Der gemeinsame Weg

Der gemeinsame Weg

Jemand hat mir zum neuen Jahr geschrieben: „Auch von mir ein frohes neues Jahr! Ich bin gespannt auf unseren gemeinsamen Weg…“

Diese Wortwahl vom „gemeinsamen Weg“ ist mehr als eine nette Floskel. Sie trägt eine tiefe Bedeutung – für den Glauben und für unser Zusammenleben.

Der Weg ist das Ziel – aber welcher Weg?

„Der Weg ist das Ziel“ heißt: Nicht nur das Ankommen zählt, sondern wie wir miteinander unterwegs sind.

Das wirkliche Handeln für Gerechtigkeit, die gelebte Verbundenheit, der tatsächliche Zusammenhalt – das ist bereits Gottes Reich, nicht erst ein fernes Ziel.

Die Redewendung wird oft Konfuzius zugeschrieben, doch die Idee gilt überall und ist zutiefst biblisch.

Biblische Weggeschichten sind Befreiungsgeschichten

Der Auszug aus Ägypten – die Urgeschichte der Befreiung:

Ein versklavtes Volk bricht auf in die Freiheit. Nicht das „gelobte Land“ allein ist das Ziel, sondern der Aufbruch aus der Unterdrückung, die Erfahrung des Zusammenhalts in der Wüste, das Aushandeln einer gerechten Ordnung unterwegs.

Die babylonische Gefangenschaft – Weggeschichte des Widerstands und der Hoffnung trotz Fremdherrschaft.

Jesu Weg nach Jerusalem – bewusster Gang in die Auseinandersetzung mit den Mächtigen in Religion und Politik.

Der Weg selbst ist bereits Widerstand.

Die Weihnachtsgeschichte – Maria und Josef, Flüchtlinge auf der Suche nach Unterkunft, finden Zusammenhalt bei den Ausgeschlossenen.

Der gemeinsame Weg heute

In der Überlieferung der Befreiungstheologie und der „Kirche von unten“ bedeutet der gemeinsame Weg:

  • Zusammenhalt mit den an den Rand Gedrängten
  • Widerstand gegen Unrecht und Ausgrenzung
  • Mitbestimmung statt Rangordnung
  • Gemeinsames Ringen um eine gerechtere Gesellschaft

Der Weg ist gemeinschaftlich oder er ist gar nicht. Niemand kann allein befreit werden – wir sind aufeinander angewiesen.

Auch in Beratung, Erziehung und Begleitung gilt:

Der Verlauf der Stärkung ist bereits das Ziel. Nicht das Ankommen bei einer fertigen Lösung, sondern das gemeinsame Suchen, das Wachsen an Schwierigkeiten, die Erfahrung: Ich kann etwas bewirken.

Für 2025 wünsche ich uns allen: Gesundheit, Frieden und die Kraft, gemeinsam Wege der Gerechtigkeit zu gehen.

Bleiben wir behütet – und behüten wir uns einander.

„Suchet der Stadt Bestes“ (Jeremia 29,7)

2 Gedanken zu “Ein Neujahrsgruß

  1. Vielen Dank lieber Armin!! Deine theologischen Werke- gut, gut!!
    Wünsche für das kommende Jahr Gesundheit, Gottes Segen und viele interessante Veranstaltungen und Begegnungen.Ich bin leider gehandikapt, war in Württemberg in einer psychosomatischen Klinik, alles ok, wurde dann zum Schluss entlassen mit der Diagnose: Demenz.
    Darf kein Auto mehr fahren, laufe jeden Mittag durch die Gegend, um genug Sauerstoff zu bekommen.
    Lese noch viel, aber positiv prickelnd ist das alles nicht.
    So viel von mir, lieben Gruß!!

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