. Muslimische Eltern, die ihre Kinder mit Behinderung durch ein System begleiten, das ihnen fremd ist. Jüdische Kolleginnen, die Inklusion als religiöse Pflicht verstehen – Tzedakah, Gerechtigkeit. Ich habe mit ihnen gearbeitet, gestritten, gefeiert. Ich habe in ihnen Gottes Handeln gesehen. Hellenschmidts Artikel macht das unmöglich.

Er schreibt: Gott ist in seinem Wesen nicht interreligiös. Klar, unmissverständlich, endgültig. Das 1. Gebot als Sperrriegel. Jesus als Entweder-Oder. Wer nicht durch ihn, geht nicht durch.

Ich nehme das ernst. Ich nehme das Erste Gebot ernst. Aber ich lese es anders.“

Barth hat mich gelehrt: Gottes Freiheit lässt sich nicht einmauern.
Karl Barth, auf den sich die konservative Theologie so gerne beruft, hat zeitlebens betont: Gott ist der ganz Andere. Das heißt auch – er ist nicht in unsere theologischen Systeme einzusperren. Nicht einmal in unsere Exklusivitätsformeln. Barths Nein zur natürlichen Theologie war kein Nein zum Dialog, sondern ein Nein zu menschlicher Selbstvergewisserung. Genau das, was Hellenschmidts Artikel betreibt: Er vergewissert sich seiner Wahrheit – und nennt es Gehorsam.“

Bonhoeffer hat mich gelehrt: Wer für die anderen nicht da ist, ist für Christus nicht da.
Bonhoeffer schrieb aus dem Gefängnis, in einer Welt, die in Trümmer fiel. Er fragte, wer Christus heute für uns ist. Nicht abstrakt. Sondern: Wo ist er? Und seine Antwort war immer konkret, menschlich, randständig. Der Christus, den Bonhoeffer kannte, stand nicht auf der Seite der Gewissheiten. Er stand auf der Seite der Angefochtenen, der Ausgegrenzten, der Anderen.

Wenn ich heute mit einem muslimischen Vater spreche, dessen Kind endlich einen Platz in einer inklusiven Schule bekommt – dann erlebe ich etwas. Ich nenne es Gnade. Ich weiß nicht, wie er es nennt. Aber ich weigere mich, das theologisch zu verwalten.“

Judenmission: Wo diese Theologie hinführt
Hellenschmidt schreibt, der ‚Ruf zur Umkehr gilt auch den Religionen.‘ Er meint das allgemein. Aber ich höre dahinter etwas Konkretes, das ich nicht verschweigen kann: die Judenmission.

Die Idee, dass Jüdinnen und Juden durch Christus gerettet werden müssen – dass ihr Glaube, ihr Bund, ihre Jahrtausende alte Treue zur Tora ungenügend sind – diese Idee hat eine Geschichte. Und diese Geschichte ist dunkel. Sie hat Pogrome theologisch vorbereitet. Sie hat Menschen, die anders glauben, zu Objekten der Bekehrung gemacht statt zu Geschwistern im Gespräch.

Die evangelische Kirche hat nach 1945 – langsam, schmerzhaft, nicht vollständig – gelernt, Jüdinnen und Juden nicht als Missionsfeld zu betrachten, sondern als den älteren Zweig am selben Baum. Das war kein Verrat am Evangelium. Das war Umkehr. Echte Umkehr. Dass Texte wie der von Hellenschmidt diesen Lernprozess wieder rückgängig machen wollen, macht mir Sorgen.“

Evangelikalismus: Gewissheit als Versuchung
Ich kenne das evangelikale Milieu von innen. Ich habe Menschen erlebt, deren Glaube trägt, die in Krisen standhaft sind, die anderen helfen. Das ist real und verdient Respekt.

Aber ich kenne auch die Kehrseite: die Gewissheit, die keine Fragen mehr duldet. Das Bekenntnis als Schutzwall. Die Gemeinde als geschlossener Kreis, in dem Andersglaubende nicht vorkommen – außer als Missionsobjekte. Hellenschmidts Ton gehört in dieses Milieu. Er klagt, dass ‚von der Kirche keine Weisungen ausgehen.“ Er vermisst Eindeutigkeit. Er leidet unter Pluralismus.

Ich nicht. Ich halte Pluralismus für eine theologische Herausforderung, nicht für eine Bedrohung. Der Glaube, der keine Anfechtung kennt, ist kein Glaube. Er ist Ideologie. Und Ideologie – das hat Bonhoeffer gewusst – macht blind.“

Fünfzig Jahre CVJM – was mich geformt hat, und was nicht
Ich unterschreibe diesen Text mit meinem Namen: Armin Herzberger. Das tue ich bewusst. Denn was ich jetzt schreibe, kommt von innen.

Ich war fünfzig Jahre Mitglied im CVJM Oberdieten. Fünfzig Jahre. Das ist keine Distanz. Das ist Biografie.

Vieles war gut. Die Gemeinschaft. Das Singen. Die Verlässlichkeit. Menschen, die füreinander da waren. Ein Glaube, der getragen hat – in echten Krisen, in echten Nächten. Das gehört zu mir. Das nehme ich nicht zurück.

Aber manches war nicht gut.

Ich habe Menschen erlebt, die in diesem Milieu groß geworden sind und deren Leben sich dabei immer enger gezogen hat. Menschen, die labil waren, die Halt suchten – und die statt Halt eine Enge bekamen. Klare Grenzen, klare Antworten, klare Gemeinschaft. Das fühlt sich sicher an. Aber es kann auch einengen. Es kann krank machen.

Einige sind krank geworden. Das sage ich nicht leichtfertig. Ich sage es, weil es wahr ist. Und weil es gesagt werden muss.

Der Glaube, der keine Fragen duldet, tut Menschen nicht gut, die ohnehin schon mit sich ringen. Er gibt ihnen keine Freiheit. Er gibt ihnen eine weitere Last.

Das darf nicht sein.

Ich schreibe das nicht, um abzurechnen. Ich schreibe es, weil Pfarrer Hellenschmidt genau diese Art von Gewissheit vertritt – die Gewissheit, die keine Lücke lässt. Und weil ich aus fünfzig Jahren weiß, was diese Gewissheit mit Menschen machen kann.

