Andacht: Du sollst keine anderen Götter haben
Claudius Herz
Bibeltext: Exodus 20,3
Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
Mehr als 20 Prozent der Christen der evangelischen Kirchgemeinde Oberdieten wählen AfD
Weiße Protestanten: über 70 Prozent für Trump. Katholiken: 55 Prozent. Die Grenze zwischen politischer Gefolgschaft und abgöttischer Verklärung, schreibt ein Beobachter, hat sich längst aufgelöst.
Ich nenne das beim Namen: Götzendienst.
Nicht Irrtum. Nicht Schwäche. Götzendienst.
Trump wird als moderner Kyrus verehrt — als heidnischer Herrscher, den Gott benutzt, um seine Ziele durchzusetzen. Das erkläre, warum Trump moralisch offensichtlich nicht dem christlichen Ideal entspreche und trotzdem als göttliches Werkzeug gelte.
Göttliches Werkzeug.
Ein Mann, der Kinder von ihren Eltern trennte. Der Arme bestrafte und Reiche beschenkte. Der Schwache verachtete und Mächtige hofierte.
Und die Kirche salbt ihn.
Das ist nicht neu. Das war Konstantin. Das war die Deutsche Christen-Bewegung 1933. Das war jedes Mal dasselbe: Macht sucht Salbung. Und Kirche gibt sie gerne. Weil Kirche Angst hat. Vor dem Rand. Vor dem Verlust. Vor der Schwäche.
Barmen 1934 hat es gesagt: Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes. Kein anderes. Kein Kyrus. Kein Racheengel. Kein Krieger-Jesus aus der Rechten.
Matthäus 25. Ich war fremd. Ich war hungrig. Ich war ohne Papiere. Ich war an der Grenze.
Was habt ihr getan?
Die historischen schwarzen Kirchen der USA stehen in der Bürgerrechtstradition eines Martin Luther King — und wählen nicht Trump. Sie wissen, was Unterdrückung ist. Sie kennen den Gott der Exodus. Den Gott, der nicht auf der Seite der Pharaonen steht.
Dieser Gott ist unbequem. Er lässt sich nicht für Kulturkämpfe einspannen. Er lässt sich nicht nationalisieren.
Wer das versucht, betet nicht mehr zu ihm.
Jeremia 7,4:
Traut nicht auf Lügenworte: Hier ist der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN!
Jeremia kannte das. Die Frommen seiner Zeit sagten: Gott ist auf unserer Seite. Der Tempel steht. Alles wird gut.
Jeremia sagte: Nein.
Gebet
Gott der Armen.
Gott der Fremden.
Gott der Gekreuzigten.
Bewahre uns vor dem Christus der Stärke.
Vor dem Glauben, der Mauern baut.
Vor der Kirche, die salbte, was sie hätte benennen müssen.
Gib uns den Mut, unbequem zu sein.
Wie Barmen. Wie King. Wie Bonhoeffer.
Amen.
Claudius Herz, Juni 2026 • arminherzberger.com