Wie Kirchenvorstand interessant werden kann


Freitagabend. Kurzfreizeit in Beienbach bei Netphen. Konfirmanden, erster Abend. Ich war nur zum Auftakt dabei — kurz vorgestellt, wer ich bin und was ich mache.
Das hier ist, was ich gesagt habe.

Kirchenvorstand. Klingt langweilig. Ist es nicht.
Jedenfalls nicht, wenn man die eine Frage ernst nimmt: Für wen ist diese Kirche eigentlich da?
Kirche war in der Geschichte oft auf der falschen Seite. Hat Mächtige geschützt. Hat weggeschaut. Hat mitgemacht, wenn Menschen unterdrückt wurden. Das ist kein Angriff. Das ist Geschichte. Und die muss man kennen, bevor man irgendetwas anderes sagt.
Trotzdem bin ich da. Weil ich will, dass sich jemand die Frage stellt: Wer sitzt nicht mit am Tisch — und warum nicht?
Menschen, die nicht ins Schema passen.
Menschen, die anders lieben.
Menschen, die sich nicht einordnen lassen wollen.
Menschen, die ausgegrenzt werden, weil sie einfach sie selbst sind.
Menschen mit Behinderung.
Menschen ohne Geld.
Menschen, die von der Kirche verletzt wurden und trotzdem noch irgendwie suchen.
Die sind nicht das Problem. Die sind der Maßstab.
Eine Kirche, die nur für die funktioniert, die schon drin sind — die ist überflüssig. Die kann zumachen.
Wir haben keine perfekten Antworten. Wir streiten. Wir liegen falsch. Aber wir stellen diese Fragen. Und wenn ihr reden wollt — über Kirche, Glauben, Zweifel, irgendetwas davon — kommt einfach auf uns zu. Kein Vortrag. Versprochen.

Zum Schluss hab ich gefragt, ob jemand ein Gebet möchte. Nicht alle. Wer will.

Gott —
falls du da bist:
Mach uns unbequem.
Nicht fromm.
Unbequem.
Damit wir nicht wegsehen,
wenn jemand keinen Platz kriegt.
Der Maßstab sind die,
die draußen stehen.
Immer.
Amen.

Dann bin ich gegangen. Die Freizeit geht noch bis Sonntag — ohne mich.

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