Quer: Was mich an diesem Text wirklich stört
Es ist nicht die Treue zum Bekenntnis. Die respektiere ich. Es ist der Ton. Der Text spricht von ‚fadenscheinigem Gerede“, von ‚religiösen Maskeraden“, von ‚Tummelplatz der Götzen“. Das ist keine Theologie mehr. Das ist Polemik. Und Polemik in Glaubensfragen hat eine Geschichte in diesem Land, die ich nicht vergessen kann und nicht vergessen darf.

Das ‚House of One“ in Berlin – ein Gebäude, in dem Christen, Juden und Muslime zusammen einen Raum teilen – wird hier als Angriff auf das Erste Gebot dargestellt. Ich sehe es anders: als ein Zeichen, dass Menschen in einer pluralen Gesellschaft nicht aufhören wollen, Gott zu suchen. Das verdient Respekt, kein Bannwort.

Was mich am meisten beunruhigt: Dieser Text erscheint in einem Reisedienst, der in Gemeinden geht. Er wird gelesen. Er wird diskutiert. Er formt. Und er formt in eine Richtung, die ich für gefährlich halte – nicht weil sie fromm ist, sondern weil sie Frömmigkeit mit Ausgrenzung verwechselt.“

Ich bleibe Christ. Bekennender, zweifelnder, suchender Christ.
Ich glaube, dass Jesus Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Aber ich glaube das nicht so, dass es mich blind macht für das Licht, das anderswo leuchtet. Die Reformatoren wussten: die Kirche bleibt lernfähig. Auch gegenüber dem, was Gott außerhalb ihrer Mauern tut.

Pfarrer Hellenschmidt fragt: Ist Gott interreligiös?

Meine Antwort: Ich weiß es nicht. Aber ich bin sicher, dass ein Gott, der sich in einem palästinensischen Flüchtlingskind offenbart hat, größer ist als alle meine Antworten auf diese Frage.


In leichter Sprache

Gott lässt sich nicht einmauern

Ein Pfarrer hat einen Text geschrieben.
Sein Name ist Hansfrieder Hellenschmidt.
Der Text geht in viele Gemeinden.

Der Pfarrer sagt:
Nur Jesus führt zu Gott.
Andere Religionen liegen falsch.
Wer nicht an Jesus glaubt, ist verloren.
Das Gespräch mit anderen Religionen ist gefährlich.

Ich sehe das anders.
Ich will erklären, warum.

Was ich erlebt habe
Ich habe viele Jahre mit Menschen gearbeitet.
Mit Menschen mit Behinderung.
Und mit ihren Familien.

Manche Familien beten in einer Moschee.
Manche beten in einer Synagoge.
Manche beten gar nicht.

Ich habe mit diesen Menschen gearbeitet.
Ich habe mit ihnen gestritten.
Ich habe mit ihnen gefeiert.

Und ich habe etwas erlebt:
In diesen Menschen war Güte.
Menschlichkeit.
Gerechtigkeit.

Ich nenne das Gnade.
Gottes Gnade.
Auch wenn diese Menschen keine Christen sind.

Was die Bibel sagt – anders gelesen
Der Pfarrer sagt: Die Bibel ist eindeutig.
Nur Christus rettet.

Aber die Bibel sagt auch anderes.

Die Propheten haben immer wieder gesagt:
Gott steht auf der Seite der Armen.
Gott steht auf der Seite der Menschen ohne Macht.
Nicht auf der Seite derer, die alles besser wissen.

Das haben Amos, Micha und Jesus gesagt.

Jesus hat nicht gefragt: Was glaubst du?
Jesus hat gefragt: Was tust du?
Hast du den Hungrigen gespeist?
Den Fremden aufgenommen?
Den Kranken besucht?

Das steht in Matthäus 25.
Das ist auch Bibel.

Was Dietrich Bonhoeffer gesagt hat
Dietrich Bonhoeffer war ein Theologe.
Er hat gegen Hitler gekämpft.
Er wurde dafür getötet.

Bonhoeffer hat aus dem Gefängnis geschrieben.
Er hat gefragt:
Wer ist Christus heute für uns?

Seine Antwort war:
Christus ist bei den Leidenden.
Bei den Menschen, die niemand haben will.

Bonhoeffer hat nicht gefragt:
Sind diese Menschen Christen?
Er hat gefragt:
Sind wir für sie da?

Wer für andere da ist, ist für Christus da.
Das glaube ich auch.

Was Karl Barth gesagt hat
Karl Barth war ein großer Theologe.

Barth hat gesagt:
Gott ist frei.
Gott lässt sich nicht einsperren.
Nicht in unsere Worte.
Nicht in unsere Kirchen.
Nicht in unsere Sicherheiten.

Wer sagt: Ich weiß genau, was Gott tut –
der macht sich selbst zu Gott.
Das ist das Gegenteil von Glauben.

Das Thema: Juden bekehren wollen
Der Pfarrer schreibt:
Auch Juden müssen zu Jesus kommen.

Ich muss hier deutlich werden.

Jahrhundertelang hat die Kirche Juden schlecht behandelt.
Sie hat gesagt: Ihr glaubt falsch.
Ihr müsst bekehrt werden.

Das hat zu Verfolgung geführt.
Zu großem Leid.
Zum Mord an Millionen von Juden.

Nach 1945 hat die evangelische Kirche langsam gelernt:
Juden sind unsere Geschwister.
Gott hat seinen Bund mit ihnen nicht aufgekündigt.

Das war keine Abkehr vom Glauben.
Das war echte Umkehr.

Dieser Lernprozess darf nicht rückgängig gemacht werden.

50 Jahre CVJM – meine eigene Geschichte
Ich heiße Armin Herzberger.
Ich schreibe das mit meinem vollen Namen.
Denn was ich jetzt sage, kommt von innen.

Ich war 50 Jahre Mitglied im CVJM Oberdieten.
Das ist ein christlicher Jugend-Verband.

Vieles war gut.
Die Gemeinschaft.
Das Singen.
Menschen, die füreinander da waren.
Das hat mich geprägt.
Das nehme ich nicht zurück.

Aber manches war nicht gut.

Ich habe Menschen erlebt,
die Halt gesucht haben.
Die labil waren.
Die Sicherheit brauchten.

Sie haben im CVJM klare Antworten bekommen.
Klare Regeln.
Klare Grenzen.

Das hat sich gut angefühlt.
Aber es hat ihr Leben eingegrenzt.

Einige sind krank geworden.
Das sage ich nicht leichtfertig.
Ich sage es, weil es wahr ist.
Und weil es gesagt werden muss.

Das darf nicht sein.

Ich schreibe das nicht aus Wut.
Ich schreibe es, weil Pfarrer Hellenschmidt
genau diese Art von Glauben vertritt.
Einen Glauben ohne Fragen.
Einen Glauben ohne Lücken.

Ich weiß aus 50 Jahren:
Das tut Menschen nicht gut.

Was mich besorgt
Der Text des Pfarrers klingt sehr sicher.
Er lässt keine Fragen zu.

Aber ein Glaube ohne Fragen ist kein Glaube.
Er ist blinder Gehorsam.

In Berlin soll ein Haus gebaut werden.
Christen, Juden und Muslime sollen dort beten können.
Das Haus heißt: Das Haus des Einen.

Der Pfarrer nennt das einen Angriff auf Gott.
Ich nenne es ein Zeichen der Hoffnung.

Was Gott von uns will
Ich glaube nicht, dass Gott Mauern will.
Ich glaube nicht, dass Gott Ausgrenzung will.

Ich glaube:
Gott will Gerechtigkeit.
Gott will Güte.
Gott will, dass wir aufeinander zugehen.

Das steht bei Micha.
Das steht bei Jesus.
Das steht bei Bonhoeffer.

Meine Antwort
Pfarrer Hellenschmidt fragt:
Ist Gott nur für Christen?

Ich weiß es nicht genau.

Aber ich weiß:
Der Gott, der als Kind in einer Krippe lag,
der mit Armen gegessen hat,
der für Ausgestoßene gestorben ist –
dieser Gott ist größer als alle meine Antworten.

Ich bleibe Christ.
Ich zweifle.
Ich suche.

Und ich weigere mich,
im Namen dieses Glaubens
Menschen auszugrenzen.

Armin Herzberger im März 2026


Willkommen

Willkommen – und das meinen wir ernst
Was ist der CVJM?
CVJM ist eine Abkürzung.
Der lange Name ist: Christlicher Verein Junger Menschen.
Der CVJM ist ein christlicher Jugend-Verband.
Es gibt ihn in vielen Städten und Dörfern in Deutschland.

Den ersten CVJM gab es 1844 in London.
Damals kamen viele junge Menschen in die große Stadt.
Sie kannten dort niemanden.
Sie suchten eine Heimat.
Der CVJM wollte diese Heimat geben.

Diese Idee ist wunderbar.
Und sie gilt heute noch.

Ein wichtiges Papier
Im Jahr 2022 hat der CVJM etwas Wichtiges aufgeschrieben.
Das Papier heißt:
Willkommenskultur im CVJM.

Darin steht:

Alle Menschen sind willkommen.
Egal, woher jemand kommt.
Egal, ob jemand eine Behinderung hat.
Egal, welche Religion jemand hat.
Egal, wen jemand liebt.

Außerdem steht im Papier:

Der CVJM kämpft gegen Diskriminierung.
Diskriminierung heißt: jemanden schlechter behandeln, weil er anders ist.
Der CVJM fördert Inklusion. Inklusion heißt: alle können mitmachen.
Der CVJM will immer weiter dazulernen.

Das ist mutig.
Das ist ein gutes Zeichen.

Was bedeutet das in der Praxis?
Ein Papier ist ein guter Anfang.
Das Leben zeigt, wie es weitergeht.

Willkommen sein bedeutet mehr als:
„Du darfst kommen.“

Es bedeutet auch:

Deine Stimme zählt.
Wir fragen dich, was du brauchst.
Du kannst auch Leitung übernehmen.

Das ist ein Weg.
Kein CVJM-Ortsverein geht ihn von heute auf morgen.
Aber der CVJM hat selbst gesagt: Wir wollen lernen.
Das ist eine gute Grundlage.

Eine Frage, die hilft
Es gibt eine Frage, die Gruppen weiterbringt:

Wessen Stimme fehlt bei uns noch?

Vielleicht die Stimme von Menschen mit Behinderung.
Vielleicht die Stimme von Menschen aus anderen Ländern.
Vielleicht die Stimme von Menschen,
die sich bisher nicht getraut haben.

Diese Frage ist kein Vorwurf.
Sie ist eine Einladung.
Eine Einladung, noch offener zu werden.

Was die Bibel dazu sagt
Paulus hat einmal geschrieben:

Es gibt nicht Jude und Grieche, nicht Sklave und Freier, nicht Mann und Frau. Ihr seid alle eins in Christus Jesus.  (Galater 3,28)

Das ist kein frommer Wunsch.
Das ist eine Beschreibung.
Eine Gemeinschaft, die immer wieder neu anfängt.
Eine Gemeinschaft, die dazulernt.

Genau das hat der CVJM beschlossen.
Ich freue mich darauf, wie dieser Weg weitergeht.

Armin Herzberger
arminherzberger.com

Ist Gott treu?

Gott ist treu
Andacht in Leichter Sprache
Allianz-Gebetswoche 2026 – Abschlussgottesdienst
08. März 2026

1. Gott ist nicht neutral
Mein Mund erzählt jeden Tag von Gottes Hilfe. – Psalm 71,15

Begleitheft AGW 2026:
„Treue-Botschafter sollen und dürfen wir sein. Durch unser Leben in erster Linie, aber auch durch das mündliche Zeugnis.“

Das stimmt.
Aber: Treue zu wem?

Gott ist nicht neutral.
Mose befreit die Sklaven.
Die Propheten kämpfen für Arme.
Maria singt: Gott stürzt die Mächtigen vom Thron.

Gottes Treue gilt den Unterdrückten.
Das ist unsere Botschaft.
Vgl. arminherzberger.com: „Gott ist kein Eigentum“
2. Vom Stuhl zum Tisch
Die Liebe von Jesus drängt uns. – 2. Korinther 5,14

Begleitheft AGW 2026:
„Wie erlebe ich konkret Zeichen von Gottes Treue? Wie kann ich mutiger werden, die Botschaft weiterzugeben?“

Eine konkrete Antwort:

Manche Menschen hören:
„Für dich ist kein Stuhl mehr da.“

Gottes Treue sagt das Gegenteil:
Du gehörst dazu.
Es ist Platz für dich.

Am Netphener Tisch sehen wir das:
Menschen mit Behinderung decken selbst den Tisch.
Sie sind nicht nur Empfänger.
Sie geben.
Das ist Gottes Treue – sichtbar.
Vgl. arminherzberger.com: „Vom weggenommenen Stuhl zum gedeckten Tisch“
3. Unsere Botschaft: Die Welt kann anders sein
Geht in die Welt. Ich bin bei euch – jeden Tag. – Matthäus 28,19-20

Begleitheft AGW 2026:
„Regelmäßige Fürbitte ist ein starker Ausdruck von Treue: Wofür willst du immer wieder beten?“

Ja – und mehr als beten.

Kirche von unten bedeutet:
Wir fangen selbst an.
Wir stehen auf für andere.
Wir schweigen nicht.

Denn: Schweigen macht schuldig.
(Bonhoeffer)

Das ist unsere Botschaft für die Welt.
Vgl. arminherzberger.com: „Kirche von unten – braucht Mut“

Gebet

Gott,
du hast die Welt nicht so gewollt, wie sie ist.

Du willst, dass alle satt werden.
Du willst, dass alle Würde haben.
Du willst, dass Tische gedeckt werden – für alle.

Mach uns zu Zeugen deiner Treue.
Nicht nur im Gebet.
Sondern im Aufstehen.
Im Nicht-Schweigen.

Du bist treu.
Hilf uns, es auch zu sein.

Amen.

Paulus und Israel

Worthaus 13 – Tübingen:

8. Juni 2025 von Prof. Dr. Kathy Ehrensperger


Irgendetwas ist in Rom passiert. Wir wissen nicht genau was, aber Paulus musste intervenieren, die Sache klären und entschuldigte sich gleichzeitig dafür, dass er noch immer nicht dort gewesen war, in der Hauptstadt des Reiches, bei den Juden, die dank ihm an Jesus als den Messias glaubten.


Er schreibt einen seiner berühmtesten Briefe, der später Geschichte gemacht hat.

Kathy Ehrensperger führt durch diesen Brief wie durch ein Gespräch, das entscheidende Fragen klären muss.

Wie ist das Verhältnis zwischen Gott, Israel und den Völkern, die Christus nachfolgen?

Warum wurde Israel von Gott auserwählt?

Was hat es mit den Nicht-Juden auf sich, die plötzlich einem jüdischen Wanderprediger aus der Provinz anhingen?

Und wenn Jesus der Messias ist, warum folgen dann nicht alle Juden Seinem Ruf?

Paulus und Israel: Ein theologischer Dialog im Römerbrief | 15.6.2

Der Stoß

Der Stoß
Eine Klippdachsland-Geschichte über Frömmigkeit und Gewalt


Für U
Es gibt Erinnerungen, die verblassen mit den Jahren. Und es gibt solche, die bleiben. Die sich einbrennen. Die einen nicht loslassen, auch nach Jahrzehnten nicht.
Die „Alte Versammlung“ gehört zu den Erinnerungen, die geblieben sind.



Die Männer mit der verdrießlichen Miene
Es gab sie in jedem Dorf im Klippdachsland. Ältere Herren, immer im dunklen Anzug, immer mit dieser Miene. Verdrießlich. Mürrisch. Als würde ihnen das Leben schwer auf den Schultern lasten.
Sie gehörten zur „Alten Versammlung“. So nannten sich die Darbisten im Klippdachsland. Fromme Leute. Sehr fromme Leute. So fromm, dass sie sich von allen anderen absonderten.
Die lutherische Kirche im Dorf? Abgefallen. Verweltlicht. Verloren.
Die katholische Kirche sowieso? Der Papst war für sie der Antichrist höchstpersönlich.
Nur sie, die kleine Schar der „Alten Versammlung“, hatten die reine Lehre bewahrt. Nur sie würden gerettet werden, wenn Christus wiederkam. Und das konnte jeden Tag geschehen.
Deshalb die verdrießliche Miene. Wer ständig das Ende der Welt erwartet, dem vergeht das Lachen.
Man wartet. Man sondert sich ab. Man züchtigt seine Kinder.



Sonntags im Versammlungsraum
Sonntags trafen sie sich. Nicht in der Kirche – Gott bewahre! Sie trafen sich in einem schlichten Raum. Weiß getüncht, kahl, schmucklos. In der Mitte ein Tisch mit einem weißen Tuch. Darauf Brot und Wein. Mehr nicht.
Die Männer saßen vorne. Anzug, Krawatte, Scheitel. Die Frauen hinten, mit Kopftuch. Sie schwiegen. Das war ihre Rolle. Schweigen, gehorchen, dienen.
Wenn der Geist jemanden ergriff – immer einen Mann, versteht sich –, dann stand der auf und sprach. Ihre Reden waren trocken. Voller Bibelstellen. Sie warnten vor der Welt. Sie mahnten zur Zucht.
Zucht. Das war ihr Lieblingswort.
„Wer sein Kind liebt, der züchtigt es.“ Sprüche 13, Vers 24. Die Bibel sage es. Also müsse es wahr sein.



Die Kinder, die prügelten
Es gab Kinder im Klippdachsland, vor denen man sich fürchtete. Nicht weil sie größer waren. Nicht weil sie älter waren. Sondern weil sie anders waren.
Sie prügelten nicht aus Lust. Sie prügelten mit System. Mit einer Kälte, die erschreckte.
Es waren Kinder aus der „Alten Versammlung“.
Sie hatten gelernt: Wer schwach ist, verdient Zucht. Wer anders ist, verdient Strafe. Wer nicht gehorcht, verdient den Schlag.
Sie hatten es zu Hause gelernt. Jetzt gaben sie weiter, was man ihnen beigebracht hatte.
Gewalt, die empfangen wird, wird weitergegeben. Das ist so alt wie die Menschheit.



Der Zappelphilipp
Es gab einen Jungen, den nannten alle so. Er konnte nicht stillsitzen. Er konnte nicht still sein. Er zuckte und zappelte und störte.
Für die „Alte Versammlung“ war das keine Krankheit. Das war Sünde. Das war Aufruhr gegen Gott und die Ordnung.
Er wurde gezüchtigt. Immer wieder. Zu Hause. Im Versammlungsraum. Vor allen.
Es half nichts. Es konnte nicht helfen. Weil er krank war, nicht böse.
Aber das wussten sie nicht. Oder sie wollten es nicht wissen.



Das Mädchen mit den schönen Augen
Und dann war da das Mädchen mit den schönen Augen.
Uli hieß sie. Ein stilles Kind. Ein gutes Kind. Ein Kind, das niemandem etwas zuleide tat.
Sie wuchs auf in der „Alten Versammlung“. Hörte die Predigten. Lernte die Bibelstellen. Fürchtete den Zorn Gottes.
Und sie war anders. In einer Weise, die die Frommen beunruhigte.
Es gab einen Stoß. Wann genau – niemand weiß es mehr. Was genau – niemand will es mehr sagen.
Vielleicht war es ein Schlag. Vielleicht eine Demütigung. Vielleicht ein Moment, in dem etwas in ihr zerbrach.
Danach war sie nicht mehr dieselbe.
Die Stimmen kamen. Stimmen, die ihr sagten:
Ich bin schlecht.
Ich bin vom Teufel besessen.
Ich lebe in der Hölle.
Die religiöse Verdammung wurde zur Überzeugung. Die Überzeugung wurde zur Krankheit. Die Krankheit wurde zu ihrem Leben.
Seit Jahrzehnten lebt sie im Wohnheim.



Darby und Sölle
Es gab einen Mann namens John Nelson Darby. Ein englischer Prediger des 19. Jahrhunderts. Er lehrte Absonderung. Reinheit. Rückzug aus der Welt.
Darby fragte: Wie können wir uns von der bösen Welt absondern?
Dorothee Sölle fragte: Wie können wir Gottes Reich jetzt verwirklichen?
Das ist der Unterschied. Der entscheidende.
Sölle kämpfte für Unterdrückte und bejahte den Körper.
Die Darbisten schlugen ihre Kinder und verdammten den Körper.
Was als Frömmigkeit begann, wurde zur Gewalt.



Kirche von unten – aber richtig
Es gibt heute viele, die von „Kirche von unten“ reden. Kreise, die frommer und strenger und enger werden.
Ich warne davor.
Nicht jede Bewegung, die sich „von unten“ nennt, befreit. Manche schafft neue Opfer.
Die „Alte Versammlung“ war Kirche von unten. Klein. Fromm. Entschieden. Und sie hat Kinder geschlagen, Frauen zum Schweigen gebracht, Seelen zerbrochen.
Das ist nicht die Kirche Jesu Christi.
Kirche von unten – aber richtig – das bedeutet: Befreiung statt Bindung. Heilung statt Schlagen. Ja zum Körper. Begleitung der Kranken statt Verdammung.



Die besorgten Geschwister
Uli wird besucht.
Von besorgten Gemeindemitgliedern. Geschwistern, die gelernt haben. Die umgekehrt sind.
Sie kommen. Sie sitzen an ihrem Bett. Sie halten ihre Hand.
Leider ist sie nun nicht mehr zu erreichen. Die Krankheit hat sie zu tief geholt.
Aber Gott behütet sie. Nicht der Gott der Strafe. Sondern der Gott der Gnade.
Und die besorgten Geschwister?
Sie schlagen nicht. Sie trösten.



Trotz allem
Und wenn ich an das Mädchen mit den schönen Augen denke,
an die Hölle, in der sie lebt,
an die Stimmen, die ihr sagen: Du bist vom Teufel besessen,
dann bete ich:

Herr, erbarme dich.
Nicht über sie.
Sondern über die, die ihr diese Hölle eingeredet haben.

Und segne die, die jetzt bei ihr sind.
Die besorgten Geschwister.
Die gelernt haben.
Die da sind.
Trotz allem.



Armin Herzberger
Klippdachsland, Februar 2026



Diese Geschichte ist wahr. Die Namen wurden geändert. Die Narben sind echt.

Das Mädchen lebt noch. Seit Jahrzehnten im Wohnheim.
Sie wird besucht. Von besorgten Geschwistern. Die gelernt haben.
Leider ist sie nun nicht mehr zu erreichen. Die Krankheit hat sie zu tief geholt.
Aber Gott behütet sie. Nicht der Gott der Strafe. Sondern der Gott der Gnade.

Trotz allem.

Und die Mahnung bleibt: Kirche, die nicht befreit, die den Körper verdammt, die Menschen in Höllen stößt – ist nicht die Kirche Jesu Christi.
Aber Kirche kann lernen. Kann umkehren. Kann lieben.
Trotz allem.

„Suchet der Stadt Bestes „

Eine Weggeschichte


„Es ist kein Stuhl mehr für dich da“

Dieser Satz aus meiner Kindheit sitzt noch heute. Ein trüber Novemberabend, zwei Gemeindeälteste an der Haustür. Sie kamen, um die Gesangbücher abzuholen.

„Du warst seit über einem halben Jahr nicht mehr im Gottesdienst. In der Bibelstunde fast ein ganzes Jahr nicht. Andere Leute haben auch viel zu tun. Es ist sowieso kein Stuhl für dich da.“

Schweigend nahmen sie die Bücher mit. Fertig.

Die Botschaft kam an: Wer nicht mitmacht, fliegt raus. Dein Platz ist weg.

So wurde Glaube für mich etwas Bedrohliches. Die Bibel als Druckmittel. Gemeinde als Kontrollsystem. Angst statt Hoffnung.

Dann hab ich angefangen nachzudenken

Das war vor einiger Zeit. Durch meine Arbeit im Kirchenvorstand. Durch die lebensbedrohliche Erkrankung meiner Frau.

Ich hatte Gespräche mit einer Pfarrerin. Sie las die Bibel anders. Sie stellte andere Fragen.

Sie erzählte Geschichten. Sinnstiftende Geschichten.

Nicht als Drohung. Nicht als Kontrolle. Sondern als Geschichten, die Leben deuten. Die Hoffnung machen. Die zeigen: Du bist nicht allein.

Das hat mich tief berührt.

Sie fragte zum Beispiel beim barmherzigen Samariter: „Warum liegt der Mann überhaupt halb tot am Straßenrand? Wer profitiert davon?“ Plötzlich ging’s nicht mehr nur um individuelle Hilfe, sondern um Strukturen, die Menschen zu Opfern machen.

Sie ist jetzt nicht mehr da. Vergessen werd ich sie nicht.

Am Anfang dachte ich: Das kann nicht stimmen. Gott ist doch neutral.

Aber dann hab ich die Geschichten nochmal gelesen – und erkannt:

Gott ist nicht neutral. Im Gegenteil.

Der Exodus: Gott befreit Sklaven. Nicht weil sie fromm waren. Sondern weil Sklaverei falsch ist.

Jesus war Jude. Er war nicht nur bei den Ältesten, sondern vor allem bei den Ausgestoßenen. Bei denen, für die „kein Stuhl da war“. Beides gehört zusammen. Davon lernen wir untereinander.

Die Bergpredigt: „Selig sind die Armen“ – keine Vertröstung. Sondern eine Kampfansage: Die jetzige Ordnung ist falsch.

Nach und nach hab ich verstanden: Die Bibel erzählt keine Geschichten über brave Kirchgänger. Sie erzählt von Leuten, die sich gegen Unterdrückung wehren.

Das hat was mit mir gemacht?

Ich hab angefangen, anders zu denken. Über die Jahre damals. Über die Angst. Über das, was man mir beigebracht hatte.

Manchmal kam Wut hoch. Auf die Gemeindeältesten von damals. Auf ein System, das aus Gott einen Kontrolleur macht.

Aber auch: Erleichterung. Eine Last fiel ab. Ich musste nicht mehr gut genug sein. Musste mich nicht mehr rechtfertigen.

Und dann: Hoffnung. Wenn die Bibel wirklich von Befreiung erzählt, dann ist Veränderung möglich. Dann muss es nicht so bleiben, wie es ist.

Was ich verstanden habe:

Gott steht nicht über allem – er hat sich für eine Seite entschieden. Auf der Seite derer, die unten sind. Das ist Politik. Und Frömmigkeit. Beides gehört zusammen.

Jesus war beides: Seelsorger und Störenfried. Er hat sich um Menschen gekümmert UND die Mächtigen konfrontiert. Er hat geheilt UND die religiöse Elite herausgefordert. „Selig sind die Armen“ ist Tröstung UND Kampfansage zugleich.

Gemeinde kann anders sein. Nicht: Wer hat die Macht? Sondern: Wie stärken wir uns gegenseitig? Nicht Leistung als Maßstab, sondern Gerechtigkeit.

Der Weg zählt, nicht das Ankommen. Die Bibel ist voll von Weggeschichten. Es geht ums Unterwegssein. Wie wir miteinander umgehen. Ob wir niemanden zurücklassen.

Was das praktisch bedeutet:

Bei den „Möglichkeitsdenkern“ der Lebenshilfe.

Ich arbeite mit Menschen, die Unterstützung brauchen. Wir fragen nicht: „Was können die nicht?“ Sondern: „Was können die?“

Menschen, die jahrelang nur „betreut“ wurden, organisieren jetzt selbst Veranstaltungen. Engagieren sich. Haben eine Stimme.

Das ist konkret, was die Bibel meint: Menschen werden befreit. Nicht durch fromme Worte. Durch echte Teilhabe.

Als Kirchenvorstand:
Oft erlebe ich den Widerspruch: Kirche redet von Nächstenliebe – und nimmt Ehrenamtliche oft als selbstverständlich hin.

Ich versuche gegenzusteuern. Entscheidungen transparent machen. Ehrenamtliche stärken und wertschätzen. Kirche öffnen für alle.

Ziemlich schwer. Die Strukturen sind zäh. Aber manchmal geht was.

An der Uni:
Ich unterricht Soziale Arbeit. Und ich sag den Studierenden: „Gute Soziale Arbeit fragt nicht nur: Wie helfen wir? Sondern auch: Warum brauchen Menschen überhaupt Hilfe?“

Warum gibt es Armut in einem reichen Land? Warum werden Menschen mit Behinderungen ausgegrenzt? Das sind politische Fragen.

Was ich gewonnen habe.
Diese andere Art, die Bibel zu lesen, hat mir Freiheit gegeben:

Frei von der Angst, nicht gut genug zu sein. Vom Druck, ständig was leisten zu müssen. Von religiöser Kontrolle.

Frei für Solidarität mit denen, die unten sind. Für politisches Engagement. Für die Hoffnung, dass sich was ändern kann.

Frei mit allen, die ebenfalls auf der Suche sind. Mit denen am Rand. Mit allen, für die „kein Stuhl da ist“.

Die Suche geht weiter

Ich hab keine fertigen Antworten. Hab ich auch nie gehabt. Die Suche nach Gott hört nie auf.

Aber ich hab verstanden, wo ich suchen muss:

Nicht in perfekten Gottesdiensten. Sondern dort, wo Menschen befreit werden.

Nicht nur in frommen Bibelstunden. Sondern dort, wo Gerechtigkeit geschieht.

Nicht dort, wo Stühle weggenommen werden. Sondern dort, wo Tische gedeckt werden für alle.

Genau so was haben wir jetzt gerade. Der Nachbarschaftsraum in Breidenbach.

Das ist keine fromme Idee. Das ist eine notwendige Maßnahme. Weil Kirche in Zukunft nicht anders überleben kann. Nicht als Institution, die sich selbst erhält. Sondern als Kirche, die nah bei den Menschen ist.

Die Ängste sind da. Wird das funktionieren? Wie finanzieren wir das? Was, wenn’s schief geht?

Aber auch die Hoffnung. Die Chance, was Neues entstehen zu lassen. Einen Ort, wo Gemeinde wirklich Gemeinde ist. Nicht nur in Sonntagsgottesdiensten, sondern im Alltag.

Dabei wollen wir die alten Menschen mitnehmen. Beide Gruppen sind wichtig – die, die was Neues wagen, und die, die die Tradition kennen. Die Tradition ist auch wichtig. Aber sie ist nicht in Stein gemeißelt. Sie muss sich wandeln, wenn sie leben soll.

Alfred Delp, der Jesuitenpater, der im Widerstand gegen die Nazis war und dafür hingerichtet wurde, hat aus dem Gefängnis geschrieben:

„Man muss die Segel in den unendlichen Wind stellen, dann erst werden wir spüren, welcher Fahrt wir fähig sind.“

Wir setzen die Segel. Nicht weil wir so mutig sind. Sondern weil wir keine andere Wahl haben, wenn wir ehrlich sein wollen.

Gott baut sein Reich nicht mit Steinen, sondern mit Menschen.

Und Karl Barth hat es gesagt: „Seid ohne Angst – es wird regiert.“

Nicht von uns. Nicht von Kirchenvorständen. Nicht von perfekten Konzepten.

Sondern von dem Gott, der schon immer auf der Seite derer war, die was Neues wagen mussten.

Dieser Weg ist nicht einfach. Nicht bequem. Er macht einen manchmal unbequem für andere.

Aber er ist frei.

Der gemeinsame Weg ist gemeinschaftlich oder er ist gar nicht.
Niemand kann allein befreit werden.

„Suchet der Stadt Bestes“

Unser Kreuz hat keine Hacken

Für Deborah

Liebe Deborah, liebe Geschwister, ich stehe hier als Armin Herzberger.

Ich spreche ausdrücklich kein Grußwort. Ich mag keine Grußworte
Vielmehr möchte ich dir, liebe Deborah, noch etwas sagen.

Deborah erzählt in ihren Predigten oft Geschichten. Gute Geschichten, sinnstiftende Geschichten, biblische Geschichten, Geschichten aus dem Leben. Geschichten aus ihrem Leben.
Ich liebte diese Geschichten. Wann immer es ging war ich dabei wenn Sie Gottesdienste eierte

Ich möchte euch heute auch eine Geschichte erzählen.
Eine Geschichte, die mir wichtig ist.
Eine Geschichte, über die mich seit meiner Konfirmandenzeit bis heute berührt.

Sag mal Rabbi, wer ist denn der Nächste?
Jesus gab keine direkte Antwort.
Er erzählte eine Geschichte:
Ein Jude war auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho.
 Er wird blutig geschlagen, ausgeraubt und bleibt auf dem Weg liegen.
Ein Priester, der vorbeikommt, geht weiter.
Ein Levit, der ebenfalls vorbeikommt, geht weiter.
Dann kommt ein Samariter. Ein Fremder.
Viele Leute mögen ihn nicht.
Aber er bleibt stehen. Er hilft.
Er verbindet die Wunden.
Er bringt ihn in ein Gasthaus.
Er bezahlt für ihn. Er sagt, kümmert euch um ihn, ich komme wieder und bezahle, was noch fehlt.

Jesus fragt, wer ist der Nächste?
Die Antwort ist
Der, der geholfen hat.
Jesus sagt
Dann mache es genauso.

Was Jesus mir durch dieses Gleichnis zeigen, wollte:

  • Gott fragt nicht nach Religion oder Herkunft.
  • Gott fragt: Wer hilft?
  • Die wichtigen Leute haben versagt.
  • Der Priester und der Levit kannten die Regeln.
  • Aber sie gingen vorbei.
  • Sie schauten weg.
  • Der Samariter war ein Ausländer.
  • Viele Menschen mochten ihn nicht.
  • Aber er half.
  • Helfen ist wichtiger als fromm sein.
  • Es reicht nicht, in die Kirche zu gehen.
  • Es reicht nicht, schöne Worte zu sagen.
  • Wir müssen etwas tun für mehr Gerechtigkeit.
  • Alle Menschen sind gleich viel wert.
  • Egal woher sie kommen.
  • Egal welche Religion sie haben.
  • Egal ob sie arm oder reich sind.
  • Gott will, dass wir zusammenhalten.
  • Besonders mit Menschen, die ausgegrenzt werden.
  • Besonders mit Menschen, die keine Macht haben.
  • Besonders mit Menschen, die wir vergessen haben
  • Gottes Welt beginnt, wo wir Unrecht bekämpfen.
  • Wo wir Brücken bauen statt Mauern.
  • Wo wir teilen, statt immer mehr anzusammeln und nicht mehr bereit sind zu teilen.
  • Wo wir menschlich sind statt gleichgültig.

    Nach einer Predigt im Januar fragte ich Deborah:
    sag mal:
    Reicht suchen?
    Du hast geantwortet, suchen reicht vollkommen. Mit offenem Herzen.

    Das hat mich tief berührt.
    Mir ist dann das, was ich im Kopf hatte, ins Herz gerutscht.

Im Februar wurde meine Frau plötzlich schwer krank.
Sie wäre beinahe verstorben.

Im Laufe der folgenden Monate wurde meine Frau wieder gesund. Gott sei Dank

Ich spürte ich kann jetzt glauben
an einen Gott.
der mich hört,
mich hält,
mich führt,

Kein strafenden Gott,
sondern ein Gott, der mich liebt.

Dafür Deborah,
für Deine Seelsorge
für Deine Gebete
danke ich Dir von ganzem Herzen.
Gott segne Dich!
Und Deine Familie.

Abschiedsgottesdienst
der evangelischen Kirchengemeinde Oberdieten
für Deborah Kehr
am 28.09.25

Liebe Hinterländer Christen Teil 2

Aus aktuellem Anlass melde ich mich erneut

Dies ist ein Blogbeitrag der allein meine eigene Meinung abbildet. Mein ehrenamtliches kirchliches Engagement ist davon ausdrücklich ausgenommen.

Wer fromm ist muss auch politisch sein:
So wie bei Bonhoeffer lassen sich die Aufgaben der Kirche gegenüber Staat und Öffentlichkeit auch heute zusammenfassen. 

Die erste von Bonhoeffer genannte Aufgabe verstehen wir heute als Kultur der Einmischung. Wenn die Kirchen mit Denkschriften in die demokratische Zivilgesellschaft hineinsprechen, dann geht es genau um das, was Bonhoeffer als „Verantwortlichmachung des Staates“ bezeichnete. 


Die zweite Aufgabe, der diakonische Dienst an den Bedürftigen, bleibt ohnehin. Dass er heute geleistet wird, zeigt sich, wenn etwa Gemeinden mit großer öffentlicher Zustimmung für den Schutz von Flüchtlingen eintreten. 
Und die dritte Aufgabe? Was heißt dem Rad in die Speichen fallen? Für Bonhoeffer rückte dies zunehmend ins Zentrum seines Denkens und Handelns. Dass der Imperativ keineswegs nur in der Diktatur gilt, sondern auch in demokratischen Gesellschaften eine Option sein kann, zeigte schon in den frühen achtziger Jahren die Diskussion um gewaltfreien zivilen Ungehorsam gegen die Stationierung von Massenvernichtungswaffen… .

Zum Schluss ein Zitat von D. Bonhoeffer

Allein weil Gott ein armer, elender, unbekannter, erfolgloser Mensch wurde, und weil Gott sich von nun an allein in dieser Armut, im Kreuz, finden lassen will, darum kommen wir von dem Menschen und von der Welt nicht los, darum lieben wir die Brüder.“

Liebe Hinterländer Christen


Gerne würde ich das Thema mit Euch weiter diskutieren.

Geschwisterliche Grüße sendet Euch
Armin Herzberger 

Unser Kreuz hat keine HAKEN

Unser Kreuz hat keine Haken.
Das ist ein Slogan, der von einigen christlichen Organisationen in Deutschland verwendet wird, um sich gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit auszusprechen.
Er drückt aus, dass das christliche Symbol des Kreuzes nichts mit dem Hakenkreuz der Nazis zu tun hat, und dass Christen alle Menschen einladen, sich für Frieden, Solidarität und Demokratie einzusetzen.
Wir finden, dass ist eine sehr wichtige und mutige Botschaft, die in unserer heutigen Zeit leider immer noch aktuell ist
Gerade Christinnen und Christen sollten deutlich machen, für welche Werte wir mit unserem Glauben einstehen.
Aus unserer christlichen Überzeugung hergeleitet sagen wir:
Wir leben Vielfalt. Wir bieten Heimat. Wir setzen uns ein für mehr Gerechtigkeit bei uns und in der Welt‘.“ Wir sind der Überzeugung „dass jeder Mensch Gottes Ebenbild und die Würde jedes und jeder Einzelnen deswegen uneingeschränkt zu achten ist“.
Auch in unserer Region werden zunehmend Menschen auf Grund ihrer Kultur, ihrer Kleidung, ihrer Sprache, ihrer Religion, ihrer sexuellen Orientierung oder auf Grund ihrer sozialen Stellung diskriminiert“.
Christinnen und Christen sind gefordert, sich des Themas anzunehmen:
Wir haben einen wichtigen Anteil am Gemeinwesen und damit den Auftrag, gesellschaftliche Prozesse zu begleiten und – wenn nötig – zu verändern.
Wir wollen mit Menschen anderen Glaubens, anderer Hautfarbe oder anderer Lebensauffassungen friedlich zusammenleben.

Nach unserer Überzeugung ist jeder Mensch Gottes Ebenbild.
Die Würde jedes und jeder Einzelnen ist darum uneingeschränkt zu achten.

Unseren Überzeugungen geben wir Ausdruck in unserer Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, in Gottesdiensten und Predigten, in unserem diakonischen Handeln wie in unserem gesellschaftspolitischen Engagement.

Als evangelische Christen und Christinnen tolerieren wir weder extremistische Positionen und Fremdenfeindlichkeit noch Rassismus oder sonstige menschenverachtende Einstellungen.
Wir stehen für eine Gesellschaft ein, in der alle Menschen in Vielfalt friedlich miteinander leben können.«
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) steht mit vielen anderen in Deutschland für eine auf der unverlierbaren Würde jedes Menschen gründende, offene, tolerante und gerechte Gesellschaft.
Deshalb kann die EKD sich nicht neutral verhalten, wenn Menschen ausgegrenzt, verachtet, verfolgt oder Opfer brutaler Gewalt werden.
Es geht uns nicht um Parteipolitik
Es geht hier nicht um links oder rechts im demokratischen Spektrum.
Uns geht es um ein Signal für Freiheit, Vielfalt, Demokratie und die Achtung der Menschenwürde – und gegen die Verachtung unserer Grundwerte.‘
Was denken Sie darüber?
Wir wollen mit Ihnen ins Gespräch kommen

Quellen:
Homepage der EKHN
Homepages verschiedener Dekanate
und Kirchengemeinden innerhalb der EKHN

Unser Kreuz hat alle Farben

Evangelische Kirchengemeinde Oberdieten

Psalm 8 „Mensch gedenke des Menschen“

Mensch gedenke des Menschen“
Jährliches Seminar mit Student: innen der #UniversitätSiegen“ in der Mordanstalt Hadamar
„Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch “ Brecht

Innerhalb von 7 Monaten wurden hier mehr als 10.000 behinderte Menschen vergast.

Im Bildhintergrund der rauchende Schornstein des Verbrennungsofens.

Der Verbrennungsofen war während dieser Zeit 24 Stunden in Betrieb.

Anwohner beschwerten sich über die „Geruchsbelästigung“


Aktion Marburger Stolpersteine – Gegen das Vergessen 

am 22.08.25



Wo habt Ihr uns hingebracht?